Die Bundesregierung will den Beruf der Altenpflegerin abschaffen.

Altenpflege – Das Ende eines Berufs und die berechtigte Angst vor dem Altwerden
Altenpflege
Die Bundesregierung plant, eine einheitliche Pflegeausbildung für Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger einzuführen. Spezialisierungen werden damit abgeschafft. Das Motto scheint zu lauten: Was nicht passt, wird kurzerhand abgeschafft. Eine examinierte Altenpflegerin hat mit uns über ihren Beruf und die derzeit herrschenden Bedingungen gesprochen.

Die dunklen Ringe unter den Augen von Michaela B. fallen sofort auf. Die examinierte Altenpflegerin kommt gerade von einem 14-Stunden-Arbeitstag nach Hause. Eine Kollegin wurde krank und bis Ersatz aufgetrieben werden konnte, musste sie als einzige examinierte Fachkraft die Stellung im Pflegeheim halten. Zu Hause wartet schon der Ehemann ungeduldig, der nun zu spät zur Arbeit kommt, da er sich um die drei kleinen Kinder kümmern musste, bis Michaela wieder zu Hause war. Es herrscht dicke Luft. Ein Streit, der fast täglich aufgrund ihrer Arbeitszeiten geführt wird.
Arbeit ohne Verschnaufpausen

Michaela B. hat über 100 Überstunden angesammelt. „Die werde ich nie abbauen können“, erklärt sie müde. Ständig muss sie einspringen, weil es vorne und hinten am Personal mangelt. Auch Doppelschichten sind keine Seltenheit. So sammeln sich immer mehr Überstunden an. Teilzeitkräfte werden bereits von vornherein überplant. Wer 50 Prozent arbeiten will, muss damit rechnen, trotzdem mindestens zu 70 Prozent eingeplant zu werden – plus anfallende Überstunden durch ständiges Einspringen. Die Pflegedienstleitung ist auch keine Hilfe, erklärt sie. Die Dienstpläne werden schnell heruntergeschrieben, ob es passt oder nicht. Fällt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter aus, bricht alles zusammen. „Es gibt so gut wie kein freies Wochenende, an dem ich nicht angerufen werden, ob ich einspringen kann. Sogar im Urlaub klingelt morgens um halb 6 das Telefon“. Das Gehalt am Monatsende reicht ebenfalls nicht aus, um mit drei Kindern über die Runden zu kommen. Gut, dass ihr Mann Vollzeit arbeitet, doch da sie ständig einspringen und länger bleiben muss, bekommt auch er inzwischen Ärger im Job. Das wirkt sich auch auf die Beziehung aus.

Der Personalmangel hat noch andere Folgen. Die viel zu wenigen Pflegekräfte – davon die meisten Schüler und kostengünstige Hilfskräfte – müssen sich bei der zu hohen Anzahl an Heimbewohnern abhetzen. Für einen Spaziergang oder ein längeres Gespräch mit den Senioren hat niemand mehr Zeit. „Manchmal müssen wir die Bewohner auch eingenässt eine Zeit lang in ihren Betten liegen lassen, weil es an anderen Stellen brennt“, erklärt Michaela B. So hatten sich die Senioren ihren Lebensabend sicher nicht vorgestellt – so stellt sich niemand sein Leben im Alter vor. Hier müssen schnell Medikamente verabreicht werden, dort ist eine Bewohnerin aus dem Bett gefallen und blutet am Kopf, ein anderer Bewohner versucht, das Gebäude zu verlassen. Der Arzt, der momentan für Untersuchungen im Heim ist, will Unterlagen haben. Das Telefon klingelt und in drei Räumen haben Bewohner den Knopf gedrückt und möchten, dass ein Pfleger zu ihnen kommt, während eine verwirrte Frau nackt durch die Gänge läuft und nach ihrem verstorbenen Ehemann ruft. Die viel zu wenigen Pflegekräfte müssen überall gleichzeitig sein. „Setzt man sich dann mal fünf Minuten hin, um durchzuatmen und einen Schluck Kaffee zu trinken, dann hört man von Angehörigen, dass man nur den ganzen Tag am Kaffee trinken sei.“

Wieso sie nicht streiken, fragen wir. „Und wer kümmert sich dann um die Bewohner? Wir sind doch eh schon viel zu wenig Mitarbeiter…“ Es ist ein Teufelskreis, in dem die Pflegefachkräfte feststecken. Zu wenig Personal, zu viel Arbeit, zu wenig Gehalt und zu wenig Zeit für die Senioren, obwohl das Ziel der Altenpflegerinnen sein sollte, diesen den Lebensabend so angenehm wie möglich zu gestalten. „Wir fühlen uns allein gelassen. Niemand nimmt uns ernst, niemand will helfen…“ meint Michaela B. Das Telefon klingelt. „Kannst du heute Nacht einspringen?“. Dass damit Arbeitszeitgesetze immer und immer wieder gebrochen werden, interessiert in der Pflege niemanden…Probleme in der Altenpflege? – Schaffen wir den Beruf einfach ab!

Die Bundesregierung ist sich des Problems durchaus bewusst. Doch was will man tun? Es wird in Zukunft immer mehr pflegebedürftige und ältere Menschen geben. Der Beruf der Altenpflegerin wird aber gleichzeitig immer unattraktiver. Geld ist keines vorhanden, dass man in diesen Bereich fließen lassen kann oder will. Da kommt die Idee: Man schafft den Beruf einfach ab! Die Bundesregierung möchte, dass es in Zukunft nur noch eine einheitliche Pflegeausbildung für Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger gibt. Damit soll man flexibel zwischen den Berufen wechseln können. Fehlt es an Fachkräften im Altenpflegebereich, so werden die Arbeitskräfte eben verstärkt dort eingesetzt.

Doch ist das die Lösung? Kann eine Krankenpflegerin einen älteren Menschen beim Sterben begleiten, mit dem sie sich vielleicht zuvor monate- oder sogar jahrelang angefreundet hat? Kann eine Altenpflegerin ein krebskrankes Kind versorgen? Geht nicht die Spezialisierung verloren, wenn man alles über einen Kamm schert? Könnte man dieses Prinzip nicht auch auf andere Bereiche übertragen? Ein Zahnarzt, der am Gehirn operieren soll. Ein Bäcker, der Tiere schlachtet. Ein Zugführer, der ein Flugzeug fliegt…

Spezialisierungen sind wichtig, um genau die Bedürfnisse eines Berufs abzudecken. Eine breit gefächerte Ausbildung könnte nicht tief genug in einzelne Bereiche vordringen. Hinzu kommt, wie man darüber hinaus den Beruf attraktiver gestalten möchte. Verdienen die Pflegefachkräfte dann mehr Geld? Werden sich die Arbeitsbedingungen wirklich ändern? Michaela B. glaubt nicht daran. Sie befürchtet, dass alles noch schlimmer wird. Sie hat resigniert, fühlt sich ausgebrannt und leer. Doch sie kann und will die Pflegebedürftigen nicht im Stich lassen. „Sie haben doch sonst niemanden.“ Das wissen auch die Bundesregierung und die Besitzer von Pflegeheimen. Das Helfersyndrom führt dazu, dass es immer jemanden geben wird, der helfen will, egal zu welchen Bedingungen. Wieso also wirklich viel Aufwand betreiben, um den Beruf zu retten? Es findet sich schließlich immer jemand, der nicht sehen kann, wenn andere Menschen leiden und dann auch für wenig oder gar keine Bezahlung hilft. Schnell richtet Michaela B. den Kindern das essen und reibt sich die Augen mit den dicken, dunklen Rändern darunter. Doch auch heute wird sie nicht zum Schlafen kommen. Denn in wenigen Stunden muss sie schon wieder zur Arbeit, um die Nachtwache der ausgefallenen Kollegin zu übernehmen. /ab

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Über totoweise

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2 Antworten zu Die Bundesregierung will den Beruf der Altenpflegerin abschaffen.

  1. Bibi Coment schreibt:

    oh ihr alten satanistischen Greise und ihr aufgeblähten Waschweiber, bald kommt der Tag der Abrechnung und dann wird man euch eure Babyrassel „Weltherrschaft“ aus der Hand schlagen.

    Ihr denkt, dass ihr steht, gell…dann seht zu, dass ihr nicht fallt

    LG

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