Die Germanen

 

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Wir Deutschen haben eine wahre Kultur. Wir Deutschen gehören zu dem Ursprung einer westlich zivilisierten und autarken Welt ohne das wir eine kulturelle Identität künstlich erzeugen müssen indem wir andere Kulturen vernichten! Wir sind mehr als das was uns seit Dekaden eingeredet wird, wir haben eine Geschichte die es wert ist sich zu entwickeln, denn unsere Vorfahren haben ihr Leben gegeben damit wir heute in Freiheit leben sollten. Den Deutschen hat man die Geschichte abtrainiert. Bei den einen reicht das Gedächtnis nur bis zur letzten Fußball-WM, bei den anderen nur bis 1933.

Das alles ist ein wesentlicher Teil der deutschen Historie, welche jedoch immer mehr in das Vergessen gedrängt wird. Wir sind inmitten eines kulturellen Bewusstseins der Selbstaufgabe und des ewigen Schuldkult, ohne sich auf das zu besinnen was wir sind und andere Völker als selbstverständlich erachten: Wir sind noch eine Nation!
Ich bin stolz ein Deutscher zu sein

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Germanen ist die Bezeichnung für eine zur indogermanischen Sprachfamilie gehörende Volksgruppe. Sie stammen ursprünglich wahrscheinlich aus Skandinavien, Dänemark und Norddeutschland. Die Vorfahren der Germanen können nach frühesten historischen Überlieferungen bis in Mitte des 1.Jahrtausend v.Chr. zur Jastorf-Kultur (nordgermanische Ebene zwischen Elbe und Oder) sowie zur Harpstedt-Kultur in Nordwestdeutschland und Holland zurückverfolgt werden. Später gelangten sie durch die Verdrängung der Kelten bis an die Alpen, ja wurden sogar zu den Erben des untergegangenen Weströmischen Reiches. Die Gesamtzahl der Germanen wird auf etwa 4-7 Mill. geschätzt. Nach Tacitus und Plinius gab es drei germanische Stammesgruppen, an der Küste die Ingaevonen (Ingwäonen), in der Mitte die Herminonen und im übrigen Gebiet die Istaevonen (Istwäonen). Die Kenntnis der Nachwelt von den Germanen stammt fast ausschließlich aus den Werken römischer Autoren (Cäsar, Tacitus, Plinius der Ältere)

Tacitus üder die Germanen

De origine et situ Germanorum

Allgemeiner Teil

Lage des Landes, Herkunft der Bewohner, Religion, Sitten und Bräuche, die allen Germanen gemeinsam sind. 

1. Germanien insgesamt ist von den Galliern, von den Rätern und Pannoniern durch Rhein und Donau, von den Sarmaten und Dakern durch wechselseitiges Mißtrauen oder Gebirgszüge geschieden. Die weiteren Grenzen schließt das Weltmeer ein, breite Landvorsprünge und Inseln von unermeßlicher Ausdehnung umfassend: erst unlängst wurden einige Völkerschaften und Könige bekannt, zu denen der Krieg den Zugang eröffnet hat. Der Rhein, auf unzugänglicher und schroffer Berghöhe der Rätischen Alpen entspringend, wendet sich in mäßiger Biegung nach Westen und mündet sodann in das Nordmeer. Die Donau, einem sanften und gemächlich ansteigenden Rücken des Abnobagebirges entströmend, berührt eine Reihe von Völkern, ehe sie mit sechs Armen ins Schwarze Meer eindringt; eine siebte Mündung verliert sich in Sümpfen.

2. Die Germanen selbst sind, möchte ich meinen, Ureinwohner und von Zuwanderung und gastlicher Aufnahme fremder Völker gänzlich unberührt. Denn ehemals kam nicht auf dem Landwege, sondern zu Schiff gefahren, wer neue Wohnsitze suchte, und das Weltmeer, das ins Unermeßliche hinausreicht und sozusagen auf der anderen Seite liegt, wird nur selten von Schiffen aus unserer Zone besucht. Wer hätte auch – abgesehen von den Gefahren des schrecklichen und unbekannten Meeres – Asien oder Afrika oder Italien verlassen und Germanien aufsuchen wollen, landschaftlich ohne Reiz, rauh im Klima, trostlos für den Bebauer wie für den Beschauer, es müßte denn seine Heimat sein. In alten Liedern, der einzigen Art ihrer geschichtlichen Überlieferung, feiern die Germanen Tuisto, einen erdentsprossenen Gott. Ihm schreiben sie einen Sohn Mannus als Urvater und Gründer ihres Volkes zu, dem Mannus wiederum drei Söhne; nach deren Namen, heißt es, nennen sich die Stämme an der Meeresküste Ingävonen, die in der Mitte Herminonen und die übrigen Istävonen. Einige versichern – die Urzeit gibt ja für Vermutungen weiten Spielraum – jener Gott habe mehr Söhne gehabt und es gebe demnach mehr Volksnamen: Marser, Gambrivier, Sueben, Vandilier, und das seien die echten, alten Namen. Die Bezeichnung Germanien sei übrigens neu und erst vor einiger Zeit aufgekommen. Denn die ersten, die den Rhein überschritten und die Gallier vertrieben hätten, die jetzigen Tungrer, seien damals Germanen genannt worden. So habe der Name eines Stammes, nicht eines ganzen Volkes, allmählich weite Geltung erlangt: zuerst wurden alle nach dem Sieger, aus Furcht vor ihm, als Germanen bezeichnet, bald aber nannten auch sie selbst sich so, nachdem der Name einmal aufgekommen war.

3. Auch Herkules, berichtet man, sei bei ihnen gewesen, und sie singen von ihm als dem ersten aller Helden, wenn sie in den Kampf ziehen. Außerdem haben sie noch eine Art von Liedern, durch deren Vortrag, Barditus geheißen, sie sich Mut machen und aus deren bloßem Klang sie auf den Ausgang der bevorstehenden Schlacht schließen; sie verbreiten nämlich Schrecken oder sind selbst in Furcht, je nachdem es durch ihre Reihen tönt, und sie halten den Gesang weniger für Stimmenschall als für den Zusammenklang ihrer Kampfeskraft. Es kommt ihnen vor allem auf die Rauheit des Tones und ein dumpfes Dröhnen an: sie halten die Schilde vor den Mund; so prallt die Stimme zurück und schwillt zu größerer Wucht und Fülle an. Übrigens meinen einige, auch Odysseus sei auf seiner langen und sagenhaften Irrfahrt in das nördliche Weltmeer verschlagen worden und habe die Länder Germaniens besucht. Asciburgium, ein heute noch bewohnter Ort am Ufer des Rheins, sei von ihm gegründet und benannt worden; eben dort will man sogar vor Zeiten einen dem Odysseus geweihten Altar gefunden haben, auf dem auch der Name seines Vaters Laertes stand, und noch heute gebe es im Grenzgebiet zwischen Germanien und Rätien Grabdenkmäler mit griechischen Schriftzeichen. Ich habe nicht die Absicht, diese Angaben durch Gründe zu bestätigen oder zu widerlegen; jeder mag ihnen nach seinem Gutdünken Glauben schenken oder nicht.

4. Ich selbst schließe mich der Ansicht an, daß sich die Bevölkerung Germaniens niemals durch Heiraten mit Fremdstämmen vermischt hat und so ein reiner, nur sich selbst gleicher Menschenschlag von eigener Art geblieben ist. Daher ist auch die äußere Erscheinung trotz der großen Zahl von Menschen bei allen dieselbe: wild blickende blaue Augen, rötliches Haar und große Gestalten, die allerdings nur zum Angriff taugen. Für Strapazen und Mühen bringen sie nicht dieselbe Ausdauer auf, und am wenigsten ertragen sie Durst und Hitze; wohl aber sind sie durch Klima oder Bodenbeschaffenheit gegen Kälte und Hunger abgehärtet.

5. Das Land zeigt zwar im einzelnen einige Unterschiede; doch im ganzen macht es mit seinen Wäldern einen schaurigen, mit seinen Sümpfen einen widerwärtigen Eindruck. Gegen Gallien hin ist es reicher an Regen, nach Noricum und Pannonien zu windiger. Getreide gedeiht, Obst hingegen nicht; Vieh gibt es reichlich, doch zumeist ist es unansehnlich. Selbst den Rindern fehlt die gewöhnliche Stattlichkeit und der Schmuck der Stirne; die Menge macht den Leuten Freude, und die Herden sind ihr einziger und liebster Besitz. Silber und Gold haben ihnen die Götter – ich weiß nicht, ob aus Huld oder Zorn – versagt. Doch will ich nicht behaupten, daß keine Ader Germaniens Silber oder Gold enthalte; denn wer hat nachgeforscht? Besitz und Verwendung dieser Metalle reizt sie nicht sonderlich. Man kann beobachten, daß bei ihnen Gefäße aus Silber, Geschenke, die ihre Gesandten und Fürsten erhalten haben, ebenso gering geachtet werden wie Tonkrüge. Allerdings wissen unsere nächsten Nachbarn wegen des Handelsverkehrs mit uns Gold und Silber zu schätzen, und sie kennen bestimmte Sorten unseres Geldes und nehmen sie gern; doch im Innern herrscht noch einfacher und altertümlicher der Tauschhandel. Von unseren Münzen gelten bei ihnen die alten und seit langem bekannten, die gezahnten und die mit dem Bilde eines Zweigespanns. Silber schätzen sie mehr als Gold, nicht aus besonderer Vorliebe, sondern weil sich der Wert des Silbergeldes besser zum Einkauf alltäglicher, billiger Dinge eignet.

6. Auch an Eisen ist kein Überfluß, wie die Art der Bewaffnung zeigt. Nur wenige haben ein Schwert oder eine größere Lanze. Sie tragen Speere oder, wie sie selbst sagen, Framen, mit schmaler und kurzer Eisenspitze, die jedoch so scharf und handlich ist, daß sie dieselbe Waffe je nach Bedarf für den Nah- oder Fernkampf verwenden können. Selbst der Reiter begnügt sich mit Schild und Frame; die Fußsoldaten werfen auch kleine Spieße, jeder mehrere, und sie schleudern sie ungeheuer weit: sie sind halb nackt oder tragen nur einen leichten Umhang. Prunken mit Waffenschmuck ist ihnen fremd; nur die Schilde bemalen sie mit auffallenden Farben. Wenige haben einen Panzer, kaum der eine oder andere einen Helm oder eine Lederkappe. Ihre Pferde zeichnet weder Schönheit noch Schnelligkeit aus. Sie werden auch nicht, wie bei uns, zu kunstvollen Wendungen abgerichtet; man reitet geradeaus oder mit einmaliger Schwenkung nach rechts, und zwar in so geschlossener Linie, daß niemand zurückbleibt. Aufs ganze gesehen liegt ihre Stärke mehr beim Fußvolk; daher kämpfen sie auch in gemischten Verbänden. Hierbei paßt sich die Behendigkeit der Fußsoldaten genau dem Reiterkampfe an: man stellt nur Leute vor die Schlachtreihe, die aus der gesamten Jungmannschaft ausgewählt sind. Auch ist ihre Zahl begrenzt: aus jedem Gau sind es hundert, und eben hiernach werden sie bei den Ihren genannt, und was ursprünglich nur eine Zahlbezeichnung war, gilt nunmehr auch als Ehrenname. Zum Kampfe stellt man sich in Keilen auf. Vom Platz zu weichen, wenn man nur wieder vordringt, hält man eher für wohlbedacht, nicht für feige. Ihre Toten bergen sie auch in unglücklicher Schlacht. Den Schild zu verlieren, ist eine Schmach ohnegleichen, und der so Entehrte darf weder an Opfern teilnehmen noch eine Versammlung besuchen, und schon mancher, der heil aus dem Kriege zurückkehrte, hat seiner Schande mit dem Strick ein Ende gemacht.

7. Könige wählen sie nach Maßgabe des Adels, Heerführer nach der Tapferkeit. Selbst die Könige haben keine unbeschränkte oder freie Herrschergewalt, und die Heerführer erreichen mehr durch ihr Beispiel als durch Befehle: sie werden bewundert, wenn sie stets zur Stelle sind, wenn sie sich auszeichnen, wenn sie in vorderster Linie kämpfen. Übrigens ist es nur den Priestern erlaubt, jemanden hinzurichten, zu fesseln oder auch nur zu schlagen, und sie handeln nicht, um zu strafen oder auf Befehl des Heerführers, sondern gewissermaßen auf Geheiß der Gottheit, die, wie man glaubt, den Kämpfenden zur Seite steht. Deshalb nehmen die Germanen auch gewisse Bilder und Zeichen, die sie aus den heiligen Hainen holen, mit in die Schlacht. Besonders spornt sie zur Tapferkeit an, daß nicht Zufall und willkürliche Zusammenrottung, sondern Sippen und Geschlechter die Reiterhaufen oder die Schlachtkeile bilden. Und ganz in der Nähe haben sie ihre Lieben; von dorther können sie das Schreien der Frauen, von dorther das Wimmern der Kinder vernehmen. Ihr Zeugnis ist jedem das heiligste, ihr Lob das höchste: zur Mutter, zur Gattin kommen sie mit ihren Wunden, und jene zählen oder prüfen ohne Scheu die Stiche; auch bringen sie den Kämpfenden Speise und Zuspruch.

8. Schon manche wankende und sich auflösende Schlachtreihe wurde, wie es heißt, von den Frauen wieder zum Stehen gebracht: durch beharrliches Flehen, durch Entgegenhalten der entblößten Brust und den Hinweis auf die nahe Gefangenschaft, die den Germanen um ihrer Frauen willen weit unerträglicher und schrecklicher dünkt. Aus diesem Grunde kann man einen Stamm noch wirksamer binden, wenn man unter den Geiseln auch vornehme Mädchen von ihm fordert. Die Germanen glauben sogar, den Frauen wohne etwas Heiliges und Seherisches inne; deshalb achten sie auf ihren Rat und hören auf ihren Bescheid. Wir haben es ja zur Zeit des verewigten Vespasian erlebt, wie Veleda lange Zeit bei vielen als göttliches Wesen galt. Doch schon vor Zeiten haben sie Albruna und mehrere andere Frauen verehrt, aber nicht aus Unterwürfigkeit und als ob sie erst Göttinnen aus ihnen machen müßten.

9. Von den Göttern verehren sie am meisten den Merkur (Wodan); sie halten es für geboten, ihm an bestimmten Tagen auch Menschenopfer darzubringen. Herkules (Donar) und Mars (Zio) stimmen sie durch bestimmte Tiere gnädig. Ein Teil der Sueben opfert auch der Isis. Worin der fremde Kult seinen Grund und Ursprung hat, ist mir nicht recht bekannt geworden; immerhin beweist das Zeichen der Göttin – es sieht wie eine Barke aus -, daß der Kult auf dem Seewege gekommen ist. Im übrigen glauben die Germanen, daß es der Hoheit der Himmlischen nicht gemäß sei, Götter in Wände einzuschließen oder irgendwie der menschlichen Gestalt nachzubilden. Sie weihen ihnen Lichtungen und Haine, und mit göttlichen Namen benennen sie jenes geheimnisvolle Wesen, das sie nur in frommer Verehrung erblicken.

10. Auf Vorzeichen und Losorakel achtet niemand so viel wie sie. Das Verfahren beim Losen ist einfach. Sie schneiden von einem fruchttragenden Baum einen Zweig ab und zerteilen ihn in kleine Stücke; diese machen sie durch Zeichen kenntlich und streuen sie planlos und wie es der Zufall will auf ein weißes Laken. Dann betet bei einer öffentlichen Befragung der Stammespriester, bei einer privaten der Hausvater zu den Göttern, hebt, gen Himmel blickend, nacheinander drei Zweigstücke auf und deutet sie nach den vorher eingeritzten Zeichen. Lautet das Ergebnis ungünstig, so findet am gleichen Tage keine Befragung mehr über denselben Gegenstand statt; lautet es jedoch günstig, so muß es noch durch Vorzeichen bestätigt werden. Und der verbreitete Brauch, Stimme und Flug von Vögeln zu befragen, ist auch hier bekannt; hingegen ist es eine germanische Besonderheit, auch auf Vorzeichen und Hinweise von Pferden zu achten. Auf Kosten der Allgemeinheit hält man in den erwähnten Hainen und Lichtungen Schimmel, die durch keinerlei Dienst für Sterbliche entweiht sind. Man spannt sie vor den heiligen Wagen; der Priester und der König oder das Oberhaupt des Stammes gehen neben ihnen und beobachten ihr Wiehern und schnauben. Und keinem Zeichen schenkt man mehr Glauben, nicht etwa nur beim Volke: auch bei den Vornehmen, bei den Priestern; sich selbst halten sie nämlich nur für Diener der Götter, die Pferde hingegen für deren Vertraute. Sie beachten noch eine andere Art von Vorzeichen; hiermit suchen sie den Ausgang schwerer Kriege zu erkunden. Sie bringen auf irgendeine Weise einen Angehörigen des Stammes, mit dem sie Krieg führen, in ihre Gewalt und lassen ihn mit einem ausgewählten Manne des eigenen Volkes, jeden in den Waffen seiner Heimat, kämpfen. Der Sieg des einen oder anderen gilt als Vorentscheidung.

11. Über geringere Angelegenheiten entscheiden die Stammeshäupter, über wichtigere die Gesamtheit; doch werden auch die Dinge, für die das Volk zuständig ist, zuvor von den Stammeshäuptern beraten. Man versammelt sich, wenn nicht ein zufälliges und plötzliches Ereignis eintritt, an bestimmten Tagen, bei Neumond oder Vollmond; dies sei, glauben sie, für Unternehmungen der gedeihlichste Anfang. Sie rechnen nicht nach Tagen, wie wir, sondern nach Nächten. So setzen sie Fristen fest, so bestimmen sie die Zeit: die Nacht geht nach ihrer Auffassung dem Tage voran. Ihre Ungebundenheit hat eine üble Folge: sie finden sich nie gleichzeitig und nicht wie auf Befehl zur Versammlung ein; vielmehr gehen über dem Säumen der Eintreffenden zwei oder drei Tage verloren. Sobald es der Menge beliebt, nimmt man Platz, und zwar in Waffen. Ruhe gebieten die Priester; sie haben jetzt auch das Recht zu strafen. Dann hört man den König an oder die Stammeshäupter, jeweils nach dem Alter, nach dem Adel, nach dem Kriegsruhm, nach der Redegabe; hierbei kommt es mehr auf Überzeugungskraft an als auf Befehlsgewalt. Mißfällt ein Vorschlag, so weist man ihn durch Murren ab; findet er jedoch Beifall, so schlägt man die Framen aneinander. Das Lob mit den Waffen ist die ehrenvollste Art der Zustimmung.

12. Vor der Versammlung darf man auch Anklage erheben und die Entscheidung über Leben und Tod beantragen. Die Strafen richten sich nach der Art des Vergehens: Verräter und Überläufer hängt man an Bäumen auf; Feiglinge und Kriegsscheue und Unzüchtige versenkt man in Sumpf und Morast, wobei man noch Flechtwerk darüber wirft. Die Verschiedenheit der Vollstreckung beruht auf dem Grundsatz, man müsse Verbrechen zur Schau stellen, wenn man sie ahnde, Schandtaten hingegen dem Blicke entziehen. Doch auch in leichteren Fällen entspricht die Strafe dem Vergehen: wer überführt wird, muß mit einer Anzahl von Pferden und Rindern büßen. Ein Teil der Buße kommt dem König oder dem Stamme zu, ein Teil dem Geschädigten selbst oder seinen Verwandten. In diesen Versammlungen werden auch Adlige gewählt, die in den Gauen und Dörfern Recht sprechen; einem jeden steht ein Geleit von hundert Mann aus dem Volke als Rat zugleich und zu größerem Ansehen bei.

13. Niemals, weder bei Sachen der Gemeinde noch bei eigenen, erledigen sie etwas anders als in Waffen. Doch darf keiner Waffen tragen, ehe ihn der Stamm für wehrfähig erklärt. Das geschieht in öffentlicher Versammlung: eines der Stammeshäupter oder der Vater oder Verwandte wappnen den jungen Mann mit Schild und Frame. Dies ist das Männerkleid der Germanen, dies die erste Zier der Jugend; vorher zählen sie nur zum Hause, von jetzt an zum Gemeinwesen. Hohe Abkunft oder große Verdienste der Väter verschaffen auch ganz jungen Leuten die Gunst eines Gefolgsherrn; sie werden den anderen zugesellt, die schon stärker und längst erprobt sind. Es ist auch keine Schande, unter den Gefolgsleuten zu erscheinen. Ja, innerhalb der Gefolgschaft gibt es sogar Rangstufen, nach der Bestimmung dessen, dem man sich anschließt. Und es herrscht lebhafter Wetteifer: der Gefolgsleute, wer die erste Stelle beim Gefolgsherrn einnimmt, und der Gefolgsherrn, wer das größte und tüchtigste Gefolge hat. So kommt man zu Ansehen, so zu Macht; stets von einer großen Schar auserlesener junger Männer umgeben zu sein, ist im Frieden eine Zier, im Kriege ein Schutz. Und nicht nur im eigenen Stamme, auch bei den Nachbarn ist bekannt und berühmt, wer sich durch ein zahlreiches und tapferes Gefolge hervortut. Denn ihn umwirbt man durch Gesandte und ehrt man durch Geschenke, und schon sein Ruf verhindert oft einen drohenden Krieg.

14. Kommt es zur Schlacht, ist es schimpflich für den Gefolgsherrn, an Tapferkeit zurückzustehen, schimpflich für das Gefolge, es dem Herrn an Tapferkeit nicht gleichzutun. Doch für das ganze Leben lädt Schmach und Schande auf sich, wer seinen Herrn überlebend aus der Schlacht zurückkehrt: ihn zu schirmen und zu schützen, auch die eigenen Heldentaten ihm zum Ruhme anzurechnen, ist des Dienstes heiligste Pflicht. Die Herren kämpfen für den Sieg, die Gefolgsleute für den Herrn. Wenn der Heimatstamm in langer Friedensruhe erstarrt, suchen viele der jungen Adligen auf eigene Faust Völkerschaften auf, die gerade irgendeinen Krieg führen; denn Ruhe behagt diesem Volke nicht, und inmitten von Gefahren wird man leichter berühmt. Auch läßt sich ein großes Gefolge nur durch Gewalttat und Krieg unterhalten. Die Gefolgsleute erwarten nämlich von der Huld ihres Herrn ihr Streitroß, ihre blutige und siegbringende Frame. Denn die Mahlzeiten und die wenn auch einfachen, so doch reichlichen Schmausereien gelten als Sold. Die Mittel zu diesem Aufwand bieten Kriege und Raub. Und nicht so leicht könnte man einen Germanen dazu bringen, das Feld zu bestellen und die Ernte abzuwarten, als den Feind herauszufordern und sich Wunden zu holen; es gilt sogar für träge und schlaff, sich mit Schweiß zu erarbeiten, was man mit Blut erringen kann.

15. Wenn sie nicht zu Felde ziehen, verbringen sie viel Zeit mit Jagen, mehr noch mit Nichtstun, dem Schlafen und Essen ergeben. Gerade die Tapfersten und Kriegslustigsten rühren sich nicht. Die Sorge für Haus, Hof und Feld bleibt den Frauen, den alten Leuten und allen Schwachen im Hauswesen überlassen; sie selber faulenzen. Ein seltsamer Widerspruch ihres Wesens: dieselben Menschen lieben so sehr das Nichtstun und hassen zugleich die Ruhe. Es ist bei den Stämmen Brauch, daß jedermann freiwillig den Oberhäuptern etwas von seinem Vieh oder Korn überläßt; das wird als Ehrengabe angenommen und dient zugleich der Bestreitung des Notwendigen. Besondere Freude bereiten die Geschenke der Nachbarstämme, die nicht nur von einzelnen, sondern auch im Namen der Gesamtheit geschickt werden: erlesene Pferde, prächtige Waffen, Brustschmuck und Halsketten; wir haben sie schon dazu gebracht, auch Geld anzunehmen.

16. Daß die Völkerschaften der Germanen keine Städte bewohnen, ist hinreichend bekannt, ja daß sie nicht einmal zusammenhängende Siedlungen dulden. Sie hausen einzeln und gesondert, gerade wie ein Quell, eine Fläche, ein Gehölz ihnen zusagt. Ihre Dörfer legen sie nicht in unserer Weise an, daß die Gebäude verbunden sind und aneinanderstoßen: jeder umgibt sein Haus mit freiem Raum, sei es zum Schutz gegen Feuersgefahr, sei es aus Unkenntnis im Bauen. Nicht einmal Bruchsteine oder Ziegel sind bei ihnen im Gebrauch; zu allem verwenden sie unbehauenes Holz, ohne auf ein gefälliges oder freundliches Aussehen zu achten. Einige Flächen bestreichen sie recht sorgfältig mit einer so blendendweißen Erde, daß es wie Bemalung und farbiges Linienwerk ausssieht. Sie schachten auch oft im Erdboden Gruben aus und bedecken sie mit reichlich Dung, als Zuflucht für den Winter und als Fruchtspeicher. Derartige Räume schwächen nämlich die Wirkung der strengen Kälte, und wenn einmal der Feind kommt, dann verwüstet er nur, was offen daliegt; doch das Verborgene und Vergrabene bemerkt er nicht, oder es entgeht ihm deshalb, weil er erst danach suchen müßte.

17. Allgemeine Tracht ist ein Umhang, mit einer Spange oder notfalls einem Dorn zusammengehalten. Im übrigen sind sie unbekleidet; ganze Tage verbringen sie so am Herdfeuer. Nur die Reichsten haben noch Untergewänder, nicht wallende, wie die Sarmaten und Parther, sondern eng anliegende, die jedes Glied erkennen lassen. Man trägt auch Tierfelle, an Rhein und Donau wahllos, im Landesinneren anspruchsvoller; dort fehlt es an sonstigem Putz, wie ihn der Handel vermittelt. Diese Stämme bevorzugen die Felle bestimmter Wildarten; sie ziehen sie ab und besetzen sie mit Pelzstücken von Tieren, die der äußere Ozean und ein noch unbekanntes Meer hervorbringen. Die Frauen sind nicht anders gekleidet als die Männer nur hüllen sie sich öfters in Umhänge aus Leinen, die sie mit Purpurstreifen verzieren. Auch lassen sie den oberen Teil ihres Gewandes nicht in Ärmel auslaufen; Unter- und Oberarm sind nackt, doch auch der anschließende Teil der Brust bleibt frei.

18. Gleichwohl halten die Germanen auf strenge Ehezucht, und in keinem Punkte verdienen ihre Sitten größeres Lob. Denn sie sind fast die einzigen unter den Barbaren, die sich mit einer Gattin begnügen; sehr wenige machen hiervon eine Ausnahme, nicht aus Sinnlichkeit, sondern weil sie wegen ihres Adels mehrfach um Eheverbindungen angegangen werden. Die Mitgift bringt nicht die Gattin dem Manne, sondern der Mann der Gattin. Eltern und Verwandte sind zugegen und prüfen die Gaben, und zwar Gaben, die nicht für die weibliche Eitelkeit und nicht zum Schmuck der Neuvermählten bestimmt sind, sondern Rinder und ein gezäumtes Roß und einen Schild mit Frame und Schwert. Für diese Gaben erhält der Mann die Gattin, die nun auch ihrerseits dem Manne eine Waffe schenkt. Das gilt ihnen als die stärkste Bindung, als geheime Weihe, als göttlicher Schutz der Ehe. Die Frau soll nicht meinen, sie stehe außerhalb des Trachtens nach Heldentaten und außerhalb des wechselnden Schlachtenglücks: gerade die Wahrzeichen der beginnenden Ehe erinnern sie daran, daß sie als die Genossin in Mühen und Gefahren kommt, bereit, Gleiches im Frieden, Gleiches im Kampf zu ertragen und zu wagen. Dies bedeuten die Rinder unter gemeinsamem Joch, dies das gerüstete Pferd, dies das Schenken von Waffen. Demgemäß solle sie leben, demgemäß sterben; ihr werde etwas anvertraut, was sie unentweiht und in Ehren an ihre Kinder weiterzugeben habe, was die Schwiegertöchter zu empfangen und wiederum den Enkeln zu vermachen hätten.

19. So leben die Frauen in wohlbehüteter Sittsamkeit, nicht durch lüsterne Schauspiele, nicht durch aufreizende Gelage verführt. Heimliche Briefe sind den Männern ebenso unbekannt wie den Frauen. Überaus selten ist trotz der so zahlreichen Bevölkerung ein Ehebruch. Die Strafe folgt auf der Stelle und ist dem Manne überlassen: er schneidet der Ehebrecherin das Haar ab, jagt sie nackt vor den Augen der Verwandten aus dem Hause und treibt sie mit Rutenstreichen durch das ganze Dorf. Denn für Preisgabe der Keuschheit gibt es keine Nachsicht: nicht Schönheit, nicht Jugend, nicht Reichtum verschaffen einer solchen Frau wieder einen Mann. Dort lacht nämlich niemand über Ausschweifungen, und verführen und sich verführen lassen nennt man nicht „modern“. Besser noch steht es mit den Stämmen, in denen nur Jungfrauen heiraten und das Hoffen und Wünschen der Frau ein für allemal ein Ende hat. Nur einen Gatten bekommen sie dort, ebenso wie nur einen Leib und ein Leben; kein Gedanke soll weiter reichen, kein Verlangen darüber hinaus anhalten; nicht den Ehemann, sondern gleichsam die Ehe selbst sollen sie in ihm lieben. Die Zahl der Kinder zu beschränken oder ein Nachgeborenes zu töten, gilt für schändlich, und mehr vermögen dort gute Sitten als anderswo gute Gesetze.

20. In jedem Hause wachsen die Kinder nackt und schmutzig zu diesem Gliederbau, zu dieser von uns bestaunten Größe heran. Die Mutter nährt ein jedes an der eigenen Brust, und man überläßt sie nicht Mägden oder Ammen. Herr und Knecht werden unterschiedslos ohne Zärtelei aufgezogen; unter demselben Vieh, auf demselben Erdboden verbringen sie ihre Zeit, bis das wehrhafte Alter die Freien absondert, ihre Tüchtigkeit sich geltend macht. Spät beginnt beim jungen Manne der Liebesgenuß, und so ist die Zeugungskraft ungeschwächt. Auch mit den Mädchen eilt man nicht; ebenso groß ist die Jugendfrische, ähnlich der hohe Wuchs: den Männern gleich an Alter und Stärke, treten sie in die Ehe ein, und die Kraft der Eltern kehrt in den Kindern wieder. Die Söhne der Schwestern sind dem Oheim ebenso teuer wie ihrem Vater. Manche Stämme halten diese Blutsbande für heiliger noch und enger und geben ihnen den Vorzug, wenn sie Geiseln empfangen, da man sich so die Herzen fester und die Sippe in weiterem Umfang verpflichte. Doch zu Erben und Rechtsnachfolgern hat jeder die eigenen Kinder, und Testamente gibt es nicht. Sind keine Kinder vorhanden, haben die Brüder und die Oheime väterlicher- wie mütterlicherseits die nächsten Ansprüche auf den Besitz. Je mehr Verwandte jemand hat, je größer die Zahl der Verschwägerten ist, desto reichere Ehren genießt er im Alter, und Kinderlosigkeit bringt keinerlei Vorteil.

21. Die Feindschaften des Vaters oder Verwandten ebenso wie die Freundschaften zu übernehmen, ist zwingende Pflicht. Doch bestehen die Fehden nicht unversöhnlich fort; denn selbst ein Totschlag kann mit einer bestimmten Anzahl Groß- und Kleinvieh gesühnt werden, und die ganze Sippe empfängt die Genugtuung. Das ist nützlich für die Allgemeinheit, weil Fehden bei der Ungebundenheit der Verhältnisse um so verderblicher sind. Der Geselligkeit und Gastfreundschaft gibt kein anderes Volk sich verschwenderischer hin. Irgend jemanden, wer es auch sei, vom Hause zu weisen, gilt als Frevel; nach Vermögen bewirtet ein jeder den Gast an reichlicher Tafel. Ist das Mahl aufgezehrt, so dient der bisherige Wirt als Wegweiser zu neuer Bewirtung und als Begleiter; ungeladen betreten sie den nächsten Hof. Doch das verschlägt nichts; mit gleicher Herzlichkeit nimmt man sie auf. Beim Gastrecht unterscheidet niemand zwischen bekannt und unbekannt. Dem Davonziehenden pflegt man zu gewähren, was er sich ausbittet, und mit gleicher Unbefangenheit fordert man eine Gegengabe. Sie freuen sich über Geschenke, doch rechnen sie nicht an, was sie geben, und halten sie nicht für verpflichtend, was sie empfangen. Die tägliche Kost ist unter Gastfreunden Gemeingut.

22. Gleich nach dem Schlafe, den sie häufig bis in den lichten Tag hinein ausdehnen, waschen sie sich, öfters warm, da bei ihnen die meiste Zeit Winter ist. Nach dem Waschen speisen sie; jeder hat einen Sitz für sich und einen eigenen Tisch. Dann gehen sie in Waffen an ihre Geschäfte und nicht minder oft zu Gelagen. Tag und Nacht durchzuzechen, ist für niemanden eine Schande. Streitigkeiten sind häufig (es handelt sich ja um Betrunkene); sie enden selten mit bloßen Schimpfreden, öfters mit Totschlag und Blutvergießen. Doch auch über die Aussöhnung mit Feinden, den Abschluß von Heiraten und die Wahl der Stammeshäupter, ja über Krieg und Frieden beraten sie sich vielfach bei Gelagen, als sei der Mensch zu keiner Zeit aufgeschlossener für unverstellte oder stärker entbrannt für erhabene Gedanken. Dieses Volk, ohne Falsch und Trug, offenbart noch stets bei zwanglosem Anlaß die Geheimnisse des Herzens; so liegt denn aller Gesinnung unverhüllt und offen da. Am folgenden Tage verhandeln sie nochmals, und beide Zeiten erfüllen ihren Zweck; sie beraten, wenn sie sich nicht zu verstellen wissen; sie beschließen, wenn sie sich nicht irren können.

23. Als Getränk dient ein Saft aus Gerste oder Weizen, der durch Gärung eine gewisse Ähnlichkeit mit Wein erhält; die Anwohner von Rhein und Donau kaufen auch Wein. Die Kost ist einfach: wildes Obst, frisches Wildbret oder geronnene Milch: Ohne feine Zubereitung, ohne Gewürze vertreiben sie den Hunger. Dem Durst gegenüber herrscht nicht dieselbe Mäßigung. Wollte man ihnen, ihrer Trunksucht nachgebend, verschaffen, soviel sie wollen, so konnte man sie leichter durch ihr Laster als mit Waffen besiegen.

24. Sie kennen nur eine Art von Darbietungen, und bei jeder Festlichkeit dieselbe: nackt stürzen sich junge Männer, denen das Vergnügen macht, im Sprunge zwischen Schwerter und feindlich drohende Framen. Die Übung hat Sicherheit, die Sicherheit Anmut bewirkt, doch nicht um Gewinn oder Entgelt: der einzige Lohn des noch so verwegenen Spiels ist das Vergnügen der Zuschauer. Das Würfelspiel betreiben sie seltsamerweise in voller Nüchternheit, ganz wie ein ernsthaftes Geschäft; ihre Leidenschaft im Gewinnen und Verlieren ist so hemmungslos, daß sie, wenn sie alles verspielt haben, mit dem äußersten und letzten Wurf um die Freiheit und ihren eigenen Leib kämpfen. Der Verlierer begibt sich willig in die Knechtschaft, mag er auch jünger, mag er kräftiger sein, er läßt sich binden und verkaufen. So groß ist ihr Starrsinn an verkehrter Stelle; sie selbst reden von Treue. Sklaven, die sie auf diese Art gewonnen haben, veräußern sie weiter, um auch sich selbst von der Peinlichkeit des Sieges zu befreien.

25. Sonst verwenden sie die Sklaven nicht wie wir, daß die Aufgaben unter das Gesinde verteilt wären: jeder schaltet auf eigenem Hofe, am eigenen Herd. Der Herr trägt ihm auf, eine bestimmte Menge Korn oder Vieh oder Tuch abzugeben, und nur so weit reicht die Gehorsamspflicht des Sklaven. Die übrigen Geschäfte des Hauses besorgen die Frau und die Kinder. Daß man einen Sklaven prügelt, fesselt und mit Zwangsarbeit bestraft, ist selten; oft schlägt man ihn tot, nicht um strenge Zucht zu wahren, sondern in der Hitze des Zorns, wie einen Widersacher – allerdings ist die Sklaventötung straffrei. Die Freigelassenen stehen nur wenig über den Sklaven; selten bedeuten sie etwas im Hause, nie im Gemeinwesen, mit Ausnahme der Stämme, denen Könige gebieten. Denn dort steigen sie über Freigeborene und selbst über Adlige hinaus; bei den übrigen Stämmen ist der niedere Rang der Freigelassenen ein Beweis für die allgemeine Freiheit.

26. Geldgeschäfte zu betreiben und auch mit den Zinsen zu wuchern, ist unbekan

nt, und deshalb ist man besser dagegen gefeit als wenn es verboten wäre. Ackerland nehmen sie in einem Ausmaß, das der Anzahl der Bebauer entspricht mit gesamter Hand füreinander in Besitz; dann teilen sie es nach ihrem Range unter sich auf. Die Weiträumigkeit der Feldmark erleichtert das Teilungsgeschäft. Sie bestellen Jahr für Jahr andere Felder und doch bleibt Ackerland übrig. Denn ihr Arbeitsaufwand wetteifert nicht mit der Fruchtbarkeit und Ausdehnung des Bodens: sie legen keine Obstpflanzungen an noch umzäunen sie Wiesen oder bewässern sie Gärten; einzig Getreide soll der Boden hervorbringen. Deshalb teilen sie auch das Jahr nicht in ebenso viele Abschnitte ein. Für Winter, Frühling und Sommer haben sie Begriff und Bezeichnung; der Herbst ist ihnen unbekannt, der Name ebenso wie die Gaben.

27. Bei Totenfeiern meiden sie Prunk; nur darauf achten sie, daß die Leichen berühmter Männer mit bestimmten Holzarten verbrannt werden. Den Scheiterhaufen beladen sie nicht mit Teppichen oder Räucherwerk. Jeden begleiten die Waffen; einigen wird auch das Pferd ins Feuer mitgegeben. Über dem Grabe erhebt sich ein Rasenhügel; die Ehre hoher und kunstvoller Denkmäler lehnt man ab: sie sei eine Last für die Toten. Jammer und Tränen währen nur kurz, doch Schmerz und Trauer lange. Den Frauen ziemt Klage, den Männern stilles Gedenken.

Dies haben wir im allgemeinen über den Ursprung und die Sitten sämtlicher Germanen erfahren. Jetzt will ich die Einrichtungen und Bräuche einzelner Stämme, soweit sie anders sind, schildern und will berichten, welche Völkerschaften aus Germanien nach Gallien gewandert sind.

Stammeskundlicher Teil

28. Daß die Gallier einst überlegen waren, bezeugt ein Gewährsmann ersten Ranges, der göttliche Julius Cäsar. Man darf daher annehmen, daß auch Gallier nach Germanien hinübergezogen sind. Denn wie wenig hinderte der Strom, daß ein Stamm, der gerade erstarkt war neue Wohnsitze einnahm, wenn sie noch allgemein zugänglich und nicht unter königliche Gewalthaber aufgeteilt waren! So hausten zwischen dem herkynischen Walde, dem Rhein und dem Main die Helvetier und weiter ostwärts die Bojer, beides gallische Stämme. Der Name Boihämum ist bis heute geblieben und gibt Kunde von der Vorzeit des Landes, wenn auch die Bewohner gewechselt haben. Ob jedoch die Aravisker aus dem Gebiet der Oser, eines germanischen Stammes, nach Pannonien oder die Oser von den Araviskern aus nach Germanien gewandert sind – beide Völkerschaften haben noch heute dieselbe Sprache, dieselben Einrichtungen und Gebräuche – steht nicht fest; denn ehedem bot das Land nördlich wie südlich der Donau bei gleicher Armut und Unabhängigkeit dieselben Vorzüge und Nachteile. Die Treverer und Nervier rühmen sich allzusehr ihres Anspruchs auf germanische Herkunft, als schlösse schon ein solcher Adel des Blutes die Verwechslung mit gallischer Schlaffheit aus. Am Rheinufer selbst wohnen unzweifelhaft Germanenstämme: die Vangionen, Triboker und Nemeter. Auch die Ubier schämen sich ihres Ursprungs nicht, obwohl ihnen ihre Verdienste die Stellung einer römischen Kolonie eingebracht haben und sie sich lieber nach der Gründerin ihrer Stadt als Agrippinenser bezeichnen. Sie haben vor Zeiten den Rhein überschritten und wurden, da ihre Treue sich bewährte, unmittelbar am Ufer angesiedelt, als Wächter, nicht als Bewachte.

29. Von allen diesen Stämmen sind die Bataver am tapfersten. Sie bewohnen einen Streifen am linken Ufer und in der Hauptsache die Rheininsel. Ursprünglich ein Zweig der Chatten, zogen sie wegen inneren Zwistes in die jetzigen Wohnsitze, wo sie dem römischen Reiche einverleibt werden sollten. Die Ehre und Auszeichnung alter Bundesgenossenschaft hat bis heute Bestand; denn kein Zins demütigt sie, und kein Steuerpächter preßt sie aus. Frei von Lasten und Abgaben und einzig Kampfzwecken vorbehalten, werden sie wie Wehr und Waffen für Kriege aufgespart. In gleicher Abhängigkeit steht der Stamm der Mattiaker. Denn die Hoheit des römischen Volkes hat sich auch jenseits des Rheines und jenseits der alten Reichsgrenzen Achtung verschafft. So haben sie Gebiet und Wohnsitz auf germanischer Seite, doch Herz und Gesinnung bei uns. im übrigen gleichen sie den Batavern, nur daß Bodenbeschaffenheit und Klima ihres Landes sie mit noch größerer Lebhaftigkeit begabt haben. Nicht zu den Völkerschaften Germaniens möchte ich die Leute rechnen, die das Zehntland bebauen, wenn sie sich auch jenseits von Rhein und Donau angesiedelt haben; gallisches Gesindel und aus Not Verwegene eigneten sich den umstrittenen Boden an. Bald darauf wurden der Grenzwall angelegt und die Wachen vorgeschoben; seither gilt das Gebiet als Vorland des Reiches und Teil der Provinz.

30. Weiter nördlich beginnt mit dem herkynischen Walde das Land der Chatten; sie wohnen nicht in so flachen und sumpfigen Gebieten wie die übrigen Stämme, die das weite Germanien aufnimmt. Denn die Hügel dauern an und werden erst allmählich seltener, und so begleitet der herkynische Wald seine Chatten und endet mit ihnen. Bei diesem Volk sind kräftiger die Gestalten, sehnig die Glieder, durchdringend der Blick und größer die geistige Regsamkeit. Für Germanen zeigen sie viel Umsicht und Geschick: sie stellen Männer ihrer Wahl an die Spitze, gehorchen den Vorgesetzten, kennen Reih und Glied, nehmen günstige Umstände wahr, verschieben einmal einen Angriff, teilen sich ein für den Tag, verschanzen sich für die Nacht; das Glück halten sie für unbeständig und nur die eigene Tapferkeit für beständig. Und was überaus selten und sonst allein römischer Kriegszucht möglich ist: sie geben mehr auf die Führung als auf das Heer. Ihre Stärke liegt ganz beim Fußvolk, dem sie nicht nur Waffen, sondern auch Schanzzeug und Verpflegung aufbürden; andere sieht man in die Schlacht ziehen, die Chatten in den Krieg. Selten kommt es zu Streifzügen und nicht geplantem Kampf. Es ist ja auch die Art berittener Streitkräfte, rasch den Sieg zu erringen und rasch wieder zu entweichen; doch Schnelligkeit grenzt an Furcht, Zögern kommt standhaftem Mute näher.

31. Ein Brauch, der auch bei anderen germanischen Stämmen vorkommt, jedoch selten und als Beweis vereinzelten Wagemuts, ist bei den Chatten allgemein üblich geworden: mit dem Eintritt in das Mannesalter lassen sie Haupthaar und Bart wachsen, und erst, wenn sie einen Feind erschlagen haben, beseitigen sie diesen der Tapferkeit geweihten und verpfändeten Zustand ihres Gesichtes. Über dem Blut und der Waffenbeute enthüllen sie ihre Stirn und glauben, erst jetzt die Schuld ihres Daseins entrichtet zu haben und des Vaterlandes sowie ihrer Eltern würdig zu sein. Die Feigen und Kriegsscheuen behalten ihren Wust. Die Tapfersten tragen überdies einen eisernen Ring – sonst eine Schande bei diesem Stamme – wie eine Fessel, bis sie sich durch Tötung eines Feindes davon befreien. Vielen Chatten gefällt dieses Aussehen, und sie werden grau mit ihren Kennzeichen, von Freund und Feind gleichermaßen beachtet. Sie eröffnen jeden Kampf; sie sind stets das vorderste Glied, ein befremdender Anblick; denn auch im Frieden nimmt ihr Gesicht kein milderes Aussehen an. Keiner von ihnen hat Haus oder Hof oder sonstige Pflichten; wen immer sie aufsuchen, von dem lassen sie sich je nach den Verhältnissen bewirten; sie sind Verschwender fremden und Verächter eigenen Gutes, bis das kraftlose Alter sie zu so rauhem Kriegerdasein unfähig macht.

32. Den Chatten zunächst, wo der Rhein noch ein festes Bett hat und als Grenzscheide genügt, wohnen die Usiper und Tenkterer. Die Tenkterer überragen den üblichen Kriegsruhm durch ihre vorzüglich geschulte Reiterei, und ebenso großes Ansehen wie das Fußvolk der Chatten genießt die Reitertruppe der Tenkterer. So führten es die Vorfahren ein und halten es auch die Nachkommen; hierin besteht das Spiel der Kinder, hierin der Wetteifer der Jugend und die ständige Übung der Alten. Wie das Gesinde, der Wohnsitz und alle Rechte der Nachfolge vererben sich auch die Pferde; ein Sohn empfängt sie, doch nicht, wie alles andere, der Erstgeborene, sondern jeweils der Streitbarste und Tapferste.

33. In der Nähe der Tenkterer stieß man einst auf die Brukterer; jetzt sind wie es heißt, die Chamaver und Angrivarier dorthin gezogen. Denn die verbündeten Nachbarstämme hatten die Brukterer geschlagen und gänzlich ausgerottet, aus Erbitterung über ihren Hochmut oder aus Beutelust oder weil die Götter uns eine Gunst erzeigten; denn sie gewährten uns sogar das Schauspiel der Schlacht. Über Sechzigtausend sind dort gefallen, nicht durch römische Wehr und Waffen, sondern was noch erhebender ist, ganz zu unserer Augenweide. Es bleibe, so flehe ich, und bestehe fort bei diesen Völkern, wenn nicht Liebe zu uns so doch gegenseitiger Haß; denn bei dem lastenden Verhängnis des Reiches kann das Geschick nichts Besseres mehr darbieten als die Zwietracht der Feinde.

34. An die Angrivarier und Chamaver schließen sich südostwärts die Dulgubnier und Chasuarier an sowie andere, weniger bekannte Stämme; im Norden folgen die Friesen. Nach der Volkszahl unterscheidet man Groß- und Kleinfriesen. Beide Stämme werden bis zum Weltmeer hin vom Rhein eingesäumt und umgeben zudem unermeßliche Seen, auf denen schon römische Flotten gefahren sind. Ja, selbst auf das Weltmeer haben wir uns dort hinausgewagt, und wie die Kunde verbreitet, gibt es da noch Säulen des Herkules, mag der Held wirklich dorthin gelangt sein oder mögen wir uns angewöhnt haben, alles Großartige in der Welt mit seinem berühmten Namen zu verbinden. Auch hat es dem Drusus Germanicus an Wagemut nicht gefehlt, doch hat die See verhindert, daß man sich über sie und zugleich über Herkules Gewißheit verschaffte. Hernach hat sich niemand mehr getraut, und es galt für frömmer und ehrfürchtiger an die Taten der Götter zu glauben als von ihnen zu wissen.

35. Bis jetzt haben wir Germanien nach Westen hin kennengelernt; nach Norden springt es in riesiger Ausbuchtung zurück. Und sogleich an erster Stelle zieht sich der Stamm der Chauken, der bei den Friesen beginnt und einen Teil der Küste besitzt, an der Seite sämtlicher von mir erwähnter Stämme hin und reicht mit einem Zipfel bis ins Land der Chatten. Dieses unermeßliche Gebiet nennen die Chauken nicht nur ihr eigen, sie füllen es vielmehr auch aus, ein unter den Germanen sehr angesehener Stamm, der es vorzieht, seine Größe durch Rechtlichkeit zu behaupten. Frei von Habgier, frei von Herrschsucht, leben sie still und für sich; sie reizen nicht zum Kriege, sie gehen nicht auf Raub oder Plünderung aus. Das ist der vorzüglichste Beweis ihres Mutes und ihrer Macht, daß sie ihre Überlegenheit nicht auf Gewalttaten gründen. Doch haben alle die Waffen zur Hand, und sooft die Not es erfordert, steht ein Heer bereit, zahlreich an Männern und Pferden. Auch wenn sie Frieden haben, ist ihr Ruf der gleiche.

36. Als Nachbarn der Chauken und Chatten gaben sich die Cherusker unbehelligt einem allzu langen und erschlaffenden Frieden hin. Der brachte ihnen mehr Behagen als Sicherheit; denn es ist verfehlt, unter Herrschsüchtigen und Starken der Ruhe zu pflegen. Wo das Faustrecht gilt, sind Mäßigung und Rechtschaffenheit Namen, die nur dem Überlegenen zukommen. So werden die Cherusker, die einst die guten und gerechten hießen, jetzt Tölpel und Toren genannt; den siegreichen Chatten rechnet man das Glück als Klugheit an. Der Sturz der Cherusker riß auch die Foser mit sich, einen benachbarten Stamm; im Mißgeschick sind sie Bündner gleichen Rechts, während sie im Glück zurückstehen mußten.

37. In derselben Ausbuchtung, unmittelbar am Meere, wohnen die Kimbern, jetzt eine kleine Völkerschaft, doch gewaltig an Ruhm. Von der einstigen Geltung sind weithin Spuren erhalten, ausgedehnte Lagerplätze jenseits und diesseits des Rheines, an deren Umfang man jetzt noch die ungeheure Arbeitskraft dieses Stammes und die Glaubwürdigkeit des großen Wanderzuges ermessen kann. Sechshundertvierzig Jahre zählte unsere Stadt, als man unter dem Konsulat des Caecilius Metellus und Papinus Carbo zum ersten Male von den Waffentaten der Kimbern vernahm. Rechnen wir von da ab bis zum zweiten Konsulat des Kaisers Trajan, dann ergeben sich ungefähr zweihundertzehn Jahre: so lange schon wird Germanien besiegt! Im Verlauf dieser langen Zeit erlitten beide Seiten schwere Verluste. Nicht der Samnite, nicht die Punier, nicht die spanischen oder die gallischen Lande, ja nicht einmal die Parther machten öfter von sich reden: stärker noch als die Königsmacht des Arsakes ist das Freiheitsstreben der Germanen. Denn was kann uns der Osten weiter vorhalten als den Untergang des Crassus? Dafür büßte er seinerseits den Pacorus ein und mußte sich einem Ventidius beugen. Anders die Germanen; sie haben Carbo und Cassius und Scaurus Aurehus und Servihus Caepio und Maximus Malhus geschlagen oder gefangengenommen und so zugleich dem römischen Volke fünf konsularische Heere entrissen, ja sogar dem Kaiser Augustus den Varus und mit ihm drei Legionen, und nicht ohne eigene Verluste rang sie C. Manus in Italien, der göttliche Cäsar in Gallien, Drusus und Nero und Germanicus in ihrem eigenen Lande nieder; bald danach nahmen die ungeheuren Drohungen des Kaisers Gaius ein lächerliches Ende. Seitdem war Ruhe, bis die Germanen, unsere Zwietracht und den Bürgerkrieg ausnutzend, die Winterlager der Legionen erstürmten und selbst Gallien zu gewinnen suchten. Und nachdem sie von dort wieder vertrieben waren, hat man in jüngster Zeit Siege über sie mehr gefeiert als wirklich errungen.

38. Jetzt habe ich von den Sueben zu berichten. Sie sind nicht, wie die Chatten oder Tenkterer, ein einheitlicher Stamm; sie bewohnen nämlich den größeren Teil Germaniens und gliedern sich wieder in besondere Stämme mit eigenen Namen, wenn sie auch insgesamt als Sueben bezeichnet werden. Ein Kennzeichen des Stammes ist es, das Haar seitwärts zu streichen und in einem Knoten hochzubinden. So unterscheiden sich die Sueben von den übrigen Germanen, so bei ihnen selbst die Freien von den Sklaven. Auch andere Stämme kennen den Brauch, sei es durch Verwandtschaft mit den Sueben oder, wie es häufig geschieht, durch Nachahmung; doch befolgt man ihn selten und nur in der Jugendzeit. Bei den Sueben hingegen kämmen sie bis ins hohe Alter das widerstrebende Haar nach hinten und knüpfen es oft genau auf dem Scheitel zusammen; die Vornehmen tragen es noch kunstvoller. Das ist Schönheitspflege, aber von harmloser Art; denn nicht um zu lieben oder geliebt zu werden, richten sie sich her, sondern um recht groß und furchtbar zu erscheinen, wenn sie in den Krieg ziehen: für das Auge des Feindes ist der Putz bestimmt.

39. Als die ältesten und vornehmsten Sueben betrachten sich die Semnonen. Den Glauben an ihr hohes Alter bestätigt ein religiöser Brauch. Zu bestimmter Zeit treffen sich sämtliche Stämme desselben Geblüts, durch Abgesandte vertreten, m einem Haine, der durch die von den Vätern geschauten Vorzeichen und durch uralte Scheu geheiligt ist. Dort leiten sie mit öffentlichem Menschenopfer die schauderhafte Feier ihres rohen Brauches ein. Dem Hain wird auch sonst Verehrung bezeigt: niemand betritt ihn, er sei denn gefesselt, um seine Unterwürfigkeit und die Macht der Gottheit zu bekunden. Fällt jemand hin, so darf er sich nicht aufheben lassen oder selbst aufstehen; auf dem Erdboden wälzt er sich hinaus. Insgesamt gründet sich der Kultbrauch auf den Glauben, daß von dort der Stamm sich herleite, dort die allbeherrschende Gottheit wohne, der alles andere unterworfen, gehorsam sei. Der Wohlstand der Semnonen erhöht ihr Ansehen: sie bewohnen hundert Gaue, und die Größe ihrer Gemeinschaft veranlaßt sie, sich für den Hauptstamm der Sueben zu halten.

40. Dagegen macht die Langobarden die geringe Zahl berühmt: inmitten zahlreicher, sehr starker Stämme sind sie nicht durch Gefügigkeit, sondern durch Kampf und Wagemut geschützt. Dann folgen die Reudigner, Avionen, Angher, Variner, Eudosen, Suardonen und Nuitonen; ihnen allen gewähren Flüsse oder Wälder Sicherheit. Im einzelnen haben sie nichts Bemerkenswertes, insgesamt aber verehren sie Nerthus, das heißt die Mutter Erde, und glauben, die Göttin nehme teil am Treiben der Menschen, sie fahre bei den Stämmen umher. Es gibt auf einer Insel des Weltmeeres einen heiligen Hain, und dort steht ein geweihter Wagen, mit Tüchern bedeckt; einzig der Priester darf ihn berühren. Er bemerkt das Eintreffen der Göttin im Allerheiligsten; er geleitet sie in tiefer Ehrfurcht, wenn sie auf ihrem mit Kühen bespannten Wagen dahinfährt. Dann folgen frohe Tage; festlich geschmückt sind alle Orte, denen die Göttin die Huld ihrer Ankunft und Rast gewährt. Man zieht nicht in den Krieg, man greift nicht zu den Waffen; verschlossen ist alles Eisen. Dann kennt, dann liebt man nur Ruhe und Frieden, bis die Göttin, des Umgangs mit Menschen müde, vom gleichen Priester ihrem Heiligtum zurückgegeben wird. Dann werden Wagen und Tücher und, wenn man es glauben will, die Gottheit selbst in einem entlegenen See gewaschen. Sklaven sind hierbei behilflich, und alsbald verschlingt sie derselbe See. So herrscht denn ein geheimes Grauen und heiliges Dunkel, was das für ein Wesen sei, das nur Todgeweihte schauen dürfen.

41. Dieser Teil von Suebien reicht bis in die entlegeneren Gebiete Germaniens. Näher – um wie vorhin dem Rhein, so jetzt der Donau zu folgen – wohnt der Stamm der Hermunduren, den Römern treu ergeben. Daher sind sie die einzigen Germanen, die nicht nur am Donauufer, sondern auch im Inneren des Landes und in der prächtigen Kolonie der Provinz Rätien Handel treiben dürfen. Sie kommen allerorten und ohne Beaufsichtigung über die Grenze. Und während wir den übrigen Stämmen nur unsere Waffen und Feldlager zeigen, haben wir den Hermunduren unsere Häuser und Gutshöfe geöffnet; sie sind ja frei von Begehrlichkeit. In ihrem Gebiet entspringt die Elbe, einst ein berühmter und wohlbekannter Fluß; jetzt weiß man von ihm nur durch Hörensagen.

42. Neben den Hermunduren wohnen die Narister und weiterhin die Markomannen und Quaden. Die Markomannen zeichnen sich durch Ruhm und Stärke aus, und sogar ihre jetzigen Wohnsitze, aus denen sie einst die Bojer vertrieben, sind ein Lohn der Tapferkeit. Auch die Narister und Quaden schlagen nicht aus der Art. Diese Gegend ist sozusagen die Stirnseite Germaniens, soweit sie von der Donau gebildet wird. Die Markomannen und Quaden hatten bis auf unsere Zeit Könige aus dem eigenen Stamme, aus dem edlen Geschlecht des Marbod und Tuder; jetzt lassen sie sich auch fremde gefallen. Doch ihre Stellung und Macht verdanken die Könige römischem Einfluß. Wir unterstützen sie selten mit Truppen, öfters mit Geld, und sie stehen sich dabei nicht schlechter.

43. An die Markomannen und Quaden schließen sich weiter rückwärts die Marsigner, Kotiner, Oser und Burer an. Von ihnen geben sich die Marsigner und Burer durch Sprache und Lebensweise als Sueben zu erkennen. Bei den Kotinern beweist die gallische, bei den Osern die pannonische Mundart, daß sie keine Germanen sind, und überdies ertragen sie Ah-gaben: sie müssen sie als landfremde Stämme teils an die Sarmaten, teils an die Quaden entrichten. Die Kotiner fördern sogar Eisen, was sie noch verächtlicher macht. Alle diese Stämme haben nur wenig ebenes Gebiet; meist wohnen sie auf bewaldeten Höhen. Denn der Kamm einer fortlaufenden Gebirgskette teilt und durchschneidet das Suebenland. Jenseits des Kammes hausen noch zahlreiche Völkerschaften. Von ihnen haben sich die Lugier am weitesten ausgebreitet; sie gliedern sich in mehrere Einzelstämme. Es genügt, die bedeutendsten zu nennen: die Harier, Helvekonen, Manimer, Helisier und Naharnavaler. Bei den Naharnavalern zeigt man einen Hain, eine uralte Kultstätte. Vorsteher ist ein Priester in Frauentracht; die Gottheiten, so wird berichtet, könnte man nach römischer Auffassung Kastor und Pollux nennen. Ihnen entsprechen sie in ihrem Wesen; sie heißen Alken. Es gibt keine Bildnisse; keine Spur weist auf einen fremden Ursprung des Kultes; gleichwohl verehrt man sie als Brüder, als Jünglinge. Im übrigen sind die Harier den soeben genannten Stämmen an Kräften überlegen. Ohnehin von schrecklichem Aussehen, kommen sie der angeborenen Wildheit durch Kunst und Ausnutzung der Zeit zu Hilfe. Schwarz sind die Schilde, gefärbt die Leiber; dunkle Nächte wählen sie zum Kampf, und schon das Grauenvolle und Schattenhafte ihres Totenheeres jagt Schrecken ein: kein Feind hält dem ungewohnten und gleichsam höllischen Anblick stand. Denn in jeder Schlacht erliegen ja zuerst die Augen.

44. Nördlich der Lugier leben die Gotonen. Sie werden von Königen beherrscht, schon etwas straffer als die übrigen Germanenstämme, doch nicht bis zum Verlust der Freiheit. Unmittelbar darauf folgen die Rugier und Lemovier; sie wohnen an der Meeresküste. Kennzeichnend für alle diese Stämme sind runde Schilde, kurze Schwerter und Gehorsam gegenüber Königen. Dann kommen, schon im Meere, die Stämme der Suionen; sie haben außer Männern und Waffen auch starke Flotten. Die Gestalt ihrer Schiffe zeichnet sich dadurch aus, daß beide Enden einen Bug haben und stets eine Stirnseite zum Landen bereit ist. Auch benutzen sie keine Segel, noch machen sie die Ruder in Reihen an den Schiffswänden fest; lose, wie manchmal auf Flüssen, und je nach Bedarf hier oder dort verwendbar ist das Ruderwerk. Bei den Suionen steht auch Reichtum in Ehren, und deshalb herrscht einer, schon ohne jede Beschränkung, mit unwiderruflichem Anrecht auf Gehorsam. Auch sind dort die Waffen nicht, wie bei den übrigen Germanen, in freiem Gebrauch, sondern eingeschlossen, und zwar unter Aufsicht eines Sklaven. Denn plötzliche Überfälle von Feinden verhindert das Meer; außerdem neigen bewaffnete Scharen im Frieden leicht zu Ausschreitungen. Und wahrhaftig, daß kein Adliger oder Freigeborener, nicht einmal ein Freigelassener, die Waffen unter sich habe, ist ein Gebot der königlichen Sicherheit.

45. Nördlich der Suionen liegt abermals ein Meer, träge und nahezu unbewegt. Daß es den Erdkreis ringsum begrenze und einschließe, ist deshalb glaubwürdig, weil der letzte Schein der schon sinkenden Sonne bis zum Wiederaufgang anhält, und zwar so hell, daß er die Sterne überstrahlt. Die Einbildung fügt noch hinzu, man vernehme das Tönen der emportauchenden Sonne und erblicke die Umrisse der Pferde und das strahlenumkränzte Haupt. Dort liegt – und die Kunde ist wahr – das Ende der Welt. Doch weiter: an seiner Ostküste bespült das suebische Meer die Stämme der Astier. In Brauchtum und äußerer Erscheinung stehen sie den Sueben nahe, in der Sprache eher den Britanniern. Sie verehren die Mutter der Götter. Als Wahrzeichen ihres Kultes tragen sie Bilder von Ebern: die dienen als Waffe und Schutzwehr gegen jede Gefahr und gewähren dem Verehrer der Göttin selbst unter Feinden Sicherheit Selten werden Waffen aus Eisen verwendet, häufiger Knüttel. Getreide und andere Feldfrüchte ziehen die Astier mit größerer Geduld, als die übliche Trägheit der Germanen erwarten läßt. Doch auch das Meer durchsuchen sie, und als einzige unter allen Germanen sammeln sie an seichten Stellen und schon am Strande den Bernstein, der bei ihnen „Glesum“ heißt. Was er ist oder wie er entsteht, haben sie nach Barbarenart nicht untersucht oder in Erfahrung gebracht; ja er lag sogar lange Zeit unbeachtet unter den übrigen Auswürfen des Meeres, bis ihm unsere Putzsucht Wert verlieh. Sie selbst verwenden ihn gar nicht; roh wird er gesammelt, unbearbeitet überbracht, und staunend nehmen sie den Preis entgegen. Daß es sich jedoch um den Saft von Bäumen handelt, ist unverkennbar: oft schimmern allerlei kriechende und auch geflügelte Tierchen durch, die sich in der Flüssigkeit verfingen und dann von der erstarrenden Masse eingeschlossen wurden. Wie in entlegenen Gebieten des Ostens, wo die Bäume Weihrauch und Balsam ausschwitzen, so gibt es, möchte ich annehmen, auch auf Inseln und in Ländern des Westens besonders ertragreiche Gehölze und Haine. Deren Säfte quillen unter den Strahlen der nahen Sonne hervor, rinnen flüssig in das angrenzende Meer und werden dann von der Gewalt der Stürme an die gegenüberliegenden Küsten geschwemmt. Bringt man Bernstein ans Feuer, um seine Eigenschaften zu prüfen, so brennt er wie ein Kienspan und gibt eine ölige und stark riechende Flamme; hernach wird er zäh wie Pech oder Harz. Den Sujonen schließen sich die Stämme der Sithonen an. Im allgemeinen den Sujonen ähnlich, unterscheiden sie sich dadurch, daß eine Frau die Herrschaft hat: so tief sind sie nicht nur unter die Freiheit, sondern selbst unter die Knechtschaft hinabgesunken.

46. Hier ist Suebien zu Ende. Ob ich die Stämme der Peukiner, Venether und Fennen den Germanen zurechnen soll oder den Sarmaten, weiß ich nicht recht, obwohl die Peukiner, die manche auch Bastarner nennen, in Sprache und Lebensweise, Siedlungsart und Hausbau den Germanen gleichen. Der ganze Stamm ist schmutzig, und die Vornehmen leben untätig dahin. Durch Mischehen mit den Sarmaten haben sie manches von deren Häßlichkeit angenommen. Die Venether machten sich auch in reichem Maße sarmatische Sitten zu eigen; denn was sich an Wäldern und Bergen zwischen den Peukinern und Fennen hinzieht, durchstreifen sie auf ihren Raubzügen. Gleichwohl wird man sie eher zu den Germanen rechnen, weil sie feste Häuser bauen, Schilde führen und gern und behende zu Fuß gehen, ganz im Gegensatz zu den Sarmaten, die auf Pferd und Wagen zu Hause sind. Die Fennen leben ungemein roh, in abstoßender Dürftigkeit. Sie kennen keine Waffen, keine Pferde, kein Heim; Kräuter dienen zur Nahrung, Felle zur Kleidung und der Erdboden als Lagerstätte. Ihre einzige Hoffnung sind Pfeile, die sie aus Mangel an Eisen mit Knochenspitzen versehen. Und von derselben Jagd nähren sich die Frauen ebenso wie die Männer; denn überall sind sie dabei und fordern ihren Anteil an der Beute. Auch gibt es für die Kinder keinen anderen Schutz vor wilden Tieren und Regengüssen, als daß man sie in einem Geflecht von Zweigen birgt; dort suchen auch die Männer ihr Heim, dort haben die Greise ein Obdach. Sie halten jedoch dieses Leben für glücklicher, als ächzend das Feld zu bestellen, sich mit Häuserbau zu plagen, in Furcht oder Hoffnung über eigenen und fremden Wohlstand nachzudenken. Sorglos vor den Menschen, sorglos vor den Göttern, haben sie das Schwerste erreicht: nicht einmal einen Wunsch zu kennen. Alles Weitere klingt märchenhaft: daß die Hellusier und Oxionen Antlitz und Mienen von Menschen, jedoch Rumpf und Glieder von Tieren haben. Ich lasse das als unverbürgt auf sich beruhen.

Germanen und Kelten

Während der Zeit der La Tene-Kultur (ab 500 v.Chr.) gab es vielfältige Handelskontakte zwischen keltischen und germanischen Stämmen. So entwickelte sich mit der Zeit ein Einfluss der keltischen Welt auf die der Germanen. Besonders keltische Handwerkstechniken fanden eine weite Verbreitung im germanischen Gebiet. Eines der Gebiete mit den meisten Kontakten zwischen Kelten und Germanen war die Region Böhmen und Mähren. Nach und nach verdrängten die germanische Stämme durch ihre Expansion die keltischen Stämme. Konnten die Boier und Skordisker im 2.Jrh.v.Chr. noch die aus Norden kommenden Kimbern nach Westen abwehren, so wurden sie im 1.Jrh.v. Chr. endgültig von den Markomannen nach Westen zur mittleren Donau verdrängt. Die Helvetier aus dem westlichen Alpengebiet mussten im Jahre 58 v.Chr. aufgrund des germanischen Druckes nach Gallien auswandern (diente Cäsar als Vorwand für den Gallischen Krieg). Im Jahre 71 v.Chr. riefen die keltischen Arverner und Sequaner die germanischen Sueben zur Hilfe im Kampf gegen die benachbarten Häduer. Einmal in Gallien blieben die Sueben einfach dort. Die germanische Expansion gegen die westlichen Kelten machte also im 1.Jrh.v.Chr. bedeutende Fortschritte.

Germanen und Römer – Zug der Kimbern und Teutonen

Im 2.Jrh.v.Chr. trafen das germanische und römische bzw. römisch beeinflusste Gebiet das erste Mal aufeinander. Im Jahre 113 v.Chr. fielen die Kimbern in großen Mengen in das an Rom gebundene Königreich Noricum (im heutigen Österreich) ein. Eine römische Armee unter Konsul Gnaeus Papirius Carbo stellte sich ihnen entgegen und wurde vernichtend geschlagen. Die Kimbern zogen danach weiter westwärts zum Oberrhein und nach Gallien.

Verstärkt wurden sie durch die von Norden kommenden Teutonen. Die Schätzungen über die Größe dieser Völkerwanderung gehen weit auseinander, aber von 1 Million Menschen kann man wohl ausgehen. Gemeinsam drangen sie 109 v.Chr. in Südgallien ein und baten den römischen Senat um Zuweisung von Siedlungsland. Diese Bitte wurde ihnen verwehrt. Gleichzeitig wurde eine römische Streitmacht unter dem Konsul Marcus Junius Silanus ausgesendet, um die Kimbern und Teutonen anzugreifen. Die Römer wurden allerdings vernichtend geschlagen. Im Jahre 107 n.Chr. erging es einem Heer unter dem Konsul L.Cassius Longinus ebenso aber die Germanen zogen nicht gegen Italien sondern in das Innere Galliens. Im Jahre 105 v.Chr. kam die Germanenschar auf der Suche nach Land erneut an die Rhone. Wieder wurde ihre Bitte nach Land abgelehnt, worauf sie durch das Rhonetal südwärts bis nach Arausio (Orange) vordrangen. Hier trafen sie auf zwei konsularische Armeen unter Prokonsul Caepio und Konsul Mallius Maximus und besiegten diese erneut, eine der schwersten Niederlagen in der römischen Militärgeschichte überhaupt. Dabei sollen ca. 80.000 römische Legionäre ums Leben gekommen sein. Die Germanen ließen sich aber nicht in Südgallien nieder (die einheimische Bevölkerung stand im Kampf gegen Rom nicht zu den Germanen) sondern die Kimbern zogen westwärts nach Spanien und die Teutonen ins Innere von Gallien

Da beide Stämme auch dort keine Unterstützung fanden, trafen sie schließlich an der Seine wieder zusammen und wanderten weiter mit dem Ziel Italien. Dabei trennten sich Kimbern und Teutonen erneut, diesmal mit fatalen Folgen. Eine neu aufgestellte römische Armee unter Gaius M. Marius verfolgte die Teutonen vom Iseretal ostwärts und stellte sie nahe Aquae Sextiae (Aix-en-Proivence) 102 v.Chr. zur Schlacht. Dort wurden die Teutonen von den Legionen besiegt und nahezu vollständig vernichtet. Im Jahre 101 v.Chr. wurde schließlich die entscheidende Schlacht zwischen Römern und Kimbern bei Vercellae in der Po-Ebene geschlagen, die Gaius M. Marius erneut für sich entschied. Die Kimbern hatten dabei 200.000 Tote zu beklagen. Die germanische Gefahr war damit abgewendet und die erste Konfrontation zwischen Germanen und Römern zu Ende.
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In den 50er Jahren des 1. Jahrhunderts v. Chr. hatte Caius lulius Caesar die gallischen Gebiete vom Atlantik bis zum Rhein erobert. Dieser bildete seither die Grenze des Römischen Reichs gegen die Germanen. Die römischen Besatzungstruppen waren im Inneren Galliens stationiert, die Rheingrenze daher weitgehend ungeschützt. Dies nutzten die jenseits des Rhein siedelnden Germanenstämme immer wieder zu plötzlichen Überfällen in das sich wirtschaftlich entwickelnde gallische Gebiet aus. Allerdings erlaubte es den Römern ihr gut ausgebautes Straßensystem, jeden Punkt der Grenze relativ schnell zu erreichen, um auf plötzliche Überfälle zu reagieren. So hatte bereits Agrippa damit begonnen, eine Nord-Ost-Verbindung von Lugdunum (Lyon) zur Mosel und bis nach Köln sowie eine Nord-West-Route zur Atlantikküste über Autun und Beauvais zu bauen. Eine weitere wichtige Strasse verlief von der Atlantikküste über Bavay nach Köln. Außerdem errichteten die Römer die wichtige Rheinstrasse entlang des Westufers, die in Vindonissa (heute Windisch in der Schweiz) begann und über Straßburg, Mainz, Köln, Xanten und Nijmegen nach Katwijk an der Nordseeküste verlief und damit nicht nur die Alpenregion mit der Nordsee sondern auch alle wichtigen Militärlager am Rhein miteinander verband.

Feldzüge von Drusus und Tiberius

Mit dem Sieg über die westlichen Alpenvölker um 25 v.Chr. hatte die Eroberung der Alpenregion durch die Römer begonnen. Wenig später gab es bereits Kastelle bei Basel, Zürich und Oberwinterthur in der heutigen Schweiz sowie Stützpunkte in Xanten, Neuss, Bonn und vielleicht auch schon in Nijmegen. Um 20 v.Chr. begann der Bau einer Fernstrasse von Lyon (Lugdunum) über Trier bis an den Rhein. In den Jahren 17/16 v.Chr. fielen die Sugamber, Usipeter und Tenkterer in die westlich des Rheins gelegenen Gebiete ein und vernichteten die 5.Legion der Rheinarmee unter Marcus Lollius. Daraufhin begab sich Kaiser Augustus für die nächsten drei Jahre (15-13 v.Chr.) nach Gallien, um die Neuorganisation der Provinz voranzutreiben und deren Verteidigung neu zu strukturieren, auch indem er weitere Legionen aus den Provinzen direkt an den Rhein verlegte. Diese wurden zu je zwei Legionen in Standlagern untergebracht. Im Alpenfeldzug 15 v.Chr. stößt Nero Claudius Drusus (ein Stiefsohn des Augustus) von Trient aus nach Norden und Tiberius (Bruder des Drusus) von Gallien aus nach Osten vor. Der Nordrand des Alpenlandes wird
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Im Jahre 12 v.Chr. begann dann die römische Invasion ins germanische Land unter dem Oberbefehl des Drusus. Ausgangspunkte waren die Lager bei Mainz, in Xanten, Neuss und Nijmegen. Das Lager in Mainz befand sich gegenüber der Mainmündung, das Legionslager in Xanten gegenüber der Lippemündung. Beide Flüsse boten für den Nachschub den Zugang bis weit in das feindliche germanische Land.

Drusus führte eine römische Flotte längs der Nordseeküste und unterwarf die Friesen und Chauken, die an der Wesermündung siedelten. Die Offensive des nächsten Jahres (11 v.Chr.) richtete sich gegen die aufsässigen Sugambrer. Drusus traf sie nicht zu Hause an, da sie gerade gegen die Chatten ins Feld gezogen waren, und wandte sich deshalb gegen die Cherusker. Die Cherusker wichen vor den Römern Richtung Elbe aus. Drusus zog hinter ihnen her, wobei er das Cheruskerland zerstörte. Trotzdem war auch dieser Feldzug recht erfolglos, denn die Cherusker hatten sich über die Elbe in Sicherheit gebracht. Auf dem Rückmarsch wurden die Römer in einer Talenge bei Arbalo von den inzwischen zurückgekehrten Sugambrern im Verbund mit den Cherusker unter Segimer (Vater des Arminius) und den Sueben angegriffen. Drusus konnte sich freikämpfen und die Römer entgingen nur knapp einer Katastrophe. Ziel des Angriffes unter Drusus im Jahre 10 v.Chr. waren diesmal neben den Sugambrern auch die Chatten. In diesem Jahr ließ Drusus auch einen Kanal (fossa Drusiana) anlegen, der den Rhein über den Flevo-See mit der Zuidersee und damit mit der Nordsee verband. Dadurch wurde der Weg für die Flotte von den römischen Stützpunkten am Rhein in den Nordwesten erheblich verkürzt. Der Feldzug im Jahre 9 v.Chr. richtete sich gegen die Chatten und Sueben. Drusus führte das Heer erneut bis an die Elbe und dann zurück in westliche Richtung gegen die Cherusker. Auf dem Rückmarsch stürzte er vom Pferd, zieht sich dabei einen Schenkelbruch zu und stirbt nach 30 Tagen im Sommerlager (castra scelerata – das verfluchte Lager). Sein Bruder Tiberius, der an sein Sterbebett geeilt war, übernahm an Ort und Stelle das Kommando über die Truppen.

Trotz der Erfolge des Drusus war der Widerstand der germanischen Völker und Stämme noch immer sehr groß. Im Jahr 8 v.Chr. kam Augustus nach Gallien, um weitere Vorbereitungen zur Eroberung der rechtsrheinische Gebiete zu treffen. Die germanischen Stämme hatte in den zurückliegenden Jahren die Erfahrung gemacht, daß die Zahl ihrer Krieger immer weniger wurde, aber die Römer trotz erlittener Verluste zu jedem Feldzug mit mehr Truppen erschienen. Daher waren einige Stämme bereit, sogenannte Föderatenverträge mit den Römern abzuschließen. Mit dem Feldzug des Tiberius im Jahre 8 v.Chr. begann die Auflösung der Sugambrer als eigenständiger Stamm. Die Verluste der letzten Jahre waren einfach zu hoch. So war es Tiberius möglich etliche Sugambrer auf das linke Rheinufer umzusiedeln, wo sie fortan unter Kontrolle waren. Die restlichen Stammesangehörigen schlossen sich den Chatten an. Auch im Jahre 7 v.Chr. führte Tiberius verschiedene Feldzüge in Germanien durch. Was sich in den Jahren 6 v.Chr. bis 1 n.Chr. nach dem Rückzug des Tiberius vom Oberkommando im rechtrheinischen Germanien genau abspielte, ist weitgehend unbekannt. Man weiß von einem Feldzug unter L.Domitius Ahenobarbus von Raetien aus im Jahre 2 v.Chr. gegen die Hermunduren. Dabei überschreitet er die Elbe und schloß mit einigen rechtselbischen Stämmen Verträge ab. Wahrscheinlich wurden weitere Vorstöße in germanisches Gebiet aus dem Donauraum vorgenommen. Im Jahre 1 n.Chr. führten die Legaten M.Vinicius und Ahenobarbus verschienene Feldzüge zwischen Rhein und Ems. Der Rückweg des Ahenobarbus führte ihn auch durch das Land der Cherusker. Dort mischte er sich massiv in interne Stammesangelegenheiten ein, so daß die erbosten Cherusker die mit Tiberius vermutlich geschlossenen Verträge aufkündigten. Auf seinem weiteren Rückmarsch zum Rhein legte er die berühmten „pontes longi“ an, einen Knüppeldamm durch ein Sumpfgebiet. In den Jahren 1-4 n.Chr. gab es vor allem Unruhen im heutigen Norddeutschland.

Im Jahre 4 n.Chr. übernahm Tiberius wieder das Oberkommando in Germanien und führte einen Feldzug durch, wobei er die Chauttuarier unterwarf. Auch im Jahre 5 n.Chr. fand ein Feldzug statt. Mit den Chauken schloß Tiberius in diesem Jahr Verträge. Nachdem die Römer nun im Jahre 6 n.Chr. mit den meisten germanischen Stämmen zwischen Rhein und Elbe Verträge geschlossen hat, begann der Aufbau der neuen Provinz Germanien. Die Römer richteten kaiserliche Domänen (saltii) ein, bauten Strassen, eröffneten regionale Märkte und legten Kastelle an. Ebenso begannen sie mit der Errichtung von Städten (Halberstadt, Hildesheim (?) sowie Waldgirmes). Tiberius führte im Jahr 6 erst einen Feldzug in Germanien durch und zog dann gegen die Markomannen. Das aufblühende markomannische Königreich in Böhmen unter dem König Marbod empfand Rom als ständige Bedrohung. 12 Legionen waren in je zwei Armeen zu jeweils 6 Legionen (eine von Germanien unter Sentius Saturninus und die zweite aus Noricum unter Tiberius selbst) auf dem Weg zu den Markomannen. Als Tiberius noch ca. 5 Tagesmärsche von dem Platz, wo Marbod 75.000 markomannische Krieger zusammengezogen hatte entfernt war, erhielt er die Nachricht von schweren Unruhen in Pannonien und Dalmatien. Sofort rückte er mit seinen Legionen zu ihrer Niederschlagung ab und schloß mit Marbod einen Friedensvertrag.

Im Jahre 7 n.Chr. schickte Augustus Publius Quintilius Varus als neuen Statthalter nach Germanien. Dieser hatte vor allem seit dem Krieg in Pannonien dafür zu sorgen, daß die mit den Germanen vertraglich vereinbarten Steuern und Getreidelieferungen (trotz Mißernten u.ä) pünktlich geliefert wurden, denn sie wurden zur Versorgung der römischen Truppen in Pannonien dringend benötigt. Dies und die Tatsache, daß der römische Einfluß in Germanien durch Handel und erste Ansiedlungen (vermutlich sogar im Bau befindliche Städte) immer stärker wurde, machten es Varus nicht gerade leicht. Der Unmut unter den germanischen Stämmen wuchs stetig. Varus war im Juli des Jahres 9 n.Chr. mit seinem gesamten Heer (5 Legionen, die 14., 21. sowie die 17.,18. und 19.) und Gefolge in seinem Sommerlager an der Weser nahe am Gebiet der Cherusker (deren Fürsten Arminius, Segimer und Segestes sich in seinem Gefolge befanden). Dort erreichte ihn die Nachricht über einen Aufstand von entfernt von seinem Lager befindlichen Stämmen, die bereits in ihrem Gebiet stationierte Römer getötet haben sollten.

Das veranlaßte ihn, unverzüglich einen Feldzug gegen die aufständischen Stämme zu führen. Am Vorabend dieses Feldzuges gab Varus noch ein Gastmahl und er wurde dabei durch Segestes gewarnt, daß Arminius und Segimer eine Verschwörung gegen ihn planten, aber er schenkte dem (zumindestens em Anschein nach) keinen Glauben. Zwischen ihm und seinem Neffen Asprenas kommt es daraufhin zum Disput, so daß Varus Asprenas mit der 14. und 21. Legion zurück an den Rhein ziehen läßt. Mit Asprenas Truppen ziehen auch die Frauen und Kinder. Zudem transportiert er einen erheblichen Teil des Eigentums der Offiziere und Soldaten zurück an den Rhein. Um den Wegfall dieser zwei Legionen zu kompensieren und die vermeintlichen Aufrührer gleichzeitig zu schwächen, bittet Varus die in seinem Sommerlager anwesenden Stammesfürsten um Hilfstruppen, die ihm diese gewährten. Das sie nie kommen würden, wußte Varus zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

Die Varusschlacht 9 n.Chr.

Über diese Schlacht ist schon viel geschrieben worden und es gibtviele Thesen, wo sie wohl stattgefunden hat. Da ich hier nicht alle möglichen Varianten (Teutoburger Wald, Kalkriese, Halberstadt …) abhandeln kann, habe ich mich nach sorgfältigem Lesen der jeweiligen Bücher und mehren Besichtigungen vor Ort (Kalkriese und Teutoburger Wald) für eine Variante entschieden. Die Varusschlacht fand wahrscheinlich bei Halberstadt statt ! Beschrieben wird diese These ausführlich im Buch „…gesichert von Türmen geschützt vom Schwert, …“ von F.H. Rainer Friebe. Ich kann es allen Interessierten nur empfehlen. Aber was geschah nun im einzelnen ?

Die Langobarden und die Cherusker waren nach Tacitus die Initiatoren und Auslöser der Aufstände, wobei wohl die Langobarden mit dem Aufstand begonnen hatten. Da ihr Siedlungsgebiet östlich von Varus Sommerlager lag, zog er mit seinen Legionen (17., 18. und 19. verstärkt durch 6 Legionskohorten und 3 Alae (Reiterschwadron) aus den Reihen der 14. oder 21. Legion) auch in östliche und nicht in die westliche Richtung. Als Zeitpunkt des Feldzuges ist wohl Juli anzunehmen, da die Nachricht von der Niederlage des Varus fünf Tage nach Beendigung des Pannonischen Krieges in Rom ankam, also am 8.August des Jahres 9 n.Chr. Varus Begleiter auf dem Feldzug waren am Anfang jene Fürsten, die ihm am Vorabend Hilfstruppen zugesagt hatten. Kurz darauf trennten sie sich von ihm, angeblich um die Hilfstruppen zu mobilisieren und sich dann mit den Römern an einem vorstimmten Ort wieder zu freffen.

Die Römer maschierten auf einem alten Heerweg über Elze, Hildesheim und Schöningen Richtung Elbe. Diese These wird durch den Hildesheimer Silberfund gestützt, der nach der sehr überzeugenden Meinung von Herrn Friebe einer Zeltgemeinschaft von Legionären der 18.Legion gehörte (Näheres dazu findet man im genannten Buch). Aber wo war sicheres Gebiet ? Weiter nach Richtung Elbe war nicht sinnvoll, nach Westen konnte er auch nicht, weil er annehmen mußte, daß auch die Stämme westlich der Weser in die Verschwörung verwickelt waren. Der Marsch Richtung Norden führte in Gebiete fern der römischen Hemisphäre und Richtung Süden war das Gebiet der Chatten, die in Dauerfeindschaft zu den Römern standen. Außerdem war von Süden mit Verbänden der Sugambrer, Brukterer und Marser zu rechnen. Der einzig erfolgversprechende Weg war in östliche Richtung durch das Nordharzgebiet zu ziehen, um den Harz dann in südliche Richtung zu überqueren oder zu umrunden um dann auf den bekannten Wegen Richtung Rhein zu ziehen. Also führte ihn sein Weg in den römischen Saltus, der sich als Puffer zwischen Cheruskerland und dem der Sueben befand und vermutlich bereits durch erste Kastelle gesichert worden war.

So konnte er vielleicht auch noch die dort befindlichen römischen Bürger retten, wenn sie nicht schon getötet worden waren. Mit zunehmender Dauer des Marsches wurde das römische Heer von immer mehr Feinden angegriffen, so daß Varus den Weg durch das „Große Bruch“, ein Sumpfgebiet, wählte. In diesem Gelände waren Angriffe schwerer zu führen. Vom dritten zum vierten Tage machte das Varusheer einen Nachtmarsch. Die nächste Lagermöglichkeit wurde dann genutzt und ein Dreilegionenlager errichtet. Es sollte das vorletzte Varuslager sein. In diesem Lager lagerten die Römer zwei bis drei Tage, während sich davor die Feinde sammelten. Als es nicht gelang diese durch gezielte Ausfälle zu vertreiben, sondern die Zahl der feindlichen Truppen stetig anstieg, entschloß sich Varus zur Schlacht. Wie diese Schlacht ablief ist nicht genau überliefert, aber wahrscheinlich hatten die Römer anfangs Erfolge. Dadurch entfernten sie sich immer mehr von Lager und verfolgten die vermeintlich fliehenden Germanen bis sich das Schlachtfeld verengte. Dort wurden sie in den Flanken von gut versteckten Verbänden angegriffen. Das Varusheer erlitt in dieser Feldschlacht katastrophale Verluste und nur noch ein Teil konnte sich in das Meilen entfernte Lager retten. Da Varus nicht mehr genug Soldaten hatte, um das gesamte Dreilegionenlager zu verteidigen, verkleinerte er das Lager quer zu den Längsseiten. Die Größe dieses kleinen Lager zeigt, das Varus zu diesem Zeitpunkt bereits 2/3 der Legionen verloren hatte. In diesem Lager stützte sich Varus zur Erhaltung seiner Ehre in sein Schwert. Seine verbliebenen Soldaten versuchten ihn entsprechend zu bestatten und zu verbrennen, aber das Lager vor dem Niederbrennen des Scheiterhaufen von den Germanen eingenommen. Dem halbverkohlten Leichnam des Varus wurde der Kopf abgeschlagen und an Marbod gesandt. Nach Varus Tod hatte Ceionius den Oberbefehl. Dieser bot den Germanen die Kapitulation an und gab den verzweifelt kämpfenden Legionären am Wall den Befehl zum Einstellen der Kampfhandlungen. Aber die Germanen metzelte die Legionäre nieder und opferten die römischen Offiziere in ihren heiligen Hainen zu Ehren ihrer Götten, so auch Ceionius. Nur wenige konnte fliehen ins Kastell Aliso. Kaiser Augustus soll äußerst verzweifelt über die Niederlage in Germaniens Wälder gewesen sein (aus dieser Verzweiflung rührte der Ausruf :“Varus, Varus! Gib mir meine Legionen wieder!“). Wie nachhaltig diese verlorene Schlacht im Bewußtsein der Römer blieb, zeigt sich vor allem daran, daß die Nummern der untergegangenen Legionen (17,18 und 19) nie wieder vergeben wurden. Innerhalb eines einzigen kurzen Feldzuges hatte Rom etwa ein Zehntel seiner Armee eingebüßt. Nur wenige der schätzungsweise 25.000 Soldaten entkamen dem Inferno. In der Folge gaben die Römer ihre Unterwerfungspläne für Germanien erst einmal auf und zogen sich vollständig wieder hinter den Rhein zurück.

Die Jahre 10 – 12 n.Chr. waren geprägt von der Reorganisation der Rheinfront durch Tiberius. Im Jahre 13 n.Chr. übernahm Germanicus, der Sohn des Drusus, den Oberbefehl über die römischen Truppen am Rhein und musste im folgenden Jahr nach dem Tod des Augustus eine Meuterei der Legionen niederschlagen, die ihn gern zum Kaiser ausgerufen hätten.

Die Feldzüge des Germanicus (14 – 16 n.Chr.)

Durch Augustus Tod wurde Tiberius 14 n.Chr. zum römischen Kaiser. Nachdem Germanicus die Meuterei beim niederrheinischen Heer beendet hatte, brach er zu einem Feldzug gegen die Marser auf. Diese wurden kurz nach einer Stammesfeier von dem Angriff der Römer völlig überrascht. Sie konnten kaum Widerstand leisten. Große Teile des Marserlandes wurden völlig verwüstet und es wurden selbst Frauen, Kinder und Greise getötet. Die Römer zerstörten dabei auch einen heiligen Bezirk, das Stammesheiligtum der Marser. Im Jahre 15 n.Chr. begann Germanicus einen großangelegten Feldzug, zuerst gegen die Chatten, dann zum Ort der Varusschlacht. Hier sammelten sie die Überreste ein und bestatteten diese in einem Grabhügel. Schließlich zogen die Römer an die Weser zum Ort Amisia. Dort teile Germanicus die 8 Legionen zum Marsch in die Winterlager in Armeen auf. Die eine unter dem Befehl des General Caecina bestehend aus den 4 niederrheinischen Legionen sollte quer durchs Land zum Rhein ziehen. Auf dem Rückmarsch zum Rhein wäre diese Armee fast vernichtet worden. Caecina wird an den „pontes longi“, einem Bohlenweg durch ein Sumpfgebiet, umstellt und kann sich nur mit großer Mühe und großem taktischem Geschick (welches Varus sicher fehlte) der Angriffe erwehren.
Der Germanicusfeldzug des Jahres 16 n.Chr. war vor allem gegen die Cherusker gerichtet. In seinem Verlauf kam es zwischen dem Heer des Germanicus (8 Legionen und viele Hilfstruppen) und den Stämmen unter Führung des Arminius (unter anderem die Langobarden und Semnonen) rechts der Weser zu zwei großen Schlachten, der Schlacht auf dem campus Idistaviso sowie der Schlacht am Angrivarierwall.

Die Schlacht am campus Idistaviso („Schlachtfeld dem Ithi quasi gegenüber“) fand zwischen der Weser und dem Ith statt. Nachdem die Römer die Weser überquert hatten, legten sie ein Marschlager an. Von diesem Lager aus zogen sie auf das Schlachtfeld. Bereits auf dem Marsch zum Schlachfeld wurden die römischen Truppen angegriffen. Die Schlacht selbst dauerte vom Morgen bis in die Nacht. Am Ende des Tages befanden sich die germanischen Truppen in Auflösung. Arminius und Inguiomerus konnten mit einem Teil ihrer Truppen bei den chaukischen Hilfstruppen die römische Schlachtenlinie durchbrechen und flohen Richtung Osten. Nach der Schlacht errichteten die Römer einen Siegeshügel und zogen dann den Cheruskern hinterher, um sie endgültig zu vernichten.

Diese gingen am Angrivarierwall in Stellung. Der Schlachtplan des Arminius (unter anderem auch die im Wald versteckten germanischen Reiterstreitkräfte) blieb Germanius nicht verborgen. So konnte er seine Reiter den germanischen Reitern entgegenstellen in einer Reiterschlacht und so verhindern, daß diese den Fußtruppen wie von Arminius geplant in den Rücken fallen konnten. Somit erreichten die römischen Legionen den Wall fast unbeschadet, so dass die Germanen einem viel größeren Ansturm als erwartet ausgesetzt waren. Das intensive römische Bombardement der Wallanlagen durch Schleudermaschinen, Katapulte, Bogen- und Wurfschützen tat ein übriges. So gelang es schließlich den Römern den Wall zu erobern. Die Germanen zogen sich in die angrenzenden Wälder zurück.

Arminius befand sich aber trotz der römischen Siege noch immer an der Spitze einer starken Koalitionsarmee germanischer Stämme. Germanicus wurde im Jahre 17 n.Chr. abberufen und in Rom mit einem Triumphzug geehrt und dann von Tiberius in den Osten des Reiches entsandt. Das Ende der Germanicus-Feldzüge bedeutete faktisch das Ende des römischen Anspruchs auf das rechtsrheinische Germanien.

Die Auseinandersetzungen mit den Römern im 1. und 2. Jrh

Im Jahre 28 n.Chr. gab es einen Aufstand der Friesen wegen der hohen Steuern, in dessen Folge auch das rechtsrheinische Friesland aufgegeben wird. Der Nachfolger von Tiberius, Kaiser Claudius, baute den Rhein durch die Anlage weiterer Kastelle als Grenze aus. Im Jahre 47 n. Chr. geht der römische Statthalter Domitius Corbulo vom Niederhein aus gegen die Friesen und Chauken vor, wird aber von Kaiser Claudius zum Rückzug aufgefordert. Im Jahre 50 es einen Einfall der Chatten nach Gallien, der aber erfolgreich abgewehrt werden kann. von 81 – 85 (?) finden die Chattenkriege statt. Die römische Offensive führte von Mainz durch die Wetterau ins chattische Gebiet.

Durch die beginnenden Völkerwanderungen traten die Germanen dann erst wieder im 2./3. Jrh. in Erscheinung. Es ist die Geschichte der Wanderung vieler verschiedener germanischer Stämme und deren Auseinandersetzungen mit den Römern. Schließlich treten sie im 4. und 5. Jrh das Erbe Roms im Westen an, wie die Karte zeigt.

Siedlungen und Wirtschaft der Germanen

Die Germanen wohnten in relativ kleinen Siedlungen. Aus den Bestattungsplätzen der Germanen schließen Archäologen, dass die Größe von Siedlungen bei etwa zweihundert Menschen lag. Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass die Germanen in Holzhäusern in Skelettbauweise wohnten. Die verbreitetste Art war das germanische Langhaus, das Aufgrund seines Verhältnisses von Länge und Breite so bezeichnet wird.

Unter seinem Dach beherbergte es sowohl Menschen wie auch Tiere, die lediglich durch eine Wand getrennt waren. Der Wohnraum besaß keine weiteren Trennwände, in seiner Mitte befand sich eine Feuerstelle. Der Rauch konnte über eine Öffnung im Dach abziehen, Fenster besaßen die germanischen Häuser nicht. Das tief herabgezogene Dach war mit Rohr gedeckt und wurde von hölzernen Pfeilern getragen. Die Außenwände bestanden aus hölzernen Pfosten, zwischen denen sich mit Lehm beschmiertes Flechtwerk spannte. Für den Unterbau wurden in einigen Gegenden Steine verwendet. Separat vom Wohnhaus standen der Speicher und andere kleinere Nutzgebäude.

Das Anwesen war zum Schutz vor wilden Tieren und Räubern oft von einem hölzernen Zaun oder einer Steinmauer umgeben. Die Germanischen Bauern waren weitgehend Selbstversorger, der Hof bot alles, was die Familie zum Leben brauchte und was fehlte wurde entweder eingetauscht oder selbst hergestellt. Geld war den Germanen anfangs weitgehend unbekannt und wurde erst nach und nach durch die Römer eingeführt. Die Jagd wurde sehr eifrig betrieben im alten Germanien, die Wälder waren reich an Bären, Wildschweinen, Rot- und Dammwild sowie Aurochsen.

„Dass die Völkerschaften der Germanen keine Städte bewohnen, ist hinreichend bekannt, ja dass sie nicht einmal zusammenhängende Siedlungen dulden. Sie hausen einzeln und gesondert, gerade wie ein Quell, eine Fläche, ein Gehölz ihnen zusagt. Ihre Dörfer legen sie nicht in unserer Weise an, dass die Gebäude verbunden sind und aneinander stoßen: jeder umgibt sein Haus mit freiem Raum (…).“ Tacitus, Germani

Religion/Götter der Germanen

Was sind Götter überhaupt?

Wer sich mit heidnischen Göttern beschäftigt, muß sich von Vorstellungen über Göttlichkeit, wie sie das Christentum lehrt, gründlich befreien. Ein Gott im Heidentum ist kein abstraktes, jenseitiges, ewiges, allmächtiges Wesen, das über der Welt schwebt und sie von außen regiert, kein „reiner Geist“ und keine moralische Instanz, die ausschließlich das sogenannte Gute verkörpert, kurz: kein Gegenkonzept zur Natur, wie es viele Lehren aufstellen, sondern das Göttliche in der Natur, nicht „ganz anders“, sondern eins mit der Welt. Eine heidnische Gottheit ist ein konkreter Aspekt des Geistes, der die Wirklichkeit dieser Welt durchwebt, mit ihr lebt und stirbt, in ihr wirkt und sich entfaltet: kein abstrakter, ewiger Geist, sondern ein lebendiger.

Die Germanen, berichtet Tacitus, „benennen mit den Namen der Götter jenes Geheimnis (secretum illud), das sie in einziger Ehrfurcht schauen“. Denn „Gott“, gotisch goth (goþ), ist ursprünglich ein sächliches Mehrzahlwort und bedeutet eben jenes Geheimnis, das wir in den Göttern verehren.

Das Göttliche und die einzelnen Götter

Goth nannten unsere Vorfahren nur das Göttliche als Ganzheit. Die einzelnen Gottheiten, in denen es sich manifestiert, wurden teiwar oder ansis genannt. Teiwar (Einzahl teiwaz) ist dasselbe Wort wie das lateinische di und bedeutet „Lichtwesen“. Ansis (Einz. ansuz) hängt vielleicht mit indisch asu (Lebenskraft) zusammen, sicher aber mit germanisch ans (Pfahl), denn die Götter wurden vor einfachen Holzpfählen mit angedeuteten Gesichtszügen verehrt. Diese Pfähle waren keine Götterbilder, sondern deuteten nur an, daß eine Gottheit anwesend ist. Aus ansis ist der nordische Name Æsir (Asen) entstanden. Er kann daher nicht nur für die Götter dieses Stamms, sondern für „Götter“ im allgemeinen verwendet werden, auch wenn wir Asen und Vanen meinen.

Die Ganzheit der Götter

Wenn man sich zu sehr auf einen einzelnen Gott konzentriert, vergißt man leicht, daß er nicht das ganze Göttliche ist. Deshalb verehren wir immer alle Götter gemeinsam, wie es im dänischen Mythos Odin angeordnet hat. Ihre Ganzheit, in der sie wirken, wird mythisch durch das Götterthing dargestellt, in dem sie ihr Handeln demokratisch beraten. Daher heißen sie in der Edda regin, altdeutsch regan, die Beratenden.

Die beiden Pole der Gotteserfahrung

In den Mythen begegnen wir den konkreten Einzelgestalten der Götter, in den Riten steht ihre Ganzheit, jenes Geheimnis (goth), im Mittelpunkt. So bewegt sich die heidnische Gotteserfahrung immer zwischen diesen beiden Polen: Goth und Ansis, unbenanntes Geheimnis und konkrete Gestalt. Beide Erfahrungsweisen sind wichtig, gehören zusammen und ergänzen einander. Beide sind wahr, aber keine ist die ganze Wahrheit. Nur in der Zusammenschau kommen wir ihr nahe.

Mit Göttern kommunizieren

Vielen Menschen fällt es leichter, das Göttliche als Geheimnis zu verehren, das man sich nicht konkret vorstellen kann. Es genügt ihnen zu wissen, daß es existiert. Bei Göttern wollen sie genau wissen, was sie sind: selbständig existierende Geistwesen? Persönlichkeiten ? Gesichter, die er uns zeigt? Auch im Heidentum gibt es viele verschiedene Ansichten darüber, die für den Verstand nützlich, aber nur Vorstellungen und nicht die Wahrheit selbst sind. Das ist aber auch gar nicht so wichtig. Religion, Spiritualität oder Magie ist nicht Philosophie über das Göttliche, sondern Kommunikation mit ihm, und dazu ist es nicht nötig zu wissen, was es ist, mit dem du redest. Du mußt nicht einmal an Götter glauben. Selbst wenn du sie nur für Symbole des Geheimnisses hältst, kannst du von ihnen viel erfahren und über sie sprechen.

Götter in Mythos und Kult

Viele Gottheiten kommen in den Mythen vor, wurden aber nie kultisch verehrt. Man tut daher gut daran, sich nur mythisch mit ihnen auseinanderzusetzen, also in Dichtung und Erzählung, und nicht auch irgendwelche Riten für sie zu ersinnen oder viel über ihr Wesen zu grübeln. Was immer sie sind, sie gehen uns offensichtlich nur als mythische Gestalten etwas an. Das ist die Art, in der sie unser Bewußtsein erreichen und erweitern können. Es ist sinnvoll, sich mit möglichst vielen Gottheiten auseinanderzusetzen, wie der Runenmagier Jan Fries sagt: „Je mehr Götter du in dein Leben integrierst, desto umfassender wird die Welt, die du erlebst.“

Wodan/ Odin
Odin (nord. Óðin, Odinn, südgermanisch Wodan, Wotan, Wuotan, Wode, heißt ahd. „Der Wütende”), Atridi („der Zureitende”); bei Langobarden Odan und Godan; nordfries. Wede, Wedke; Othan, Odon, Eovden; niederdt. Jivodan. Er hat zahlreiche Bei- und Decknamen (Allvater, Gunnarr, Gagnrad, Har, herfadir, Harbard („Graubart”), Herjann, Herteitr, Valfadir, Walvater, Wegtam).

Er ist Hochgott der Asen, die höchste und erste Gottheit (z. B. Edda, Grimnirlied 44) der „die Götter wie Kinder dienen” (Snörri, 23), Himmelsgott, Dichtergott sowie Kriegs- und Totengott. Als Sturmgott ist er Anführer von Wuotanes her. Odin ist Gott der Runenweisheit und Schutzgott der Skalden. Aber auch Gott der Magie und der Ekstase.

Odin ist ein Sohn des Urriesenpaares Borr und Bestla und somit ein Enkel von Buri, dem Urvater der Götter. Er hat zwei Brüder, Vili und Ve (bzw. Hönir und Lodr).

Drei Höfe bewohnt Odin, den mit Silber gedeckten Walaskjalf, den „der Ase sich in Urtagen wirkte”, Kleinodbank, wo Odin mit der Saga täglich aus Goldbechern trinkt und Froheim, in der sich die goldene Walhall dehnt (Edda, Grimnirlied 6-8).

Er ist von allen nordischen Göttern einer der tragischsten und edelsten. Seine Weisheit ist unermesslich und allumfassend. Sie ermöglichte ihm, in die Zukunft zu sehen. Odin steht als Sinnbild für den Geist des Universums, und er ist der Beschützer der Krieger, deren Herzen ehrlich und mutig sind.

Von seinem Thron Hlidskialf aus überblickt Odin die gesamten neun Welten. Um ihn kreisen die Raben Huginn („Gedanke”) und Muninn („Erinnerung”), zu seinen Füßen wachen die Wölfe Freki (der Heißhungrige) und Geri (der Gierige), sie versinnbildlichen den angeborenen Jagdinstinkt ihres Herren. Seinen Reichtum verdankt er seinem goldenen Ring Draupnir, der sich ständig vermehrt. Im Kampf verläßt er sich auf den Speer Gungnir, der nie in seinem Stoß inne hält. Er verfügt über einen Mantel, eine Helm und das achtbeinige Zauberpferd Sleipnir, das er Loki verdankt.

Odins einzige Nahrung ist „Met“ sowie täglich einen der goldenen Äpfel der Göttin Iduna.

Kenntlich ist er als Anführer von Wuotanes Her an blauem Mantel (z. B. im Grimnirlied), Hut und an seiner Einäugigkeit. Ihn begleiten seine Raben und Wölfe, seine Boten sind die Walküren, die ihm die Einherier nach Walhall holen. Diese Tapfersten der gefallenen Krieger teilt sich der Walvater mit der Freyja.

Zusammen mit seinen Brüdern, Vili und Ve, tötet er den Urriesen Ymir und erschafft aus dessen Körper die Welt und später schufen sie das erste Menschenpaar, Askr und Embla. Als Windgott gab er ihnen den Atem, die Seele und das Leben (Edda, Voluspa 17f.), Vil erfüllte sie mit Geist und Wissensdurst und Ve schenkte ihnen die Gabe der fünf Sinne.

Seine Gattin ist Frigg. Mit ihr ist er Vater von Baldur, Hödur und Hermod. Mit der Riesin Rind Vater des Vali, mit der Jörd Vater des Thor und mit der Gridr Vater des Vidar. Heimdall erzeugte er mit den neun Töchtern des Aegir. Seine Ehefrauen sind Frigg, Fjorgyn und Rind, davon hat er aber Frigg am liebsten. Nahezu alle Götter Asgards stammen von ihm ab. Mit der Riesin Gunnlöd die den Skaldenmet bewachte zeugte er den Bragi.

Seine häufigen Reisen, durch die neun Welten, führten ihn zum Grund von Wissen und Weisheit, dabei verwendet er andere Namen (Grimnirlied 48). Als Gagnrad zieht er zu Vafthrudnir, um mit dem einen Wettstreit um ihr Wissen zu beginnen, da ihm nach dem Urzeitwissen des Riesen gelüstet. (Edda, Wafthrudnirlied).

Als Bölwerkr („Übelstifter”) holt er den Skaldenmet zu den Göttern. In einem anderen Lied der Edda, Baldrs draumar, nennt er sich Wegtam, Sohn des Waltam. Und als Grimnir besucht er König Geirröd, um dessen Gastfreundschaft der Menschen zu prüfen (Grimnirlied). Weitere Bei- oder Decknamen Odins sind Alvater, Gangmatt, Herrscher, Helmträger, Graubart, Har oder Heerblender, Walvater, Wunschherr und weitere (siehe ebd., 46f.).

Als Ase ist Odin wie alle dem Schicksal der Nornen unterworfen, die am Urdbrunnen an der Wurzel Yggdrasils hausen. Hier am Weltenbaum opfert er sich selbst sich selbst. Gespießt mit dem Ger hängt er neun Nächte an Yggdrasils Stamm, bis er die tiefsten Geheimnisse geschaut hat. Rufend nimmt er die Runen auf und kommt, auferstehend, vom Baum los.

Ich weiß, daß ich hing am windigem Baum neun Nächte lang, mit dem Ger verwundet, geweiht dem Odin, ich selbst mir selbst, an jenem Baum, da jedem fremd, aus welcher Wurzel er wächst.

Sie spendeten mir nicht Speise noch Trank; nieder neigt ich mich, nahm sie rufend auf; nieder dann neigt ich mich. Edda, Runenlehren 25 B 1-2, hier zit. n. F. Genzmer

Nun verpfändet er seinem Onkel, dem Riesen Mimir eines seiner Augen, um aus dessen Weisheitsbrunnen den Met Odrörir trinken zu dürfen (Wie viele Seher wird auch Odin mit eingeschränkter optischer Sehkraft geschildert). Mimir deutet Odin nun auf einem Berge (Edda, Runenlehren C 3) in neun Hauptliedern das Geheimnis der Runen (Edda, Runenlehren B 3).

Seit diesem Tod und magischer Auferstehung weiß Odin um sein und des gesamten Göttergeschlechts Schicksal und ist weisester der Götter (mit Ausnahme vielleicht der Frigg, die allerdings jegliche Auskunft verweigert). Er weiß um das Weltende Ragnarökr, wenn die Riesen aus Muspelheim gegen ihn ziehen und er selbst durch Lokis Sohn, den riesischen Wolf Fenrir verschlungen werden und sein Sohn Vidar ihn rächt.

Um auf diese Schlacht vorbereitet zu sein, holt er seitdem die tapfersten der auf der Walstatt (Schlachtfeld) verbliebenen Krieger, die Einherier, zu sich nach Walhall. Daß Odin sich diese Mühe macht, zeugt von einem tiefsitzenden Fatalismus, weiß er doch um das unabweislich dräuende Schicksal. So zieht er durch die Welt, besucht seine Schützlinge, sät Zwietracht und entzieht den Seinen – menschlich gedacht – im entscheidenden Moment seine Gunst, um, endlich und vergeblich, ein starkes Heer zu befehligen, das auf der Ebene Vigrid die letzte Schlacht schlagen wird. Zum Beispiel brachte Odin dem mythischen Dänenkönig Harald Kriegsgeschick bei und führte ihn zu zahlreichen militärischen Erfolgen. Dann aber fuhr den König sein eigener Wagenlenker in den Tod. Es war dieser Lenker der Odin selbst, der Harald mit dieser Hinterlist zum Einherier machte. Von Freyja verlangt er, zwischen zwei Königen tödlichen Haß zu säen. Es kommt zur gewünschten Schlacht und die Walküren bringen Odin reiche Ernte ein.

Odin wurde weithin verehrt, in Mitteleuropa als Wuotan. Odin wurde „Gott der Gehängten” oder „Gott der Erschlagenen” genannt, weil dieses Motiv, daß an Odins Wissenserwerb anknüpft, eng mit seinem Kult verbunden sei. Die Berichte über die Kriegszüge der Wikinger enthalten Hinweise auf die Opferung Kriegsgefangener an Odin. Beispielsweise sollen nach der Plünderung der Stadt Nantes 842 die meisten Bewohner an Bäumen aufgehängt worden sein, was auf solchen Kult deute. Die Bäume seines heiligen Hains in Uppsala seien noch im 10. Jahrhundert voller aufgehängter Menschenopfer gewesen (div. Quellen, nach Walker 1993, S. 800).

Onsdag, der norwegischer Name für den Mittwoch, ist auf Odin zurückzuführen. Entsprechend verhält es sich mit der südgermanischen Form des Odin, Wodan, der zum Namensgeber des englischen Wednesday wurde (Wodansdag).

Odin wurde hauptsächlich von den Wikingern verehrt. Über Odin gibt es viele Sagen und Geschichten.

Meist wird nach Wotan auch die gesamte germanische Religion als Wotanismus bezeichnet. F.G. Klopstock schrieb 1769 eine „Hymne an Wotan”.

Odins Runenlied

Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum
Neun lange Nächte,
Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht,
Mir selber ich selbst,
Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann
Aus welcher Wurzel er sproß.

Sie boten mir nicht Brot noch Met;
Da neigt ich mich nieder
Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend:
Endlich fiel ich zur Erde.

Hauptlieder neun lernt ich von dem weisen Sohn
Bölthorns, des Vaters Bestlas,
Und trank einen Trunk des teuern Mets
Aus Odhrörir geschöpft.

Zu gedeihen begann ich und begann zu denken,
Wuchs und fühlte mich wohl.
Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort,
Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.

Runen wirst du finden und Ratstäbe,
Sehr starke Stäbe,
Sehr mächtige Stäbe.
Erzredner ersann sie, Götter schufen sie,
Sie ritzte der hehrste der Herrscher.

Odin den Riesen, den Alfen Dain,
Dwalin den Zwergen,
Alswid aber den Riesen; einige schnitt ich selbst.

Weißt du zu ritzen? Weißt du zu erraten?
Weißt du zu finden? Weißt zu erforschen?
Weißt du zu bitten? Weißt Opfer zu bieten?
Weißt du wie man senden, weißt wie man tilgen soll?

Besser nicht gebeten, als zu viel geboten:
Die Gabe will stets Vergeltung.
Besser nichts gesendet, als zu viel getilgt;
So ritzt es Thundr zur Richtschnur den Völkern.
Dahin entwich er, von wannen er ausging.

Lieder kenn ich, die kann die Königin nicht
Und keines Menschen Kind.
Hilfe verheißt mir eins, denn helfen mag es
In Streiten und Zwisten und in allen Sorgen.

Ein andres weiß ich, des alle bedürfen,
Die heilkundig heißen.

Ein drittes weiß ich, des ich bedarf
Meine Feinde zu fesseln.
Die Spitze stumpf ich dem Widersacher;
Mich verwunden nicht Waffen noch Listen.

Ein viertes weiß ich, wenn der Feind mir schlägt
In Bande die Bogen der Glieder,
So bald ich es singe, so bin ich ledig,
Von den Füßen fällt mir die Fessel,
Der Haft von den Händen.

Ein fünftes kann ich: fliegt ein Pfeil gefährdend
Übers Heer daher,
Wie hurtig er fliege, ich mag ihn hemmen,
Erschau ich ihn nur mit der Sehe.

Ein sechstes kann ich, so wer mich versehrt
Mit harter Wurzel des Holzes:
Den andern allein, der mir es antut,
Verzehrt der Zauber, ich bleibe frei.

Ein siebentes weiß ich, wenn hoch der Saal steht
Über den Leuten in Lohe,
Wie breit sie schon brenne, ich berge sie noch:
Den Zauber weiß ich zu zaubern.

Ein achtes weiß ich, das allen wäre
Nützlich und nötig:
Wo unter Helden Hader entbrennt,
Da mag ich schnell ihn schlichten.

Ein neuntes weiß ich, wenn Not mir ist
Vor der Flut das Fahrzeug zu bergen,
So wend ich den Wind von den Wogen ab
Und beschwichtge rings die See.

Ein zehntes kann ich, wenn Zaunreiterinnen
Durch die Lüfte lenken,
So wirk ich so, daß sie wirre zerstäuben
Und als Gespenster schwinden.

Ein elftes kann ich, wenn ich zum Angriff soll
Die treuen Freunde führen,
In den Schild fing ich’s, so ziehn sie siegreich
Heil in den Kampf, heil aus dem Kampf,
Bleiben heil wohin sie ziehn.

Ein zwölftes kann ich, wo am Zweige hängt
Vom Strang erstickt ein Toter,
Wie ich ritze das Runenzeichen,
So kommt der Mann und spricht mit mir.

Ein dreizehntes kann ich, soll ich ein Degenkind
In die Taufe tauchen,
So mag er nicht fallen im Volksgefecht,
Kein Schwert mag ihn versehren.

Ein vierzehntes kann ich, soll ich dem Volke
Der Götter Namen nennen,
Asen und Alfen kenn ich allzumal;
Wenige sind so weise.

Ein fünfzehntes kann ich, das Volkrörir der Zwerg
Vor Dellings Schwelle sang:
Den Asen Stärke, den Alfen Gedeihn,
Hohe Weisheit dem Hroptatyr.

Ein sechzehntes kann ich, will ich schöner Maid
In Lieb und Lust mich freuen,
Den Willen wandl ich der Weißarmigen,
Daß ganz ihr Sinn sich mir gesellt.

Ein siebzehntes kann ich, daß schwerlich wieder
Die holde Maid mich meidet.
Dieser Lieder, magst du, Loddfafnir,
Lange ledig bleiben.
Doch wohl dir, weißt du sie,
Heil dir, behältst du sie,
Selig, singst du sie!

Ein achtzehntes weiß ich, das ich aber nicht singe
Vor Maid noch Mannesweibe
Als allein vor ihr, die mich umarmt,
Oder sei es, meiner Schwester.
Besser ist was einer nur weiß;
So frommt das Lied mir lange.

Des Hohen Lied ist gesungen
In des Hohen Halle,
Den Erdensöhnen not, unnütz den Riesensöhnen.
Wohl ihm, der es kann, wohl ihm, der es kennt,
Lange lebt, der es erlernt,
Heil allen, die es hören.

Donar / Thor Beschützer der Welt

Thor (altgerm. Donar , altengl. Thunaer , nord. Schreibung Þórr ) ist der Sohn Odins und der Mutter Erde , die in der Edda Jörd , Fjörgyn oder Hlodyn heißt. Er ist der stärkste und mutigste der Asen und hat die Aufgabe, Götter und Menschen vor allen zerstörerischen und finsteren, lebensfeindlichen Kräften zu beschützen. Er ist von zuverlässigem, geradlinigem Charakter, hilfsbereit für seine Freunde und zornig gegen seine Feinde, die vor allem die Thursin sind, wie diejenigen unter den Urwesen vom Stamm der Jöten genannt werden, die den Göttern feindlich gesinnt sind und Schaden auf der Welt anrichten. Viele Mythen der Edda erzählen von seinen Kämpfen gegen sie.

Thors Gestalt im Mythos

Thors schützende Kraft zeigt sich in der Natur in der Gewalt von Blitz und Donner. Sein heiliger Baum ist die Eiche, sein Tier der Ziegenbock. Im Mythos fährt er auf seinem Streitwagen, der von zwei Böcken gezogen wird, gegen seine Feinde. Als Gott der sozialen Schutzfunktion (Krieger) beschreiben ihn die Dichter so, wie man sich einen Wikingerkrieger vorstellt: groß, kräftig gebaut und mit dichtem rotem Bart. Er hat funkelnde Augen, die seinen Feinden Angst machen, eine laute Stimme und kann Unmengen essen und trinken.

Thors Waffe und ist ein Hammer, der Mjöllnir heißt und von Alben geschmiedet wurde. Wenn er ihn nach seinen Feinden wirft, kehrt er wie ein Boomerang wieder in seine Hand zurück. Mit seinem Hammer kämpft Thor aber nicht nur, sondern weiht damit auch alles, was schützenswert ist, z.B. die Ehepaare bei der Hochzeit, den Spruch des Richters, das Trankopfer oder die Runen, die man ritzt. Er heißt Véorr , Beschützer, Vingþórr oder Vingnir , Weihender, und Ása-Þórr , weil er zur Asenfamilie gehört.

Thors Wohnort in Asgard heißt Thrudheim (Kraftheim) und seine Halle dort heißt Bilskirnir. Seine Gattin ist Sif (Sippe), seine Söhne sind Magni (Starker) und Modi (Zorniger), seine Tochter Thrudur (Kraft) und sein Ziehsohn der Wintergott Ullr. Auf seinen Fahrten wird Thor von den Bauernkindern Thjálfi und Röskva begleitet, oft auch von Loki, der ihn mit trickreichen Einfällen unterstützt.

Der Sohn der Erde

Die älteste Darstellung Thors, eine bronzezeitliche Felszeichnung aus Schweden, zeigt ihn als bockshörnigen, zwei Hämmer schwingenden Gott der Fruchtbarkeit oder besser der Männlichkeit. Als Sohn der Erde hat Thor am lebensspendenden Wesen seiner Mutter ebenso Anteil wie am magischen Geist seines Vaters Odin, der sich in der schamanischen Tiermaske zeigt. Der Name seiner Frau Sif und die Verwendung seines Hammers zur Weihe der Ehepaare weisen darauf hin, dass Thor eng mit dem Fortbestand der Sippe verbunden ist. Da seine Naturmanifestation Gewitter und Regen sind, spendet er auch den Feldern und Weiden Wachstum.

Deshalb – und natürlich als Beschützer des Lebens, der Haus und Hof, Familie, Tiere und Felder vor Schaden bewahrt – ist Thor ein Gott der Bauern, die ihn stets ganz besonders verehrten. Vielen steht er persönlich näher als Odin. In der Wikingerzeit galt Odin als Gott der Krieger, Anführer und Dichter, Thor aber als Gott des Volkes.

Fulltrúi – der vertraute Freund

Einen Gott, dem sich jemand besonders verbunden fühlte, nannte man in der Wikingerzeit fulltrúi , „vertrauter Freund“ oder „einer, dem man voll und ganz trauen kann“. Diese Funktion erfüllte für die meisten Nordleute Thor. Er war es, an den sie sich in ihren täglichen Sorgen wandten, den sie um Hilfe und Schutz anriefen und dessen Vorbild ihnen die innere Kraft gab, sich wie er gegen die Bedrohungen ihres Daseins zu behaupten.

Diese Vorbildwirkung eines Gottes ist besonders wichtig, denn die Götter wollen als innere Kräfte der Welt und des Menschengeistes nicht wie ferne Mächte angebetet, sondern in uns verwirklicht werden. Es hat daher keinen Sinn, sich einem starken Gott mit schwächlichen Demutsgesten zu nahen. Er würde dich gar nicht zur Kenntnis nehmen bzw. du würdest ihn, wenn er es täte, gar nicht begreifen. Deshalb musst du der Gottheit, die du anrufst, ähnlich werden, so gut du kannst, um gewissermaßen auf gleicher Wellenlänge überhaupt mit ihr kommunizieren zu können.

Da die meisten Wikinger Thor ähnlich sein wollten, wurden auch viele von ihren Eltern nach Thor genannt, z.B. Thorsteinn, Thorbjörn, Thorvaldur usw. Auch Frauen hatten oft Thorsnamen wie Thorgerdur oder Thordis. Verbreitet war der Brauch, Darstellungen Thors oder sein Symbol, den Hammer, in die Stützbalken der Häuser zu schnitzen. Die Besiedler Islands brachen zumeist ihre alten Häuser ab und nahmen sie in die neue Heimat mit. Sobald ihre Schiffe in auflandige Strömung kamen, warfen sie die Stützbalken mit Thors Bild über Bord. Dann beobachteten sie, wohin die Strömung die Balken trieb, und siedelten sich dort an, „wo Thor an Land gegangen war.“

Der komplexe Geist Thors

Über Thor gibt es eine große Zahl von Mythen, deren gemeinsames Motiv die Fahrten des Thors gegen gefährliche Feinde der Götter ist. Oberflächlich gesehen, gleichen sie heroischen Abenteuergeschichten, bei näherem Hinsehen lassen sie aber eine sehr tiefgründige Symbolik erkennen. Im Mythos vom Riesenbaumeister spielt Thor auch eine tragische Rolle von universaler Tragweite. Nicht zuletzt gehört er wie Odin und Tyr zu den verletzten Göttern: Seit seinem Kampf mit Hrungnir steckt ein Stück von dessen Waffe, einem Wetzstein, in Thors Kopf – diese Verletzungen zeigen, dass auch die Götter erst durch Kampf und Mühen, von denen ihnen auch Narben blieben, zu dem wurden, was sie sind.

Aus dem allem wird klar, dass Thor keineswegs eine so einfache, auf rohe Kraft und kämpferische Schutzfunktion beschränkte Gestalt ist, wie ihn manche gern sehen würden. Hinter seinen Kämpfen und Fahrten steht ein komplexer und tiefgründiger Geist, der immer unterwegs ist, forschend und Erfahrung sammelnd, auf der stetigen Suche nach Entwicklung und höherer Entfaltung seines Wesens. Das ist ja der Sinn des Reise-Motivs in den Mythen: die Reise zum Selbst, auf der zahlreiche Gefahren, Umwege und Irrwege lauern.

Es stimmt also nicht, dass Thors Weg weniger geistvoll wäre als der Odins. Er mag beschwerlicher sein, weil Thor durch die Flüsse waten muss, über die Odin auf der Brücke reiten kann. Vielleicht ist er aber eben deshalb auch der sicherere Weg. Man bleibt auf der Erde.

Die Verehrung Thors

Thor ruft man in allen Dingen an, bei denen man göttlichen Schutz braucht und selbst stark und durchsetzungsfähig sein muss, aber auch als Weihegott, wenn man Runen, Kultplätze, Menschen und Tiere, die Felder oder wichtige Handlungen weihen, d.h. mit göttlicher Kraft laden und vor schädlichen Einflüssen schützen will. Dazu macht man das Hammerzeichen, indem man ein auf dem Kopf stehendes T in die Luft oder über die Dinge zeichnet, die man weihen will. In dieser Form zeigt der Hammer, ebenso wie bei den Thorshämmern, die wir als Amulette und Erkennungszeichen tragen, als Ausdruck der friedlichen Absicht mit dem Eisen nach unten.

Der Schutzgott des Heidentums

Diese Thorshämmer sind alte Schutzamulette, waren aber schon in der Wikingerzeit, als Gegensymbol zum Christenkreuz, das Erkennungszeichen der Heiden und somit ein Symbol bewussten Heidentums. In dieser Zeit wurden viele Krieger, die Odin verehrt hatten, Gefolgsleute der christlichen Könige und nahmen die fremde Religion ihrer Chefs an. Der Widerstand gegen Zentralherrschaft und Zwangsmission – für die angestammte Religion und ihre demokratische Sippenordnung – ging von den Bauern aus, die Thor verehrten. So wurde die Verehrung Thors von den Königen am brutalsten verfolgt, konnte sich aber dennoch lange behaupten. Es wird auch erzählt, dass Thor dem norwegischen König Olaf auf seinem Schiff erschien und ihn zur Rede stellte. Dann sprang er ins Meer, ohne Rache zu üben.

Diesen schützenden, aber friedfertigen, hilfreichen Gott, der uns mit Kraft und Stärke erfüllt, verehren wir auch als Schutzgott unserer Religion.

Tiwaz/Tyr – Gott der Gerechtigkeit

Außer Freyr , der unter dem altgermanischen Namen Ingwaz (nordisch Yngvi-Freyr) erscheint, und Odin , der nur allgemein als Ansuz (Asengott) genannt wird, ist Tyr der einzige Gott, nach dem eine Rune benannt ist. Die 17. Rune Teiwaz, der altgermanische Name Tyrs, steht sogar am Anfang des dritten Runengeschlechts (Ætt), das daher „Ætt von Teiwaz“ heißt. Schon allein daraus lässt sich ersehen, dass Tyr, obwohl es in der Edda nur wenige Mythen über ihn gibt, ein überaus bedeutender Gott ist.

Sein Name (nordisch Týr, altgerm. außer Teiwaz auch Tiu oder Ziu) ist eines der germanischen Wörter für „Gott“ im Sinne persönlicher Gottheiten (das Wort „Gott“ selbst, goþ, ist ursprünglich sächlich Mehrzahl und bezeichnet das Göttliche an sich oder die Gesamtheit der Götter, nord. goð). Diesen Sinn hatte auch schon die indogermanische Wortwurzel *diw, von der u.a. griechisch theos und lateinisch deus und divus abgeleitet sind. Götter, deren Namen von diesem Wort abgeleitet sind, sind oft die höchsten Götter: Zeus (von *diw-eus) in Griechenland, Iupiter (Diu-piter) in Rom oder Dyaus im vedischen Indien. Alle diese Götter werden auch „Vater“ genannt und sind Götter des Himmels und der himmlischen Naturkräfte, gehören also zum indogermanischen Ur-Götterpaar von Erdmutter und Himmelsvater.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch bei einigen Germanenstämmen Tyr der höchste Gott war. Zwar sagt schon Tacitus über die Germanen ganz generell, dass sie „Mercurius“ (Wodan/Odin) am meisten verehrten, doch noch im Frühmittelalter herrschte z.B. bei den Schwaben die Tyr-Verehrung vor oder war zumindest so stark ausgeprägt, dass dieser Stamm in einer lateinischen Glosse als „Ciuvari“, Ziu-Verehrer, bezeichnet werden konnte. Auch die Sachsen gelten als besondere Freunde Tyrs, den manche Forscher mit ihrem Stammesgott Saxnot („Sachsengenosse“) gleichsetzen. Saxnot könnte auch ein Beiname Wodans sein, aber er wird auch neben Wodan und Thunaer (Donar/ Thor ) genannt. Ebenso verehrten die Friesen einen Stammesgott mit Namen Fosite, der mit Tyr identifiziert wird, denn dieser Name (nord. Forseti) bedeutet „Vorsitzender“.

Tyr ist nämlich der „Mars Thingsus“ lateinischer Weihesteine, mit denen ihn Germanen auf römischem Gebiet ehrten: der Gott des Things, das zugleich demokratische Rats- und Gerichtsversammlung ist. Tyr ist der Gott des Gerichts und der Beratungen, der Eide und Verträge, der Gerechtigkeit und der rechtmäßigen Ordnung. Diese Ordnung wird im Heidentum nicht als starr aufgefasst wie in den autoritären Religionen, wo ein für allemal festgelegte göttliche Gesetze gelten, sondern entwickelt sich dynamisch zwischen den Rechtspartnern oder den Konfliktparteien. Tyr ist daher nicht nur der Gott, der Streitfälle schlichtet. Er sorgt auch dafür, dass Konflikte nach festen Regeln, die alle akzeptieren, ausgetragen werden können. Nur in diesem Sinn ist er auch ein Gott des Krieges („Mars“), wenn ein Konflikt nicht anders geklärt werden kann – also kein wirklich „kriegslüsterner“ Gott wie Mars/Ares, der deshalb bei den anderen Göttern unbeliebt ist. Er akzeptiert Kampf nur als Rechtsstreit und begünstigt alle Versuche, ihn zu begrenzen, z.B. durch den Brauch bei Germanen und Kelten, Schlachten durch Zweikämpfe der Heerführer zu ersetzen. In solchen Fällen, wie auch bei Streitfällen vor Gericht, kann man Tyr um Sieg anrufen.

Die Edda erzählt von Tyr, dass er ein Sohn Odins und einer Riesin ist, deren Name aber nicht genannt wird. Tyrs Mutter heiratete später den Riesen Hymir, von dem Tyr gemeinsam mit Thor den magischen Braukessel holt, den Hymir besitzt. Dabei kommt es zu Thors Kampf mit der Midgardschlange, einem der Ungeheuer, die Loki mit der Thursin Angrboda gezeugt hat. Ein anderes dieser Ungeheuer, den Wolf Fenrir, bezwingt Tyr selbst, büßt dabei aber seinen rechten Arm ein: Die Götter wollen dem Wolf eine magische Fessel anlegen, doch er lässt das nur mit sich tun, wenn sie ihm schwören, ihn wieder zu befreien, und einer von ihnen seine Hand in seinen Rachen legt. Tyr, der Gott der Eide, ist dazu bereit, aber er weiß, dass er einen Meineid schwören muss – um die Welt vor dem Ungeheuer zu schützen, muss er gegen sein innerstes Wesen handeln und einen Teil von sich selbst opfern.

Njord/Njörd – Gott des Meeres

Er herrschte in der Wasserwelt.Njörd (Njördr, Njord, Niörd) ist ein Wind- und Meergott, aber auch Feuergott. Als Fruchtbarkeitsgott spendet Njörd die Ernte. Njörd ist Schutzgott der Seefahrer und Fischer und gilt als „Fürst der Menschen“ (Edda, Grimnirlied 16). Njörd ist der Gegenpol zu dem aggressiven und jähzornigen Meeresgott Aegir. Njörd ist dagegen ein sehr freundlicher Gott, der eine grüne Tunika trägt und die ruhige See und das schöne Wetter verkörpert. Seine Lieblingstiere sind Schwäne, die für ihn heilig sind, und die ausgelassenen Robben.
Sein Wohnort ist der Palast Noatun (nord. „Schiffsplatz“, „Schiffsstadt“. (Edda, Grimnirlied 16; Wafthrudnirlied 38f.) , der in der Nähe des Meeres liegt, vermutlich um die Launen Aegirs unter Kontrolle zu halten.

Njörd gehört den Vanen an. Er ist Bruder und Gatte der Nerthus, später der zweite Gemahl der Skadi und mit ihr Vater des Freyr (Grimnirlied 43) und der Freyja.

Die Ehe mit Skadi scheiterte, weil der Gegensatz zu ihr, der Tochter der Berge und Njörd, der in der See lebte, unüberwindlich war. Zwar einigte man sich, jeweils neun Tage im Gebirge, neun im Meer zu verbringen, doch war dies keine Lösung von Dauer (Edda, Strophe der Thökk).

Nach Beendigung des Asen-Vanen-Krieges gelangte er zusammen mit seinen beiden Kindern als Geisel zu den Asen. Erst zu Ragnarök wird er zu den Vanen zurückkehren.

Balder

Baldur/Balder ist der schönste und freudlichste der Götter. Er ist der Sohn von Odin und seiner Gemahling Frigg und gemeinsam mit seinem Bruder Höðr der Erbe von Odins Herrschaft, wenn die Brüder nach der Götterdämmerubg wiedergeboren werden. Baldur/Balder ist von sonnenhaftem Wesen. Er ist so hell, daß ein Leuchten von ihm ausgeht, er ist der weiseste der Asen und am sprachgewandtesten, doch es ist ihm bestimmt, daß seine Beschlüsse keinen Bestand haben. Von allen germanischen Göttern kommt er dem Wesen eines Sonnengottes am nächsten, doch die Sonne ist im Norden weiblich, und so nennen wir ihn den Sohn der Sonne, der die Dinge verkörpert, die von der Sonne ausgehen: Licht, Reinheit, erhellender Geist und Heilung. Eine wichtige Heilpflanze, die von den Druiden „Allheil“ genannte Mistel, ist Baldur/Balder geweiht. Indem sie heilt, leistet sie Wiedergutmachung dafür, daß sie Baldur/Balder getötet hat, wie der Mythos berichtet:

Der Mythos von Baldurs Tod und Wiedergeburt
Es wird berichtet, daß Baldur/Balder schlechte Träume hatte, und Odin ins Totenreich der Hel fuhr, um dort eine verstorbene Seherin zu erwecken und nach der Bedeutung der Träume zu fragen. Sie erzählte ihm, daß seinem Sohn ein früher Tod bestimmt sei. Da schickte Frigg, seine Mutter, Boten zu allen Wesen und Dingen der Welt und ließ sie schwören, Baldur keinen Schaden zuzufügen. Alle schworen es, denn alle liebten Baldur, doch ein einziges Wesen hatten die Boten übersehen, da es zu unscheinbar war. Das war die Mistel. Der einzige außer Frigg, der davon wußte, war Loki , denn er brachte eine Botin Friggs dazu, ihm das Geheimnis zu verraten.

Als die Asen nun glaubten, daß nichts in der Welt Baldur/Balder schaden konnte, machten sie sich einen Spaß daraus, die gefährlichsten Dinge nach ihm zu werfen und zu sehen, wie sie wirkungslos an ihm abprallten. Alle feierten die Unversehrbarkeit Baldurs/Balders mit diesem Spiel, nur sein Bruder Höðr konnte nicht mitmachen, denn er war blind. Da ging Loki zu ihm und bot sich an, ihm die Hand zu führen, damit auch er Baldur/Balder diese Ehre erweisen konnte. Höðr spannte einen Bogen, aber Loki legte als Pfeil die Mistel ein, und so geschah es, daß Baldur von seinem blinden Bruder getötet wurde.

Alle Götter waren verzweifelt, nur Baldurs/Balders Mutter Frigg gab die Hoffnung nicht auf: Sie fragte, ob nicht einer genug Mut habe, ins Totenreich zu gehen und mit seiner Herrscherin Hel zu verhandeln, daß sie Baldur/Balder freigeben würde. Das wagte ein dritter Sohn, den sie mit Odin hatte, Hermoðr. Er ritt mit Odins Pferd Sleipnir ans Tor der Hel, durch das keiner, der es durchschritten hatte, wieder zurückkehrt. Sleipnir sprang über das Tor, und so konnte Hermoðr wieder zurückkehren. Es gelang ihm, Hel dazu zu überreden, daß sie Baldur freigeben würde, wenn alle Wesen und Dinge der Welt um ihn weinen würden. Frigg schickte wieder ihre Boten aus, und alle weinten um Baldur/Balder bis auf eine Riesin mit Namen Thökk. Es heißt, daß dies Loki war, der sich in die Riesin verwandelt hatte. Die Götter ergriffen ihn und fesselten ihn an einen Felsen unter der Erde, von dem er sich erst bei der Götterdämmerung losreißen kann.

Die alte Verehrung Baldurs
Manchen halten Baldur/Balder für einen „jungen“ Gott, der erst in der Wikingerzeit bekannt war. Das ist aber nicht richtig, denn er wird bereits in altenglischen (unter der Namensform Bældæg ) und althochdeutschen Texten ( Balder ) erwähnt. Vieles spricht auch dafür, daß er mit dem keltischen Beli oder Belenos verwandt ist. Als Gott des Lichtes, der Reinheit und der Heilung entspricht er auch dem griechischen Apollon, von dem es heißt, daß er zuerst bei den „Hyperboräern“, dem Volk im äußersten Norden der Welt, verehrt wurde. Dort hatte er der Sage nach einen runden Tempel, den griechische Reisende später mit Stonehenge identifizierten. Es ist gut möglich, daß der Kult Baldurs in der Bronzezeit, als rege Handelsbeziehungen bestanden, vom Norden bis nach Griechenland verbreitet war. Im Mittelpunkt der bronzezeitlichen Religion des Nordens standen Sonnen- und Jahreszeitriten, die bis heute in unseren Hauptfesten gefeiert werden. Sommer- und Wintersonnenwende sind mit dem Mythos Baldurs verbunden: Im Sommer, wenn sich die Sonne nach Süden kehrt und die Tage kürzer werden, gedenken wir des Tods Baldurs, und zum Julfest, wenn die Wiederkehr der Sonne einsetzt, feiern wir seine Wiedergeburt.

Nerthus-Erdgöttin

Nerthus (nord. „die Unterirdische“) ist eine germanische Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin, Göttin des Wachstums. Im Norden ist Nerthus gleichzeitig Schwester und Gattin des Njörd und gilt auch als Mutter des Göttergeschlechts der Wanen.

Von der Wanengöttin Nerthus gibt Tacitus die älteste Kunde:

Sieben Völker Norddeutschlands (Reudigner, Avionen, Angeln, Variner, Eudosen, Suardonen und Nuitonen) hatten ein gemeinsames Stammheiligtum der Göttin Nerthus auf einer Insel des Ozeans (Nerthusbund). Sie glaubten, daß die Göttin in das Leben der Menschen eingreiffe und ihre Verehrer besuchte. Von einem heiligen Haine aus, in dem ihr geweiter, mit einer Decke verhüllter und Blumen geschmückter Wagen stand, zog sie im Frühjahr auf dem von Kühen (Färsen, die die erste Mutterschaft und Reichtum symbolisieren) gezogenen Wagen zur das Land. Nur ein einziger Priester durfte sie auf dieser Reise begleiten. Friede und Ruhe herrschten dann, und festlich geschmückt waren die Stätten, die sie ihres gastlichen Besuches würdigte. Niemand zog dann in den Krieg oder griff zu den Waffen, alle Waffen waren verschlossen. Nach dem Fest fand eine Waschung der Gottheit in einem verborgenen See statt, in dem die Teilnehmer an der Kulthandlung versenkt wurden.

Drei Teile des Nerthuskultes treten deutlich hervor: die Umfahrt der Göttin auf einem Wagen, die Freude und der Festjubel an allen Orten, die sie besucht, und der absolute Friede, der herrscht, so lange sich die Göttin an einem Ort aufhält.

Nerthus ist grammatisch Masculin und Femininum zugleich, mythologisch eine doppelgeschlechtliche Gottheit, ein Geschwisterpaar, das zugleich Ehepaar war. Für die Göttin der Erde und Unterwelt wäre die Deutung des Namens „Die Unterirdische“ wohl passend, aber nicht für den himmlischen Gemahl.

Unklar bleibt neben vielem, wo das Heiligtum der Nerthus lag. Der Schauplatz des Kultes ist früher auf Rügen gesucht worden, neuere Forschung lokalisiert ihn an der norwegischen Westküste.

Der Herthasee (Ludwig Bechstein)

„Im Eiland Rügen war das Heiligtum der Mutter Erde, als Göttin gedacht von den alten Urvölkern des germanischen Nordens und Hertha geheißen. Ein geheiligter Buchenwald, die Stubbnitz genannt, umgab einen tiefen See. Im Walde stand der mit einem Gewand bedeckte Wagen der Göttin, darin sie alljährlich einmal das Land durchfuhr, im Geleite eines einzigen Priesters, dem ihr Wille offenbart ward. Zwei heilige Kühe zogen den Wagen der Göttin, und wohin derselbe kam, da war Freude und Fülle und eitel Friedensfest. Niemand durfte da streiten, keine Waffe durfte ergriffen werden. Das währte so lange, als die Göttin an einem Orte verweilte, und wenn sie nicht mehr weilen wollte, da führte der Priester sie zurück in ihr Heiligtum. Dann wurde in dem düstern See ihr Wagen, Gewande und ihr Bildnis gereinigt, und die Sklaven, welche dabei dienten, wurden in dem See geopfert, damit ihrer keiner je erzählte, was er geschaut. Die Sage geht, daß die Insel Rügen weder Wölfe noch Katzen dulde. ” (Ludwig Bechstein 1987, S. 63)

Freyr (Freyr, Frö, Fro, nord. „Herr“)

Frey ist der Zwillingsbruder der Fruchtbarkeitsgöttin Freyja und Sohn des Meeresgottes Njördr und der Eisgöttin Skadi. Er gilt auch als der Gemahl der Freyja.
Neben Odin und Thor ist Frey einer der Hauptgötter. Er ist der Gott der Fruchtbarkeit, aber auch Gott des Sonnenscheins und der Elfen, Vegetationsgott, Gott der Ernte und des Wohlstands, sanftmütiger Gott der Sommersonne und des Regens, Hochgott der Vanen. Sein Beiname „Skirr“ bedeutet „Der Glänzende“. Durch seine belebende Natur genoss Frey ein hohes Ansehen. Er wird stets als sehr hübscher Gott, oft mit erigiertem Penis als Symbol für Fruchtbarkeit, dargestellt.

Frey besitzt die gefährlichste Waffe (neben Mjöllnir) im ganzen Universum. Das ist sein Schwert, das, wenn es blank gezogen ist, jeden Gegner aus eigener Kraft bezwingen kann.

Ihm dienen die Beyla, der Byggwir („Gerstenmann”) und der Skirnir („der Strahlende”) .

Freys Schlachtross ist der goldene Eber „Gullinbursti“ und sein Schlachtschiff ist „Skidbladnir“, welches er zusammenfalten und in die Tasche stecken kann.

Frey lebt im Feenreich „Alfheim“, er hat es in grauer Vorzeit von den Asen als Zahngeschenk erhalten. Denn Licht und Luft, die Elfen und die Wanen, bewegen sich im gleichen Gebiete. Freys Wohnung ist Uppsala „die himmlische Säle“.

Als Geste der Versöhnung ging Freyr nach Ende des Asen-Vanen-Krieges zusammen mit seinem Vater Njörd nach Asgard.
Als Freyr die schöne Riesin Gerda sah, war er sofort in sie verliebt. Seinen Diener Skirnir ließ er, krank vor Liebe, um sie werben. Der ritt auf einem Zauberpferd zu der Riesin. Angekommen in der Halle ihres Vaters Gymir überwand er die sie umgebende Waberlohe und bot ihr reiche Brautgeschenke an, die Gerda allesamt ablehnte: Elf Äpfel der Idun und einen von Odins Armreifen. Auch die Drohung Skirnirs, sie mit dem Schwert zu töten, stimmte Gerda nicht um. Erst als er einen Zauberspruch beginnt, der Gerda so hässlich werden ließe, das sich niemals ein anderer um sie bemühen würde, willigte die Riesin ein. Als Lohn durfte Skirnir Pferd und Schwert behalten. So begab sich Gerda neun Nächte später in einen Wald, wo sie mit Frey zusammentraf. Er heiratet sie und bekommt von ihr seinen Sohn Fjölnir.

Zu Ragnarök wird der Freyr sein Schwert vermissen und unbewaffnet als einer der ersten Götter gegen den Riesen Surtr fallen. Zuvor aber wird Freyr den Riesen Beli, einen Bruder der Gerdr, mit einem Hirschgeweih erschlagen.

Frey gilt gerade bei den Svaer (Schweden)als Hauptgott. Die Svaer Könige trugen als Reichskleinod ein Ferkel im Wappen.

Das erste Reihe der Runen heißt das „Aett des Freyr”. Freyrs Statue in seinem Tempel im Svaerischen (schwedischen) Uppsala ist für ihren gewaltigen Penis berühmt. Diese Ausstattung ließ ihn die Römer mit dem Priapos gleichsetzen.
Auf Freyr als ihren Ahnen führte sich das Svaer (schwedische) Geschlecht der Ynglinga zurück.

Heimdall – Wächter der Götter

Heimdall (Heimdallr, nord. „der Hellerleuchtende”, auch Iring, Rig) ist ein Schutzgott der nordischen Mythologie und Gott des morgendlichen Sonnen- und Tageslichtes. Heimdall ist Sohn von gleich neun Müttern, den Aegirstöchtern. Heimdall wohnt in den Himmelsbergen Himingbjörg (Himmelsburg), sein Vater ist Odin. Ursprünglich war er vermutlich ein allwissender Himmelsgott. Er wird auch als Widdergott bezeichnet. Ihm ist der Widder heilig (von dessen Kult sich überall im germanischen Bereich Spuren finden). Seine Gemahlin soll Modiv sein und mit ihr soll folgende Nachkommen haben Jarl, Karl und Thrall. (Quelle?)

Der Götterwart Heimdall braucht „weniger schlaf als ein Vogel, sieht bei Nacht wie bei Tag hundert meilen weit und hört das Gras auf der Erde und die Wolle auf den Schafen wachsen.”
(GRIMM, Deutsche Mythologie, 1. Bd., 1878)

weitere Bilder von HeimdallIm Munde trägt er Zähne aus Gold (darum wird er auch Hallinskidi und Gullanstanni genannt), auch der Name seines Pferdes, Gulltoppr („Goldzopf”), deutet auf dieses Material hin.
Heimdall ist wie Balder ein gütiger und lichter Gott. Er ist „Wächter der Götter”. Er hütet die himmlische Brücke des Regenbogens Bifröst. Sein Horn Gjallarhorn liegt unter Yggdrasills Wurzel bewahrt. Einst wird Heimdall durch Blasen des Gjallarhorns den Beginn von Ragnarök ankündigen.

Heimdalls erbitterter Feind ist Loki. Heimdall und Loki sind die totalen Gegensätze. Während Loki böse und hinterlistig ist, ist Heimdall gutmütig, sanft und weise. Zu Ragnarök werden die beiden Erzrivalen aufeinander treffen. Im Zweikampf werden sich beiden Götter töten.

Bis es aber soweit ist, wird Heimdall in Ruhe sein behagliches Heim Himmelsburg genießen und dort dem herrlichen Mete frönen (Edda, Grimnismal, 13).
In der Voluspa bezeichnet die Seherin Heimdall als Stammvater der Menschen.

„Gehör heisch ich
heilger Sippen,
hoher und niedrer
Heimdallsöhne:
du willst, Walvater,
dass wohl ich künde,
was alter Mären
der Menschen ich weiss.”
Edda, Voluspa, hier zit. n. F. Genzmer

Im Merkgedicht von Rig (Rigspula) ist wohl Heimdall derjenige, der die Menschen besucht und ihnen die ständische Ordnung gibt, mit Knechten, Freien, Kriegern, Weisen und dem König, siehe Rig.

„Von seinem cultus zeugen norwegische ortsnamen Heimdallarvattn, ein see in Guldbransdalen (…), und Heimdallshoug, ein berg in Nummedalen (…); beider geschieht in den altn. sagen keine meldung.”

Das Motiv eines Hornbläsers, der den letzten Kampf ankündigt, ähnelt den das Jüngste Gericht ankündigenden Engeln der christlichen Endzeit (Offb. 8,6ff.).

Frigg/Frigga/Freyja – die Himmelskönigin

Frigg ist die Ehefrau Odins und die höchste der Göttinnen, die alle, auch wenn sie zum Wannenstamm gehören, Asinnen (nord. Ásynjur ) genannt werden. Die Edda berichtet mehr von den männlichen Göttern, doch heißt es ausdrücklich, dass „die Göttinnen um nichts weniger heilig und mächtig“ sind. Frigg heißt in den altgermanischen Sprachen Frea (langobardisch) und Frija (althochdeutsch) und wird wegen dieser Namensähnlichkeiten oft mit Freyja gleichgesetzt. Tatsächlich kommen beider Namen vom selben Wortstamm wie „Frau“ im ursprünglichen Sinn von „Herrin“ und besagen, dass sie die höchsten Göttinnen der Asen bzw. der Wanen sind – es sind also eigentlich rituelle Ehrentitel, unter denen die Göttinnen angerufen wurden.

Frigg ist die Große Göttin, entsprechen der gemeinsamen Natur aller Asen aber nicht die Erdmutter, sondern die Himmelskönigin. Als solche herrscht sie über die heiligen Ordnungen im Kosmos und in den sippenübergreifenden Zusammenschlüssen der Menschen. Sie schützt die Eide, durch die sich Fremde einander verpflichten, und die Ehe, durch die nicht nur einzelne Frauen und Männer, sondern auch ihre Sippen verbunden werden. Daher ist sie die Göttin der verheirateten Frauen, die nach germanischer Tradition richtige Herrinnen von Haus und Hof sind, und die Schützerin ihrer Aufgaben und Interessen. Die als gegenseitige Verpflichtung betrachtete Ehe ist nach germanischer Auffassung eine Spezialform der Heiligen Ordnung (altgerm. eh ) im allgemeinen, die sich auf höchster Ebene in der Ordnung des Kosmos zeigt.

Frigg ist daher eng mit dem zentralen Ordnungsgestirn, der Sonne, verbunden. Sie ist nicht eigentlich eine Sonnengöttin, obwohl die Sonne in den nordischen Sprachen weiblich ist, aber die Göttin, deren Ordnungs- und Schöpfungskraft sich in der Sonne spiegelt. Weil die Sonne aus der Sicht von Seeleuten, wie es die Wikinger waren, aus dem Meer steigt und im Meer versinkt, heißt Friggs Wohnort in der Wikingertradition Fensalir (Meersäle). Mit der Sonne, aber auch mit dem Mond und damit mit beiden Gestirnen, an denen wir die zyklische Ordnung der Zeit sehen, ist Frija/Frigg auch im zweiten Merseburger Zauberspruch verbunden, wo zwei ihrer Schwestern Sunna und Sinthgunt („Nachtwandlerin“, Mondin) heißen. Die dritte heißt Volla (Fülle), in der Edda Fulla, die ein goldenes Stirnband trägt, nach dem die Dichter das Gold „Sonne von Fullas Stirn“ nennen.

Frigg besitzt ein Falkengewand, d.h. sie kann sich in einen Falken verwandeln, beherrscht also die schamanische Magie und Seherkunst wie Odin, musste sie aber nicht wie er erst von anderen lernen, sondern hat diese Fähigkeiten von selbst – wie es überhaupt die Eigenschaft der Göttinnen ist, dass sie ihre Kräfte, eigentlich ihre Göttlichkeit, von sich aus besitzen und nicht erst erwerben und erkämpfen müssen wie die Götter. Anders als Freyja, die Odin die Kunst des Seiðr lehrte, gibt Frigg ihr Wissen nicht weiter. Sie kennt das Schicksal aller Wesen, aber sie schweigt. Denn sie weiß auch um die Unabänderlichkeit des Schicksals – dass sie im Fall ihres Sohnes Balder dennoch versucht, es zu ändern, und dadurch selbst dazu beiträgt, es zu erfüllen, zeigt das tragische Schicksalsverständnis des Heidentums: Was immer dein Schicksal ist, lass es nicht geschehen, sondern lebe es!

Diese Haltung liegt im Wesen Friggs, denn als Himmelskönigin und Herrin der Heiligen Ordnung ist sie letztlich die Schöpferin des Schicksals oder jedenfalls der Grundlagen, aus denen es gewoben ist. Friggs magisches Attribut ist daher die Spindel: Die Fäden des Schicksals, die die Nornen weben, werden von Frigg gesponnen.

Forseti – Gott der Gerechtigkeit

Forseti („Vorsitzender am Thing” altnord. „Vorsitzender“, fries. Fosite, auch Foseti, sächs. Firihsazi, ahd. Forsit) Forseti ist der germanische Gott des Rechts und des Gesetzes, Gott der Gerechtigkeit, Vorsitzender der Thing-Versammlung und gilt auch als Gott des Windes und des Fischfangs.

Der „gerechte Richter” Forseti gilt als Sohn des Balder und der Nanna, der Tochter Neps. Er residiert im von Gold und Silber glänzenden Saal Glitnir, gelegen in Glastheim oder auch Gladaheim. In dieser Halle, „von Gold sind die Pforten und von Silber das Saaldach” spricht er täglich Recht bei Götter und Menschen und schlichtet alle Fehden (Edda, Grimnirlied 15).

Forseti hat die Gabe der Überzeugungskunst, dass alle Frieden machten. Diejenigen, die keinen Frieden wollten, tötet er. In seiner Halle sitzt er zu Gericht und schlichtet Streitigkeiten. Er ist der höchste Richter Asgards und besitzt enorme Weisheit in Gerechtigkeitsangelegenheiten.
Forseti ist der Objektivste und der Vernünftigste der Götter.

Besondere Verehrung fand der westfriesische Gott Fosite auf der Nordseeinsel Fositesland (heute Helgoland). Hier entsprang eine Quelle, deren Wasser allenfalls schweigend geschöpft wurde, hier weidete das dem Gott geheiligte Vieh, das niemand ungestraft schlachtete. Hierin erinnert Fosite an den griechischen Helios. Homer schilderte, wie Odysseus die Insel Thrinakia des Sonnengottes Helios
erreichte, dort seine Mannschaft frevelnd dessen Rinder schlachtete und sie zur Strafe dieses Frevels alle umkamen, bis auf den Odysseus, der dieses zu verhindern versprochen hatte (Homer, Odyssee 12.320ff).

weiter Bilder von ForsetiAls ein christlicher Missionar, der heilige Willibrord zwischen 690 und 714 auf die Insel kam und Fosetis Vieh bedenkenlos schlachtete, ohne daran zu sterben, vermag der wütende König der Friesen, Radbod, nicht, ihn zu töten, nur einigen von dessen Gesellen kann er ihr Ende bereiten. Allerdings hatte Radbod den Schutzherrn Willibrords, den fränkischen König Pippin zu fürchten (HERRMANN 1994, S. 224f.).
Eine zweite christliche Expedition brachte den Missionar Liudger nach Fosetesland. Bei der Anfahrt soll sich eine dunkle Wolke von der Insel verzogen haben, Heiterkeit kehrte ein und das Evangelium hielt Einzug. Selbstredend wurden alle heidnischen Götzentempel vernichtet. Seitdem soll die Insel „Heilig Land”, Hêleglend oder Helgoland, heißen (HERRMANN 1994, S. 225.).

Nach friesischer Überlieferung gab der oberste Gott, der als Thius Forsita auch als Eigenschaft des Thius aufgefasst werden kann, dem Volk Recht und Gesetz. Als das Christentum mit den Heerzügen Karls d. Gr. nach Norden vordrang, ließ der Franke die Friesen fragen, wie ihr Gesetz sei. Die Friesen beratschlagten und wählten aus ihren sieben Seelanden zwölf Asegen, (Rechtssprecher), die sie zu Karl sandten. Auch nach eingeräumten Fristen nach friesischem Recht vermochten sie keine befriedigende Auskunft zu geben, weshalb als ihr Schicksal bestimmt wurde, daß sie in führerlosem Schiff ausgesetzt würden.

Aufgrund ihrer Gebete gesellte sich den zwölfen ein dreizehnter hinzu und ruderte sie mit einer Axt an Land. Den Dürstenden schaffte er mit dem Wurf seiner Axt auf das Gras an der Küste eine Quelle, ehe er ihnen Recht und Gesetz verkündete. So sei das friesische Recht entstanden. Den Ort wo dieses geschah nannte man später Axenthove, von der Axt, und den Weg des Gottes dorthin Eeswey, den Weg des Ees, vgl. Asen (HERRMANN 1994, S. 226f.).

Fositesland
Auf der Insel Helgoland stand zu Heidenzeiten das Heiligtum eines Gottes des Namens Fosite oder Fosete, der war ein Gott der Eintracht und des Friedens. Kein unreines Tier durfte seinem Tempel nahen, und wer des Ortes Heiligkeit verletzte, mußte den Tod erleiden. Die Apostel dieses gottheiligen Landes waren Ludger und Wilibrord. Ludger schiffte, ein Kreuz in der Hand, auf die Insel zu und sang den sechzigsten Psalm. Da ward ein Rauch erblickt, der von der Insel aufstieg und hoch über sie sich ausbreitete und alsdann verschwand. Da sprach Ludger: Wisset, meine Brüder, daß dieser Dampf Satan selbst war, den nun der Herr von diesem Insellande vertrieben. Und betrat das Ufer freudig und predigte Jesum Christum. Er zerstörte den Tempel Fosetes und baute an seiner Stätte die erste Kirche. Als Wilibrord eines der Tiere schlachtete, welche um Fosetes Tempel weideten und für heilig und unverletzbar galten, glaubten die Bewohner, er werde alsbald sterben, da dies aber nicht geschah, so ließen sie sich taufen. Selbst die Seeräuber in späterer Zeit achteten dieses Land also heilig, daß sie nie etwas davon hinwegführten, ja den frommen Einsiedlern, die dort wohnten, reichten sie sogar einen Teil ihrer Beute. So ist auch bis auf den heutigen Tag alldort ein tiefer heiliger Brunnen, darinnen, dem Meeresstrande so nahe, doch süßes Wasser quillt. Daraus sind die heidnischen Bewohner des Landes getauft worden.

Bragi – Gott der Dicht- /Redekunst

Bragi (Bragr, Braga, nord. „der Vornehmste, Häuptling, Fürst”, „Dichtung”) ist einer der Asen und Gott der Dichtkunst und Redekunst. Er ist ein Sohn Odins und der Riesin Gunnlod. Nach ihm ist die Poesie bragr benannt. Gedacht ist er alt mit langem Bart.
Seine Gattin ist die Göttin der ewigen Jugend, Iduna.

Sein graues Haar und sein langer Bart umfließen seinen Körper, die Schwingungen der Musik und der Lieder nachahmend, die er darstellt.

Bragi, der erste aller Skalden (Edda, Grimnirlied 44), wurde unter die Götter versetzt. In seine Zunge soll Idun (oder Odin?) die Runen geritzt haben und Odin hat ihn damit beauftragte Bragi, Lieder zu Ehren der Götter und der toten Helden in Walhall zu komponieren. Das machte ihn zu einem berühmten Weisen, Dichter und Redner.

Wenn in Walhall die Einherier einziehen, begrüßt Bragi sie zusammen mit Hermod.

Beim Gastmahl in der Halle Ägirs, das die Götter nach Balders Tod abhalten, erscheint Loki, um seine Schmähreden gegen die Götter zu halten. Eines der ersten Opfer ist Bragi, dem der Spötter mangelnden Heldenmut vorhält. Der Dichtergott wehrt sich nur schlaff und meint, wäre die Halle kein befriedeter Bezirk, er wolle dem Loki schon sein Haupt abtrennen. Der aber bezeichnet ihn unbeeindruckt als „Bankzierde” und wendet sich den anderen zu (Edda, Lokis Zankreden).

weitere Bilder von BragiEs wird vermutet, dass Bragi erst sehr spät in das germanische Pantheon aufgenommen wurde. Es kann sein, dass ein Dichter zur Gottheit erhoben wurde, da die Dichter oft höheren Stellenwert als Könige hatten.
Als Gott der Dichtkunst erscheint Bragi im 12./13. Jahrhundert bei Snorri. Die Gestalt ist womöglich eine Vergöttlichung des ältesten namentlich bezeugte Skalden Bragi Boddason, Sohn des Boddi. Er lebte im 9. Jh. in Norwegen, entwickelte einen eigenen Strophentyp und ist Schutzpatron der Skaldendichtung.

Hödr – blinder Gott

Hödr (nord. „Kämpfer”, Höd, Höder, Hoder, Hodur, Hod, Hödur, Hödyr) ist ein blinder Gott.

Hödur ist der Sohn Odins und der Frigg. Sein Zwillingsbruder ist Baldur und sein anderer Bruder ist Hermod. Hödur beurteilt die Menschen nicht nach äußer Erscheinung, sondern nach inneren Werten.

Baldur wurde in einem Traum vorhergesagt das er sterben würde, daraufhin nimmt seine Mutter Frigg von allen Lebewesen, Pflanzen und Gegenständen einen Eid ab, dass nichts und niemand ihren Sohn etwas antun solle. Von allem, bis auf den Mistelzweig, weil er Frigg so unscheinbar und jämmerlich schien.

Die Götter machten sich einen Spaß daraus, mit allen möglichen Sachen auf den unverwundbaren Baldur zu werfen. Auf das Anstiften das Lokis hin, schoß Hödur unwissentlich einen tödlichen Mistelzweig auf seinen Bruder Baldur und tötet ihn. Dafür erschlägt ihn sein Halbbruder Vali und er wird ebenfalls zur Hel geschickt.

Nach Ragnarök werden Hödur und Balder wiederkommen. Versöhnt und einträchtig werden sie in Walhall freundschaftlich in der neuen Welt herrschen.

Die beiden Zwillinge Baldr und Hödr stehen für Odins Zwiespältigkeit. Baldr steht für Odins positive Charaktereigenschaften und Hödr als Odins „blinder Fleck“, also die dunkle Seite, die sich am Tod erfreut.

Idun – Göttin der ewigen Jugend

Idun (Idunn, Idhun, Iduna, Iduna, Idunna nord. „Erneuernde“, „Verjüngende“) ist die Göttin der Jugend, des Frühlings und der Fruchtbarkeit.
Idun gehört zu den Asen und ist eine Tochter des Zwerges Ivaldi.
Sie ist die Gattin des Dichtergottes Bragi (Gylfaginning, 26).
Sie besitzt und hütet in einem ganz im Westen gelegenem Apfelland mit Jungbrunnen (Brunnakr, „Brunnenfeld“) die goldenen Äpfel, von denen die Asen regelmäßig essen müssen, um bis zur Zeit von Ragnarök ewige Jugend zu behalten (Gylf., 26).
Einmal hatte der Riese Thjazi die Idun entführt. Ohne ihre Äpfel begannen die Götter zu altern, bis endlich Loki die Entführte befreite.

In SNORRIs Skaldskaparmal berichtet Bragi dem Oegir, die Asen Odin, Loki und Hönir hätten einmal auf einer Fahrt Hunger verspürt. Sie fanden eine Herde Ochsen und wollten einige davon kochen, doch wurde der Kessel nicht heiß. Da entdeckten sie über sich in einer Eiche einen Adler, der ihnen gegen Anteil Hilfe anbot. Man stimmte zu, das Fleisch kochte, doch als der Adler sich gleich die besten Stücke nahm, versetzte ihm Loki mit einer Stange einen heftigen Stoß.
Der Adler flog auf, in seinem Leib die Stange, an dessen Ende der Loki, der nun knapp über dem Boden schwebte und heftig litt. Er flehte um Frieden und schwor dem Adler, ihm für seine Freilassung die Idun zu verschaffen.

Zurück in Asgard lockte Loki Idun in einen Wald, indem er behauptete, er habe dort wunderbare Äpfel gefunden, ihre eigenen solle Idun zum Vergleich mitbringen. So geschah es, doch nun erschien der Riese Thiassi, der jener Adler war, packte die Idun und verschwand mit ihr zu seiner Wohnung Thrymheim in Jötunheim.

In Asgard begann man nun alt und grau zu werden. Es stellte sich die Verstrickung Lokis heraus und man zwang ihn, die Idun samt ihrer Äpfel herbeizuschaffen und drohten, ihn umzubringen, sofern er nicht Idun den Händen des Riesen entreiße. Er lieh sich von der Freyja ihr Falkengewand und flog damit nach Jötunheim. Zu seinem Glück war Thiassi gerade hinausgerudert und Loki konnte Idun in eine Nuß verwandeln, die er in seinen Falkenklauen gen Asgard trug. Thiassi bemerkte rasch den Verlust und folgte in seinem Adlerhemd.

In Asgard warteten die Asen bereits auf ihn. Sie hatten Hobelspäne in der Burg verstreut, und kaum dass der Falke Loki hinter den Mauern war, entzündeten sie diese, deren Flammen das Gefieder des nachfolgenden Adlers entzündeten, so dass Thiassi flugunfähig zu Boden fiel, wo ihn die Asen erschlugen. (Skaldskaparmal, 56)

Dann kehrte die Jugend wieder nach Asgard zurück.

Einen ganz ähnlichen Apfelgarten wie die Iduna kennen die Griechen als Garten der Hesperiden oder die Kelten als Avalon.

Loki – Gott des Feuers und des Bösen

„Loki ist schmuck und schön von Gestalt, aber bös von Gemüt und sehr unbeständig. Er übertrifft alle andern in Schlauheit und in jeder Art von Betrug.“
(Stange: jüngere Edda Str. 33, S. 282)

Loki (Lodur, Loge, Lofn, auch Loptr, nord. von logi „Feuerbringer”, „Lohe”?, „Luftgott”) Loki gilt als Sohn des Riesen Farbauti und der (Göttin?) Laufey (oder Nal), Brüder des Loki sind Byleipt ind Belblindi. Er wurde durch die Blutsbrüderschaft mit Odin in das Geschlecht der Asen aufgenommen. Er wird auch als Odins Bruder Lodur identifiziert.

Loki ist Gott des Feuers (Feuergott), Gott des Schabernacks, Gott der Verwandlung Gott der List und dämonischer Trickster, halb Gott, halb Riese, ein Gestaltenwechsler, der sich in Adler, Stute oder Lachs verwandeln kann.

Der Name Loki wird vom nordischen logi („Lohe”) abgeleitet (BELLINGER, 1997, S. 280), was nach anderen allerdings unzutreffend ist (STANGE, 1995, S. 413). GRIMM stellte Loki zu Logi, dieser ein plumper Riese und Naturkraft des Feuers, jener ein verführerischer Bösewicht, der den griechischen Prometheus und Hephaistos ähnele (Deutsche Mythologie, I., S. 199f.).
Andere Ableitungen sehen einen gemeinsamen Stamm der Wörter Loki und lat. locus („Ort”). Loki sei demnach „Geist eines Ortes”, ähnlich der
römischen Vorstellung vom genius loci. Auch mit dem englischen luck
(„Glück”) wird Loki in Verbindung gebracht (WALKER, 1993, S. 623).

Seine Gattin ist die Göttin Sigyn, mit der er Vater von Wali und Narvi ist, er hatte noch weitere Verhältnisse.

Mit der Riesin Angrboda („Angstmacherin”) ist Loki Vater des Wolfs Fenrir, der Schlange Midgardsomr (Jörmungand) und der Todesgöttin Hel. Als Stute hat Loki den Hengst Sleipnir geboren, das Reittier Odins.

Loki gilt auch als Vater des Nörfi („der Kühle”, ein Riese und Vater der Nacht Nott). Mit der Feuerriesin Glod „Glut“ zeugte er die beiden Feuerriesinnen Eimyrja „Glutasche“ und die Eisa „Asche“.

Loki ist ein listenreicher, verschlagener Gegner und Helfer der Asen. Bereits beim Bau von Asgard war er beteiligt. Er hat den Asen oft Ärger eingebracht aber er hat ihnen darüber hinaus auch oft geholfen, auch wenn er sich nur aus Schwierigkeiten raushalten wollte.

Loki besaß Schuhe, mit den er durch Luft und Wasser gehen konnte (Skaldskaparmal, 61).

In manchen Überlieferungen heißt es, früher sei Loki mit Odin durch das Land gezogen und sie haben deshalb Blutsbrüderschaft geschlosssen und Loki zu den Asen aufgenommen. Dann soll er auch mit Odin und seinen Bruder Hoenir (Vili) die ersten Menschen geschaffen haben und ihnen das Gehör und das blühende Aussehen gegeben haben. In vielen Überlieferungen wird Loki mit dem Bruder Odins, Lodur, gleichgestellt. Es kann durchaus sein, dass Loki Odins Bruder ist oder dass es Lodur niemals gab und in wirklich Loki war.

Von ihnen am nächsten steht ihm der Donnergott Thor, mit dem er mehrere Abenteuer erlebt und der ihm bei seinen Zankreden als einziger Einhalt gebieten kann.

Loki wird die Rune Dagaz zugesprochen und das Tier das im nahe steht ist die Schlange.

Bau Asgards; Sleipnir
Einst half Loki beim Bau der Götterburg Asgard mit. Dessen Baumeister hatte sich zum Lohn die Freyja ausbedungen, dazu Sonne (Sol) und Mond (Mani), sofern er den Bau bis Ende des Winters vollenden würde. Die Asen willigten unter Schwur und Zeugen ein, doch als der Baumeister mit Hilfe seines Pferdes Swadilfari tatsächlich die Frist einzuhalten schien, beriet man sich und verlangte von Loki, der zu dem Handel geraten hatte, er solle den Baumeister um seinen Lohn prellen. Loki verwandelte sich in eine Stute und verführte den Hengst Swadilfari, so daß Asgard doch nicht rechtzeitig fertig wurde. Frucht jener Begegnung Lokis mit dem Pferd war Sleipnir, Odins achtbeiniges Pferd (Gylf., 42).

Der verfluchte Hort
Einmal waren Odin, Hönir und Loki auf Ausfahrt. An einem Wasserfall tötete Loki einen Otter, der sich als Sohn des Bauern (Zwerges) Hreidmar herausstellte. Um das Wehrgeld bezahlen zu können nötigte Loki dem Zwerg Andwari dessen Gold ab, zudem einen Ring, mit dessen Hilfe Andwari seinen Schatz hätte wiederherstellen können, weshalb Andwari, wegen dessen Abgabe, den Schatz verfluchte, der zwar den Asen freien Abzug sicherte, später als Nibelungenhort aber viel Leid verursachte (Lied vom Drachenhort u. Skaldskaparmal, 62).

Das Haar der Sif; Erwerb von Skidbladnir, Gungnir, Gullinborsti, Draupnir und Mjöllnir
Einmal hatte Loki der Sif, Thors Gattin, hinterlistig das Haar geschoren. Thor zürnte und zwang Loki, der Sif von den Zwergen neues Haar machen zu lassen, das wie echtes wachsen müsse. Loki begab sich darum zu den Söhnen des Dvergr Ivaldi nach Schwarzalfenheim und erhielt für die Sif goldenes Haar, dazu das Schiff Skidbladnir und den Spieß Gungnir. Loki wettete mit Brock, dem Bruder des Sindri, daß der nicht so gute Dinge herstellen könne. Sindr legte daraufhin erst eine Schweinshaut, dann Gold und schließlich Eisen in die Esse, Brock bediente den Blasebalg. Trotzdem der während der Arbeit von einer Fliege geplagt wurde, gelang die Fertigung des Ebers Gullinborsti, des Rings Draupnirs und des Hammers Mjöllnir. Als nun Loki und Brock diese Wünscheldinge nach Asgard brachten, befand man, daß des Zwergen Gaben die besseren seien und Loki hatte seine Wette verloren. Loki konnte zwar sein Leben retten, doch nähte ihm Brock mit dem Riemen Wartari (Lippenreißer) den Mund zu (Skaldskaparmal, 61).

Entführung und Wiedergewinnung der Idun
Loki war für den Verlust und die Rückkehr der Göttin Idun und ihren Äpfeln der Jugend verantwortlich, die der Riese Thiassi entführt hatte. Auf einer Fahrt mit Odin und Hönir hatten die drei Asen Ochsen geschlachtet, doch wollte das Kochen nicht gelingen. Da kam ein gewaltiger Adler und sagte ihnen Hilfe zu, wenn er von der Mahlzeit seinen Anteil bekäme. Man willigte ein, doch Loki missfiel, daß der Adler — es war der Riese Thiassi — sich die besten Stücke sicherte. Er stieß den Adler mit einer Stange, wovon der aufflog und Loki mitschleppte. Voller Angst versprach ihm der der Listige die Idun und ihre Äpfel und half Thiassi, diese zu verschleppen. Ohne die Äpfel begannen die Asen zu altern. Nun zwangen die Asen Loki, die Idun wiederzubeschaffen. Der lieh sich von der Freyja ihr Falkengewand, flog zu Thiassi und griff sich die Idun, die er in eine Nuß verwandelt hatte. So flog Loki als Falke zurück nach Asgard, dicht gefolgt von dem Adler, den aber die Asen in Asgard erschlugen. Nachdem die Asen Thiassi getötet hatten, verlangte dessen Tochter Skadi Buße, die unter anderem dank der List Lokis geleistet werden konnte, denn er band sich eine Ziege an die Lenden und brachte Skadi so zum Lachen (Skaldskaparmal, 56).

Loki stiehlt Freyjas Halsschmuck
Zu anderer Gelegenheit erzählte Loki dem Odin, wie die Freyja zu ihrem Halsschmuck Brisingamen gekommen war, nämlich indem sie vier Nächte mit vier Zwergen verbrachte. Das erzürnte Odin und er forderte Loki auf, den Schmuck zu beschaffen. Freyja verweigerte die Herausgabe und Loki sann auf Diebstahl. Er verwandelte sich in eine Fliege, drang damit in Freyjas Haus ein, fand sie schlafend und stach sie — nun in einen Floh verwandelt — in den Nacken. Freyja drehte sich herum, schlief weiter und Loki konnte den Verschluß öffnen. Er stach sie ein zweites Mal, worauf sich Freyja erneut umwandte und Loki ihr den gelösten Brisingamen abnehmen und zu Odin bringen konnte. Freyja mußte nun zur Wiedererlangung des Schmucks Krieg unter den Menschen entfachen (n. Titchenell, 1996, S. 209f.).

Beim Riesen Geirröd
Loki nötigte den Thor zu dessen Fahrt nach Geirrödsgard. Er selbst war aus Neugierde mit dem Falkengewand der Freyja zum Riesen Geirröd geflogen. Leichtsinnig ließ er sich von Geirröd fangen, der ihn drei Monate ohne Nahrung gefangenhielt, ehe Loki sich als Verwandelter zu erkennen gab. Nun mußte er er dem Geirröd schwören, daß er den Thor mit nach Geirrödsgard bringen werde, ohne dessen Hammer Mjöllnir und ohne den Kraftgürtel — sonst hätte Geirröd dem Loki sein Leben nicht gelassen, er brachte damit aber Thor und sich selbst in höchste Gefahr und nur durch die Hilfe der freundlichen Riesin Grid gelang die Überwindung des Geirröd und seiner Töchter Gjalp und Greip und (Skaldskaparmal, 60, siehe Thors Fahrt nach Geirrödsgard).

Auf der anderen Seite war es ebenfalls Loki, der Thor half, den Hammer Mjöllnir zurückzuerlangen.

Heimholung des Mjöllnir
Loki half dem Thor, den Hammer Mjöllnir zurückzuerlangen, als der in die Hände des Riesen Thrym gefallen war. Loki fand nämlich heraus, daß der Preis für die Herausgabe des Mjöllnir die Hand der Freyja war. Heimdall hatte die Idee, Thor solle in Freyjas Kleidern als Braut verkleidet zu Thrym gehen, Loki überredete Thor trotz dessen Bedenken dazu und mimte die Brautjungfer. Als Thrym schließlich den Hammer hervorholte, nahm Thor die Waffe und zerschmetterte alle anwesenden Riesen (Edda, Thrymlied).

Bei Utgardloki
Noch ein anderes Mal begleitete Loki den Thor, als der nach Utgard zum Utgardloki zog. Hier trat Loki gegen einen anderen namens Logi im Eßwettkampf an und unterlag, wie auch Thor und Thialfi, der Knecht Thors, nicht in Wettkämpfen gegen die riesischen Mannen Utgardlokis bestehen konnten. Am Ende stellte sich alles als Blendwerk heraus (Gylfaginning, 46).

Baldurs Tod
Die Asin Frigg hatte allen Wesen, belebten wie unbelebten, den Eid abgenommen, daß niemand von ihnen jemals dem von allen geliebten Baldur ein Leid antun würde. Das mißviel Loki und er verwandelte sich in ein altes Weib. In dieser Tarnung begab er sich zu Frigg und erfuhr von ihr, daß sie einzig der Mistel, die ihr zu jung erschienen war, keinen Schwur abgenommen hatte. Loki beschaffte sich einen Mistelzweig und gab ihn dem blinden Hödur, daß der damit auf den Baldur schieße, wie es die anderen Asen spaßeshalber mit Baldur machten. Hödur nahm den Mistelzweig, schoß, und Baldur fiel zum Entsetzen der Umstehenden tot zu Boden. Der Versuch des Hermodhr, Baldur aus dem Reich der Hel zu lösen schlug fehl, weil die Riesin Thökk um ihn nicht weinen wollte — auch dies ein Werk Lokis (Gylf., 49).

Lokis Zankreden und Gefangennahme Damit nicht genug.
Beim Festgelage in der Halle des Riesen Ägir, das die Götter nach Baldurs Tod abhielten, verspottete und beleidigte Loki alle anwesenden Götter (Edda, Lokis Zankreden): Eines der ersten Opfer ist der sonst als Redner und Dichter hochgeschätzte Bragi, dem der Spötter mangelnden Heldenmut vorhält. Der Dichtergott wehrt sich nur schlaff und meint, wäre die Halle kein befriedeter Bezirk, er wolle dem Loki schon sein Haupt abtrennen. Der aber bezeichnet ihn unbeeindruckt als „Bankzierde” und wendet sich den anderen zu. Erst Thors deutlicher Hinweis auf Mjöllnir trieb Loki zum Abzug.

Aber nun reicht es den Asen und sie trachten, ihn zu fassen.

Loki floh nun in die Berge, verwandelte sich in einen Lachs und versteckte sich am Wasserfall Franangr, wo er darüber nachsann, was die Asen wohl unternehmen würden. Einmal flocht er sich aus Flachs ein Netz, stellte dann aber fest, daß die Asen ihn entdeckt hatten, denn Odin hatte ihn von seinem Hochsitz Hlidskalf aus erspäht. Rasch warf Loki das Netz ins Feuer und sich ins Wasser. Die Asen kamen hinzu und der weiseste von ihnen, Kwafir, entdeckte im Feuer die Reste des Netzes. Ein solches knüpften nun auch die Asen und fischten nach Loki, der zwar zunächst über das Netz springen konnte, dann aber von Thor gepackt werden konnte (Gylf., 50).

Lokis Gefangenschaft
Die Asen schleppten Loki in eine Höhle. Hier stellten sie drei Felsen auf, versahen sie mit Löchern und banden Loki daran fest. Als Fessel diente das Gedärm des Narwi, Lokis Sohn. Den und seinen Bruder Wali hatten die Asen ebenfalls gefangen und Wali in einen Wolf verwandelt, der seinen Bruder zerriß. Loki wurde nun wie folgt gefesselt: der eine der spitzen Felsen stand ihm unter den Schultern, der andere unter den Lenden, der dritte unter den Kniegelenken, die Därme wurden zu Eisen. Überdies nahm die Skadi einen Giftwurm und befestigte ihn über Lokis Gesicht, dass dem das Gift schmerzhaft in die Augen troff. Lokis Gattin Sigyn hielt zwar zu ihrem Gatten und fing das Gift mit einer Schale auf, doch muß diese regelmäßig geleert werden. In solchem Augenblick trifft das Gift Loki und er windet sich unter Schmerzen, wovon die ganze Erde bebend erzittert (Gylf., 50).

Loki führt die Riesen gen Asgard; sein Ende
Zur Götterdämmerung (Ragnarök) wird Loki wieder freikommen. Dann wird er die Toten, das Gefolge seiner Tochter Hel, zur Schlacht auf die Ebene Wigrid führen (Gylf., 51), er soll auch das Schiff Naglfar kommandieren, das die Unholden befördern wird (Völuspa, 43). Loki selbst wird durch die Hand Heimdalls sein Ende finden und Heimdall findet den Tod durch Lokis Hand.

Gelegentlich tritt Loki als Loptr („der Luftige”, „Luftgott”) auf. Er soll auch, nach seiner Verbannung, der Utgardloki sein.

Die Christen setzen Loki mit dem Lucifer gleich (BELLINGER, 1997, S. 280).
GRIMM befand eine Ähnlichkeit des nordischen Loki zu den griechischen Sagengestalten Prometheus und Hephaistos (Deutsche Mythologie, I., S. 200). In der Fesselung und Qual Lokis finden sich auch Parallelen zum zum Typhon.

Es sind verschiedene Redensarten und Benennungen mit Loki bekannt: in Skandinavien heißt es Loki fer yfir akra („Loki fährt über die Äcker”) oder Locke dricker vand (Loki trinkt Wasser), womit brennende Sonne und Feuer gemeint sind. Wenn die Späne (Loka spœnir) im Feuer knistern heißt es, „Loki schlägt seine Kinder”. Lokkens havre ist die Bezeichnung für das besonders unerfreuliche Unkraut (Polytrichum comm). Lokabrenna heißt der Stern Sirius (Deutsche Mythologie, I., S. 200f.).
Auf Island sagt man auch „Da ist ein Loki drin”, wenn ein Faden sich verwickelt hat (BELLINGER, 1997, S. 280).

Mimir – Wächter des Weisheitsbrunnens

Mimir (Mímr, Mímir, nord. „Erinnerung”, „Weiser”) Ein nordgermanisches Weisheits- und Orakelwesen (Dämon) und weiser Riese. Mimir hütet an der zweiten der drei Wurzeln von Yggdrasill den Brunnen Mimisbrunnr.

Mimir gehört nicht zu den Asen, wird von ihnen aber ob seiner Weisheit hoch geschätzt. Möglicherweise ist Mimir eine ältere Naturgottheit, der erst später zum Waldgeist wurde und klugen Schmied wurde.

Jeden Morgen trinkt Mimir aus seinem Horn das Wasser des Brunnens, der Quelle von Weisheit und Erkenntnis ist (Edda, Völuspa, 23). Daher ist er das weiseste aller Lebewesen. Um einen Trunk aus diesem Brunnen zu erhalten, hat der Ase Odin eines seiner Augen verpfändet.

Odin besuchte Mimir, nachdem er durch sein neuntägiges Hängen am Baum Yggdrasil die Runen erworben hatte. Im Tausch gegen eines seiner Augen, das seitdem auf dem Wasser von Mimirs Brunnen schwimmt, erhielt der Gott vom Riesen auch die Weisheit, diese Runen zu deuten.

Nach Beendigung des Asen-Vanen-Krieges begab sich Mimir gemeinsam mit Hoenir zu den Vanen. Die aber schlugen Mimir das Haupt ab und sandten es zurück an die Asen. Odin bezaubert das Haupt, schützt es so vor Verwesung und erhält ihm die Sprache.

Mehr zum Asen-Wanen-Krieg und Mimirs Enthauptung findet ihr Hier.

Zum Eintritt von Ragnarök wird sich Odin mit Mimirs Haupt, das unter Yggdrasils Wurzeln verwahrt liegt, beraten, aber auch sonst ist das Haupt weiser Ratgeber.

Ägirs Trinkgelage Ägisdrecka

Ägir, der mit anderm Namen Gymir hieß, bereitete den Asen ein Gastmahl, nachdem er den großen Kessel erlangt hatte, wie eben gesagt ist. Zu diesem Gastmahl kam Odin und Frigg, sein Weib. Thor kam nicht, denn er war auf der Ostfahrt. Sif war zugegen, Thors Weib, desgleichen Bragi und Idun sein Gemahl. Auch Tyr war da, der nur eine Hand hatte, denn der Fenriswolf hatte ihm die andre abgebissen, als er gebunden wurde. Da war auch Niörd und Skadi, sein Weib, Freyr und Freyja, und Widar, Odins Sohn. Auch Loki war da und Freyrs Diener Byggwir und Beyla. Da waren noch viele Asen und Alfen.

Ägir hatte zwei Diener, Fimafeng und Eldir. Leuchtendes Gold diente statt brennenden Lichtes. Das Ael trug sich selber auf. Der Ort hatte sehr heiligen Frieden. Alle Gäste rühmten, wie gut Ägirs Leute sie bedienten. Loki, der das nicht hören mochte, erschlug den Fimafeng. Da schüttelten die Asen ihre Schilde und rannten wider Loki und verfolgten ihn in den Wald und fuhren dann zu dem Mahl. Loki kam wieder und sprach zu Eldir, den er vor dem Saale fand:

Sage mir, Eldir, eh du mit einem
Fuße vorwärts schreitest,
Was für Tischgespräche tauschen hier innen
Der Sieggötter Söhne?

Eldir:
Von Waffen reden und ruhmvollen Kämpfen
Der Sieggötter Söhne.
Asen und Alfen, die hier innen sind,
Keiner weiß von dir ein gutes Wort.

Loki:
Ein will ich treten in Ägirs Hallen,
Selber dies Gelag zu sehn.
Schimpf und Schande schaff ich den Asen
Und mische Gift in ihren Met.

Eldir:
Wisse, wenn du eintrittst in Ägirs Halle,
Selber dies Gelag zu sehn,
Und die guten Götter übergießest mit Schmach,
Gib acht, sie trocknen sie ab an dir.

Loki:
Wisse das, Eldir, wenn miteinander wir
In scharfen Worten streiten,
Üppiger werd ich in Antworten sein,
Was du auch zu reden weißt.

Da ging Loki in die Halle. Jene aber, die darinnen waren, als sie ihn eingetreten sahen, schwiegen alle still.

Loki:
Durstig komm ich in diese Halle
Loptr den langen Weg
Die Asen zu bitten, mir einen Trunk
Zu schenken ihres süßen Mets.

Warum schweigt ihr still, verstockte Götter,
Und erwidert nicht ein Wort?
Sitz und Stelle sucht mir bei dem Mahl,
Oder heißt mich hinnen weichen.

Bragi:
Sitz und Stelle suchen dir bei dem Mahl
Die Asen nun und nimmer.
Die Asen wissen wohl wem sie sollen
Anteil gönnen am Gelag.

Loki:
Gedenkt dir, Odin, wie in Urzeiten wir
Das Blut mischten beide?
Du gelobtest, nimmer dich zu laben mit Trank,
Würd er uns beiden nicht gebracht.

Odin:
Steh denn auf, Widar, dem Vater des Wolfs
Sitz zu schaffen beim Mahl,
Daß länger Loki uns nicht lästere
Hier in Ägirs Halle.

Da stand Widar auf und schenkte dem Loki. Als er aber getrunken hatte, sprach er zu den Asen:

Heil euch. Asen, Heil euch Asinnen,
Euch hochheiligen Göttern all,
Außer dem Asen allein, der da sitzt
Auf Bragis Bank.

Bragi:
Schwert und Schecken aus meinem Schätze zahl ich
Und einen Baug (Ring) zur Buße,
Daß du den Asen nicht Ärgernis gebest:
Mache dir nicht gram die Götter.

Loki:
Roß und Ringe, nicht allzureich doch
Weiß ich dich, Bragi, der beiden!
Von Asen und Alfen, die hier innen sind,
Scheut keiner so den Streit,
Flieht Geschosse keiner feiger.

Bragi:
Ich weiß doch, war ich draußen,
wie ich drinnen bin
Hier in Ägirs Halle,
Dein Haupt hätt ich in meiner Hand schon;
Also lohnt ich dir der Lüge.

Loki:
Sitzend bist du schnell, doch schwerlich leistest du’s,
Bragi, Bänkehüter!
Zum Zweikampf vor, wenn du zornig bist:
Der Tapfre sieht nicht um und säumt.

Idun:
Ich bitte dich, Bragi, bei deiner Gebornen
Und aller Wünschelsöhne Wohl,
Sprich zu Loki nicht mit lästernden Worten
Hier in Ägirs Halle.

Loki:
Schweig, Idun! Von allen Frauen
Mein ich dich die Männertollste:
Du legtest die Arme, die leuchtenden, gleich
Um den Mörder eines Bruders.

Idun:
Zu Loki sprech ich nicht mit lästernden Worten
Hier in Ägirs Halle;
Den Bragi sänft ich, den bierberauschten,
Daß er im Zorn den Zweikampf meide.

Gefion:
Ihr Asen beide, was ist’s, daß ihr euch
Mit scharfen Worten streitet?
Loptr träumt sich nicht, daß er betrogen ist,
Ihn hier die Himmlischen hassen.

Loki:
Schweig du, Gefion! sonst vergeß ich’s nicht
Wie dich zur Lust verlockte
Jener weiße Knabe, der dir das Kleinod gab,
Als du den Schenkel um ihn schlangst.

Odin:
Irr bist du, Loki, und aberwitzig,
Wenn du Gefion gram dir machst:
Aller Lebenden Lose weiß sie
Ebenwohl als ich.

Loki:
Schweig nur, Odin, ungerecht zwischen
Den Sterblichen teilst du den Streit:
Oftmals gabst du, dem du nicht geben solltest,
Dem schlechtem Manne den Sieg.

Odin:
Weißt du, daß ich gab, dem ich nicht geben sollte,
Dem schlechtem Manne den Sieg,
Unter der Erde acht Winter warst du
Milchende Kuh und Mutter
[Denn du gebarest da:
Das dünkt mich eines Argen Art].

Loki:
Du schlichest, sagt man, in Samsö umher
Von Haus zu Haus als Wala.
Vermummter Zauberer trogst du das Menschenvolk:
Das dünkt mich eines Argen Art.

Frigg:
Euer Geschicke solltet ihr nie
Erwähnen vor der Welt,
Was ihr Asen beide in Urzeiten triebet:
Die frühsten Taten bergt dem Volk.

Loki:
Schweig du, Frigg! Fiörgyns Tochter bist du
Und den Männern allzumild,
Die Wili und We als Widrirs Gemahlin
Beide bargst in deinem Schoß.

Frigg:
Wisse, hätt ich hier in den Hallen Ägirs
Einen Sohn wie Baldur schnell,
Nicht kämst du hinaus von den Asensöhnen,
Du hättest schon zu fechten gefunden.

Loki:
Und willst du, Frigg, daß ich ferner gedenke
Meiner Meintaten,
So bin ich schuld, daß du nicht mehr schauen wirst
Baldur reiten zum Rat der Götter.

Freyja:
Irr bist du, Loki, daß du selber anführst
Die schnöden Schandtaten.
Wohl weiß Frigg alles was sich begibt,
Ob sie schon es nicht sagt.

Loki:
Schweig du, Freyja, dich vollends kenn ich;
Keines Makels mangelst du;
Der Asen und Alfen, die hier inne sind,
Bist du jedes Buhlerin.

Freyja :
Deine Zunge frevelt; doch fürcht ich, daß sie dir
Wenig Gutes gellt.
Abhold sind dir die Asen und die Asinnen,
Unfröhlich fährst du nach Haus.

Loki:
Schweig du, Freyja, Gift führst du mit dir,
Bist alles Unheils voll.
Vor den Göttern umarmtest du den eigenen Bruder:
So böser Wind entfuhr dir, Freyja!

Niördr:
Die Schöngeschmückten, das schadet nicht,
Wählen Männer wie sie mögen;
Des Verworfnen Weilen bei den Asen wundert nur,
Der Kinder konnte gebären.

Loki:
Schweig du, Niörd, von Osten gesendet
Als Geisel bist du den Göttern.
Hymirs Töchter nahmen dich da zum Nachtgeschirre
Und machten dir in den Mund.

Niördr:
Des Schadens tröstet mich, seit ich gesendet ward
Fernher als Geisel den Göttern,
Daß mir erwuchs der Sohn, wider den niemand ist,
Der für den Ersten der Asen gilt.

Loki:
Laß endlich, Niörd, den Übermut,
Ich hab es länger nicht hehl:
Mit der eignen Schwester den Sohn erzeugtest du,
Der eben so arg ist wie du.

Tyr:
Freyr ist der beste von allen, die Bifröst
Trägt zu der hohen Halle:
Keine Maid betrübt er, keines Mannes Weib,
Einen jeden nimmt er aus Nöten.

Loki:
Schweig du, Tyr! Du taugst zum Kampfe nicht
Zu gleicher Zeit mit zweien.
Deine rechte Hand ist dir geraubt,
Fenris fraß sie, der Wolf.

Tyr:
Der Hand muß ich darben; so darbst du Fenris.
Eins ist schlimm wie das andre;
Auch der Wolf ist freudenlos: gefesselt erwartet er
Der Asen Untergang.

Loki:
Schweig du, Tyr! Deinem Weibe geschah’s,
Daß sie von mir ein Kind bekam.
Nicht Pfenningsbuße empfingst du für die Schmach:
Habe dir das, du Hahnrei!

Freyr:
Gefesselt liegt Fenris vor des Flusses Ursprung
Bis die Götter vergehen.
So soll auch dir geschehn, wenn du nicht schweigen wirst
Endlich, Unheilschmied.

Loki:
Mit Gold erkauftest du Gymirs Tochter
Und gabst dem Skirnir dein Schwert.
Wenn aber Muspels Söhne durch Myrkwid reiten,
Womit willst du streiten. Unselger?

War ich so edeln Stamms als Ingunar Freyr,
Und hätte so erhabnen Sitz,
Morscher als Mark malmt ich dich, freche Krähe,
Und lähmte dir alle Gelenke.

Loki:
Was ist Winziges dort, das ich wedeln sehe
Nach Speise schnappend?
Dem Freyr in die Ohren bläst es immerdar,
Und müht sich mit Mägdearbeit.

Byggwir:
Byggwir bin ich, bieder rühmen mich
Die Asen all und Menschen.
Behende helf ich hier, daß Hropts Freunde trinken
Ael in Ägirs Halle.

Loki:
Schweig du, Byggwir, übel verstehst du
Der Männer Mahl zu ordnen.
Unterm Bettstroh verbargst du dich feige,
Wenn es zum Kampfe kam.

Heimdal:
Trunken bist du, Loki! vertrankst den Verstand:
Laß endlich ab, Loki,
Denn im Rausche reden die Leute viel
Und wissen nicht was.

Loki:
Schweig du, Heimdal! In der Schöpfung Beginn
Ward dir ein leidig Los.
Mit feuchtem Rücken fängst du den Tau auf
Und wachst der Götter Wärter!

Skadi:
Lustig bist du, Loki; doch lange magst du nicht
Spielen mit losem Schweif,
Da auf die scharfe Kante des kalten Vetters bald
Mit Därmen dich die Götter binden.

Loki:
Wenn auf die scharfe Kante des reifkalten Vetters
Sie mich mit Därmen binden bald,
So war ich der erste und auch der eifrigste,
Als es Thiassi zu töten galt.

Skadi:
Warst du der erste und auch der eifrigste,
Als es Thiassi zu töten galt,
So soll aus meinem Hof und Heiligtum
Immer kalter Rat dir kommen.

Loki:
Gelinder sprachst du zu Laufeyjas Sohn,
Als du mich auf dein Lager ludst.
Dessen gedenk ich nun, da es genauer gilt
Unsre Meintaten zu melden.

Da trat Sif vor und schenkte dem Loki Met in den Eiskelch und sprach:

Heil dir nun, Loki, den Eiskelch lang ich dir
Firnen Metes voll,
Daß du mich eine doch von den Asenkindern
Ungelästert lassest.

Jener nahm den Kelch, trank und sprach:

Du einzig bliebest verschont, wärest du immer keusch
Und dem Gatten ergeben gewesen.
Einen weiß ich und weiß ihn gewiß,
Der auch den Hlorridi zum Hahnrei machte.
[Und das war der listige Loki.]

Beyla:
Alle Felsen beben, von der Bergfahrt kehrt
Hlorridi heim.
Zum Schweigen bringt er den, der hier mit Schmach belädt
Die Götter all und Gäste.

Loki:
Schweig du, Beyla! du bist Byggwirs Weib
Und aller Untat voll.
Kein ärger Ungeheuer ist unter den Asenkindern,
Ganz bist du mit Schmutz besudelt.

Da kam Thor an und sprach:

Schweig, unreiner Wicht, sonst soll mein Hammer
Miölnir den Mund dir schließen.
Vom Halse hau ich dir die Schulterhügel,
Daß dich das Leben läßt.

Loki:
Der Erde Sohn ist eingetreten:
Nun kannst du knirschen, Thor;
Doch wenig wagst du, wenn du den Wolf bestehen sollst,
Der den Siegvater schlingt.

Thor:
Schweig, unreiner Wicht, sonst soll mein Hammer
Miölnir den Mund dir schließen.
Oder auf gen Osten werf ich dich,
Daß kein Mann dich mehr erschaut.

Loki:
Deine Ostfahrten würden unbesprochen
Allzeit besser bleiben,
Seit im Däumling du, Kämpe, des Handschuhs kauertest
Und selbst nicht meintest Thor zu sein.

Thor:
Schweig, unreiner Wicht, sonst soll mein Hammer
Miölnir den Mund dir schließen.
Mit Hrungnirs Töter trifft diese Hand dich
Und bricht dir alle Gebeine.

Loki:
Noch lange Jahre zu leben denk ich
Trotz deiner Hammerhiebe.
Hart schienen dir Skrymirs Knoten;
Du mußtest der Mahlzeit darben,
Ob du vor Heißhunger vergingst.

Thor:
Schweig, unreiner Wicht, sonst soll mein Hammer
Miölnir den Mund dir schließen.
Hrungnirs Töter schickt dich zu Hel hinab
Hinter der Toten Gittertor.

Loki:
Ich sang vor Asen, sang vor Asensöhnen
Was ich auf dem Herzen hatte.
Nun wend ich mich weg: dir weich ich allein,
Denn ich zweifle nicht, daß du zuschlägst.

Ein Mahl gabst du, Ägir; nicht mehr hinfort
Wirst du die Götter bewirten.
All dein Eigentum, das hier innen ist,
Frißt die Flamme
Und raschelt dir über den Rücken.

Darauf nahm Loki die Gestalt eines Lachses an und entsprang in den Wasserfall Franang. Da fingen ihn die Asen und banden ihn mit den Gedärmen seines Sohnes Nari. Sein anderer Sohn Narfi aber wurde in einen Wolf verwandelt. Skadi nahm eine Giftschlange und hing sie auf über Lokis Antlitz. Der Schlange entträufelte Gift. Sigyn, Lokis Weib, setzte sich neben ihn und hielt eine Schale unter die Gifttropfen. Wenn aber die Schale voll war, trug sie das Gift hinweg: unterdessen träufelte das Gift in Lokis Angesicht, wobei er sich so stark wand, daß die ganze Erde zitterte. Das wird nun Erdbeben genannt.

Die alten Werte – Die alten Tugenden

Unsere Ahnen hatten ein ausgeprägtes Rechts- und Gemeinschaftsverständnis. Dies zeigte sich vor Allem in ihrem familiären Zusammenleben und dem Leben in der Sippe. Auch das friesische und angelsächsische Recht sind Beispiele für eine hoch entwickelte ethische Gesellschaft. Erst mit dem Einzug des Christentumes und dem damit verbundenen römischen Recht wurden Habe und Besitz höher als menschliches Leben gestellt. War unter germanischem Recht das Leben als höchst schützenswert angesehen, so mußte es sich (wie der alte Glaube dem Christentume weichen mußte) unter römischen Recht dem Schutz des Besitzes weichen.

Mut und Stärke

Ohne Mut und Stärke des Einzelnen ist das Überleben der Familie, der Sippe und des Volkes nicht möglich. Hierzu gehört nicht nur der Mut im Kampfe, sondern vor Allem auch der Mut zur notwendigen Veränderung.

Sanftmut und Gerechtigkeit

Was wäre eine Gemeinschaft ohne Gerechtigkeit und Sanftmütigkeit? Diese Tugenden ermöglichen erst das Gemeinsame – das Miteinander. Auch Kinder benötigen die sanftmütige und gerechte Liebe der Eltern, ohne die sie zu Mitgliedern einer herzlosen Gesellschaft heranwachsen würden.

Kameradschaft und Loyalität

Nicht nur in alten Zeiten, auch heute noch haben Kameradschaft und Loyalität einen tiefen Sinn. Die Verbindung des Gemeinsamen einer Gruppe – seien es die Familie, die Freunde oder die Gemeinschaft – ist auf die Verwirklichung dieser Tugenden angewiesen.

Rache und Vergeltung

Die Ausübung von Rache und Vergeltung gegenüber denjenigen, die einem Selbst, der Familie oder der Gemeinschaft Schaden zugefügt haben, ist gerechtfertigt – wenn nicht sogar erforderlich. Dies fordert das ewige Gesetz des Ausgleiches.

Wissen und Weisheit

Nur die Aneignung von Wissen, das im Laufe des Lebens zu Weisheit führt, kann eine Gemeinschaft – ein Volk – in eine bessere Zukunft führen. Aber ohne die Vermittlung dieses Wissens ist das Erlernte nutzlos.

Gastfreundschaft und Gastlichkeit

In alten Zeiten, als das Reisen noch Tage und Wochen dauerte, war diese Tugend unabdingbar für die Menschen. Auch heute noch sollte diese Tugend einen hohen Stellenwert im Leben eines germanischen Heiden besitzen, da die Gastfreundschaft den Freunden gewährt werden soll, und man sich als Gast den Regeln des Gastgebers zu Fügen hat.

Arbeitsamkeit und Fleiß

Ohne den tief in der germanischen Volksseele verankerten Fleiß, und ohne die genetisch veranlagte Arbeitsamkeit – das Vorwärtsstrebende in uns – wären die germanischen Völker niemals zu den wohlhabensten Völkern dieser Erde geworden. Die Schaffenskraft des germanischen Geistes sucht Seinesgleichen.

Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit

Nur mit Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit kann die Einheit einer Gemeinschaft gewahrt werden. Nicht umsonst besitzen die Worte Ehre und Ehrlichkeit denselben Wortstamm. Das zwischenmenschliche Zusammenleben wäre ohne diese Tugend und das daraus resultierende Vertrauen wohl unvorstellbar.

Treue und Glaube

Was wäre das Leben ohne Treue und Glaube? Wohl ein sinnleeres Dasein. Nicht umsonst bedeutet das Wort Treue im alten Sinne Glaube (nordisch: tro = Treue, Glaube. Englisch: true = Wahrheit). Die Treue zu den Göttern, zu den Ahnen und zu Familie und Sippe ist der Glaube an die allumfassende Gerechtigkeit und Wahrheit.

Standhaftigkeit und Wille

Schon Siegfried und Hermann der Cherusker bewiesen ihre Standhaftigkeit und ihren Willen. Beide kämpften und starben, weil sie sich selber treu blieben. Auch der deutsche Soldat in allen Kriegen bewies seine Standhaftigkeit und kämpfte trotz des Wissens um die Niederlage bis zum bitteren Ende. Diese Beispiele mögen uns an unsere eigene Standfestigkeit in unserem Leben erinnern – wären wir zu einem solch willensstarken Leben bereit?

Germanische Festtage

Januar = Hartung – Perchtenfest
Das neue Jahr wird mit einem Umzug begrüßt. Dabei ziehen 12 hässliche (das alte Jahr) und 12 schöne (das neue Jahr) Perchten mit. Die christliche Ausgabe davon sind die drei Königsumzüge. Diese sind allerdings auch rein heidnisch, denn damit sind die drei Schöpfungsgötter Odin, Hönir und Loki gemeint.
Mittwinteropferfest: Zu Ehren Thors – Mitte Januar; Thor kämpfte zu dieser Jahreszeit mit den Eis/Frostriesen (Eisheiligen).

Januar = Hartung – Fröblot
Dieses Fest ist hauptsächlich Frey, dem Licht und Fruchtbarkeitsgott gewidmet. Bei diesem Fest wird eine Puppe aus Stroh oder Heu auf einem Berg angezündet. Sie symbolisiert den Winter. Das Vieh wird mit Hasel und Birkenzweigen berührt, um fruchtbarer zu werden.
Fastnacht: Vollmond nach dem 03.01. – hier wird das Ende des Eises gefeiert. Es war im Allgemeinen üblich, sich zu diesem Fest mit einer Tiermaske zu verkleiden.

Februar = Hornung
Disenopfertag: Vor allem in Schweden – Verehrung der Ahnen & Naturgottheiten (höhere Wesen) und ihrer Herrscherin Freyja in der ersten Februarwoche.
Frühlings Tag und Nacht gleiche: 20.2.

März = Lenzing – Sigrblot
Dieses Fest wurde rund drei Tage gefeiert. Es ist gleich mit dem christlichen Ostern. Die Tage sind nun länger als die Nächte.
Feier der Jugend: Göttin Iduna wurde gegen der 3. Märzwoche ein Fest veranstaltet.
Frühlingsbeginn: Im März (Tag ungenau) findet die Verehrung der Fruchtbarkeitsgöttin Nerthus statt. Ihr zuliebe gab es auch einen Umzug (Karneval), der mit einem geschmückten Wagen, sowie einem Abbild Ihrer stattfand. Dieses Fest zu Ehren Nerthus sollte für eine ertragreiche Ernte im nächsten Jahr sorgen.
Ostern: Zum 20.03. hin wurde Ostara, die Göttin der Fruchtbarkeit, mit verschiedenen Opferritualen verehrt. Als Fruchtbarkeitssymbole zu diesem Fest, galten insbesondere Eier und Kaninchen. Die Eier wurden oftmals bemalt und vergraben. Das Wiederauffinden dieser, durch nahestehende Personen, sollte für einen reichen Kindersegen im folgendem Jahr sorgen. Die Kaninchen wurde verbrannt oder verspeist. Im 19. Jahrhundert kam der Brauch zum heutigen Ostern wieder auf.

April = Wandelmond
Dieses Fest hängt mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mit dem vorausgegangenen Sigrblot zusammen. An diesem Tag war es üblich, mit anderen Scherze zu treiben.
Begrüßung des Sommers: In der ersten Aprilhälfte wurden besonders der Alben und ihrem Herrscher Frey gedacht.
Walpurgisnacht: 30.04. (Beltane), den Namen Walpurgisnacht verdankt das keltische Beltane eigentlich der germanischen Göttin Walpurga, der Großen Göttin, für die es viele Bezeichnungen gibt. Die Hexen feierten in der Nacht zum 1. Mai traditionell die Heilige Hochzeit zwischen der Großen Göttin und ihrem Gefährten, die dadurch für fruchtbare Felder, Kindersegen und reichlich Jungvieh sorgten.

Mai = Hohe Maien – blota i moti sumri
Gefeiert wird hier die Vereinigung von Odin mit der Göttin Frigg. Es ist das Fruchtbarkeitsfest. Es fanden Jungfernversteigerungen statt, wo sich die jungen Männer ihre Braut ersteigern konnten. Natürlich mussten die Mädchen nicht teilnehmen – alles auf freiwilliger Basis. Junge Paare wälzten sich nackt im Tau auf der Wiese, um die Fruchtbarkeit der Natur auf sich zu übertragen.

Juni = Brachet – blota at midhjum sumri
Sommersonnenwende: Zum Mittsommer am 21.06. wurden Sunna und Baldur im Juni zu den Feierlichkeiten der Tag- und Nachtgleiche geehrt. Die Sonne (Baldr) befindet sich auf ihrem Höhepunkt, um danach zu “sterben”. Er wird von Loki, dem Gott der Lügen und des Feuers, mit einer Mistel umgebracht. Es wurden Teiche und Brunnen geschmückt, zu Ehren der Göttin des Wassers und der Weisheit, Saga.

Juli = Heuert
Leinenernte: 2. Vollmond nach Mittsommer (12. Ernting), hier wird der Erfolg der begonnenen Ernte gefeiert.
Getreide Feste: Zu Ehren Freys, Sif und Thors wurden zum August hin Feste an den Abenden zur Getreideernte ausgelegt.

August = Ernting – Hörmeitidr
Thor wird gerufen, um gutes Wetter zu bekommen, damit die Ernte nicht vernichtet wird.

September = Scheiding – Haustblot
Herbstopferfest (Tag und Nacht gleiche): Es wurde ursprünglich der Beginn der Jagd gefeiert (23.09).
Erntedankfest: Eines der wenigen germanischen Feste, dessen Bedeutung bis in unsere Zeit noch nicht verloren ist. Es findet im September (30.09.) nach dem Einholen der Ernte statt. Verehrung von Thor, Sif und Frey. Wird 3 Tage lang gefeiert. Den Göttern wird dabei für die Ernte gedankt. Baldr sinkt in die Unterwelt Hel (die Tage werden kürzer). Als Opfer wird der letzte Apfel am Baum hängen gelassen. Außerdem wird ein Eber geopfert und Wodelsbier gebraut. Aus den letzten Korngarben auf dem Feld wird ein Kranz geflochten.

Oktober = Gilbart
Samhain / Halloween: Samhain findet in der Nacht vom 31. Oktober auf den ersten November statt. Es ist ein Totenfest, an dem man den Ahnen gedenkt. Zu Samhain öffnet sich die Unterwelt und die Geister der Ahnen erwachen.
Zweites Disenopferfest: 14.-15. Oktober. Zu diesem Herbstfest wird den Wesen der Natur, den Elfen und Disen für eine erfolgreich Ernte im nächstem Jahr, Kinderwunsch und ein friedliches Jahr geopfert. Der 14.10. galt besonders den eigenen Ahnen.

November = Neblung – blota i moti vetri
Allerheiligen: 01.11.(Samhain / Halloween)
Winteranfang. Die Germanen dachten damals, dass die Natur stirbt. Deshalb wird den Ahnen, Göttern und den Toten gedacht, indem sie Opfer brachten. Sie schmückten die Gräber mit Getreide, Nüssen und anderen Sachen. Es wurden keine menschlichen Opfer gebracht, hingegen aller Behauptungen. Die Krieger in Walhalla wurden gerufen, um in der bevorstehenden Götterdämmerung (Kampf der Götter mit den Riesen) auf Seiten der Götter zu kämpfen. Walhalla war so eine Art Himmel für die nordischen Kulturen (besonders der Kelten), in die alle im Kampf gefallenen Krieger kamen. “Normal” gestorbene Männer kamen in die Hel.

Dezember = Julmond – Sonarblot
Zu diesem Zeitpunkt muss alle Arbeit für dieses Jahr getan sein. Anschließend werden 12 Nächte durchgefeiert, wobei jede Nacht für einen Monat steht. Im Kampf gegen die Riesen verlieren außer Vidar und Vali alle Götter ihr Leben. Diese rächen ihren Vater (Odin) und zeugen einen neuen Gott, der als Reinkarnation von Odin bzw. Baldr angesehen wird. Das Licht siegt über die Dunkelheit und neues Leben wird entstehen.

Julfest /Wintersonnenwende: Ende Dezember (21.- 22.12.) / erste Januar Woche. Jul bedeutet soviel wie Sonnenrad / Besprechung mit den Toten. Einige im Norden gepflegte Weihnachtsbräuche haben ihren Ursprung in dem Julfest – z.B. das Verbrennen des Julblockes am Herdfeuer oder das zauberkräftige Julbrot. In Schweden gibt es heute noch den Julklapp, ein Geschenk das heimlich vorbereitet und anschließend mit einem lautem Schrei in die Stube geworfen wird. Während der Jultage wurden auch die Juleide ( Eidsbruderschaften, Gemeinschaftsbindungen und Militärische Bündnisse) neu geschworen, damit sie auch im neuen Jahr Bestand hatten. Im Allgemeinen wurden Frey und Odin sehr verehrt. Der letzte Tag des Julfestes jedoch war der Frigg oder Freyja gewidmet.

Diese beiden wichtigen Daten im Jahr geht man seit Ur-Zeiten mit den sogenannten Sonnenwendfeiern an. Die Sonnenwendfeier gilt heute vor allem als altgermanisches Volksfest, da sie in Mitteleuropa bis zur Neuzeit sehr beliebt war. Neben den Germanen gelten auch die Kelten und Slawen als eifrige Sonnenwendfeierer. Im Laufe der Christianisierung Europas wurden die Kulte um die Sonnenwende von kirchlicher Seite bekämpft und verboten.

Doch der Sonnenwendkult war im Bewusstsein der Menschen so stark verankert, dass man ihn nicht auslöschen konnte. Deshalb drückte die Kirche der Sonnenwendfeier einen christlichen Stempel auf. Ab dem 12./13. Jahrhundert wurde das Fest Johannis des Täufers auf die Sommersonnenwende gelegt und in das Johannisfest umbenannt.
Der mit der Sommersonnenwende verbundene Brauch des Sonnenfeuers wurde zum Johannisfeuer. Auch für die Wintersonnenwende wusste die Kirche ein Ersatz zu finden. So wurde aus dem germanischen Julfest das christliche Weihnachtsfest mit dem kleinen Jesus in der Krippe. Diese Idee kam den Kirchenfürsten um das 4. Jahrhundert.
Das germanische Jul war also am Tag der Wintersonnenwende.

Rauhenächte
Darauf folgten die 12 Rauhenächte. Mit dem Julfest haben die Germanen das vollendete Sonnenjahr gefeiert. Das Sonnenjahr geht von Wintersonnenwende zu Wintersonnenwende und dauert exakt 365,25 Tage. Doch das Mondjahr hatte bei den Germanen auch eine große Bedeutung. Ein Mondjahr beinhaltet 12 Mondmonate die jeweils von Neumond zu Neumond gehen. Diese 12 Mondphasen dauern jeweils ca. 29,5 Tage. Dies ergibt für die Länge des Mondjahres genau 354 Tage. So ergab sich für die Germanen eine Differenz zwischen Sonnen- und Mondjahr von 11 Tagen und 12 Nächten – die 12 Rauhenächte. Diese 12 Rauhenächte liegen somit sprichwörtlich „zwischen den Jahren“ und sind gewissermaßen zeitlos.

Für die Germanen hatten die 12 Rauhenächte große Bedeutung. Hier sollten die Geschehnisse jeder einzelnen Nacht, symbolisch für einen Monat des folgenden Jahres stehen. So sollen z.B. die Träume in diesen Nächten Aufschluss darüber geben, was passieren wird. Es wurden in diesen Nächten auch Orakel befragt, die Auskunft über die Zukunft geben sollten. Dieser Brauch hat sich im Bleigießen zu Silvester erhalten. Es heißt, dass in den Rauhenächten die Seelen der Verstorbenen als wilde Horde, angeführt von Odin, durch die Luft brausen. Mit dem zu Jul entzündeten Räucherwerk wollte man die verstorbenen Seelen vom Heim fernhalten. Es wird allgemein angenommen, dass vom Rauch dieses Räucherwerkes der Name Rauhenächte abgeleitet wurde.

Frau Holle, ist wahrscheinlich mit die germanischen Freyja, manche vermuten Hel, gleichzusetzen, sie gilt als Schutzpatronin in diesen Tagen. Frau Holle mag es nicht, wenn jemand faul und unnütz in den Tag hinein lebt, doch in diesen 11 Tagen und 12 Nächten möchte sie, dass der Mensch sich ausruht und sich auf sein inneres Wesen besinnt. Zu Jul soll er deshalb alle Gedanken und Verhaltensweisen, die nicht zu ihm gehören, fallen lassen. Symbolisch heißt es, dass diese fremden Eigenschaften von Odins wildem Geisterheer der 12 Rauhenächte aufgenommen und für immer fortgetragen werden. Des weiteren sollen die Menschen in diesen Tagen Rückschau auf das vergangene Jahr halten und sich auf das Folgende vorbereiten und sich für dieses auch gute Vorsätze machen.
Die Kirche hat die 12 germanischen Rauhenächte in ihrem Weihnachtsfest übernommen. Daher folgt auf die 12 Nächte nach dem ersten christlichen Weihnachtstag am 25. Dezember, der 6.Januar als Dreikönigstag. Dieser ist nach den drei Magiern aus dem Morgenland benannt, welche dem Stern von Bethlehem folgten und so das Jesuskind fanden. Die Kirche verlegte also das Fest drei Tage nach vorne. Da der Beginn der 12 Rauhenächte seit Ur-Zeiten immer die erste Nacht nach der Wintersonnenwende war, hatten neben den Germanen auch Völker, wie die Inder, Iraner, Griechen und Römer dieses alte Datum.

Thing: Im Februar, zu Beginn des Frühjahres, hauptsächlich aber im Sommer abgehaltenes Gericht während des Julis. In Island wurde es auch schon im Juni, vor oder nach Einholen der Ernte, abgehalten. Tyr wird in dieser Zeit sehr verehrt.

Wochentage
Montag: Tag des Mondes – Mani (Mond).
Dienstag: (Schwedisch Tisdag – English Tiwesdeag) – Tag des Tyr.
Mittwoch: (Schwedisch Onsdag – English Wednesday) – Tag des Wodan / Odin.
Donnerstag: Thor/Donarstag – English Thursday – Tag des Thor.
Freitag: (English Friday ) – Tag von Freyja oder Frigg.
Samstag: dän.: Lördag, altnordisch/Norwegisch: Laugadag bedeutet “Laugentag”= Badetag
Sonntag: Tag der Sunna/Sol (Sonne).

Arminius“Hermann der Cherusker”und die “Varus-Schlacht”


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