Droht eine Währungsreform?

Wenn die Bürger ihrer Landeswährung anfangen zu mißtrauen, dann ist die Währungsreform nicht mehr weit entfernt. Als Merkel, Steinbrück & Co. im Jahre 2008, als erste Großbanken zusammenbrachen, eilig verkündeten für jeden Euro zu garantieren, schien eine solche Situation einzutreten. Laut Regierungsberater und Deutsche Bank Chef Josef Ackermann hatten nur noch wenige Minuten gefehlt und es wären keine Euros mehr aus den Bank-Automaten gekommen. Heute scheint das Vertrauen wieder hergestellt, zumindest vorübergehend. Denn die Probleme sind noch immer nicht gelöst, sondern nur von der Industrie und den Banken auf die Steuerzahler in Form von Bürgschaften übertragen worden. So boomt die Wirtschaft augenscheinlich, die Menschen haben Arbeit und tragen ihr Geld weiterhin zur Bank. Doch um diese Bürgschaften tragen zu können benötigt der Staat mehr Geld. Viel mehr Geld. Günstige Leitzinsen der EZB, der Federal Reserve oder der Bank of England verlocken Geschäftsbanken und Regierungen dazu sich Geld zu borgen, quasi für Umme. So fließen Unmengen von neuem Geld ohne jegliche Deckung in den Wirtschaftskreislauf, was zwangsläufig die nächste Krise hervorrufen wird: Die Währungskrise.

Historischer Vergleich

In der Nachkriegszeit Deutschlands blieb die alte Reichsmark vorläufig bestehen, doch misstrauten die Deutschen der Währung. Nicht nur Privatleute, sondern auch Warenhäuser lehnten die Reichsmark ab und kehrten zurück zum Tauschhandel. So eröffneten sogenannte “Tauschzentralen”, wo man bargeldlos einkaufen konnte, wenn man den entsprechenden Gegenwert in Waren mitbrachte. Man erhielt zwar eine Quittung in Reichsmark, diese wurde aber im gesamten Handelsprozess nicht benötigt. Allein in einer großen Münchner Tauschzentrale wurden so in nur drei Monaten 80’000 Paar Schuhe erworben. Natürlich wehrten sich der Staat und dessen Besatzungsmächte gegen Tauschhandel und den sogenannten “Schwarzen Markt” mit scharfen Propagandafilmen, doch blieb das Volk unbeirrt misstrauisch. Sie fürchteten eine Abwertung der Währung.

In den deutschen Fabriken wurde inzwischen zwar wieder gearbeitet, allerdings viel zu wenig. Die Preise wurden festgesetzt, zu denen die Händler aber nicht bereit waren zu verkaufen. So fehlte es an wichtigen Konsumgütern, was sich zuerst auf dem Schwarzen Markt bemerkbar machte. Die versteckte Inflation trat bislang nur hier offen zutage. Wer nichts zu tauschen hatte, war “schlecht dran”. Als Ersatz für die Reichsmark griff man zur Zigarettenwährung, welche selbst von Kaufleuten und Handwerkern akzeptiert wurde. Wer damals viel Geld besaß, der legte es in Realwerte an, von denen auszugehen war, dass sie ihren Wert behalten oder steigern würden. Wer etwas zu tauschen hatte, der fuhr durch ganz Deutschland um Nahrungsmittel zu erwerben. Es war ein Kampf ums Überleben. Weder die Polizei, noch die warnende Propaganda in der Wochenschau konnte die Menschen davon abhalten.

Die Amerikaner wollten diesen Zustand beenden. Sie druckten heimlich frisches Geld und verordneten gleichzeitig eine Währungsumstellung in den Westzonen. Dies war die Geburtsstunde der Deutschen Mark. Unter strenger Bewachung wurden die neuen Banknoten abgezählt und zu den Ausgabestellen gebracht. Nun ging es recht schnell: Der Termin für die Umstellung wurde über das Radio und die Zeitungen bekanntgegeben. Der 20. Juni 1948 war für die Ausgabe des neuen Geldes vorgesehen. Jeder konnte 40 Reichsmark gegen 40 Deutsche Mark eintauschen und der riesige Rest des Geldvermögens verlor seinen Wert. Von 100 Reichsmark auf einem Sparkonto blieben lediglich 6,50 DM übrig.

Die Besatzungsmächte prophezeiten “steigende Kaufkraft des neuen Geldes”. Der Glaube daran setzte sich in Westdeutschland sofort durch und in der Wirtschaft kehrte die Friedenszeit ein. Auf den Wochenmärkten gab es wieder Gemüse in Hülle und Fülle und von bester Qualität. Was für die Menschen offenbar eine gänzlich neue Erfahrung war: Man fragte nach dem Preis, kaufte und ging zufrieden nach Hause. Dienstleistungen lebten wieder auf. Das neue Geld und die befreite Marktwirtschaft entfesselten die Produktion. Es ging wieder aufwärts, allerdings auch mit den Preisen. Zig-Tausende Menschen protestierten kurze Zeit später gegen Wucher und Teuerung. Als Erklärung bekamen sie zu hören, dies seien lediglich “Kinderkrankheiten der freien Marktwirtschaft”.

Doch verlor die vermeintlich harte D-Mark weiterhin an Wert, bis zur Einführung des Euro ganze 75 Prozent. Von “steigender Kaufkraft” war niemals etwas zu sehen. Und auch der Euro verliert seit seiner Einfühung in rekordverdächtiger Geschwindigkeit an Kaufkraft: Seit dem Start der Europäischen Währungsunion hat der Euro nach Berechnungen der Allianz knapp 22 Prozent an Wert verloren. Die “gefühlte Inflation” beträgt laut Umfragen derzeit sogar 5,2 Prozent. Schwindet das Vertrauen in die aktuelle Währung erneut, dann ist wohl mit Blick auf die Staats- und Privatverschuldung wieder mit Haircuts, also Enteignungen wie bei der Währungsreform von 1948, zu rechnen. Doch sind wir davon wohl noch einige Monate/Jahre entfernt. Oder?

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Über totoweise

Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben. Sieg oder Spott, folg deinem Gott!
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