Grüne Gedanken der Grünwähler

Es gibt eine Sorte im deutschen Volk,
Die wollen zum Volk nicht gehören;
Sie sind auch nur ein Tropfen Gift,
Die uns im Blute gären.
Und was für Zeichen am Himmel steh´n
Licht oder Wolke,
Sie gehen mit dem Pöbel zwar,
Doch nimmer mit dem Volke.
Und weil der lebenskräftige Leib
Sie auszuscheiden trachtet,
So hassen sie nach Vermögen ihn
Und hätten in gern verachtet.
Theodor Storm (1817-1888)

GrünwählerWas interessiert unsere Politiker ihr Geschwätz von gestern? Das wird ersetzt durch die Dummheit von heute und mündet in die Idiotie von morgen.

Ich bin für den sofortigen Atomausstieg!
Wieso ich dennoch die Verlängerung mit beschloss?
Das ging damals eben nicht anders.
Wieso Jürgen Trittin als grüner Umweltminister unsere Ziele nicht verfolgte?
Der ist halt immer schon so komisch gewesen.
Da kann man nichts machen. Diesmal wird es aber besser. Ganz ehrlich!
Ich bin gegen zu viel Autoverkehr!
Die Leute sollten häufiger mit der Bahn fahren.
Neue Gleise in meiner Umgebung?
Dagegen protestiere ich.
Ein neuer Bahnhof gleich bei mir um die Ecke?
Dagegen protestiere ich!
Ich bin für Bildungsgerechtigkeit!
Ich setze mich für Einheitsschulen ein.
Alle Kinder sollten die gleichen Möglichkeiten erhalten.
Alle Kinder sind gleich.
Meine Kinder sind sogar noch gleicher.
Deswegen schicke ich sie grundsätzlich auf Gymnasien und Privatschulen!
Ich bin für ein europäisches Energienetz!
Den Bau von Überlandleitungen in Süddeutschland verhindere ich dennoch.
Sollen die Leitungen doch unter der Erde verlegt werden!
Dass dies viel teurer ist, interessiert mich nicht.
Gutes hat eben seinen Preis.
Zahlen muss ich das ja eh nicht, sondern nur der Rest der Republik!
Ich bin für eine friedliche Gesellschaft!
Abschiebung von ausländischen kriminellen Wiederholungstätern?
Menschenverachtend.
Sie hatten doch eine schwere Kindheit.
Sie können doch nichts dafür.
Wir brauchen mehr Verständnis für die Täter!
Ich bin für die Gleichberechtigung von Frau und Mann!
Frauen müssen die gleichen Rechte und Chancen haben wie Männer.
Gewalttätige Väter, Söhne und Brüder in die Schranken weisen?
Überall darf man sich nun auch nicht einmischen.
Schließlich bin ich tolerant gegenüber kulturellen Eigenheiten.
Multikulti ist Bereicherung!
Ich bin für die Integration!
Die deutsche Sprache lernen? Kein Muss.
Jeder soll so leben wie er will.
Erdogan in seine Schranken weisen? Nicht doch.
„Ich liebe die Türkei und ihre Konflikte!“
Ich bin für Ökostrom!
Aber müssen es gleich Pumpspeicherkraftwerke sein?
Sie sind doch groß, laut und verschandeln die Umwelt.
Der Umweltschutz geht vor!
Und deswegen protestier ich dagegen!
Weil ich die Umwelt schützen will!
Ich bin für regenerative Energien!
Der Umwelt zuliebe.
Protestiere aber gegen den Bau von Windrädern.
Sie sind so laut und verschandeln die Umwelt.
Auch die mitten im Wasser. Denkt denn keiner an die Fische?
Du nennst das widersprüchlich? Nein, das ist nur kritisch, konsequent und grün!
Ich bin für Solarenergie!
Deswegen habe ich nichts gegen Parteispenden von Solarzellenherstellern.
Es ist für die gute Sache. Da darf man Gelder annehmen.
Die Solarzellenherstellung ist umweltschädlich? Atomstrom auch.
Die Subventionen fließen zur Hälfte in chinesische Unternehmen?
Das macht mir alles nichts. Es ist ja für eine gute Sache!
Ich bin für weniger Kriminalität!
Härtere Strafen?
Halte ich für falsch.
Mehr Opferschutz?
Der Täter ist doch auch ein Opfer.
Die Gesellschaft ist schuld. Bestrafen wir also sie!
Ich bin grün.
Mein Gewissen ist rein.
Egal was ich tu‘, egal welche Fehler ich begeh‘: Ich darf das.
Der Zweck heiligt die Mittel.
Es ist für eine gute Sache.
Ich bin der einzige, dem ihr Vertrauen könnt.
Alle anderen lügen und betrügen. Nur ich nicht.
Ich mache ehrliche Politik. Konsequent. Ohne Widersprüche.
Ich werde die Umwelt retten.
Ich werde euch ins Utopia führen.
Wer mich wählt, wählt das gute Gewissen.
Wer mich wählt, befreit sich von jeglicher Verantwortung.
Wer mich wählt, tut Buße.
Wer mich wählt, wählt die Moral. Die absolute und universelle.
Denn ich bin unfehlbar.
Kritisches Denken finde ich aber auch total wichtig!
Grüne sind das Gute.
Und wenn das Gute mal nicht das Grüne sein will?
Dann ist das Gute das Böse.
Denn Grüne sind immer im Recht!

Der durchschnittliche Grünenwähler
Nach all dem, was man über den durchschnittlichen Grünenwähler so hört, scheint er ziemlich…
… asozial zu sein, weil er die ursprüngliche Vision der Grünengründer, wonach soziale Gerechtigkeit und Ökologie zwangsläufig eine Symbiose eingehen müssen, wenn sie jeweilig zum Erfolg kommen wollen, aufgegeben hat. Ökologisches Wirtschaften birgt soziale Teilhabe – überall dort, wo nicht ökologisch gewirtschaftet wird, liegt auch schnell die soziale Partizipation darnieder (beispielsweise in der Massentierhaltung, die neben nicht artgerechter Haltung auch noch Arbeitsplätze abbaut und die verbliebenen Stellen zu Niedriglohn anbietet).
Der durchschnittliche Grünenwähler hat den ökologischen Gedanken von sozialen Aspekten gelöst. Er glaubt, dass seine zögerliche Bereitschaft zum Umweltschutz (nicht zum Ökologismus!) völlig ausreichend ist, um die Gesellschaft zu verbessern. Soziale Blickpunkte kümmern ihn wenig – er ist ohnehin meistens finanziell besser- gestellt, weshalb ihm der Sozialstaat als Auffangbecken gescheiterter Existenzen gilt. Daher ist er in besonderem Maße…
… elitär. Der Sozialabbau wird von ihm getragen und gefordert – zur Aktivierung der Faulpelze, versteht sich. Denn das grüne Menschenbild ist ein optimistisches: entzieht man den Bedürftigen die Hilfe, so erkennt er es als Akt der Belebung eingeschlafener Lebensgeister. Der Sozialstaat ist für ihn eine soziale Hängematte, die ihm viel Geld kostet, sich für ihn allerdings wenig rechnet.
Leider unterstützt der Staat die Falschen, ereifert sich der durchschnittliche Grünen- wähler. Es sei ja letztlich im Namen Malthus eine Sünde, Hilfebedürftigen unter die Arme zu greifen – denn somit vermehre sich die Hilfsbedürftigkeit über Generationen. Ihm selbst müsste man helfen; Elterngeld, Kindergeld und steuerliche Vorteile sind für ihn die wirklichen Legitimitätsgründe des Sozialstaates. Dabei denkt er freilich auch ganz…
… klassistisch, denn er wähnt es als gelebten Sozialstaat, dass ihm der Staat einen Kindergarten in seinen Vorort baut, in dem er seine Kinder abgeschieden von Prekariatskindern einquartieren kann. Dort unterhält er sich auf Augenhöhe mit anderen durchschnittlichen Grünenwählern, die die Nase rümpfen, weil der Bodensatz der Gesellschaft nicht umweltbewusst frisst, sondern sich an Discounterware schadlos hält, die ja ökologisch bedenklich sei.
Die Unterschicht denke einfach nicht nach und wolle es nur immer billiger, noch billiger und fresse jeden Dreck, wird nachher rund und fett und verursacht Unkosten bei den Krankenkassen, die dann wiederum ihre Beiträge erhöhen, die man dann für die Unterschicht stemmen müsse. Selbst kauft man nur biologisch Angebautes, Fair Trade sowieso – das sei zwar teuer, aber man gönne einer fleißigen Kinderhand, die schon mit neun Jahren Kaffee pflücke, doch ein wenig Auskommen. Bei all der Diskussion wird offenbar, wie…
… heuchlerisch der durchschnittliche Grünenwähler ist. Denn von der alten Losung, dass im radikalen Umdenken, der ökologischen Wende, eine Verbesserung der globalen Lebensqualität liege, weiß er heute nichts mehr. Er denkt nicht ökologistisch, er denkt in ganz kleinen Kategorien. Umweltschutz nennt er das dann. Anstatt an die kranke Wurzel zu gehen, will er ein wenig am Blattwerk schnippeln.
Müll sortieren – nicht Müll vermeiden; man sei schließlich realpolitisch geworden und habe erkannt, dass der Markt selbst dazu neige, ökologistischen Ansätzen Raum zu geben, wenn sie sich nur rentieren. Man könne als Partei nicht ein Produktionssystem einfordern, das im Einklang mit der Natur und dem Menschen stehe. Das müsse der Markt schon selbst tun – und er tut es ja teilweise auch. Der durchschnittliche Grünen- wähler ist im Laufe der Jahrzehnte…
… marktradikal geworden. Reformen wie Hartz IV waren unter grüner Mitwirkung nicht nur deshalb denkbar, weil der soziale Aspekt eine unwesentliche Nebenrolle im Weltbild des durchschnittlichen Grünenwählers spielt. Sie waren machbar, weil das grüne savoir vivre davon überzeugt ist, dass der heutige Markt endlich dem Menschen diene. Der Kapitalismus ist für ihn keine zu überwindende Zwischenstufe mehr, denn er glaubt, dass der Kapitalismus, wie wir ihn heute haben, bereits sozialer, gerechter und ökologischer geworden ist.
Hartz IV, das den Hilfebedürftigen auf Gedeih und Verderb den perversen Mechanismen eines rein profitorientierten Arbeitsmarktes ausliefert, ist auch deshalb geschehen, weil Grüne inbrünstig glauben, dass der Mensch im Markt blendend auf- gehoben ist und zwangsläufig seinen Platz finden wird.
Dass der Markt funktioniere, so denkt der durchschnittliche Grünenwähler, erkenne man auch daran, dass McDonalds seinen Big Mac nicht mehr in Boxen aus Polystyrol, sondern in umweltverträgliche Kartons packt. Er hält das für die natürliche Selektion auf dem Markt. Wo die nicht greift, da tritt er dann schon gerne mal…
… kolonialistisch auf. Da ist er der dringlichen Ansicht, dass man dieser natürlichen Selektion in die Schuhe helfen muß, wenn geostrategisch wichtige Weltregionen abhanden kommen. Der durchschnittliche Grünenwähler von heute kennt den ursprünglichen Pazifismus der frühen Grünen nicht – er glaubt den Parolen, die aus Krieg Friedensmissionen machen. Ja, er prägt solche Chiffren sogar mit, streut sie in gutgläubiger Naivität unter die Menschen. Einem rückständigen Volk, so glaubt der durchschnittliche Grünenwähler, dürfe man die Aufklärung und die Menschenrechte auch mit Gewalt auferlegen.
Man tue das ja für einen hehren Zweck – Krieg sei zwar ultima ratio, aber wenn es nicht anders geht, dann sollte man ihn kaltschnäuzig befürworten – „mit Bauch- schmerzen“, wie einer der grünen Standardsprüche lautet. Die westliche Welt habe die Aufgabe, den Rest der Welt zu missionieren. Das grüne Sendungsbewusstsein will in Kriegen nicht wahllos Gegner töten – es will Gegner umerziehen, wenn nicht anders machbar, dann auch mit harten Erziehungsmethoden. Er ist ein sonderbarer Pazifist und damit nur…
… eine Karikatur von einem Konservativen oder einem Liberalen. Er sattelte im Laufe weniger Jahrzehnte zu einer Mischung aus snobistischem Konservativen und ignoranten Marktliberalen um. Nichts von dem, was einst zur Gründung dieser Partei inspirierte, ist heute im politischen Personal oder in deren Wählerschaft vorzufinden. Angepasste, wohlgenährte und wenig progressiv denkende Pharisäer, die manchmal laut Skandal! skandieren, um als Salon-Protestler wahrgenommen zu werden.
Die soziale Frage ist gänzlich aus dem Parteiprogramm verschwunden – sie ist ja auch nicht die Frage der durchschnittlichen Grünenwähler. Sicherlich tut der gerne betroffen, aber letztlich erklärt er selbstsicher: dem Starken geschieht kein Unglück, der Schwache ist es aber…

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Über totoweise

Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben. Sieg oder Spott, folg deinem Gott!
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