Wie sich die Sicherheitsbehörden ihre Terroristen schaffen

Während in den bundesdeutschen Medien der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse auf die Titelzeilen gehoben wird, nicht ohne ebenso zusammenhangslos wie reflexartig die Notwendigkeit der Vorratsdatenspeicherung zu beschwören, berichtete die britischen Tageszeitung “The Guardian” in der vergangenen Woche von einem Ex-V-Mann des FBI, dessen Auftrag es war, junge Islamisten zu radikalisieren und anderen, als Al-Qaida auftretenden FBI-Agenten, in die Arme zu treiben.

Begonnen hatte die “Karriere” des wegen Scheckbetrugs verurteilten Craig Monteilh als verdeckter Drogenfahnder. Später wurde er beauftragt für die “Terrorabwehr” zu arbeiten und bekam dafür von seinen FBI-Vorgesetzten eine neue Identität. Als Farouk Aziz sollte er sich in islamische Gruppen in Orange County, einem Bezirk im Süden Kaliforniens, einschleusen.

Nachdem er sich eine Zeit lang in den Moscheen rumtrieb, konvertierte er Juli 2006 zum Islam. Danach fing er an mit jungen Islamisten über den Zugang zu Waffen und den möglichen Wunsch, ein Selbstmordattentäter zu werden, zu sprechen. Die Gespräche selbst nahm er mit einer verdeckten Kamera oder einem als Schlüsselanhänger getarnten Audiorekorder auf, die er wöchentlich an das FBI weiterleitete. Die Kunst dabei sei gewesen, so Monteilh, jemanden dazu zu drängen “Jihad” zu sagen.

Einsatzbesprechungen fanden aller zwei Monate in einem Hotelzimmer statt, wo er auf einzelne Personen angesetzt wurde, um Schaubilder über deren Beziehungsnetz zu erstellen. Wenn sich dann z. B. herausstellte, dass die Zielperson homosexuell war, nutzte das FBI diese Information, um ihn als Informant zu erpressen. Auf Monteilhs Vorschlag, mit muslimischen Frauen sexuelle Beziehungen einzugehen, um sie so besser ausfragen zu können, entgegneten FBI-Agenten, “wenn es der Informationsbeschaffung dient, dann los”.

Seine eigene Motivation beschrieb Monteilh damit, sich unantastbar gefühlt zu haben.

“Ich bin ein Verbrecher, ich bin auf Bewährung und die Polizei darf mich nicht verhaften. Wie mächtig fühlt man sich da? Sehr mächtig! Du fängst an, eine bestimmte Arroganz zu entwickeln.”

Aber seine Arbeit als Agent provocateur wurde auch gut bezahlt: Auf dem Höhepunkt seiner “Karriere” verdiente Monteilh nach eigenen Angaben mehr als 11.000 Dollar im Monat.

Im Jahre 2009 ermittelte das FBI gegen den afghanischen Einwanderer Ahmad Niazi. Zu den Beweisen gehörten heimliche Mitschnitte, die Monteilh geliefert hatte. Gegenüber dem Guardian gibt der Ex-V-Mann nun an, Niazi eine Falle gestellt zu haben. Mit den durch ihn provozierten, mitgeschnittenen Gesprächen sollte der Afghane dazu gezwungen werden, als Informant zu arbeiten. Tatsächlich wurde die Anklage später fallen gelassen.

Der Fall Monteilh gibt Einblicke in die Arbeitsweise der Sicherheitsbehörden, die mit dem Einsatz von Provokateuren aus naiven und leicht zu manipulierenden jungen Männern angebliche Terroristen machen. Das FBI bildet sie im Umgang mit Waffen und Sprengstoff aus, fährt sie mit einem Auto in die Nähe des für einen Anschlag bestimmten Ortes, wo dann der jeweilige “gefährliche Terrorist” von mutigen FBI-Kollegen unter hohem persönlichen und medialen Einsatz verhaftet wird. Tatsächlich, klärt Monteilh, gibt es gar keine Jagd auf Terroristen. Es ist alles fingiert.

So auch der Fall der “Newburgh Four”, der vier schwarzen Kleinkriminelle aus Newburgh, die von einem Agent provocateur des FBI für 250.000 Dollar und einer Gratis-Urlaubsreise dazu angestiftet wurden, Sprengstoff in einer New Yorker Synagoge zu deponieren. Sowohl die Idee, das Material, als auch die ideologische Begründung für den geplanten Anschlag stammten von einem bezahlten Informanten.

Dass sich solche “Arbeitsweisen” nur auf die Sicherheitsbehörden in den USA beschränken, kann bei einem Blick auf die sich in Deutschland und Europa zugetragenen Anschläge, bei denen im Nachhinein immer bekannt wurde, dass es eine Verbindung eines der jeweiligen Geheimdienste zu den Tätern gab, wohl ausgeschlossen werden. Spreelichter. Hier wird deutlich auf welche Art und Weise diese Feinde von den Geheimdiensten geschaffen werden. Man muss den Blick nur auf ähnliche Geschehnisse (besonders in Europa) der jüngsten Vergangenheit richten. Genau so, wie es hier auch beschrieben wurde, blieben immer entscheidende Fragen offen und eine Beteiligung der „Sicherheitsbehörden“ wurde offensichtlich

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Über totoweise

Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben. Sieg oder Spott, folg deinem Gott!
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