Douglas Reed Der Streit um Zion

Douglas Reed

Der Streit um Zion 

 


 

Inhalt

Einleitung. 4

Der Beginn der Geschichte. 7
Das Ende Israels. 13
Die Leviten und das Gesetz. 20
Die Ketten werden geschmiedet 31
Der Fall Babylons. 44
Das Volk weinte. 48
Die Übersetzung des Gesetzes. 57
Das Gesetz und die Idumäer 60
Der Aufstieg der Pharisäer 63
Der Mann aus Galiläa. 67
Der pharisäische Phönix. 77
Licht und Finsternis. 79
Der Zaun um das Gesetz. 84
Die mobile Regierung. 88
Der Talmud und die Ghettos. 96
Die Sehnsucht nach dem Messias. 106
Die zerstörerische Mission. 112
Napoleon stellt die Gretchenfrage. 131
Die Weltrevolution. 138
Der Plan. 144
Die Warnungen Disraelis. 171
Die Manager 181
Der „Prophet“. 187
Die Geburt des Zionismus. 197
Die Zionistische Weltorganisation. 203
Die Häresie Dr. Herzls. 207
Die „Protokolle“. 214
Der fatale Irrtum des Arthur Balfour 228
Der Ehrgeiz des Oberst House. 235
Die entscheidende Schlacht 248
Ein Netz von Intrigen. 266
Abermals die Weltrevolution. 277
Die Liga zur Erzwingung des Friedens. 289
Das Ende Lord Northcliffes. 297
Die nationale Heimstatt 308
Die merkwürdige Rolle der Presse. 312
Die Manager, die Erlöser und die Massen. 317
Ein kleines, fernes Land. 332
Die Bewaffnung Zions. 340
Die Invasion Amerikas. 347
Die Revolution breitet sich aus. 362
Die talmudistische Rache. 401
Der zionistische Staat 433
Das Weltinstrument 480
Die jüdische Seele. 490
Die kritischen Jahre. 504
Einleitung. 504
1. Die Revolution. 507
2. Der zionistische Staat 522
3. Die Jahre des Höhepunktes. 535
Epilog. 583
Literaturverzeichnis. 587



Einleitung

Von Ivor Benson

Der Verfasser: In den Jahren unmittelbar vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war der Name Douglas Reed in Europa in aller Munde; seine Bücher wurden in einer Auflage von Zehntausenden von Exemplaren verkauft und er besaß in der gesamten englischsprachigen Welt Heerscharen von Lesern und Bewunderern, die seine Werke förmlich verschlangen. Als ehemaliger Zentraleuropa-Korrespondent der Londoner Times war er mit Büchern wie Insanity Fair, Disgrace Abounding, Lest We Regret, Somewhere South of Suez und Far and Wide zu großem Ruhm gelangt; jedes dieser Werke mehrte seinen Ruf als einer der führenden Auslandkorrespondenten der Welt.

Dass Douglas Reed und seine Werke fast ganz in Vergessenheit geraten sind, lässt sich unmöglich allein mit dem Vergehen der Zeit erklären. Ganz im Gegenteil: Die seitherigen Geschehnisse haben bewiesen, dass Reeds Deutung der zeitgeschichtlichen Entwicklungen voll zutraf und sein Schicksal, sowie das seiner Bücher, stellt ein zusätzliches Indiz für die Richtigkeit seines Geschichtsbildes dar.

Nachdem 1951 Reeds Buch Far and Wide erschienen war, in dem er die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika vor dem Hintergrund dessen deutete, was er in Europa über die Weltpolitik erfahren hatte, wurde er bei den Verlegern über Nacht zur Unperson und seine früheren Werke verschwanden auf Nimmerwiedersehen aus den Bücherläden und Bibliotheken.

Nun, wo seine öffentliche Karriere nach menschlichem Ermessen beendet war, konnte sich Reed einer gewaltigen Aufgabe zuwenden. All seine bisherigen Erfahrungen waren in gewissem Sinne lediglich eine Vorbereitung auf diese Aufgabe gewesen, eine Schulung, die keine Universität vermitteln konnte und die bloß einigen wenigen Glücklichen und Begabten offenstand – seine Jahre als Auslandskorrespondent, seine Reisen durch Europa und Amerika, seine Gespräche und Kontakte mit den großen politischen Führern seiner Zeit sowie sein intensives, auf Lektüre und Beobachtung Fußendes Studium des Besten, was die europäische Kultur hervorgebracht hat.

Scheinbare Niederlagen, die andere Menschen resigniert hingenommen hätten, verstärkten Reeds Entschlossenheit, sich ganz seinem wichtigsten Unterfangen zu widmen – der Erforschung der letzten zweitausend Jahre unserer Geschichte sowie ihre anschauliche Zusammenfassung auf eine Weise, die dem Leser zahlreiche zeitgenössische Entwicklungen verständlich macht, welche der breiten Öffentlichkeit heutzutage infolge einer unsichtbaren, jedoch ungemein wirksamen Zensur dunkel und unverständlich bleiben müssen.

Das Buch: Ab 1951 arbeitete Douglas Reed – die meiste Zeit über von seiner Frau und seinen kleinen Kindern getrennt – in der Central Library von New York oder saß in seinen bescheidenen Unterkünften in New York und Montreal vor seiner Schreibmaschine. Er arbeitete unermüdlich an seinem Buch, bis dessen Umfang schließlich auf 300.000 Wörter angewachsen war; 1956 ergänzte er es um einen Epilog.

Die Geschichte des Buches selbst – die ungewöhnlichen Umstände, unter denen es entstand, sowie die Tatsache, dass das Manuskript, nachdem es über zwanzig Jahre lang unbeachtet vergilbt war, schließlich doch einen Verleger fand, ist ein Bestandteil der Geschichte des 20. Jahrhunderts und wirft einen Lichtstrahl auf einen Kampf, von dem die überwältigende Mehrheit der Menschen nichts weiß: Jenem Kampf, der pausenlos und mit nie nachlassender Erbitterung auf dem Schlachtfeld des menschlichen Geistes tobt.

Es bedurfte ungewöhnlicher geistiger Kraft und Motivation, um ein dermaßen umfangreiches Buch zu schaffen, das so viele Recherchen und gewissenhafte Nachforschungen erforderte – umso mehr, als die Aussichten, es noch zu Lebzeiten seines Verfassers zu veröffentlichen, außerordentlich gering schienen.

Zwar ist eine Korrespondenz erhalten geblieben, die belegt, dass Reed bei einem Verleger die Möglichkeit einer Veröffentlichung seines Opus sondiert hat, doch das Manuskript wurde diesem niemals zugestellt und lag 22 Jahre lang in drei mit Reißverschlüssen versehenen Dossiers auf einem Kleiderschrank in Reeds Haus in Durban, Südafrika.

Entspannt und im Frieden mit sich selbst, im Bewusstsein, dass er sein großes Unterfangen so weit geführt hatte, wie es unter den obwaltenden Umständen möglich war, nahm Douglas Reed seinen erzwungenen Ruhestand als Journalist und Schriftsteller gleichmütig hin. Er ließ die Vergangenheit auf sich beruhen und gewöhnte sich heiter an einen anderen Lebensstil. Die meisten seiner neuen Freunde und Bekannten, die er durch seinen Witz und seinen köstlichen Humor in seinen Bann zog, hatten jahrelang keine Ahnung, dass dieser Mann kein anderer war als der berühmte Schriftsteller Douglas Reed.

Eines stand für ihn fest: Ob noch zu seinen Lebzeiten oder nicht, die Zeit würde kommen, wo die Umstände es ermöglichen und die nötigen Mittel verfügbar sein würden, der Welt sein Vermächtnis zur Kenntnis zu bringen – eine umfassende Revision der Geschichte sowie die erneute Verkündung der zentralen christlichen Botschaft.

Im letzten Kapitel, das den Titel „Die kritischen Jahre“ trägt, meinte Douglas Reed, wenn er 1949, als er mit der Arbeit an diesem Buch begann, bereits alles hätte planen können, hätte er keinen besseren Augenblick als die letzten Monate des Jahres 1956 wählen können, um die lange Geschichte des talmudischen Zionismus vor dem Hintergrund dessen, was sich auf der Weltbühne abspielte, einer kritischen Beurteilung zu unterziehen.

1956 war das Jahr, in dem die Zionisten bei einer amerikanischen Präsidentschaftswahl wieder einmal ihre Fähigkeit unter Beweis stellten, die westliche Politik entscheidend zu beeinflussen; es war das Jahr, in dem der Westen untätig zusah, wie sowjetische Truppen in Ungarn einen spontanen Volksaufstand niederschlugen und das entthronte jüdisch-kommunistische Regime wieder in den Sattel hoben; es war das Jahr, in dem Großbritannien und Frankreich unter zionistischem Druck versuchten, den Suezkanal wieder unter ihre Kontrolle zu bringen und sich damit auf ein desaströses Unternehmen einließen, aus dem Israel ein weiteres Mal als einziger Sieger hervorging.

Die Geschehnisse seit 1956, als Douglas Reed die letzten Zeilen seines Buches niederschrieb, hat die Richtigkeit seiner Deutung von mehr als zweitausend Jahren bewegter Geschichte erhärtet.

Der Nahe Osten ist auch weiterhin ein internationaler Krisenherd sowie jener Weltteil, wo Informationen am unverfrorensten verfälscht und jede echte Debatte am unerbittlichsten unterdrückt wird. Nur jene wenigen, die Bescheid über die Ränke des talmudischen Zionismus und des Kommunismus wussten, durften hoffen, die Hintergründe gewisser Schlüsselereignisse zu begreifen, beispielsweise jene des sogenannten Sechstagekrieges von 1967 oder jene der massiven Invasion des Libanon durch die israelischen Streitkräfte im Jahre 1982.

Wer Der Streit um Zion gelesen hat, wird nicht überrascht sein, zu erfahren, dass es eindeutige Anzeichen eines geheimen Zusammenspiels zwischen der Sowjetunion und Israel vor dem israelischen Angriff auf Ägypten gab. Erst nachdem Oberst Nasser von den Kremlbossen vor einem bevorstehenden israelischen Überfall auf das mit Ägypten verbündete Syrien gewarnt worden war, entsandte er fast alle seine Truppen an die Nordgrenze seines Landes, wo sie zur leichten Beute der weit überlegenden israelischen Streitkräfte wurden.

1982 bot sich ein ähnliches Bild. Damals lancierte Israel eine ebenso massive wie rücksichtslose Invasion im Südlibanon. Diese verfolgte vordergründig das Ziel, die PLO zu zerschlagen, war aber in Wirklichkeit Bestandteil einer Expansionspolitik, zu der sich gewisse jüdische Führer mit bemerkenswerter Offenheit geäußert haben.

Allerdings war die von prozionistischen westlichen Politikern und Medien geschaffene Mythologie, die Israel regelmäßig als kleine, tugendhafte, stets auf Hilfe und Schutz angewiesene Nation darstellte, mittlerweile reichlich unglaubwürdig geworden, so dass sich die wenigsten überrascht zeigten, als das britische Institute of Strategic Studies bekanntgab, Israel könne nun als viertstärkste Militärmacht der Welt nach den USA, der Sowjetunion und der Volksrepublik China, aber weit vor Nationen wie Großbritannien und Frankreich gelten.

Von tieferer Bedeutung war die Reaktion des jüdischen Volkes, sowohl in Israel als auch in anderen Staaten, auf einen scheinbaren Triumph der zionistischen Waffen im Libanon. Während sich die westlichen Politiker und Medien nach dem Massaker an schätzungsweise 1.500 Männern, Frauen und Kindern in zwei Flüchtlingslagern bei Beirut bei ihren Kommentaren schüchtern Zurückhaltung auferlegten, demonstrierten 350.000 Einwohner von Tel Aviv gegen ihre Regierung und in der jüdischen Presse erschienen Berichte, laut welchen der Streit über den Krieg im Libanon die israelische Armee erschüttert und Soldaten aller Ränge zutiefst verunsichert hatte.

Auch dies scheint Douglas Reed irgendwie vorausgeahnt zu haben, lautet einer der letzten Sätze seines Buchs doch wie folgt: „Ich glaube, dass die Juden der Welt ebenfalls beginnen, den Irrtum des revolutionären Zionismus, des Zwillingsbruders der anderen zerstörerischen Bewegung, einzusehen und dass sie gegen Ende dieses Jahrhunderts endlich versuchen werden, ihre Aufnahme in die Menschheit anzustreben.“

IVOR BENSON

Kapitel 1

Der Beginn der Geschichte

Der wahre Beginn dieser Geschichte fiel auf irgendeinen Tag im Jahre 458 v. Chr., zu dem wir im sechsten Kapitel des vorliegenden Buchs vorstoßen werden. An jenem Tage schuf ein kleiner palästinensischer Stamm namens Juda, der sich lange Zeit zuvor von den Israeliten abgesondert hatte, ein rassisch fundiertes Glaubensbekenntnis, das sich im folgenden auf die Geschicke des Menschengeschlechts womöglich verheerender ausgewirkt hat als Sprengstoffe und Seuchen. Es war dies der Tag, an dem die Theorie von der Herrenrasse zum „Gesetz“ erklärt wurde.

Zum damaligen Zeitpunkt war Juda nichts weiter als eines von vielen Untertanenvölkern des persischen Königs, und das, was man heute das „Abendland“ nennt, war noch gänzlich unbekannt. Mittlerweile ist die christliche Ära nahezu zweitausend Jahre alt, und die ihm entsprungene „abendländische Zivilisation“ lässt wachsende Anzeichen des Zerfalls erkennen.

Nach Ansicht des Verfassers ist dies in erster Linie eine Folge des vor rund 2500 Jahren in Juda entstandenen Glaubens. Dieser Prozess lässt sich von seinen Anfängen bis hin zu seinen gegenwärtigen Auswirkungen recht genau nachverfolgen, weil wir es hier mit überprüfbarer Geschichte zu tun haben.

Die Religion, die eine fanatische Sekte damals begründete, hat im Lauf dieser fünfundzwanzig Jahrhunderte zahllose Menschen zutiefst beeinflusst, was eine Erklärung für das Ausmaß ihrer zerstörerischen Wirkung liefert. Warum sie zu jener bestimmten Zeit, oder überhaupt, entstanden ist, kann niemand erklären. Wir haben es hier mit einem der größten Geheimnisse der Weltgeschichte zu tun, es sei denn, das Prinzip, wonach jede Aktion eine entsprechende Reaktion hervorruft, gelte auch auf religiösem Gebiet. Sollte dies zutreffen, so hat der Impuls, der in jener fernen Vergangenheit viele Menschen zur Suche nach einem universalen, liebenden Gott trieb, das düstere Gegenbild eines rachsüchtigen Stammesgottes erzeugt.

Der Judaismus war bereits im Jahre 458 v. Chr. eine rückschrittliche Religion, denn damals wandten sich die Menschen der kultivierten Welt von den Götzen und Stammesgöttern ab und suchten nach einem einzigen Gott aller Menschen, einen Gott der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe. Konfuzius und Buddha hatten bereits in dieser Richtung gewirkt, und unter den Nachbarvölkern Judas war der Monotheismus durchaus nicht unbekannt. Heutzutage wird oft behauptet, religiöse Menschen, seien sie nun Christen, Muselmanen oder Anhänger anderer Glaubensbekenntnisse, müssten dem Judaismus trotz seiner Irrtümer Achtung zollen, weil er unbestrittenermaßen die erste Universalreligion gewesen sei und alle anderen Universalreligionen deshalb in gewissem Sinne von ihm abstammten. Dies wird jedem jüdischen Kind eingetrichtert. In Wahrheit war die Vorstellung von einem einzigen Gott aller Menschen schon lange vor dem Entstehen des Stammes Juda bekannt, und der Judaismus stellte ihre Verneinung dar.

Im ägyptischen Totenbuch findet sich folgende Stelle: „Du bist der eine, der Gott, vom Anfang der Zeit an, der Erbe der Unsterblichkeit, selbstgeschaffen und selbstgeboren, du schufst die Erde und machtest den Menschen.“ Manuskripte dieses Totenbuchs sind in Pharaonengräbern aus dem Jahre 2600 v. Chr. vorgefunden worden und folglich über zweitausend Jahre älter als das judäische „Gesetz“. Man vergleiche damit folgenden Satz aus dem Alten Testament: „HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern?“ (2. Moses 15; 11.)

Die Sekte, die sich im Stamme Juda festsetzte und die Herrschaft über diesen errang, machte sich das aufstrebende Konzept eines Gottes aller Völker nur darum zu eigen, und integrierte es nur darum in seine Schrift, um einen Glauben zu begründen, der es verneinte. Gewiss, er verneinte es auf subtile Weise, begegnete ihm jedoch mit Verachtung, und da dieser Glaube auf der Theorie von der Herrenrasse beruhte, war eine solche Verneinung notwendig und unvermeidlich. Wenn es eine Herrenrasse gibt, so muss sie selbst Gott sein.

Dieser Glaube, der in Juda anno 458 v. Chr. zum Alltagsgesetz wurde, war weltweit einzigartig und ist es bis zum heutigen Tage. Er beruhte auf der Behauptung, der Stammesgott Jahwe habe „die Israeliten“ (richtig wäre: die Judäer) zu seinem „auserwählten Volk“ gemacht, und wenn sie sich an all seine Gebote hielten, werde er sie über alle anderen Nationen erheben und ihnen ein „gelobtes Land“ schenken. Dieser Theorie entsprangen, ob geplant oder aus unvorhergesehener Notwendigkeit, zwei Zwangsvorstellungen: Die von der „Gefangenschaft“ und die von der „Vernichtung“. Wenn Jahwe gemäß seinem Befehl an einem ganz bestimmten Ort in einem ganz bestimmten Land zu verehren war, mussten all seine Anhänger dort leben. Dies war jedoch nicht möglich, und jene, die – ob durch äußeren Zwang oder aus freiem Entscheid – anderswo lebten, wurden hierdurch automatisch „Gefangene“ bei „Fremden“, die „auszurotten“, „in den Staub zu werfen“ und zu „vernichten“ waren. Angesichts dieses Grundtenors des judäischen Glaubens machte es keinen Unterschied, ob diejenigen, die das auserwählte Volk „gefangen hielten“, Eroberer oder friedliche Gastvölker waren; das ihnen vorbestimmte Los war Vernichtung oder Versklavung.

Bevor sie vernichtet oder versklavt wurden, mussten sie die Judäer freilich eine Zeitlang „in der Gefangenschaft schmachten lassen“, nicht weil sie darauf ein natürliches Recht besessen hätten, sondern weil die Judäer sich nicht an die Gebote gehalten hatten und hierfür bestraft werden mussten. Einzig und allein auf diese Weise offenbarte sich Jahwe als der einzige Gott aller Völker; zwar hatte er nur ein einziges auserwählt, doch bediente er sich der Heiden, um sein auserwähltes Volk für seine Sünden zu züchtigen, ehe diese Heiden ihr vorbestimmtes Schicksal ereilte und sie der Vernichtung preisgegeben wurden.

Dies war das Vermächtnis, das den Judäern zufiel. Es war nicht einmal ihr eigenes, denn laut dem Alten Testament war der „Bund“ zwischen Jahwe und den „Kindern Israels“ geschlossen worden, und im Jahre 458 v. Chr. waren die Israeliten, die sich lange zuvor von den Judäern getrennt hatten, bereits in der Menschheit aufgegangen, in die sie auch die Vision eines universellen, liebenden Gottes einbrachten. Alles deutet darauf hin, dass die Israeliten jenen auf rassischer Grundlage beruhenden Glauben, der als „jüdische Religion“ oder „Judentum“ bekannt wurde, niemals gekannt haben. Dieser Glaube war einzig und allein eine Schöpfung der levitischen Judäer.

Was wir über die Geschehnisse vor dem Jahre 458 v. Chr. zu wissen glauben, besteht größtenteils aus Sagen, Legenden und Mythologie, während sich die auf dieses Datum folgenden Ereignisse im großen Ganzen verifizieren lassen. Die ersten Dokumente erschienen in den beiden Jahrhunderten vor diesem Schlüsseldatum, als der Stamm Judah bereits von den Israeliten ausgestoßen worden war, doch beruht unser Bild jener Zeit größtenteils auf mündlichen Überlieferungen. Die Pervertierung der israelitischen Religion erfolgte damals, während der Periode, wo man begann, die mündliche Tradition schriftlich festzuhalten. Was von den Worten der früheren Israeliten überliefert ist, beweist, dass sie an einen universalen Gott und an ein friedliches Zusammenleben mit ihren Nachbarvölkern glaubten. Dies änderte sich unter dem Einfluss von Wanderpredigern, welche die Judäer von den Israeliten absonderten und den Kult Jahwes begründeten, eines Gottes, der für Rassismus, Hass und Rache stand.

Laut der alten Tradition war Mose ein großer Stammesführer gewesen, der die Stimme des einzigen Gottes aus einem brennenden Dornbusch vernommen hatte und vom Berge niedergestiegen war, um dem Volk die Gebote dieses einzigen Gottes zu offenbaren. Als diese Tradition entstand, erlebte das religiöse Denken einen starken Aufschwung, und die Völker befruchteten sich gegenseitig mit ihren Überlieferungen und Gedanken.

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Vorstellung von einem einzigen Gott in Ägypten schon sehr früh lebendig war, was freilich nicht ausschließt, dass die Ägypter sie ihrerseits von anderen übernommen haben könnten. Die Gestalt Mose sowie seine Gebote waren einer bereits bestehenden Tradition entnommen. Die Geschichte von der Entdeckung des kleinen Mose in den Binsen ist offenkundig einer viel älteren Legende entlehnt, derjenigen vom babylonischen König Sargon dem Älteren, der ein- bis zweitausend Jahre zuvor gelebt hatte; die zehn Gebote weisen unverkennbare Ähnlichkeit mit älteren ägyptischen, babylonischen und assyrischen Gesetzen auf. Die Israeliten bauten also auf bereits vorhandenen Ideen auf und waren auf dem Weg zu einer Universalreligion dementsprechend schon weit fortgeschritten, als sie in der Menschheit aufgingen.

Doch dann kehrte Juda diesen Prozess um, so dass es der Effekt eines rückwärts laufenden Films war. Als die Herren Judas, die Leviten, ihr Gesetz begründeten, übernahmen sie ebenfalls vieles vom Erbe anderer Völker und bauten es in ihr Gesetz ein. Sie gingen zunächst von einem Gott aller Völker aus, dessen Stimme kurz aus einem brennenden Dornbusch erklungen war (was der mündlichen Überlieferung entsprach), verwandelten diesen jedoch in ihren fünf Gesetzesbüchern in einen rassischen Stammesgott, mit dem sie schachern konnten und der ihnen Land, Schätze, Blut sowie die Macht über andere als Gegenleistung dafür versprach, dass sie in einem bestimmten Land an einem bestimmten Ort ein rituelles Opfer darbrachten.

Somit begründeten sie eine permanente Gegenbewegung gegen sämtliche Universalreligionen und sorgten dafür, dass der Name Juda zum Synonym für selbstgewählte Absonderung vom Rest der Menschheit, Rassenhass, Mord im Namen der Religion und Rache wurde.

Diese Pervertierung lässt sich im Alten Testament verfolgen, wo Moses zunächst als Verkünder moralischer Gebote und Verfechter der guten Nachbarschaft erscheint, sich dann aber zum Organisator rassistisch motivierter Massaker mausert, nachdem die moralischen Gebote zwischen dem zweiten und dem vierten Mosesbuch in ihr Gegenteil verkehrt worden sind. Im Rahmen derselben Verwandlung befiehlt der Gott, der das Volk anfänglich ermahnt hat, das Gut und die Frauen seines Nachbarn nicht zu begehren, den Massenmord an einem Nachbarvolk, bei dem nur die Jungfrauen verschont bleiben sollen!

Somit erreichten die Wanderprediger, die sich den Stamm Juda lange zuvor Untertan gemacht hatten, dass ein kleines, unfreies Volk sich von der anderswo erstarkenden Idee eines Gottes aller Menschen abwandte und stattdessen einen blutrünstigen Stammesgott auf den Thron hob und ein rassistisches Gesetz begründete. Die Anhänger dieses Glaubens sollten fortan durch all die Jahrhunderte hindurch eine zerstörerische Mission erfüllen.

Dieser als göttliche Offenbarung dargestellter Glaube beruhte auf einer ganz bestimmten Version der Geschichte, bei der jedes Ereignis in Übereinklang mit dem Dogma stehen und dieses bestätigen musste.

Es war eine Geschichtsversion, die bis zur Schöpfung zurückreichte, deren genauen Zeitpunkt die Priester zu kennen vorgaben, genau wie sie behaupteten, Bescheid über die Zukunft zu wissen und somit die ganze Geschichte des Universums von ihrem Anfang bis zu ihrem Endpunkt zu kennen. Der Endpunkt würde der totale Triumph in Jerusalem sein, nachdem die Judäer die Judäer die Weltherrschaft angetreten hatten und die Heiden mitsamt ihren Königtümern der Vernichtung anheimgefallen waren.

Das Thema der Gefangenschaft des gesamten Volkes, die mit der Rache Jahwes an dessen Unterdrückern endet (alle Erstgeborenen Ägyptens müssen sterben), erscheint in dieser Version erstmals zum Zeitpunkt, wo das Volk Israel im Ägyptenlande schmachtet, dieses jedoch verlässt und zur Eroberung des Gelobten Landes aufbricht. Diese Episode war notwendig, um die Judäer zur zersetzenden Kraft innerhalb fremder Nationen zu machen, und wurde ganz offensichtlich zu diesem Zwecke erfunden. Die Spezialisten auf dem Gebiet der der jüdischen Geschichte sind sich einig, dass sich die im Zweiten Buch Mose erzählten Dinge in Wahrheit niemals zugetragen haben.
Ob Mose überhaupt gelebt hat, ist umstritten. Rabbi Emil Hirsch schrieb: „Sie sagen euch, Mose habe niemals gelebt. Ich stimme dem zu. Wenn sie mir sagen, dass die Geschichte, wonach sie von Ägypten kamen, Mythologie sei, werde ich nicht protestieren. Sie sagen mir, dass das Buch Jesaja in der Form, in der es uns heute vorliegt, aus Schriften bestehe, die zu wenigstens drei, wenn nicht gar vier verschiedenen Epochen stammten; ich wusste dies, bevor sie mir dies sagten; schon bevor sie es wussten, war dies meine Überzeugung.“

Mag Mose nun eine geschichtliche Gestalt sein oder nicht, einen Massenauszug aus dem Ägyptenlande nach Kanaan (Palästina) kann er unter keinen Umständen angeführt haben. Wie Rabbi Elmer Berger bestätigt, gab es zu einer Zeit, wo ein Mann namens Mose irgendwelche kleine Menschengruppen aus der ägyptischen Sklaverei geführt haben könnte, keine klar definierten israelitischen Stämme. Die Habiru (Hebräer) waren damals bereits in Kanaan ansässig, in das sie schon lange Zeit zuvor aus Babylonien gekommen waren. Der Name Habiru bezeichnete keine rassische und stammesmäßige Identität, sondern hieß ganz einfach „Nomaden“. Schon lange bevor irgendwelche von einem Moses geführten Einwanderergruppen nach Kanaan eingedrungen sein könnten, hatten die Habiru große Teile dieses Landes in Besitz genommen, und der Statthalter von Jerusalem meldete dem Pharao: „Der König besitzt kein Territorium mehr, die Habiru haben das gesamte Gebiet des Königs verwüstet.“

Ein stramm zionistischer Historiker, Dr. Josef Kastein, äußert sich hierzu völlig unmissverständlich. Wir werden sein Buch History and Destiny of the Jews (Geschichte und Schicksal der Juden) in folgenden immer wieder zitieren, denn wie unser eigenes umfasst es die gesamte Zeit, während der sich der Streit um Zion abspielte (mit Ausnahme der letzten zweiundzwanzig Jahre; es erschien anno 1933). „Zahlreiche andere semitische und hebräische Stämme wohnten bereits in dem Gelobten Land, das, wie Mose zu seinen Gefolgsleuten sagte, ihnen durch Erbrecht gehörte, mochten die tatsächlichen Verhältnisse in Kanaan dieses Recht auch längst hinfällig und illusorisch gemacht haben“, hält Dr. Kastein fest.

Als Zionist von echtem Schrot und Korn beharrt Dr. Kastein zwar darauf, dass das im Alten Testament festgelegte Gesetz buchstäblich erfüllt werden muss, macht jedoch kein Hehl daraus, dass er der Geschichtsversion, auf der dieses Gesetz Fußt, keinen Glauben schenkt. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich von jenen christlichen Fundamentalisten, für die „jedes Wort wahr“ ist. Dr. Kastein räumt ein, dass das Alte Testament de facto ein politisches Programm ist, das entworfen wurde, um den Bedürfnissen einer ganz bestimmten Zeit gerecht zu werden, und immer wieder überarbeitet wurde, um dem Wandel der Umstände Rechnung zu tragen.

Historisch gesehen sind die Gefangenschaft im Ägyptenlande, die Tötung „aller Erstgeborenen“, der Auszug der Kinder Israels und die Eroberung des Gelobten Landes Mythen. Doch mochte die Geschichte selbst auch erfunden sein: Ihre Lehre, die Lehre von der Rache an den Heiden, wurde den Anhängern dieser Religion hartnäckig eingeimpft, mit tiefgreifenden Folgen bis in unsere Zeit hinein.

Diese – zu historischen Wahrheiten verklärten – Erdichtungen verfolgten offensichtlich das Ziel, die Judäer ihrer alten Überlieferung vom Gott, der, aus einem brennenden Dornbusch sprechend, in einem einfachen Gesetz die Regeln des moralischen Verhaltens und der guten Nachbarschaft festgelegt hatte, abspenstig zu machen, diese Überlieferung in ihr Gegenteil zu verkehren und ein Gesetz zu begründen, das auf Ausgrenzung, Hass und Rache beruhte. Mit dieser durch imaginäre historische Ereignisse legitimierten Religion ausgestattet, wurde eine kleine Gruppe von Menschen auf die Reise in die Zukunft geschickt.

Dies geschah im Jahre 458 v. Chr. In den vielen Jahrhunderten, die seit der Zeit, in der ein Moses gelebt haben mochte, verflossen waren, hatten sich in Kanaan tiefgreifende Umwälzungen zugetragen. Aus den nomadischen Habiru, welche die alteingesessenen Kanaaniter durch fortgesetzte Einwanderung, Mischehen, Besiedlung oder Eroberung allmählich verdrängt hatten, war ein Stamm hervorgegangen, der sich Ben Yisrael, „Kind Israels“, nannte. Dieser Stamm war seinerseits in eine Reihe kleinerer Stämme zerfallen, die eine lose Föderation bildeten und sich oft befehdeten. Die meisten dieser Stämme, die Israeliten, waren im Norden Kanaans ansässig, während sich im Süden ein isolierter, von alteingesessenen Kanaanitern umgebener Stamm namens Juda herausbildete, der später das rassisch fundierte Glaubensbekenntnis hervorbringen sollte und von dessen Namen die Wörter „Jude“ und „Judentum“ abgeleitet sind.

Vom Augenblick an, wo sein Name zum ersten Mal in den Annalen der Geschichte erscheint, hinterlässt dieser Stamm Juda einen höchst merkwürdigen Eindruck. Er lebte abgesondert von seinen Nachbarn und stand ständig auf gespanntem Fuß mit ihnen. Sein ominös klingender Name scheint darauf hinzudeuten, dass er von Anfang an eher ausgegrenzt aus „auserkoren“ war. Laut den levitischen Schriften war er einer der Stämme Israels, und da die anderen Stämme in der Menschheit aufgegangen sind, macht es auf den ersten Blick den Anschein, als könne Juda als rechtmäßiger Erbe Anspruch auf all die herrlichen Dinge erheben, die Jahwe seinem „auserwählten Volk“ verheißen hat. Doch dürfte dieser Anspruch auf schwachen Füssen stehen, denn die Jewish Encyclopedia hält fest, dass Juda „aller Wahrscheinlichkeit nach ein nichtisraelitischer Stamm“ war.

Dieser sonderbare Stamm war es also, der, mit der von den Leviten ersonnenen Lehre als Reisegepäck, den Weg in die Zukunft beschritt. Er war Jahwes „auserwähltes Volk“ und wenn er sich streng an all dessen „Gebote“ hielt, würde ihm dereinst ein gelobtes Land zuteil werden, und er würde über alle anderen Völker herrschen.

Zu den „Geboten“, die der Stamm Juda zu befolgen hatte, gehörte in der von den Leviten fabrizierten endgültigen Version auch der oft wiederholte Befehl, andere Nationen „vollständig zu vernichten“, „in den Staub zu werfen“ und „auszurotten“. Juda war dazu vorausbestimmt, eine Nation hervorzubringen, deren Mission die Zerstörung war.

Kapitel 2

Das Ende Israels

Rund ein halbes Jahrtausend vor dem Schicksalsjahr 458 v. Chr., also vor ungefähr drei Jahrtausenden, ging die kurze und spannungsgeladene Union zwischen Juda und den Israeliten (den „Kindern Israels“) zu Ende. Israel verwarf die Lehre vom auserkorenen Volk, die damals in Juda Gestalt annahm und ging seine eigenen Wege. (Dass die Zionisten ihren Staat, den sie 1948 in Palästina begründeten, „Israel“ nannten, war ein leicht durchschaubares Täuschungsmanöver.)

Die Faktoren, die zu der kurzlebigen und unglücklichen Union führten, wurzelten in Ereignissen, die sich in früheren Jahrhunderten abgespielt hatten. Auf die mythologische Periode Mose folgte eine Epoche in Kanaan, während der Israel eine starke, geschlossene und leicht identifizierbare Einheit bildete, eine Konföderation von zehn Stämmen. Juda, dem sich der sehr kleine Stamm Benjamin anschloss, war ein Duodez-Fürstentum im Süden.

Der Stamm Juda, der später den Zionismus hervorbringen sollte, trug einen anrüchigen Namen. Juda war nämlich der Mann gewesen, der seinen Bruder Joseph, den Lieblingssohn Jakobs (Israels), für zwanzig Silberlinge an die Ismaeliter verkaufte, so wie später Judas Ischariot, der einzige Vertreter des Stammes Juda unter den Jüngern Jesu, seinen Herrn und Meister für dreißig Silberlinge verriet. Nachdem er seinen Bruder in die Sklaverei verkauft hatte, begründete Juda durch einen Akt der Blutschande den nach ihm benannten Stamm (1. Mose 37 und 38). Die dem Priesterstande angehörenden Schreiber, welche diese Geschichte Jahrhunderte später schriftlich festlegten, hatten sich zu Herren des Stammes Juda aufgeschwungen, und da sie die mündliche Überlieferung nach freiem Ermessen verändern konnten, drängt sich die Frage auf, was sie dazu bewogen haben mag, diese Episode zu vermelden, die grelles Licht auf den blutschänderischen Ursprung und die verräterische Natur des angeblich von Gott auserkorenen Volkes wirft. Wie so vieles in den Schriften der Leviten ist dies ein Rätsel, das allenfalls die Angehörigen des inneren Kreises der Sekte erhellen könnten.

Wie dem auch sei, diese Schriften sowie die heutigen jüdischen Autoritäten sind sich darin einig, dass Israel und Juda verschiedene Völker waren. Im Alten Testament wird Israel oft „das Haus Josephs“ genannt, das im Gegensatz zum „Haus Judas“ steht. Die Jewish Encyclopedia vermerkt hierzu, Joseph und Juda hätten „zwei verschiedene Stammbäume verkörpert“, und ergänzt (wie bereits erwähnt), Juda sei „aller Wahrscheinlichkeit nach ein nichtisraelitischer Stamm“ gewesen. In der Encyclopedia Britannica liest man hierzu, der Judaismus habe sich „lange nach dem Aufgehen der Israeliten in der Menschheit“ entwickelt, und das wahre Verhältnis zwischen diesen beiden Völkern lasse sich am besten in dem Satz ausdrücken: „Die Israeliten waren keine Juden.“ Historisch gesehen überlebte Juda und brachte den Judaismus hervor, der seinerseits den Zionismus erzeugte. Israel hingegen verschwand als eigenständiges Volk, und zwar unter folgenden Umständen:

Der kleine Stamm im Süden, Juda, wurde mit dem landlosen Stamm der Leviten identifiziert. Diese erblichen Priester, die behaupteten, Jahwe habe ihnen ihr Amt auf dem Berge Sinai anvertraut, waren die wirklichen Väter des Judaismus. Sie wanderten von einem Stamm zum anderen und predigten, wenn ein Stamm Krieg führe, so sei dies der Krieg aller Stämme und Jahwes Krieg. Ihr Ziel war die Macht, und sie strebten die Schaffung einer Theokratie an, eines Staates also, in dem Gott der Herrscher und die Religion das Gesetz ist. Während der Periode der Richter gelang es ihnen, ihr Ziel in gewissem Umfang zu verwirklichen, denn die Richter waren natürlich sie selbst.

Was sie, und das isolierte Juda, am dringendsten brauchten, war eine Union mit Israel, doch diesem war die gesetzgebende Priesterschaft nicht geheuer, und es verlangte, dass sie sich einem König unterstellen möge. Alle Völker der Umgebung besaßen damals Könige.

Die Leviten ergriffen diese Gelegenheit beim Schopfe. Sie begriffen, dass, wenn es zur Ernennung eines Königs kam, die herrschende Klasse diesen stellen würde, und die herrschende Klasse waren sie. Samuel als Oberpriester hievte einen Marionettenkönig auf den Thron, hinter dem die Priesterschaft als wahre Inhaberin der Macht stand; dies wurde durch eine Bestimmung erreicht, der zufolge die Macht des Königs mit seinem Tode endete, was die Bildung einer Dynastie ausschloss. Als König wählte Samuel einen jungen Bauern aus dem Stamme Benjamin, Saul, der sich in Stammeskämpfen einen Namen gemacht hatte und von dem er wohl annahm, dass er leicht lenkbar sein würde. (Dass die Wahl auf einen Benjaminiten fiel, findet seine Erklärung vermutlich darin, dass Israel keinen Angehörigen des Stammes Juda als König akzeptiert hätte.) Dies war der Beginn des vereinigten Königreiches Israel, das jedoch nach dem Tode seines ersten Königs Saul wieder zerfiel.

In Sauls Schicksals (bzw. seiner Darstellung in den später entstandenen Schriften) kann man die sich damals herauskristallisierende ominöse Natur Judas bereits erkennen. Saul erhielt von Samuel den Befehl, einen heiligen Krieg gegen die Amalekiter zu führen: „So ziehe nun hin und schlag Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was es hat; verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel“ (1. Samuel 15,3). Saul „nahm Agag, den König von Amalek, lebendig gefangen, und an allem Volke vollstreckte er den Bann mit der Schärfe des Schwerts. Aber Saul und das Volk verschonten Agag und die besten Schafe und Rinder und das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war“ (1. Samuel 8,9). Dafür entkleidete ihn Samuel der Königswürde und wählte heimlich David aus dem Stamme Juda zu Sauls Nachfolger. Vergeblich hieb Saul „den Agar in Stücke von der HERRN in Gilgal“, um die Leviten zu beschwichtigen, und versuchte David zu ermorden, um seinen Thron zu retten. Schließlich stürzte er sich in sein Schwert.

So steht es im Ersten Buche Samuel, dass die Leviten Jahrhunderte später schufen. Ob sich die Ereignisse wirklich so zugetragen haben oder nicht, die Bedeutung dieser Darstellung liegt in den Schlüssen, die daraus zu ziehen sind. Jahwe erwartete die wortwörtliche Ausführung seines Befehls, an den Amalekitern den Bann zu vollstrecken und keinen von ihnen zu verschonen. Gnade oder Mitleid waren todeswürdige Verbrechen. So lautet auch der Grundtenor vieler anderer Schilderungen von Geschehnissen, von denen wir nicht wissen, ob sie wirklich zugetragen haben oder rein allegorisch sind.

Damals, vor dreitausend Jahren, zerfiel das vereinigte Königreich wieder, denn Israel wollte David, den Mann aus dem Stamme Juda, nicht als König. Dr. Kastein schreibt, „der Rest Israels“ habe David „ignoriert“, und Sauls Sohn Isch-Boscheth zu seinem König gemacht, worauf sich Israel und Juda „tatsächlich wieder getrennt“ hätten. Laut dem Zweiten Buche Samuels wurde Isch-Boscheth getötet, und sein Haupt wurde zu David gebracht, der die Einheit anschließend nominell wiederherstellte und Jerusalem zu seiner Hauptstadt machte. Doch eine wahre Einigung des Königtums oder der Stämme gelang ihm nicht; er begründete eine Dynastie, die mit dem Tode seines Sohnes erlosch.

Die jüdische Religion hält bis heute daran fest, dass der Messias zu einer Zeit kommen wird, wo ein weltlicher König „aus dem Hause David“ herrschen wird. Die rassische Absonderung von den Nichtjuden ist der oberste Grundsatz der jüdischen Religion (und in dem zionistischen Staat Gesetz). Somit ist der Ursprung der von David begründeten Dynastie von zentraler Bedeutung.

Zum Zeitpunkt der Union zwischen Israel und Juda waren Rassendiskriminierung und Ausgrenzung den Angehörigen beider Stämme ganz offensichtlich unbekannt, wie folgende Episode beweist: „Und es begab sich, dass David um den Abend aufstand von seinem Lager und sich auf dem Dach des Königshauses erging; da sah er vom Dach aus eine Frau sich waschen; und die Frau war von sehr schöner Gestalt“ (2. Samuel 11,2). David ließ diese Frau, Bathseba, zu sich kommen und schwängerte sie; ihren Mann, den Hethiter Uria, schickte er in den Krieg und befahl seinem Kommandanten brieflich, Uria dort aufzustellen, wo der Kampf am härtesten sei. Uria fiel, David reihte Bathseba in seinen Harem ein, und der zweite Sohn, den sie ihm gebar, Salomon, wurde der nächste König. (Die Geschichte von David und Bathseba wurde in unserem Tagen in einem Hollywood-Film dargestellt.)

Somit war Salomon laut den levitischen Schreibern rassisch gesehen ein halber Hethiter. Er begann seine Herrschaft mit drei Morden, wobei eines der Opfer sein eigener Bruder war, und versuchte vergeblich, seine Dynastie durch eine später bei den Habsburgern gängige Methode – Eheschließungen mit fremden Prinzessinnen – zu retten. Er tat dies in einem Umfang, den sich kein Habsburger hätte träumen lassen, ehelichte Prinzessinnen aus Ägypten und vielen Nachbarstämmen und hielt sich außerdem Hunderte von Nebenfrauen. Dies beweist, dass es zu jenem Zeitpunkt noch keine rassische Absonderung gegeben haben kann. Salomon ließ den Tempel erbauen und führte eine erbliche Priesterschaft ein.

Dies ist die Geschichte der kurzen Union zwischen Israel und Juda, die im Jahre 937 v. Chr. ein Ende fand. Nach Salomons Tod trennten sich die ungleichen Partner wieder, und im Norden nahm Israel seine Existenz als unabhängige Nation wieder auf. Dr. Kastein schreibt:

„Die beiden Staaten hatten fortan im Guten und Bösen nicht mehr miteinander gemein als zwei beliebige andere Länder mit einer gemeinsamen Grenze. Von Zeit zu Zeit bekriegten sie einander oder schlossen Verträge ab, waren jedoch vollkommen getrennt. Die Israeliten hörten auf zu glauben, dass ihr Schicksal in der Absonderung von ihren Nachbarn liege, und König Jerobeam vollzog die Trennung von Juda auf dem religiösen Gebiet so vollständig wie auf dem politischen.“ Bezüglich der Judäer bemerkt Dr. Kastein: „Sie entschieden, dass sie dazu bestimmt waren, sich als abgesonderte Rasse zu entwickeln… sie verlangten eine Form der Existenz, die fundamental verschieden von jener der sie umgebenden Völker war. Die Unterschiede waren so groß, dass sie keinen Prozess der Assimilierung an andere zuließen. Sie forderten Trennung, absolute Abgrenzung.“

Somit ist die Ursache des Bruchs und der Trennung klar. Israel glaubte, sein Geschick sei es, in der Menschheit aufzugehen, und lehnte Juda aus denselben Gründen ab, die in den folgenden dreitausend Jahren andere Völker immer wieder dazu bewogen haben, dem Judentum mit Furcht, Abneigung und Ablehnung zu begegnen. Dr. Kastein schreibt zwar, „Juda“ habe „Trennung, absolute Abgrenzung“ verlangt, meinte aber in Wahrheit die Leviten: Wie hätten die einfachen Angehörigen des Stammes Juda damals „Trennung, absolute Abgrenzung“ fordern können, wenn Salomon zahlreiche Frauen aus fremden Völkern hatte?

Israel verwarf die Leviten mitsamt ihrem rassischen Glaubensbekenntnis. In den folgenden zweihundert Jahren, als Israel und Juda nebeneinander existierten und oft miteinander in Fehde lagen, meldeten sich immer wieder hebräische „Propheten“ zu Wort, welche die Leviten und die von diesen entwickelte Religion geißelten. Diese Stimmen aus dem Stammesdunkel, das einen erheblichen Teil des Alten Testaments verdüstert, wandten sich an die Menschheit, denn diese „Propheten“ verurteilten den im Entstehen begriffenen Glauben ebenso, wie ihn Jesus Christus sieben oder acht Jahrhunderte später, als er längst klare Konturen angenommen hatte, im Tempel zu Jerusalem verurteilte.

Fast all diese „Propheten“ waren Israeliten; viele von ihnen gehörten dem Stamme Joseph an. Sie hatten den Weg beschritten, der zum einen und einzigen Gott aller Völker und zum Aufgehen in der Menschheit führt. Hiermit standen sie keineswegs allein: Schon bald sollte Buddha dem Glauben an Brama, den Schöpfer der Kastentrennung, und dem Götzendienst seine Predigt in Benares und seine Fünf Gebote der Aufrichtigkeit entgegenstellen.

Als Israeliten widersetzten sich die „Propheten“ der levitischen Lehre, die zusehends identisch mit den Namen Juda wurde. Wenn wir den Ausdruck „Propheten“ in Anführungszeichen setzen, dann darum, weil diese Männer niemals behaupteten, die Gabe der Weissagung zu besitzen, und erbost reagierten, wenn man sie als Propheten bezeichnete. („Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger “, Amos 7,14.) Sie waren die Protestanten ihrer Zeit und warnten einfach vor den absehbaren Folgen des rassischen Glaubensbekenntnisses; ihre Warnungen haben bis zum heutigen Tage nichts von ihrer Aktualität verloren.

Was sie zu ihrem Protest trieb, waren die Forderungen der levitischen Priesterschaft, insbesondere jene nach dem Recht auf die Erstgeborenen (laut 2. Mose 12-15 gehört alle Erstgeburt dem Herrn), sowie die Bedeutung, welche die Priester den Opferritualen beimaßen. Diese israelitischen Protestanten, denen das „sogenannte Gesetz Mose“ unbekannt war (C. G. Montefiore, Religion of the Ancient Hebrews , 1892), verabscheuten die blutigen Riten der Priester, die endlosen Opferungen von Tieren, die „Brandopfer“, an deren Geruch Jahwe angeblich Gefallen fand. Sie verwahrten sich gegen die von den Priestern verkündete Lehre, wonach die „Heiden“ zu erschlagen oder zu versklaven waren. Sie predigten, Gott fordere einen moralischen Lebenswandel, gutnachbarliches Verhalten und Gerechtigkeit gegenüber den Armen, den Waisen, den Witwen und den Unterdrückten, keine blutigen Opfer und keinen Hass auf die Heiden.

Diese Proteste sind die ersten Strahlen jener Morgenröte, die rund acht Jahrhunderte später hereinbrach. Dass sie in ein und denselben Schriften stehen wie jene Aufrufe zum Massenmord, an denen das Alte Testament so reich ist, mutet äußerst merkwürdig an. Es ist wahrhaftig seltsam, dass diese Mahnungen die Verfälschung der Überlieferung überlebten, als Israel verschwunden war und die in Juda unbeschränkt herrschenden Leviten die Schriften abfassten. Beispielsweise kann sich der heutige Leser nicht erklären, weshalb König David es Nathan erlaubt, ihn öffentlich dafür zu tadeln, dass er Uria in den Tod geschickt und sein Weib genommen hat. Möglicherweise gab es unter den späteren Schreibern, welche die historischen Erzählungen lange nach dem Ende Israels und dem Tode der israelitischen Protestanten verfassten, Männer, die deren Einstellung zumindest teilweise billigten und es fertigbrachten, den Protest auf diese Weise am Leben zu halten.

Auf diese menschenfreundlichen und aufgeklärten Passagen folgen freilich sehr oft fanatische, derselben Person zugeschriebene, welche erstere aufheben oder gar in ihr Gegenteil verkehren. Hier besteht die einzige vernünftige Erklärung darin, dass es sich um später vorgenommene Einschübe handelt, welche die Zweifler wieder auf den gewünschten Kurs, jenen des levitischen Dogmas, bringen sollten.

Was immer die Gründe gewesen sein mögen, die israelitischen Proteste gegen die Häresie Judas sind von zeitloser Gültigkeit und stellen ein Denkmal für das verschwundene Israel dar. Wie kleine Grashalme der Wahrheit zwängen sie sich durch die dunklen Steine der Stammeslegenden. Sie wiesen den Weg, der in die immer breitere Straße hin zur Menschheit mündet und weg vom Abgrund des Stammesdenkens führt.

Sowohl Elia als auch Elisa wirkten in Israel, und Amos sprach einzig und allein zu den Josephiten. Heftiger als alle anderen Propheten brandmarkte er die blutigen Opfer und die Riten der Priester: „Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich keinen Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärre deiner Lieder, denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,21-24) Und dann folgt die unsterbliche Absage an die Lehre vom „auserwählten Volk“: „Seid ihr Kinder Israels mir nicht gleich wie die Mohren? spricht der Herr.“ (Amos 9,7)

Ein anderer Israelit, Hosea, mahnt: „Ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.“ (Hosea 6,6)

Zur Zeit des Propheten Micha forderten die Leviten anscheinend immer noch, alle Erstgeborenen Jahwe zu opfern: „Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde? Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Michael 6,6-8)

Diese Männer kämpften in den beiden Jahrhunderten, als Israel und Juda nebeneinander bestanden und einander bisweilen befehdeten, um die Seele der Stammesangehörigen. Während dieser Periode ließen sich die Leviten, die früher gleichmäßig auf alle Stämme verteilt gewesen waren, in immer größerer Zahl im kleinen Juda und in Jerusalem nieder und widmeten ihre Aufmerksamkeit vor allem den Judäern.

Im Jahre 721 v. Chr. wurde Israel von Assyrien angegriffen und besetzt, und die Israeliten wurden in die Gefangenschaft verschleppt. Juda blieb verschont und existierte noch ein Jahrhundert als unbedeutender Vasallenstaat zuerst der Assyrer und dann der Ägypter weiter. Es war mittlerweile zur Hochburg der levitischen Sekte geworden.

Zu diesem Zeitpunkt verschwinden die „Kinder Israels“ aus der Geschichte, und wenn die ihnen gemachten Versprechungen eingehalten werden sollen, ist dies offensichtlich die Aufgabe der Menschheit, in der sie aufgegangen sind. Da die Völker während der vergangenen siebenundzwanzig Jahrhunderte eine ausgeprägte Neigung zur Wanderung nach Westen erkennen ließen, kann man wohl davon ausgehen, dass in den Adern der Völker Europas und Amerikas auch Blut aus dem Stamme Israel fließt.

Juda machte freilich geltend, Israel sei mit Fug und Recht „verschwunden“, weil es den levitischen Glauben verwarf und „sich mit seinen Nachbarvölkern einließ“. Die Formulierung stammt von Dr. Kastein, der das „Verschwinden“ Israels fast siebenundzwanzig Jahrhunderte später ausdrücklich begrüßte: „Die zehn nördlichen Stämme hatten sich infolge ihrer getrennten Entwicklung so weit von ihren Verwandten im Süden entfernt, dass sich die Chronik ihres Untergangs auf eine kurze, nüchterne Feststellung der Fakten beschränkt und auf jede Kundgebung von Trauer verzichtet. Kein Epos, kein Klagelied, kein Mitleid begleitete die Stunde ihres Falls.“

Wer den Streit um Zion erforschen will, muss viel Vorarbeit leisten, ehe ihm dessen Geheimnisse offenbar werden, doch dann entdeckt er, dass Zion stets mit zwei Zungen spricht: Mit der einen zu den Heiden, mit der anderen für die Eingeweihten. Weder die Leviten des Altertums noch die heutigen Zionisten glauben ernsthaft daran, dass die Israeliten „spurlos verschwunden sind“ (auch diese Formulierung stammt von Dr. Kastein). Sie wurden für tot erklärt, so wie ein Jude, der eine Nichtjüdin ehelicht, heutzutage für tot erklärt wird (beispielsweise Dr. John Goldstein); sie wurden in exkommuniziert und „verschwanden“ lediglich in diesem Sinne.

Völker sterben nicht so leicht aus; hiervon legen die nordamerikanischen Indianer, die australischen Ureinwohner, die Maoris in Neuseeland, die Bantus in Südafrika und andere Völkerschaften Zeugnis ab. Wären die Israeliten physisch ausgerottet worden, so hätten sie übrigens nicht verschleppt werden können. Ihr Blut und ihre Gedanken überleben bis zum heutigen Tage irgendwo in der Menschheit.

Israel sonderte sich freiwillig von Juda ab; die Gründe, die es dazu bewogen, waren dieselben, die seither bei anderen Völkern regelmäßig Misstrauen und Abneigung gegenüber diesem Stamm erweckt haben. Die Israeliten „waren keine Juden“, die Judäer waren „aller Wahrscheinlichkeit nach keine Israeliten“.

Die wahre Bedeutung der Behauptung, wonach Israel „verschwunden“ sei, findet sich im Talmud, wo es heißt: „Die zehn Stämme haben keinen Anteil an der kommenden Welt.“ In anderen Worten: Der Himmel bleibt den „Kindern Israels“ verschlossen, weil sie es auf Erden verschmäht haben, sich vom Rest der Menschheit abzusondern.

Im Jahre 1918 beantwortete der Oberrabbiner des britischen Empire, J. H. Hertz, eine diesbezügliche Frage völlig eindeutig: „Die heutzutage als Juden bekannten Leute sind Abkömmlinge der Stämme Judah und Benjamin, zu denen noch eine gewisse Anzahl von Abkömmlingen des Stammes Levi kommt .“ Somit ist vollkommen klar, dass „Israel“ nichts zur Entstehung des Judentums beigetragen hat, und dass die Zionisten den Staat, den sie in unserem Jahrhundert in Palästina begründeten, „Israel“ nannten, ist ein billiges Betrugsmanöver.

Es muss triftige Gründe dafür gegeben haben, diesen Staat nach einem Volke zu benennen, das nicht jüdisch war und dem Glauben, aus dem sich später die jüdische Religion entwickeln sollte, nicht anhing. Eine einleuchtende Erklärung wäre folgende: Der Zionistenstaat wurde mit dem Einverständnis der großen Nationen des Westens geschaffen, und diese Nationen sind christlich. Vermutlich spekulierten die Zionisten darauf, dass die Vorstellung, sie hätten zur Erfüllung einer biblischen Prophezeiung beigetragen und dafür gesorgt, dass Gottes Versprechen an „Israel“ erfüllt werden konnte, die christlichen Völker mit Genugtuung erfüllen würde, gleichgültig wie hoch der Preis war, den unschuldige Menschen hierfür entrichten mussten.

Falls dies tatsächlich der Grund für die Wahl des Namens „Israel“ war, so erwies sich diese List zumindest vorläufig als erfolgreich, denn es ist noch nie sonderlich schwer gewesen, die große Masse zu „überzeugen“. Doch langfristig wird sich die Wahrheit durchsetzen; hiervon zeugen die Mahnungen der israelitischen Propheten, die bis zum heutigen Tage ihre Gültigkeit behalten haben.

Wenn der 1948 gegründete zionistische Staat Anspruch auf irgendeinen Namen aus dem Altertum erheben konnte, dann einzig und allein auf den Namen „Juda“. Dies haben wir in diesem Kapitel ausführlich nachgewiesen.

Kapitel 3

Die Leviten und das Gesetz

Während der hundert Jahre, die auf die Eroberung Israels durch die Assyrer folgten, begannen die Leviten das Gesetz niederzuschreiben. Anno 621 v. Chr. hatten sie das fünfte Buch Mose, das Deuteronomium, fertig erstellt und verlasen es im Tempel zu Jerusalem.

Es war dies die Geburt des Mosaischen Gesetzes, das Mose, falls er überhaupt gelebt haben sollte, freilich nie gekannt hat. Es wird ihm zwar zugeschrieben – daher sein Name –, doch alle namhaften Forscher sind sich darüber einig, dass es in Wahrheit das Werk der Leviten war, die Mose (sowie Jahwe) einfach das in den Mund legten, was ihnen in den Kram passte. Eine korrekte Bezeichnung wäre „das levitische Gesetz“ oder „das judäische Gesetz“.

Das Deuteronomium ist für den offiziellen Judaismus und Zionismus das, was das Kommunistische Manifest für die zerstörerische Revolution unseres Jahrhunderts war. Es bildet die Grundlage der Thora („des Gesetzes“), also der fünf Bücher Mose, deren griechische Bezeichnung Pentateuch lautet. Der Pentateuch ist das Rohmaterial, aus dem später der Talmud geschaffen wurde, und letzterer ist seinerseits die Basis jener „Kommentare“ und „Kommentare zu Kommentaren“, welche in ihrer Gesamtheit das jüdische „Gesetz“ darstellen.

Beim Deuteronomium handelt es sich um ein politisches Programm, einen Plan zur Ausplünderung und dauerhaften Unterjochung sämtlicher anderer Nationen. Im Westen ist dieser Plan im Verlauf des 20. Jahrhunderts bereits in erheblichem Umfang verwirklicht worden. Somit ist das Deuteronomium von unmittelbarer Bedeutung für die Geschehnisse der Gegenwart, und wenn man letztere in diesem Lichte analysiert, tritt vieles, was zuvor rätselhaft und verworren schien, in großer Klarheit zutage.

Dieses Programm wurde 621 v. Chr. an einem so kleinen Ort vor einem so kleinen Publikum verlesen, dass die überwältigende Rolle, die es in späteren Jahrhunderten für die gesamte Welt gespielt hat, umso erstaunlicher wirkt.

Ehe das Deuteronomium schriftlich niedergelegt wurde, gab es lediglich eine mündliche Überlieferung dessen, was Gott zu Moses gesagt hatte. Die Leviten spielten sich als Gralshüter dieser Überlieferung auf, und das gemeine Volk musste ihnen wohl oder übel glauben. (Die anmaßenden Behauptungen der Leviten waren eine der Hauptursachen für den Zorn der israelitischen „Propheten“.) Falls vor der Verlesung des Deuteronomium irgendwelche Manuskripte existierten, so waren sie fragmentarischer Natur und wurden von den Priestern sorgfältig gehütet; die einfachen Angehörigen des Stammes wussten davon so wenig wie heutzutage irgendwelche Kleinbauern in Kentucky von griechischer Poesie.

Dass sich das Deuteronomium von allen bisherigen Gesetzen unterschied, geht schon aus seinem Namen hervor, der „zweites Gesetz“ bedeutet. Es war das Gesetz des levitischen Judentums; wie bereits hervorgehoben, waren die Israeliten „keine Juden“ und hatten dieses Gesetz nie gekannt.

Bezeichnenderweise war das Deuteronomium, das fünfte Buch unserer Bibel, das scheinbar die natürliche Fortsetzung der vorherigen vier darstellt, das erste, das seine heutige Form erhielt. Die beiden ersten Bücher Mose, Genesis und Exodus, bilden zwar den historischen Hintergrund, wurden von den Leviten aber erst später erstellt. Das dritte und das vierte Buch Mose (Leviticus und Numeri) entstanden zu einem noch späteren Zeitpunkt.

Das Deuteronomium stellte die in der früheren Überlieferung festgelegten moralischen Gebote förmlich auf den Kopf. Die Leviten hatten sich nämlich das Recht herausgenommen, nach freiem Ermessen Streichungen vorzunehmen und Ergänzungen hinzuzufügen. Sie waren fest davon überzeugt, dass Gott sie ermächtigt hatte, das Gesetz, welches er Mose mündlich offenbart hatte, zu verändern, um „den sich ständig wandelnden Existenzbedingungen im Geiste der traditionellen Lehre gerecht zu werden“ (Dr. Kastein).

Übrigens behaupteten sie auch, Mose sei auf dem Berge Sinai eine geheime mündliche Thora offenbart worden, die niemals schriftlich festgelegt werden dürfe. In Anbetracht der Tatsache, dass die Christen das Alte Testament später gemeinsam mit dem Neuen zu einem einzigen Buch, der Bibel, verbunden haben und der Durchschnittschrist davon überzeugt ist, mit der Bibel das vollständige „Mosaische Gesetz“ vor sich zu haben, ist dieser Umstand von besonderem Interesse.

Im Talmud heißt es: „Gott sah voraus, dass dereinst eine Zeit einbrechen würde, wo die Heiden sich der Thora bemächtigen und zu Israel sagen würden: ‚Auch wir sind Gottes Söhne.‘ Dann wird der Herr sagen: ‚Nur derjenige, der meine Geheimnisse kennt, ist mein Sohn.‘ Und was sind Gottes Geheimnisse? Die mündlich überlieferten Lehren.“ (Zitiert nach Dr. S. Funk, Die Entstehung des Talmud.)

Den wenigen Menschen, die das Deuteronomium im Jahre 621 v. Chr. lasen und so erfuhren, was das „Mosaische Gesetz“ war, teilten die Leviten mit, die Manuskripte seien „entdeckt“ worden. Die heutigen Judaisten verwerfen diese Behauptung und verfechten stattdessen die Ansicht, das Deuteronomium sei von den Leviten in Juda nach dessen Verstoßung durch die Israeliten und nach der Eroberung Israels durch die Assyrer geschaffen worden. Dr. Kastein schreibt:

„621 v. Chr. wurde ein vom Staub vieler Zeitalter bedecktes Manuskript in einem Archiv entdeckt. Es enthielt eine seltsame Version der Gesetze, die bis zum damaligen Zeitpunkt kodifiziert worden waren, eine Art Wiederholung und Variation davon, die eine große Zahl von Geboten bezüglich der Pflichten des Menschen gegenüber Gott und seinem Nachbarn enthielten. Es wies die Form von Ansprachen auf, von denen es hieß, Mose habe sie unmittelbar vor seinem Tode jenseits [d.h. westlich] des Jordan gehalten. Wer der Verfasser war, lässt sich unmöglich sagen.“

Somit glaubt Dr. Kastein, ein religiöser Eiferer, der erwartet, dass sich das „Gesetz Mose“ wortwörtlich in allen Einzelheiten erfüllen wird, nicht, dass dieses Gesetz von Mose, oder von Jahwe, stammt. Für ihn reicht es völlig aus, wenn es das Werk einer gesetzgebenden Priesterschaft ist, die für ihn eine göttliche Autorität darstellt.

Wie ähnlich das uns heute bekannte Deuteronomium dem anno 621 v. Chr. verlesenen ist, lässt sich nicht sagen, denn die Bücher des Alten Testaments wurden bis zu ihrer ersten Übersetzung wiederholt überarbeitet. Auch bei der Übersetzung wurden verschiedene Abänderungen vorgenommen, vermutlich um die Nichtjuden nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Zweifellos wurde das eine oder andere daraus entfernt, so dass das Deuteronomium in seiner ursprünglichen Gestalt noch blutrünstiger gewesen sein mag als in seiner gegenwärtigeren Gestalt.

Die Grundlage dieses „zweiten Gesetzes“ war religiöse Intoleranz (zu der später in einem weiteren „neuen Gesetz“ noch rassische Intoleranz stieß). Dies bedeutete notwendigerweise die Untergrabung der moralischen Gebote, die im Deuteronomium zwar zitiert, doch bald anschließend de facto aufgehoben werden. Nur jene, die sich auf die Verehrung des „eifersüchtigen“ Jahwe beziehen, bleiben in Kraft. Die übrigen wurden unter einer Flut von „Geboten und Rechten“ (in Ergänzung zum Gesetz erlassenen Bestimmungen) förmlich begraben.

Infolgedessen werden die moralischen Gebote, die Mord, Diebstahl, Ehebruch, Begehrlichkeit, unehrliches Verhalten gegenüber dem Nachbarn usw. untersagen, durch eine große Zahl von Befehlen zum Gespött gemacht, welche die Abschlachtung anderer Völker sowie die (individuelle oder kollektive) Ermordung Abtrünniger ausdrücklich vorsehen und dem „auserwählten Volk“ die Pflicht auferlegen, in Gefangenschaft geratene Frauen anderer Stämme zu Konkubinen zu nehmen, den Feind vollkommen auszurotten, „Fremdlinge“ vom Schuldenerlass auszunehmen und dergleichen mehr.

Am Ende des Deuteronomium sind die moralischen Gebote zu nichts zerronnen. An ihre Stelle tritt, unter dem Deckmantel einer Religion, die phantastische politische Idee eines Volkes, das eigens in die Welt entsandt wurde, um die anderen Völker zu vernichten und zu „besitzen“ und sich die Erde Untertan zu machen. Entfernt man alle diesbezüglichen Stellen, so bleibt kein Deuteronomium und damit auch kein mosaisches Gesetz mehr übrig.

Dieses Konzept der Vernichtung als Glaubensgrundsatz ist einzigartig. Wo es im politischen Denken vorkommt (beispielsweise in der kommunistischen Philosophie), dürfte es vermutlich auf das Deuteronomium zurückgehen, denn eine andere mögliche Quelle ist nicht bekannt.

Das Deuteronomium ist vor allem ein vollständiges politisches Programm: Die Geschichte unseres Planeten, der von Jahwe für sein „besonderes Volk“ geschaffen wurde, soll eines Tages durch dessen Triumph und den Untergang aller anderen Völker ihren Abschluss finden. Die Belohnungen, die den Frommen winken, sind ausschließlich materieller Natur: Sklaven, Frauen, Beute, Territorien, Weltreich. Die einzige Bedingung dafür, dass den Frommen all dies zuteil wird, ist die Befolgung der „Gebote und Rechte“, und diese befehlen in erster Linie die Vernichtung anderer. Die einzige Schuld, welche die Frommen auf sich laden können, ist die Nichtbefolgung dieser Gesetze. Intoleranz gegenüber anderen gilt als Gehorsam gegen Jahwe, Toleranz als Ungehorsam und somit als Sünde. Die Strafen für diese Sünde sind rein diesseitig und ereilen den Leib, nicht die Seele. Wenn von den Frommen moralisches Verhalten verlangt wird, dann einzig und allein gegenüber ihren Glaubensgenossen; für „Fremdlinge“ gelten die moralischen Gebote nicht.

Diese singuläre Form des Nationalismus wurde den Judäern erstmals im Deuteronomium als Jahwes „Gesetz“ schmackhaft gemacht, das dieser Mose wortwörtlich offenbart habe. Die Vorstellung der Weltherrschaft durch Vernichtung wird im zweiten Kapitel des Deuteronomium in Form jener Ansprachen eingeführt, von denen Dr. Kastein schreibt, Mose habe sie „unmittelbar vor seinem Tode jenseits des Jordan gehalten“:

„Und der Herr sprach zu mir: […] Von heute an will ich Furcht und Schrecken vor dir auf alle Völker unter dem ganzen Himmel legen, damit, wenn sie von dir hören, ihnen bange und weh werden soll vor deinem Kommen.“ (5. Mose 2,1; 2,25)

Zum Beweis dafür, dass Jahwe es ernst meint, wird sogleich das Schicksal zweier Völker geschildert. Der König von Sihon „zog aus uns entgegen mit seinem ganzen Kriegsvolk zum Kampf nach Jahza. Aber der HERR, unser Gott, gab ihn vor unseren Augen dahin, dass wir ihn schlugen mit seinen Söhnen und seinem ganzen Kriegsvolk. Da nahmen wir zu der Zeit alle seine Städte ein, an Männern, Frauen und Kindern, und ließen niemand übrigbleiben. Nur das Vieh raubten wir für uns und die Beute aus den Städten, die wir eingenommen hatten.“ (5. Mose 2,32-35) Genau gleich erging es darauf dem König von Basa. Dass die Sieger niemanden übrigbleiben lassen, ist ein regelmäßig wiederkehrendes Leitmotiv derartiger Schilderungen.

Auf diese ersten Beispiele der Macht Jahwes, die Heiden mit Stumpf und Stiel auszurotten, folgt die später oft wiederholte Warnung, er werde sein auserwähltes Volk bestrafen, indem er es unter die Ungläubigen zerstreue, falls es seine „Gebote und Rechte“ missachte. Bald darauf folgen die zehn Gebote, doch deren Gültigkeit wird sofort durch eine Flut jener Befehle außer Kraft gesetzt, welche die Ausrottung ganzer Volksstämme gebieten:

„Wenn dich der HERR, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her, die Hethiter, Girgasiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind als du, und wenn sie der HERR, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und keine Gnade gegen sie üben, und sollst dich nicht mit ihnen verschwägern; eure Töchter sollt ihr nicht geben euren Söhnen, und ihre Töchter nicht nehmen für eure Söhne. Denn sie werden eure Söhne mir abtrünnig machen, dass sie anderen Göttern dienen; so wird dann des HERRN Zorn entbrennen über euch und euch bald vertilgen. Sondern so sollt ihr mit ihnen tun: Ihre Altäre sollt ihr einreißen, ihre Steinmale zerbrechen, ihre heiligen Pfähle abhauen und ihre Götzenbilder mit Feuer verbrennen. […] Lass dir nicht grauen vor ihnen; denn der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, der große und schreckliche Gott. Er, der HERR, dein Gott, wird diese Leute ausrotten vor dir, einzeln nacheinander. Du kannst sie nicht auf einmal vertilgen, damit sich nicht die wilden Tiere wider dich vermehren. Der HERR, dein Gott, wird sie vor dir dahingeben und wird eine große Verwirrung über sie bringen, bis er sie vertilgt hat, und wird ihre Könige in deine Hände geben, und du sollst ihren Namen auslöschen unter dem Himmel. Es wird dir niemand widerstehen, bis du sie vertilgt hast.“ (5. Mose 7,1-5; 7,21-24)

Im 20. Jahrhundert maßen die Nationen des Abendlandes diesen Aufrufen zu Mord und Vernichtung keine Bedeutung mehr bei, doch die direkt davon betroffenen Völker dachten anders. So flohen die arabischen Einwohner Palästinas nach dem Massaker von Deir Yassin in hellen Scharen aus ihrer Heimat, weil jedermann wusste, welches Signal ihnen die Mörder mit dieser Tat übermittelt hatten: Wenn sie zurückblieben, würden auch sie „ausgerottet“, „vertilgt“ und „ausgelöscht“ werden.

Sie wussten, dass die Zionistenführer im Laufe ihrer Verhandlungen mit britischen und amerikanischen Politikern unmissverständlich klargestellt hatten, dass sie die Bibel als „ihr Mandat“ betrachteten (Dr. Chaim Weizmann), und dass dies eine Anspielung auf jene Stellen im Alten Testament war, in denen anderen Volksstämmen die Vernichtung angedroht wird, mochten die westlichen Politiker dies auch nicht wahrhaben wollen. Sie wussten, dass der Westen die Eindringlinge unterstützt hatte und auch weiterhin unterstützen würde und dass ihre einzige Hoffnung auf Überleben in der Flucht lag. Die im Jahre 1948 verübte Schlächterei von Deir Yassin war nichts weiter als die wortwörtliche Befolgung jener „Gebote und Rechte“, die im siebten Kapitel jenes Gesetzeskodexes stehen, welchen die Leviten vervollständigt und im Jahre 621 v. Chr. vor dem Volk verlesen hatten.

Mose zählt die „Gebote und Rechte“ auf, die sein Volk zu erfüllen hat:

„Zerstört die heiligen Stätten, wo die Heiden, die ihr vertreiben werdet, ihren Göttern gedient haben, es sei auf hohen Bergen, auf Hügeln oder unter grünen Bäumen, und reißt um ihre Altäre und zerbrechet ihre Steinmale und verbrennt mit Feuer ihre heiligen Pfähle, zerschlagt die Bilder ihrer Götzen und vertilgt ihren Namen von jener Stätte. […] Wenn der HERR, dein Gott, vor dir her die Völker ausrottet, zu denen du kommst, ihr Land einzunehmen, und du es eingenommen hast und darin wohnst, so hüte dich, dass du dich nicht verführen lässt, es ihnen nachzutun, nachdem sie vertilgt sind vor dir, und dass du nicht fragst nach ihren Göttern. (5. Mose 2-3,29-30)

Das Gesetz auferlegt den Gläubigen also, andere Religionen mitsamt ihren Heiligtümern zu vernichten. Hatte es sich ursprünglich unterschiedslos gegen alle nichtjüdischen Glaubensbekenntnisse gerichtet, so erhielt es viele Jahrhunderte später, nach dem Entstehen des Christentums und der massenhaften Einwanderung von Juden in christliche Länder, eine spezifisch antichristliche Stoßrichtung. Die zu neun Zehnteln dem Ostjudentum entstammten bolschewistischen Führer befolgten den im Deuteronomium erlassenen Befehl, die Altäre der Nichtjuden umzureißen, ihre Steinmale zu zerbrechen und die Bilder ihrer „Götzen“ zu zerschlagen, indem sie russische Kathedralen sprengten.

Die Inquisition zur Aufspürung von Häretikern sowie das Denunziantentum sind Erscheinungen, die das Abendland in seinen rückständigen Perioden gekannt, in seinen aufgeklärten jedoch verworfen hat. Auch diese Phänomene dürften auf das Deuteronomium zurückgehen, es lasse sich eine frühere Quelle ausfindig zu machen. Im dreizehnten Kapitel des Deuteronomium heißt es:

„Wenn ein Prophet oder Träumer unter euch aufsteht und dir ein Zeichen oder Wunder ankündigt und das Zeichen oder Wunder trifft ein, von dem er dir gesagt hat, und er spricht: Lasst uns anderen Göttern folgen, die ihr nicht kennt, und ihnen dienen, so sollst du nicht gehorchen den Worten eines solchen Propheten oder Träumers; denn der HERR, euer Gott, versucht euch, um zu erfahren, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebhabt. […] Der Prophet aber oder der Träumer soll sterben, weil er euch gelehrt hat, abzufallen von dem HERRN, eurem Gott… […] Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lasst uns hingehen und anderen Göttern dienen… […] so willige nicht ein und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge ihn nicht schonen, und du sollst dich seiner nicht erbarmen und seine Schuld nicht verheimlichen, sondern sollst ihn zu Tode bringen. Deine Hand soll die erste wider ihn sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volks. Man soll ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich abbringen wollen von dem HERRN, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat, auf dass ganz Israel aufhorche und sich fürchte und man nicht mehr solch Böses tute unter euch.“ (5. Mose 13,2-12)

Das Verzeigen von Verwandten, die der Ketzerei verdächtigt werden, ist also Gesetz. Dieser terroristische Grundsatz wurde in Russland 1917 von den Bolschewisten eingeführt. Die christliche Welt bekundete damals ihren Abscheu vor solch barbarischen Praktiken, doch die ideologische Grundlage letzterer wird im Deuteronomium unmissverständlich formuliert: Verwandte und Freunde, die einen Angehörigen des auserwählten Volkes dazu verführen wollen, „anderen Göttern zu dienen“, sind zu verzeigen und zu steinigen.

Bezeichnenderweise heißt es im Deuteronomium, die Hand des Verwandten oder Freundes solle „die erste wider ihn sein“, und erst anschließend solle „das ganze Volk“ seine Hand gegen den Frevler erheben. Dieses „Gebot“ wird noch in unseren Tagen befolgt, soweit es die örtlichen Umstände zulassen. Natürlich kann man Abtrünnige in einer nichtjüdischen Gesellschaft nicht öffentlich steinigen, denn nach dem Gesetz des „Fremdlings“ wäre dies ja Mord. Deshalb tritt an die Stelle der Todesstrafe eine Zeremonie, bei welcher der Ketzer formell für tot erklärt und betrauert wird. In seinem 1955 erschienenen Buch All the Doors were opened hat Dr. John Goldstein sowohl diese symbolischen Riten als auch einen darauf folgenden Versuch beschrieben, die Todesstrafe tatsächlich zu vollziehen. Dies war im Lauf der Jahrhunderte in geschlossenen jüdischen Gemeinden, wo das Gesetz des „Fremdlings“ nicht hinreichte, oftmals der Fall.

Das Gesetz verlangt die Ausrottung der Einwohnerschaft ganzer Städte, wenn diese der Apostasie für schuldig befunden worden ist: „Wenn du von irgendeine Stadt, die dir der HERR, dein Gott, gegeben hat, darin zu wohnen, sagen hörst: Es sind etliche heillose Leute aufgetreten aus deiner Mitte und haben die Bürger ihrer Stadt verführt und gesagt: Lasst uns hingehen und anderen Göttern dienen, die ihr nicht kennt, so sollst du gründlich suchen, forschen und fragen. Und wenn sich findet, dass es gewiss ist, dass solch ein Gräuel unter euch geschehen ist, so sollst du die Bürger dieser Stadt erschlagen mit der Schärfe des Schwerts und an ihr den Bann vollstrecken, an allem, was darin ist, auch an ihrem Vieh, mit der Schärfe des Schwerts. Und alles, was in ihr erbeutet wird, sollst du sammeln mitten auf dem Marktplatz und mit Feuer verbrennen die Stadt und all ihre Beute als ein Ganzopfer für den HERRN, deinen Gott, dass sie in Trümmern liege für immer und nie wieder aufgebaut werde.“ (5. Mose 13,13-17)

Bezüglich des Vernichtens unterscheidet das Deuteronomium zwischen nahen (d.h. in Kanaan gelegenen) und fernen Städten. Wenn eine „ferne“ Stadt erobert worden ist, gilt: „Und wenn sie der HERR, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was männlich darin ist, mit der Schärfe des Schwerts erschlagen. Nur die Frauen, die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, und alle Beute sollst du unter dir austeilen und sollst essen von der Beute deiner Feinde, die dir der HERR, dein Gott, gegeben hat.“ (5. Mose 20,13-15) Das die Frauen der eroberten Städte als Beute in den Besitz des „Gottesvolkes“ übergehen sollen, ist ein mehrfach wiederkehrendes Thema; so heißt es in 5. Mose 21,10-14, wenn ein Jude unter den Gefangenen „ein schönes Mädchen“ sehe, dürfe er sie in sein Haus führen, doch wenn er keinen Gefallen mehr an ihr finde, solle er sie wieder gehen lassen.

Anders verhält es sich bei einer „nahen“ Stadt; diese verfällt laut dem Gesetz der vollständigen Vernichtung: „Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erben geben will, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken.“ (5. Mose 20,16-17) Diese Stelle liefert abermals eine Erklärung für die Massenflucht der palästinensischen Araber nach Deir Yassin, dessen Bevölkerung restlos abgeschlachtet worden war. Somit wurde ein Gesetz aus dem Jahre 621 v. Chr. im Jahre 1948 n. Chr. wortwörtlich befolgt, und die geballte Macht des Westens stand hinter der Erfüllung dieses Gesetzes, das die völlige Vernichtung der Besiegten vorsah.

Im vierzehnten Kapitel des Deuteronomium lesen wir: „… du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott, und der HERR hat dich erwählt, dass du sein Eigentum seist, aus allen Völkern, die auf der Erde sind.“ (5. Mose 14,2) Der Genuss von Aas ist den Juden verboten, aber: „Dem Fremdling in deiner Stadt darfst du’s geben, dass er’s esse oder dass er’s verkaufe einem Ausländer, denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott.“ Alle sieben Jahre sollen die Kinder Israels „ein Erlassjahr halten“, von dem Fremdlinge allerdings nicht profitieren: „Wenn einer seinem Nächsten etwas geborgt hat, der soll’s ihm erlassen und soll’s nicht eintreiben von seinem Nächsten oder von seinem Bruder; denn man hat ein Erlassjahr ausgerufen dem HERRN. Von einem Ausländer darfst du es eintreiben; aber dem, der dein Bruder ist, sollst du es erlassen.“ (5. Mose 15,2-3)

Gewiss, im zehnten Kapitel des Deuteronomium heißt es, die Juden müssten „auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland“ (5. Mose 10,19). Dieser Satz wirkt in diesem Zusammenhang jedoch wie ein Fremdkörper und wird in Kapitel 23 durch folgende, uns bereits vertraut anmutende Ermahnung wieder aufgehoben: „Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen, weder für Geld noch für Speise noch für alles, wofür man Zinsen nehmen kann. Von dem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, aber nicht von deinem Bruder…“ (5. Mose 23,20-21) – Einem noch krasseren Beispiel für diese unterschiedliche Behandlung des Volksgenossen und des Fremden werden wir im Buch Hesekiel begegnen.

Das Deuteronomium endet mit einer langen, beschwörenden Litanei von Segnungen und Flüchen. Vor seinem Tod mahnt Mose das Volk einmal mehr, zwischen beiden zu wählen, und beide werden in großer Ausführlichkeit geschildert.

Die Segnungen sind durchwegs rein materieller Art: Wohlstand durch die Mehrung von Familie, Ertrag und Besitz, den Sieg über die Feinde und die Herrschaft über die Welt. „Wenn du nun der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst und tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, so wird dich der HERR, dein Gott, zum höchsten über alle Völker auf Erden machen, und weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorsam gewesen bist, werden über dich kommen und dir zuteil werden alle diese Segnungen. […] Und du wirst vielen Völkern leihen, aber von niemandem borgen. Und der HERR wird dich zum Kopf machen und nicht zum Schwanz, und du wirst immer aufwärts steigen und nicht heruntersinken…“ (5. Mose 28,1; 28,13)

Die Segnungen umfassen dreizehn Verse, die Flüche fünfzig bis sechzig. Die Gottheit, in deren Namen diese Flüche ausgesprochen werden, ist eindeutig imstande, Böses zu tun, was in einem späteren Buch des Alten Testaments, Hesekiel, denn auch ausdrücklich betont wird.

Die jüdische Religion Fußt letztlich auf Furcht und Schrecken, und die Liste der Flüche im 28. Kapitel des fünften Buch Mose zeigt die Bedeutung, welche die Priesterschaft der (bei orthodoxen Juden heute noch lebendigen) Praxis des Verfluchens beimaß. Es sei in Erinnerung gerufen, dass diese Flüche nicht etwa eine Strafe für unmoralisches Verhalten, sondern eine für Nichtbefolgung des Gesetzes darstellen: „Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des HERRN, deines Gottes, und wirst nicht halten und tun all seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden all diese Flüche über dich kommen und dich treffen: Verflucht wirst du sein in der Stadt, verflucht wirst du sein auf dem Acker. Verflucht wird sein dein Korb und dein Backtrog. Verflucht wird sein die Frucht deines Leibes, der Ertrag deines Ackers, das Jungvieh deiner Rinder und Schafe. Verflucht wirst du sein bei deinem Eingang und verflucht bei deinem Ausgang.“ (5. Mose 28,15-19)

Pest, Auszehrung, Entzündung Getreidebrand, Dürre, Aussatz, Pocken, Grind, Krätze, Blindheit und Wahnsinn sind die angedrohten Strafen für Ungehorsam gegenüber dem Gesetz. „Mit einem Mädchen wirst du dich verloben, aber ein anderer wird es nehmen. […] Deine Söhne und deine Töchter werden einem andern Volk gegeben werden, dass deine Augen zusehen müssen und täglich vor Verlangen nach ihnen vergehen, und in deinen Händen wird keine Kraft mehr sein. […] Ein Mann unter euch, der zuvor verwöhnt und in Üppigkeit gelebt hat, wird seinem Bruder und der Frau in seinen Armen und dem Sohn, der noch übrig ist von seinen Söhnen, nichts gönnen von dem Fleisch seiner Söhne, das er isst, weil ihm nichts übriggeblieben ist von allem Gut in der Angst und Not, mit der dich dein Feind bedrängen wird in allen deinen Städten.“ (5. Mose 28,30; 28,32; 28,54-55)

Diese fürchterlichen Drohungen waren in dem großen Bannfluch enthalten, der bis in die Neuzeit gegen Abtrünnige ausgesprochen wurde, und sind in den Hochburgen des talmudischen Judentums vermutlich heute noch Gang und Gebe.

Die erwähnten Katastrophen und Seuchen, warnt Mose, würden das Volk heimsuchen, „wenn du nicht darauf hältst, dass du alle Worte dieses Gesetzes tust, die in diesem Buch geschrieben sind, und nicht fürchtest den herrlichen und heiligen Namen, den HERRN, deinen Gott. (5. Mose 28,58) „Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem ihr den HERRN, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm anhanget.“ (5. Mose 30,19-20)

Dieser Art waren also die Verlockungen und Drohungen, mit denen die Judäer, die sich 621 v. Chr. im Tempel zu Jerusalem versammelt hatten, von ihrem Stammeshäuptling Josia, dem Sprecher der Priesterschaft, konfrontiert wurden. Laut diesem „Mosaischen Gesetz“ bestand der Zweck und Sinn ihres Lebens darin, andere Völker zu vernichten oder zu versklaven, damit sie sich ihres Eigentums bemächtigen und Macht ausüben konnten. Von jenem Augenblick an konnte sich Israel glücklich schätzen, für tot erklärt worden und von der Teilnahme an einer solchen Welt ausgeschlossen worden zu sein. Die Israeliten waren in den pulsierenden Blutstrom der Menschheit eingegangen, während die Judäer an dessen Ufern gestrandet waren und sich in den Klauen einer fanatischen Priesterschaft befanden, die ihnen unter Androhung all dieser Flüche befahlen, zu zerstören .

Das Entsetzen, das diese Flüche hervorriefen, wurde von den Leviten wie folgt gemildert: „Wenn nun dies alles über dich kommt, sei es der Segen oder der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es zu Herzen nimmst, wenn du unter den Heiden bist, unter die dich der HERR, dein Gott, verstoßen hat, und du dich bekehrst zu dem HERRN, deinem Gott, dass du seiner Stimme gehorchst, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und von ganzer Seele in allem, was ich dir heute gebiete, so wird der HERR, dein Gott, deine Gefangenschaft wenden und dich deiner erbarmen und wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, unter die dich der HERR, dein Gott, verstreut hat. […] Aber all diese Flüche wird der HERR, dein Gott, auf deine Feinde legen und auf die, die dich hassen und verfolgen.“ (5. Mose 30,1-3; 30,7) Wenn Jahwe die Flüche auf die Feinde seines Volkes legt, dann nicht etwa, weil diese gesündigt hätten, sondern lediglich, um den Segen, der den begnadigten Judäern zuteil wird, noch zu mehren!

Dieser Satz enthüllt in aller Deutlichkeit, welchen Status das Deuteronomium für die Nichtjuden vorsieht. In letzter Konsequenz besitzen diese überhaupt kein Existenzrecht; wie könnten sie auch eines besitzen, wenn Jahwe „nur sein heiliges Volk kennt“? Dass die Nichtjuden vorderhand noch existieren dürfen, erklärt sich einzig und allein mit den Aufgaben, die ihnen in den zitierten Passagen des Deuteronomiums zugewiesen werden: Sie müssen die Judäer aufnehmen, wenn diese zur Strafe für ihre Nichtbefolgung des Gesetzes zerstreut werden, und später, wenn die Judäer ihre Sünden bereut und Vergebung erlangt haben, die von ihnen genommenen Flüche erben. Gewiss, die Verfluchung der Nichtjuden wird im letzten der zitierten Sätze damit begründet, dass sie Jahwes Volk „hassen und verfolgen“, doch wie kann man ihnen dies zur Last legen, wenn der Hass und die Verfolgung, unter denen die Judäer zu leiden haben, nichts weiter als die Konsequenz des Fluchs ist, den Jahwe über sie verhängt hat? Immerhin hat dieser selbst entschieden, sein Volk zu „zerstreuen unter alle Völker von einem Ende der Erde bis ans andere, und du wirst dort anderen Göttern dienen, die du nicht kennst noch deine Väter: Holz und Steinen. Dazu wirst du unter jenen Völkern keine Ruhe haben, und deine Füße werden keine Ruhestatt finden.“ (5. Mose 28,64-65)

Im Deuteronomium finden wir auf Schritt und Tritt das, was George Orwell „Doppelsprech“ nennt: Der Herr hat sein auserkorenes Volk zur Strafe für seine Nichtbefolgung des Gesetzes heimatlos gemacht und unter die Heiden zerstreut. Diese tragen weder für die Zerstreuung noch für den Ungehorsam der Judäer auch nur die geringste Verantwortung, sind aber dennoch „Verfolger“ und müssen deshalb ausgerottet werden.

Wer sich diese und ähnliche Passagen zu Gemüte führt, vermag die jüdische Einstellung gegenüber dem Rest der Menschheit, der Schöpfung und dem Universum besser zu verstehen, insbesondere das Gejammer über die unaufhörliche Verfolgung der Juden, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte jüdische Literatur zieht. Wer das Deuteronomium als sein Gesetz anerkennt, für den ist allein schon die Existenz anderer Völker Verfolgung; dies geht aus dem Text des fünften Buchs Mose klar hervor.

Die nationalistischsten und die aufgeklärtesten Juden sind sich in einem Punkt oft einig: Sie sind außerstande, die Welt und das Weltgeschehen anders als von einem jüdischen Standpunkt aus zu betrachten, und aus dieser Warte scheint der „Fremdling“ unwichtig. Diese Denkstruktur ist das Erbe von fünfundzwanzig Jahrhunderten jüdischen Glaubens; auch jene Juden, welche die Abartigkeit dieses Glaubens einsehen, vermögen es längst nicht immer, ihre Seele und ihren Geist vollständig von dem Dämon zu befreien.

Die letzte von uns angeführte Passage aus dem Deuteronomium zeigt, dass die herrschende Sekte die Zerstreuung des auserwählten Volkes zugleich als Folge einer Handlung Gottes und als Verfolgung seitens der Gastvölker deuten, wobei diese zur Strafe mit den ursprünglich gegen die Auserwählten selbst gerichteten Flüchen bedacht werden. Für dermaßen egozentrisch denkende Menschen ist ein politisches Verbrechen, dem 95 Nichtjuden und 5 Juden zum Opfer fallen, bloß eine jüdische Katastrophe. Dies ist noch nicht einmal bewusste Heuchelei. Im zwanzigsten Jahrhundert ist dieses Denkschema anderen Völkern aufgenötigt worden und findet auf alle größeren Tragödien des Westens Anwendung. Somit leben wir in einem Jahrhundert des levitischen Betrugs.

Nachdem der Mose des Deuteronomium den Judäern in Aussicht gestellt hat, sämtliche Flüche würden auf die Nichtjuden abgewälzt, wenn die Judäer sich an all seine „Gebote und Rechte“ hielten, beglückt er sie zum Schloss noch mit einer neuen Verheißung: „Der HERR, dein Gott, wird selbst vor dir hergehen. Er selber wird diese Völker vor dir her vertilgen, damit du ihr Land einnehmen kannst.“ (5. Mose 31,3) Darauf segnet Mose im Lande Moab das Zeitliche. Das gelobte Land hat er noch gesehen, aber nicht betreten.

Im Mosaischen Gesetz nahm eine zerstörerische Idee Gestalt an, die sich viele Jahrhunderte später zur tödlichen Bedrohung für die christliche Zivilisation des Abendlandes entwickeln sollte. Während der christlichen Ära beschloss ein Rat von Theologen, das Alte und das Neue Testament sollten gemeinsam zu einem Buch gebunden werden. Sie galten als gleichberechtigt, als sei das Alte Testament der Stamm und das Neue die Blüte. Eine vor mir liegende Enzyklopädie vermeldet lakonisch, für die christlichen Kirchen sei das Alte Testament „ebenso göttlichen Ursprungs“ wie das Neue. Diese vorbehaltlose Akzeptanz, die wohlverstanden für das gesamte Alte Testament gilt, hat in den christlichen Kirchen sowie bei den christlichen Massen zweifellos viel Verwirrung angerichtet, weil das Dogma von der Gleichwertigkeit der beiden Testamente den Glauben an einander entgegengesetzte Dinge erfordert. Wie kann ein und derselbe Gott den Menschen in den Gesetzen, die er Mose offenbarte, einerseits befohlen haben, nicht zu töten und das Gut ihres Nachbarn nicht zu begehren, andererseits jedoch, eben diesen Nachbarn auszurauben und umzubringen? Wie kann man den liebenden Gott aller Menschen, den das Neue Testament lehrt, mit der rachsüchtigen und grausamen Gottheit des Deuteronomium gleichsetzen?

Wenn das Alte Testament einschließlich der im vorhergehenden zitierten blutrünstigen Gesetze und Befehle jedoch tatsächlich „ebenso göttlichen Ursprungs“ ist wie das Neue, durfte sich der weiße Mann in der Tat darauf berufen, wenn er Dinge tat, die der christlichen Zivilisation zur Schande gereichten: Der Import afrikanischer Sklaven nach Amerika durch die britischen Siedler; die Behandlung der Indianer auf dem nordamerikanischen Kontinent; die harte Herrschaft der Buren über die Bantuvölker Südafrikas. Dann durfte der weiße Mann die Verantwortung für all dies mit Fug und Recht seinen christlichen Priestern oder Bischöfen anlasten, die ihm versichert hatten, das Alte Testament, in dem unzählige Male befohlen wird, zu morden, zu knechten und zu plündern, sei „ebenso göttlichen Ursprungs“ wie das Neue. Kein christlicher Geistlicher, welcher desgleichen lehrt, darf sich schuldlos nennen. Der von Theologen getroffene Entscheid zur Verkündung dieses Dogmas hat über das Christentum und die kommenden Jahrhunderte den Schatten des Deuteronomium geworfen, so wie er auf die Judäer fiel, als es ihnen im Jahre 621 v. Chr. vorgelesen wurde.

Nur ein einziges anderes Buch hat vergleichbare Wirkung auf den Geist der Menschen und künftiger Generationen ausgeübt wie das Deuteronomium, nämlich das Neue Testament. Man vereinfacht nur wenig, wenn man die gesamte Geschichte des Abendlandes, insbesondere jene unseres schicksalhaften zwanzigsten Jahrhunderts, als Kampf zwischen dem Gesetz Mose und dem Neuen Testament sowie zwischen den zwei Teilen der Menschheit auffasst, von denen der eine die Botschaft des Hasses und der andere die Botschaft der Liebe vertritt.

Mit dem Deuteronomium schlug zugleich die Geburtsstunde des Judentums. Wäre dessen Einfluss auf die Leviten und die von ihnen versklavten Judäer beschränkt geblieben, so wäre dies freilich eine Totgeburt gewesen, und die Menschheit hätte nie etwas vom Mosaischen Gesetz erfahren. Schließlich waren die Judäer gering an Zahl, und selbst ein hundertfach stärkeres Volk hätte nie und nimmer hoffen dürfen, diese barbarische Doktrin der gesamten Welt mit roher Gewalt aufzunötigen. Der einzige Weg, auf dem das Mosaische Gesetz Macht und Einfluss gelangen konnte, bestand darin, in den folgenden Jahrhundert ein Element der Zerstörung in das Leben anderer Völker einzubringen, und dies war nur dann möglich, wenn ein mächtiger „Fremdling“ (welcher natürlich genauso verflucht wurde wie alle anderen „Fremdlinge“), ein starker König der „Heiden“ (dessen Endgeschick selbstverständlich die Vernichtung war), die Träger dieses Gesetzes mit seinen Waffen und seinen Schätzen unterstützte.

Genau dies geschah, als Josia dem Volk anno 621 v. Chr. das Zweite Gesetz vorlas, und genau dies sollte sich in späteren Jahrhunderten bis in unsere Tage regelmäßig wiederholen. Mochte die Wahrscheinlichkeit, dass sich dergleichen ereignen würde, auch verschwindend gering sein, so lässt sich doch hieb- und stichfest nachweisen, dass es geschehen ist! Die Herrscher der „anderen Nationen“, die nach dem Gesetz Mose auszuplündern und auszurotten waren, nahmen die Anhänger dieses zerstörerischen Glaubens immer wieder unter ihre Fittiche, machten sich zu Schirmherren ihrer herrschenden Sekte und halfen dieser bei der Verwirklichung ihrer monströsen Ziele. Dies alles taten diese Herrscher auf Kosten ihrer eigenen Völker.

Um das Jahr 596 v. Chr. herum, also etwa zweieinhalb Jahrzehnte nach der Verlesung des Deuteronomium, wurde Juda von den Babyloniern erobert. Vor dem Hintergrund der damaligen bahnbrechenden Umwälzungen war dies nichts weiter als eine unbedeutende Episode, die jedoch den Schlussstrich unter das kurze judäische Experiment zu setzen schien. In der Tat sollte Juda niemals wieder als unabhängiger Staat existieren, und wären die Leviten, das Zweite Gesetz und die fremden Helfer nicht gewesen, so wären die Judäer wie vor ihnen die Israeliten in der Menschheit aufgegangen.

Doch es kam anders. Der Sieg Babylons war nicht der Endpunkt, sondern der Ausgangspunkt einer Entwicklung, deren Folgen für den Rest der Welt wahrhaftig ungeheuerlich sein sollten. Anstatt in Babylon in Vergessenheit zu geraten, wurde das Gesetz dort stärker, weil ihm erstmals ein fremder König seinen Schutz verlieh. Zum ersten Mal wurde die Idee von einem Staat im Staate, einer Nation in der Nation, in die Praxis umgesetzt, und die Judäer sammelten ihre erste Erfahrung darin, wie man durch Unterwanderung eines fremden Staates Macht gewinnt. Für die anderen Völker braute sich damals allerlei Unheil zusammen.

Zum unglücklichsten aller Völker scheinen freilich die Judäer, oder Juden, selbst geworden zu sein. Der jüdische Schriftsteller Maurice Samuel, schrieb 1924 in seinem Buch You Gentiles: „Wir Juden, die Zerstörer, werden für immer Zerstörer bleiben… Nichts, was die Nichtjuden tun, wird unsere Bedürfnisse und Forderungen je zu befriedigen vermögen.“

Auf den ersten Blick wirkt dies wie frecher Hohn, doch wer den Streit um Zion gewissenhaft erforscht hat, hört hier eher einen Aufschrei der Hoffnungslosigkeit – den Aufschrei eines zutiefst unglücklichen Menschen, der spürt, dass er der gnadenlosen Lehre von der Zerstörung, die das Mosaische Gesetz predigt, nicht entrinnen kann.

Kapitel 4

Die Ketten werden geschmiedet

Die babylonische Episode hatte äußerst weitreichende Folgen, damals für den kleinen Staat Juda und heute für die gesamte westliche Welt. Während dieser Periode taten die Leviten Dinge, welche das Leben der Völker nachhaltig beeinflussen sollten. Sie verfassten nach dem Deuteronomium vier weitere Bücher und begründeten damit ein auf rassischer und religiöser Intoleranz Fußendes Gesetz, das, konsequent durchgesetzt, die Judäer für alle Zeiten vom Rest der Menschheit absondern musste. Mittels Experimenten entwickelten sie in Babylon Methoden zur Erzwingung dieses Gesetzes und sorgten somit dafür, dass sich die Judäer strikt von ihrem Gastvolk abgrenzten. Es gelang den Leviten, das Vertrauen der Babylonier zu gewinnen, worauf sie ihre privilegierte Position prompt nutzten, um Babylons Verderben herbeizuführen. Dies besagt zumindest ihre Version der Geschichte, die sie der Nachwelt überlieferten; die Nachwelt akzeptierte diese Version als wahr und begann in den Judäern eine unwiderstehliche, zerstörerische Kraft zu sehen.

Die erste „Gefangenschaft“, die ägyptische, scheint reine Legende zu sein; was wir aus anderen Quellen wissen, widerspricht dieser Geschichte, und da das Buch Exodus nach der babylonischen Gefangenschaft niedergeschrieben wurde, spricht vieles dafür, dass die levitischen Schreiber die Knechtschaft im Ägyptenlande sowie die Plagen, mit denen Jahwe die Ägypter züchtigte, erfunden haben, um ihrer Version der babylonischen Gefangenschaft, die damals im Entstehen begriffen war, mit einem ideologischen Unterbau zu versehen.

Wie dem auch sei, das wahre Schicksal der Judäer in Babylon dürfte recht wenig mit der in den levitischen Schriften festgelegten Version zu tun haben, laut der ein ganzes Volk in die Knechtschaft verschleppt wurde, jedoch später in großen Scharen in seine Heimat zurückkehrte. Ein Massenauszug von Gefangenen aus Babylon nach Jerusalem kann sich nicht zugetragen haben, weil sich die Mehrheit der Judäer, aus denen später die Juden hervorgehen sollten, zum damaligen Zeitpunkt bereits freiwillig über zahlreiche Länder westlich und östlich von Juda zerstreut hatte, wo die Bedingungen für den Handel günstig waren.

In jener Hinsicht bot sich schon damals ein ganz ähnliches Bild dar wie heute. In Jerusalem hielt sich lediglich der harte Kern der Judäer auf, d.h. in erster Linie die fanatischsten Anhänger des Tempelkults sowie Menschen, die in Juda ihrem Broterwerb nachgingen. Die Historiker sind sich darüber einig, dass nicht mehr als einige zehntausend Judäer nach Babylon verschleppt worden sind und dass diese lediglich eine kleine Minderheit der Gesamtbevölkerung ausmachten.

Die Zerstreuung der Judäer war kein geschichtlich einzigartiges Phänomen, wie in den Klageliedern behauptet wird: Die indischen Parsen wurden während derselben Periode ebenfalls unter ganz ähnlichen Umständen unter die Völker zerstreut und überlebten den Verlust ihres Landes und Staates als Glaubensgemeinschaft in der Diaspora. Auch in späteren Jahrhunderten gab es viele rassische oder religiöse Gruppen, die weit entfernt von ihrer Urheimat lebten und überlebten. Nach einigen Generationen betrachten die Angehörigen einer solchen Gruppe die Heimat ihrer Ahnen einfach als „das alte Land“, und die religiösen unter ihnen blickten beim Beten in der Richtung, in der eine ihnen heilige Stadt (wie Rom oder Mekka) lag. Der Unterschied zu den Judäern bestand darin, dass das alte Land und die heilige Stadt bei diesen zusammenfielen, die Jahwe-Religion eine triumphale Rückkehr sowie die Wiedererrichtung des Tempelkults auf den Leichen der erschlagenen Heiden verlangte und diese Religion gleichzeitig als Alltagsgesetz diente, was bedeutete, dass ein weltliches politisches Programm, eine nationalistische Stammesideologie, zugleich Glaubensbekenntnis war. Vergleichbare Religionen dieser Art sind schon in alter Zeit verkümmert; nur diese eine überlebte, um durch all die Jahrhunderte hindurch die Existenz anderer Völker negativ zu beeinflussen, bis hin in unsere Tage, wo ihre zerstörerischen Auswirkungen besonders krass zutage treten.

Dies alles war das direkte Ergebnis der Experimente, welche die Leviten in Babylon anstellten, sowie der Erfahrungen, die sie sammelten, als sie die von ihnen kodifizierte Religion erstmals in einer fremden Umgebung testen konnten. Die Toleranz, mit der die babylonischen Eroberer ihren judäischen Gefangenen begegneten, unterschied sich radikal von der den Judäern eingetrichterten Ideologie, denn immerhin befahl das Zweite Gesetz letzteren, die Besiegten restlos auszurotten. Dr. Kastein meint, die Verschleppten hätten in Babylon „völlige Freiheit“ bei der Ausübung ihres Glaubens sowie bei der Wahl von Wohnort und Beruf genossen und ein Recht auf Selbstverwaltung besessen. Diese Großzügigkeit der Sieger bot den Leviten die Möglichkeit, weitgehend freie Menschen tatsächlich in Gefangene zu verwandeln; auf Geheiß ihrer Priester mussten sie sich in geschlossenen Wohnbezirken ansiedeln, womit die Geburtsstunde des Ghettos geschlagen hatte und die Leviten diktatorische Macht über das Fußvolk errangen. Die talmudischen Gesetze der nachchristlichen Zeit, welche die Exkommunizierung von Juden vorsahen, die jüdisches Eigentum ohne Erlaubnis der Leviten an „Fremdlinge“ verkauft hatten, gehen auf dieses erste Experiment der Selbstabsonderung in Babylon zurück.

Um ihre Gemeinde an die Kandare nehmen zu können, bedurften die Priester der Unterstützung durch die Herrscher des Gastvolkes. Diese Unterstützung erhielten sie in der Tat, und später hat sich dasselbe Trauerspiel unzählige Male wiederholt.

Nun, wo sie ihr Volk fest im Griff hatten, konnten sich die Leviten der Aufgabe zuwenden, das „Gesetz“ zu vervollständigen. Die vier Bücher, die auf das Deuteronomium folgten, bildeten zusammen mit letzterem die Thora; dieses hebräische Wort bedeutete ursprünglich „Lehre“, nahm nun aber die Bedeutung „Gesetz“ an.

Streng genommen ist unsere Formulierung, wonach die Leviten das Gesetz „vervollständigt“ hatten, unrichtig, denn vervollständigt wurde einzig und allein die Thora in Gestalt der fünf Bücher Mose. Das „Gesetz“ selbst wurde nicht vervollständigt, weder damals noch später. Dies wäre schon darum ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, weil es laut dem Talmud eine „geheime Thora“ gibt; bei dieser soll es sich um die Fortsetzung der bekannten Thora handeln, und die Priester machen geltend, Gott habe ihnen das Recht verliehen, sie zu deuten. Das Gesetz wurde immer wieder geändert, meist um irgendwelche Schlupflöcher zu stopfen, die es einem „Fremdling“ hätten ermöglichen können, dieselben Rechte zu genießen wie ein „Nachbar“, d. h. ein Angehöriger der judäischen Glaubensgemeinschaft. Einige diesbezügliche Beispiele haben wir bereits angeführt; anderen werden wir uns später zuwenden. Das Ergebnis solcher Abänderungen bestand meist darin, den Hass und die Verachtung gegenüber dem „Fremdling“ noch zu steigern, indem allerlei diskriminierende Bestimmungen und Praktiken in das Gesetz eingebaut wurden.

Mit der Fertigstellung der Thora war ein gewaltiger, einzigartiger Zaun zwischen den Anhängern des Gesetzes und dem Rest der Menschheit errichtet, der freilich noch nicht ganz undurchdringlich war. Die Thora sah keinen Unterschied zwischen dem Gesetz Jahwes und dem Gesetz der Menschen, zwischen religiösem und zivilem Gesetz vor. Theologisch wie juristisch existierte das Gesetz des „Fremdlings“ für die Judäer nicht, und jeglicher Versuch, sie zu seiner Einhaltung zu zwingen, galt ihnen als „Verfolgung“, denn Jahwes Gesetz war ihr einziges Gesetz. Die Priesterschaft machte geltend, die Thora regele sämtliche Akte des Alltagslebens bis hin zu den trivialsten.

In seinem 1882 erschienenen Buch Religion of the Ancient Hebrews bemerkte C. G. Montefiore treffend, das Alte Testament sei „geoffenbarte Gesetzgebung, nicht geoffenbarte Wahrheit“ und meinte, die israelitischen Propheten könnten nichts von der Thora gewusst haben, da diese von den Leviten in Babylon abgeschlossen worden sei. Wenn der Prophet Jeremiah sagte, die Feder der Schreiber sei kraftlos, so spielte er offensichtlich auf die von den Leviten vorgenommene permanente Umschreibung des Gesetzes und auf die zahllosen „Gebote und Rechte“ an, die sie den Geboten Mose hinzufügten.

Der Begriff der „Sünde“ fehlt in der Thora völlig. Dies ist nur allzu logisch, denn ein Gesetz ahndet keine Sünden, sondern lediglich Verbrechen und Vergehen. Das einzige Verbrechen oder Vergehen, welches dieses Gesetz kannte, war Nichtbefolgung der Vorschriften. Das, was gemeinhin unter Sünde verstanden wird – ein Verstoß gegen die Moral –, wurde in manchen Fällen ausdrücklich gebilligt und ließ sich in anderen durch ein Tieropfer sühnen.

Die Vorstellung von der „Rückkehr“ war, gemeinsam mit den damit verwandten Themen der Vernichtung und der Herrschaft, die Grundlage des Dogmas, das mit diesen Konzepten stand und fiel. Allerdings empfand das Volk keinerlei Bedürfnis, nach Jerusalem zurückzukehren (auch heute lehnt die große Mehrheit der Juden eine „Rückkehr“ instinktiv ab, so dass es für den Zionistenstaat wesentlich leichter ist, im Ausland Geld einzusammeln als Einwanderer zu rekrutieren).

Die wortwörtliche Befolgung des Gesetzes war oberster Grundsatz, was bedeutete, dass der Besitz Palästinas, des „Zentrums“ des künftigen Reiches, lebenswichtig war (und ist). Seine Bedeutung war politischer Art und hing nicht davon ab, ein wie großer Teil des Judentums dort wohnte.

Rekapitulieren wir: In Babylon schrieben die Leviten die Bücher Exodus Genesis, Leviticus und Numeri. Genesis und Exodus, die beiden ersten Bücher Mose also, legten eine bestimmte Version der Geschichte fest, um einen ideologischen Unterbau für das „Gesetz“ zu schaffen, das die Leviten bereits zuvor in Gestalt des Deuteronomium kodifiziert hatten. Sie beginnt ganz am Anfang, mit der Schöpfung, deren genaues Datum die Schreiber zu kennen vorgaben. Was immer von der alten israelitischen Tradition überlebt haben mag, findet sich in Genesis und Exodus sowie in den aufgeklärten Passagen der prophetischen Bücher. Doch werden diese menschenfreundlichen Stellen mit deprimierender Regelmäßigkeit schon bald durch andere, von fanatischer Intoleranz zeugende, aufgehoben, die wohl nachträglich von den Leviten eingeschoben worden sind.

Weshalb die Leviten diese Überbleibsel des Glaubens an einen liebenden Gott aller Menschen in den Texten beließen, lässt sich nicht ohne weiteres erkennen; schließlich stehen sie in schroffstem Widerspruch zum alten Gesetz, und es wäre den Schreibern ein Leichtes gewesen, sie zu tilgen. Ein möglicher Grund liegt darin, dass die frühere mündliche Tradition bei den Stammesangehörigen zu gut bekannt war, als das man sie einfach hätte verschwinden lassen können, so dass man sie beibehielt, ihre Gültigkeit jedoch durch die Erfindung allegorischer Geschehnisse und die Hinzufügung neuer Gebote aufhob.

Obgleich Genesis und Exodus nach dem Deuteronomium geschaffen wurden, sind sie keineswegs von jenem fanatischen Stammesdenken geprägt, das im Deuteronomium ebenso wie in Leviticus und Numeri eine absolut dominierende Stellung einnimmt: Diese drei Bücher tragen den unverkennbaren Stempel levitischer Schreiber im isolierten Juda sowie in Babylon. In der Genesis hingegen findet sich nur eine einzige Passage, die eine Vorahnung des künftigen extremen Stammesdenkens vermittelt: „Und ich will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen, und in dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden.“ (1. Mose 12,2-3) Auch in Exodus findet man lediglich harmlos anmutende Stellen wie die folgende: „Wirst du […] alles tun, was ich dir sage, so will ich deiner Feinde Feind und deiner Widersacher sein.“ (2. Mose 23,22) Selbst bei diesem unverfänglichen Satz handelt es sich möglicherweise um einen nachträglich von den Leviten vorgenommenen Einschub. Allerdings geschieht hier etwas Bedeutsames: Der Bund zwischen Jahwe und seinem Volk wird mit Blut besiegelt: „Da nahm Mose das Blut und besprengte das Volk damit und sprach: Sieht, das ist das Blut des Bundes, den der HERR mit euch geschlossen hat auf Grund aller dieser Worte.“ (2. Mose 24,8) Fortan fließt das Blut in Strömen.

Mit diesem Blutritual wird das erbliche, permanente Priesteramt der Aaroniten begründet. Jahwe spricht zu Mose: „Du sollst Aaron, deinen Bruder, und seine Söhne zu dir herantreten lassen aus der Mitte der Kinder Israel, dass er mein Priester sei, er und seine Söhne…“ (2. Mose 28,1) Wie eine Priesterweihe zu verlaufen hat, wurde laut den levitischen Schreibern von Jahwe selbst in allen Einzelheiten festgelegt: „Dies ist’s, was du mit ihnen tun sollst, dass sie mir zu Priestern geweiht werden: Nimm einen jungen Stier und zwei Widder ohne Fehler. […] Und du sollst den Stier schlachten vor dem HERRN, vor der Tür der Stiftshütte, und sollst von seinem Blut nehmen und mit deinem Finger an die Hörner des Altars streichen und alles andere Blut an den Fuß des Altars schütten. […] Und den einen Widder sollst du nehmen, und Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände auf seinen Kopf legen. Dann sollst du ihn schlachten und sein Blut nehmen und ringsum an den Altar sprengen. […] Den anderen Widder aber sollst du nehmen, und Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände auf seinen Kopf legen, und du sollst ihn schlachten und von seinem Blut nehmen und es Aaron und seinen Söhnen an das rechte Ohrläppchen streichen und an den Daumen ihrer rechten Hand und an die große Zehe ihres rechten Fußes; und du sollst das Blut ringsum an den Altar sprengen. Und du sollst von dem Blut auf dem Altar nehmen und Salböl und sollst Aaron und seine Kleider, seine Söhne und ihre Kleider, damit besprengen. So werden er und seine Kleider, seine Söhne und ihre Kleider geweiht.“ (2. Mose 29,1; 29,11-12; 29,15-16; 29,19-21)

Dieses Bild blutbespritzter Priester ist des Nachdenkens wert. Ungeachtet der seit dem Erlass dieser Gebote verflossenen Zeit drängt sich die Frage auf: Warum wird in dem von den Leviten festgelegten Gesetz derartiger Nachdruck auf Blutopfer gelegt? Die Antwort dürfte in der genialen Begabung der Sekte liegen, den Menschen Furcht und Schrecken einzuflößen, denn allein schon das Wort „Blut“ ließ den frommen und abergläubischen Judäer vor Angst um seinen eigenen Sohn erzittern. Die fanatischen Priester erhoben nämlich Anspruch auf die Erstgeborenen ihrer Anhängerschaft; das Buch Exodus lässt hieran keinen Zweifel aufkommen:

„Und der HERR redete mit Mose und sprach: Heilige mir alle Erstgeburt bei den Kindern Israels; alles, was zuerst den Mutterschoss durchbricht, bei Mensch und Vieh, das ist mein.“ (2. Mose 13,1-2)

Laut einer früher zitierten Stelle aus dem Buche Micha hatte die Praxis, erstgeborene Kinder zu opfern, lange Bestand, und allein schon der Anblick der blutbefleckten Levitenpriester muss die einfachen Stammesangehörigen mit Schrecken erfüllt haben, denn in den Jahwe zugeschriebenen Worten ist ausdrücklich von der „Erstgeburt bei Mensch und Vieh“ die Rede. Dieses Gebot wirkte auch noch nach, nachdem die Priesterschaft (in einem Geniestreich, auf den wir noch zu sprechen kommen werden) die Menschenopfer in der Praxis eingestellt, den Anspruch auf die Erstgeborenen jedoch aufrechterhalten hatte. Das Blut, mit dem der Priester bespritzt wurde, mochte tierischen Ursprungs sein, symbolisierte in den Augen der Gemeindemitglieder aber immer noch das ihrer eigenen Söhne!

In den talmudischen Hochburgen des Judentums hielt sich das Ritual des Bespritzen der Priester mit Blut übrigens bis in unsere Tage und ist somit keine bloße Reminiszenz an eine graue Vorzeit. Vierundzwanzig Jahrhunderte nach der Niederschrift des Buches Exodus erklärten die reformierten Rabbiner Amerikas 1885 in Pittsburgh: „Wir erwarten weder eine Rückkehr nach Palästina noch ein Opferritual unter der Obhut der Söhne Aarons noch die Wiederinkraftsetzung irgendwelcher Gesetze, die im jüdischen Staat galten.“ Die Bedeutung dieser Erklärung lag darin, dass diese Rabbiner es noch im Jahre 1885 für nötig erachteten, sie öffentlich abzugeben, was beweist, dass der orthodoxe Flügel des Judentums die Gesetze einschließlich des „Opferrituals“ auch weiterhin befolgte. (Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatten die reformierten Rabbiner Amerikas an Boden eingebüßt, während sich die Vertreter des zionistischen Chauvinismus im Vormarsch befanden.)

Dass die Thora von den Leviten niedergeschrieben worden ist, lässt sich unter anderem auch daran erkennen, dass mehr als die Hälfte des Inhalts der fünf Bücher aus peinlich genauen Anweisungen besteht, die angeblich von Gott selbst erteilt worden sind: Anweisungen für den Bau und die Ausstattung von Altären und Tabernakeln; den Stoff und das Muster von Kleidungsstücken, Mitren und Gürteln; die Art von Goldketten und Edelsteinen, welche die blutbespritzen Priester zu tragen haben; die Anzahl der als Sühne für verschiedene Verstöße zu opfernden Tiere; die Art und Weise, wie das Blut zu verwenden ist; die Bezahlung von Abgaben und Schekeln sowie ganz allgemein die Privilegien und Vergünstigungen für die Priesterschaft. Zahlreiche Kapitel sind blutigen Opfern gewidmet.

Vermutlich schätzt Gott das Blut von Tieren oder die erlesenen Gewänder der Priester allerdings weniger hoch, als man bei der Lektüre dieser Schilderungen annehmen müsste. Dies und nichts anderes gab den Anstoß zum Protest der israelitischen „Propheten“: Sie geißelten die Mumifizierung einer primitiven Stammesreligion; nichtsdestoweniger ist diese noch heute das Gesetz der herrschenden Sekte und stellt in unseren Tagen eine Macht ohnegleichen dar.

Als die Leviten diese Gesetzesbücher zusammenstellten, bauten sie darin zahlreiche allegorische oder lehrhafte Beispiele für die letalen Folgen der Nichtbeachtung des Gesetzes ein. Es sind dies die Gleichnisse des Alten Testaments, und ihre „Moral“ ist stets die gleiche: Wer das Gesetz verletzt, dem winkt der Tod! Im Buche Exodus finden wir das berühmteste dieser Gleichnisse, die Geschichte vom goldenen Kalb. Während sich Mose in den Bergen aufhielt, goss Aaron ein goldenes Kalb; als Mose zurückkehrte und sah, dass sein Volk dieses anbetete, „trat er in das Tor des Lagers und rief: Her zu mir, wer dem HERRN angehört! Da sammelten sich zu ihm alle Söhne Levi. Und er sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Ein jeder gürte sein Schwert um die Lenden und gehe durch das Lager hin und her von einem Tor zum anderen und erschlage seinen Bruder, Freund und Nächsten. Die Söhne Levi taten, wie ihnen Mose geheißen hatte; und es fielen an dem Tage vom Volk dreitausend Mann.“ (2. Mose 22,26-28)

Das Christentum hat die Parabel vom goldenen Kalb mit dem gesamten Alten Testament übernommen und sieht in ihr eine Warnung vor jeglichem Götzendienst. Allerdings mögen die Leviten, welche diese Geschichte erfanden, damit ein Ziel verfolgt haben, das man heute nicht mehr ohne weiteres erkennt. Viele Judäer, darunter auch einige Priester, mögen sich gedacht haben, Gott werde größeren Gefallen am symbolischen Opfer eines goldenen Kalbes finden als an der unaufhörlichen, blutigen Opferung wirklicher Tiere, dem Verspritzen ihres Bluts und dem „süßen Duft“ ihrer brennenden Kadaver. Die Leviten wehrten sich mit Zähnen und Klauen gegen jede Verwässerung ihrer Rituale, so dass sich die von ihnen ersonnenen Gleichnisse stets gegen jene richten, welche diese Rituale im einen oder anderen Punkt ändern wollen.

Einen vergleichbaren Fall stellt die Rebellion des Korah dar, die im 16. Kapitel des Buches Numeri geschildert wird. Zweihundertfünfzig Mann unter der Führung Korahs empören sich gegen Mose, worauf sich die Erde unter ihnen auftut und sie verschlingt, „mit ihren Sippen, mit allen Menschen, die zu Korah gehörte, und mit all ihrer Habe. Und sie fuhren lebendig zu den Toten hinunter mit allem, was sie hatten, und die Erde deckte sie zu, und sie kamen um, mitten aus der Gemeinde heraus.“ (4. Mose 16,32-33) Das Volk murrte aber weiter, worauf der Herr es mit einer Seuche schlug, an der 14.700 Menschen zugrunde gingen, ehe Aaron Fürbitte für das Volk einlegte (4. Mose 17,13-14)

Die Moral von der Geschichte war, dass man gut daran tat, der Priesterschaft die gebotene Ehrfurcht entgegenzubringen: „Und der HERR sagte zu Aaron: Siehe, dies überlasse ich dir bei dem Dienst an meinen Opfergaben: von allen heiligen Gaben der Kinder Israels gebe ich dir einen Anteil, dir und deinen Söhnen, als ewiges Anrecht. […] Alles Beste von Öl und alles Beste vom Wein und Korn, die Erstlingsgabe, die sie dem HERRN bringen, habe ich dir gegeben.“ (4. Mose 18,8; 18,12) Vermutlich aufgrund der Beschränkungen, die sich die Leviten aus Rücksicht auf die alte Tradition beim Umschreiben der Geschichte auferlegen mussten, finden sich in den Büchern Genesis und Exodus kaum vergleichbare Stellen. Der Fanatismus, der im Deuteronomium erstmals unverbrämt zutage tritt, wird in den Bücher Leviticus und Numeri auf die Spitze getrieben.

Genau wie das Deuteronomium waren auch Leviticus und Numeri angeblich von Mose hinterlassen worden, der darin seine Gespräche mit Jahwe schilderte. Im Fall dieser beiden letztgenannten Bücher verzichteten die Leviten jedoch auf die Behauptung, man habe sie in Gestalt eines „vom Staub der Zeit bedeckten“ Manuskriptes entdeckt. Leviticus und Numeri belegen, dass sich der Fanatismus der Sekte mittlerweile zur Weißglut gesteigert hatte, denn sie wimmeln nur so von Aufrufen zu Glaubens- und Rassenhass. Im Deuteronomium hatte Jahwe sein Volk immerhin noch gemahnt, den Fremdling zu lieben, auch wenn dieses (wahrscheinlich der alten israelitischen Tradition entstammende) Gebot dann durch eine Flut von Vorschriften außer Kraft gesetzt wurde, in denen der Fremdling unter anderem vom Verbot des Wuchers ausgenommen wurde.

Leviticus ging noch weiter. Wohl findet sich dort folgende Stelle: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ (3. Mose 19,33-34.) Doch in Kapitel 25 folgt die unvermeidliche Aufhebung dieses Gebots: „Willst du aber Sklaven und Sklavinnen haben, so sollst du sie kaufen von den Völkern, die um euch herum sind, und auch von den Beisaßen, die als Fremdlinge unter euch wohnen, und von ihren Nachkommen, die sie bei euch in eurem Land zeugen. Die möget ihr zu eigen haben und sollt sie vererben euren Kindern zum Eigentum für immer; die sollt ihr Sklaven sein lassen. Aber von euren Brüdern, den Kindern Israel, soll keiner über den andern herrschen mit Härte.“ (3. Mose 25,44-46)

Somit war die Versklavung von „Fremdlingen“, deren Sklavenstatus von einer Generation auf die andere überging, zu einem Bestandteil des (heute noch gültigen) Gesetzes geworden. Wenn das Alte Testament „nicht minder göttlichen Ursprungs“ ist als das Neue, besaßen die Weißen sehr wohl das Recht, schwarze Afrikaner als Sklaven nach Amerika zu verschiffen, und die Buren handeln nicht mehr als billig, wenn sie die Eingeborenen Südafrikas unterdrücken.

Folgende Episode in Leviticus schildert die grauenvollen Konsequenzen, die sich aus der Nichtbefolgung des Gesetzes ergeben, und zeugt von der Radikalität der Leviten: „Und Aarons Söhne Nadab und Abihu nahmen ein jeder seine Pfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten so ein fremdes Feuer vor den HERRN, das er ihnen nicht geboten hatte.“ Dieser nicht den Vorschriften entsprechende Opferakt war ein todeswürdiges Verbrechen: „Da fuhr ein Feuer aus von dem HERRN, und verzehrte sie, dass sie starben vor dem HERRN.“ (3. Mose 10,1-2)

Das extremste der fünf Bücher Mose ist Numeri, das als letztes niedergeschrieben wurde. In ihm fanden die Leviten einen Weg, ihren vornehmsten Anspruch, das Recht auf alle Erstgeborenen, de facto aufzugeben, das entsprechende Gebot aber in Kraft zu lassen. Dies war ein geradezu genialer politischer Schachzug. Der Anspruch auf „alle Erstgeburt“ hatte den Priestern offenbar große Unannehmlichkeiten bereitet, doch konnten sie den ersten Artikel eines Gesetzes, bei dessen Befolgung es nicht den geringsten Spielraum gab, unter gar keinen Umständen preisgeben; hätten sie dies getan, so wären sie selbst dem Tod verfallen. Durch eine abermalige Neudeutung des Gesetzes ernannten sie sich selbst zu Stellvertretern der Erstgeborenen und sicherten sich somit die ewige Dankbarkeit des Volkes, ohne auch nur das Geringste zu riskieren:

„Und der HERR redete mit Mose und sprach: Nimm die Leviten statt aller Erstgeburt unter den Kindern Israels und das Vieh der Leviten statt ihres Viehs, dass die Leviten mir gehören sollen. Ich bin der HERR. Aber als Lösegeld für die 273 Erstgeburten der Kinder Israel, die die Zahl der Leviten übersteigen, sollst du fünf Lot Silber erheben für jeden Kopf. […] Und du sollst das Silber für die, welche überzählig sind unter ihnen, Aaron und seinen Söhnen als Lösegeld geben.“ (4. Mose 3,44-48)

Nachdem sich die Leviten so als Wohltäter aufgespielt hatten, legten sie zahlreiche weitere „Gebote und Rechte“ fest. Sie herrschten durch nackten Terror und verstanden es meisterhaft, dem Volk mit allerlei neuen Mitteln Furcht einzuflößen; ein markantes Beispiel hierfür bietet ihr „Eifersuchtsgesetz“: Wenn der „Geist der Eifersucht“ über einen Mann kommt, soll er seine Gattin zum Priester bringen; dieser soll ihr „bitteres, fluchbringendes Wasser“ einflössen und dazu sagen: „Hat kein Mann bei dir gelegen und bist du deinem Mann nicht untreu geworden, so dass du dich unrein gemacht hast, so soll dir dies bittere, fluchbringende Wasser nicht schaden. Wenn du aber deinem Mann untreu geworden bist, dass du unrein wurdest, und hat jemand bei dir gelegen außer deinem Mann, so soll der Priester mit einem Verwünschungsschwur die Frau beschwören und zu ihr sagen: Der HERR mache deinen Namen zum Fluch und zur Verwünschung unter deinem Volk, dadurch dass der HERR deine Hüfte schwinden und deinen Bauch schwellen lässt!“ (4. Mose 5,19-21) Schwoll der Bauch der Frau, nachdem sie das bittere Wasser getrunken hatte, so war sie des Ehebruchs überführt und damit des Todes schuldig. Es ist nur allzu klar, welche Macht solch ein Ritual der Priesterschaft vermittelte; ähnliche „Gottesurteile“ werden von den Medizinmännern Afrikas praktiziert.

Von schicksalsschwerer Bedeutung sind jene Passagen in Numeri, in denen es um Mose und die Midianiter geht. Wer das Buch Exodus aufmerksam gelesen hat und somit das Leben und die Taten Mose kennt, weiß, dass dieser nach dem Zweiten Gesetz sowie nach verschiedenen in Leviticus und Numeri festgelegten Vorschriften des Todes schuldig geworden war. Indem Mose Zuflucht bei den Midianitern suchte, wo er Zippora, die Tochter des midianitischen Hohepriesters Jethro ehelichte (2 Mose 2,21), hatte er einen Frevel begangen. Doch da Mose der Angelpunkt der ganzen Geschichte und der Mann ist, der das ihm offenbarte Gesetz dem Volk verkündigt, mussten ihn die Leviten unter allen Umständen entsühnen, um zu verhindern, dass das Gesetz unglaubwürdig wurde.

Kapitel 31 des vierten Buch Mose vermittelt Aufschluss darüber, wie die Leviten dieses Problem lösten. Man erfährt dort, wie Mose die „Gebote und Rechte“ erfüllte und seine Verstöße gegen das Gesetz wieder gutmachte, indem er den gesamten Stamm der Midianiter außer den Jungfrauen niedermetzeln ließ. Somit hatte er dem rassisch-religiösen Dogma seinen Tribut gezollt und seinen Frevel gesühnt; aus dem wohlwollenden Patriarchen der älteren Überlieferung war also der Begründer eines Gesetzes geworden, das Hass und Mord predigte!

Zuvor, in Kapitel 25 wird folgendes berichtet: „Und Israel lagerte in Schittim. Da fing das Volk an zu huren mit den Töchtern der Moabiter; die luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter. Und das Volk aß und betete ihre Götter an. Und Israel hängte sich an den Baal-Peor. Da entbrannte des HERRN Zorn über Israel, und er sprach zu Mose: Nimm alle Oberen des Volks und hänge sie vor dem HERRN auf im Angesicht der Sonne, damit sich der grimmige Zorn des HERRN von Israel wende. Und Mose sprach zu den Richtern Israels: Es töte jeder seine Leute, die sich an den Baal-Peor gehängt haben.“ (4. Mose 25,1-5). Der Kult Baals war in ganz Kanaan weitverbreitet, und dass er dem Jahwe-Kult Konkurrenz machte, war für die Leviten eine ständige Quelle der Besorgnis.

Somit tritt hier das Thema des Glaubenshasses auf. Gleich anschließend begegnen wir auch dem Rassenhass : „Und siehe, ein Mann von den Kindern Israels kam und brachte unter seine Brüder eine Midianiterin vor die Augen des Mose und der ganzen Gemeinde der Kinder Israel, die da weinten vor der Tür der Stiftshütte. Als das Pinhas sah, der Sohn Eleasars, des Sohnes des Priesters Aaron, stand er auf aus der Gemeinde und nahm einen Spieß in seine Hand und ging dem israelitischen Mann nach in die Kammer und durchstach sie beide, den israelitischen Mann und die Frau, durch ihren Leib.“ (4. Mose 25,6-8) Dank dieser Tat klang die Pest ab, die zuvor 24000 Opfer gefordert hatte, und „der HERR redete mit Mose und sprach: Pinhas, der Sohn Eleasars, des Sohnes des Priesters Aaron, hat meinen Grimm von dem Kindern Israel gewendet durch seinen Eifer um mich, dass ich nicht in meinem Eifer die Kinder Israel vertilge. Darum sage: Siehe, ich gebe ihm meinen Bund des Friedens.“ (4. Mose 25,10-12)

Somit wurde der Bund zwischen Jahwe und der erblichen aaronitischen Priesterschaft von den levitischen Schreibern erneut mit Blut besiegelt, diesmal freilich nicht mit dem von Stieren oder Widdern, sondern mit dem zweier Menschen, die bei einem religiös und rassisch motivierten Mord umgebracht worden waren – einen Mord, dank dem Jahwe den Kindern Israel ihre Verirrungen verzieh.

Das im 31. Kapitel beschriebene Massaker an den Midianitern ist Moses letzte Tat, mit der er sich für die Ewigkeit rehabilitiert. Jahwe spricht zu ihm: “Übe Rache für die Kinder Israel an den Midianitern, und danach sollst du versammelt werden zu deinen Vätern.“ So zogen Moses Krieger „zum Kampf aus gegen die Midianiter, wie der HERR es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war. […] Und die Kinder Israel nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten sie und verbrannten mit Feuer all ihre Städte, wo sie wohnten, und alle ihre Zeltdörfer.“ (4. Mose 31,7-10)

Doch dies reichte nicht aus. Mose, Ehemann einer Midianiterin und Vater ihrer beiden Söhne, „wurde zornig über die Hauptleute des Heeres, die Hauptleute über tausend und über hundert, die aus dem Feldzug kamen, und sprach zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? Siehe, haben nicht diese die Kinder Israel durch Bileams Rat abwendig gemacht, dass sie sich versündigten am HERN durch den Baal-Peor, so dass der Gemeinde des HERRN eine Plage widerfuhr. So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.“ (4. Mose 31,14-17)

Es folgt eine Aufzählung der Kriegsbeute: Nach den 675.000 Schafen, den 72.000 Rindern und den 61.000 Eseln werden 32.000 Mädchen, „die nicht von Männern berührt waren“, erwähnt. Diese wurden zwischen die Leviten, die Krieger und die Gemeinde geteilt, während das Gold vollumfänglich den Leviten „für den HERRN“ zufiel.

Nun darf sich Mose zur ewigen Ruhe legen, und das Buch Numeri geht zu Ende. Eine dämonischere Anstachelung zu Mord und Raub lässt sich kaum denken. Um das Ausmaß der Ungeheuerlichkeiten zu erfassen, welche die Leviten Jahwe und Mose in den Mund legten, muss man das 25. sowie das 31. Kapitel von Numeri mit den Kapiteln 2, 3 und 18 von Exodus vergleichen. Es ist dies eine unverhüllte Warnung an das auserkorene Volk, das hier erfährt, was Jahwe von ihm verlangt, und es ist bis heute eine Warnung für andere.

Die Verfasser dieses Gesetzes gehörten einer kleinen Sekte in Babylon an, die lediglich auf ein paar tausend Anhänger zählen konnte, doch die Macht ihrer monströsen Ideologie erwies sich als außerordentlich groß. Indem sie ihren Gefolgsleuten die verlockendsten irdischen Belohnungen in Aussicht stellen, die man sich vorstellen kann, verschrieben sie sich der niedrigeren jener beiden Kräfte, die immerfort um die Seele des Menschen kämpfen: Den leiblichen Instinkten, die den Menschen nach unten ziehen und in ewigem Krieg mit den nach oben strebenden Impulsen des Geistes stehen.

Die christlichen Theologen erkennen diesem Gesetz einen höheren Ursprung zu als die jüdischen Gelehrten. Vor mir liegt eine unlängst erschienene christliche Bibel, in der erläutert wird, dass die fünf Bücher der Thora ebenso wie die historischen, prophetischen und poetischen Bücher „als wahr anerkannt“ werden. Dies ergibt sich logischerweise aus dem bereits erwähnten Dogma, wonach das Alte Testament „ebenso göttlichen Ursprungs ist“ wie das Neue.

Die jüdischen Gelehrten urteilen anders. Dr. Kastein beispielsweise meint, die Thora sei „das Werk eines anonymen Erstellers“ gewesen, der „ein pragmatisches historisches Werk geschaffen“ habe. Dies entspricht durchaus den Fakten; der Schreiber oder die Schreiber liefert oder liefern eine Version der Geschichte, die aus subjektiven Erwägungen geschrieben wurde, um dem Kompendium von Gesetzen, die darauf beruht, einen ideologischen Unterbau zu verleihen; sowohl die Geschichte als auch die Gesetze dienten einem politischen Zweck. „Eine einigende Idee lag allem zugrunde“, kommentiert Dr. Kastein, und diese „einigende Idee“ war ein Stammesnationalismus, welcher dermaßen fanatisch war, dass die Welt weder vorher noch später je seinesgleichen gekannt hat.

Während das Gesetz niedergeschrieben wurde (abgeschlossen wurde es erst nach der babylonischen „Gefangenschaft“), erhoben die beiden letzten Mahner ihre Stimme: Jesaja und Jeremia. Die Hand der Leviten lässt sich an jenen Einschüben erkennen, die offensichtlich in diese Bücher eingefügt wurden, um sie mit dem „Gesetz“ und der dieser unterstützenden Geschichtsversion vereinbar erscheinen zu lassen. Dieses Fälschungswerk lässt sich im Buch Jesaja mit aller Klarheit belegen; hier ist die Beweisführung sehr einfach. Fünfzehn Kapitel wurden von einem Schreiber verfasst, der über die Babylonische Gefangenschaft Bescheid wusste, obwohl der Prophet Jesaja ca. zweihundert Jahre vor dieser gelebt hat. Christliche Gelehrte versuchen diesen Widerspruch zu lösen, indem sie den Urheber dieser fünfzehn Kapitel als „Deutero-Jesaja“, d. h. zweiten Jesaja, bezeichnen.

Im Buch Jesaja findet sich folgender berühmte, aber oft aus dem Zusammenhang gerissene Ausspruch: „Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst…“ (Jesaja 42,6-7) Vom Standpunkt des damals im Entstehen begriffenen Gesetzes aus war dies pure Häresie, so dass die Leviten folgende Sätze hinzufügten (denn dass diese vom selben Autor stammen wie die vorher zitierten, ist allzu unwahrscheinlich): „Siehe, ich will deine Hand zu den Heiden hin erheben und für die Völker mein Banner aufrichten. […] Sie werden vor dir niederfallen zur Erde aufs Angesicht und deiner Füße Staub lecken. […] Und ich will deine Schinder sättigen mit ihrem eigenen Fleisch, und sie sollen von ihrem eigenen Blut wie von süßen Wein trunken werden. Und alles Fleisch soll erfahren, dass ich der HERR, dein Heiland bin und dein Erlöser, der Mächtige Jakobs.“ (Jesaja 42,22-23; 42,26) (Diese Sätze klingen, als stammten sie von Hesekiel, der, wie wir noch sehen werden, der wahre Vater des rabbinischen Gesetzes war.)

Das Buch Jeremia scheint ebenfalls von den Leviten manipuliert worden zu sein, sonst ließe sich folgende, ganz am Anfang stehende Stelle nicht erklären: „Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst…“ (Jeremia 1,10) Diese Worte stammen schwerlich vom Autor folgender, bereits im nächsten Kapitel stehenden Stellen: „Und des HERRN Wort geschah zu mir: Geh hin und predige öffentlich der Stadt Jerusalem und sprich: So spricht der HERR: Ich gedenke der Treue deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, im Land, da man nicht sät. […] Was haben eure Väter Unrechtes an mir gefunden, dass sie von mir wichen und hingen den nichtigen Götzen an und wurden so zunichte. […] Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben.“ (Jeremia 2,1-2; 2,5; 2,13)

Jeremia weist auf den Schuldigen, Juda (und es mag sehr wohl sein, dass er für diesen Frevel mit dem Tode büßen musste): „Das abtrünnige Israel steht gerechter da als das treulose Juda.“ (Jeremia 3,11) Israel war dem Herrn abtrünnig geworden, doch Juda hatte ihn verraten – eine unverkennbare Anspielung auf das neue Gesetz der Leviten. Es folgt (wie bei allen „Propheten“) eine leidenschaftliche Philippika gegen die priesterlichen Riten und Opfer:

„Verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Hier ist des HERRN Tempel! Sondern bessert euer Leben und euer Tun, dass ihr recht handelt einer gegen den andern und keine Gewalt übt gegen Fremdlinge, Waisen und Witwen und nicht unschuldiges Blut vergießt an diesem Ort und nicht andern Göttern nachlauft zu eurem Schaden. […] Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und opfert dem Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt. […] Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Räuberhöhle? […] Ich habe euren Vätern an dem Tage, als ich sie aus Ägyptenlande führte, nichts gesagt noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern…“ (Jeremia 7,4-5; 7,9; 7,11; 7,21)

Mit solchen Worten prangerte Jeremia, wie später Jesus, die Zerstörung des Gesetzes an, die im Namen seiner Erfüllung betrieben wurde. Offenbar verlangten die Leviten noch zu Jeremias Zeiten das Opfer der Erstgeborenen, denn sonst ließe sich folgende Stelle nicht erklären: „Sie haben […] die Höhen des Topheth im Tal Ben-Hinnon gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist.“ (Jeremia 7,30-31)

Wegen dieser „Gräuel“, fährt Jeremia fort, werde der Herr „in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems wegnehmen den Jubel, die Freude und Wonne und die Stimme des Bräutigams und der Braut; denn das Land soll wüst werden“. (Jeremia 7,54)

Es ist dies eine berühmte politische Prophezeiung, die in der Tat in Erfüllung gehen sollte. Mit ihrem geradezu genialen Talent, die Dinge auf den Kopf zu stellen, beriefen sich die Leviten später auf diese Weissagung, um ihre Behauptung zu begründen, Judas Fall sei auf die Nichtbefolgung des Gesetzes zurückzuführen gewesen, während Jeremia ganz im Gegenteil gewarnt hatte, das Gesetz werde das „verräterische“ Juda in den Untergang führen. Würde Jeremia heute auferstehen, so könnte er genau dieselben Worte auf den Zionismus anwenden, denn die Ausgangslage ist verblüffend ähnlich, und die Konsequenzen sind voraussehbar.

Als Juda fiel, tat Jeremia seinen berühmtesten Ausspruch, jenen, den sich die jüdischen Massen oft instinktiv in Erinnerung rufen, den zu beherzigen die herrschende Sekte ihnen jedoch beharrlich verbietet: „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN, denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl.“ (Jeremia 29,7) Die Leviten erteilten ihre zornige Antwort in Psalm 137:

„An den Wassern von Babylon saßen wir und weinten,

wenn wir an Zion gedachten. […]

Denn die uns gefangen hielten

hießen uns dort singen

und in unserem Heulen fröhlich sein:

Singt uns ein Lied von Zion!

Wie könnten wir des HERRN Lied singen

in fremden Landen?

Vergesse ich dich, Jerusalem,

so verdorre meine Rechte. […]

Tochter Babel, du Verwüsterin,

wohl dem, der vergilt, was du uns angetan hast!

Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt

und sie am Felsen zerschmettert!“

In Jeremias Mahnung und der Antwort der Leviten liegt der ganze Streit um Zion mitsamt den Auswirkungen, die er bis in unsere Tage für andere Völker zeitigt.

Jeremia, der vermutlich hingerichtet wurde, würde heutzutage als „Verrückter“, „Paranoiker“, „Antisemit“ und dergleichen an den Pranger gestellt; damals nannte man solche Menschen „Propheten und Träumer von Träumen“.

Während Jeremia als Flüchtling in Ägypten weilte, sprach Jesaja in Babylon („der zweite Jesaja“) folgende freundlichen Worte, welche wie ein letztes Tageslicht vor dem einbrechenden Dunkel der Lehre wirken, die schon bald triumphieren sollte: „So spricht der HERR: Wahret das Recht und die Gerechtigkeit, denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbar werde. […] Und der Fremdling, der sich dem HERRN zugewandt hat, soll nicht sagen: Der HERR wird mich getrennt halten von seinem Volk. […] Und die Fremden, die sich dem HERRN zugewandt haben, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben […] die will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethaus […] denn mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker.“ (Jesaja 56,1; 56,3; 56,6-7)

Mit diesem kurzen Blick auf einen liebenden Gott der gesamten Menschheit endeten die Proteste. Von nun an hatten die Leviten und ihr Gesetz die uneingeschränkte Macht inne, und damit begann die tatsächliche Gefangenschaft der Juden, denn ihre Unterjochung durch das Gesetz des Religions- und Rassenhasses ist die einzige Knechtschaft, in der sie je geschmachtet haben.

Ebenso wie die früheren „Propheten“ sprachen Jeremia und der „zweite Jesaja“ für die Menschheit, die sich allmählich zum Lichte vortastete, während die Leviten den Weg zurück in die Finsternis antraten. Noch bevor das Gesetz vollendet wurde, hatte Prinz Sidhatta Gautama Buddha die erste Religion der Menschheit gestiftet, die auf seinem Ersten Gesetz der Liebe beruhte: „Von Gutem muss Gutes kommen und von Bösem Böses.“ Dies war die vorausgenommene Antwort auf das Zweite Gesetz der Leviten, auch wenn letztere schwerlich von Buddha und seinen Lehren wussten. Es war auch die logische Antwort der Zeit, und des menschlichen Geistes, auf den Brahminismus, den hinduistischen Rassismus und den Kult der Herrenkaste, der auffallende Ähnlichkeit mit dem Judaismus aufweist.

Fünfhundert Jahre später sollte eine zweite Menschheitsreligion geboren werden und weitere fünfhundert Jahre darauf eine dritte. Die kleine Nation Juda lag in den Ketten des Gesetzes, die sie daran hinderten, sich auf die Menschheit hin zu bewegen; sie war in einem fossilen Stadium geistiger Entwicklung festgefahren, doch ihr primitiver Stammesglaube blieb lebendig und mächtig. Das im zwanzigsten Jahrhundert immer noch ungeheuer einflussreiche Levitische Gesetz ist seinem Wesen nach ein Überbleibsel grauer Vorzeit.

Ein solches Gesetz musste bei den Völkern, unter denen die Judäer lebten, zwangsläufig zuerst Neugier und dann Besorgnis hervorrufen. Dieser Prozess begann, als die Judäer um 538 v. Chr. aus Babylon nach Jerusalem zurückkehrten. Anfänglich bekamen

lediglich kleine Sippen und Stämme – die unmittelbaren Nachbarn der Judäer in Jerusalem – die Segnungen des judäischen Glaubens zu spüren, doch dann breitete er sich kreisförmig aus, so dass eine stetig wachsende Zahl von Völkern seine Auswirkungen zu fühlen bekam, bis hin in unser Jahrhundert, wo er besonders unheilvolle Folgen zeitigte.

Kapitel 5

Der Fall Babylons

Ehe andere Völker die Auswirkungen des Mosaischen Gesetzes erstmals zu spüren bekamen, trug sich im Jahre 538 v. Chr. ein Ereignis zu, das ungeahnte Bedeutung für die Geschichte unseres Jahrhunderts gewinnen sollte: Der Fall Babylons.

Die Parallelen zwischen den Geschehnissen unserer Zeit (d.h. der Gestalt, welche die Welt als Ergebnis der beiden großen Kriege angenommen hat) und dem Fall Babylons sind allzu frappant, um auf bloßem Zufall zu beruhen; in der Tat lässt sich nachweisen, dass ihnen ein sorgsam durchdachter Plan zugrunde lag. Ohne es zu ahnen, unterstehen die Völker des Westens in unserem Jahrhundert nicht etwa ihrem eigenen Gesetz, sondern dem Gesetz Judas, wobei ihre von fremden Kräften gesteuerten Regierungen als dessen Vollzieher walten.

In allen drei Fällen (beim Untergang Babylons, im Ersten sowie im Zweiten Weltkrieg) traten grundsätzlich dieselben Akteure auf, und die Ereignisse verliefen nach demselben Schema. Auf der einen Seite stand jeweils ein fremder Potentat, der die Judäer, später „Juden“ genannt, unterdrückte. In Babylon war dies König Belsazar, im Ersten Weltkrieg der russische Zar und im Zweiten Weltkrieg Adolf Hitler. Diesem „Unterdrücker“ tritt ein anderer mächtiger Fremder entgegen, der „Befreier“. Dieser war in Babylon der Perserkönig Kyros, im Ersten Weltkrieg Lord Balfour, im Zweiten Weltkrieg der amerikanische Präsident Truman.

Der dritte Akteur ist ein triumphierender Prophet Jahwes, der am Hofe des Befreiers weilt und dem Unterdrücker seinen Untergang prophezeit. In Babylon hieß dieser Prophet Daniel. Im Ersten sowie im Zweiten Weltkrieg hieß er Dr. Chaim Weizmann.

Soviel zu den Akteuren; gehen wir zur Handlung über. In allen drei Fällen übt Jahwe Rache an den Heiden; die Juden triumphieren und werden voll rehabilitiert:

– König Belsazar, dem Daniel seinen baldigen Tod geweissagt hat, wird „in derselben Nacht“ umgebracht, und sein Reich fällt dem Feind in die Hände.

– Die jüdischen Schergen, die den Zaren mitsamt seiner Familie ermordeten, schreiben folgende Zeilen an die Wand des Raumes, wo sich das Verbrechen zugetragen hat: „Belsatzar ward in selbiger Nacht/von seinen Knechten umgebracht.“ Es sind dies die letzten Worte des Gedichtes „Belsatzar“, das von dem jüdischen Dichter Heinrich Heine stammt.

– Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die in Nürnberg zum Tode verurteilten NS-Führer am jüdischen Tag der Sühne gehängt.

Somit verliefen die beiden großen Kriege unseres Jahrhunderts nach einem im Alten Testament beschriebenen Muster – der Eroberung Babylons durch die Perser, auf welche die Befreiung der Juden folgte.

Gewiss: Die Babylonier und die Perser, die diesen Krieg ausfochten, werden dabei ihre eigenen Ziele verfolgt und sich herzlich wenig um die Judäer geschert haben. Doch in der uns überlieferten Version der Ereignisse dreht sich alles nur um diese und ihr Geschick; der Rest ist vergessen. Das einzige, was man heute mit jenem Krieg in Verbindung bringt, sind die Rache Jahwes und der Triumph der Judäer. Eine ähnliche Verengung unseres Geschichtsbilds zeichnet sich allmählich in Bezug auf die beiden Weltkriege ab.

König Belsazar ist als Unterdrücker der Judäer in die Geschichte eingegangen; obwohl die Verbannung des auserwählten Volkes nach Babylon die von Jahwe angeordnete Strafe für seine Nichtbefolgung des Gesetzes ist, gilt Belsazar als „Verfolger“ und muss deshalb unnachsichtig bestraft werden. Aber auch der Perserkönig Kyros ist nichts weiter als Jahwes Werkzeug, dem die Aufgabe zufällt, die Flüche, die dieser über sein Volk verhängt hat, auf dessen Feinde abzuwälzen, nachdem diese ihre Mission, die Judäer eine Zeitlang zu knechten, erfüllt haben. Dementsprechend darf Kyrus keinen Dank dafür erwarten, dass er Babylon erobert und die Judäer befreit hat; er ist im Grunde um kein Haar besser als Belsazar, und auch seinem Reich winkt früher oder später die Vernichtung.

Soweit wir aus glaubwürdigen historischen Quellen wissen, war Kyrus ein aufgeklärter Herrscher und der Begründer eines Imperiums, das sich über ganz Westasien erstreckte. Die Geschichtsbücher vermelden, er habe „den unterworfenen Nationen Religionsfreiheit und die Bewahrung ihrer Institutionen“ zugestanden. Somit waren die Judäer nur eines von vielen Völkern, die von dieser toleranten Politik profitierten; wäre es König Kyros vergönnt, heute unter die Lebenden zurückzukehren, wäre er vermutlich bass erstaunt darüber, als Mann in die Geschichte eingegangen zu sein, dessen einziges und dauerhaftes Verdienst darin bestand, ein paar tausend Judäern die Rückkehr nach Jerusalem erlaubt zu haben. Würde er aber zufällig die Einschätzung der Politiker des 20. Jahrhunderts teilen, welche diesem Entscheid ungeheure Bedeutung beimessen, so würde er zu seiner Verwunderung feststellen, dass er mit diesem Gnadenakt einen vermutlich größeren Einfluss auf die Geschichte der nächsten zweieinhalb Jahrtausende ausgeübt hat als irgendein anderer Herrscher vor oder nach ihm. Keine andere Tat eines Fürsten des Altertums hatte nämlich dermaßen gewaltige Auswirkungen bis in unsere Zeit hinein.

Im 20. Jahrhundert haben zwei Generationen westlicher Politiker darin gewetteifert, die Rolle eines modernen Kyros spielen zu dürfen. Die Folge war, dass die beiden Weltkriege bloß zwei wirklich wichtige und langfristige Ergebnisse gezeitigt haben: Jahwes Rache am „Verfolger“ sowie ein jüdischer Triumph in Form von „Rückkehr“ und „Wiedergutmachung“. Damit ist die überlieferte Version der Geschehnisse in Babylon im 20. Jahrhundert zum obersten „Gesetz“ geworden, das über allen anderen Gesetzen, über der Wahrheit und der Geschichte steht.

Diese überlieferte Version ist freilich großenteils Legende oder, wie man heute sagen würde, Propaganda. König Belsazar dürfte von den Leviten erfunden worden sein. Jenes Buch des Alten Testaments, das vom Fall Babylons kündet, wurde Jahrhunderte später verfasst und einem „Daniel“ zugeschrieben. Dieser, einer der in der babylonischen Gefangenschaft schmachtenden Judäer, soll dank seiner Fähigkeit, Träume zu deuten, zu einer hochangesehenen Persönlichkeit am Königshof geworden sein. Ihm fiel die Aufgabe zu, das „Zeichen an der Wand“ zu deuten (Daniel, 5.)

Belsazar, „der Sohn Nebukadnezars“, demütigt die Judäer, indem er die goldenen und silbernen Gefäße, die sein Vater aus dem Tempel zu Jerusalem raubte, bei einem Festmahl für seine Prinzen, Frauen und Konkubinen benutzt. Hierauf schreibt eine Hand die Worte „Mene, mene, tekel, upharsim“ an die Wand. Belsazar lässt Daniel holen, damit dieser ihm den Sinn der Inschrift offenbare, was er bereitwillig tut: „Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden. Dein Reich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben.“ (Daniel 5; 26-28.) Belsazar wird „in derselben Nacht“ getötet (Daniel 5; 30), und der persische Eroberer zieht in Babylon ein, worauf er die Judäer freilässt.

Auf diese Weise werden der Tod eines Königs und der Untergang seines Reichs als unmittelbare Folgen der Beleidigung Judas sowie als Rache Jahwes an den Verächtern seines Volkes dargestellt.

Der kleine Schönheitsfehler, dass weder Daniel noch König Belsazar je gelebt haben, ist nicht von Bedeutung, denn durch ihre Aufnahme in die levitischen Schriften hat diese Geschichte den Status eines legalen Präzedenzfalls erworben. Wie bereits erwähnt, schrieben die Mörder der Zarenfamilie im Jahre 1918 die letzten Worte aus Heinrich Heines Gedicht „Belsatzar“ an die blutbefleckten Wände, wodurch sie sich zu ihrer Tat bekannten und diese mit eben diesem Präzedenzfall rechtfertigten.

Wenn eine alte Legende noch nach fünfundzwanzig Jahrhunderten dermaßen folgenschwere Auswirkungen zeitigen kann, bringt es wenig, säuberlich nachzuweisen, dass ihr Inhalt historisch falsch ist, denn sowohl die Politiker als auch die Massen lieben Legenden mehr als die Wahrheit. Tatsache ist nichtsdestoweniger, dass von den drei Protagonisten der Geschichte nur König Kyros nachweislich gelebt hat, während Belsazar und Daniel Erfindungen der levitischen Phantasie sein dürften.

Die Jewish Encyclopedia hebt hervor, dass König Nebukadnezar keinen Sohn namens Belsazar hatte und dass in Babylon kein Belsazar auf dem Thron saß, als es von Kyros erobert wurde. „Der Verfasser des Buches Daniel verfügte einfach nicht über korrekte Unterlagen“, kommentiert sie diesen Sachverhalt und gibt damit zu erkennen, dass sie nicht glaubt, das Buch Daniel sei von jemandem geschrieben worden, der die betreffenden Geschehnisse miterlebt hat. In der Tat: Hätte ein Günstling am Hofe des babylonischen Königs dieses Buch verfasst, so hätte er doch zumindest den Namen des Herrschers gekannt, dem er sein baldiges Ende prophezeite, und somit „über korrekte Unterlagen verfügt“.

Es unterliegt also keinem Zweifel, dass das Buch Daniel ebenso wie die Mose zugeschriebenen Gesetzesbücher das Werk der levitischen Schreiber war, die auch weiterhin dafür sorgten, dass die Geschichte in Übereinklang mit dem damals bereits schriftlich festgelegten Gesetz stand. Wenn man zwecks Illustrierung dieses Gesetzes, und um einen historischen Präzedenzfall zu schaffen, einen König Belsazar erfinden konnte, konnte man sich ohne weiteres auch einen Propheten Daniel aus den Fingern saugen. Dieser offensichtlich mythische Daniel ist der Lieblingsprophet der Zionisten unserer Zeit. Sie sind ungemein angetan von einer Geschichte, in der erzählt wird, wie Jahwe die den Juden zugefügte Schmach rächt und dem Schuldigen sein Schicksal mittels Zeichen an der Wand voraussagt, und sie sehen darin ein Vorbild für alle künftigen Zeiten. Stärker als sämtliche bisher verflossenen Jahrhunderte hat das unsere sie in ihren Überzeugungen bestätigt; für sie erteilt Daniel, dessen Deutung sich noch in derselben Nacht als richtig erweist, den früheren israelitischen Propheten, die einen liebenden Gott aller Menschen gepredigt hatten, die gebührende Antwort. Der Fall Babylons, bzw. die Art, wie sich dieser laut der levitischen Version abspielte, stellt in ihren Augen einen schlagenden Beweis für die Richtigkeit und die Kraft des Mosaischen Gesetzes dar.

Freilich wäre nichts von alle dem ohne König Kyros geschehen, der als einziger der drei Hauptakteure unzweifelhaft eine historische Gestalt war und einigen tausend Judäern die Rückkehr nach Jerusalem gestattete. Die Strategie der levitischen Politiker, die darin bestand, Kontrolle über einen fremden Potentaten zu gewinnen und ihn zur Verwirklichung ihrer Ziele vor ihren Karren zu spannen, hatte ihre Feuerprobe glänzend bestanden.

Der Perserkönig war der erste einer langen Reihe nichtjüdischer Herrscher, die sich von der Sekte umgarnen ließen; durch ihn stellte sie erstmals unter Beweis, dass sie das Geheimnis entdeckt hatte, wie man fremde Regierungen erst unterwandert und dann lenkt. In unserem Jahrhundert hat sie diese Kunst zu derartiger Perfektion entwickelt, dass alle Regierungen der westlichen Welt im Wesentlichen ein und derselben Kontrolle unterstehen, was bedeutet, dass ihre Handlungen letzten Endes stets jenen zugutekommen, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen. Gegen Ende dieses Buches wird der Leser erfahren, mit welchen Mitteln die westlichen Regierungen beeinflusst und die Völker zum Nutzen und Frommen der Hintergrundmächte gegeneinander aufgehetzt werden. Um zu erfahren, warum sich die Regierenden im Westen, darunter auch die Führer seines eigenen Landes, von den Drahtziehern manipulieren lassen, wird der Leser freilich in seine eigene Seele blicken müssen.

König Kyrus war der erste Herrscher, der sich von der Sekte ködern ließ. Ohne seine Unterstützung hätte sich diese nicht wieder in Jerusalem einnisten und den skeptischen judäischen Massen, die aus aller Welt gespannt nach Judäa blickten, erzählen können, das Gesetz sei in der Tat mächtig und werde wortwörtlich erfüllt werden. Vom Fall Babylons zieht sich ein roter Faden durch die Geschichte bis hin zu den dramatischen Geschehnissen unseres Jahrhunderts, und König Kyrus, diese erste nichtjüdische Marionette der Sekte, trägt ein noch höheres Maß an Verantwortung für die Rückschläge und den Niedergang des Abendlandes als die tückische und verschlagene Sektenpriesterschaft selbst.

„Der Judaismus entstand im Namen des persischen Königs und dank der Macht seines Imperiums, was bedeutet, dass die Politik des Alkemenidenreichs aufs nachhaltigste in die Gegenwart hineinwirkt“, urteilte Professor Eduard Meyer, der Verfasser von Die Entstehung des Judentums, im Jahre 1896. Die Schlussfolgerung dieses Fachmanns ist nachweislich richtig. Fünfhundert Jahre vor dem Beginn der abendländischen Geschichte legten die Leviten das Gesetz fest und schufen dann mit tatkräftiger Unterstützung des Perserkönigs Kyrus ein Strickmuster für die künftige Unterwanderung und letztendliche Zerstörung des Abendlandes.

Als Kyrus in Babylon einzog, waren die fünf Gesetzesbücher noch nicht vollständig abgeschlossen; die Sekte arbeitete immer noch an ihrer Ausfeilung sowie an der Erstellung einer Geschichtsversion, die sie ideologisch stützte. Parabeln wie die vom „König Belsazar“ sollten das Unglaubliche glaubhaft erscheinen lassen und eine Rechtfertigung für künftige Schreckenstaten liefern. Die judäischen Massen wussten damals freilich noch nichts vom Gesetz der rassischen Intoleranz, während ihnen religiöse Intoleranz bereits hinreichend vertraut war.

Der Sekte stand noch die Arbeit bevor, das Gesetz zu vervollständigen und dann ihrem eigenen Volk aufzunötigen. Als dies im Jahre 458 v. Chr. unter einem neuen persischen König geschah, nahm der Streit um Zion endgültig die Gestalt einer unversöhnlichen Konfrontation zwischen den Judäern und dem Rest der Menschheit an. Nun war die Nabelschnur, welche die Gefolgschaft der Sekte mit den übrigen Menschen verbunden hatte, unwiderruflich zerschnitten. Ein einsames Volk, dem die Priesterschaft ihre Version des Falls von Babylon gebührend eingetrichtert hatte, ließ sich von ihr auf den Weg in eine Zukunft führen, in der sein Los darin bestand, als Fremdkörper unter jenen anderen Völkern zu leben, deren Vernichtung ihm sein Gesetz befahl.

Kapitel 6

Das Volk weinte

Das erste fremde Volk, welches mit dem von den Leviten in Babylon geschaffenen Mosaischen Gesetz konfrontiert wurde, waren die Samariter, welche die Judäer anno 538 v. Chr. bei ihrer Rückkehr nach Jerusalem mit offenen Armen empfangen und sich zum Zeichen ihrer Freundschaft anerboten hatten, den 596 v. Chr. von den Babyloniern zerstörten Tempel wiederaufzubauen. Auf Befehl der Leviten wurde das Angebot schroff zurückgewiesen; als Reaktion auf diese Brüskierung nahmen die Samariter gegenüber den Judäern nun eine feindliche Haltung ein, und der Tempel konnte erst 520 v. Chr. wiedererrichtet werden. (Die Fehde dauerte jahrhundertelang an und ist noch heute nicht erloschen, obwohl das Volk der Samariter mittlerweile auf einige Dutzend Seelen zusammengeschrumpft ist.)

Die Freundlichkeit, mit der die Samariter die Heimkehrer zunächst begrüßt hatten, beweist, dass die Nachbarvölker der Judäer deren neues Gesetz noch nicht kannten und angesichts der Barschheit, mit der man ihre Freundschaft ablehnte, aus allen Wolken fielen. Freilich macht es den Anschein, als hätten die Judäer selbst das Wesen dieses Gesetzes noch nicht richtig kapiert. Die Schreiber arbeiteten damals in Babylon immer noch an der Erstellung der Gesetzesbücher, und ungeachtet der Mahnungen ihrer Priester empfanden die Judäer offenbar nicht den geringsten Wunsch, sich rassisch und religiös von ihren Mitmenschen abzusondern.

Die Brüskierung der Samariter war ein Vorzeichen kommender Dinge. Ihrer Abstammung nach waren die Samariter Israeliten, in deren Adern allerdings auch das Blut anderer Völker floss. Sie beteten zu Jahwe, anerkannten Jerusalem jedoch nicht als heilige Stadt an, was für die Leviten, die wohl die Gefahr einer Wiedergeburt Israels mit anschließender Annexion Judas befürchteten, bereits ein hinreichender Grund war, sie zu hassen. Deshalb wurde das Volk der Samariter in Acht und Bann getan; nahm ein Judäer auch nur ein Stück Brot von einem Samariter entgegen, so verstieß er aufs schwerste gegen die von den Leviten festgelegten Gebote und Rechte und machte sich eines gräulichen Frevels schuldig.

Nach diesem ersten Zusammenprall mit einem Nachbarvolk sahen sich die Judäer in dem verwüsteten und entvölkerten Jerusalem um. Mit Ausnahme einiger Greise hatte keiner von ihnen die Stadt je zuvor zu Augen bekommen. Die „Rückkehrer“ waren zahlenmäßig recht schwach und zählten nur etwa 40.000 Personen, was nicht mehr als fünf bis zehn Prozent der gesamten judäischen Bevölkerung entsprach; die übrigen hatten sich, teils seit Jahrhunderten, freiwillig über andere Länder zerstreut.

Für die „Heimkehrer“ waren dies keine rosigen Zeiten, und sie werden herzlich wenig Anlass zum Frohlocken gesehen haben, auch wenn die Priesterschaft einen enormen politischen Erfolg errungen hatte. Die Leviten sahen sich derselben Schwierigkeit gegenüber wie die Zionisten in den Jahren 1903, 1929 oder 1953; das auserwählte Volk empfand nur geringe Neigung, in das gelobte Land zu ziehen. Außerdem gedachten sich ihre Führer durchaus nicht an die Spitze der „Rückkehrenden“ zu stellen, sondern zogen es vor, an den Fleischtöpfen Babylons zu hocken, genau wie die meisten Zionistenführer heute lieber in New York leben, als ihre Zelte in Israel aufzuschlagen.

Die Lösung, welche die Leviten 538 v. Chr. fanden, wies erstaunliche Ähnlichkeit mit derjenigen auf, für die man sich 1946 n. Chr. entschied: Die fanatischsten Eiferer waren zur „Rückkehr“ bereit, und eine Minderheit derjenigen, die zu arm waren, um selbständig über ihre Zukunft entscheiden zu können, erhielt kurzerhand den Marschbefehl. Wer für sich das Privileg beanspruchte, in Babylon zurückbleiben zu dürfen (unter ihrem eigenen Fürsten, dem Exilarchen!), musste dafür tief in die Tasche greifen, so wie wohlhabende amerikanische Juden heutzutage genötigt werden, Geld für die Unterstützung des Zionistenstaates locker zu machen.

Die jüdische Nation war zum damaligen Zeitpunkt bereits unwiderruflich zerstreut, und es sollte nie mehr möglich sein, alle Juden in Kanaan zu versammeln. Dies war eine nackte und nicht wieder rückgängig zu machende Tatsache. „Aus dem Exil kehrte nicht die Nation zurück, sondern bloß eine religiöse Sekte“, kommentierte Prof. J. Wellhausen diesen Sachverhalt in seinem 1897 erschienenen Buch Israelitische und Jüdische Geschichte. Allerdings war diese symbolische „Rückkehr“ für die Priesterschaft von allergrößter Bedeutung, ermöglichte sie es ihr doch, eine mystische Herrschaft über die Diaspora-Juden zu erringen. Sie diente als Beweis dafür, dass das „Gesetz“ wahr und gültig war und dass die Mission des „auserkorenen Volkes“ darin bestand, andere Völker zu ruinieren und über sie zu herrschen.

Für jene Minderheit, die tatsächlich nach Jerusalem zurückgekehrt war, und für die Mehrheit, die lediglich aus der Ferne zusah, bedeutete die „Rückkehr“ etwas ganz Unterschiedliches. Ersteren bot sie die Möglichkeit, Jahwe an dem vom Gesetz vorgeschriebenen Ort auf die vom Gesetz befohlene Weise zu huldigen. Letztere sahen darin einen Sieg des judäischen Nationalismus und ein Vorzeichen des künftigen endgültigen Triumphs, den das Gesetz dem auserwählten Volk in Aussicht stellte.

Die Massen, welche die Entwicklung von ferne verfolgten, hatten miterlebt, mit welchen Mitteln dieser Sieg erfochten worden war. Die Abgrenzung der Judäer von ihren Nachbarvölkern hatte sich als erfolgreich erwiesen, und die hauptsächlichen Instrumente zur Erzwingung dieser Abgrenzung waren das Ghetto und die Synagoge. Das Ghetto (seinem Wesen nach ein levitisches Konzept) war in Babylon in Gestalt jener geschlossenen Gemeinschaft, in der die Judäer lebten, getestet worden.

Das gemeinsame Lesen des Gesetzes hatte sich als brauchbarer Ersatz für das Ritual der Jahwe-Verehrung bewährt, die laut dem Gesetz einzig und allein im Tempel zu Jerusalem erfolgen durfte (dies war der Beginn der Synagoge). Die Institutionen des Ghettos und der Synagoge wurden von den Diasporajuden übernommen und schweißten sie sowohl mit den Judäern in Babylon als auch mit den Rückkehrern in Jerusalem zusammen.

Somit hatte die Priesterschaft ihre Fähigkeit, ihre theokratische Herrschaft auch ohne eigenes Territorium und unter einem fremden König auszuüben, eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sie regierte ihr Fußvolk gemäß ihrem eigenen Gesetz und dieses wurde den Judäern erstmals in der babylonischen Gefangenschaft aufgezwungen. Dr. Kastein schreibt: „Anstelle der Verfassung des nicht mehr existierenden Staates wurde eine Gemeindeautonomie begründet, und an die Stelle der Staatsmacht trat eine neue Macht, die stabiler und dauerhafter war: Das harte und unerbittliche Regime, das auf der Verpflichtung beruhte, den Vorschriften des Rituals ohne jedes Wenn und Aber zu gehorchen.“

Diese Worte muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Wir haben in diesem Buch bereits zahlreiche „Vorschriften des Rituals“ zitiert. Den Leviten war es also in der „Gefangenschaft“, in einem fremden Land, gelungen, ein „hartes und unerbittliches Regime“ zu errichten! Diese Leistung ist wahrlich einzigartig; sie hat bis in unsere Tage Bestand.

„Fremdlinge“ fragen sich oft verwundert, mit welchen Mitteln die herrschende Sekte es wohl fertigbringen mag, eine über alle Welt zerstreute Gemeinschaft in einem derart eisernen Würgegriff zu halten. Die Macht der Sekte beruht letzten Endes auf Terror und Furcht. Ihre Geheimnisse werden gegenüber Außenstehenden eifersüchtig gehütet, doch wer sich tiefer in die Materie einarbeitet, kann sich eine gewisse Vorstellung davon machen.

Eine furchtbare Waffe der Priesterschaft ist die Exkommunizierung, und die lähmende Furcht, welche die Drohung damit erzeugt, beruht in gewissem Ausmaß darauf, dass fromme Juden an die Wirksamkeit der im Deuteronomium und anderen Büchern des Alten Testaments zitierten Flüche glauben, was auch die Encyclopedia Judaica einräumt. Dies erinnert an den Schwarzafrikaner, der fest überzeugt ist, sterben zu müssen, wenn das „tagati“ über ihn verhängt wird, oder an den Schwarzen Haitis, der den Fluch der Voodoo-Priester mehr als alles andere fürchtet. Aus der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden, ist eine schreckliche Strafe, die in der Vergangenheit oft tödliche Folgen nach sich zog.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Thora und der Talmud für fromme (oder abergläubische) Juden das einzige Gesetz darstellen; sie mögen die Gesetze ihres Gastlandes formell anerkennen, aber stets mit innerem Vorbehalt. Ihrem einzigen Gesetz zufolge liegt sowohl das Rechtswesen als auch die politische Macht in der Hand der Priesterschaft, die es in der Vergangenheit oft fertigbrachte, sich das Recht zur Herrschaft über ihre Gemeinde von der Regierung des jeweiligen Gastlandes verbriefen zu lassen. Zu den Befugnissen, die das Gesetz der Priesterschaft verlieh, gehörte auch die Verhängung von Todesurteilen für alle möglichen Vergehen, und in den geschlossenen Gemeinden der Diaspora haben die Priester ausgiebig von diesem Recht Gebrauch gemacht.

Jerusalem, wohin eine Minderheit der Judäer zurückgekehrt war, lag sehr weit von Babylon entfernt, und nach ihrem ersten Streich (der Verschmähung der von den Samaritern angebotenen Freundschaft) erwiesen sich die Leviten offenbar außerstande, die normalen menschlichen Regungen ihrer Untertanen zu unterdrücken. Die Judäer, die in einem verarmten Streifen Land hausten, gingen unter Missachtung der Gebote ihrer Priester Mischehen mit Angehörigen ihrer Nachbarvölker ein. Ihrem Selbstverständnis nach verletzten sie dadurch keine Bestimmung ihres Gesetzes. Sie wussten, dass König Salomon Hunderte von (großenteils fremdstämmigen) Frauen gehabt und dass Mose einen midianitischen Schwiegervater besessen hatte, doch da das Buch Numeri damals noch nicht fertig erstellt war, wussten sie nicht, dass Mose vor seinem Tod sämtliche Midianiter außer den Jungfrauen hatte niedermetzeln lassen. So ehelichten sie die Söhne und Töchter ihrer Nachbarn, und dieser natürliche Prozess nahm in den ersten acht Jahrzehnten nach der Rückkehr seinen Fortgang.

Während dieser Zeit schlossen die Leviten in Babylon die Gesetzesbücher ab, deren Auswirkungen alle anderen Nationen seither so drastisch zu fühlen bekommen haben. Die treibende Kraft hinter der Erstellung dieser Bücher war Hesekiel aus der Familie des Hohepriesters, und manches spricht dafür, dass alle fünf Bücher Mose seinen Stempel tragen. Er war der Ahn der Intoleranz, des Rassismus, der zur Religion verklärten Rachsucht sowie des Mordes im Namen des Herrn.

Das Buch Hesekiel ist das wichtigste des ganzen Alten Testaments, wichtiger noch als das Deuteronomium oder die Bücher Leviticus und Numeri, weil es allem Anschein nach die Quelle ist, aus der sich die finstere Ideologie dieser Gesetzesbücher speist. Wer die im Deuteronomium geäußerten Flüche aufmerksam liest, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Gottheit, die sie ausspricht, diabolischer Natur ist – das, was wir mit dem Namen „Gott“ verbinden, lässt sich mit dermaßen grässlichen Drohungen einfach nicht vereinbaren. Führt sich der Leser dann das Buch Hesekiel zu Gemüte, so findet er seine Ahnung schwarz auf weiß bestätigt. Im zwanzigsten Kapitel lässt Hesekiel Gott nämlich ausdrücklich zugeben, dass er schlechte Gesetze erlassen hat, um sein Volk für die Missachtung seiner Gebote zu züchtigen:

“Das Haus Israel war mir ungehorsam in der Wüste, und sie lebten nicht nach meinen Geboten und verachteten meine Gesetze, durch die der Mensch lebt, der sie hält, und entheiligten meine Sabbate sehr. […] Und ich sprach zu ihren Söhnen in der Wüste: Ihr sollt nicht nach den Geboten eurer Väter leben und ihre Gesetze nicht halten und mit ihren Götzen euch nicht unrein machen. Ich bin der HERR, euer Gott. Nach meinen Geboten sollt ihr leben und meine Gesetze sollt ihr halten und danach tun. […] Aber auch die Söhne waren ungehorsam, lebten nicht nach meinen Geboten, hielten auch meine Gesetze nicht. […] Darum gab ich ihnen Gebote, die nicht gut waren und Gesetze, durch die sie kein Leben haben konnten und ließ sie unrein werden durch ihre Opfer, als sie alle Erstgeburt durchs Feuer gehen ließen, damit ich Entsetzen über sie brachte und sie so erkennen mussten, dass ich der HERR bin.“ (Hesekiel 20,13; 20,18-19; 20,21; 20,25-26.)

Diese Stelle liefert den Schlüssel zum Verständnis des gesamten Mosaischen Gesetzes!

Im selben Kapitel antwortet Hesekiel anscheinend auf Jeremias Kritik an der von den Leviten angeordneten Opferung der Erstgeborenen. Wie erinnerlich heißt es in Jeremia 7,30-31: „Denn die Kinder Juda tun, was mir missfällt, spricht der HERR. Sie haben ihre Gräuelbilder gesetzt in das Haus, das nach meinem Namen genannt ist, um es unrein zu machen, und haben die Höhen des Topheth im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist“ . Das Schicksal der verbrannten Söhne und Töchter lässt Hesekiel herzlich kalt; ihn empört allein der Gedanke, der Herr könne das Opfer der Erstgebotenen nicht verlangt haben, denn schließlich hatten ihm die Schreiber dieses Gebot mehrfach in den Mund gelegt. Hesekiel geht es lediglich darum, zu beweisen, dass Gott dergleichen sehr wohl befohlen hat, und so die Priesterschaft zu rechtfertigen; wie nebenbei lässt er Jahwe einräumen, dass dieses Gebot „nicht gut“ ist und die Judäer infolge dieses Gesetzes „kein Leben haben“ können, doch dies scheint ihm offenbar nicht von Bedeutung zu sein.

Das Dogma der christlichen Theologen, wonach das Alte Testament „nicht minder göttlichen Ursprungs“ sei als das Neue, gilt sicherlich auch für die zitierte Stelle aus dem Buche Hesekiel… Hesekiel erstickt jedes mögliche Aufbegehren gegen das Gebot, alle Erstgeburt zu opfern, im Keim: „… sollte ich mich von euch, Haus Israel, befragen lassen? So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich will mich von euch nicht befragen lassen.“ (Hesekiel 20,31.)

Hesekiel hatte den Fall Judas und die Verschleppung der Sekte nach Babylon miterlebt, so dass das nach ihm benannte Buch teilweise einen Augenzeugenbericht über jene Ereignisse darstellt. Die restlichen, „prophetischen“ Teile des Buchs belegen, dass der Ahn des orthodoxen Judentums ein Mann mit finsteren, ja dämonischen Neigungen war; gewisse Passagen hätten wohl nicht veröffentlicht werden können, wären sie nicht ein Teil der „heiligen Schrift“ gewesen.

Im vierten Kapitel weissagt Hesekiel mit Worten, die er Jahwe in den Mund legt, der Stadt Jerusalem eine Belagerung. Hesekiel soll „die Schuld des Hauses Israel tragen“, indem er Gerstenfladen isst, „die du vor den Augen der Leute auf Menschenkot backen sollst“. Auf Hesekiels Einwand, er habe noch nie unreine Speisen zu sich genommen, mildert Jahwe die Busse: „Sieh, ich will dir Kuhmist statt Menschenkot zulassen, dein Brot darauf zu bereiten.“ (Hesekiel 4,15.) Bald darauf droht Jahwe den Verächtern des Gesetzes folgendes an: „Weil ihr es schlimmer getrieben habt als die Heiden […] darum sollen in deiner Mitte Väter ihre Kinder und Kinder ihre Väter fressen. […] Es soll ein Drittel von dir an der Pest sterben und durch Hunger vernichtet werden in deiner Mitte, und das zweite Drittel soll durchs Schwert fallen rings um dich her, und das letzte Drittel will ich in alle Winde zerstreuen und will hinter ihnen her das Schwert ziehen.“ (Hesekiel 5,10-12.) Auf Drohungen dieser Art legten die Leviten besonderes Gewicht.

Man rufe sich in Erinnerung, dass diese grauenvollen Strafen nicht etwa für sündhafte Taten, sondern lediglich für die Nichtbefolgung des Gesetzes verhängt werden! Es folgen seitenlange Flüche, und Jahwe verspricht seinem Volk, sich der Heiden als Zuchtrute zu bedienen: Er will „die Schlimmsten unter den Völkern“ auf die Judäer hetzen und in deren Häusern wohnen lassen. (Hesekiel 7,24.)

Bei seiner Aufzählung der Strafen für die Verehrung „anderer Götter“ schilderte Hesekiel auch eine Vision von der Einnahme Jerusalems durch die Heiden:

„Und siehe, da kamen sechs Männer auf dem Wege vom oberen Tor her, das gegen Norden liegt, und jeder hatte ein Werkzeug zum Zerschlagen in der Hand. Aber es war einer unter ihnen, der hatte ein Kleid aus Leinwand an und ein Schreibzeug an seiner Seite. Und sie kamen heran und traten neben den kupfernen Altar. Und die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich von dem Cherub, über dem sie war, zu der Schwelle des Tempels am Hause, und der HERR rief den, der das Kleid von Leinwand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite, und sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Gräuel, die darin geschehen. Zu den andern Männern aber sprach er, so dass ich es hörte: Geht ihm nach durch die Stadt und schlagt drein, eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und keinen verschonen. Erschlagt Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Frauen, schlagt alle tot; aber die das Zeichen an sich haben, von denen sollt ihr keinen anrühren.“ (Hesekiel 9,2-6.)

Wer dergleichen gebührend verinnerlicht hatte, betrachtete es sicherlich als weise Vorsichtsmaßnahme, gebührend zu „seufzen und zu jammern“; hier liegt vielleicht der Ursprung der Klagemauer. Es folgt Kapitel um Kapitel mit den schrecklichsten Drohungen, freilich stets mit der tröstlichen Einschränkung, wenn die Verächter des Gesetzes Busse täten und sich an Jahwes Gebote hielten, würden den Heiden noch grauenhaftere Dinge zustoßen.

Während die von Hesekiel gegründete Schreiberschule in Babylon noch acht Jahrzehnte lang an der Fertigstellung des Gesetzes arbeitete, entwickelten die heimgekehrten Judäer in Jerusalem normale Beziehungen zu ihren Nachbarn. Jene fanatische Abgrenzung, welche das im Entstehen begriffene Gesetz für sie vorsah, hatten sie niemals praktiziert. Viele von ihnen beteten immer noch zu „anderen Göttern“ um Regen, gute Ernte, Sonnenschein und fruchtbare Herden und wandten sich nur an Jahwe, wenn sie in Stammesfehden verwickelt waren.

Dann, anno 458 v. Chr., schlugen die Leviten zu.

Ihr Gesetz war mittlerweile bereit, doch dies war nicht das Wichtigste. Sehr viel bedeutsamer war, dass der persische König gewillt war, ihm Nachdruck zu verschaffen. Zum ersten Mal hatte die herrschende Sekte jenes Wunder vollbracht, das sich später noch oft wiederholen sollte: Mit irgendwelchen Mitteln hatte sie einen fremden Herrscher, der von Rechts wegen ihr Herr und Meister und nach allen Maßstäben ein mächtiger Potentat war, dazu bewogen, ihr seine Soldaten und sein Geld zur Verfügung zu stellen!

An jenem Tage des Jahres 458 v. Chr. wurden die Judäer in Jerusalem endgültig vom Rest der Menschheit abgesondert und gerieten in eine Sklaverei, die sie in Babylon niemals gekannt hatten. Es war dies wahrhaftig „der Beginn der Geschichte“. Ihre Einzelheiten werden in den Büchern Esra und Nehemia erzählt. Esra und Nehemia waren zwei Emissäre, welche die Leviten von Babylon nach Jerusalem entsandt hatten, um über die Einhaltung des von Hesekiel und Konsorten geschaffenen Gesetzes zu wachen.

Esra, ein Vertreter der Hohepriester, kam mit rund 1500 Mann nach Jerusalem. Er kam im Namen des Perserkönigs Artahsastha (griechisch Artaxerxes), mit persischen Soldaten und persischem Gold, so wie Dr. Chaim Weizmann im Jahre 1917 n. Chr. mit britischen Waffen und britischem Gold und dreißig Jahre später mit amerikanischem Geld und amerikanischer Unterstützung kommen sollte. Esra war rechtlich gesehen ein persischer Emissär, so wie Dr. Weizmann, ein in Russland geborener Jude, 1917 rechtlich gesehen ein britischer Emissär war.

Mit welchen Kniffen die Sekte König Artahsastha dazu gebracht hat, sich vor ihren Karren spannen zu lassen, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Nach König Kyros war er der zweite fremde Potentat, der sich zu Handlangerdiensten für die Sekte hergab. In unseren Tagen ist dies für westliche Politiker zur unabdingbaren Voraussetzung für eine Karriere geworden.

Esra brachte das neue, rassische Gesetz mit. Die ersten, denen er es aufnötigte, waren seine eigenen Reisegefährten; er erlaubte nämlich nur denjenigen, ihn zu begleiten, die nachweisen konnten, dass sie abstammungsmäßig Judäer oder Leviten waren. Als Esra und seine Leute Jerusalem erreicht hatten, waren sie, um Dr. Kasteins Formulierung zu verwenden, „entsetzt und bestürzt“ über die Vielzahl gemischter Ehen: Die Judäer fanden Gefallen daran, nach ihrer eigenen Façon zu leben, „indem sie Mischehen mit Nachbarstämmen eingingen, mit denen sie friedliche, durch familiäre Bande gestützte Beziehungen entwickelt hatten“.

Dr. Kastein (der viele Jahrhunderte später ebenfalls „entsetzt und bestürzt“ über die von Esra vorgefundenen Zustände war), muss zähneknirschend einräumen, dass die Judäer mit diesen Eheschließungen „ihre Tradition so befolgten, wie sie damals verstanden wurde“ und gegen kein ihnen bekanntes Gesetz verstießen. Esra brachte das neue Gesetz Hesekiels, welches endgültig an die Stelle der alten Tradition trat. Kraft seines Amtes als Abgesandter des Perserkönigs befahl er den Bewohnern Jerusalem, sich zu versammeln und teilte ihnen mit, dass sämtliche gemischten Ehen aufzulösen seien:

„Ihr habt dem HERRN die Treue gebrochen, als ihr euch fremde Frauen genommen und so die Schuld Israels gemehrt habt. Bekennt sie nun dem HERRN, dem Gott eurer Väter, und tut seinen Willen und scheidet euch von den Völkern des Landes und von dem fremden Frauen.“ (Esra10,10-11.)

Es wurde ein Ältestenrat gebildet, dem die Aufgabe oblag, alle Mischehen aufzulösen und so die „friedlichen, durch familiäre Bande gestützten Beziehungen“ zu den Nachbarvölkern zu zerstören.

Dr. Kastein meint, Esras Maßnahme sei „zweifellos reaktionär“ gewesen, denn sie habe „einer Regelung, die zum damaligen Zeitpunkt nicht in der Thora verankert war, den Status eines Gesetzes verliehen“. Ganz nebenbei erwähnt erschien Dr. Kasteins Buch in Berlin, und zwar 1933, in jenem Jahre also, als Hitler an die Macht kam; zwei Jahre später sollte dieser die Nürnberger Gesetze erlassen, die dem Gesetz Esras auffallend glichen, von den Zionisten aber nichtsdestoweniger als „infam“ gegeißelt wurden.* Zu ihrer Abschaffung wurden die Armeen des Westens mobilisiert, die somit unter umgekehrten Vorzeichen dieselbe Rolle spielten wie die persischen Heere im Jahre 458 v. Chr.!

Das neue Gesetz hatte dieselben natürlichen Auswirkungen wie die jüdisch geführte Oktoberrevolution des Jahres 1917: Die Nachbarvölker empfanden tiefe Beunruhigung und Sorge über dieses unerhörte Ereignis. Sie fühlten sich bedroht und griffen Jerusalem an, wobei sie das Wahrzeichen ihrer Erniedrigung, die Stadtmauern, einrissen. Damals war Esra offenbar bereits nach Babylon zurückgekehrt; die den Judäern aufgezwungenen künstlichen Strukturen begannen flugs zu bröckeln, und die Natur forderte ihre Rechte: Abermals wurden Mischehen eingegangen, die zu „friedlichen, durch familiäre Bande gestärkten Beziehungen“ mit den Nachbarvölkern führten. Eine solche Entwicklung lässt sich einzig und allein durch rohe Gewalt verhindern.

Nach dreizehn Jahren, anno 445 v. Chr., holten die Führer der Sekte in Babylon zum nächsten Streich aus und entsandten Nehemia nach Jerusalem. Auch er war eine jener Gestalten, die für jene Epoche genau so typisch sind wie für das 20. Jahrhundert. Er war judäischer Abstammung und genoss die Gunst des Perserkönigs Artahsastha, dessen Mundschenk er war (so wie heute zionistische „Berater“ die rechte Hand britischer Premierminister und amerikanischer Präsidenten sind; die Parallele könnte kaum eindeutiger sein). Nehemia kam mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet nach Jerusalem und ließ die eingerissenen Stadtmauern sofort wieder aufbauen (mit persischem Geld wohlverstanden; auch dies ist eine unverkennbare Parallele zur heutigen Zeit), wodurch er das erste waschechte Ghetto schuf. Freilich stand dieses noch leer, aber nicht für lange:

„Und die Oberen des Volks wohnten in Jerusalem. Das übrige Volk aber warf das Los darum, wer von jeweils zehn nach Jerusalem, in die heilige Stadt, ziehen sollte, um dort zu wohnen, und die neun in den anderen Städten.“ (Nehemia 11,1.)

Somit war die Rasse zum obersten, wenn auch noch ungeschriebenen Grundsatz des Gesetzes geworden. Jahwe-Anhänger, die gegenüber den persischen Beamten und den levitischen Weisen nicht einwandfrei nachweisen konnten, dass sie einem der drei Stämme Juda, Benjamin und Levi entstammten, wurden „mit Abscheu“ (so Dr. Kastein) zurückgewiesen. Jedermann musste die unbestreitbare Reinheit seines Stammes“ anhand der Geburtenregister nachweisen. Die im 20. Jahrhundert von Hitler erlassenen Bestimmungen über den „Ariernachweis“ waren weniger extrem.

444 v. Chr. wies Nehemia Esra an, das Verbot von Mischehen in der Thora zu verankern. Hierdurch wurde es endgültig Bestandteil des schon zuvor oft modifizierten „Gesetzes“. Die Oberhäupter der Sippen und Familien wurden versammelt und mussten geloben, dass sie und ihre Angehörigen sich an sämtliche Gebote und Rechte der Thora halten würden, insbesondere an die neuen.

Im Buch Leviticus wurde ein (unerlässlicher) Einschub vorgenommen, laut dem Jahwe sein Volk von anderen Göttern abgesondert habe, damit es einzig und allein ihm gehöre. Den Judäern wurde es unter Androhung der Todesstrafe verboten, außerhalb ihres Stammes zu heiraten; wer eine fremde Frau ehelichte, brach Gott die Treue (Nehemia 13,27). Im heutigen Zionistenstaat gilt dieses Gesetz immer noch. „Fremdlingen“ wurde das Betreten Jerusalems untersagt, so dass die Stadt „von allem Ausländischen gereinigt“ wurde (Nehemia 13,30).

Sowohl Nehemia als auch Esra waren Augenzeugen dieser Ereignisse. Nehemia ist der ideale, unanfechtbare Erzähler: Er war an Ort und Stelle zugegen; er war der Diktator, der das Gesetz verkündete und seine Einhaltung erzwang. Als Esra das Gesetz auf Nehemias Geheiß erstmals verlas, geschah folgendes: „Alles Volk weinte, als sie die Worte des Gesetzes hörten.“ (Nehemia 8,9.)

Dieser wie von einem Journalisten jener Zeit formulierte Satz ermöglicht es dem Leser, sich die Szene so drastisch vorzustellen, als hätte sie sich vor vierundzwanzig Stunden und nicht vor vierundzwanzig Jahrhunderten zugetragen. Er sieht die weinende, ins Ghetto verbannte Menschenmenge des Jahres 444 v. Chr. mit den Augen eines Mannes, der, flankiert von persischen Soldaten, sein Volk in seine erste wirkliche Gefangenschaft zwingt, jene geistige Gefangenschaft, in der fortan jeder Mensch, der sich „Jude“ nannte, schmachten sollte.

Nehemia blieb zwölf Jahre lang in Jerusalem und kehrte dann an den babylonischen Hof zurück. Abermals begannen die künstlichen Strukturen sogleich zu bröckeln, so dass er ein paar Jahre später nach Jerusalem zurückkehrte, wo Mischehen wiederum Gang und Gebe geworden waren. Wie Dr. Kastein berichtet, „löste er diese zwangsweise auf und verhängte die schwersten Strafen für künftige Verstöße dieser Art“. Als nächstes „untersuchte er die Geburtsregister ein weiteres Mal sorgfältig, um das Prinzip der Selektion rigoros durchsetzen zu können“, wobei er sämtliche Familien – selbst solche, die der aaronitischen Priesterschaft angehörten – aus der Gemeinde ausschloss, wenn er auch nur den geringsten Makel in ihrer Genealogie entdeckte. Schließlich „säuberte er die Gemeinde erbarmungslos von all jenen, die es an bedingungslosem und totalem Gehorsam gegenüber der herrschenden Ordnung und dem Gesetz hatten fehlen lassen“ und ließ das gesamte Volk sein Gelübde wiederholen.

Dies war der „neue Bund“, so wie das Deuteronomium das „zweite Gesetz“ gewesen war. Die Worte „neu“ bzw. „zweites“ waren jeweils der Pferdefuß, an dem man die Häresie erkannte. Alle Bewohner Jerusalems wurden gezwungen, den „neuen Bund“ zu unterzeichnen, als handle es sich um einen Geschäftsvertrag. Nun konnte Nehemia endgültig nach Babylon zurückkehren; er hatte seine „Mission der Isolierung“ erfüllt und „ließ eine Gemeinschaft hinter sich, die sich in allen fundamentalen Fragen einig und fähig war, sich selbständig zu behaupten. Er hatte ihr Alltagsleben für sie organisiert und ihre geistigen Grundlagen geschaffen.“ Die Formulierungen stammen von Dr. Kastein. Mit welchen Mitteln man die Gemeinschaft soweit gebracht hatte, dass sie sich „in allen fundamentalen Fragen einig war“, hat der Leser ja bereits erfahren.

Damals waren seit der Verstoßung Judas durch Israel rund vierhundert Jahre und seit der Eroberung Israels durch die Assyrer rund dreihundert Jahre vergangen. Die Leviten hatten diesen langen Zeitraum genutzt, um die alte Tradition zu pervertieren, ihr rassisch-religiöses Gesetz schriftlich festzulegen und es den Judäern in der kleinen persischen Provinz Judäa schließlich wie Handfesseln anzulegen. Es war ihnen geglückt, einen surrealistischen Stammesglauben zu schaffen und eine von ihnen selbst geleitete Theokratie zu begründen. Von nun an sollte ihr Volk bei seiner Reise durch die Jahrhunderte stets die Rolle eines Katalysators spielen.

Mehr als hundert Generationen lang, seit dem Tag, als das weinende Volk durch die Macht der persischen Waffen gezwungen worden war, den neuen Bund zu unterzeichnen, hat dieses Volk, dessen Blut sich allmählich verändern mochte, das die Ketten des Gesetzes jedoch niemals abschütteln konnte, seine Bürde und sein Erbe in geistiger Isolierung vom Rest der Menschheit getragen. Das Paradox ist wahrhaftig singulär: Zwar war die Versklavung der Judäer von den Leviten geplant worden, aber die Sklavenketten waren ein persisches Fabrikat. Damals wie auch in Zukunft wachte die fanatische Sekte darüber, dass die Gefangenschaft ihres Volkes fortdauerte, doch dass der Sekte dies gelang, hatte sie fremden Waffen und fremdem Geld zu verdanken.

Wer trägt ein höheres Maß an Verantwortung: Derjenige, der einen anderen zur bösen Tat anstachelt, oder jener andere, der sie begeht? Falls der Täter schuldiger ist als der Verführer, ist das Verdikt der Geschichte zwar paradox, aber eindeutig: Die Hauptverantwortung für die Häresie des Judentums liegt bei jenen Nichtjuden, die sich von den Perserkönigen bis in die Gegenwart vor den Karren der Sekte spannen ließen, welche diese Häresie begründet hatte.

Wir sprechen mit gutem Grund von einer „Häresie“. An jenem Tag, als die Soldaten König Artahsastha die Bewohner von Jerusalem dazu zwangen, Hesekiels neuen Bund zu unterzeichnen, war die Perversion der alten israelischen Tradition endgültig Tatsache geworden, und an die Stelle der Bejahung Gottes trat seine Verneinung.

Zwischen dem Gott der moralischen Gebote und der boshaften Gottheit Hesekiels, die sich damit brüstete, die Opferung der Erstgeborenen befohlen zu haben, um die Menschen mit Furcht zu erfüllen, klaffte ein unüberbrückbarer Abgrund. Nun wurde kein geoffenbarter Gott mehr verehrt, sondern ein menschengemachter, die Inkarnation eines primitiven Stammesdenkens. Was die alten Judäer in Form des neuen Bundes unter Zwang unterschrieben, war entweder eine formelle Leugnung Gottes oder aber die formelle Behauptung, Gott sei Juda. Letzteres wird in der Tat von manchen Zionisten unserer Zeit behauptet, so dass die Häresie offen und unverhüllt zutage tritt:

„Gott geht im Nationalismus Israels auf. Er wird zum nationalen Ethos. … Er erschafft die Welt in der hebräischen Sprache. Er ist der Nationalgott.“ (Rabbi Solomon Goldman.)

„Wir und Gott sind zusammen aufgewachsen… Wir haben einen Nationalgott… Wir glauben, dass Gott ein Jude ist und dass es keinen englischen oder amerikanischen Gott gibt“ (Maurice Samuel.)

„Es war nicht Gott, der diese Menschen wollte und ihnen einen Sinn gab. Es war dieses Volk, das diesen Gott wollte und ihm diesen Sinn verlieh.“ (Dr. Kastein.)

Diese Aussagen sind eindeutig genug. Sie in unserem Jahrhundert in New York, Chicago, London oder Berlin zu machen, war ein leichtes, doch wer die längst aufgegangene Saat gesät hat, lesen wir im Buch Nehemia: „Alles Volk weinte, als sie die Worte des Gesetzes hörten.“ Seit jenem Tage hat dieses Volk auch anderen Völkern mehr als einmal Anlass zum Weinen gegeben.

 

* Anmerkung des Übersetzers: Die Nürnberger Gesetze waren gemäßigter als das Gesetz Esras, da sie zwar künftige Eheschließungen zwischen Ariern und Juden untersagten, bereits bestehende Ehen jedoch im Gegensatz zu Esras Gesetz nicht antasteten.

 


 

Kapitel 7

Die Übersetzung des Gesetzes

Im Lichte der seitherigen Entwicklungen war das wichtigste Ereignis der vier Jahrhunderte, die auf die schriftliche Festlegung des Gesetzes folgten, die erste Übersetzung der (später als „Altes Testament“ bekannt gewordenen) judäischen Schriften in eine fremde Sprache, das Griechische. Dank dieser Übersetzung erhielten die „Heiden“ die Möglichkeit, sich zumindest teilweise mit einem Gesetz vertraut zu machen, das ihre eigene Versklavung oder Vernichtung und die unumschränkte Herrschaft Judas vorsah. Ohne diese Übersetzung hätten sie über die Natur des Judaismus lediglich Spekulationen anstellen können, doch nun lagen ihnen alle Beweise schwarz auf weiß vor.

Aus diesem Grund wirkt es auf den ersten Blick äußerst befremdlich, dass diese Übersetzung überhaupt in Auftrag gegeben wurde. (Der Überlieferung zufolge wurde sie zwischen 275 und 150 v. Chr. von zweiundsiebzig jüdischen Gelehrten in Alexandria erstellt.) Dr. Kastein schreibt, sie sei „mit einem ganz bestimmten Ziel vor Augen“ angefertigt worden, nämlich dem, den Text „für die Griechen verständlich zu machen; dies führte zu der Verzerrung und Entstellung von Wörtern, zu Bedeutungsänderungen und der häufigen Verwendung allgemeiner Ausdrücke und Ideen für rein lokale und nationale“ .

Falls Dr. Kastein beabsichtigt haben sollte, seine Leser über den wirklichen Zweck der Übersetzung hinwegzutäuschen, hat er seine Worte unbedacht gewählt: Man macht einen Text nicht dadurch „verständlich“, dass man ihn „verzerrt und entstellt“, seine Bedeutung verändert und eindeutige Begriffe durch zweideutige ersetzt. Außerdem musste Dr. Kastein als erstrangiger Kenner der jüdischen Religion wissen, was auch der Außenstehende der Jewish Encyclopedia entnehmen kann, nämlich dass der Talmud „es verbot, einen Nichtjuden die Thora zu lehren, und dass jeder, der dies tat, des Todes war“. In der Tat schätzte der Talmud die Gefahr, die dadurch heraufbeschworen wurde, dass Heiden das Gesetz kennenlernten, dermaßen groß ein, dass er eine mündliche Thora begründete, als letztes Bollwerk der Geheimnisse Jahwes, die hierdurch vor dem neugierigen Auge der Nichtjuden geschützt wurden.

Die Übersetzung der judäischen Schriften ins Griechische erfolgte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht den Griechen, sondern den Judäern selbst zuliebe. In Babylon hatte das judäische Fußvolk seine hebräische Sprache verlernt; diese wurde allmählich zum priesterlichen Mysterium, zu „ einem der geheimen geistigen Bande, welche die Judäer mit der Diaspora verbanden“, um Dr. Kasteins Formulierung aufzugreifen. Zur Umgangssprache der Judäer wurde das Aramäische. Doch die größte jüdische Gemeinde befand sich in Alexandria, wo das Griechische die Alltagssprache war; die meisten Judäer verstanden überhaupt kein Hebräisch mehr, und deshalb wurde eine griechische Version des Gesetzes zur unabdingbaren Voraussetzung für seine Interpretation.

Die Priester konnten freilich nicht ahnen, dass Jahrhunderte später eine neue Weltreligion entstehen sollte, welche die judäischen Schriften in ihre eigene Bibel eingliedern und das Mosaische Gesetz somit der ganzen Welt bekannt machen würde. Hätten sie dies vorausgesehen, so wäre die griechische Übersetzung wohl unterblieben.

Nichtsdestoweniger wiesen die Priester die Übersetzer zweifellos darauf hin, dass ihre Arbeit den Nichtjuden erstmals Gelegenheit bieten würde, das Gesetz kennenzulernen. Dies war wohl der Grund für die von Dr. Kastein erwähnten Verzerrungen, Entstellungen und Veränderungen.

Was wurde übersetzt? Zunächst einmal die fünf Gesetzesbücher, also die Thora. Nachdem Esra und Nehemia den nach Jerusalem Zurückgekehrten den „neuen Bund“ aufgenötigt hatten, hatte die Priesterschaft in Babylon eine abermalige Revision der Thora vorgenommen: „Einmal mehr verliehen anonyme Herausgeber ihrer Geschichte, ihren Traditionen, Gesetzen und Gebräuchen eine Bedeutung, die in vollem Übereinklang mit der Theokratie stand und sich auf das Regierungssystem anwenden ließ… Die Gestalt, welche die Thora damals erhielt, war die endgültige und definitive; fortan durfte kein Jota mehr daran geändert werden; man durfte keinen einzigen Gedanke, kein Wort und keinen Buchstaben mehr ändern“ (Dr. Kastein).

Wenn sterbliche Menschen einem angeblich bereits definitiv festgelegten Text „eine Bedeutung verleihen“ und alle geistige Tradition so zurechtstutzen, dass sie sich zur Rechtfertigung weltlicher politischer Ambitionen hergibt, kann das Ergebnis ganz unmöglich die ursprüngliche Offenbarung Gottes sein. Die frühere, israelitische Version des Gesetzes war gründlich gesäubert oder gar ausgelöscht worden, und an ihre Stelle war das judäische Rassengesetz in seiner „endgültigen und definitiven Form“ gerückt.

Dieselbe Methode gelangte bei der Erstellung der anderen Bücher zur Anwendung, mochten sie nun historischer, prophetischer oder lyrischer Art sein. Das Buch Daniel beispielsweise wurde ungefähr zur selben Zeit niedergeschrieben, d. h. rund vierhundert Jahre nach den Ereignissen, die es schildert. Unter diesen Umständen verwundert es keineswegs, dass der anonyme Verfasser die geschichtlichen Fakten durcheinander brachte. Mit bemerkenswerter Offenheit äußert sich Dr. Kastein über die Art und Weise, wie diese Bücher verfasst wurden:

„Die Herausgeber, welche den Büchern Josua, Richter, Samuel und Könige ihre endgültige Gestalt verliehen, sammelten jedes Fragment [der alten Lehren und Überlieferungen] und interpretierten sie kreativ… Es war nicht in jedem Falle möglich, bestimmte Worte bestimmten Personen zuzuordnen, weil diese so oft anonym gearbeitet hatten, und den Herausgebern ging es weit mehr um das betreffende Thema als um philologische Genauigkeit; sie begnügten sich damit, die Aussagen der Propheten so gut wie sie konnten aneinanderzureihen.“

Diese Methode mag eine Erklärung dafür liefern, dass ein und dieselbe „messianische“ Prophezeiung zwei Propheten in den Mund gelegt wurde (Jesaja 2,2-4 und Micha 4,1-4), und dass wir auch in anderen Büchern auf zahlreiche Wiederholungen stoßen. Wie Dr. Kastein treffend bemerkt, ging es den Herausgebern um „das betreffende Thema“ und nicht um „philologische Genauigkeit“, d. h. um das Wort Gottes. „Das betreffende Thema“ aber war politischer Nationalismus in der extremsten Form, welche die Menschheit je gekannt hat, und die Respektierung dieses Dogmas war die einzige Regel, die es zu beachten galt. Wer den Ursprung dieser Bücher studiert, begreift ohne weiteres, auf welche Weise sie nach der Verstoßung Judas durch Israel erstellt wurden.

Im Verlauf von fünf oder sechs Jahrhunderten schufen Generationen politischer Priester jenes Buch, das zwischen 275 und 150 v. Chr. ins Griechische übersetzt wurde. Nach dem Erscheinen Jesu Christi wurde dieses Werk mitsamt dem Neuen Testament vom Heiligen Hieronymus ins Latein übertragen, und „beide galten der Kirche als gleichermaßen göttlichen Ursprungs und als Bestandteile eines einzigen Buches“, wie eine typische moderne Enzyklopädie schreibt. Dieses theologische Diktum wurde auf dem Konzil von Trent im 16. Jahrhundert formell bekräftigt und von fast allen protestantischen Kirchen ungeprüft übernommen, obgleich letztere in dieser Frage wahrhaftig triftigen Grund zum Protestieren gehabt hätten…

In Anbetracht der bei der Übersetzung vorgenommenen Veränderungen (vgl. Dr. Kasteins diesbezügliche Bemerkungen) können heutzutage allenfalls Judaisten darüber urteilen, wie nahe der Text des Alten Testaments in seiner hebräisch-aramäischen Originalversion jener Fassung kommt, die zuerst ins Griechische und dann aus dem Griechischen ins Latein übersetzt und als einer von zwei Bestandteilen in die christliche Bibel eingegliedert wurde. Jedenfalls wurden erhebliche Veränderungen vorgenommen, und abgesehen davon gibt es noch die „mündliche Thora“ sowie die talmudische Fortsetzung der Thora, so dass die nichtjüdische Welt niemals die ganze Wahrheit über das judäische Gesetz erfahren hat.

Tatsache ist und bleibt jedoch, dass das Alte Testament zum Bestandteil der christlichen Religion geworden ist, worüber man sich nur wundern kann. Ungeachtet sämtlicher Streichungen und Modifizierungen sind die rachsüchtige Stammesgottheit, der barbarische Glaube und das Gesetz der Versklavung und Vernichtung für jedermann unschwer zu erkennen. Nachdem das Gesetz erst einmal übersetzt war, vermochten auch noch so viele Verzerrungen, Entstellungen, Veränderungen und sonstige Taschenspielertricks seine wahre Natur nicht zu kaschieren; dies ist der beste Beweis dafür, dass jene, welche die Übersetzung in Auftrag gaben, nicht ahnten, welch weltweite Beachtung sie dereinst finden würde.

Mit dieser Übersetzung drang das Alte Testament, wie wir es heute nennen und kennen, in das damals eben erst im Entstehen begriffene Abendland ein – mitsamt seiner Lehre des Rassenhasses und der Zerstörung, die lediglich durch die moralischen Gebote ein wenig gemildert wird. Als das Abendland und das Christentum neunzehneinhalb Jahrhunderte alt geworden waren, sprachen ihre Führer, welche vor der Macht der Sekte zitterten, vom Alten Testament so ehrfürchtig, als sei es die bessere Hälfte des Buchs, nach dem sie zu leben vorgaben. Nichtsdestoweniger war es auch weiterhin das, was es stets gewesen war: Ein Gesetz zur Versklavung und Vernichtung der Völker, und alles, was die westlichen Führer in selbstgewählter Knechtschaft tun, dient diesem Zweck.

Kapitel 8

Das Gesetz und die Idumäer

Via die alexandrinischen Juden lernten zunächst die Griechen und anschließend andere heidnische Völker die von den Leviten erstellten Schriften kennen. In der kleinen Provinz Judäa waren an die Stelle der persischen Machthaber längst die Griechen getreten, die jedoch später ihrerseits den Römern weichen mussten.

Nächst der Übersetzung der Schriften war das zweitwichtigste Ereignis dieser chaotischen Jahrhunderte judäischer Geschichte der erzwungene Übertritt der Idumäer, eines Stammes, den man früher als Edomiter bezeichnet hatte, zum Jahwe-Kult. (Das Wort „Judentum“ wurde anscheinend erstmals von dem jüdischen Historiker Flavius Josephus als Bezeichnung für Kultur und Lebensweise der Judäer verwendet, so wie man die griechische Kultur und Lebensweise „Hellenismus“ nannte, und besaß ursprünglich keine spezifisch religiöse Bedeutung. In Ermangelung eines treffenderen Ausdrucks werden wir es jedoch fortan zur Kennzeichnung der von den Leviten unter krasser Verzerrung des Mosaischen Gesetzes geschaffenen rassischen Religion benutzen.)

Die Geschichte kennt nur eine einzige weitere Massenbekehrung zum Judentum, die etwa acht bis neun Jahrhunderte später erfolgen sollte und, wie wir nachweisen werden, von unmittelbarer Bedeutung für die Gegenwart war. Andererseits waren individuelle Konversionen während dieser Zeit durchaus nichts Ungewöhnliches; die Rabbiner scheinen sie sogar gefördert zu haben, denn kein Geringerer als Jesus selbst warf den Schriftgelehrten und Pharisäern vor, Land und Meer zu durchziehen, „um einen Judengenossen zu gewinnen“ (Matthäus 23,15.)

Aus irgendwelchen Gründen wurde das im zweiten Gesetz sowie im neuen Bund verankerte Verbot der Mischehen sowie der Aufnahme Fremder damals also nicht konsequent befolgt. Vermutlich lag die Ursache hierfür in der zahlenmäßigen Schwäche der Judäer: Wäre das rassische Gesetz strikt eingehalten worden, so wäre der kleine Stamm Juda immer mehr geschrumpft, und die Priester hätten sich in der misslichen Lage von Generälen befunden, die zwar einen Schlachtplan, aber keine Soldaten zu seiner Verwirklichung besitzen.

Wie dem auch sei, fest steht, dass es zahlreiche Konversionen und Mischehen gab. In der Jewish Encyclopedia heißt es hierzu, Juda habe „in seiner Früh- und Spätzeit durch die Aufnahme Außenstehender an Kraft gewonnen“, und andere Autoritäten äußern sich im gleichen Sinne. Unter diesen Umständen muss der Stamm Juda bereits in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten allerlei fremdes Blut aufgenommen haben.

Dies änderte freilich nichts daran, dass das Rassengesetz auch weiterhin in Kraft war und diese Konversionen ihm keinerlei Abbruch taten. Erst in der christlichen Ära hörten die Übertritte zum Judentum fast gänzlich auf, und die Juden wurden wiederum zu einer durch das strenge Verbot der Rassenmischung vom Rest der Menschheit abgesonderten Gemeinschaft. Dieses Verbot wurde und wird auch vom Zionismus vollumfänglich aufrechterhalten und laut dem Talmud sind Proselyten „für das Judentum so schädlich wie Geschwüre für einen gesunden Leib“.

Glühende Zionisten stoßen sich noch heute die Köpfe an der Klagemauer wund, wenn sie an den Skandal mit den Edomitern (oder Idumäern) denken, deren Übertritt zum Judentum für sie einen schlagenden Beweis für die Richtigkeit der eben zitierten Talmudstelle liefert. Dass es überhaupt zu diesem Übertritt kommen konnte, war ihrer Ansicht nach auf den leichtfertigen Umgang der Priester mit der Geschichte und dem Gesetz zurückzuführen.

In der Genesis heißt es freilich, das Volk der Edomiter habe von Esau abgestammt („Dies ist das Geschlecht Esaus, der auch Edom heißt“; 1. Mose 36,1), und Esau war der Bruder Jakobs, der Israel genannt wurde. Somit waren Juda und Edom laut der ursprünglichen Überlieferung verwandt; dies wird noch im Deuteronomium ausdrücklich anerkannt, wo der Herr zu Moses sagt:

„Und gebiete dem Volk und sprich: Ihr werdet durch das Land eurer Brüder, der Söhne Esaus, ziehen, die auf dem Seïr wohnen, und sie werden sich vor euch fürchten. Aber hütet euch ja davor, sie zu bekriegen; ich werde euch von ihrem Lande nicht einen Fuß breit geben, denn das Gebirge Seïr habe ich den Söhnen Esaus zum Besitz gegeben. Speise sollt ihr für Geld von ihnen kaufen, damit ihr zu essen habt, und Wasser sollt ihr für Geld von ihnen kaufen, damit ihr zu trinken habt.“ (5. Mose 2; 4-6.) Die Kinder Israel befolgten diesen Befehl und umgingen das Gebiet der Edomiter.

Ab ca. 400 v. Chr. wurden die Judäer von ihren Nachbarstämmen mit Argwohn und Furcht betrachtet, und die Edomiter machten da keine Ausnahme. Diese Befürchtungen erwiesen sich später als wohlbegründet, denn als sich Juda zur Zeit der Hasmonäer, unter denen der Herrscher jeweils König und Hohepriester zugleich war, zu einer ernstzunehmenden Regionalmacht gemausert hatte, griff der König und Hohepriester Johannes Hyrcanus (134 – 104 v. Chr.) die Edomiter, die man mittlerweile Idumäer nannte, an und zwang sie mit vorgehaltenem Schwert, sich beschneiden zu lassen und das Mosaische Gesetz zu übernehmen. Johannes Hyrcanus musste zwischen zwei politischen Parteien lavieren. Die gemäßigtere davon, die Sadduzäer, welche die Monarchie unterstützten, sprach sich gegen eine Ausrottung der Idumäer aus und begnügte sich mit ihrer Zwangsbekehrung zum Judentum. Den Sadduzäern stand die radikale Partei der Pharisäer entgegen, die das alte, despotische Priestertum der Leviten verkörperten und diesem wieder zur uneingeschränkten Macht verhelfen wollten.

Vermutlich hätten die pharisäischen Fanatiker als Erben der Leviten es gerne gesehen, wenn Johannes Hyrcanus das Gesetz rigoros ausgelegt und die Idumäer mit Stumpf und Stiel ausgerottet hätte. Sie widersetzten sich dem König erbittert (so wie sich der Hohepriester Samuel einst dem König Saul widersetzt hatte) und arbeiteten auf den Sturz der Monarchie hin. Besonders aufschlussreich war, dass sie die Katastrophe, die Juda später ereilte, als Züchtigung für die unangebrachte Milde gegenüber den Idumäern deuteten! Für sie war die zweite Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr. die unvermeidliche Strafe dafür, dass Johannes Hyrcanus das Gesetz zu lasch ausgelegt hatte. Wie vor ihm Saul hatte er durch seine Barmherzigkeit gegenüber dem Feind „gefrevelt“.

Allerdings mussten sich die Pharisäer rund 150 Jahre gedulden, ehe der Beweis für diese These erbracht war (falls irgendjemand außer ihnen selbst diesen Beweis anerkannte). Zur Vorgeschichte der Katastrophe folgendes:

Der Idumäer Antipatras (ca. 100 – 43 v. Chr.) gelangte an dem kleinen Hof von Jerusalem zu hohen Ehren, so wie einst dem legendenumrankten Daniel an den weit größeren Höfen des babylonischen und des persischen Königs Karriere ein ungeahnter Aufstieg beschieden gewesen war. Hierauf wandten sich die Pharisäer an den römischen Triumvir Pompeius mit dem Gesuch, in Judäa einzugreifen, die Monarchie abzuschaffen und das alte Priestertum wieder in den Sattel zu heben. Doch schlug dieser Plan fehl: Obwohl die Dynastie der Hasmonäer in den folgenden, durch chaotische Kriege und Aufstände gekennzeichneten Jahrzehnten tatsächlich vernichtet wurde, war Antipatras dem Idumäer ein unaufhaltsamer Aufstieg beschieden, und schließlich machte ihn Cäsar zum Statthalter von Juda; sein Sohn Herodes wurde von Antonius gar zum König von Juda ernannt!

Die Zustände in der kleinen Provinz blieben jedoch heillos chaotisch, so dass Rom schließlich keine andere Wahl hatte, als die Zügel selbst in die Hände zu nehmen, womit auch der letzte Anschein von Unabhängigkeit dahin war.

Dass es soweit kam, war offensichtlich die Schuld der Pharisäer, welche die römische Einmischung provoziert hatten. Allerdings schoben sie die Verantwortung dem „Halbblut“ und „idumenäischen Sklaven“ Herodes zu: Sie argumentierten, dies alles wäre nicht geschehen, hätte Johannes Hyrcanus „das Gesetz befolgt“ und die Idumäer „vollständig vernichtet“.

Höchst aufschlussreich ist, mit welch leidenschaftlichem Ingrimm Dr. Kastein diesen Vorwurf zweitausend Jahre später aufgriff, als hätten sich die betreffenden Dinge erst am Tag zuvor zugetragen. Ein Zionist des zwanzigsten Jahrhunderts, dessen Buch im Jahre der Machtergreifung Adolf Hitlers erschien, war felsenfest davon überzeugt, dass die zweite Katastrophe Judas, die Zerstörung des Tempels, die logische Folge eines Verstoßes gegen das Rassengesetz war!

Wie wir sehen werden, bedeutete die Katastrophe Judas für die Pharisäer einen Sieg; es ist dies eines jener Paradoxe, an denen die Geschichte Zions von Anbeginn an so ungemein reich ist.

Anmerkung des Übersetzers: In diesem Kapitel sah ich mich gezwungen, gewisse Veränderungen vorzunehmen. Reeds Behauptung, Jahwe habe den Israeliten die Ausrottung der Edomiter befohlen, findet im Text des Alten Testaments keine Stütze, so dass ich die betreffenden Sätze streichen musste. Des Weiteren habe ich einige für den Leser nützliche Informationen hinzugefügt.

Kapitel 9

Der Aufstieg der Pharisäer

Zu den Pharisäern, welche in der kleinen römischen Provinz Juda die stärkste politische Partei bildeten, gehörte der ungeheuer einflussreiche harte Kern der Sekte, der früher vom levitischen Priestertum vertreten worden war. Die Pharisäer waren die Träger der levitischen Idee in ihrer radikalsten Spielart, wie wir sie in den Büchern Hesekiel, Esra und Nehemia finden; laut der Jewish Encyclopedia mussten sie schwören, „die levitischen Reinheitsgesetze streng zu befolgen“.

So wie die Leviten einst über die israelitischen Reformatoren triumphiert und Juda von seinen Nachbarvölkern abgesondert hatten, waren die Pharisäer allzeit bereit, jeden Versuch zur Wiedereingliederung Judas in die Menschheit im Keim zu ersticken. Sie waren die Gralshüter des zerstörerischen Prinzips, und das nächste Kapitel der Geschichte Zions war dasjenige ihres Sieges. Wie weiland der Triumph der Leviten erfolgte auch jener der Pharisäer vor dem Hintergrund der Zerstörung Jerusalems.

Innerhalb der Priesterkaste war es im Verlauf der Generationen zu einer Art Aufstand gegen die ständigen Veränderungen des Gesetzes gekommen, welche mit den Schreibern aus der Schule Hesekiels und Esras begonnen hatten. Die betreffenden Priester waren der Überzeugung, das Gesetz habe seine endgültige Form erlangt und dürfe nicht weiter „umgedeutet“ werden. Dieser Herausforderung, welche den jüdischen Nationalismus bis in seine Grundfesten erbeben ließ, widersetzten sich die Pharisäer mit größter Erbitterung: Sie waren die Hüter der Tradition und des mündlichen Gesetzes, das Gott Mose offenbart hatte und das niemals schriftlich festgelegt werden durfte, jedoch die Grundlage des gesamten übrigen Gesetzes darstellte. Die Behauptung der „Weisen“, die Geheimnisse Gottes zu kennen, liegt der mystischen Ehrfurcht zugrunde, mit der unzählige Generationen von Juden ihnen begegneten; sie vermag eine Furcht einzuflößen, der sich selbst aufgeklärte jüdische Freidenker nicht völlig entziehen können.

Nichtsdestoweniger führte der instinktive Drang, dieses Joch abzuschütteln, immer wieder zum Entstehen gemäßigter Fraktionen innerhalb des Judentums. Während des Zeitraums, um den es hier geht, wurde diese Tendenz durch die Sadduzäer verkörpert, welche die Mehrheit des Priestertums stellten. Sie wollten „den Frieden der Stadt wahren“ und jeden gewaltsamen Zusammenprall mit der römischen Besatzungsmacht tunlichst vermeiden. Mit den Pharisäern standen die Sadduzäer auf gespanntem Fuß. Solche Flügelkämpfe haben die Geschichte des Judentums fünfundzwanzig Jahrhunderte lang begleitet und sind auch in der Gegenwart nicht erloschen.

Obwohl es sich sehr wohl lohnt, diese innerjüdischen Konflikte zur Kenntnis zu nehmen, sind sie für den Rest der Menschheit im Grunde lediglich von theoretischem Interesse. Die Geschichte zeigt nämlich, dass immer, wenn der Streit für oder gegen die „Wahrung des Friedens in der Stadt“ wieder aufflammte, der Sieg jener Partei zufiel, die für Abgrenzung und Zerstörung stand, und dass sich das jüdische Fußvolk unweigerlich um diese Partei scharte. Das vorderhand letzte Beispiel hierfür bietet unser Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begegneten die jüdischen Gemeinden Deutschlands, Englands und Amerikas (die man mit den Sadduzäern vergleichen könnte) den aus Russland stammenden Zionisten (die den Pharisäern entsprachen) mit schroffer Ablehnung, doch innerhalb von fünfzig Jahren brachte die extreme Partei es fertig, bei Unterredungen mit westlichen Regierungen als einzige Vertreterin „der Juden“ aufzutreten und jede Opposition innerhalb der jüdischen Gemeinden weltweit fast gänzlich zum Verstummen zu bringen.

Die Pharisäer verkörpern das zweite Glied im Stammbaum der Sekte, die in unserer Zeit für dermaßen schwerwiegende Umwälzungen verantwortlich ist. Das erste Glied waren die Leviten in Babylon gewesen, das zweite waren wie eben erwähnt die Pharisäer in Jerusalem, das dritte dann die Talmudisten in Spanien, das vierte die Rabbiner in Russland, und das fünfte sind die Zionisten der Gegenwart.

Laut den Kennern der hebräischen Sprache hat der Name „Pharisäer“ die Bedeutung von „einer, der sich absondert“; gemeint ist damit ein Mann, der sich von allen unreinen Menschen und Dingen fernhält, um jenen Grad an Heiligkeit und Rechtschaffenheit zu erreichen, der Voraussetzung für den Umgang mit Gott ist. Die Pharisäer bildeten eine Liga oder Brüderschaft; in ihren innersten Kreis wurde nur aufgenommen, wer in Gegenwart dreier Mitglieder schwor, das levitische Reinheitsgesetz aufs strengste zu befolgen. Somit waren die Pharisäer die frühesten Spezialisten auf dem Gebiet der geheimen Verschwörung und erhoben diese in den Rang einer politischen Wissenschaft.

Alles spricht dafür, dass das Wissen und die Erfahrung, welche die Pharisäer auf diesem Wege erwarben, ihren Niederschlag in den Methoden jener konspirativen Parteien fanden, die im Verlauf der letzten beiden Jahrhunderte in Europa entstanden sind. Dies gilt in besonders hohem Masse für die zerstörerische kommunistische Revolution in Europa, die von Juden vorbereitet und von Juden geführt wurde. Eine Erfindung der Pharisäer war beispielsweise eine auf gegenseitiger Furcht und gegenseitigem Misstrauen beruhende Technik, durch welche die Verschwörer unserer Tage zusammengekittet werden und denen konspirative Organisationen ihre Schlagkraft verdanken. Diese Technik besteht darin, die Spione ihrerseits ausspionieren und die Spitzel ihrerseits bespitzeln zu lassen; auf ihr basiert der Zusammenhalt der Kommunistischen Partei, und sie gelangt auch in der Roten Armee zur Anwendung, deren offizielles Reglement den „politischen Kommissar“ und den „Informanten“ als Bestandteil der militärischen Struktur anerkennt, vom Generalstab bis hinab zum Zug.

Wie gesagt waren die Pharisäer die Begründer dieser Technik, welche sie mit einem Zitat aus dem Buch Leviticus begründeten, laut dem ein Wächter von einem anderen Wächter zu überwachen ist. Man kann das Wesen der revolutionären Maschinerie, die im 19. Jahrhundert in Europa in Gang gesetzt wurde, nur verstehen, wenn man sich vor Augen hält, dass die meisten ihrer Schöpfer und Führer den Talmud verinnerlicht hatten und mit talmudischen Praktiken vertraut waren. Die ersten Talmudisten aber waren die Pharisäer. Sie behaupteten, alles, was die Schreiber getan hätten, sei göttlich inspiriert gewesen, sogar ihre Irrtümer. Dies ist eine Grundregel des Talmud.

Unter der drückenden Herrschaft der Pharisäer keimte auch der Messias-Gedanke, der durch all die Jahrhunderte hindurch ungeahnte Auswirkungen haben sollte. Den früheren israelitischen Propheten war er noch fremd gewesen; diese hatten die Vorstellung von der Herrenrasse noch nicht gekannt und konnten deshalb auch die später aufkommende Idee von einem Gesandten Jahwes nicht vorausahnen, der das Königreich der Herrenrasse auf Erden begründen würde.

Die jüdischen Autoritäten lassen keine Zweifel an der Mission des künftigen Messias aufkommen. Laut der Encyclopedia Judaica glaubten die Pharisäer, er werde bewirken, „dass Gottes Königtum in Zukunft weltweit anerkannt wird… Gottes Königtum schloss jedes andere aus.“ Da Jahwe laut der Thora nur die Juden „kannte“, bedeutete dies, dass die Welt dann den Juden gehören würde. Allfällige Zweifel hieran räumt der Talmud aus, in dem es heißt, Nichtjuden seien „als solche von einer künftigen Welt ausgeschlossen“ (so der frühere Rabbiner Laible).

Die breite Masse der Juden erwartete zweifellos, der „Gesalbte“ werde den Ruhm der Nation wiederherstellen, in einem vollkommenen theokratischen Staat nicht nur als geistiger, sondern auch als weltlicher Führer walten und das zerstreute jüdische Volk in einem universalen, diesseitigen Reich vereinen. Somit war die Messias-Idee in ihrer pharisäischen Ausprägung in keiner Weise mit der Erwartung eines himmlischen Königreichs identisch, zumindest für die große Mehrheit des Volkes nicht.

Logisch gesehen stellt die Vorstellung vom Messias die Krönung der von der Sekte gepredigten Lehren dar. Wie die Leviten, deren Tradition sie weiterführten, behaupteten die Pharisäer, alles zu wissen, vom Datum der Erschaffung der Welt über ihren Sinn bis hin zu den Umständen, unter denen das auserwählte Volk triumphieren würde. Nur über eines schwiegen sie sich hartnäckig aus: Über den Zeitpunkt, wo sich die erwarteten glorreichen Geschehnisse zutragen würden. Das dem Volk auferlegte Gesetz war hart, und es war nur allzu natürlich, dass die Juden zu wissen begehrten, wann sie endlich frei sein würden – so wie jeder Gefangene wissen will, wann seine Haftzeit zu Ende geht.

Hierin scheint der Ursprung des Messianismus zu liegen. Das Volk, das bei der Verkündung des neuen Gesetzes einst „geweint“ hatte, musste dessen Härte nun schon vierhundert Jahre lang erdulden. Spontan fragte es sich: Wann? Wann würde das glorreiche Ereignis eintreten, das erlösende Ende seiner Prüfungen? Es befolgte alle „Gebote und Rechte“, was eine schwere, Tag für Tag zu tragende Bürde darstellte. Es befolgte sie, weil es einen „Bund“ abgeschlossen hatten, der ihm reichen Lohn in Aussicht stellte. Wann würde ihm dieser Lohn zuteilwerden? Seine Herrscher standen in unmittelbarer Verbindung mit Gott und kannten Gottes Geheimnisse; sie mussten also in der Lage sein, die Frage nach dem Wann zu beantworten.

Doch ausgerechnet auf diese Frage wussten die Pharisäer keine Antwort. Anscheinend verlegten sie sich auf allerlei Ausflüchte: Sie waren zwar nicht gewillt zu sagen, wann es so weit sein werde, doch jedenfalls werde „einer mit den Wolken des Himmels“ kommen; ihm würden „Macht, Ehre und Reich“ zufallen, „dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten“ (Daniel 7,13-14).

So fand der unterdrückte, gettoisierte jüdische Geist Trost in der Verheißung eines Erlösers. Es war dies die Geburtsstunde des Messianismus. Fortan gab es in der jüdischen Geschichte immer wieder Perioden, wo die fieberhafte Erwartung des Messias das Volk schier in Raserei versetzte. Den vorerst letzten dieser Ausbrüche erleben wir gegenwärtig, im zwanzigsten Jahrhundert mit.

Dies war der geschichtliche und gesellschaftliche Hintergrund, vor dem der Mann aus Galiläa vor fast zweitausend Jahren erschien. Der in Judäa zurückgebliebene Teil der Juden lebte seit der Trennung von Israel, also seit sechs Jahrhunderten, in einem Zustand, den Dr. John Goldstein als „jüdische Finsternis“ bezeichnet, und wartete mittlerweile ungeduldig auf den Messias, der ihm Erlösung bringen sollte. Doch als er der mit Sehnsucht Erwartete dann kam, versprach er durchaus nicht, das Volk auf jenen Weg zu führen, den es laut den Verheißungen der Pharisäer begehen würde, wenn es das Gesetz getreulich befolgte. Er wies ihm keinen Weg, der durch die Ruinen vernichteter Nationen zu einem mit Gold gefüllten Tempel führte. Er wies ihm den Weg ins Himmelreich.

Die Macht der Pharisäer war groß, und der fremde Statthalter zitterte vor ihren Drohungen (eine unverkennbare Parallele zur Gegenwart!). Wer in dem Mann aus Galiläa, der irdischen Lohn gering schätzte, den ersehnten Messias sah und dies öffentlich bekundete, riskierte Kopf und Kragen. Er beging nämlich einen „Frevel“, und wie der Perserkönig fünfhundert Jahre zuvor war auch der römische Statthalter gewillt, dem jüdischen Gesetz Nachdruck zu verschaffen.

Selbstverständlich war ein großer Teil des Volkes nur allzu bereit, sein Ohr einem Mann zu leihen, der ihm den Weg aus der Finsternis ins Licht und in die Menschheit wies. Doch wie weiland die Leviten saßen auch die Pharisäer am längeren Hebel; der Sieg fiel ihnen zu, mit dem Ergebnis, das abermals viele Menschen Grund zum Weinen hatten und die katalytische Kraft des Messiasglaubens ungebrochen blieb.

Kapitel 10

Der Mann aus Galiläa

Um Christi Geburt herum war die Vorahnung, dass schon bald ein wunderbares Wesen erscheinen würde, unter den Judäern weit verbreitet. Sie sehnten sich nach einem Beweis dafür, dass Jahwe den mit seinem auserkorenen Volk abgeschlossenen Bund zu halten gedachte. Um dieser Stimmung Rechnung zu tragen, hatten die Schreiber in die Schriften allmählich die Vorstellung vom Gesalbten eingefügt, vom Messias, der kommen würde, um den Bund zu erfüllen.

Die Targam, die rabbinischen Kommentatoren des Gesetzes, schwärmten: „Wie schön er ist, der Messias-König, der dem Hause Juda entstammen wird. Er wird seine Lenden gürten und in die Schlacht gegen seine Feinde ziehen, und viele Könige werden erschlagen werden.“

Diese Sätze erhellen, was für Erwartungen man bei den Judäern geweckt hatte. Sie hofften auf einen kriegerischen, rächenden Messias, der an die Tradition der „Tötung aller Erstgeborenen Ägyptens“ und der „Zerstörung Babylons“ anknüpfen würde, indem er Judas Feinde „mit einer eisernen Rute züchtigen“ und „wie ein Töpfergefäß in Stücke schlagen“, den Juden ein Reich von dieser Welt schenken und das Stammesgesetz wortwörtlich erfüllen würde. Dies und nichts anderes hatten Generationen von Pharisäern und Leviten ihrem Fußvolk nämlich in Aussicht gestellt.

Die Vorstellung eines demütigen Messias, dessen Lehre „Liebet eure Feinde“ lautete und der „der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit“ war (Jesaja 53,3), musste dem Volk völlig unverständlich vorkommen, und hätte es jemand auf die betreffende Stelle im Buch Jesaja aufmerksam gemacht (deren Bedeutung freilich erst nach dem Leben und Tod Jesu zutage trat), so hätte er selbst als der „Allerverachtetste und Unwerteste“ gegolten. Doch genau solcher Art war der Mann, der kam: Er war demütig, predigte Liebe, erhob den Anspruch, der Messias zu sein, und wurde von vielen als solcher anerkannt.

Mit einigen wenigen Worten fegte Er den gesamten Ballast der rassischen Politik weg, mit der die herrschende Sekte das frühere Moralgesetz übertüncht hatte, und legte das Verschüttete frei. Mit untrüglicher Sicherheit erkannten die Pharisäer in Ihm sogleich den gefährlichsten aller „Propheten und Träumer von Träumen“.

Unter den Judäern fand Er jedoch eine zahlreiche Anhängerschaft; viele von ihnen mussten also instinktiv geahnt haben, dass ihre wirkliche Knechtschaft geistiger Art und ihr wahrer Unterdrücker nicht der Römer, sondern der Pharisäer war. Dennoch: Die Mehrzahl der Judäer erwartete einen kriegerischen, nationalistischen Messias und stimmte gedankenlos in den Chor der Pharisäer ein, die Jesus als Gotteslästerer und falschen Messias brandmarkten.

Durch diese Verwerfung Seiner Botschaft pflanzten sie allen kommenden Generationen von Juden einen quälenden Zweifel ein, der auch dadurch nicht geringer wird, dass es nicht statthaft ist, ihn zu äußern (der Name Jesu darf in einem frommen jüdischen Haus nicht einmal erwähnt werden): Ist der Messias erschienen, nur um von den Juden verworfen zu werden, und wenn ja, was für eine Zukunft erwartet sie dann nach dem Gesetz?

Eines der vielen Paradoxe in der Geschichte Zions besteht darin, dass christliche Geistliche und Theologen unserer Generation oft geltend machen, Jesus sei Jude gewesen, während die jüdischen Autoritäten dies bestreiten. (Jene Rabbiner, die Ihn bei politischen oder „interkonfessionellen“ Veranstaltungen bisweilen als Juden anerkennen, stellen keine echten Ausnahmen von dieser Regel dar, denn vor einem jüdischen Publikum gäben sie dergleichen nicht von sich; ihr Ziel besteht einzig und allein darin, bei ihren nichtjüdischen Zuhörern Punkte zu sammeln)1

Wenn jüdische Persönlichkeiten Jesus öffentlich als Juden bezeichnen, verfolgen sie damit ausschließlich politische Ziele. Oft geht es ihnen darum, Vorbehalte gegen den zionistischen Einfluss auf die internationale Politik oder die zionistische Invasion Palästinas auszuräumen, indem sie unterstellen, da Jesus Jude gewesen sei, dürfe niemand die Juden für irgendetwas kritisieren. Selbstverständlich ist dies ein äußerst fadenscheiniges Argument, doch die Massen fallen leicht darauf herein, und das Resultat ist abermals ein Paradox: Um sich den Juden anzubiedern, stellen nichtjüdische Politiker häufig eine Behauptung auf, die für gläubige Juden anstößig ist!

Das englische Wort „Jew“ und das deutsche Wort „Jude“ sind neuzeitlichen Ursprungs und den zur Zeit Jesu verwendeten aramäischen, griechischen oder lateinischen Ausdrücken für die „Judäer“ keineswegs gleichzusetzen. Für „Jew“ bzw. „Jude“ gibt es nämlich keine allgemein anerkannte Definition, so dass gewisse ansonsten peinlich auf Genauigkeit bedachte Wörterbücher offenkundig absurde Definitionen wie „Person hebräischer Rasse“ feilbieten.

Wenn die Behauptung „Jesus war ein Jude“ einen Sinn haben soll, gilt es also die Maßstäbe Seiner Zeit anzulegen, und diesen zufolge musste Er, um Jude zu sein, eine von drei Bedingungen erfüllen: 1) Er musste dem Stamme Juda angehören; 2) Er musste Seinen Wohnsitz in Judäa haben; 3) Er musste Seinem Glauben nach ein „Jude“ sein, falls es damals überhaupt eine solche Religion gab.

Kurzum: Die drei möglichen Kriterien waren Rasse, Wohnsitz und Glaubensbekenntnis.

Wir gedenken nicht, uns in diesem Buch mit der Frage nach der rassischen Abstimmung Jesu auseinanderzusetzen; die hierzu von gewissen christlichen Geistlichen abgegebenen Stellungnahmen sind recht befremdlich. Der Leser wird seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen müssen, wenn er auf diese Frage eine Antwort wünscht.

Der Stammbaum Marias wird im Neuen Testament nicht erwähnt, doch gibt es drei Stellen, die darauf hinzudeuten scheinen, dass Sie dem Hause Davids entstammte. Bei Matthäus 1,20 nennt der Engel Joseph den „ Sohn Davids “, und bei Lukas 1,27 lesen wir, dass die Jungfrau Maria „ vertraut war einem Manne mit Namen Joseph, vom Hause David “, aber Joseph war nicht der leibliche Vater Jesu. Jüdische Gelehrte tun diese Hinweise auf Josephs Abstammung mit dem Argument ab, sie seien nachträglich eingefügt worden, um die Geschichte Jesu mit den alten Prophezeiungen vereinbar erscheinen zu lassen.

Gehen wir zum zweiten Punkte über. Jesus wurde in Bethlehem geboren (Matthäus 2,1), doch lässt sich nicht ausschließen, dass sich Seine Mutter aus Galiläa dorthin begeben hatte, um sich registrieren zu lassen. Abermals wenden die jüdischen Gelehrten ein, man habe den Hinweis auf Bethlehem eingeflochten, um folgender alttestamentarischer Prophezeiung gerecht zu werden: „Und du, Bethlehem Ephratha, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll der kommen, der in Israel Herr sei…“ (Micha 5,1.)

In der Jewish Encyclopedia heißt es, die Heimatstadt Jesu sei Nazareth gewesen; in der Tat ist man sich allgemein darüber einig, dass Er Galiläer war, wo auch immer Er das Licht der Welt erblickt haben mag. Galiläa, wo Er fast sein ganzes Leben verbrachte, war politisch völlig von Juda getrennt, unterstand einem eigenen römischen Tetrarchen und galt Juda als „fremdes Land“ (so Heinrich Graetz in seinem 1888 erschienenen Werk Volksthümliche Geschichte der Juden). Eheschließungen zwischen Judäern und Galiläern waren verboten, und schon vor Jesu Geburt hatte einer der maccabäischen Prinzen, Simon Tharsi, sämtliche in Galiläa ansässigen Judäer nach Judä abschieben lassen.

Dies bedeutet, dass sich die Galiläer rassisch und politisch von den Judäern unterschieden.

War der Galiläer Jesus in religiösem Sinne das, was man heutzutage einen „Juden“ nennen würde? Es versteht sich von selbst, dass die jüdischen Autoritäten dies mit Haut und Haaren bestreiten, und der bei politischen oder interkonfessionellen Veranstaltungen sowie auf den Kanzeln christlicher Kirche oft getane Ausspruch „Jesus war ein Jude“ könnte in einer Synagoge leicht einen Tumult auslösen. In der Tat ist nicht klar, was sich prominente Persönlichkeiten denken, wenn sie diesen Satz aussprechen. Zur Zeit Jesu gab es keine „jüdische“ oder auch nur „judaistische“ Religion. Es gab den Jahwe-Kult, und es gab verschiedene Sekten wie die Pharisäer, Sadduzäer und Essener, die sich gegenseitig befehdeten und sich die Macht über das Volk streitig machten. Sie waren nicht nur Sekten, sondern zugleich politische Parteien und die Mächtigste davon waren die Pharisäer, die für sich in Anspruch nahmen, die Moses von Gott offenbarten „mündlichen Überlieferungen“ zu kennen.

Wenn die heutigen Zionisten „die Juden“ sind (was alle großen westlichen Nationen anerkennen), so bildeten die Pharisäer zur Zeit Jesu in Judäa die Entsprechung zu den Zionisten. Jesus hat die Pharisäer mit besonderer Schärfe angegriffen. Gewiss, Er hat auch die Sadduzäer und die Schriftgelehrten getadelt, doch die Evangelien vermitteln Aufschluss darüber, dass Er die Pharisäer als Feinde Gottes und der Menschen betrachtete und dass sich Sein Zorn in besonderem Masse gegen sie richtete. Was Er ihnen, und nur ihnen, vorwarf, waren dieselben Dinge, die laut den heutigen Zionisten die Merkmale der Juden, des Jüdischseins und des Judentums sind.

Vom religiösen Standpunkt aus verkörperte Jesus zweifellos das Gegenteil von all dem, was heutige für einen orthodoxen Juden kennzeichnend ist und damals für einen Pharisäer kennzeichnend war.

Niemand kann mit absoluter Sicherheit sagen, welcher Bevölkerungsgruppe und welchem Glauben Jesus angehörte, und die propagandistischen Behauptungen nichtjüdischer Politiker klingen ebenso hohl und falsch wie die höhnischen Worte über den „Bastard“, die einst in den jüdischen Ghettos die Runde machten.

Was Er tat und sagte, ist von dermaßen überwältigender Bedeutung, dass nichts anderes zählt. Ein (wenn auch auf bedeutend niedrigerer Ebene) vergleichbarer Fall ist derjenige Shakespeares. Die grandiose literarische Qualität seiner Werke ist über jeden Zweifel erhaben, so dass die Frage, ob er oder ein anderer sie geschrieben hat, im Grunde genommen unwichtig und der unaufhörliche Streit darüber müßig ist.

Der Sohn eines Zimmermanns aus Galiläa hatte offensichtlich keine formelle Erziehung genossen, keine Rabbinerschule besucht und keine Ausbildung als Priester erhalten. „Woher kommt diesem solche Weisheit und Taten? Ist er nicht des Zimmermanns Sohn? […] Woher kommt ihm denn das alles?“ fragten die Schriftgelehrten bestürzt. (Matthäus 13,54-55.)

Was die Lehre dieses dem einfachen Volk entstammten jungen Mannes zum blendenden Licht der Offenbarung macht, ist der dunkle Hintergrund des levitischen Gesetzes und der pharisäischen Tradition, gegen die Er sich wandte, als Er in Juda wirkte. Noch heute hat jemand, der das Alte Testament aufmerksam und kritisch studiert hat und sich dann der Bergpredigt zuwendet, den Eindruck, aus der Finsternis ins Licht getreten zu sein.

Das Gesetz, das zu „erfüllen“ Jesus gekommen war, hatte sich zu einem ungeheuer umfangreichen, in seiner schwindelerregenden Kompliziertheit erstickenden und lähmenden Wust von Regeln entwickelt. Die Thora war lediglich der Anfang gewesen, der Unterbau, auf dem eine Unmenge von Interpretationen und rabbinischen Urteilen Fußte; wie fromme Seidenraupen spannen die Schriftgelehrten den Faden unentwegt weiter, um jede denkbare Handlung des Menschen erfassen und beurteilen zu können. Es hatte der harten Arbeit ganzer Generationen von Rechtsgelehrten bedurft, um verbindlich festzulegen, dass man ein Ei nicht am Sabbat essen durfte, wenn der größere Teil davon den Leib der Henne bereits verlassen hatte, ehe ein zweiter Stern am Firmament erschien.

Um die Bücher, die das Gesetz mitsamt den dazu gehörenden Kommentaren enthielten, unterbringen zu können, brauchte es mittlerweile eine regelrechte Bibliothek, und um all seine Facetten auch nur zu resümieren, hätte man ein ganzes Komitee von Juristen einberufen müssen. Der junge Mann aus Galiläa schob diesen Kram mit einer Handbewegung beiseite und verkündete eine Wahrheit, die zugleich die herrschende Häresie enthüllte, indem er „das ganze Gesetz und die Propheten“ auf zwei Gebote reduzierte: „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte“ sowie „Du sollst denen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22,37-38.)

Es war dies die Bloßstellung und Verurteilung der grundlegenden Häresie, mit der Leviten und Pharisäer das Gesetz im Verlauf der Jahrhunderte in sein Gegenteil verkehrt hatte. Das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ findet sich zwar schon im Buch Leviticus (3. Mose 19; 18), doch unter dem „ Nächsten “ war einzig und allein der Mitjude zu verstehen. Jesus stellte die frühere, in Vergessenheit geratene Tradition der Liebe zum Nächsten unabhängig von seiner Rasse oder seinem Glauben wieder her; hierin lag ganz offensichtlich der Sinn Seines Ausspruchs: „Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ (Matthäus 5,17.) Er fügte hinzu: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“ (Matthäus 5,43-44.)

(Spitzfindige Kritiker wenden hier ein, das Gebot, seinen Feind zu hassen, finde sich im Alten Testament nirgends, doch ist klar, was Jesu mit dem betreffenden Satz meinte: Die unzähligen im Alten Testament verzeichneten Aufrufe zum Massenmord an Menschen, die nicht zu den „Nächsten“ zählen, beruhen auf nacktem Hass.)

Es war dies eine direkte Herausforderung des Gesetzes in seiner von den Pharisäern verkörperten Form. Eine weitere Herausforderung lag darin, dass es Jesus bewusst ablehnte, die Rolle des nationalistischen Befreiers zu spielen, der sich anheischig machte, den Judäern das ihnen verheißene Territorium Untertan zu machen. Hätte er sich hierauf eingelassen, so hätte er sicherlich weit mehr Anhänger gewonnen, und die Pharisäer hätten sich womöglich hinter ihn gestellt. Doch seine Absage an jede Form weltlicher Macht hätte schroffer kaum ausfallen können: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Johannes 18,36.) „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht nachgraben noch stehlen.“ (Matthäus 6,19-20.)

Jedes dieser einfachen Worte war eine implizite, aber unmissverständliche Herausforderung an die mächtigsten Männer, die es damals im Lande gab, und erschütterte die Religion, welche die Sekte im Verlauf von Jahrhunderten geschaffen hatte, bis in ihre Grundfesten.

Was das Alte Testament auf Hunderten von Seiten gelehrt hatte, widerlegte die Bergpredigt in einigen wenigen Sätzen. Sie stellte dem Hass die Liebe, der Rache die Barmherzigkeit, der Bosheit die gute Tat, der Abgrenzung die Nächstenliebe, der Diskriminierung die Gerechtigkeit, der Entstellung des Gesetzes seine Wiederherstellung und dem Tod das Leben entgegen. Sie begann (wie gewisse Kapitel des Deuteronomium) mit Segenssprüchen, ließ diesen aber keine Flüche folgen.

Das Deuteronomium lockte mit materiellen Gütern wie Land und Beute als Belohnung für die strenge Befolgung Tausender von „Geboten und Urteilen“, von denen manche den Mord befahlen. Die Bergpredigt versprach keinen irdischen Gewinn, sondern lehrte einfach, dass moralisches Verhalten, Demut, das Streben nach Gerechtigkeit, Gnade, Reinheit, Friedfertigkeit und Charakterstärke um ihrer selbst willen Segen und reichen geistigen Lohn erbringen würden.

Im Deuteronomium pflegten sich Segenssprüchen Flüche anzuschließen. Die Bergpredigt enthielt keine Drohungen; sie verlangte nicht, Übertreter des Gesetzes zu steinigen oder an einen Baum zu hängen, und lehrte nicht, gewisse Verstöße gegen das Gesetz könnten gesühnt werden, wenn man seine Hände im Blute einer jungen Kuh bade. Das Schlimmste, was dem Sünder zustoßen konnte, war, „der Letzte im Himmelreich“ zu sein; die schönste Belohnung, auf die der Tugendhafte hoffen durfte, bestand darin, „im Himmelreich groß genannt zu werden“.

Der junge Galiläer predigte niemals Unterwürfigkeit, sondern lediglich innere Demut, und in einem Punkt war und blieb er unerbittlich: In seinen Angriffen auf die Pharisäer.

Wie bereits erwähnt, bezeichnete das Wort „Pharisäer“ jemanden, der sich von unreinen Personen oder Dingen fernhält. Die Jewish Encyclopedia schreibt: „Lediglich in Bezug auf den Umgang mit der unreinen und ungewaschenen Menge unterschied sich Jesus klar von den Pharisäern.“ In diesem „lediglich“ offenbarte sich jedoch ein gewaltiger Unterschied – die unüberbrückbare Kluft zwischen der Vorstellung von einem Stammesgott und jener von einem Gott aller Menschen, zwischen dem Credo des Hasses und jenem der Liebe. Jesus hatte den Pharisäern den Fehdehandschuh hingeworfen, und sie hoben ihn unverzüglich auf, indem sie Ihm allerlei Fallen stellten:

„Und da Jesus von dannen ging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm. Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tische mit Jesus und seinen Jüngern. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum ißt euer Meister mit Zöllnern und Sündern?“ Nach dem pharisäischen Gesetz war letzteres eine schwere Sünde. Doch Jesus zeigte sich seinen Widersachern im Streitgespräch sehr wohl gewachsen: „Da das Jesu hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. […] Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“ (Matthäus 9,9-13.)

Die Pharisäer beobachteten Ihn und die Seinen weiterhin mit Argusaugen. Einmal sahen sie, wie Seine Jünger am Sabbat Ähren ausrauften (was ebenfalls einen Verstoß gegen das Gesetz darstellte) und sprachen: „Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat nicht erlaubt ist. “ Auch diesen Vorwurf vermochte Jesus mühelos zu kontern: „Habt ihr nicht gelesen, was David tat, da ihn und die mit ihm waren hungerte? Wie er in das Gotteshaus ging und aß die Schaubrote, die er doch nicht durfte essen noch die, die mit ihm waren, sondern allein die Priester?“ (Matthäus 12,2-4.) Immer wieder stellten die Pharisäer Ihm Fangfragen, die sich freilich niemals auf Glauben und Moral, sondern stets nur auf den Ritus bezogen: „Warum übertreten Deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Sie unterlassen die Waschung der Hände vor dem Essen?“ Ein weiteres Mal parierte Jesus die Anklage mit dem Hinweis auf eine Stelle im Alten Testament: „Ihr Heuchler, gar fein hat Jesaja von euch geweißagt und gesprochen [Jesaja 29,13] : Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir; vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.“ (Matthäus 15,8-9.)

Somit stellte Jesus klar, dass „das Gesetz“ nicht Gottes Gesetz, sondern das Gesetz der Leviten und Pharisäer, also Menschengebot war. Fortan war jeglicher Kompromiss ein Ding der Unmöglichkeit. Jesus „rief das Volk zu sich und sprach zu ihm: Höret zu und fasset es! Was zum Munde eingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was zum Munde ausgeht, das macht den Menschen unrein.“ (Matthäus 15,10-11.) Mit diesen Worten bekundete Jesus seine Geringschätzung für eines der am eifersüchtigsten gehüteten Vorrechte der Priesterschaft, die Festlegung der Speisegesetze mit ihren Schlachtritualen, dem Ausblutenlassen der Schlachttiere, der Definition von reinen und unreinen Speisen etc. All dies war für ihn „nichts als Menschengebote“, obwohl es Moses zugeschrieben wurde und die Pharisäer der strikten Befolgung der Speisegesetze höchste Bedeutung beimaßen. Wie erinnerlich hatte der Prophet Hesekiel, dem Jahwe befohlen hatte, zur Sühne für die Verletzung des Gesetzes durch das Volk auf Menschenkot gebackenes Brot zu essen, darauf hingewiesen, dass er sich stets streng an die Speisegebote gehalten hatte, worauf Jahwe seinen grässlichen Befehl abmilderte. Auch die Jünger standen anscheinend noch so sehr unter dem Einfluss der Speisegebote, dass sie nicht begriffen, weshalb nicht das, was zum Munde eingeht, sondern das, was vom Munde ausgeht, den Menschen unrein macht, und Jesus um eine Erklärung baten, da die Pharisäer an Seinen Worten „Ärgernis genommen“ hätten (Matthäus 15,12). Seine Antwort war für die Pharisäer abermals pure Häresie: „Merket ihr noch nicht, dass alles, was zum Munde eingeht, das geht in den Bauch und wird durch den natürlichen Gang ausgeworfen? Was aber zum Munde herausgeht, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung. Das sind die Stücke, die den Menschen unrein machen. Aber ohne Waschung der Hände essen macht den Menschen nicht unrein.“ (Matthäus 15,17-20.) Der letzte Satz war nach levitischem Gesetz ein weiterer schandbarer Frevel, und die Pharisäer „hielten Rat, wie sie ihn fingen in seiner Rede“ (Matthäus 22,15). Sie ersannen zwei tückische Fangfragen, mit deren Hilfe sie ihn zu Fall zu bringen hofften.

Die erste dieser beiden Frage lautete wie folgt: „Sage es, ist es recht, dass man dem Kaiser Steuer zahle, oder nicht?“ (Matthäus 22,17). Mit einem Nein hätte sich Jesus nach dem Gesetz der römischen Herrscher strafbar gemacht, und die Pharisäer hätten ihn unweigerlich bei der Besatzungsmacht denunziert.

Diese Methode ist noch heute, im 20. Jahrhundert, Gang und Gebe. Wer sich an öffentlichen Debatten beteiligt, weiß, dass die Gegenseite regelmäßig hinterlistige Fangfragen vorbereitet, die man in der Hitze des Gefechts oft nicht oder nicht korrekt beantworten kann. Gewiefte Diskussionsredner kennen verschiedene Kniffe, mit denen man sich um die Beantwortung solcher Fragen drücken kann, beispielsweise indem man „Kein Kommentar“ sagt oder mit einer Gegenfrage kontert. Eine tatsächliche und vollständige Antwort zu erteilen, anstatt zu solchen Ausflüchten zu greifen, und dabei seinen Grundsätzen treu zu bleiben, ist eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Sie verlangt unerhörte Schlagfertigkeit, Geistesgegenwart und gedankliche Klarheit. Die Antwort, die Jesus auf diese Frage der Pharisäer gab, war dermaßen großartig, dass kein sterblicher Mensch hoffen darf, es ihm gleichzutun:

„Da nun Jesus merkte ihre Bosheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? […] So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das hörten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon.“ (Matthäus 22; 18-22.)

Die zweite der beiden tückischen Fangfragen wurde von einem Schriftgelehrten gestellt, der von Jesus wissen wollte, was er tun müsse, um das ewige Leben zu erlangen. Als Jesus antwortete, er solle Gott von ganzem Herzen lieben und seinen Nächsten wie sich selbst, doppelte der Schriftgelehrte mit der nächsten, scheinbar harmlosen, doch in Wahrheit höchst verfänglichen Frage nach: „Wer ist denn mein Nächster?“

Welcher sterbliche Mensch hätte so geantwortet wie Jesus? Gewiss, der eine oder andere Sterbliche hätten die Frage nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet, obgleich er sich klar darüber war, dass er dadurch Kopf und Kragen riskierte; Märtyrer hat es schließlich immer gegeben. Doch Jesus tat weit mehr als dies: Er entwaffnete den Frager wie ein erfahrener Fechter, der seinem Widersacher den Degen mühelos aus der Hand schlägt. Der Schriftgelehrte wollte ihm die Aussage entlocken, auch der Heide sei ein „Nächster“, was einem Verstoß gegen das Gesetz gleichgekommen wäre. In der Tat antwortete Jesus in diesem Sinne, doch so, dass der Schriftgelehrte nichts dagegen einzuwenden vermochte. Weder zuvor noch später dürfte ein Schriftgelehrter je derart elegant schachmatt gesetzt worden sein!

Laut levitisch-pharisäischer Lehre war nur der Judäer ein „Nächster“, nicht aber der Heide, und aus bereits früher erwähnten Gründen galten die Samariter den Pharisäern als die verächtlichsten unter allen Heiden. Allein schon die Berührung durch einen Samariter wurde als Verunreinigung eingestuft, die nach dem Gesetz ein kompliziertes Säuberungsritual erforderte. Dass Jesus bei dem Gleichnis, in das er seine Antwort kleidete, die Rolle des „Nächsten“ ausgerechnet einem Samaritaner zuwies, zeugte von ungeheurer Kühnheit und war ein wahrhaftig übermenschlicher Geniestreich:

„Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. Es begab sich aber von ungefähr, dass ein Priester dieselbe Straße hinab zog; und da er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit; da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in einer Herberge und pflegte sein. Des anderen Tages zog er heraus zwei Silbergroschen und gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst dartun, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher dünkt dich, der unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?“ (Lukas 10; 30-36.)

Der in die Enge getriebene Schriftgelehrte brachte das verhasste Wort „Samariter“ nicht über die Lippen und antwortete einfach: „Der die Barmherzigkeit an ihm tat.“ Hierdurch verurteilte er unfreiwillig jene, in deren Namen er sprach, nämlich die Priester und die Leviten. Nachdem Jesus den Schriftgelehrten auf diese Weise gezwungen hatte, die bodenlose Heuchelei des Gesetzes bloßzustellen, mahnte er ihn: „So gehe hin und tue desgleichen“. (Lukas 10; 37.)

Ein gemäßigter jüdischer Autor, C. G. Montefiore, beklagt in seinem 1892 erschienenen Buch Religion of the Ancient Hebrews , dass Jesus eine Ausnahme von seinem Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ gemacht habe, indem er nie ein gutes Wort für die Pharisäer fand. Die Wissenschaftler mögen über diesen Punkt debattieren. Jesus wusste, dass die Pharisäer Ihn sowie jeden anderen, der sie entlarvte, umbringen würden. Es trifft durchaus zu, dass Er die Pharisäer (und mit ihnen die Schriftgelehrten) härter als jede andere Menschengruppe angeprangert hat, weil er in ihnen offensichtlich die für die Pervertierung des Gesetzes verantwortliche Sekte sah. Die unerbittlichste Verurteilung, die Er je ausgesprochen hat, lautet wie folgt:

„Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid gleichwie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat. So auch ihr; von außen scheint ihr von den Menschen fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und Übertretung. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut und schmücket der Gerechten Gräber und sprecht: Wären wir zu unsrer Väter Zeiten gewesen, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden an der Propheten Blut! So gebt ihr über euch selbst Zeugnis, dass ihr Kinder seid derer, die die Propheten getötet haben. Wohlan, erfüllet auch ihr das Maß eurer Väter! Ihr Schlangen, ihr Otterngezüchte! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?“ (Matthäus 23; 27-33.)

Manche Kritiker geben sich schockiert über die Härte der letzten Worte. Betrachtet man sie freilich in ihrem Zusammenhang mit den vorausgehenden Sätzen, so stellt man fest, dass sie eine deutliche Anspielung auf das bevorstehende Ende Jesu darstellen; hier spricht ein Mensch von seinen künftigen Mördern, und unter diesen Umständen konnten keine Worte hart genug sein. (Immerhin milderte er den furchtbaren Satz „Wohlan, erfüllet auch Ihr das Maß Eurer Väter!“ später mit den Worten ab: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23; 34.)

Die Dinge trieben nun rasch ihrem Höhepunkt zu. Es versammelten sich „die Hohepriester und die Ältesten des Volkes im Palast des Hohepriesters, der da hieß Kaiphas, und hielten Rat, wie sie Jesus mit List griffen und töteten“. (Matthäus 26; 3, 4.) Der einzige Judäer unter den zwölf Jüngern, Judas Ischariot, „und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen von den Hohepriestern und Ältesten des Volkes“ betraten den Garten Gethsemane, wo sich Jesus aufhielt. “Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s, den greifet. Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Gegrüßet seist du Rabbi! Und küsste ihn.“ (Matthäus 26; 47-49.)

Es lohnt sich durchaus, für einen Augenblick bei diesem Judas zu verweilen. Im 20. Jahrhundert wurde er zweimal zum Heiligen verklärt, zuerst nach der bolschewistischen Revolution in Russland und dann nach Hitlers Niederlage in Deutschland. Diese beiden Fälle zeigen, dass die Sekte, die zu Beginn unserer Zeitrechnung in Jerusalem mächtiger gewesen war als Rom, im zwanzigsten Jahrhundert im abendländischen Kulturkreis abermals die stärkste Macht darstellte.

Laut dem Matthäus-Evangelium hat sich Judas bald nach seinem Verrat erhängt, und wenn er die Todesart der „von Gott Verfluchten“ wählte, kann ihm seine Tat schwerlich Glück gebracht haben. Für zionistische Historiker vom Schlage Dr. Kasteins ist Judas eine sympathische Gestalt; Dr. Kastein erklärt, er sei ein guter Mensch gewesen, der von Jesus enttäuscht gewesen sei und deshalb „heimlich mit ihm gebrochen“ habe (der Ausdruck „heimlich brechen“ kommt nur in der zionistischen Literatur vor).

Die Pharisäer, die den Sanhedrin kontrollierten, urteilten als erste über Jesus; Er stand also vor dem, was man heute als „jüdisches Gericht“ bezeichnen könnte, obwohl der Ausdruck „Volksgericht“ wohl passender wäre; schließlich war Er von einem Denunzianten an seine Häscher verraten, von einem Mob ergriffen und vor ein Gericht gezerrt worden, das keine legale Befugnis zu Seiner Aburteilung besaß, und das gegen Ihn verhängte Todesurteil beruhte auf den Aussagen falscher Zeugen, die Ihn erfundener Verbrechen bezichtigten.

Die „Ältesten des Volkes“, welche den Gang der Ereignisse genau so lenkten wie in unseren Tagen die „Berater“ der nominellen Herrscher, konstruierten nun eine Anklage, die sowohl nach judäischem als nach römischem Gesetz nur das Todesurteil zur Folge haben konnte. Nach mosaischem Gesetz hatte Jesus gefrevelt, indem er sich als Messias bezeichnete; nach römischem Gesetz hatte er sich des Hochverrats schuldig gemacht, indem er vorgab, der König der Juden zu sein.

Der römische Landpfleger Pilatus tat, was er konnte, um den Forderungen der wutschnaubenden „Ältesten des Volkes“ nach der Hinrichtung des Angeklagten nicht stattgeben zu müssen. Dieser Pilatus war der Prototyp der britischen und amerikanischen Politiker des 20. Jahrhunderts. Er fürchtete die Macht der Sekte mehr als alles andere. Seine Frau bat ihn, Jesus zu verschonen. Wie ein echter Politiker versuchte er die Verantwortung auf einen anderen abzuwälzen, nämlich Herodes Antipas, den Tetrarchen von Galiläa, dessen Untertan Jesus als Galiläer war, aber Herodes „sandte ihn wieder zu Pilatus“ (Lukas 23; 11). Nun ließ Pilatus Jesus geißeln, in der Hoffnung, damit werde sich die Menge zufriedengeben; „die Juden aber schrien und sprachen: Lässt du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht“ (Johannes 19; 12), was der kaum verhüllten Drohung gleichkam, den Landpfleger beim römischen Kaiser anzuschwärzen. Angesichts dieser Drohung strich Pilatus die Segel, so wie ein britischer Gouverneur nach dem anderen und ein UN-Botschafter nach dem anderen angesichts der Drohung, ihn in London oder. New York anzuschwärzen, die Segel gestrichen hat. Genau wie diese Männer neunzehn Jahrhunderte später wusste Pilatus offenbar, dass ihn die Regierung, die ihn als Landpfleger nach Judäa entsandt hatte, seines Amtes entheben würde, wenn er nicht tat, was von ihm verlangt wurde.

Die Ähnlichkeit zwischen Pilatus und gewissen britischen Gouverneuren der Zwischenkriegszeit ist fürwahr verblüffend. Zumindest einer dieser Gouverneure muss sich dessen bewusst gewesen sein, denn als er sich telefonisch mit einem mächtigen zionistischen Rabbiner in New York in Verbindung setzte, fragte er scherzhaft, ob der Hohepriester Kaiphas wisse, dass Pontius Pilatus am Apparat sei.

Pilatus versuchte die Verantwortung für den Tod Jesu den Juden anzulasten: „So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz.“ Doch die Juden durchkreuzten dieses Ausweichmanöver mit Leichtigkeit: „Wir dürfen niemanden töten.“ (Johannes 18; 31.) Der Landpfleger unternahm einen weiteren Versuch, Jesus zu retten, indem er „dem Volk“ anheimstellte, ob es lieber Jesus oder den Raubmörder Barrabas begnadigen wollte. Seine Hoffnungen waren freilich vergeblich, denn „das Volk“ und „der Mob“ sind Synonyme, und der Mob lässt niemals Gnade walten, sondern tanzt stets nach der Pfeife der herrschenden Clique (was Pilatus wissen musste). In der Tat „überredeten die Hohepriester und die Ältesten das Volk, dass sie um Barrabas bitten sollten und Jesus umbrächten“ (Matthäus 27; 20).

Ihre Fähigkeit, die Menschenmenge zu beeinflussen, hat die Sekte bis zum heutigen Tage beibehalten.

Je mehr diese Geschehnisse in die Vergangenheit entrücken, desto eindrücklicher wirkt dieser weltgeschichtlich einzigartige Schlussakt. Der Purpurmantel, das Rohr, dass man Jesus zwecks Nachäffung eines Zepters in die Hand drückte, die Dornenkrone und die spöttischen Ehrungen, die man Ihm zuteil werden ließ – nur Pharisäerhirne konnten dieses makabre Ritual ersinnen, das den Sieg des Opfers heute um so großartiger erscheinen lässt. Der Weg nach Golgatha, die Kreuzigung Jesu zwischen zwei Schächern waren der sichtbare Beweis dafür, dass Rom an jenem Tage Handlangerdienste für die Sekte verrichtete, so wie Persien fünf Jahrhunderte zuvor das Werk der Leviten verrichtet hatte.

Die Pharisäer hatten die Judäer gelehrt, einen Messias zu erwarten, und nun ließen sie den ersten, der den Anspruch erhob, der Messias zu sein, ans Kreuz schlagen. Dies bedeutete, dass der wirkliche Messias noch erscheinen musste. Laut den Pharisäern stand die Ankunft des Königs aus dem Hause Davids, der seinem Volk die Weltherrschaft bescheren würde, noch bevor, und hieran hat sich bis heute nichts geändert.

In seinem Buch, dessen Thema die Geschichte des Judaismus seit seinen Anfängen ist, widmet Dr. Kastein dem Leben Jesu ein Kapitel. Nachdem er dargelegt hat, dass Jesus ein Versager gewesen sei, schließt er seine Ausführungen mit folgenden, vielsagenden Worten ab: „Sein Leben und Tod sind unsere Angelegenheit!“

1) Rabbiner Stephen Wise, während des Zeitraums von 1910 bis 1950 führender zionistischer Aktivist in den USA, bediente sich dieses Arguments aus offenkundigen politischen Gründen, nämlich zur Täuschung nichtjüdischer Zuhörer. Als er an Weihnachten 1925 bei einer „interkonfessionellen Veranstaltung“ in der Carnegie Hall eine Ansprache hielt, sagte er: „Jesus war ein Jude, kein Christ.“ Für diesen Ausspruch wurde er von der Gesellschaft orthodoxer Rabbiner der USA exkommuniziert, während ihn ein Verband christlicher Geistlicher als „Bruder“ willkommen hieß. Rabbi Wises Kommentar sprach für sich: „Ich weiß nicht, was schmerzhafter war: Die Tatsache, dass eine christliche Organisation mich als Bruder willkommen hieß und in ihrem Schoss aufnahm, oder der heftige Tadel der Rabbiner.“

Kapitel 11

Der pharisäische Phönix

Nun ereignete sich wiederum eines jener Paradoxe, an denen die Geschichte Zions so reich ist: Die Katastrophe, die wenige Jahrzehnte nach Jesu Tod über Judäa hereinbrach, bedeutete zugleich einen Triumph der Pharisäer, die fortan die unangefochtene Herrschaft über die Juden ausübten. Durch die Kreuzigung Jesu hatten sie sich eines „Propheten und Träumers von Träumen“ entledigt, der das Gesetz in den Staub zu werfen drohte. Während der kurzen Frist, die Judäa noch beschieden war, schalteten sie sämtliche anderen Parteien, die mit ihnen um die Macht unter diesem Gesetz gewetteifert hatten, gnadenlos aus.

Wie die Jewish Encyclopedia berichtet, fanden die Pharisäer nach dem Tode Jesu in Agrippa I., dem letzten judäischen König aus dem Geschlecht des Herodes, einen „Unterstützer und Freund“. Agrippa half ihnen bei der Ausmerzung der Sadduzäer, die von der Bühne verschwanden, so dass den Pharisäern die gesamte Macht zufiel. Wie einst die Leviten nach der Trennung Judas von Israel konnten sie in Jerusalem fortan schalten und walten, wie es ihnen beliebte, und wie damals folgte die Katastrophe auf dem Fuß. Doch wie weiland die Leviten erhoben sich auch die Pharisäer schon bald phönixgleich aus der Asche, so dass sich die Geschichte wiederholte.

Vor diesen Geschehnissen, während der letzten Jahre, die der kleinen und innerlich zerrissenen Provinz noch vergönnt waren, revidierten die Pharisäer das Gesetz – das „Menschengebot“, wie es Jesus abfällig genannt hatte – ein weiteres Mal. Dr. Kastein bemerkt hierzu: „Das jüdische Leben wurde durch die Lehren der Pharisäer geregelt; die ganze Geschichte Judas wurde von pharisäischem Standpunkt aus rekonstruiert… Das Pharisäertum formte den Charakter des Judentums sowie das Leben und Denken der Juden für alle Zeiten… Es macht den ‚Separatismus‘ zu seinem Hauptmerkmal.“

In anderen Worten: Unmittelbar nach Jesus, der das „Menschengebot“ scharf gegeißelt hatte, verstärkten die Pharisäer wie vor ihnen die Leviten den rassischen und stammesmäßigen Charakter sowie die Härte des Gesetzes noch weiter; am Vorabend der endgültigen Zerstreuung der Judäer unter die Völker wurde das Credo der Zerstörung, Versklavung und Unterjochung also abermals verschärft.

Dr. Kasteins Worte sind von besonderem Interesse. Wie bereits erwähnt, hatte er früher geschrieben, nach dem „neuen Bund“, den Nehemia den Judäern aufnötigte, sei die Thora „ein letztes Mal überarbeitet“ worden und seither habe man „kein Wort“ daran geändert. Außerdem gilt es der Tatsache Rechnung zu tragen, dass das Alte Testament bereits ins Griechische übersetzt war, als die Pharisäer ihre letzten Retuschen daran vornahmen, so dass sich diese ausschließlich auf das hebräische Original beziehen konnten. Unter diesen Umständen besteht Grund zur Annahme, dass Dr. Kastein an den Talmud gedacht hat, jene riesenhafte Fortsetzung der Thora, die anscheinend in den letzten Jahren Judäas in Angriff genommen wurde, auch wenn man sie erst viel später schriftlich niederlegte. Wie dem auch sei, das „Leben und Denken“ der Juden wurde „für alle Zeit“ geprägt, und der „Separatismus“ war das oberste Prinzip des Gesetzes.

Im Jahre 70, rund dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Tode Jesu, fiel alles in Trümmer. Das nicht enden wollende Chaos und die permanenten Unruhen in Judäa hatten dazu geführt, dass den Römern der Geduldsfaden riss. Die Pharisäer, die früher eine römische Intervention provoziert hatten und unter der römischen Besatzung die eigentlichen Herren des Landes gewesen waren, verhielten sich passiv. Die anderen Völker Palästinas, insbesondere die Galiläer, hatten sich nicht unter das römische Joch beugen wollen und Aufstände angezettelt, bis Rom seine Legionen ausschwärmen und Jerusalem dem Erdboden gleichmachen ließ. Judäa wurde zum eroberten Territorium erklärt, und sein Name verschwand von der Landkarte. Viele Jahrhunderte lang lebten in Jerusalem überhaupt keine Juden; das einzige Volk, das seit alttestamentarischer Zeit ununterbrochen in Palästina ansässig ist und von dem zumindest ein kleiner Teil sämtliche Verfolgungen überlebt hat, sind die Samariter.

Dr. Kastein nennt jene siebzig Jahre, die mit der Zerstörung Jerusalem durch die Römer endeten, das „heroische Zeitalter“, vermutlich weil die Pharisäer während dieser Epoche als Sieger aus dem Ringen um die Seele des Judentums hervorgegangen sind. Auf den Widerstandskampf gegen die römische Besatzungsmacht kann sich das Wort „heroisch“ schwerlich beziehen, denn dieser Kampf wurde in erster Linie von den nichtjüdischen Galiläern ausgefochten, von denen Dr. Kastein ausgesprochen wenig hält.

Kapitel 12

Licht und Finsternis

Ehe Jerusalem anno 70 n. Chr. fiel, durchschritten zwei Gruppen von Reisenden seine Tore. Die Jünger Jesu brachten der Menschheit eine neue Botschaft – das Christentum war geboren. Die Pharisäer, die vorausahnten, welches Unheil durch ihre Schuld über Jerusalem hereinbrechen würde, siedelten in ein neues Hauptquartier über, von dem aus die herrschende Sekte wie einst in Babylon die Juden in aller Welt zu beherrschen gedachte.

Diese beiden kleinen Gruppen von Reisenden waren die Vorhut zweier Parteien: der Partei des Lichts und der Partei der Finsternis. Wie ein Mensch und sein Schatten zogen sie fortan all die Jahrhunderte hindurch immer weiter nach Westen.

Die Krise, der sich das Abendland heute gegenübersieht, lässt sich direkt auf den Auszug dieser beiden Gruppen aus dem todgeweihten Jerusalem vor neunzehnhundert Jahren zurückführen, denn die Ideen, deren Träger sie waren, ließen sich unter keinen Umständen vereinbaren. Früher oder später musste die eine über die andere triumphieren, und nie zuvor besaß die zerstörerische Partei dermaßen greifbare Chancen auf den Sieg wie in unserer Generation.

In den Jahrhunderten, die dem unseren vorausgingen, war die Geschichte des Abendlandes im Wesentlichen eine Geschichte des Kampfes zwischen diesen beiden Ideen. Wenn das Gesetz der Leviten und Pharisäer die Oberhand gewann, machte das Abendland Menschen zu Sklaven, zerrte Ketzer vor Inquisitionsgerichte, schickte Querdenker auf den Scheiterhaufen oder aufs Schafott und huldigte primitiven Visionen von einer Herrenrasse. So gesehen war das 20. Jahrhundert jene Epoche, in der das Abendland seine schwersten Niederlagen erlitt. Wenn das Abendland Menschen und Nationen befreite, Gerechtigkeit zwischen ihnen walten ließ, jedermann das Recht auf einen fairen und öffentlichen Prozess zusprach, von der Idee einer Herrenrasse abrückte und Gott als Vater aller Menschen anerkannte, folgte es der Lehre jenes Mannes, der gekommen war, um „das Gesetz zu erfüllen“.

Nach der Eroberung Jerusalems prägten die Römer Medaillen mit der Aufschrift: Judae devicta, Judae capta (Judäa ist besiegt, Judäa ist geknechtet). Dieser Siegesruf war freilich verfrüht: Jerusalem mochte in Trümmern liegen, Judäa frei von Juden sein, aber die herrschende Sekte war quicklebendig und ließ sich nicht so leicht unterkriegen. Ihre Widersacher waren von den römischen Eroberern gänzlich aufgerieben worden, und sie hatte sich bereits in einem neuen „Zentrum“ eingenistet, in das sie sich vor dem Fall Jerusalems rechtzeitig abgesetzt hatte.

In ihrer neuen Hochburg herrschten die Pharisäer so unumschränkt wie einst die Leviten in Babylon, doch in der Außenwelt sichteten sie einen neuen Feind. Jene, die Christus als Messias anerkannt und ihren Glauben nach ihm benannt hatten, erwiderten diese Feindschaft nicht, huldigten sie doch dem Grundsatz: Liebet eure Feinde. Für die Pharisäer, deren oberstes Gebot Hasset eure Feinde lautete, stellte dies allein schon einen dreisten Affront und eine Herausforderung an die Sektenführer in ihrer neuen Zitadelle dar. Sie begriffen auf Anhieb, dass die neue Religion vernichtet werden musste, wenn das Gesetz seine Vorherrschaft wahren sollte und ließen sich auch durch jene mahnenden Stimmen nicht beirren, die (damals wie auch früher und später) in ihren eigenen Reihen laut wurden.*

Die Mehrheit der Pharisäer fühlte sich allerdings stark genug, die neue Religion, gestützt auf ihr eigenes, menschengemachtes Gesetz zu „zerstören“, mochten hierzu auch Jahrhunderte erforderlich sein. Nachdem die Pharisäer die überlebenden Judäer ihrem Schicksal überlassen und ihr neues Hauptquartier in Jamnia (das immerhin noch in Palästina lag) aufgeschlagen hatten, nahmen sie ihr finsteres Geheimnis, wie man Macht über die Menschen erringt, mit sich in eine Welt, in der nichts mehr wahr wie zuvor.

Früher war ihre Stammesreligion eine unter vielen gewesen. Blutrache war unter den Menschen und den Sippen die Regel. Die „heidnischen“ Nachbarvölker mochten Abscheu und Furcht vor der außergewöhnlichen Grausamkeit und Rachsucht des judäischen Glaubens empfinden, doch der Unterschied zu ihren eigenen religiösen Vorstellungen war letzten Endes lediglich gradueller Art. Nun aber sah sich die herrschende Sekte einem Glaubensbekenntnis gegenüber, das jeden einzelnen Grundsatz ihres Gesetzes radikal in Frage stellte und sich von ihm unterschied wie der Tag von der Nacht. Darüber hinaus stellte die neue Weltreligion aufgrund ihres Geburtsortes und der Umstände, unter denen sie entstanden war, eine permanente Anklage gegen die Sekte dar.

Von ihrer neuen Hochburg aus schickten sich die Pharisäer an, diese bedrohliche Kraft mit Stumpf und Stiel auszurotten. Ihre Aufgabe war unvergleichlich schwieriger als jene der Leviten in Babylon; der Tempel lag in Schutt und Asche, und Jerusalem war menschenleer. Der Stamm Juda war bereits vor geraumer Zeit auseinandergefallen, und die Rasse der Judäer war in voller Auflösung begriffen. Was blieb, war eine „jüdische Nation“, deren Angehörige freilich allerlei fremdes Blut in sich aufgenommen hatten und über die gesamte bekannte Welt zerstreut waren. Das einzige, was sie zusammenhalten konnte, war die Macht des Stammesgedankens und die Hoffnung, das „auserwählte Volk“ werde in das ihm „verheißene Land“ zurückkehren. Außerdem galt es die Überzeugung dieser zerstreuten Nation wachzuhalten, dass ihre Aufgabe darin bestand, ihre Gastvölker zu vernichten.

In seiner der Außenwelt mittlerweile bereits bekannten Form konnte das Gesetz nicht mehr abgeändert oder um neue historische Kapitel erweitert werden. Dazu kam, dass Jesus den Schriftgelehrten vorgeworfen hatte, das ursprüngliche Gesetz verfälscht und durch „Menschengebote“ ersetzt zu haben. Gewiss, man hatte Ihn ans Kreuz geschlagen, doch damit hatte man Seine Kritik nicht widerlegt und Seinen Anhängern nicht den Mund gestopft, wie die stetig wachsende Anzahl der Christen bewies. So kraftvoll war Seine Herausforderung des Gesetzes gewesen, dass nicht einmal die Pharisäer hoffen durften, Skeptiker allein dadurch in die eigenen Reihen zurückzupfeifen, dass sie Jesus als „Verächter des Gesetzes“ schmähten.

Nichtsdestoweniger erforderten die sich stetig wandelnden Verhältnisse eine regelmäßige Neudeutung des Gesetzes, um dem „auserkorenen Volk“ vor Augen führen zu können, dass jedes beliebige Ereignis die Erfüllung einer Voraussage Jahwes war, auch wenn es zunächst durchaus nicht so aussah. Die Pharisäer in Jamnia, die auch weiterhin darauf beharrten, im Besitz der mündlich offenbarten Geheimnisse Gottes zu sein, begannen die „Gebote und Rechte“ so zu interpretieren, dass es den Anschein machte, sie bezögen sich auf das Christentum. Dies war die Geburtsstunde des Talmuds, der im Grunde genommen nichts weiter als der antichristliche Wurmfortsatz der Thora ist.

Der Talmud wurde im Verlauf der Jahrhunderte zum „Zaun um das Gesetz“, zur Palisade, welche das „auserwählte Volk“ nach außen abschirmte. Um seine Bedeutung zu erkennen, muss man den historischen Hintergrund betrachten, vor dem er entstand: Judäa existierte nicht mehr; „das Volk“ war unter allen Nationen der bekannten Welt zerstreut; eine neue Religion, die Gott als Vater aller Menschen und nicht bloß als Schutzherrn eines auserwählten Stammes betrachtete, hatte ihren Siegeszug angetreten.

Nach menschlichem Ermessen schien die Aufgabe, welche sich die Pharisäer gestellt hatten, vollkommen aussichtslos: Allzu groß musste die Verlockung, in der Menschheit aufzugehen, für das zerstreute Völklein sein! Doch die Geschichte hat bewiesen, dass das ehrgeizige Unterfangen der Pharisäer vom Erfolg gekrönt war. Dank dem Talmud war es ihnen gelungen, einen Zaun zwischen den Juden und den durch das Christentum aktivierten Kräfte der Integration zu errichten.

Zwei Beispiele aus jüngster Vergangenheit mögen veranschaulichen, welche Auswirkungen der Talmud noch viele Jahrhunderte nach seiner Erstellung zeitigt. Die Bücher der Gebrüder Thoreau ermöglichen dem Leser den einen oder anderen Blick hinter die Mauer, die der Talmud errichtet hat; in einem davon schildern sie einen kleinen Judenjungen in Polen, dem man beigebracht hatte, jedesmal, wenn er an einem am Straßenrand prangenden Kruzifix vorbeiging, auf dieses zu spucken und zu sagen: „Verflucht seiest du, der du eine neue Religion geschaffen hast.“ Im Jahre 1953 beschrieb ein junger Missionar der Jerusalemer Moravianerkirche die Übernahme des dortigen Krankenhauses für Aussätzige, das den Namen „The Jesus Mission“ trug, durch die Zionisten. Gleich als erstes übertünchten sie den Namen „Jesus“, der seit mehr als hundert Jahre über dem Eingangstor des Krankenhauses gestanden hatte.

Fälle wie diese (sowie das Verbot, den Namen Jesu zu erwähnen) gehen direkt auf die Lehren des Talmuds zurück; dieser war de facto ein weiteres „neues Gesetz“ mit spezifisch antichristlicher Stoßrichtung. Aus diesem Grund lässt sich die folgende Periode in der Geschichte Zions am treffendsten als jene der Talmudisten charakterisieren, welche nach den Leviten und den Pharisäern der dritten Phase dieser Geschichte ihren Stempel verliehen.

Während die Pharisäer, die man fortan Talmudisten nennen darf, in ihrer neuen Akademie in Jamnia an ihrem neuen Gesetz feilten, verbreitete sich die Botschaft Jesu Christi über das ganze römische Reich. Entscheidenden Anteil hieran hatte ein ehemaliger Pharisäer, Saulus von Tarsus, der vor dem Fall Jerusalems von dort nach Damaskus zog, um die Ketzer Mores zu lehren, unterwegs aber zum Gefolgsmann Christi wurde. Er predigte den Heiden ebenso wie den Juden, und als ihn die Juden deswegen lästerten, sprach er: „Euch musste zuerst das Wort Gottes gesagt werden; nun ihr es aber von euch stoßet und achtet euch selbst nicht wert des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden. Denn so hat uns der Herr geboten: Ich habe dich den Heiden zum Licht gesetzt, dass du das Heil seiest bis ans Ende der Erde.“ (Apostel 13; 46, 47.)

Laut Dr. Kastein hat jener Saulus, der zum Paulus wurde, „all jene, die er von der Wahrheit seiner Prophezeiung überzeugen konnte, zu Renegaten im weitesten Sinne gemacht, ob sie nun Juden oder Heiden waren“. Was Paulus sowie die anderen Apostel sagten, entsprach freilich voll und ganz dem Geiste jener Zeit, denn überall begannen sich Menschen zu dem Gott aller Menschen vorzutasten und wandten sich der Lehre Jesu zu, so wie Pflanzen aus dem Erdreich nach dem Lichte streben. Dieser erwachende Impuls mag auch der Grund dafür gewesen sein, dass es Jesus beschieden war, ausgerechnet unter den Judäern zu wirken, denn deren Stammesreligion war die fanatischste von allen, und da jede Aktion eine Reaktion hervorruft, entsprach es der Logik der Dinge, dass die Gegen-Idee dort erschien, wo der Druck am größten war.

Es war dies ein schicksalhafter Augenblick in der Geschichte des damals noch wenig bekannten und dünn besiedelten Weltteils, den man heute das Abendland nennt. Wären die Jünger nicht westwärts gewandert, so wäre das Abendland mit all dem, was es verkörpert, wohl niemals entstanden.

Was man gemeinhin als „abendländische Zivilisation“ bezeichnet, ist ohne das Christentum schlechthin nicht denkbar. Im Verlauf der neunzehn Jahrhunderte, die auf Jesus folgten, erlebte das Abendland eine derartige Entwicklung zum Höheren, dass es den Rest der Welt weit hinter sich ließ. Auf materieller Ebene war sein Vorsprung dermaßen groß, dass es sich zum Zeitpunkt, wo ich dieses Buch schreibe, anschickt, Schiffe ins Weltall zu entsenden und das Universum zu erforschen. Doch dies ist der geringere Teil seiner Errungenschaften. Weitaus wichtiger noch war seine Höherentwicklung auf geistigem und moralischem Gebiet. Das Abendland begründete das Prinzip, wonach jeder Mensch das Recht auf einen öffentlichen und gerechten Prozess sowie auf Freilassung bei Beweis seiner Unschuld hat. Dieses Recht, das im 20. Jahrhundert freilich wieder nachhaltig bedroht ist, stellt eine der gewaltigsten Errungenschaften der Menschheit dar; ob es Bestand haben wird oder nicht, ist entscheidend für ihre Zukunft.

Die Schatten, welche den Jüngern folgten, als sie kurz vor dem Fall Jerusalems dessen Tore durchschritten und ihre Reise antraten, folgten auch dem Christentum bei seiner Ausbreitung nach Westen, und die talmudische Sekte heftete sich all die Jahrhunderte lang hartnäckig an seine Fersen. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde das Abendland zum Schauplatz des Kampfes zwischen jenen Nationen, die mit dem Christentum entstanden waren, und der Sekte, die unbeirrbar an ihrer zerstörerischen Mission festhielt.

An diesem Kampf sind allerdings auch andere Parteien beteiligt. Gut fünf Jahrhunderte nach Jesus brachte die dem Menschen innewohnende Sehnsucht nach einem Gott aller Menschen eine weitere Eingottreligion hervor, die dem talmudischen Rassismus den Fehdehandschuh hinwarf. Träger des neuen Glaubens war ein semitisches Volk, die Araber.

Mohammed (den Dr. Kastein verächtlich als „halbgebildeten Beduinen“ abtut) hatte wie dereinst Saulus auf seinem Weg nach Damaskus eine Vision. Seine Lehre ähnelte derjenigen Jesu in mancher Hinsicht. Er anerkannte Jesus zwar nicht als Gesalbten oder Sohn Gottes, wohl aber als großen Propheten wie Abraham und Mose und sah sich selbst als Nachfolger Mose und Jesu und als Propheten Gottes, den er Allah nannte. Für ihn gab es nur einen Gott, Allah, den Schöpfer der Menschheit, der kein Stammesgott der Araber, sondern der Gott aller Menschen war.

Wie das Christentum predigte auch der Islam nicht den Hass. Mohammed äußerte sich voller Ehrfurcht über Jesus und seine Mutter, sehr im Gegensatz zum Talmud, die beide mit Schmutz übergießt. Die Juden hingegen galten ihm als zerstörerische, nur auf ihren eigenen Nutzen bedachte Gemeinschaft. Im Koran heißt es über sie: „Sooft sie ein Leuchtfeuer als Signal des Krieges entfachen, wird Gott es löschen. Und ihr Ziel wird sein, Unruhe auf der Welt zu stiften, aber Gott liebt die Unruhestifter nicht.“ In diesem Sinne haben sich weise Männer all die Jahrhunderte hindurch über den Stammesglauben und die Sekte geäußert, bis hin in unser zwanzigstes Jahrhundert, ehe jede öffentliche Erörterung der Frage de facto verboten wurde.

So wurde der Islam geboren; wie sich das Christentum westwärts und der Buddhismus schon vor ihm ostwärts verbreitet hatte, verbreitete er sich über die Länder südlich des Mittelmeers und im Osten bis hin nach Indien. Drei gewaltige Ströme waren entsprungen, denen eines fernen Tages beschieden sein wird, zusammenzufließen, denn die Unterschiede zwischen diesen Weltreligionen sind in keinem einzigen Punkt unüberwindlich, und in der Verwerfung der Vorstellung von der Herrenrasse sowie der zerstörerischen Idee sind sie sich einig.

Das Christentum und der Islam gewannen einen erheblichen Teil der Menschheit für sich und kanalisierten so den dem Menschen innewohnenden monotheistischen Impuls. In schroffem Gegensatz zu diesen Weltreligionen blieb das Judentum weiterhin in seinem Stammesdenken gefangen, und der innere Kreis der Sekte wachte mit Argusaugen darüber, dass es so blieb.

Im 20. Jahrhundert gelang es der mächtigen Sekte, die christlichen und die islamischen Völker gegeneinander aufzuhetzen. Falls die heutige oder die nächste Generation Zeuge eines gewaltigen Krieges zwischen diesen beiden Weltreligionen werden sollte, wird dessen einziger Zweck darin bestehen, die Sekte mitsamt ihrer Lehre von der Herrenrasse zu stärken.

Zu dieser seltsamen Konstellation hat also der Auszug der beiden Parteien aus Jerusalem vor neunzehnhundert Jahren geführt.

* Anmerkung des Übersetzers: In diesem Kapitel schreibt Reed Gamaliel ein Zitat zu, das von „Judas aus Galiläa“ stammt. Der Irrtum wurde berichtigt.


 

Kapitel 13

Der Zaun um das Gesetz

Die Geschichte Zions lässt sich in fünf deutlich unterscheidbare Phasen untergliedern: Die Epoche der Leviten, die Epoche der Pharisäer, die Epoche der Talmudisten, das kurze Zwischenspiel der „Emanzipation“ sowie die Epoche der Zionisten. Bei unserer Darstellung sind wir mittlerweile zur dritten Epoche vorgestoßen.

Die levitische Periode begann im isolierten Juda; ihren Fortgang nahm sie während der babylonischen „Gefangenschaft“ sowie nach der Rückkehr, als das mosaische Gesetz schriftlich festgelegt und dem Volk aufgezwungen wurde. Die anschließende pharisäische Periode fiel im großen ganzen mit der Zeit der römischen Herrschaft über die Provinz Judäa zusammen, die mit der Zerstörung Jerusalems, der Zerstreuung der letzten Judäer, der uneingeschränkten Herrschaft der Pharisäer sowie der Übersiedlung der „Regierung“ in ihre neue Hochburg Jamnia ihren Abschluss fand.

Die dritte, talmudistische Phase war mit Abstand die längste, dauerte sie doch nicht weniger als siebzehn Jahrhunderte, von 70 bis ca. 1800 n. Chr. Während dieser Epoche ließ sich ein Großteil des Judentums in Europa nieder, und die „Regierung“ wachte von wechselnden „Zentren“ aus argwöhnisch darüber, dass die über viele Länder zerstreute Nation unter ihrer Kontrolle blieb, das Gesetz befolgte und sich von den anderen Völkern abgrenzte.

Da die talmudistische Phase in denselben Zeitraum fiel wie die Entstehung und Blüte der christlichen abendländischen Zivilisation, lag es in der Natur der Dinge, dass das Christentum ins Fadenkreuz der Sekte geriet und sich die zerstörerischen Gebote des Gesetzes jetzt spezifisch gegen die Christen (und nicht wie früher ganz allgemein gegen „Heiden“, „Fremdlinge“ und „andere Götter“) richteten.

In den Augen der herrschenden Sekte und ihrer frommen Anhänger war diese lange, vom abendländischen Standpunkt aus so unermesslich bedeutsame Zeitspanne im Prinzip genau so unwichtig wie die babylonische. Dass letzteres ganze fünfzig Jahre gedauert hatte, erstere hingegen volle siebzehn Jahrhunderte, fiel nicht sonderlich ins Gewicht: Beide waren ihrem Wesen nach Epochen des Exils, beide mussten nach dem Gesetz mit der Vernichtung der „Unterdrücker“, dem Triumph der Juden und einer neuen „Rückkehr“ enden, wobei einem neuen Daniel die Aufgabe zufallen würde, diese Entwicklung einzuläuten.

Die siebzehn talmudistischen Jahrhunderte waren nach dem Wortlaut des Gesetzes eine Epoche der „Gefangenschaft“; dem Gesetz zufolge schmachtet das auserwählte Volk nämlich immer in der Gefangenschaft, wenn es außerhalb Jerusalems lebt, und diese Gefangenschaft ist definitionsgemäß stets eine Verfolgung . Dementsprechend vermag ein strammer Zionist wie Dr. Kastein diesen siebzehn Jahrhunderten, die den Aufstieg und die Blüte des Christentums sahen, herzlich wenig Positives abzugewinnen und begnügt sich damit, die „Verfolgungen“ der Juden zu schildern, die sich während dieser Epoche abgespielt haben; alles andere ist für ihn belangloses Hintergrundgetöse. Die ganze Zeit hindurch hatte sich Jahwe der „Heiden“ bedient, um die Juden für ihre Verfehlungen zu züchtigen, zugleich jedoch den Triumph seines auserkorenen Volkes vorbereitet, das den „Heiden“ die erlittenen Peinigungen dereinst mit Zins und Zinseszinsen heimzahlen würde. Das einzige erfreuliche Resultat dieser siebzehn christlichen Jahrhunderte ist für Dr. Kastein, dass die Juden dank ihren talmudistischen Herrschern weiterhin von der Menschheit getrennt lebten.

Dies war in der Tat erstaunlich; die ganze Geschichte negativer Errungenschaften verzeichnet nichts, das sich mit dieser Leistung der Weisen von Zion vergleichen ließen. Mit dem Talmud hatten sie jenen „Zaun um das Gesetz“ errichtet, der siebzehnhundert Jahre lang dem Druck sämtlicher zentrifugalen Kräfte, welche ein Aufgehen der Juden in der Menschheit begünstigten, erfolgreich widerstand.

Während die Führer der Sekte diesen Zaun verstärkten, bemühte sich die europäische Menschheit nach der Annahme des Christentums in einem mühsamen, viele Jahrhunderte dauernden Prozess, ihr moralisches Gesetz auf das Alltagsleben anzuwenden, indem sie Leibeigenschaft und Sklaverei abschaffte, Klassenprivilegien und Ungleichheit verringerte und ganz allgemein die Würde des Menschen förderte. Dieser Vorgang ist als „Emanzipation“ bekannt geworden, und um das Jahr 1800 herum war er soweit gediehen, dass er das System der absoluten Herrscher und der von Geburt privilegierten Kasten endgültig aus den Angeln gehoben hatte.

Unter der Leitung ihrer talmudistischen Führer fochten die Juden beim Kampf um die Emanzipation in vorderster Reihe mit. Dies war an und für sich nur recht und billig. Die christlichen Massen waren von Anfang an der Überzeugung gewesen, dass die von ihnen ersehnten Freiheiten eines Tages allen Menschen zugute kommen würden, ganz unabhängig von ihrer Rasse, Klasse oder Religion; dies war der grundlegende Sinn ihres Kampfes, und hätten sie sich mit weniger zufrieden gewesen, so hätten sie Verrat an sich selbst begangen.

Nichtsdestoweniger lag im Fall der Juden ein offenkundiges Paradox vor, das deren Gastvölker stutzig werden ließ und mit Besorgnis erfüllte. Das jüdische Gesetz verkündet die Lehre von der Herrenrasse in seiner arrogantesten und brutalsten Form – wie konnten die Juden da anderen Völkern das Recht auf ihren eigenen Nationalismus absprechen? Weshalb forderten die Juden die Einreißung aller Schranken zwischen den verschiedenen Menschengruppen, wenn sie selbst eine noch weit höhere Schranke zwischen sich und dem Rest der Menschheit errichtet hatten? Wie konnte ein Volk, das behauptete, Gott habe die Welt nur geschaffen, damit es über sie herrschen könne, und er habe ihm verboten, sich mit anderen Nationen zu vermischen, über „Diskriminierung“ klagen?

Heute, wo weitere anderthalb Jahrhunderte verflossen sind, haben die geschichtlichen Ereignisse eine eindeutige Antwort auf diese Fragen erteilt.

Tatsache ist, dass der jüdischen Forderung nach Emanzipation in keiner Weise die hehre Idee der menschlichen Freiheit zugrunde lag, denn das jüdische Gesetz stellte eine radikale Verneinung dieser Idee dar. Die talmudistischen Judenführer hatten mit sicherem Instinkt begriffen, dass der rascheste Weg zur Beseitigung der Hindernisse, die ihnen die Herrschaft über den Rest der Menschheit verwehrten, in der Zerstörung der legitimen Regierungen der anderen Völker lag, und um dies zu erreichen, mussten sie das Banner der „Emanzipation“ schwenken.

Sobald diese Emanzipation ihnen Tür und Tor geöffnet hatte, konnten sie die anderen Nationen mit einem revolutionären Virus infizieren, das zur Zersetzung sämtlicher rechtmäßigen Regierungen führen musste. Dann konnten Revolutionäre die Macht ergreifen, und diese Revolutionäre würden talmudistisch geschult sein und an den Fäden talmudistischer Strippenzieher tanzen. Alles, was sie taten, würde dem mosaischen Gesetz entsprechen. Auf diese Weise konnte man im Abendland eine Neuauflage des Untergangs von Babylon inszenieren.

Die bisherige Geschichte unseres zwanzigsten Jahrhunderts belegt mit hinreichender Klarheit, dass dies in der Tat das Ziel war, auf das die Talmudisten während der dritten Phase der Geschichte Zions, also von 70 bis ca. 1800 n. Chr., beharrlich hingearbeitet hatten. Somit wohnte dem Begriff „Emanzipation“ für die talmudistischen Führer des Judentums eine vollkommen andere Bedeutung inne als für die christlichen europäischen Völker, unter denen die Juden lebten. Für letztere war die Emanzipation ein Ziel an sich: Das Ende der Knechtschaft. Für die mächtige Sekte war sie bloß ein Mittel zum Zweck, ein Werkzeug zur Schmiedung eines neuen, fürchterlichen Jochs.

Dieses Unternehmen war allerdings mit einem ungeheuren Risiko befrachtet: Die Niederreissung der Schranken zwischen den verschiedenen nichtjüdischen Menschengruppen konnte nur allzu leicht auch die Schleifung der Barrikaden zwischen den Juden selbst und dem Rest der Menschheit nach sich ziehen. Dies hätte den Plan zum Rohrkrepierer werden lassen, weil er die Auflösung jenes Volkes bewirkt hätte, dessen historische Mission es war, nach der Erkämpfung seiner Emanzipation sämtliche anderen Nationen „in den Staub zu werfen und zu vernichten“.

Genau dies wäre während der kurzen vierten Phase der Geschichte Zions um ein Haar geschehen, der Phase der Emanzipation, die ziemlich genau mit dem 19. Jahrhundert zusammenfiel und die Gefahr der Assimilierung akut werden ließ. In diesem Jahrhundert der „Freiheit“ bekundeten sehr viele Juden in Westeuropa sowie der Neuen Welt den Wunsch, die Ketten des jüdischen Gesetzes abzuschütteln und sich mit den anderen Völkern zu vermischen. Dies ist der Grund dafür, dass der zionistische Historiker Dr. Kastein das 19. Jahrhundert als das dunkelste Zeitalter der gesamten jüdischen Geschichte einstuft, in dem die tödliche Gefahr des Aufgehens in der Menschheit über den Juden schwebte – eine Gefahr, die glücklicherweise gebannt werden konnte. Allein schon die Vorstellung, die Zerstörung der jüdischen Religions- und Rassenschranken hätte zur Assimilierung und damit zum allmählichen Verschwinden der Juden führen können, erfüllt Dr. Kastein mit kaltem Grausen. Folgerichtigerweise tadelt er die Emanzipationsbestrebungen des 19. Jahrhunderts als „rückständig“ und dankt Gott dafür, dass die „zionistische Ideologie“ die Juden vor dem grausen Los der Assimilation bewahrt hat.

So kam es zur fünften Phase, die ungefähr um 1900 begann und in der wir leben. Der talmudistische Zaun hatte geschwankt, doch er war nicht umgestürzt, und am Ende der vierten Phase lebten die Juden weiterhin unter ihrem Gesetz, mochten sie dem Verständnis ihrer Gastvölker nach auch voll emanzipiert sein. Jene, die dem Gesetz mittels Assimilierung entrinnen wollten, wurden durch die mystische Kraft des Nationalismus in die Umfriedung ihres Stammes zurückgelockt.

Unter konsequenter Ausnutzung der dank der Emanzipation gewonnenen Macht über verschiedene Regierungen gelang es der Sekte, eine abermalige „Rückkehr“ in das „gelobte Land“ zu inszenieren und so das Gesetz von 458 v. Chr. mitsamt seiner destruktiven, imperialistischen Mission zu erfüllen. Das Weltjudentum wurde in einen Taumel chauvinistischer Raserei versetzt, dessen Auswirkungen heute noch gar nicht abzuschätzen sind; die den Juden offenstehenden enormen Möglichen zur Einflussnahme auf westliche Regierungen wurden zielstrebig genutzt, mit dem Ergebnis, dass die grauenvollen Zerstörungen, welche die abendländische Welt im 20. Jahrhundert hinnehmen musste, letzten Endes das Resultat der alten, ehrgeizigen Bestrebungen Zions sind, die, in ein neues Gewand gehüllt, zum Dogma der westlichen Politik wurden.

Während ich diese Zeilen niederschreibe, ist diese Phase in ihr sechstes Jahrzehnt getreten, und die bisherigen Ergebnisse bieten Anlass zu tiefstem Pessimismus. Das mosaische Gesetz regelt heute das Leben der westlichen Völker, die de facto diesem und nicht ihren eigenen Gesetzen unterstehen. Die politischen und militärischen Operationen der beiden Weltkriege dienten in letzter Konsequenz den Zielen der Zionisten: um diese zu fördern, wurde das Blut Europas vergossen, wurden die Schätze Europas verschachert.

Jedem Einsichtigen ist klar, dass die vierzig Jahre ständigen Blutvergießens im Nahen Osten lediglich ein fahles Vorspiel zu kommenden Gräueln darstellen. Palästina ist ein Krisenherd, wo jederzeit ein dritter Weltkrieg ausbrechen kann, und selbst wenn er anderswo ausbricht, wird er letztendlich den Zielen Zions dienen, denn dieses wird sich erst dann zufrieden geben, wenn ein unvergleichlich größerer Teil des Nahen Ostens als der heutige Staat Israel erobert ist, die „anderen Götter“ vertrieben und alle „heidnischen“ Völker zu Sklaven geworden sind.

Dr. Kastein sieht in dieser fünften Phase das goldene Zeitalter, in dem die Geschichte nach dem von jüdischem Standpunkt aus sinnlosen Interregnum der christlichen Ära „wiederbeginnen kann“ und der Zionismus „als Vollstrecker einer weltweiten Mission“ sein historisches Erbe antreten und die Weltherrschaft erringen wird, die man ihm im Jahre 70 n. Chr., als die Geschichte „unterbrochen“ wurde, verruchterweise verwehrt hat.

Wir sind nun bei der dritten Phase der Geschichte Judas angelangt, jener langen Zeitspanne, zu deren Auftakt die talmudistischen Schriftgelehrten in der Akademie von Jamnia das Gesetz in zäher Webarbeit zu einem gigantischen Spinnennetz ausbauten, dem ein Jude kaum entrinnen konnte, ohne Kopf und Kragen zu riskieren. So wurde das scheinbar Unmögliche möglich: Ein kleines, über alle Länder der damals bekannten Welt zerstreutes Volk wurde volle siebzehn Jahrhunderte lang vom Rest der Menschheit abgesondert und für eine zerstörerische Mission geschult, die im 20. Jahrhundert nach Christus zur Ausführung gelangen sollte.

In den folgenden Kapitel wollen wir etwas näher mit dieser bemerkenswerten Periode der Vorbereitung und Organisation auseinandersetzen, während der die Sekte das mosaische Gesetz mit einem Zaun umgab, um das Volk, dem die Ausführung der zerstörerischen Mission oblag, vor dem verderblichen Virus der Freiheit zu schützen.

Kapitel 14

Die mobile Regierung

Die pharisäischen Weisen, die ihren Sitz kurz vor der im Jahre 70 n. Chr. erfolgten Zerstörung Jerusalems nach Jamnia verlegt hatten, orientierten sich am Vorbild der Leviten in Babylon. Sie gedachten ein Machtzentrum zu schaffen, von dem aus sie ihre mittlerweile über zahllose Länder zerstreuten Untertanen wirksam kontrollieren konnten. Dabei kamen ihnen die in Babylon und Jerusalem gesammelten Erfahrungen ebenso zugute wie die Jahrhunderte alten Geheimnisse, in die sie eingeweiht waren, und es gelang ihnen, eine mobile Regierung zu begründen, die bis zum heutigen Tage die Macht über die Juden ausübt.

Vor der letzten Schlacht gegen Rom siedelte, um Dr. Kastein zu zitieren, „eine Gruppe von Lehrern, Gelehrten und Erziehern, welche die Verantwortung für das Geschick ihres Volkes auf ihre Schultern nahmen und so dessen Zukunft für alle Zukunft gestalteten, nach Jamnia über… In Jamnia wurde eine zentrale Organisation zur Lenkung des jüdischen Volkes aus dem Boden gestampft… Wenn eine Nation so vernichtend geschlagen worden ist wie damals die Juden, geht sie normalerweise zugrunde. Das jüdische Volk ging jedoch nicht zugrunde… Es hatte bereits während der babylonischen Gefangenschaft gelernt, sich veränderten Bedingungen anzupassen… Und nun wählte es eine ähnliche Strategie.“

In Jamnia wurde der alte Sanhedrin, der Legislative, Judikative und Exekutive zugleich gewesen war, unter einem anderen Namen neu gegründet. Außerdem wurde eine Akademie geschaffen, welcher die Weiterentwicklung des Gesetzes oblag. Dort fuhren die Schriftgelehrten fort, Jahwes Pläne zu offenbaren und das Gesetz, von dem schon mehrfach behauptet worden war, es habe seine endgültige Form gefunden, weiterzuentwickeln. Da das Gesetz dem Dogma zufolge jeden einzelnen Aspekt des jüdischen Lebens zu regeln hat und sich die Umwelt, in der die Juden leben, kontinuierlich wandelt, kann von einer „endgültigen“ Fassung des Gesetzes in der Tat keine Rede sein: es muss fortwährend durch neue Zusätze erweitert werden.

Allein schon diese Tatsache machte regelmäßige Revisionen des Gesetzes notwendig; dazu kam jedoch ein neuer Faktor in Gestalt des aufblühenden Christentums, und es erwies sich als unabdingbar, die Haltung des Judentums gegenüber dieser aufstrebenden Kraft verbindlich festzulegen. So erhielt die Thora einen monströsen Wurmfortsatz in Gestalt des Talmud, von dem es hieß, er sei genauso wichtig, wenn nicht gar wichtiger als die Thora selbst.

Von Jamnia aus wachten die Weisen von Zion streng über die Einhaltung des Gesetzes, das, so Dr. Kastein, „eine unüberwindliche Sperre gegenüber der Außenwelt bildete“, eine „gnadenlose Disziplin erzwang“ und „Bekehrungswillige auf Distanz hielt“. Damit wurde das Ziel verfolgt, „das Leben der Juden grundlegend anders zu gestalten als jenes der Nichtjuden“. Jedes Gesetz, das im Sanhedrin die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt hatte, war für die weit zerstreuten jüdischen Gemeinden zwingend gültig; „Kritikern drohte der Bannfluch, was dem Ausschluss aus der Gemeinschaft gleichkam“.

Auf diese Weise wurde „der Mittelpunkt des Kreises schließlich fixiert und der Kreis selbst in Form des Gesetzes und des Zauns, der das Volk umgab, fein säuberlich umrissen “. Während dieses Zeitraums (das Christentum war in Rom noch nicht zur Staatsreligion geworden) erteilte das „Zentrum“ den Juden über seine geheimen Kanäle die Erlaubnis, ihren Glauben nach außen hin zu verleugnen und zum Schein zu einer „heidnischen Religion“ überzutreten, sofern die Umstände dies erforderten.

Rund ein Jahrhundert lang hatte die Regierung in Jamnia ihren Sitz; dann siedelte sie nach Usha in Galiläa über, wo der Sanhedrin neu konstituiert wurde. „Das Judentum auferlegte sich selbst Beschränkungen und grenzte sich immer schroffer von seiner Umwelt ab“, hält Dr. Kastein fest. Während dieser Zeit wurden zum Christentum übergetretene Juden formell mit einem Fluch belegt. Im Jahre 320 bekehrte sich der römische Kaiser Konstantin zum christlichen Glauben und erließ Gesetze, welche Eheschließungen zwischen Christen und Juden untersagten und es den Juden verboten, christliche Sklaven zu halten. Dies war nichts weiter als eine natürliche Reaktion auf das jüdische Gesetz der Absonderung sowie die von der talmudistischen Regierung in Usha geförderten Praxis, „Fremde“ zu Sklaven zu machen, doch den Juden galt dergleichen als „Verfolgung“, und um sich dieser „Verfolgung“ zu entziehen, verlegte die Regierung ihren Sitz nach Babylonien. Dort existierte immer noch eine intakte jüdische Gemeinde, die Nachfolger jener Judäer, die acht Jahrhunderte zuvor die Fleischtöpfe Babylons der Rückkehr nach Jerusalem vorgezogen hatten. Als Regierungssitz wählte die talmudistische Regierung die Stadt Sura, während die Akademien in Pumbedita neu begründet wurden.

Der in Jamna und Usha begonnene Talmud wurde in Sura und Pumbedita vollendet. Dr. Kastein schwärmt, überall sei „ein Ring von gewaltigem Ausmaß und kolossaler Elastizität“ um die Juden errichtet worden; der mystische Kreis der Furcht und des Aberglaubens wurde enger gezogen. Von Sura aus herrschte ein Exilarch (so nannte man die dem Hause David entstammenden politischen Führer der im Exil lebenden Juden), doch dieser wurde mit der Zeit zur bloßen Vorzeigefigur. Schon bald legte, um abermals Dr. Kastein zu zitieren, „der Vorsitzende der Akademie“ (d. h. der Hohepriester und „Premierminister“) die Regeln und Bestimmungen „nicht nur für die babylonischen Juden, sondern für das Judentum in seiner Gesamtheit“ fest. „Die Juden in aller Welt anerkannten die Akademien in Babylon als rechtmäßiges Zentrum des Judentum, und jedes dort verabschiedete Gesetz galt als verbindlich.“

Dies heißt, dass die Nation innerhalb der Nationen, der Staat innerhalb der Staaten an das talmudistische Zentrum in Babylonien gekettet war und von ihm gelenkt wurde.

Der Kern des Dogma waren auch weiterhin die von Hesekiel, Esra und Nehemia geschaffenen und erzwungenen Gebote, aber de facto hatte der Talmud die Thora in den Hintergrund gedrängt, so wie die Thora seinerzeit die „mündlichen Traditionen“ verdrängt hatte. Die Oberhäupter der Institutionen in Sura und Pumbedita wurden Gaonim genannt und herrschten autoritär über die über alle Herren Länder zerstreuten Juden. Die schattenhaften Exilarchen, die später als Nasim, „Prinzen“, bezeichnet wurden, waren wenig mehr als Hampelmänner der geistlichen Macht, die auch den Sanhedrin kontrollierte und befugt war, ihm seiner Vollmacht zu entziehen. Wenn sich Juden irgendwo auf der Welt über die korrekte Auslegung oder Anwendung des Gesetzes in einer Alltagsfrage im Unklaren waren, wurden die Gaonim zu Rate gezogen. Diese fällten dann im Namen Jahwes Entscheidungen und Urteile, die alle Juden der Welt akzeptieren mussten, wollten sie nicht der Ächtung anheimfallen.

So gerieten sämtliche Juden, wo immer sie ansässig sein mochten, unter den lähmenden Einfluss des Talmud. Dr. Kastein schreibt, dieser habe sich „wie ein eng gewobenes Netz… über Arbeitstage und Feiertage, über Handlungen und Gebete der Gläubigen, über ihr ganzes Leben und jeden einzelnen ihrer Schritte“ gelegt, und fährt fort: „Kein einziger Aspekt ihres sichtbaren Lebens wurde fortan noch durch willkürlichen Entscheidungen geregelt oder dem Zufall anheimgestellt.“ Das Bild, das Dr. Kastein hier zeichnet, ist das eines absoluten Despotie, die sich von anderen totalitären Herrschaftsformen nur dadurch unterscheidet, dass die Despoten und ihre Untertanen räumlich weit voneinander entfernt lebten. Wenn eine dermaßen straff kontrollierte Volksgruppe eine segensreiche Mission zu erfüllen hat, kann sie anderen Völkern unermessliche Vorteile bringen; ist ihre Aufgabe hingegen zerstörerischer Art, so wirkt sie wie eine Sprengladung in einem Felsen, die aus sicherer Entfernung durch den Druck auf einen Knopf gezündet wird.

Sechshundert Jahre lang residierte die talmudistische Regierung in Jamnia, Usha und Sura, also unweit der Urheimat der Judäer. Die umliegenden orientalischen Völkerschaften wussten, mit wem sie es zu tun hatten, und sorgten dafür, dass ihnen die barbarische Stammesreligion nicht allzu gefährlich wurde. Solange die Talmudisten keine Rückendeckung seitens fremder Herrscher genossen, waren ihre Nachbarn durchaus imstande, mit ihnen einen Modus vivendi zu finden und sogar mehr oder weniger freundschaftlich mit ihnen zusammenzuleben.

Doch dann vollzog sich ein Ereignis, dessen fatale Auswirkungen erst in jüngster Vergangenheit so richtig spürbar wurden: Die talmudistische Regierung verließ den Nahen Osten und siedelte in das inzwischen christlich gewordene Europa um. Fortan hatte sie ihren Sitz unter Völkern, denen ihr Dogma und ihre Methoden seltsam und unbegreiflich vorkamen. Dies führte im Lauf der Jahrhunderte immer wieder zu heftigen Zusammenstößen zwischen den ehrgeizigen Eindringlingen mit ihrer fremden Religion und den auf Wahrung ihrer eigenen Interessen bedachten Einheimischen; in unserem Jahrhundert haben diese Konflikte ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Der europäische Mensch, insbesondere der nordeuropäische, ist von Natur aus offenherzig und bedient sich der Sprache, um seine Wünsche und Absichten kundzutun. Dieser ihm eigene Charakterzug wurde durch das Christentum noch verstärkt. Der Orientale, der sich zunehmend in Europa breitmachte, war von ganz anderer Wesensart: Er war ein geborener Ränkeschmied, liebte Geheimnistuerei und Intrigen, und die Sprache diente ihm dazu, seine wahren Absichten zu verschleiern. Dank diesen Eigenschaften waren die fremden Eindringlinge gegenüber ihren europäischen Gastvölkern von Anfang an im Vorteil.

Das Vordringen der Sekte nach Europa war die Folge der islamischen Expansion. Unter dem grünen Banner des Propheten hatten die Araber die Römer aus Palästina vertrieben, so dass dessen alteingesessene Bewohner, die schon zwei Jahrtausende vor dem Einfall der ersten hebräischen Stämme dort gelebt hatten, endlich Herr im eigenen Haus waren; sie sollten es bis zum Jahre 1517 bleiben, als die Türken Palästina unterjochten.

Hier lohnt sich ein Vergleich zwischen der islamischen und der judäischen Behandlung von Kriegsgefangenen. Als die Araber anno 637 zum Sturm auf Palästina ansetzten, erteilte ihnen der Kalif einen Befehl folgenden Wortlauts: „Ihr sollt nicht verräterisch oder treulos handeln, keine Grausamkeiten begehen und niemanden verstümmeln, keine Kinder oder Greise töten, keine Palmen oder Obstbäume fällen oder verbrennen, keine Schafe, Kühe oder Kamele töten, und ihr sollt jene in Frieden lassen, die sich in ihren Klosterzellen dem Gottesdienst hingeben.“ Hingegen heißt es im Deuteronomium: „Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken.“ (5. Mose 20; 16, 17.)

Von Palästina aus verbreitete sich der Islam über ganz Nordafrika, so dass die zahlreichen dort lebenden Juden unter eine einheitliche Fremdherrschaft gerieten. Als nächstes wandte sich der Islam Europa zu und setzte nach Spanien über. Hierdurch fiel der Schatten des Talmudismus erstmals auf das christliche Abendland. Die Juden dienten sich den Mauren nämlich als Hilfstruppen an und unterstützten den islamischen Eroberungsfeldzug mit Soldaten und Geld, wofür sie mit allerlei Privilegien belohnt wurden, insbesondere mit dem Recht zur Verwaltung der eroberten Städte. Im Koran heißt es von den Juden, ihr Ziel bestehe darin, „Unruhe auf Erden“ zu stiften, und die arabischen Heere erleichterten ihnen die Verwirklichung dieses Ziels ungemein.

Das christliche Spanien geriet unter islamische Herrschaft. Die talmudistische Regierung machte sich diese günstige Konstellation zunutze, um ihren Sitz aus Babylonien nach Spanien zu verlegen, und leitete hierdurch einen Prozess ein, dessen Folgen wir heutzutage ausbaden müssen. Dr. Kastein schreibt:

„Das über die ganze Welt zerstreute Judentum tendierte stets dazu, einen fiktiven Staat an Stelle dessen zu errichten, den es verloren hatte, und wandte sich deswegen regelmäßig an ein gemeinsames Zentrum um Rat… Dieses Zentrum befand sich jetzt in Spanien, wohin die nationale Regierung aus dem Osten umgesiedelt war. So wie Babylonien durch einen Wink der Vorsehung die Stelle Palästinas eingenommen hatte, rückte Spanien nun durch eine freundliche Fügung des Geschicks an die Stelle Babyloniens, das als Zentrum des Judentums nicht länger funktionsfähig war. Alles, was getan werden konnte, war bereits getan; die Ketten waren geschmiedet, mit denen sich der einzelne fesseln konnte, um nicht von seiner Umgebung verschlungen zu werden: Der Talmud.“

Dr. Kasteins Wortwahl entbehrt nicht der Pikanterie: Es dürfte fürwahr selten vorkommen, dass sich ein Mensch aus freier Wahl mit Ketten fesselt, die ein anderer für ihn geschmiedet hat! Jedenfalls waren die Juden nach wie vor Gefangene ihrer herrschenden Kaste. Ob ihre Gefangenschaft womöglich noch drückender war als früher, vermochten nur die Juden selbst zu beurteilen; für das Abendland zählte einzig, dass die jüdische Regierung nun in Europa hockte. Sowohl das herrschende Zentrum als auch die zerstörerische Idee hatten sich auf europäischem Boden eingenistet.

Die talmudistische Regierung der Nation innerhalb der Nationen spann ihre Fäden fortan auf spanischem Territorium. Die Gaonim erließen ihre Anordnungen; die talmudistische Akademie wurde in Cordoba eröffnet; zumindest zeitweise waltete ein schattenhafter Exilarch als formeller Herrscher der Juden.

Dies alles geschah unter der Schirmherrschaft des Islam. Wie vor ihnen die Babylonier und die Perser begegneten auch die Mauren dieser fremden Kraft in ihrer Mitte mit bemerkenswerter Toleranz. In den Augen der spanischen Bevölkerung nahm der fremde Tyrann zunehmend jüdische Züge an, während seine arabischen verblassten; die Mauren mochten Spanien zwar erobert haben, traten ihre Macht aber mehr und mehr an die Juden ab. So wiederholte sich die Geschichte, die sich zuvor in Babylon abgespielt hatte, in spanischen Landen; in späteren Jahrhunderten sollte sie in annähernd jedem größeren europäischen Staat ihre Neuinszenierung erleben.

Fast acht Jahrhunderte lang blieben die Mauren in Spanien. Als diese lange, drückende Zeit im Jahre 1492 zu Ende ging, wurden die Juden gemeinsam mit den Arabern des Landes verwiesen, sofern sie sich nicht bereit erklärten, zum Christentum zu konvertieren. Für die Spanier verkörperten sie das Antlitz der Fremdherrschaft, in deren Windschatten sie gekommen waren, und nach deren Zusammenbruch mussten sie alsbald ihr Bündelein schnüren.

Das „Zentrum“ der talmudistischen Regierung wurde nun nach Polen verlegt.

Damals, vor viereinhalb Jahrhunderten, spielte sich eines der rätselhaftesten Ereignisse in der Geschichte Zions ab: Warum in aller Welt beschlossen die Führer der Sekte, ihre neue Hochburg ausgerechnet in Polen zu errichten? Bis zu jenem Zeitpunkt hatten die Annalen der Geschichte keine nennenswerte Abwanderung von Juden nach Polen verzeichnet. Jene Juden, die im Schlepptau der Mauren nach Spanien gelangten, waren von Nordafrika gekommen, und nach ihrer Vertreibung kehrten sie entweder in die alte Heimat zurück oder wanderten von dort aus weiter ostwärts, um sich in Ägypten, Palästina, Italien, der Türkei oder auf den griechischen Inseln niederzulassen. Auch in Frankreich, Deutschland, Holland und England hatten sich bereits jüdische Kolonien gebildet, die nun durch Zuwanderer aus Spanien Verstärkung erhielten. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass eine erwähnenswerte Zahl von spanischen Juden nach Polen emigriert oder dass dieses Land zu irgendeinem früheren Zeitpunkt Ziel einer jüdischen Masseneinwanderung gewesen wäre!

Nichtsdestoweniger „entstand“ im 16. Jahrhundert nach der Verlegung des jüdischen Zentrums nach Polen dort „eine nach Millionen zählende jüdische Bevölkerung“, wie sich Dr. Kastein auszudrücken geruht. Nach Millionen zählende Bevölkerungsgruppen pflegen freilich nicht einfach zu „entstehen“. Dr. Kastein muss sich bewusst gewesen sein, dass er seinen Lesern eine Erklärung für dieses Phänomen schuldete; da er jedoch in keiner Weise gewillt war, sich des Themas anzunehmen, begnügte er sich mit der lakonischen Bemerkung, die Existenz einer riesigen jüdischen Gemeinschaft in Polen, von der bisher niemand etwas gehört hatte, gehe „eher auf Einwanderung – anscheinend aus Frankreich, Deutschland und Böhmen – als auf irgendwelche anderen Ursachen“ zurück. Welcher Art diese „anderen Ursachen“ wohl sein mochten, darüber schweigt er sich aus. Es ist höchst ungewöhnlich, dass ein seriöser Forscher eine dermaßen kapitale Frage mit einem einzigen Satz abhandelt, der zudem nichts weiter als eine müßige Spekulation enthält! Wenn ein zionistischer Historiker ein so zentrales Thema einfach unter den Teppich kehrt, kann man sicher sein, dass er etwas zu verstecken hat. Doch wer die Wahrheit ernstlich sucht, kann sie auch in diesem Falle finden.

Hinter der fadenscheinigen Erklärung, mit der Dr. Kastein seine Leser abspeist, verbirgt sich das wichtigste Ereignis in der jüngeren Geschichte Zions. Das neue „Zentrum“ der jüdischen Regierung wurde inmitten einer zahlenmäßig sehr starken Gruppe von Menschen errichtet, welche die Welt nicht als Juden kannte und die im eigentlichen Sinne des Wortes auch gar keine waren. In ihren Adern floss kein einziger Tropfen judäischen Blutes (ganz nebenbei gesagt muss das judäische Blut auch bei den Juden Westeuropas zu jenem Zeitpunkt bereits stark verdünnt gewesen sein), und ihre Ahnen hatten Judäa niemals zu Gesicht bekommen. Sie stammten nämlich aus dem heutigen Südrußland, aus einem Gebiet zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer.

Dieses Volk waren die Chasaren, ein turko-mongolischer Stamm, der vermutlich im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zum Judentum übergetreten war. Es handelte sich um die einzige Massenbekehrung einer großen Bevölkerungsgruppe, die rassisch mit den Judäern nichts gemein hatte (die Idumäer waren immerhin „Brüder“ gewesen). Über die Gründe, welche die talmudistischen Führer dazu bewogen haben mögen, diesen kollektiven Übertritt zu ihrem Glauben zu fördern oder zumindest zu dulden, kann man nur spekulieren; sicher ist allerdings, dass die „Judenfrage“ ohne diese massenhafte Konversion heutzutage schon längst gelöst wäre.

Dieses Geschehnis, auf das wir in einem späteren Kapitel noch ausführlich zu sprechen kommen, sollte für das Abendland weitreichende und möglicherweise tödliche Folgen haben. Ihr natürlicher Instinkt sagte den Europäern stets, dass die größte Bedrohung für ihr Überleben aus Asien kam. Nach der Verlagerung der talmudistischen Hochburg nach Polen ließen sich die Chasaren in wachsender Zahl dort nieder und wanderten später als „Juden“ nach Westeuropa weiter, wodurch sie den Alten Kontinent in die schwerste Krise seiner Geschichte stürzten. Zwar war ihre Bekehrung zum mosaischen Glauben schon viele Jahrhundert früher erfolgt, aber ihre Urheimat lag dermaßen weit entfernt, dass die Welt vielleicht nie von ihnen erfahren hätte, wäre das talmudistische Zentrum nicht nach Polen verlegt worden, wo um 1500 herum bereits eine erhebliche Zahl dieser Chasaren wohnte und in das sie nun von Osten her in immer größeren Scharen einwanderten.

Zum Zeitpunkt, wo sie als „Ostjuden“ bekannt wurden, sprach man längst nicht mehr von „Judäern“, sondern nur noch von „Juden“; dass sie tatsächlich aus Judäa stammten, hätte ihnen ohnehin kaum jemand abgenommen. Von nun an predigte die jüdische Führung das Dogma von der „Rückkehr“ einem Volk, in dessen Adern mehrheitlich kein einziger Tropfen semitischen Blutes rann und das nicht die geringsten abstammungsmäßigen Bindungen an Palästina besaß! Die talmudistische Regierung stützte sich fortan auf eine Manövriermasse, die zwar weiterhin asiatischen Ursprungs war, jedoch aus einem ganz anderen Teil Asiens stammte als die Judäer.

Auch auf polnischem Boden errichteten die Talmudisten de facto einen Staat im Staate. Wie vor ihnen schon so viele andere Völker begegneten die Polen der Nation innerhalb der Nation, die vor ihren Augen Gestalt annahm, mit erstaunlicher Duldsamkeit, was freilich wie in allen früheren Fällen die rabiate Feindseligkeit der talmudistischen Juden gegenüber ihrem Wirtsvolk in keiner Weise dämpfte.

Dr. Kastein meint, während der polnischen Periode habe eine unabhängige jüdische Regierung bestanden. Die Polen erlaubten den Talmudisten, sich eine „Verfassung“ zu geben, und während des 16. und 17. Jahrhunderts lebten die Juden unter einer „autonomen Regierung“. Sie errichteten, immer nach Dr. Kastein, „ein eisernes System der Autonomie und eine eiserne religiöse Disziplin, die unvermeidlicherweise zur Bildung einer oligarchischen Regierungskaste und der Entwicklung einer extremen Form des Mystizismus führte“. Solcher Art waren also die Rahmenbedingungen, unter denen sich die kommunistischen und zionistischen Revolutionäre unseres Jahrhunderts unter strenger Absonderung von ihrer nichtjüdischen Umwelt und mit eiserner Disziplin auf ihre Mission vorbereiteten.

Diese autonome talmudistische Regierung trug den Namen Kahal. Auf seinem eigenen Territorium übte der Kahal uneingeschränkte Macht über seine jüdischen Untertanen aus, doch unterstand er seinerseits der polnischen Regierung. Er durfte in den Ghettos und Gemeinden Steuern eintreiben, musste der polnischen Regierung aber regelmäßig eine gewisse Summe an Steuergeldern entrichten. Er erließ Gesetze, die sämtliche Beziehungen zwischen seinen jüdischen Untergebenen regelten, und war befugt, diese zu richten, freizusprechen und zu verurteilen.

Todesurteile zu fällen, war ihm zwar untersagt, doch stand dieses Verbot nur auf dem Papier. Prof. Salo Baron schreibt in seiner 1937 erschienenen Studie Social and Religious History of the Jews: „In Polen, wo das jüdische Gericht keine Ermächtigung zur Verhängung der Todesstrafe besaß, wurde das Lynchen als außergerichtliche Präventivmaßnahme von rabbinischen Autoritäten wie Solomon Luria gebilligt.“ Dieses Zitat macht klar, was Dr. Kastein mit seinen häufigen, jedoch vorsichtig formulierten Anspielungen auf „eiserne Disziplin“, „unerbittliche Disziplin“, „gnadenlose Disziplin“ etc. meint.

Kurz und gut: Auf polnischem Boden wurde ein nach den Regeln des Talmud verwalteter jüdischer Staat begründet. Lassen wir wieder einmal Dr. Kastein zu Worte kommen:

„Solcher Art war die Verfassung des jüdischen Staates, der auf fremdem Boden errichtet worden war, durch eine Mauer aus fremden Gesetzen geschützt wurde und eine teils selbstgewählte, teils von außen aufgezwungene Struktur aufwies… Er besaß seine eigenen jüdischen Gesetze, seine eigene Priesterschaft, seine eigenen Schulen, seine eigenen gemeinnützigen Einrichtungen und seine eigenen Vertreter in der polnischen Regierung… In anderen Worten, er wies sämtliche Elemente auf, die einen Staat ausmachen.“ Dies war „in erheblichem Masse der Kooperationsbereitschaft der polnischen Regierung zu verdanken.“

1772 wurde Polen geteilt; die als Staat im Staate organisierte große ostjüdische Gemeinde wurde von dieser Teilung selbstverständlich in Mitleidenschaft gezogen, und der größte Teil davon geriet unter russische Herrschaft. Zum ersten Mal seit mehr als zweieinhalb Jahrtausenden und weniger als zweihundert Jahre vor unserer eigenen Zeit verschwand das „Zentrum“ der jüdischen Regierung, das sich zuvor in Judäa, Babylon, wieder in Judäa, Galiläa, Babylonien, Spanien und Polen befunden hatte, aus dem Gesichtsfeld. Dr. Kastein behauptet, es habe „aufgehört zu bestehen“. Dies würde bedeuten, dass das Judentum von jenem Zeitpunkt an keiner zentralen Autorität mehr unterstand, doch dass eine solche früher so lange und so erfolgreich existiert hatte, spricht ebenso gegen diese Annahme wie die Ereignisse der folgenden beiden Jahrhunderte. Dr. Kastein bestätigt dies unfreiwillig, indem er an anderer Stelle voller Genugtuung konstatiert, im 19. Jahrhundert habe „eine jüdische Internationale Gestalt angenommen“.

Es unterliegt keinem Zweifel, dass das Zentrum auch nach 1772 weiter bestand; es war lediglich in den Untergrund abgetaucht. Warum sich seine Führer zu diesem Schachzug entschlossen, lässt sich den darauf folgenden Entwicklungen entnehmen.

Das 19. Jahrhundert war eine Epoche revolutionärer Verschwörungen kommunistischer und zionistischer Prägung, die später offen ihr Haupt erhoben und unserem eigenen Jahrhundert ihren Stempel verliehen. Alles spricht dafür, dass die Fäden dieser Verschwörungen in diesem talmudistischen Zentrum zusammenliefen. Hätte letzteres weiterhin offen existiert, so wäre die Quelle der Verschwörungen sowie deren ostjüdischer Charakter für jedermann klar ersichtlich gewesen.

Erst 1917, als eine zum allergrößten Teil aus Juden bestehende Regierung in Russland die Macht an sich riss, wurden die Zusammenhänge auch für den Außenstehenden erkennbar, doch damals war der jüdische Einfluss auf die westlichen Regierungen bereits so groß, dass jede offene Diskussion dieses Phänomens nach Kräften unterdrückt wurde und es beinahe schon als Häresie galt, das Thema auch nur zur Sprache zu bringen.

Die Russen, deren Land die damals weltweit größte jüdische Gemeinschaft beherbergte, begriffen allerdings, was gespielt wurde. Hieraus macht auch Dr. Kastein kein Hehl: „Die Russen fragten sich, aus welchen Gründen sich die Juden einfach nicht mit dem Rest der Bevölkerung vermischen wollten; sie gelangten zum Schluss, die Juden besäßen in ihrem geheimen Kahal eine mächtige Stütze, und es existiere ein Welt-Kahal.“ Mit seinem Hinweis auf die „jüdische Internationale“ des 19. Jahrhunderts liefert Dr. Kastein selbst ein starkes Indiz für die Richtigkeit dieser Einschätzung.

Anders gesagt, die „Regierung“ bestand auch weiterhin, doch im Verborgenen und vermutlich in veränderter Form; Dr. Kastein wird kaum zufällig von einer „Internationalen“ gesprochen haben. Die logische Folgerung ist, dass das „Zentrum“ heutzutage nicht in einem einzigen Land liegt; obwohl seine hauptsächliche Machtbasis selbstverständlich die USA sind, dürfte es heute die Gestalt eines Direktorats aufweisen, dessen Angehörige in verschiedenen Staaten leben, aber Hand in Hand arbeiten und die Regierungen ebenso wie die Völker kontrollieren.

Somit hatte die Russen, die zum Zeitpunkt, wo das „Zentrum“ scheinbar verschwand, von dessen fortgesetzter Existenz ausgingen, mit ihrer Sicht der Dinge richtig gelegen.

Die Art und Weise, wie dieses internationale Direktorat Macht über die Nichtjuden erringt und wie es diese Macht ausübt, ist durchaus nicht mehr in undurchdringliches Dunkel gehüllt; wie wir im folgenden zeigen werden, sind in den letzten fünfzig Jahren hierzu zahlreiche zuverlässige Informationen erschienen.

Rätselhafter als die Herrschaft der Talmudisten über die Nichtjuden mutet ihre Fähigkeit an, die Juden selbst in einem eisernen Würgegriff zu halten. Wie konnte es einer Sekte bloß gelingen, ein über aller Herren Länder zerstreutes Volk fünfundzwanzig Jahrhunderte lang zu kontrollieren und zur Befolgung eines archaischen Stammesgesetzes zu zwingen? Im nächsten Kapitel werden wir den einen oder anderen Einblick in die Methoden gewinnen, welcher sich die Weisen von Zion während der längsten Periode ihrer Geschichte – der talmudistischen Epoche, die von 70 bis ca. 1800 n. Chr. dauerte – bedient haben. Diese Methoden sind dermaßen ausgeprägt orientalischer, asiatischer Natur, dass sie für die westliche Mentalität fast unbegreiflich sind; noch am ehesten verständlich dürften sie jenen sein, die vor dem Zweiten Weltkrieg persönliche Erfahrungen mit den ostjüdischen Gemeinden gesammelt haben oder unter totalitären Regimen leben mussten, wo die Geheimpolizei die Bevölkerung in Furcht und Schrecken hält.

Kapitel 15

Der Talmud und die Ghettos

Bei aller Unterschiedlichkeit der Standpunkte wird man eines nicht bestreiten können: Einem Gesetz, dem ein über die ganze Welt zerstreutes Volk neunzehn Jahrhunderte lang gehorchte, obwohl es hundertmal Gelegenheit besaß, sich seinem Bann zu entziehen, muss eine große Kraft innewohnen. Der Talmud war und ist ein solches Gesetz und das einzige seiner Art.

Laut der Jewish Encylopedia galt „der Talmud als höchste Autorität… Selbst die Bibel nahm ihm gegenüber lediglich den zweiten Rang ein.“ In L’Histoire et les histoires dans la Bible zitiert Monseigneur Landrieux aus den Archives Israélites: „Die absolute Überlegenheit des Talmud über die Bibel Mose muss von allen anerkannt werden.“ Schließlich bekräftigt der Talmud selbst: „Die Worte der Weisen sind wichtiger als die Worte der Propheten.“ (Berachot, i. 4.)

Die Erstellung des Talmud begann in Jamnia, wobei ein unter dem Namen „Juda der Heilige“ (oder „der Prinz“) bekannt gewordener Rabbiner dieselbe Rolle bei der Revision des Gesetzes spielte wie weiland Hesekiel und Esra in Babylon. Die „Gebote und Urteile“ der Bücher Deuteronomium, Leviticus und Numeri wurden massiv erweitert. Sämtliche von „Zentrum“ erlassenen neuen Gesetze wurden der bereits in schriftlicher Form vorliegenden Thora als „mündliche Thora“, die den Schriftgelehrten nach ebenfalls göttlichen Ursprungs war, beigefügt und in der Mishna fixiert. Unter dem altbewährten Vorwand der „Vervollständigung“ kam später die Gemara hinzu, eine riesige Sammlung rabbinischer Diskussionen und Regelungen, doch da die Gemara das Werk zweier verschiedener jüdischer Gemeinden war, von denen die eine im fünften Jahrhundert in Palästina und die andere im siebten Jahrhundert in Babylonien wirkte, unterscheidet man zwischen dem palästinensischen und dem babylonischen Talmud.

Somit entstand der Talmud während der christlichen Ära. Er ist seinem Wesen nach antichristlich. Angeblich geht er auf dieselbe Quelle wie die Thora zurück, und die Schriftgelehrten, die ihn niederschrieben, machten geltend, sie revidierten bzw. erweiterten das Gesetz kraft einer Ermächtigung, die ihnen auf dem Berge Sinai „mündlich“ verliehen worden sei.

In meinem Exemplar der christlichen Bibel heißt es, die Kirchen sämtlicher Glaubensrichtungen betrachteten das Alte Testament als „göttlich inspiriert“ ; somit sei es für sie „eine göttliche Regel oder Richtlinie des Glaubens und des Lebenswandels“. Dieses Dogma lässt sich auf das Konzil von Trient zurückführen. Hier drängt sich die Frage auf, ob dem Talmud eine andere Inspiration zugrunde lag als der Thora. Wenn dies nicht der Fall war, was spricht dann dagegen, den antichristlichen Talmud als Ergänzung zur christlichen Bibel anzuerkennen? Ein solcher Schritt hätte zur Folge, dass das Gesamtwerk mehrere Regale einer Bibliothek einnähme und das Neue Testament nur noch ein dünnes Büchlein wäre, das sich inmitten der dicken Talmudbände verlieren und dazu noch von deren gesammeltem Inhalt widerlegt würde.

D. P. Drach, der eine talmudistische Erziehung genossen hatte, später jedoch zum Christentum übertrat, fasst den Grundtenor des Talmud in seiner 1844 erschienenen Studie De L’Harmonie entre l“Eglise et la Synagogue wie folgt zusammen:

„Die Grundsätze der Gerechtigkeit, Billigkeit und Barmherzigkeit gegenüber dem Nachbarn gelten für den Christen ausdrücklich nicht; sie ihm gegenüber zu beherzigen, stellt im Gegenteil ein Verbrechen dar… Der Talmud verbietet ausdrücklich, einen Nichtjuden vor dem Tod zu retten…, ihm verlorenes Hab und Gut zurückzuerstatten oder Mitleid mit ihm zu empfinden.“

Das Dogma der Theologen, wonach das Alte Testament „ebenso göttlichen Ursprungs“ ist wie das Neue, scheint unter den Christen heillose Verwirrung angerichtet zu haben, die dem Christentum womöglich noch zum Verhängnis gereichen wird.

Die von D. P. Drach zitierten Verbote aus dem Talmud finden sich, anders formuliert, bereits im Deuteronomium, das ein rundes Jahrtausend vor dem babylonischen Talmud schriftlich schriftgelegt worden war. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie sich im Talmud spezifisch gegen die Christen richten.

Weshalb brauchte es den Talmud überhaupt? Die Gründe liegen auf der Hand. Die Judäer waren endgültig – oder zumindest bis zu jenem Zeitpunkt, wo die „in der Gefangenschaft Schmachtenden“ in das „gelobte Land“ zurückkehren und sich um den Tempel versammeln würden – über die ganze damals bekannte Welt zerstreut. In den Ländern, wo sie sich niedergelassen hatten, war ihnen ein neuer „Feind“ in Gestalt einer Religion entstanden, deren Stifter die Pharisäer und Schriftgelehrten als „Heuchler“ gebrandmarkt hatte. Zudem kannten die Heiden das mosaische Gesetz mittlerweile in seiner griechischen Übersetzung und waren sogar der Ansicht, das eine oder andere daran sei durchaus brauchbar. Infolgedessen benötigte das auserkorene Volk, um sich auch künftig gebührend von seiner Umwelt abzugrenzen, ein neues, einzig und allein ihm gehörendes Gesetz, das kein Unbefugter zu Gesicht bekommen würde. Es galt also einen „Zaun“ um die Thora zu ziehen, der stark genug war, um die im Exil lebenden Juden sowohl vor der Assimilierung an ihre Umwelt als auch vor der Verlockung, „fremde Götter“ anzubeten, zu schützen.

Somit war der Talmud im Wesentlichen eine Abwehrreaktion auf das Christentum; die Weisen von Zion ließen ihr Fußvolk in neuer Schlachtordnung aufmarschieren, um wirksamer auf die „Angriffe“ des neuen „Feindes“ antworten zu können. Die für Laien gedachten Enzyklopädien (deren Inhalt in unserem Jahrhundert hinsichtlich aller das Judentum betreffenden Themen so verändert worden ist, dass er nicht mehr als zuverlässig bezeichnet werden kann) täuschen den nichtjüdischen Leser über diesen Sachverhalt hinweg. Beispielsweise heißt es in einer vor mir liegenden Enzyklopädie: „Der Talmud ist von den Christen manchmal zu Unrecht als antichristlich angegriffen worden.“ Die von einem parteiischen Schreiberling eingefügten zwei Wörter „zu Unrecht“ sind eine unverfrorene Lüge und verwandeln eine neutral formulierte Feststellung in eine propagandistische. Die hasserfüllten Attacken auf das Christentum verleihen dem Talmud seine unverwechselbare Tonart und sind im Grunde genommen das einzig Neue an ihm; der Rest ist ein Wiederkäuen der Lehren Hesekiels und der Pharisäer.

Die Jewish Encyclopedia vermerkt: „Die jüdischen Legenden im Talmud, die Midrash [Predigten in der Synagoge] sowie das im Mittelalter entstandene ‚Leben Jesu Christi‘ (Toledoth Jeshua) tendieren dazu, die Person Jesu in Verruf zu bringen, indem sie ihm eine uneheliche Geburt, Zauberei und einen schmachvollen Tod zuschreiben.“ In der Tat wird Er im Talmud regelmäßig als „jener Anonyme“, ‚Lügner“, „Betrüger“ oder „Bastard“ geschmäht; der Vorwurf, Er sei ein „Bastard“, diente dazu, ihn für geächtet zu erklären, denn im Deuteronomium heißt es: „Es soll auch kein Mischling in die Gemeinde des HERRN kommen; auch seine Nachkommenschaft bis ins zehnte Glied soll nicht in die Gemeinde des HERRN kommen.“ (5. Mose 23; 3.) Den Namen Jesu auch nur zu erwähnen, ist in jüdischen Familien verboten.

Das in der Jewish Encyclopedia erwähnte, „im Mittelalter entstandene“ Werk über das „Leben Jesu“ ist keineswegs ein genierliches Überbleibsel aus einer fernen Vergangenheit, wie man dieser Formulierung entnehmen könnte, sondern wird in jüdischen Schulen noch heute als Unterrichtsmaterial benutzt. Es handelt sich um ein von Rabbinern verfasstes Machwerk der talmudistischen Ära, in dem die rituellen Verhöhnungen, die Jesus vor Seiner Kreuzigung erdulden musste, in abgeänderter Form wiederholt werden. Jesus wird dort als unehelicher Sohn einer Friseuse namens Maria sowie eines römischen Soldaten namens Panthiera dargestellt und mit einem verächtlichen Namen bezeichnet. Des Weiteren heißt es, Sein Stiefvater habe ihn nach Ägypten mitgenommen, wo Er in der Zauberei unterwiesen worden sei.

Die Quintessenz dieser betrügerischen Jesus-Biographie (die das einzige ist, was ein frommer Jude über Jesus lesen darf) liegt darin, dass Er nicht von den Römern gekreuzigt wurde. Nachdem Er in Jerusalem erschienen und dort festgenommen worden ist, wird Er als Zauberer an den Sanhedrin ausgeliefert und anschließend für vierzig Tage an den Pranger gestellt, ehe man Ihn am Tage des Passa-Festes steinigt und hängt. Diese Hinrichtungsmethoden entsprechen genau den Vorschriften des Gesetzes: „Und wenn du findest, dass es gewiss wahr ist, dass solch ein Gräuel in Israel geschehen ist, so sollst du den Mann oder die Frau, die eine solche Übeltat begangen haben, hinausführen zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen.“ (5. Mose 17; 4,5.) „Wenn jemand eine Sünde getan hat, die des Todes würdig ist, und wird getötet und man hängt ihn an ein Holz, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz bleiben, sondern du sollst ihn am selben Tage begraben – denn ein Aufgehängter ist verflucht bei Gott –, auf dass du dein Land nicht unrein machst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gibt.“ (5. Mose 21; 22-23.) Der Tod am Kreuz hätte nicht in Übereinklang mit diesen Geboten gestanden. Des Weiteren wird in dem betreffenden Buch ausgeführt, Jesus brodle in der Hölle in siedendem Kot.

Im Talmud wird Jesus auch als „Narr“, „Hexer“, „Laie“, „Götzendiener“, „Hund“, „Kind der Lust“ usw. verunglimpft. Angesichts dieser viele Jahrhunderte lang wiederholten Lästerungen ist es nur folgerichtig, dass Jesus in einem 1880 neu aufgelegten Buch des spanischen Juden Mose de León als „toter Hund, der in einem Misthaufen begraben ist“, geschmäht wird. Der hebräische Originaltext dieser Talmudstellen findet sich in Laibles Buch Jesus Christus im Talmud. Laible meint, während der Epoche der Talmudisten sei der Hass auf Jesus zum „hervorstechendsten nationalen Zug des Judentums“ geworden, und die Berührung mit dem Christentum habe die Juden „immer wieder in einen Zustand des Zorns und des Hasses versetzt, der die Grenze zum Wahnsinn überschritt“ ; er fährt fort: „Der Hass und die Verachtung der Juden richteten sich stets in erster Linie gegen die Gestalt Jesu… Der Hass der Juden auf Jesus ist eine eindeutig nachgewiesene Tatsache, auch wenn sie ihn so wenig wie möglich zeigen wollen.“

Um die Außenwelt darüber in Unkenntnis zu halten, was hinter dem talmudischen Zaun gelehrt wurde, beschlossen die führenden Rabbiner im 17. Jahrhundert, die eben zitierten Passagen zu zensieren. Damals war die Kenntnis des Talmud dank der Aufklärungsarbeit zum Christentum konvertierter Juden bereits recht verbreitet, was den talmudistischen Weisen heillosen Ärger einbrockte. Zur Schadensbegrenzung wurde 1631 bei einer Synode in Polen ein Dekret erlassen, welches D. P. Drach später aus dem Hebräischen übersetzte. Hier der entscheidende Abschnitt:

„… wir befehlen euch unter der Drohung der Exkommunizierung, in künftigen Ausgaben der Mishna oder der Gemara nichts zu drucken, was in gutem oder in schlechtem Sinne von den Taten Jesu des Nazareners berichtet, und stattdessen einen Kreis einzusetzen, der die Rabbiner und Schulmeister darauf aufmerksam machen wird, dass sie den Schülern diese Stellen einzig und allein mündlich beibringen dürfen. Dank dieser Vorsichtsmaßnahme werden die Gelehrten unter den Nazarenern keinen Vorwand mehr finden, uns in dieser Frage anzugreifen.“

Heutzutage, wo die nichtjüdischen Regierungen es durch eine strenge Zensur de facto verboten haben, diesem Thema auf den Grund zu gehen oder Einwände gegen solche Passagen zu erheben, sind die gestrichenen Stellen in den hebräischen Ausgaben des Talmud dem Vernehmen nach wieder eingesetzt worden.

Die hasserfüllten Lästerungen gegen den Begründer eines anderen Glaubens unterscheiden das Judentum grundlegend von den übrigen Religionen. Christen, Moslems, Buddhisten, Konfuzianer etc. lehren keinen Hass auf andere Konfessionen oder deren Begründer. Sie begnügen sich damit, die Unterschiede zwischen ihrer eigenen und fremden Religionen gebührend zu unterstreichen und glauben, dass sich ihre Pfade eines Tages mit denen der Andersgläubigen kreuzen werden, wenn es Gott gefällt.

Der Koran beispielsweise berichtet von Jesus, dieser sei „vom Heiligen Geist“ gestärkt worden, während er den Juden vorwirft, den „Apostel Gottes“ , dem „die Frohbotschaft mit ihren Richtlinien und ihrem Licht“ offenbart wurde, verworfen zu haben. Von Seiner Mutter heißt es im Koran: „O Maria! Wahrlich hat Gott dich erwählt und gereinigt und dich über die Frauen der Welt erhoben.“ Welche Ehrfurcht das heilige Buch der Muselmanen Jesus entgegenbringt, geht auch aus folgender Stelle hervor: „Jesus, Marias Sohn, berühmt in dieser Welt und in der nächsten und einer von denen, die Zugang zu Gott haben.“

In schärfstem Gegensatz hierzu steht der Talmud, das letzte „neue Gesetz“. Warum er geschaffen wurde, kann nach dem bisher Gesagten keinem Zweifel mehr unterliegen: Sein Zweck bestand darin, die ursprünglich unterschiedslos gegen alle Nichtjuden gerichteten Bestimmungen des Gesetzes spezifisch auf das Christentum auszudehnen und klarzustellen, wie sich ein Jude letzterem gegenüber zu verhalten hat. Eine zusätzliche Notwendigkeit zur Erweiterung des Gesetzes ergab sich daraus, dass die Nichtjuden in der ins Griechische übersetzten Thora etliches gefunden hatten, das ihnen zusagte, mochte sie in ihrer Gesamtheit auch eindeutig gegen sie gerichtet sein. Diese Konstellation hatten die levitischen Schriftgelehrten nicht voraussehen könnten, weil sie die Übersetzung nicht voraussehen konnten. Die herrschende Sekte benötigte also ein von ihr selbst geschriebenes neues Gesetz, das vor den neugierigen Blicken der „Heiden“ geschützt sein und den Juden in Erinnerung rufen würde, dass das Gesetz auch weiterhin einzig und allein ihr Gesetz war, auch wenn die Heiden unbegreiflicherweise entschieden hatten, seinen älteren Teil in ihre eigene Bibel zu integrieren.

Somit hatte der Talmud den Effekt, den Graben zwischen Juden und Nichtjuden noch zu vertiefen und die Schranke zwischen ihnen noch zu erhöhen. Dies bewerkstelligte er beispielsweise dadurch, dass er Nichtjuden als Kreaturen definierte, „deren Fleisch wie das Fleisch der Esel und deren Ausscheidungen wie die Ausscheidungen der Pferde sind“. Dieser Art war also die von den talmudistischen Weisen geschaffene Weiterentwicklung des Gesetzes!

Denselben Geist atmeten auch die im Talmud figurierenden Gebote. Ihnen zufolge durfte ein verlorener Gegenstand seinem Eigentümer zurückgegeben werden, wenn dieser ein „Bruder“ oder „Nachbar“, nicht jedoch, wenn er ein Nichtjude war. Das Verbrennen nichtjüdische Bücher wurde nachdrücklich empfohlen: Bücherverbrennungen sind eine talmudische Erfindung, so wie die Jagd auf Hexen in der Thora befohlen wird. Tagtäglich musste ein frommer Jude die Formel rezitieren: „Gesegnet seiest Du, der Du mich nicht zum Goy gemacht hast.“ Das im Buch Leviticus festgelegte Gebot „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19; 18) gilt, wie ein Rabin Levi ausdrücklich hervorgehoben hat, nicht für den Nichtjuden. Wenn ein Jude einem Nichtjuden ein Grundstück verkauft, das an das Land eines anderen Juden grenzt, wird er exkommuniziert. Bei einem straf- oder zivilrechtlichen Verfahren darf ein Nichtjude nicht als Zeuge auftreten, weil man sich nicht darauf verlassen kann, dass er sein Wort halten wird wie ein Jude. Tritt ein Jude vor einem nichtjüdischen Gericht als einziger Zeuge gegen einen anderen Juden auf, so hat dies die Exkommunizierung zur Folge. Außerehelicher Verkehr mit einer nichtjüdischen Frau ist kein Ehebruch, „denn die Heiden haben keine nach dem Gesetz getrauten Frauen; diese sind nicht wirklich ihre Frauen.“ Nichtjuden haben an der künftigen Welt grundsätzlich keinen Anteil.

Das ursprüngliche moralische Gebot „Du sollst den HERRN deinen Gott lieben von ganzem Herzen“ legt der Talmud wie folgt aus: “Ein Mann soll sich dem Studium der Heiligen Schriften und der Mishna widmen und Umgang mit gelehrten und weisen Männern pflegen.“ In anderen Worten: Seine Liebe zu Gott beweist ein Jude am klarsten dadurch, dass er den Talmud studiert und seinen nichtjüdischen Mitmenschen meidet!

Gewisse Episoden aus unseren eigenen Tagen veranschaulichen, wie nachhaltig die seit vielen Jahrhunderten andauernde talmudische Gehirnwäsche das Denken jener, die ihr ausgesetzt waren und sind, korrumpiert hat. 1952 berichtete ein Frank Chodorov folgende Anekdote:

„In einer eiskalten Nacht kam der Rebbe in bemitleidenswertem Zustand in unser Haus getorkelt; es brauchte ein halbes Dutzend Tassen heißen Tees, um ihn aufzutauen. Er erzählte nun, ein mitfühlender Goy habe ihm ein Paar Handschuhe angeboten, doch er habe er die milde Gabe ausgeschlagen: ein Jude dürfe nämlich nicht dazu beitragen, dass einem Nichtjuden für eine gute Tat ein Segen (mitvah) zuteilwerde. Es war dies das erste Mal, dass ich mit der Lehre vom ‚auserwählten Volk‘ konfrontiert wurde, und sie kam mir dumm und gemein vor.“

Dieses Beispiel spricht Bände über den „Zaun“, den der Talmud zwischen den Juden und dem Rest der Menschheit errichtet hat, und über die Verachtung und den Hass auf die „Fremdlinge“, die er den Juden einflößt. Welche Folgen hatte er für die Juden selbst? Die Antwort finden wir in der Encyclopedia Judaica: „Die Talmudisten machten die Thora zum Strafgesetz.“ Im Allgemeinen formuliert die Encyclopedia Judaica klar und unmissverständlich, doch in diesem Fall ist ihre Formulierung unsauber. Schließlich war die Thora schon früher ein Strafgesetz gewesen (es reicht, sie zu lesen, um sich dessen gewahr zu werden), und die in ihr vorgeschriebenen Strafen waren immer wieder vollstreckt worden (beispielsweise von Esra und Nehemia gegen die Juden und später auf Drängen des Sanhedrin von den Römern gegen den „Propheten und Träumer von Träumen“ Jesus). Möglicherweise meint die Encyclopedia Judaica, unter den Talmudisten seien die in der Thora festgelegten Strafen mit aller Konsequenz vollzogen worden.

Dass dies in der Tat der Fall war, beweist die zuvor zitierte, von den Rabbinern empfohlene Praxis des Lynchens „als außergerichtliche Präventivmaßnahme“ (wie erinnerlich hatten die Regierungen der Gastvölker den jüdischen Gerichten das Verhängen von Todesurteilen untersagt). Die Thora mitsamt ihrem Wurmfortsatz, dem Talmud, war also in der Tat ein „Strafgesetz“. Zwischen den wenigen moralischen Geboten der alten Überlieferung und dem uferlosen Wust von Gesetzen und Vorschriften des Talmuds klaffte ein Abgrund – nicht zuletzt deshalb, weil Letzterer moralisches Verhalten oft ausdrücklich untersagte und mit drakonischen Strafen ahndete. Nicht moralisches Verhalten, sondern die Befolgung des Gesetzes war gefragt.

Das talmudische Gesetz regelte jeden auch nur denkbaren Aspekt des Lebens eines Juden an jedem beliebigen Ort der Welt: Eheschließung, Scheidung, Eigentumsrecht, Schiedssprüche, Handelsbeziehungen, bis hin zu den hintersten Einzelheiten der Kleidung und der Körperpflege. Da im Alltagsleben oft unvorhergesehene Dinge zu geschehen pflegen, musste die Frage, was unter allen erdenklichen neuen Umständen legal oder illegal (nicht: „richtig oder falsch!“) war, unablässig debattiert werden; dies fand seinen Niederschlag in der ungeheuren Menge rabbinischer Streitgespräche und Urteile, von denen der Talmud nur so wimmelt.

War es ein ebenso schwerer Verstoß gegen das Gesetz, an einem Feiertag einen Floh zu töten, wie ein Kamel? Ein hochgelehrter Rabbiner hielt es für zulässig, den Floh langsam zu zerquetschen, während ein anderer es sogar als statthaft erachtete, ihm die Füße abzuhacken. Wie viele weiße Haare durfte eine rote Opferkuh haben, um immer noch als rote Kuh zu gelten? Welche Arten von Krätze machten dieses oder jenes Reinigungsritual notwendig? Musste der Hohepriester zuerst sein Hemd oder seine Strümpfe anziehen? Auch über Methoden der Hinrichtung eines Abtrünnigen wurde eifrig debattiert: Nach der Auffassung der Weisen musste man ihn würgen, bis er den Mund öffnete, so dass man ihm siedendes Blei in den Schlund gießen konnte. Ein ganz besonders frommer Rebbe regte an, ihm den Mund mit einer Zange aufzureißen, damit er nicht erstickte, ehe das flüssige Blei in ihn eindrang und seine Seele mitsamt seinem Körper verzehrte. Das Wort „fromm“ ist hier durchaus nicht sarkastisch gemeint, denn der betreffende Schriftgelehrte bemühte sich aufrichtig um die korrekte Auslegung des Gesetzes.

Ein weiterer Punkt, der von den Talmudgelehrten erörtert und geregelt wurde, war folgender: Durfte man am Sabbat eine Laus oder einen Floh töten? Die Antwort war, dass die Tötung einer Laus statthaft, die eines Flohs hingegen eine Todsünde war.

Sehr anschaulich schreibt Dr. Kastein:

„Der Talmud wurde zum unzerbrechlichen Hülse um einen Kern, der entschlossen war, zu überleben; er umhüllte das Herz des Juden mit einer Spiritualität, die zwar eiskalt, doch zugleich auch stahlhart und deshalb ein sicherer Schutz war… Der Talmud, den die Juden überall hin mitnahmen, wurde ihr Heim.“ Ein Heim aus Eis und Stahl, von Zäunen und Mauern umgeben, mit lauter zugemauerten Fenstern und verbarrikadierten Türen…

In diesem Heim vermochten die Juden „aufgrund ihrer Überzeugung, das auserwählte Volk und zur Erlösung bestimmt zu sein… sämtliche Geschehnisse ausschließlich von dem Standpunkt aus deuten, dass sich alles nur um sie drehte.“ Wenn die Erde unter Myriaden von Sternen im All kreiste, dann einzig und allein darum, damit die Juden dereinst in einem Tempel, um den herum sich die Leichen erschlagener Heiden türmten, einen goldenen Thron besteigen konnten: „Das Gesetz hatte eine unüberwindliche Barriere gegenüber der Außenwelt errichtet.“

Kein Jude konnte diesen ungeheuerlichen Wust von Gesetzen überschauen, es sei denn, er war Talmudgelehrter. Wahrscheinlich war es keinem Nichtjuden möglich, sich eine unveröffentlichte Ausgabe zu beschaffen. Um die vorhandenen Übersetzungen mit den Originalfassungen zu vergleichen, müsste eine große Zahl von Spezialisten ihr ganzes Leben ausschließlich dieser Aufgabe widmen. In der Vergangenheit hielten viele Forscher die Tatsache, dass lediglich ein kleiner Teil der talmudischen Literatur übersetzt worden ist, für äußerst vielsagend, doch wir messen diesem Umstand keine sonderliche Bedeutung bei. Was die Juden selbst sowie zum Christentum konvertierte Ex-Juden bis anhin über den Talmud offenbart haben, reicht völlig aus, um sich ein klares Bild von ihm zu machen. Wer sich ernsthaft für dieses Thema interessiert, dem stehen neben der Jewish Encyclopedia insbesondere folgende Werke zur Verfügung: Die deutsche Übersetzung des palästinensischen sowie des babylonischen Talmuds (erstere erschien 1880 in Zürich, letztere 1889 in Leipzig); William Ruben, Der alte und der neue Glaube im Judentum ; H. L. Strack, Einleitung in den Talmud ; Laibles Jesus Christus im Talmud ; D. P. Drach, De l’Harmonie entre l“Eglise et la Synagogue sowie Heinrich Graetz, Volkstümliche Geschichte der Juden .

Auch die jüdischen Schriftgelehrten räumen ein, dass der Talmud Menschenwerk ist, im Gegensatz zur Thora, von der es heißt, ihr Inhalt sei Mose von Jahwe offenbart worden. Dieser Unterschied ist von großer Bedeutung. Seine Ursachen liegen auf der Hand: Da die Schriftgelehrten unmöglich endlos behaupten konnten, wieder einmal „vom Staub der Zeiten“ bedeckte Manuskripte aus der Zeit Mose entdeckt zu haben, mussten sie die Verantwortung für die Revisionen des Gesetzes wohl oder übel selbst übernehmen, wobei sie für sich in Anspruch nahmen, die unfehlbare Gabe der Interpretation zu besitzen, die dem ersten ihres Geschlechtes „mündlich“ verliehen worden sei. Damit behaupteten sie implizit, selbst Gott zu sein!

Dr. Kastein trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt: „Es war nicht Gott, der dieses Volk mitsamt seinen Plänen schuf; es war dieses Volk, das Gott mitsamt seinen Plänen schuf.“ Noch treffender wäre es gewesen, wenn er „diese Schriftgelehrten“ statt „dieses Volk“ geschrieben hätte. Die früheren Generationen der Schriftgelehrten hatten die im Deuteronomium festgehaltene Offenbarung geschaffen; die späteren schufen den Gott des Talmud und verlangten von „diesem Volk“, den Talmud als Fortsetzung der früheren Offenbarung anzuerkennen.

Als der Talmud abgeschlossen war, stellte sich eine Frage, auf die nur die Zukunft eine Antwort erteilen konnte: Würde es der neuen Sekte gelingen, den Diasporajuden dieses neue Gesetz so aufzuzwingen, wie Esra und Nehemia den Judäern im Jahre 444 v. Chr. den neuen Bund mit persischer Rückendeckung hatten aufzwingen können?

Die Geschichte hat diese Frage mit ja beantwortet. 1898 erklärte der Zionist Dr. Mandelstamm aus Kiew beim zweiten zionistischen Weltkongress in Basel: „Die Juden lehnen die Idee der Verschmelzung mit anderen Nationalitäten entschieden ab und halten unbeirrt an ihrer historischen Hoffnung auf ein Weltreich fest.“

Wir Menschen des 20. Jahrhunderts sind Zeugen des Versuchs zur Verwirklichung dieser Hoffnung. Dass die Talmudisten dem Sieg mittlerweile greifbar nahe gerückt sind, verdanken sie wahrscheinlich in erster Linie der Institution des Ghettos.

Im zwanzigsten Jahrhundert hat man der Öffentlichkeit weisgemacht, das Ghetto sei eine Art Konzentrationslager gewesen, in das die Juden von ihren Verfolgern gepfercht wurden. Eine ähnliche Geschichtsklitterung stellt die heutige Darstellung politischer und rassischer Verfolgung im Abendland dar; im zwanzigsten Jahrhundert neigt man zusehends dazu, nur noch von der „Verfolgung der Juden“ zu sprechen und alle anderen Verfolgungen unter den Teppich zu kehren.

In den vergangenen neunzehn Jahrhunderten hatten in Europa die unterschiedlichsten Menschengruppen unter Verfolgungen zu leiden. Selbstverständlich blieben solche auch den Juden nicht erspart, doch die Opfer, die sie erbringen mussten, entsprachen ihrem Anteil an der Bevölkerung, was bedeutet, dass nur ein geringer Prozentsatz der Gesamtopferzahl auf die jüdische Volksgruppe entfiel. Bei der umfangreichsten Verfolgung unseres Jahrhunderts, derjenigen im bolschewistischen Russland, waren die Juden nicht Opfer, sondern Täter. Ich weiß nicht, ob ich mir je über diesen Tatbestand klar geworden wäre, hätten meine persönlichen Erfahrungen mich nicht schonungslos damit konfrontiert.

Das Ghetto wurde den Juden mitnichten von ihrer Umwelt aufgenötigt. Es war das logische Produkt des talmudischen Gesetzes und ließ sich direkt auf die babylonische Erfahrung zurückführen. Wie erinnerlich bezeichnet Dr. Kastein den Talmud als das „Heim“, das die Juden überallhin mitgenommen hätten. Allerdings brauchten sie neben diesem geistigen Heim auch ein physisches, eines mit vier Wänden und einem Dach. Da der Talmud selbst festhielt, dass Nichtjuden keine „Nachbarn“ waren, und es verbot, letzteren ein Grundstück zu verkaufen, das an das Land eines Juden grenzte, war die Absonderung der Juden von ihrer Umwelt sowie ihre Selbstisolierung in Ghettos die natürliche Konsequenz.

Das erste Ghetto war jenes, das die Leviten mit dem Segen der örtlichen Herrscher in Babylon eingerichtet hatten. Das zweite entstand in Jerusalem: Von persischen Soldaten unterstützt, umgab Nehemia Jerusalem mit einer neuen Mauer und verwies darauf sämtliche Nicht-Judäer der Stadt. Dies waren die historischen Modelle für das europäische Ghetto, das wohl drückendste geistige Erbe der heutigen Juden:

„Das Ghetto, Freund, das Ghetto, wo alle Hoffnung bei Geburt schon stirbt.“

Juden, die nie ein Ghetto zu Gesicht bekommen haben, tragen eine ererbte Erinnerung daran in sich, die sie wie ein Albtraum verfolgt. Dieser Albtraum ist die Frucht des talmudischen Gesetzes, dem sich die Ahnen dieser Juden fügsam unterworfen haben. Das Ghetto war das ideale Instrument zur Einpferchung einer unter Gastvölkern lebenden Minderheit, zu ihrer Entmündigung und Versklavung.

Auch außerhalb Polens, wo sich alles jüdische Leben in Ghettos abspielte, kam die Forderung nach der Einrichtung solcher oft von den Talmudisten. Die heutzutage grassierende Vorstellung, wonach das Ghetto sichtbares Symbol der Unterdrückung gewesen sei, fügt sich nahtlos in die Legende von der unaufhörlichen „Verfolgung“ der Juden ein; diese Legende dient hauptsächlich zur Terrorisierung der Juden selbst, die so davon abgehalten werden sollen, ihrer Herde den Rücken zu kehren. Dieselbe Funktion erfüllt das heute unermüdlich verbreitete Ammenmärchen vom „Antisemitismus“.

Im antiken Alexandria, dem New York jener Tage, sowie im Kairo und im Córdoba des Mittelalters wurden die jüdischen Wohnviertel auf Wunsch der Rabbiner eingerichtet. Im Jahre 1084 beantragten die Juden von Speyer beim deutschen Fürsten die Einrichtung eines Ghettos; anno 1412 wurde, ebenfalls auf Ersuchen der Juden, in Portugal ein Ghetto-Gesetz eingeführt. Die Errichtung der Ghettomauern in Verona und Mantua wurde von den dortigen Juden jahrhundertelang beim Purimfest gefeiert. Die Ghettos in Russland und Polen waren ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil der talmudistischen Organisation, und jeder Versuch zu ihrer Abschaffung wäre von den jüdischen Führern als „Verfolgung“ gegeißelt worden.

Als Mussolini zu Beginn der dreißiger Jahre das Römer Ghetto schleifen ließ, stimmte die jüdische Presse ein Wehgeheul an; Bernard J. Brown schrieb in seinem 1933 erschienenen Buch From Pharao to Hitler:

„Eines der einzigartigsten Phänomene des jüdischen Lebens in Goluth gehört der Vergangenheit an. Wo noch vor wenigen Monaten ein lebhaftes jüdisches Leben pulsierte, sind nur noch ein paar halbzerstörte Gebäude als letzte Überreste des einstigen Ghettos übrig geblieben. Es fiel der faschistischen Leidenschaft für das Schöne zum Opfer; auf Mussolinis Befehl wurde das Ghetto dem Erdboden gleichgemacht.“ (Zitiert nach Bernard J. Brown, From Pharao to Hitler, 1933.)

Mit dieser Formulierung wird suggeriert, die Schleifung des Ghettos sei „Faschismus“ gewesen, so wie die (auf jüdisches Verlangen erfolgte) Einrichtung solcher Ghettos von den heutigen zionistischen Historikern als „Verfolgung“ angeprangert wird.

Im Sog der Emanzipation verschwanden die Ghettos zumindest in Westeuropa nahezu vollständig; ihre Bewahrung hätte allzu deutlich bewiesen, dass die Führer des Judentums keineswegs gedachten, ihr eigenes Volk an den Segnungen der von ihnen so eifrig gepredigten Emanzipation teilhaben zu lassen.

In ihrer Ausgabe von 1903 vermeldete die Encyclopedia Judaica: „In der ganzen zivilisierten Welt gibt es kein einziges Ghetto im ursprünglichen Sinne des Wortes mehr.“ Die Einschränkung „im ursprünglichen Sinne des Wortes“ ist sehr wichtig, weil die Juden vielerorts auch weiterhin in geschlossenen Gemeinschaften lebten, mochten die sichtbaren Mauern auch gefallen sein. Das Verbot, Nichtjuden ein an jüdisches Land angrenzendes Grundstück zu verkaufen, ist weiterhin in Kraft. Hierzu ein Beispiel: Wer Montreal kennt, weiß, dass dort ein ganzer Distrikt östlich des Berges fast ausschließlich von Juden bewohnt wird, so dass er de facto ein Ghetto ohne Mauern darstellt.

Das Verschwinden des Ghettos während des Jahrhunderts der Emanzipation war für die Macht der Talmudisten ein empfindlicher Schlag. Um zu verhindern, dass sich der Geist des Ghettos verflüchtigte, bedurfte es schleunigst eines Ersatzes, und diesen fand man in Gestalt des Zionismus, der nichts anderes als ein neues Instrument zur Einpferchung der Herde in eine Umfriedung ist.

Rabbiner Elmer Berger meinte:

„Viele wünschen eine strengere Kontrolle der Juden durch Juden und bedauern das Schwinden dieser Kontrolle in Russland, wo das Ghetto sie einst leicht und absolut machte.“

Bernard J. Brown schrieb in seinem oben zitierten Buch:

„Nur einem geistig verblendeten Menschen kann entgehen, dass die Förderung eines Gruppenlebens, das auf alten religiösen und kulturellen Traditionen Fußt, eine Rückkehr ins Ghetto bedeutet… Eine Menschengruppe, welche die Verewigung des Ghettolebens anstrebt, darf keinen Anspruch auf Ruhm erheben… Schon eine oberflächliche Auseinandersetzung mit der Geschichte zeigt, dass der Jude sein eigenes Ghetto gebaut hat.“

Zwei namhafte zionistische Autoritäten stellen also klar, dass der Zionismus die Wiedergeburt der talmudischen Ghettomentalität verkörpert. Er zielt darauf ab, die Früchte der Emanzipation zunichte zu machen und den Juden wiederum einzubläuen, dass sie sich von ihrer Umwelt abzusondern hätten. Die chauvinistischen Parolen, welche die Gründung des Staates Israel im Nahen Osten begleiteten, sind im Grunde nichts weiter als ein Mäntelchen zur Tarnung dieser Absichten.

In ihrer Ausgabe von 1916 vermerkte die Jewish Encyclopedia unter dem Stichwort „Die Einstellung des modernen Judentums“:

„Das moderne Judentum, so wie es in den Katechismus eingegangen ist, in den Erklärungen verschiedener Rabbinerkonferenzen erläutert und in den Predigten moderner Rabbiner interpretiert wird, beruht auf der Anerkennung der Einheitlichkeit der Menschenrassen; das Gesetz der Rechtschaffenheit und Wahrheit gilt für alle Menschen ohne Unterschied der Rasse oder Religion, und seine Verwirklichung steht jedermann offen. Rechtschaffenheit wird nicht durch Geburt verliehen. Die Nichtjuden können einen ebenso hohen Grad an Rechtschaffenheit erlangen wie die Juden… In den modernen Synagogen bezieht sich das Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Leviticus 29) auf alle Menschen.“

Seit 1916 hat sich sehr viel geändert, und heute, im Jahre 1955, lassen diese Worte eine Entwicklung erahnen, die hätte eintreten können, jedoch nicht eintrat. Zweifellos gibt es auch in unseren Tagen ein paar Rabbiner, die das Gesetz in ihren Predigten so auslegen, doch sofern sie keine Helden und Märtyrer sind, können sie vor ihren Gemeinden nicht bestehen, denn diese sind den Sirenenklängen der Zionisten erlegen und dadurch in frühere Jahrhunderte zurückversetzt worden.

Die Zionisten haben sowohl die nichtjüdischen Regierungen als auch die jüdischen Massen fest im Griff, und die Meinung vereinzelter Dissidenten ist von geringer Bedeutung. Das levitische Gesetz in seiner pharisäischen und talmudistischen Interpretation ist wieder voll in Kraft. Dieses Gesetz hat das Verhalten der Juden gegenüber anderen Völkern in der Vergangenheit geprägt und wird es auch in Zukunft prägen, was auch immer die „Einstellung des modernen Judentums“ anno 1916 gewesen sein mag.

Der große Umschwung erfolgte im Jahre 1917, also unmittelbar nach der Veröffentlichung des Enzyklopädieeintrags, dem das obige Zitat entnommen ist. Unter den jüdischen Massen war das Erbe des Talmuds und der Ghettos so tief verwurzelt, dass sie sich nicht um die „Einstellung des modernen Judentums“ scherten, sondern es vorzogen, ihr Ohr den fanatischen Weisen von Zion zu leihen, die damals die Bühne betraten.

Kapitel 16

Die Sehnsucht nach dem Messias

Das talmudistische Regime in den strikt abgeschotteten Ghettos war seiner Natur nach terroristisch und bediente sich klassischer totalitärer Methoden, indem es seine Spione, Schnüffler und Denunzianten ihrerseits ausspionierten ließ und Abweichler mit Bannfluch, Exkommunizierung und Tod bedrohte. Die kommunistischen Regierungen, die mittels Geheimpolizei und Konzentrationslagern herrschen, haben sich dieses System, das den talmudisch geschulten Begründern des Kommunismus wohlbekannt war, offensichtlich zum Vorbild genommen.

Während der viele Jahrhunderte dauernden Herrschaft der Talmudisten zeitigten der Terror und das Dogma, das er schützte, zwei markante Ergebnisse: Periodisch wiederkehrende Sehnsüchte nach dem Messias, die den Wunsch der „Gefangenen“ widerspiegelten, der Schreckensherrschaft zu entrinnen, sowie ebenfalls periodisch aufflammende Proteste gegen das Dogma seitens der Juden selbst.

Dieses Aufbegehren war in gewissem Sinn ein Echo der Gefühle, die das Volk zur Zeit Nehemias geäußert hatte; damals „weinte“ es, als das Gesetz verlesen wurde. Der Talmud verbot den Juden fast jede Tätigkeit außer dem Anhäufen von Geld ( „Sie gestanden den Menschen um sich herum nur gerade so viel zu, wie erforderlich war, um ihre wirtschaftlichen Aktivitäten möglich zu machen“, schreibt Dr. Kastein) sowie dem Studium des Talmud ( „Immer wenn das Gesetz keine eindeutige Antwort auf eine Alltagsfrage erteilte, bemühten sie sich um seine Interpretation“ ).

Die Talmudisten lenkten die Betätigung ihres Volkes so, dass sich dieses immer hoffnungsloser in das Netz verstrickte, in dem es gefangen war: „Sie begnügten sich nicht damit, das Gesetz mit einem Zaun zu umgeben, sondern zogen einen solchen auch um sich selbst, indem sie sich entschiedener denn je zuvor von ihrer Umwelt abschirmten und sich noch fester an einen Kreis von Gesetzen banden“, meint Dr. Kastein. Bei jedem Atemzug und jeder Bewegung mussten sie sich fragen: „Erlaubt oder verbietet der Talmud das?“ Die Antwort auf diese Frage erteilte jeweils die herrschende Sekte.

Selbst die lammfrommsten Mitglieder der Gemeinschaft bekundeten bisweilen Zweifel an der Weisheit eines solchen Gesetzes und fragten sich: „Kann es wirklich stimmen, dass jeder neue Erlass und jedes neue Verbot in der Offenbarung Gottes auf dem Berge Sinai wurzelt?“ Genau dies behaupteten die jüdischen Herrscher. „Der jüdischen Auffassung nach hatte Gott Moses auf dem Berge Sinai sowohl das mündliche als auch das schriftliche Gesetz eröffnet, d. h. das Gesetz mit all seinen Interpretationen und Anwendungsmöglichkeiten“, schreibt Alfred Edersheim in The Life and Times of Jesus the Messiah (1883). Das Volk unterwarf sich dieser unverhüllt politischen Forderung zwar, vermochte sie jedoch längst nicht immer innerlich zu akzeptieren, und wenn diese innere Rebellion an die Oberfläche schwappte, konnte dies die unerwartetsten Folgen nach sich ziehen.

Ein portugiesischer Marrano (so nannte man die zum Christentum übergetretenen Juden, welche dem Judentum allerdings oft insgeheim treu geblieben waren) namens Uriel da Costa kehrte zunächst zum Glauben seiner Väter zurück, doch dann überkam ihn grenzenloser Abscheu vor dem Talmud. Anno 1616 veröffentlichte er in Hamburg ein Traktat mit dem Titel These gegen die Tradition , in dem er die „Pharisäer“ attackierte und behauptete, die talmudischen Gesetze seien von diesen selbst geschaffen wurden und mitnichten göttlichen Ursprungs. Das Traktat richtete sich an die Juden von Venedig, mit dem Ergebnis, dass der dortige Rabbiner, ein Leo Modena, prompt den gefürchteten Bannfluch gegen da Costa verhängte. Nach Modenas Tod fand bei in seiner Hinterlassenschaft Dokumente, aus denen hervorging, dass er genau gleich gedacht hatte wie da Costa, dies jedoch nicht zu sagen gewagt und seinen Gesinnungsgenossen stattdessen exkommuniziert hatte. So wie Modena haben sich in unserem Jahrhundert zahlreiche Kommunisten verhalten, welche Menschen zum Tode verurteilten, deren Überzeugungen sie insgeheim teilten. 1624 doppelte da Costa mit einem neuen Traktat nach, das den Titel Überprüfung der pharisäischen Tradition durch ihren Vergleich mit dem geschriebenen Gesetz trug. Die Talmudisten Amsterdams, wo sich da Costa damals aufhielt, zeigten ihn bei den holländischen Gerichten an, und zwar mit der Begründung, sein Traktat stelle eine Bedrohung des christlichen Glaubens dar! Die christlichen Behörden ordneten prompt die Verbrennung der Schrift an und machten sich somit zu Vollstreckern des talmudischen Gesetzes.

Die Willfährigkeit, mit der sich Nichtjuden der herrschenden jüdischen Sekte unterwerfen, ist ein Phänomen, welches man seit der babylonischen Epoche bis in die Gegenwart immer wieder beobachten kann. Da Costa wurde buchstäblich zu Tode gehetzt und schied 1640 durch eigene Hand vom Lichte.

Die jüdische Geschichte verzeichnet zahlreiche solche Episoden. Wer sich in die einschlägige Literatur vertieft, den übermannt schon bald das Grausen. Der „große Bannfluch“ lief in der Praxis auf ein Todesurteil hinaus, was natürlich auch sein Sinn war. Er belegte das Opfer mit sämtlichen im Deuteronomium aufgezählten Flüchen, und die Juden glaubten, diese Flüche würden wortwörtlich in Erfüllung gehen (orthodoxe Anhänger der Sekte vertreten diese Ansicht noch heute).

In der Jewish Encyclopedia liest man unter dem Stichwort „Flüche“: „Die talmudische Literatur zeugt von einem manchmal an reinen Aberglauben grenzenden Glauben an die Macht des bloßen Wortes… Ein von einem Schriftgelehrten ausgesprochener Fluch erfüllt sich unfehlbar, selbst wenn er ungerechtfertigt ist… Schriftgelehrte verfluchten manchmal nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit einem wütenden, starren Blick. Die unvermeidliche Folge dieses Blicks war entweder der sofortige Tod oder Armut.“

Die hier beschriebene Praxis ist augenscheinlich mit dem identisch, was man heute den „bösen Blick“ nennt. In der von mir benutzten Enzyklopädie heißt es hierzu: „Dieser Aberglaube ist alten Datums und tritt bei fast allen Rassen auf; bei Analphabeten und Wilden ist er heute noch verbreitet.“ Aus der Jewish Encyclopedia geht hervor, dass es sich hierbei um eine durch das jüdische Gesetz sanktionierte Strafe handelt; wie bereits erwähnt, hält dieselbe Quelle klipp und klar fest, dass sogar die Bibel gegenüber dem Talmud zweitrangig ist. M. L. Rodkinson, ein Gelehrter, dem die Übersetzung des Talmud ins Englische anvertraut wurde, meint, „keine einzige Zeile“ des Talmud sei geändert worden. Allerdings greift der Talmud im vorliegenden Fall lediglich das bereits von den Leviten im Deuteronomium festgelegte Gesetz über den Bannfluch auf.

Dies alles bedeutet, dass die Verhängung des Bannfluchs sowie die Bestrafung eines Opfers durch den bösen Blick noch heute Bestandteil des Gesetzes sind; die eben angeführten Zitate lassen keine andere Deutung zu. (Ein zeitgenössisches Beispiel für den talmudischen „wütenden, starren Blick“ findet man in Whittaker Chambers‘ 1952 erschienenem Buch Witness, wo er seine Begegnung mit den Anwälten des Sowjetspions Alger Hiss schildert; dass Chambers bald darauf einen Selbstmordversuch beging und nur durch eine gütige Fügung des Schicksals überlebte, ist eine Tatsache, die jeder auslegen kann, wie er will).

Die Exkommunizierung hatte also tödliche Folgen. M. L. Rodkinson bemerkt hierzu treffend:

„Wir können uns vorstellen, wie furchtbar sie [die Rabbiner] sich an einem gewöhnlichen Menschen oder Gelehrten rächten, der es wagte, Meinungen zu äußern, die in irgendeiner Hinsicht von ihren eigenen abwichen, oder den Sabbat verletzte, indem er beispielsweise ein Taschentuch trug, oder den Wein von Nichtjuden trank, was laut den Rabbinern einen Verstoß gegen das Gesetz darstellt. Wer konnte Widerstand gegen die fürchterliche Waffe der Exkommunizierung leisten, die sie benutzten, um einen Menschen in einen gehetzten Wolf zu verwandeln, vor dem seine Umwelt wie vor einem Aussätzigen zurückschauderte? Viele, die diesen bitteren Kelch leeren mussten, wurden in den Tod getrieben, und viele andere verfielen dem Wahnsinn.“

Ein solch trauriges Geschick ereilte etliche der großen jüdischen Protestanten.* Zu jenen Juden, die ihre Stimme gegen den Talmud erhoben, gehörte der 1632 in Amsterdam geborene Baruch Spinoza. Der von den Amsterdamer Rabbinern gegen ihn ausgesprochene Bannfluch lässt sich direkt auf die Flüche des Deuteronomium zurückführen:

„Durch das Urteil der Engel, durch den Urteilsspruch der Heiligen verhängen wir den Bannfluch über Baruch Spinoza, stoßen ihn aus unserer Gemeinde aus, verdammen und verwünschen wir ihn vor diesen heiligen Büchern mit den 613 darin enthaltenen Geboten; wir belegen ihn mit dem Bannfluch, den Joshua über Jericho verhängte, mit dem Fluch, den Elias über die Kinder [die ihn verhöhnt hatten und zur Strafe sogleich von Bären zerrissen wurden] aussprach, und mit allen Flüchen, die in der Thora niedergeschrieben sind; verflucht sei er bei Tag und verflucht bei Nacht; verflucht, wenn er ausgeht, und verflucht, wenn er eingeht; möge ihm der Herr niemals verzeihen; mögen der Zorn und der Ingrimm des Herrn über diesem Manne lodern und alle Flüche über in bringen, die in der Thora niedergeschrieben sind. Der Herr tilge seinen Namen unter dem Himmel. Der Herr sondere ihn von allen Stämmen Israels zur Vernichtung ab, mit allen Flüchen des Firmaments, die in der Thora niedergeschrieben sind. Niemand spreche mit ihm, niemand schreibe ihm, niemand erweise ihm irgendwelche Freundlichkeiten, niemand hause unter demselben Dache wie er, niemand leiste ihm je Gesellschaft.“

Spinoza wurde aus Amsterdam verbannt und, wie es in einer Enzyklopädie heißt, „Zielscheibe einer Verfolgung, die sein Leben bedrohte“. Von seinen Glaubensbrüdern gemieden und geächtet, starb er im Alter von 44 Jahren. Weit weg vom talmudischen Zentrum, jedoch nicht weit genug.**

Ein rundes Jahrhundert nach Spinoza verkündete Moses Mendelssohn (1729-1786) die ketzerische Lehre, die Juden sollten ihrem Glauben zwar treu bleiben, sich jedoch unter ihren Mitmenschen integrieren. Dies hätte in der Praxis bedeutet, dass die jüdische Gemeinschaft die Ketten des Talmud gesprengt und zu jener alten Religion zurückgefunden hätten, nach der sich die jüdischen Protestanten zurücksehnten. Sein Grundsatz lautete: „Oh meine Brüder, beschreitet den Pfad der Liebe, so wie ihr bisher den des Hasses beschritten habt.“ Mendelssohn war mit dem Talmud aufgewachsen. Für seine Kinder erstellte er eine deutsche Übersetzung der Bibel, die er dann unter den Juden zu verbreiten begann.

Die talmudistische Rabbinerschaft erklärte, die jüdische Jugend werde „aus Mendelssohns Übersetzung zwar die deutsche Sprache, nicht aber das Verständnis der Thora lernen“, und verbot das Werk: „Allen, die dem Judentum treu sind, ist die Benutzung der Übersetzung unter Strafe der Exkommunizierung untersagt.“ Anschließend überantworteten die Rabbiner die Übersetzung in Berlin öffentlich dem Feuer.

Die großen jüdischen Protestanten erzeugten innerhalb des Judentums zwar stets Schockwellen, scheiterten jedoch ausnahmslos: stets behielt die herrschende Sekte die Oberhand. Hierfür gab es zwei Gründe: Erstens gewährten die jeweiligen nichtjüdischen Regierungen der Sekte mitsamt ihrem Dogma regelmäßig ihre Unterstützung, und zweitens fügten sich die jüdischen Massen den Befehlen der Sekte widerstandslos. In diesem Punkt unterschied sich die jüdische Masse, oder der jüdische Mob, nicht von der Masse oder dem Mob aller anderen Völker der Geschichte. Die Masse nahm die Revolution in Frankreich, den Kommunismus in Russland, den Nationalsozialismus in Deutschland fügsam hin; ihre Trägheit war stets größer als ihre Bereitschaft, Widerstand zu leisten und die damit verbundenen Risiken in Kauf zu nehmen. Dementsprechend verhielt sich auch die überwältigende Mehrheit der Juden, die niemals gegen den talmudistischen Terror rebellierte.

In unserem Jahrhundert erklärten jüdische Freidenker optimistisch, dieser Terror habe seine Wirksamkeit eingebüßt. So schrieb Bernard J. Brown 1933 in seinem Buch From Pharao to Hitler: „Die Drohung der Exkommunizierung hat ihren Stachel verloren… Den Rabbinern und den Priestern ist die Kontrolle über das menschliche Denken entglitten, und es steht den Menschen frei, ungehindert zu glauben, was sie wollen.“ In ähnlichem Sinne äußerte sich Rabbiner Elmer Berger im Jahre 1946: „Der Durchschnittsjude braucht sich nicht mehr vor der Strafe der Exkommunizierung zu fürchten.“

Bernard J. Brown und Rabbiner Elmer Berger frohlockten zu früh: Die seitherigen Ereignisse haben unter Beweis gestellt, dass die mächtige Sekte auch weiterhin sehr wohl imstande war, die Juden in aller Welt an die Kandare zu nehmen.

Tatsache ist und bleibt allerdings, dass die Gnadenlosigkeit der talmudistischen Herrschaft mit ihren sichtbaren und unsichtbaren Ghettos immer wieder Weinen und Murren erzeugte und regelmäßig dazu führte, dass die Versklavten ungestüm an ihren Ketten zerrten. Dies veranlasste die Talmudisten zu einer zumindest vordergründigen Milderung ihrer Tyrannei. Dr. Kastein meint, ungefähr um 900 herum sei „eine Diskussion des Talmud und des religiösen Dogmas statthaft geworden“. Rein äußerlich geschehen schien dies einer Abkehr vom Dogma gleichzukommen, dem zufolge kein Komma irgendeines von den Rabbinern gefällten Urteilsspruch angefochten werden durfte, ebenso wenig wie auch nur der geringste Zweifel an der Offenbarung des Gesetzes auf dem Berge Sinai statthaft war.

Eine echte Debatte hätte in den Ghettos für frischen Wind gesorgt, doch wäre die jüdische Führung gewillt gewesen, eine solche zuzulassen, so wäre ein Spinoza nicht verfolgt worden. Erlaubt wurde in Synagogen und Schulen lediglich eine bizarre Dialektik, die letztlich dazu diente, zu beweisen, dass unter dem Talmud alles erlaubt war; der eine Kontrahent stellte eine Behauptung auf, der andere bestritt diese, und dann wiesen beide nach, dass das Gesetz ihnen recht gab!

Diese Dialektik (auf welche die Gebrüder Thoreau in ihren Büchern kurz eingehen) wurde „Pilpulismus“ genannt. Sie liefert den Schlüssel zu einem Geheimnis, das Nichtjuden immer wieder mit ungläubigem Staunen erfüllt: Die Gewandtheit, mit der die Zionisten für sich Rechte beanspruchen, die sie anderen absprechen. Ein „pilpulistisch“ geschulter Diskussionsredner konnte mit größter Leichtigkeit nachweisen, dass das jüdische Gesetz, welches es den Juden erlaubte, christliche Sklaven zu halten, nichts wie billig, das von den Römern erlassene Verbot dieser Praxis hingegen „Verfolgung“ war. Nicht minder mühelos konnte er den Beweis dafür erbringen, dass das jüdische Verbot von Mischehen „freiwillige Absonderung“ war, während ein entsprechendes Gesetz von nichtjüdischer Seite einer „auf Vorurteilen basierenden Diskriminierung“ (Dr. Kastein) gleichkam, oder dass sich ein Massaker an Arabern sehr wohl mit dem jüdischen Gesetz vereinbaren ließ, während ein Massaker an Juden nach jedem Gesetz ein Verbrechen darstellte.

Dr. Kastein charakterisiert den „Pilpulismus“ als „Art von geistiger Gymnastik, die oft praktiziert wird, wenn der menschliche Intellekt, der unter dem Druck der Außenwelt zu ersticken droht, kein Ventil für einen kreativen Ausdruck im wirklichen Leben findet. Der hervorgehobene Satzteil ist allerdings pure Augenwischerei: Den menschlichen Intellekt erstickte in den Ghettos mitnichten der „Druck der Außenwelt“, sondern der Druck innerhalb der jüdischen Gemeinden selbst.

Die pilpulistischen „Diskussionen des Talmud“ mögen den Ghettojuden die Illusion vermittelt haben, in der despotischen Gesellschaft, in der sie lebten, ein gewisses Mitspracherecht zu besitzen (so wie heutzutage in diktatorischen Einparteienstaaten „Wahlen“ durchgeführt werden). Ihren stürmischsten Ausdruck fand die Sehnsucht der geknechteten jüdischen Massen jedoch in dem periodisch wiederkehrenden Ruf nach dem Messias; möglicherweise hatten die Führer der Sekte die „Diskussion des Talmud“ aus dem Kalkül heraus erlaubt, solche Ausbrüche leichter kontrollieren zu können.

Immer und immer wieder erscholl in den Gemeinden der klagende Ruf: „Wir erfüllen sämtliche Gebote und Erlasse; nun schenkt uns den verheißenen, wundervollen Lohn!“ So erschien ein „Messias“ nach dem anderen, und jeder ließ in den jüdischen Gemeinden die Erwartungen bis zum Siedepunkt hochwallen. Jeder dieser Emporkömmlinge wurde jedoch als „falscher Messias“ gegeißelt, da die herrschende Sekte nicht in der Lage war, den triumphalen Einzug der Juden in Jerusalem, den das Gesetz ihnen verheißen hatte, zu verwirklichen, und die Hoffnungen der Menschen in den Ghettos wichen wieder dumpfer Verzweiflung.

Zu den frühen „Erlösern“ gehörten Abu Isa aus Isfahan im siebten, Zonarias aus Syrien im achten und Saadya ben Joseph im zehnten Jahrhundert. Der berühmteste „Messias“ von allen war jedoch Sabbatai Zevi aus Smyrna, der anno 1648 verkündete, das Tausendjährige Reich stehe unmittelbar bevor. Dies tat er, indem er den gefürchteten Namen Gottes in der Synagoge aussprach, worauf er sogleich mit dem Bannfluch belegt wurde. Um sich den unerquicklichen Folgen dieser Maßnahme zu entziehen, flüchtete er und blieb viele Jahre lang im Exil. Doch hatte er in den jüdischen Gemeinden, die der ersehnten Erlösung entgegenfieberten, derart immense Hoffnungen geweckt, dass er 1665 nach Smyrna zurückkehrte und den Talmudisten, die in ihm die schwerste Bedrohung ihrer Autorität seit Jahrhunderten erkannten, unerschrocken die Stirn bot.

Sabbatai Zevi selbst behauptete niemals, der Messias zu sein. Das Verlangen, die Ketten des Talmud abzuschütteln und triumphierend in Jerusalem einzuziehen, war jedoch derart überwältigend, dass die jüdische Gemeinde in Smyrna, gefolgt von den jüdischen Massen in aller Welt, den von den Talmudisten gegen Sabbatai Zvi verhängten Bannfluch ignorierte und ihn zum Messias ausrief. Hierauf erklärte er 1666 zum messianischen Jahr, verteilte die Herrscherkronen aller Länder unter seine Freunde und zog gen Istanbul, um den türkischen Sultan, der damals zugleich der Herrscher Palästinas war, vom Throne zu stoßen. Vielerorts verkauften die Juden ihre Geschäfte, ihre Häuser und ihr Vieh, um sich auf die „Rückkehr“ und den Tag vorzubereiten, an dem sie die Weltherrschaft übernehmen würden. Wie Samuel Pepys in seinem berühmten Tagebuch festhält, wurden im Februar 1666 unter den Londoner Juden Wetten darüber abgeschlossen, ob Sabbatai Zevi tatsächlich zum „König der Welt und wahren Messias“ erklärt werden würde.

Wie nichts anders zu erwarten war, wurde Sabbatai Zvi nach seinem Eintreffen in Istanbul prompt verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Dies mehrte sein Ansehen noch und ließ die Schar seiner Anhänger weiter anschwellen. Das Gefängnis wurde von einer lärmigen Menschenmenge belagert, so dass man den prominenten Häftling in eine Festung in Galipoli überstellte, die durch jüdische Geschenke prompt in eine Art königliche Residenz umgewandelt wurde. Die Emotionen erreichten nun ihren Siedepunkt: Für eine unter die Völker zerstreute, seit langem vom Rest der Menschheit isolierte Nation war er der König der Welt, der gekommen war, um sie zu befreien und über alle anderen Völkerschaften zu erheben.

Sabbatai Zev hatte genau dasselbe getan wie die Führer der Sekte vor ihm: Er hatte versprochen, was er nicht zu halten vermochte. Es ist dies die Achillesferse der jüdischen Religion, die dereinst zu ihrem Untergang führen muss. Im Gegensatz zu den vorsichtigen Weisen hatte er allerdings den verhängnisvollen Fehler begangen, sich selbst eine genaue Frist zu setzen, nämlich den letzten Tag des Jahres 1666! Als sich das Jahr seinem Ende zuneigte, entsandte die talmudistische Führung in Polen, die mittlerweile keinen Zweifel am Ausgang der Affäre mehr hegte, einen Boten zum Sultan und prangerte Sabbatai Zev als „falschen Messias“ an. Hierauf beschloss der Gefangene in seinem „Palast“, seine Haut zu retten und trat mit großem Pomp zum Islam über. Er beschloss seine Tage am Hof des Sultans, so wie gar mancher Zionist heutzutage seinen Lebensabend in New York verbringt. Für einen kurzen Augenblick hatte er die talmudistische Regierung bis ins Mark erschreckt und dazu genötigt, den Bannfluch über ihn und seine Anhänger zu verhängen. Bis zum heutigen Tage besitzt er eine kleine Gefolgschaft, die glaubt, Zvi Sabbatai werde einst wiederkehren und sein Beispiel sei streng zu befolgen, einschließlich seiner Bekehrung zum Islam.

Der Zionismus unserer Zeit ist eindeutig eine neue Form des Messianismus und wird die jüdischen Massen früher oder später zwangsläufig ebenso enttäuschen wie die „falschen Erlöser“ vergangener Jahrhunderte. Nach dem Tode Sabbatai Zvis standen die Juden vor einem Scherbenhaufen und waren nach wie vor Gefangene in ihren Ghettos. Nun, wo ihre Hoffnungen auf Befreiung zerronnen waren, wandten sie sich unter dem wachsamen Blick ihrer Herren wieder dem Studium des Gesetzes und seiner zerstörerischen Botschaft zu. Sie wurden für eine Aufgabe benötigt und sorgfältig auf diese vorbereitet.

* Anmerkung des Übersetzers: In diesem Kapitel steht eine Passage über Maimonides und die Inquisition, die etliche Irrtümer enthält und deshalb von mir nicht übersetzt wurde.

** Anmerkung des Übersetzers: Reeds Behauptung, Spinoza sei durch Selbstmord aus dem Leben geschieden, findet in der Literatur zu diesem Thema keine Stütze.

Kapitel 17

Die zerstörerische Mission

Nach langjährigem Studium, während dessen er Hunderte von Büchern las, gelangte der Verfasser des vorliegenden Werks allmählich zur Einsicht, dass sich die zentrale Botschaft der Geschichte Zions in dem bereits früher zitierten Satz von Maurice Samuel zusammenfassen lässt: „Wir Juden, die Zerstörer, werden für immer Zerstörer bleiben… Nichts, was die Nichtjuden tun, wird unsere Bedürfnisse und Forderungen je befriedigen.“

Auf den ersten Blick wirkt dies wie die Prahlerei eines Neurotikers, doch je mehr man sich in die Materie vertieft, desto klarer begreift man, dass diese Worte tödlich ernst gemeint und sorgfältig gewählt sind. Sie bedeuten, dass ein Mensch, der als Jude geboren wurde und Jude bleibt, eine zerstörerische Mission auszuführen hat, der er sich nicht entziehen kann. Befolgt er diesen Auftrag nicht, so ist er in den Augen der Weisen kein guter Jude; will er ein guter Jude sein, so muss er seine Mission erfüllen.

Dies ist der Grund dafür, dass die Führer der Juden im Verlauf der Geschichte zwangsläufig eine destruktive Rolle spielen mussten. In unserem zwanzigsten Jahrhundert erwarb diese zerstörerische Mission ihre bisher größte Dynamik, mit Ergebnissen, deren Tragweite sich vorderhand noch gar nicht abschätzen lässt.

Mit dieser Auffassung stehen wir durchaus nicht allein. Zionistische Schriftsteller, abtrünnige Rabbiner und nichtjüdische Historiker bestätigen, dass eine solche zerstörerische Mission existiert; ihr Vorhandensein ist vermutlich der einzige Punkt, über den sich alle ernstzunehmenden Forscher einig sind.

Aus der jüdischen Perspektive lässt sich der Sinn der gesamten Geschichte darauf reduzieren, dass die Juden nichtjüdische Gesellschaften zerstören müssen, um dem Gesetz Genüge zu tun und somit die Bedingung für den endgültigen Triumph des Judentums zu erfüllen. Der Ausdruck „die gesamte Geschichte“ bedeutet für den Juden etwas grundlegend anderes als für den Nichtjuden. Der Christ beispielsweise versteht hierunter die christliche Ära sowie die dieser vorausgehenden Perioden bis in jene ferne Vergangenheit, wo die nachweisbaren Fakten allmählich den Legenden und Mythen weichen. Für den Juden ist „Geschichte“ gleichbedeutend mit den in der Thora sowie dem Talmud verzeichneten Ereignissen, und diese betreffen ausschließlich die Juden; die ganze, einen Zeitraum von über drei Jahrtausenden umspannende Erzählung dreht sich um jüdische Vernichtungsfeldzüge und jüdische Rache.

Die logische Folge dieses Weltbilds besteht darin, dass die gesamte Geschichte der anderen Nationen buchstäblich zu Nichts zerfällt wie das Bambus- und Papiergerüst einer chinesischen Laterne. Für den Nichtjuden ist es ein heilsames Experiment, seine gegenwärtige und vergangene Welt durch dieses Spektrum zu betrachten und dabei entdecken zu müssen, dass all jene Ereignisse, die er als wichtig betrachtet und die ihn mit Stolz oder Scham erfüllen, einzig und allein als verschwommener Hintergrund der Geschichte Zions existieren. Das Ganze wirkt so, als blicke man mit einem Auge durch das falsche Ende eines Fernrohrs auf sich selbst und mit dem anderen durch ein Vergrößerungsglas auf Juda.

Für den orthodoxen Juden ist die Erde immer noch flach, und Juda steht im Zentrum des Weltalls. Die herrschende Sekte hat es in erheblichem Umfang fertiggebracht, dieses Weltbild den großen Nationen aufzuzwingen, so wie sie das Gesetz zuerst den Juden selbst aufgezwungen hat.

Das Gebot „Zerstöre!“ ist das Leitmotiv des von den Leviten geschaffenen Gesetzes. Wird es außer Kraft gesetzt, so ist das, was noch übrigbleibt, nicht mehr das „Mosaische Gesetz“, sondern etwas grundlegend anderes. Der Imperativ „Zerstöre!“ ist das Markenzeichen der jüdischen Religion. Dass die Urheber des Gesetzes ausgerechnet dieses Verbum gewählt haben, dürfte schwerlich dem Zufall zuzuschreiben sein. An und für sich wären auch andere Wörter denkbar gewesen – „erobern“, „besiegen“, „überwinden“, „unterjochen“ – doch die Schriftgelehrten entschieden sich für „zerstören“ und legten dieses Wort Gott in den Mund.

Diese Perversion war es, die Jesus geißelte, als er den Pharisäern vorwarf, dass „sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind“ (Matthäus 15,8-9).

Die erste Stelle des Alten Testaments, wo geschildert wird, wie Jahwe „Rache“ an den Heiden übt, findet sich im Buch Exodus: „So spricht der HERR: Um Mitternacht will ich durch Ägyptenland gehen, und alle Erstgeburt in Ägyptenland soll sterben, vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron sitzt, bis zum ersten Sohn der Magd, die hinter ihrer Mühle hockt, und alle Erstgeburt unter dem Vieh. Und es wird ein großes Geschrei sein in ganz Ägyptenland, wie nie zuvor gewesen ist noch werden wird; aber gegen Israel soll nicht ein Hund mucken, weder gegen Mensch noch Vieh, auf dass ihr erkennet, dass der HERR einen Unterschied macht zwischen Ägypten und Israel.“ (2.Mose 11,4-7) Von diesem Augenblick an zieht sich der Befehl „Zerstöre!“ wie ein roter Faden durch das ganze Gesetz sowie die ganze Darstellung der geschichtlichen Begebenheiten. Bisweilen ist die Frage, wer zerstören soll, Gegenstand von Verhandlungen zwischen Jahwe und seinem auserwählten Volk: Entweder anerbietet sich Jahwe selbst, zu zerstören, oder sein Volk bittet ihn darum. In beiden Fällen wird der Zerstörungsakt als etwas dermaßen Verdienstvolles dargestellt, dass er eine entsprechende Gegenleistung erheischt: „Ja, mein Engel wird vor dir hergehen und dich bringen zu den Amoritern, Hethitern, Perisitern, Kanaanitern, Hewitern und Jebusitern, und ich will sie vertilgen. Du sollst ihre Götter nicht anbeten noch ihnen dienen noch tun, wie sie tun, sondern du sollst ihre Steinmale umreißen und zerbrechen.“ (2. Mose 23,23-24) Als Gegenleistung dafür, dass Jahwe andere Stämme vernichtet, muss sein Volk also die Steinmale der Vernichteten umreißen und zerbrechen. Andererseits „gelobte Israel dem HERRN ein Gelübde und sprach: Wenn du dies Volk in meine Hand gibst, so will ich an ihren Städten den Bann vollstrecken. Und der HERR hörte auf die Stimme Israels und gab die Kanaaniter in ihre Hand, und sie vollstreckten den Bann an ihnen und ihren Städten.“ (4. Mose 21,2-3)

Da der Befehl „Zerstöre!“ unter den unabänderlichen Geboten einen derart hohen Stellenwert innehat, ist jeder Akt der Milde ein schwerer Verstoß gegen das Gesetz und nicht bloß ein Irrtum. Für dieses Verbrechen wurde Saul, der erste und einzige wahre König des vereinigten Königtums von Israel und Juda, von den Priestern seines Amtes enthoben und an seiner Stelle David, der Mann aus Juda, auf den Thron gesetzt. In derselben Richtung weist das im Buch Numeri geschilderte Massaker an den Midianitern, mit dem Mose seine Laufbahn beschließt.

Dies also war die Grundlage, auf der das Gesetz und die Darstellung der geschichtlichen Ereignisse sowohl jener Zeit als auch späterer Zeiten beruhte. Nachdem sich Israel von diesem Gesetz losgesagt hatte, standen die Judäer mit ihren Leviten allein auf weiter Flur; ihre Priesterschaft bekräftigte, dass das Zerstören Jahwes oberstes Gebot war und dass sie von ihm dazu bestimmt waren, dieses Gebot zu erfüllen. Somit wurden die Judäer das einzige Volk der Weltgeschichte, dessen Mission spezifisch im Zerstören bestand. Gewiss, dass Kriege Zerstörungen mit sich bringen, ist eine Binsenwahrheit, doch das Zerstören als Ziel an sich war zuvor unbekannt gewesen, und die einzige Quelle dieser singulären Ideologie findet sich in der Thora und im Talmud.

Rekapitulieren wir: Die Absicht der Weisen bestand eindeutig darin, eine zerstörerische Kraft zu organisieren; hierin liegt die große Wahrheit des eingangs angeführten Zitats von Maurice Samuel.

Wenn ein unter die Nationen zerstreutes Volk einem solchen Gesetz huldigt, so hat dies zwangsläufig missliche Folgen für seine Gastvölker. Die Jahre 458–444 v. Chr., als die Leviten ihr weinendes Volk mit persischer Rückendeckung unter ihr Joch zwangen, waren die Geburtsstunde einer Nation, welche auf die sie umgebenden Gesellschaften immer und immer wieder eine katalytische Wirkung ausgeübt hat, ohne sich selbst nennenswert zu wandeln. Die Juden wurden zu einem weltweiten katalytischen Faktor, und die Veränderungen, die sie hervorriefen, waren negativer Art. Ihre Gastvölker haben schwer unter der Gegenwart einer feindlichen Minderheit in ihrer Mitte gelitten, wobei die Komplizenschaft der nichtjüdischen Regierungen mit der Sekte ihr übriges tat. Dass die Erfüllung ihrer finsteren Mission die Juden glücklich gemacht hat, darf man übrigens füglich bezweifeln.

Immerhin: Die Nichtjuden haben überlebt und werden auch in Zukunft überleben. Trotz aller Daniels, aller Mordechais und ihrer Nachfolger in späteren Jahrhunderten ist das Ende der Nationen, deren Vernichtung Jahwe seinem Volk verheißen hat, weit und breit nicht in Sicht.

Das Gesetz befahl dem auserkorenen Volke ausdrücklich, die Nationen, unter die Jahwe es zerstreut hatte, zur Strafe für ihre Verfehlungen in den Untergang zu treiben. Die Vorstellung, das auserwählte Volk könnte unter Umständen gemeinsame Sache mit den Feinden seines Gastvolkes machen, erscheint erstmals ganz am Anfang des Buches Exodus:

„Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Joseph und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk Israel ist mehr und stärker als wir. Wohlan, wir wollen es mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unseren Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Lande ausziehen.“ (2. Mose 1,8-10)

Das Buch Exodus dürfte zwar wenig mehr als eine Sammlung von Legenden sein, doch später, zu einem Zeitpunkt, wo sich die geschilderten Ereignisse im großen Ganzen verifizieren lassen (dies gilt beispielsweise für den Untergang Babylons), werden sie ganz ähnlich dargestellt: Die Judäer verbünden sich mit den Feinden Babylons und heißen die persischen Eroberer jubelnd willkommen. Die Zerstörung Babylons wird als ausschließlich um der Judäer willen begangener Racheakt Jahwes dargestellt, bei dem auch der babylonische König über die Klinge springen muss. Mag diese Episode auch erfunden sein; als historischer Präzedenzfall eignet sie sich trefflich.

Die Darstellung der Geschichte des Alten Testaments endet mit dem nächsten Racheakt, dessen Opfer diesmal die persischen Befreier sind. Westliche Spitzenpolitiker unseres Jahrhunderts, die von ihren zionistischen Besuchern schmeichelnd mit dem guten König Kyrus verglichen werden, täten gut daran, im Alten Testament nachzulesen, was den Persern widerfuhr. Nach der Logik der Dinge mussten diese nämlich ihrerseits einen hohen Preis dafür entrichten, dass sie die Judäer in ihrer Mitte duldeten.

Die im Buch Esther erzählte Geschichte wird durch keine nichtjüdischen Quellen erhärtet und ist rein allegorischer Natur. Die Rolle des heidnischen Verfolgers spielt hier Haman, ein vornehmer Höfling des Perserkönigs Ashaverus, der seinen Herrn vor den Juden warnt: „Es gibt ein Volk, zerstreut und abgesondert unter allen Völkern in allen Ländern deines Königreichs, und ihr Gesetz ist anders als das aller Völker, und sie tun nicht nach des Königs Gesetzen. Es ziemt dem König nicht, sie gewähren zu lassen.“ (Esther 3,8) Diese Worte Hamans unterscheiden sich kaum von dem Urteil, das heutzutage jeder beliebige Staatsmann über das „abgesonderte“ Volk und sein einzigartiges Gesetz fällen könnte; in der Vergangenheit hat sich gar mancher Staatsmann in der Tat so geäußert. Doch laut dem Buch Esther fährt Haman fort: „Gefällt es dem König, so lasse er schreiben, dass man sie umbringe.“ (Esher 3,9) Ashaverus lässt sich überzeugen und erteilt den Ausrottungsbefehl. (Dass Haman einen Massenmord an den Juden anregt und der König einen solchen anordnet, ist erforderlich, damit die spätere Rache der Juden als gerechtfertigt erscheint.) „Und die Schreiben wurden gesandt durch die Läufer in alle Länder des Königs, man solle vertilgen, töten und umbringen alle Juden, jung und alt, Kinder und Frauen, auf einen Tag, nämlich am dreizehnten Tag des zwölften Monats, das ist der Monat Adar, und ihr Hab und Gut plündern.“ (Esther 3,12-13)

Die späteren Schriftgelehrten, welche das Buch Esther verfassten, wollten das Thema des mächtigen Juden am Hof des fremden König offenbar variieren und erfanden deshalb die Gestalt der Esther, der jüdischen Lieblingskonkubine des Königs, die er an Statt seiner ungehorsamen Gattin Vashti zur Königin gemacht hat. (Esther 2,17) Auf Esthers Fürbitte widerruft Ashaverus den Mordbefehl und lässt Haman mitsamt seinen zehn Söhnen an den Galgen hängen, den Haman für Esthers Vetter und Pflegevater Mordechai errichtet hat. Der König gewährt Mordechai freie Hand, worauf dieser „den Fürsten, Statthaltern und Obersten in den Ländern von Indus bis zum Nil, hundertsiebenundzwanzig Ländern“, gebot, den Juden die Erlaubnis zu geben, „sich zu versammeln und ihr Leben zu verteidigen und alle Macht des Volks und Landes, die sie angreifen würde, zu vertilgen, zu töten und umzubringen samt den Kindern und Frauen und ihr Hab und Gut zu plündern“ (Esther 8,11). Nach der Veröffentlichung dieses Dekrets war „in allen Ländern und Städten, an welchen Ort auch immer des Königs Wort und Gesetz gelangten, Freude und Wonne unter den Juden, Gastmahl und Feiertag; und viele aus den Völkern im Lande wurden Juden; denn die Furcht vor den Juden war über sie gekommen“. (Esther 8,17)

Die Juden nutzten die ihnen zugesicherte Handlungsfreiheit weidlich: „So schlugen die Juden alle ihre Feinde mit dem Schwert und töteten und brachten um und taten nach ihrem Gefallen an denen, die ihnen feind waren. Dazu töteten sie […] die zehn Söhne Hamans, des Sohnes Hammedathas, des Judenfeindes. […] Auch die andern Juden in den Ländern des Königs kamen zusammen, um ihr Leben zu verteidigen und sich vor ihren Feinden Ruhe zu verschaffen, und töteten fünfundsiebzigtausend von ihren Feinden; aber an die Güter legten sie ihre Hand nicht.“ (Esther 9,5; 9,16) Anschließend befahl Mordechai, den vierzehnten und fünfzehnten Tag des Monats Adar, an denen sich der Massenmord zugetragen hatte, zum Feiertagen zu ernennen.

Alles deutet darauf hin, dass Haman, Mordechai und Esther Phantasiegestalten sind. Auch ein König Ashaverus lässt sich historisch nicht nachweisen; allerdings behauptet eine Enzyklopädie (vermutlich um dem Buch Esther den Nimbus geschichtlicher Authentizität zu verleihen), Ashaverus sei „mit Xerxes identifiziert worden“. Wenn dies zutrifft, war er der Vater des König Artaxerxes, der Nehemiah durch seine Soldaten nach Jerusalem eskortieren ließ, wo er den Juden seinen rassischen „Neuen Bund“ aufzwang. In diesem Fall schützte Artaxerxes ein Volk, das 75.000 seiner persischen Untertanen niedergemetzelt hatte! Die gesamte Geschichte entbehrt jeder historischen Grundlage und riecht meilenweit nach chauvinistischer Propaganda.

Dies ändert freilich nichts an der erstaunlichen Tatsache, dass diese erfundene Geschichte fatal an gewisse Erscheinungen unserer Zeit gemahnt, in der ein auf solchen Anekdoten beruhendes Gesetz den Völkern des Westens aufgenötigt worden ist. Heutzutage kann man zwar nur in Ausnahmefällen „Jude werden“, aber der Satz „viele aus den Völkern im Lande wurden Juden; denn die Furcht vor den Juden war über sie gekommen“ mutet unheimlich aktuell an. Im sechsten vorchristlichen Jahrhundert mögen kein König Ashaverus und kein Mordechai gelebt haben, doch in unseren Tagen ist Mordechai quicklebendig und ungeheuer mächtig; zwei Generationen von Politikern ließen sich bei ihren Handlungen mehr von der Furcht vor ihm als von der Sorge um das Wohl ihrer Völker leiten.

Die Realitäten unserer Tage lassen selbst die unwahrscheinlichsten Erzählungen aus ferner Vergangenheit real erscheinen!

Belsazar, Daniel, Ashaverus und Mordechai sind Phantasiefiguren, die zur Illustration des levitischen Gesetzes erfunden wurden. Doch das Massaker am Zaren und seiner Familie wurde 1918 in Übereinstimmung mit Daniel 5,30 begangen, und die in Nürnberg zum Tode verurteilten nationalsozialistischen Führer wurden in Übereinstimmung mit Esther 9,13-14 gehängt. Somit wurden Anekdoten aus alter Zeit zum Gesetz unseres Jahrhunderts. Die beiden ausgelassensten Feste der jüdischen Religion erinnern an alte Legenden von Rache und Massenmord: Die Tötung der Erstgeborenen Ägyptens sowie die Abschlachtung von 75.000 Persern.

Vielleicht trifft es sogar zu, dass die Juden innerhalb von 50 Jahren nach ihrer Unterwerfung durch Babylon die Zerstörung des babylonischen Königreiches durch die Perser ermöglichten und 50 Jahre nach ihrer Befreiung durch den Perserkönig dessen Reich unter Kontrolle brachten – und zwar in solchem Ausmaß, dass die Statthalter des Königs, „von Indien bis Äthiopien“, aus Furcht vor den Juden ein Pogrom an 75.000 Menschen anordneten und gewisse von den Juden als ihre Feinde bezeichneten Personen als „von Gott verflucht“ umbringen ließen. In diesem Fall erging es den persischen „Befreiern“ der Juden weit schlimmer als zuvor deren babylonischen „Unterdrückern“.

In diesem Zusammenhang ist der Hinweis darauf unerlässlich, dass es im Judentum seit jeher zwei grundverschiedene Richtungen gegeben hat. Einige Zitate aus unserer Zeit mögen dies veranschaulichen.

Ein Rabbiner aus Chicago, Salomon B. Freehof, den Bernard J. Brown in seinem Buch From Pharao to Hitler zitiert, vertritt die Ansicht, die Erzählung von Haman, Mordechai und Esther sei „die Essenz der gesamten Geschichte des jüdischen Volkes“, während Brown selbst meint, das Purimfest solle abgeschafft und der Vergessenheit preisgegeben werden, sei es doch heutzutage eine „Travestie eben jener Feste, die den israelitischen Propheten so zuwider waren“ . (Allerdings war Purim noch nicht erfunden worden, als Jesaja und Hosea ihre Stimme gegen die herkömmlichen Feste erhoben.)

Dies schrieb Bernard J. Brown im Jahre 1933, doch die Ereignisse des Jahres 1946, als die nationalsozialistischen Führer an einem jüdischen Feiertag gehängt wurden, beweisen, dass seine Aufforderung ebenso ungehört verhallt ist wie seine anderen, bereits früher zitierten Mahnungen. Wie zwanzig Jahrhunderte früher triumphierte anno 1946 die Denkweise Rabbiner Freehofs. Die Hauptelemente des Purimfestes treten in anderem Gewande sowohl in früheren als auch in späteren Epochen der Geschichte Zions auf: Immer wieder bedienen sich die Juden eines nichtjüdischen Herrschers, um ihre nichtjüdischen Feinde zu vernichten und so ihre Rachsucht zu stillen.

Das Buch Esther ist das letzte Geschichtsbuch des Alten Testaments, so dass der Wissbegierige die jüdischen Autoritäten zu Rate ziehen muss, um zu erfahren, ob auch die späteren Ereignisse in der jüdischen Geschichtsschreibung auf dieselbe Weise dargestellt werden, nämlich als ununterbrochene Kette von „Verfolgungen“ der Juden seitens der Heiden, von denen jede zum Untergang des betreffenden heidnischen Volkes und zu einer jüdischen Racheorgie führt.

Wer dieser Frage nachgeht, kommt zum Ergebnis, dass die gesamte Geschichte bis hin in die Gegenwart von den Führern der Sekte in der Tat so gesehen und den jüdischen Massen so präsentiert wird. So wie Ägypten, Babylon und das Perserreich im Alten Testament nur insofern existieren, als sie die Juden unterwerfen und knechten, ehe sie Jahwes Rache ereilt, schildern die jüdischen Historiker auch die späteren Epochen einzig und allein vom jüdischen Standpunkt aus. Das einzige, was diese Historiker an Griechenland, Rom und allen späteren Reichen interessiert, ist ihre Einstellung gegenüber den Juden bzw. die Einstellung der Juden ihnen gegenüber.

Nach Babylon und Persien war das nächste Land, das die zersetzende Kraft dieser fremden Minderheit zu spüren bekam, Ägypten. Schon ehe die babylonische Eroberung Jerusalems einen Strom von Flüchtlingen in Bewegung setzte, von denen die meisten nach Alexandria abwanderten, war die dortige jüdische Gemeinde die zahlenmäßig stärkste der Welt. Wie später Russland und nach diesem Amerika war Ägypten zu jener Zeit das Land mit der weltweit größten jüdischen Bevölkerung.

Dr. Kastein schreibt zunächst, Ägypten sei für die Juden eine „historische Zufluchtsstätte“ gewesen, doch wer diese Formulierung als Ausdruck warmer Dankbarkeit deutet, täuscht sich gründlich, denn aus Dr. Kasteins folgenden Ausführungen geht hervor, dass unter einer „Zufluchtsstätte“ ein Ort zu verstehen ist, der zerstört werden muss. Was er über die Einstellung der Juden gegenüber den Ägyptern berichtet, erinnert stark an die im Buch Exodus geschilderte erste „Gefangenschaft“ der Kinder Israels im Ägyptenlande: Die Juden in Ägypten „bildeten eine geschlossene Gesellschaft… sie führten ein abgesondertes Leben und bauten ihre eigenen Tempel… Für die Ägypter bewies die religiöse Absonderung der Juden, dass sie sie und ihre eigene Religion verachteten.“ Die Juden, fügt er hinzu, hätten „selbstverständlich“ die persische Sache unterstützt, weil die Perser ihnen früher bei der Rückkehr nach Judäa geholfen hätten.

Dass Ägypten die Judäer gastfreundlich aufgenommen und ihnen Zuflucht gewährt hatte, bedeutete also keineswegs, dass es irgendwelchen Anspruch auf Dankbarkeit oder Loyalität hätte erheben dürfen. Die Feindseligkeit der Juden gegenüber ihrem Wirtsvolk führte auch in diesem Fall dazu, dass sie sich auf die Seite seiner Feinde stellten, was bei den Ägyptern selbstverständlich die Alarmglocken läuten ließ: „Andere Gründe für die Feindseligkeit, die ihnen entgegenschlug, waren die Entschlossenheit der Juden, sich nicht an das Volk, das sie umgab, anzupassen oder sich mit dem Land, wo sie lebten, zu identifizieren… Die tiefe geistige Notwendigkeit, mit jedem Zweig der Nation in Verbindung zu bleiben, der Ruf nach Loyalität gegenüber jeder Gruppe ihres eigenen Volkes, so klein diese auch sein mochte, führte zwangsläufig dazu, dass sie keine ergebenen Bürger eines bestimmten Staates sein konnten.“

„Wie einst in Babylon“, fährt Dr. Kastein fort, hätten die Juden in Ägypten die persischen Eroberer „mit offenen Armen empfangen“ – und dies, obwohl die Ägypter die Juden gastfreundlich aufgenommen hatten.

Nach Babylon, Persien und Ägypten kam Griechenland an die Reihe. Anno 332 eroberte Alexander der Große das Perserreich, und auch Ägypten geriet unter makedonisch-griechische Herrschaft. Alexandria wurde zur griechischen Hauptstadt. Gewiss, viele alexandrinische Juden hätten es gerne mit Jeremia gehalten und dazu beigetragen, den „Frieden der Stadt“ zu wahren. Doch einmal mehr behielten die mächtige Sekte und ihre zerstörerische Lehre die Oberhand.

Als strammer Gefolgsmann der Sekte billigt Dr. Kastein Griechenland und seiner Zivilisation zwar widerwillig „intellektuelle Brillanz“ zu, versteigt sich jedoch zu der Behauptung, es sei „der Prototyp all dessen, was verlogen, grausam, verleumderisch, hinterlistig, träge, eitel, korrupt, raffgierig und ungerecht ist“ gewesen. Seine Bemerkungen zu der griechischen Episode beschließt er mit dem triumphierenden Satz: „Die alexandrinischen Juden führten den Zerfall der hellenistischen Zivilisation herbei.“

Babylon, Persien, Ägypten, Griechenland… Bis zu Beginn der christlichen Ära wurde die Geschichte, bis zurück zur Schöpfung, den Juden in ihren Schriften und von ihren Gelehrten also als rein jüdische Affäre präsentiert, bei der die Heiden nur insofern eine Rolle spielten, als sie auf das jüdische Leben einwirkten und in Frieden und Krieg Zielscheibe jüdischer Zerstörungswut waren.

War diese Porträtierung der vorchristlichen Geschichte wahrheitsgetreu, und wird auch die christliche Geschichte bis in die Gegenwart von den jüdischen Historikern so dargestellt?

Vom Standpunkt unserer eigenen Generation aus entspricht die jüdische Darstellung der vorchristlichen Geschichte durchaus der Wahrheit. In unserem Jahrhundert wurden Konflikte zwischen verschiedenen Nationen nach dem Strickmuster des Konflikts zwischen Babylon und Persien so manipuliert, dass sie mit jüdischen Triumphen und der Stillung jüdischer Rachegelüste endeten, selbst wenn die Juden zumindest äußerlich anfangs überhaupt nichts mit diesen Konflikten zu tun gehabt hatten. Somit wurden die Zerstörungen, die sie hervorriefen, zu Akten der Erfüllung des jüdischen Gesetzes, so wie einst die Tötung der Erstgeborenen Ägyptens, der Untergang Babylons und der auf Anstiftung Mordechais verübte Massenmord an 75.000 Persern.

Auf Griechenland folgte Rom, und zu Roms Blütezeit lebte Cicero, ein Mann, der offenbar bereits wusste, was Dr. Kastein zwei Jahrtausende später bestätigen sollte, nämlich dass die Juden bei der Zersetzung der griechischen Zivilisation eine maßgebliche Rolle gespielt hatten. Beim Prozess gegen Flaccus warf Cicero nämlich einen furchtsamen Blick über die Schulter, als er auf die Juden zu sprechen kam; er wusste, dass sie zusammenhielten wie Pech und Schwefel und jeden in den Ruin zu treiben vermochten, der sich ihnen widersetzte. Deshalb riet er zu Vorsicht beim Umgang mit ihnen.

Fuscus, Ovid und Persius äußerten ähnliche Warnungen, und zu Jesu Lebzeiten schrieb Seneca: „Die Bräuche dieser verbrecherischen Nation greifen so rasch um sich, dass sie bereits in jedem Lande Anhänger haben, und hierdurch zwingen die Unterworfenen den Eroberern ihre Gesetze auf.“ Während jener Zeit äußerte sich der römische Geograph Strabo zu der Verteilung und Zahl der Juden (die in unserer Zeit offensichtlich weitaus größer ist, als die offiziellen Statistiken erkennen lassen); Strabo meinte, es gebe auf der ganzen Erde keinen Ort, wo man sie nicht antreffe.

Aus nichtjüdischer Sicht haben Griechenland und Rom dauerhafte Werte geschaffen, auf denen die europäische Zivilisation beruht. Aus Griechenland kam die Schönheit; alle Dichtung und Kunst geht auf griechisches Vorbild zurück. Aus Rom kam das Recht; römisches Recht liegt der Magna Charta ebenso zugrunde wie dem Prinzip, dass jedermann Anspruch auf einen gerechten und öffentlichen Prozess hat. Es ist dies eine der gewaltigsten Errungenschaften des Abendlandes.

Für zionistische Gelehrte waren Griechenland und Rom nichts weiter vergängliche, widerwärtige heidnische Gebilde. Dr. Kastein meint verächtlich, Judäa habe in Rom „von Anfang an zu Recht lediglich eine Vertreterin geistesfeindlicher, stupider und brutaler Gewalt“ erblickt.

In den ersten drei nachchristlichen Jahrhunderten wurden die Christen im römischen Reich verfolgt. Nachdem Kaiser Konstantin 320 zum Christentum konvertiert war, wurde es den Juden verboten, ihre Sklaven zu beschneiden, christliche Sklaven zu halten oder nichtjüdische Partner zu ehelichen. Diese umgekehrte Anwendung des jüdischen Gesetzes war für Dr. Kastein „Verfolgung“!

Nach dem Zerfall des römischen Reiches im Jahre 395 wurde Palästina Bestandteil von Ostrom, d.h. Byzanz. Erst als die Mehrzahl der Bevölkerung Roms das Christentum angenommen hatte, wurde das Verbot der jüdischen Zuwanderung nach Jerusalem aufgehoben; ohne das Christentum würden in Jerusalem möglicherweise noch heute keine Juden leben. Doch im Jahre 614, als Krieg zwischen Byzanz und Persien herrschte und die Perser in Palästina eindrangen, „stießen die Juden in hellen Scharen zu den persischen Heeren“ und beteiligten sich anschließend „mit dem Ingrimm von Menschen, die sich für dreihundert Jahre Unterdrückung rächen wollten, an einem umfangreichen Massaker an Christen“ (Dr. Kastein). Unter „Unterdrückung“ versteht Dr. Kastein wie bereits erwähnt, dass es den Juden verboten gewesen war, christliche Sklaven zu halten…

Nachdem die Juden ihr Mütchen an den Christen gekühlt hatte, schwand ihre Begeisterung für die Perser merklich. Bereits vierzehn Jahre später waren sie „nur allzu bereit, mit dem byzantinischen Kaiser Heraklit zu verhandeln“ und ihm bei seinem Versuch einer Rückeroberung Palästinas zu helfen.

Wie Cicero und andere antike Denker vor ihm begegnete auch der Begründer des Islam, Mohammed, den Juden mit Argwohn. Im Koran heißt es: „Du wirst sicherlich erkennen, dass die gewalttätigsten Feinde der Rechtgläubigen die Juden und die Götzendiener sind.“ Allerdings legte der Islam in der Praxis ebenso wenig besondere Feindschaft gegen die Juden an den Tag wie das Christentum, und Dr. Kastein findet verhältnismäßig freundliche Worte für ihn: „Der Islam räumte Andersgläubigen völlige wirtschaftliche Freiheit und eine autonome Verwaltung ein… Der Islam praktizierte zweifellos Toleranz gegen Angehörige anderer Religionen… Unter dem Christentum boten sich dem Judentum niemals so gute Chancen, so gute Möglichkeiten, zu gedeihen.“

„Möglichkeiten, zu gedeihen“ winkten den Juden auch auf europäischem Boden, in Spanien; obgleich der Islam die Juden neben den Götzendiener als die „gewalttätigsten Feinde der Rechtgläubigen“ einstufte, öffneten die Mauren ihnen das Tor nach Europa.

Im Jahre 637 eroberte Kalif Omar Jerusalem und wandte sich anschließend westwärts. Nach der islamischen Invasion Spaniens verlegte die talmudistische Regierung ihren Sitz in jenes Land. Die in Spanien herrschenden westgotischen Könige hatten über die bereits in ihrem Land ansässigen Juden ähnlich gedacht wie vor ihnen Cicero und Mohammed. Einer der letzten dieser Könige, Eurich, bat die Bischöfe beim Konzil von Toledo (ca. 680), „eine letzte Anstrengung zu unternehmen, um diese jüdische Pest mit Stumpf und Stiel auszurotten“. Schon bald danach endete die Herrschaft der Westgoten: Süd- und Zentralspanien gerieten unter islamische Herrschaft. Laut Dr. Kastein „stellten die Juden Wachen und Garnisonen für Andalusien“. Genauer geschildert wird diese erste Begegnung zwischen den Juden und Völkern nordeuropäischer Abstammung von Prof. Graetz in seinem Buch Volksthümliche Geschichte der Juden:

„Die Juden Afrikas […] und ihre unglücklichen Glaubensgenossen auf der Halbinsel machten gemeinsame Sache mit dem mohammedanischen Eroberer Tarik… Nach der Schlacht von Jérez im Juli 711 und dem Tod des letzten westgotischen Königs Roderich stießen die siegreichen Araber weiter vor und wurden überall von den Juden unterstützt. In den eroberten Städte ließen die moslemischen Generäle, die jeden Mann zur Eroberung des Landes benötigten, lediglich eine kleine Garnison ihrer eigenen Truppen zurück und überließen sie ansonsten der Obhut der Juden. Auf diese Weise wurden die Juden, die eben noch Knechte gewesen waren, zu den Herren von Córdoba, Granada, Málaga und vieler anderer Städte. Als Tarik vor der Hauptstadt Toledo auftauchte, entdeckte er, dass diese nur von einer kleinen Garnison verteidigt wurde. Während die Christen in den Kirchen für die Sicherheit ihres Landes und ihrer Religion beteten, öffneten die Juden den siegreichen Arabern die Tore, empfingen sie jubelnd und rächten sich so für die vielen Leiden, die ihnen widerfahren waren. Als Musa Ibn Nossair, der Statthalter Afrikas, mit einer zweiten Armee nach Spanien übersetzte und weitere Städte einnahm, überließ er sie ebenfalls der Obhut der Juden.“

Dieses Bild entspricht voll und ganz demjenigen früherer historischer Ereignisse oder Legenden, bei denen die Juden beteiligt waren: Ein Konflikt zwischen zwei „fremden“ Völkern wurde zu einem jüdischen Triumph, dem eine jüdische Racheorgie folgte. Wie einst in Babylon und Ägypten fielen die Juden auch in Spanien dem Volk, unter dem sie lebten, in den Rücken und öffneten die Tore dem fremden Eindringling, der die eroberten Städte anschließend den Juden zur Verwaltung überließ.

Im Krieg sind die Hauptstadt und die anderen großen Städte eines Landes die Früchte des Sieges, doch in Spanien fielen diese Früchte nicht den siegreichen Arabern, sondern den Juden zu. Ganz offensichtlich schlugen die Generäle des Kalifen die Warnungen des Koran ebenso in den Wind wie unsere heutigen Politiker jene des Neuen Testaments.

Hinsichtlich der „vielen Leiden“, die den Juden angeblich widerfahren waren, hält Prof. Graetz ausdrücklich fest, dass das grausamste davon das Verbot der Sklavenhaltung war: „Die schlimmste dieser Bedrückungen war, dass ihnen das Recht auf den Besitz von Sklaven verweigert wurde; fortan durften die Juden weder christliche Sklaven kaufen noch als Geschenk erhalten.“

Falls die arabischen Eroberer auf die Dankbarkeit jener gehofft hatten, denen sie die Hauptstadt Toledo sowie andere große Städte zur Verwaltung anvertraut hatten, irrten sie sich gründlich. Nach dem Sieg der islamischen Heere sang Judah Halevi von Córdoba:

„Wie kann ich würdig mich erweisen meiner heiligen Mission

Wo Zion doch in Ketten liegt, von Rom verdammt zu Schmach und Fron?

Wie kann getreu erfüllen ich den Eid, den ich geschworen

Wenn ich als Fröner schmachten muss unter dem Joch des Mohren?

Staub ist mir aller Reichtum im Spaniolenland,

Doch ehr ich Staub wie Gold, wo einst der Tempel stand.“

Der Geist, der aus diesen Versen spricht, erfüllte die Berater des Kalifen mit Besorgnis, so wie er früher die westgotischen Könige, den Propheten Mohammed und römische Politiker mit Besorgnis erfüllt hatte. In Worten, die von einem Cicero stammen könnten, warnte Abu Ishak von Elvira seinen Kalifen in Córdoba vor der drohenden Gefahr:

„Die Juden sind zu großen Herren geworden; ihr Stolz und ihr Hochmut kennen keine Grenzen… Mache solche Männer nicht zu deinen Ministern, denn die ganze Erde seufzt unter ihnen; schon bald wird sie erbeben, und wir werden alle zugrunde gehen… Ich kam nach Granada und sah, dass dort die Juden herrschten. Sie hatten die Provinzen und die Hauptstadt unter sich verteilt; überall regierte einer dieser Verfluchten. Sie trieben Steuern ein, sie lebten im Wohlstand, sie waren prunkvoll gekleidet, während eure Kleidung, oh Muselmanen, alt und zerschlissen war. Alle Staatsgeheimnisse waren ihnen bekannt, aber es ist Tollheit, Verrätern zu vertrauen!“

Abu Ishaks Mahnungen verhallten ungehört: Der Kalif wählte seine Minister auch weiterhin unter den Kandidaten der talmudistischen Regierung in Córdoba. Die spanische Periode zeigt womöglich klarer als jede andere, dass die jüdische Darstellung der Geschichte der Wahrheit näher kommen mag als die nichtjüdische, denn von der Eroberung Spaniens profitierten die Juden mit Sicherheit mehr als die Mauren. Diese herrschten formal rund 800 Jahre über die Halbinsel, ehe sie von den Spaniern vertrieben wurden.

Obwohl die Juden ihrer Tradition treu blieben und den Spaniern bei der Vertreibung der Moslems halfen, war das allgemeine Misstrauen ihnen gegenüber so groß, dass es sich nicht mehr beschwichtigen ließ. Es richtete sich insbesondere gegen die zum Christentum übergetretenen Juden, die sogenannten Marranos, denen die Spanier nicht abnahmen, dass ihre Konversion aus ehrlicher Überzeugung erfolgt war. Hiermit hatten sie recht: Wie Dr. Kastein berichtet, herrschte zwischen den Juden und den Marranos “eine geheime Atmosphäre der Verschwörung“. Ganz offensichtlich hatten die Marranos von dem im Talmud verbrieften Recht zur Scheinkonversion Gebrauch gemacht.

Dies änderte freilich nichts daran, dass die spanischen Könige während der allmählichen Wiedereroberung der Halbinsel auch weiterhin regelmäßig Juden und Marranos zu ihren Finanzministern ernannten.

Diese Entwicklung fand ihren krönenden Höhepunkt in der Ernennung eines gewissen Isaac Arrabanel zum Verwalter der Staatsfinanzen, die mit der Auflage verbunden war, die notwendigen Mittel für die Eroberung Granadas bereitzustellen. Die Weisen von Zion hielten sich streng an das im Gesetz festgelegte Gebot, „allen Nationen zu leihen und von keiner zu borgen“; wie Dr. Kastein festhält, gewährten sie dem christlichen Norden tatsächlich finanzielle Unterstützung bei der Vorbereitung des Sturms auf die letzten islamischen Bastionen im Süden.

Doch schließlich explodierte der Zorn, der sich während der achthundertjährigen Fremdherrschaft auf die jüdischen Helfershelfer der Mauren angestaut hatte: 1492 wurden die Juden aus Spanien, 1492 auch aus Portugal ausgewiesen. Noch heute hegen die zionistischen Historiker einen tiefverwurzelten Hass auf Spanien und sind davon überzeugt, dass Jahwes Rache an diesem Land noch nicht vollendet ist. Manche von ihnen betrachten den Sturz der spanischen Monarchie viereinhalb Jahrhunderte nach der Reconquista sowie den anschließenden Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 als Ratenzahlungen bei der Begleichung der Schuld, welche die Spanier auf sich geladen haben. Nach der Machtübernahme der deutschen Nationalsozialisten im Jahre 1933 sagte einer der führenden amerikanischen Zionisten, der Richter am Obersten Gerichtshof Brandeis, zu Rabbiner Stephen Wise: „Möge Deutschland das Schicksal Spaniens ereilen!“ In diesem Licht ist auch die Behandlung zu sehen, die Spanien in den folgenden Jahrzehnten widerfuhr, insbesondere sein langer Ausschluss aus den Vereinten Nationen.

Zum Zeitpunkt der Reconquista waren fünfzehn Jahrhunderte der christlichen Ära vergangen. Die Ereignisse dieser Epoche bestätigten das in den historischen Teilen des Alten Testaments erscheinende Strickmuster sowie die Gebote des jüdischen Gesetzes. Unter der Herrschaft der Talmudisten waren die Juden auch weiterhin eine zerstörerische Kraft, und der Kontakt mit ihnen wirkte sich auf andere Völker unweigerlich negativ aus.

Als „Gefangene“ und „Verfolgte“ (beides waren sie in der Tat, doch war es nicht fremde Völkerschaften, die sie gefangen hielten und verfolgten, sondern ihr eigenes Gesetz) mussten sie stets die Rolle spielen, welche dieses Gesetz für sie vorsah: Sie mussten „niederreißen und zerstören“ und wurden von ihren Führern benutzt, um „Unruhen anzuzetteln“, wie es im Koran heißt; anschließend nutzten ihre Herrscher diese Unruhen, um Macht zu gewinnen, Rache zu nehmen, fremde Eindringlinge zu unterstützen und Aufstände zu finanzieren.

Es gab zwar immer wieder Juden, die ihre Stimme gegen die talmudistischen Tyrannen erhoben, aber das Gesetz war zu stark für sie. Die Erfüllung ihrer Mission mochte die Juden ja nicht glücklich machen, doch ihm zu entziehen vermochten sie sich nicht.

Die erste Begegnung der Juden mit einer abendländischen Nation endete nach acht Jahrhunderten damit, dass ihr Gastland sie ausspie. Nun war der für unsere heutige Generation so entscheidende Augenblick gekommen, auf den wir in dem Kapitel Die mobile Regierung bereits hingewiesen haben. Ohne die geheimnisvollen Entwicklungen, die sich tief in Russland abgespielt hatten, wäre die zerstörerische Kraft des Judentums allmählich verpufft.

Die Erfahrung der Vertreibung war für die davon betroffenen Juden ein schwerer Schock gewesen. Sie und ihre Nachkommen gaben wiederholt zu erkennen, dass sie gewillt waren, die Lehren aus dem Geschehenen zu ziehen und nach einem Weg zu suchen, der es ihnen ermöglichen würde, zwar Juden zu bleiben, doch zugleich zum Teil der Menschheit zu werden. Dies hätte das Todesurteil für die zerstörerische Idee und deren Trägerin, die Sekte, bedeutet.

Die Idee überlebte jedoch, und zu ihrem Bannerträger wurde ein Volk, das abstammungsmäßig rein nichts mit den „Kindern Israels“ oder dem Stamme Juda zu tun hatte. Die Angehörigen dieses Volkes nannten sich zwar Juden, doch bedeutete dies lediglich ein Bekenntnis zu einem politischen Programm. Auf dieses Volk müssen wir nun näher eingehen. Zunächst aber noch einige Bemerkungen zu den spanischen Juden und ihrem Schicksal nach der Vertreibung.

Schon zu Beginn der achthundertjährigen jüdischen Geschichte in Spanien (711–1492) waren die dortigen Juden, welche die damals weltweit größte jüdische Gemeinde bildeten, abstammungsmäßig keine reinen Judäer mehr und konnten nicht einmal geltend machen, durchwegs aus Palästina zu stammen. Prof. Graetz schreibt: “Die erste Ansiedlung von Juden im schönen Hisperien ist in Dunkel gehüllt“; er ergänzt, die spanischen Juden hätten Wert darauf gelegt, „eine weit in die Vergangenheit zurückreichende Abstammung“ beanspruchen zu können und darum behauptet, „nach der Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar dorthin verschleppt worden zu sein“.

Im Verlauf der Jahrhunderte hatten die äußeren Umstände und die menschliche Natur einen Vermischungsprozess unvermeidlich gemacht. Die Vorstellung eines Volkes, das dazu auserkoren war, auf den Leichen erschlagener Heiden zu thronen und über die Welt zu herrschen, stieß bei primitiven Stämmen in aller Welt auf Anklang; ein (bereits beschnittener) Araber konnte sich beispielsweise mühelos in einen Juden verwandeln. Weitab vom „Zentrum“, in den Städten und Wüsten Nordafrikas, waren die Rabbiner froh um jeden Konvertiten, der zu ihrer Gemeinde stieß. Während die Anhänger heidnischer Religionen von den christlichen Kaisern Roms verfolgt wurden, blieben die Juden von jeglichen Repressalien verschont, so dass viele Verehrer von Isis, Baal und Adonis, die keine Christen werden wollten, von der Möglichkeit Gebrauch machten, stattdessen zum Judentum überzutreten. An Orten, die allzu fern von Babylon lagen, ließ sich das strenge Gesetz der Rassentrennung damals nicht durchsetzen.

Dies bedeutet, dass die Juden, die im Windschatten der Araber nach Spanien kamen, bereits Vertreter einer Mischrasse waren. Während der achthundert Jahre in Spanien, wohin auch die talmudistische Regierung ihren Sitz verlegt hatte, wurde das Rassengesetz wesentlich strikter gehandhabt als zuvor, mit dem Ergebnis, dass sich ein neuer rassischer Typus herausbildete, der „Sepharde“. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien verlegte die Regierung ihr Hauptquartier wie bereits erwähnt nach Polen. Was wurde nun aus diesen sephardischen Juden, die zumindest teilweise noch judäischer Abstammung waren?

Die Jewish Encyclopedia äußert sich hierzu völlig unmissverständlich: „Die Sephardim sind die Nachfahren der Juden, die aus Spanien und Portugal vertrieben wurden und sich in Südfrankreich, Italien, Nordafrika, Kleinasien, Holland, England, Nord- und Südamerika, Deutschland, Dänemark, Österreich und Ungarn niederließen.“ Man beachte, dass Polen in dieser Aufzählung fehlt! Die talmudistische Regierung verlegte ihren Sitz zwar dorthin, doch die breite Masse der Sepharden folgte ihr mitnichten, sondern ließ sich anderswo nieder. Somit war die Regierung mit einem Schlag von ihrem Volk getrennt, und dieses zerstreute sich über alle möglichen Länder. Diese Zerstreuung beschreibt die Jewish Encyclopedia wie folgt:

„Unter diesen Siedlern gab es viele, die Abkömmlinge oder Oberhäupter wohlhabender Familien waren und als Marranos namhafte Positionen in den Ländern bekleidet hatten, die sie hatten verlassen müssen… Sie betrachteten sich als höhere Klasse, als den Adel des Judentums, und ihre von ihnen verachteten Glaubensbrüder anerkannten sie als solche… Die Sepharden waren nie in anrüchigen Berufen tätig, trieben keinen Wucher und vermischten sich nicht mit den niedrigen Klassen. Obwohl die Sepharden friedlich mit den anderen Juden zusammenlebten, gingen sie nur selten Mischehen mit ihnen ein… In der Moderne haben die Sepharden ihre Autorität, die sie mehrere Jahrhunderte lang über andere Juden ausübten, eingebüßt.“

Rekapitulieren wir: Nachdem die Sepharden die spanische Halbinsel verlassen hatten, zogen sie nicht nach Polen, sondern ließen sich stattdessen in Westeuropa, Nordafrika und im Osmanischen Imperium nieder. Sie vermischten sich nicht mit den anderen Juden, die sie „verachteten“, sondern verharrten in hochmütiger Isolierung, büßten ihre Autorität jedoch schließlich ein. (In den jüdischen Standardwerken findet man die widersprüchlichsten Angaben über den Anteil der Sepharden an der jüdischen Gesamtbevölkerung; gemäß einigen Quellen waren sie eine starke, gemäß anderen nur eine kleine Minderheit. Die betreffenden Statistiken lassen sich biologisch nicht erklären und dürften wohl unzuverlässig sein.)

Wie auf den Wink eines Zauberers hin wandelte sich die Natur des Volkes, über welches das talmudistische Zentrum seit zweitausend Jahren geherrscht hatte, nach dessen Umsiedlung nach Polen abrupt. Nachdem jene Juden, welche die Welt bisher gekannt hatte, arg gebeutelt aus ihrer ersten großen Kraftprobe mit einer westlichen Nation hervorgegangen waren, wurden sie über Nacht zu einer Minderheit innerhalb ihres eigenen Volkes. Die talmudistische Regierung schickte sich an, den zweiten Zusammenprall mit der abendländischen Welt von einem neuen Zentrum aus vorzubereiten, und ließ sich unter einer asiatischen Völkerschaft nieder. Bei dieser handelte es sich um die Chasaren, die viele Jahrhunderte zuvor zum Judentum übergetreten waren. Fortan benutzte die herrschende Sekte dieses wilde Volk, dem die ernüchternde Erfahrung der Vertreibung erspart geblieben war, als Werkzeug zur Durchsetzung ihrer Ziele.

1951 wurde einem New Yorker Verleger, der erwog, eines unserer Bücher zu publizieren, seitens einer jüdischen politischen Zentrale dringend von einem solchen Schritt abgeraten, und zwar mit folgender Begründung: „Mr. Reed hat die Chasaren erfunden.“

Tatsache ist indessen, dass die jüdischen Autoritäten die Existenz des Chasarenvolkes und seine Bekehrung zum Judentum anerkennen, und dass sich die Entwicklung des Chasarischen Reichs anhand von Landkarten verfolgen lässt. Um 600 n. Chr., als es seine größte Ausdehnung erlangt hatte, reichte es vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer. Allen Schilderungen zufolge waren die Chasaren ein tatarischer oder turko-mongolischer Stamm. Laut der Encyclopedia Judaica trat der Chasarische Khagan (Häuptling) „mit den vornehmsten seiner Untertanen und einer großen Zahl seines heidnischen Volkes vermutlich um 679 n. Chr. zum Judentum über“. Diese Darstellung wird durch einen ungefähr aus dem Jahre 960 stammenden Briefwechsel zwischen Hasdai Ibn Shapnet, dem Außenminister des in Córdoba residierenden Kalifen Abd el Rahman, und dem Chasarenkönig Joseph erhärtet. Die Encyclopedia Judaica bestätigt, dass die jüdischen Gelehrten keinen Zweifel an der Echtheit dieser Korrespondenz hegen. In dieser tauchte erstmals das Wort Aschkenasen auf; hierunter waren die bisher unbekannten, von den anderen Juden grundverschiedenen Ostjuden zu verstehen.

Die turko-mongolischen Aschkenasen unterschieden sich von den einzigen zuvor im Westen bekannten Juden, den Sepharden, in jeder Beziehung außer der Religion. Im folgenden Jahrhundert lockerte sich der Würgegriff der talmudistischen Führung um die weit zerstreuten westlichen Gemeinden; um so unerbittlicher schwang sie ihre Zuchtrute hingegen über die neuen, kompakten jüdischen Siedlungen im Osten. Juden mit semitischen Gesichtszügen wurden seltener, und heutzutage weist der typische Jude gewisse mongolische Züge auf, was die logische Folge seiner Abstammung ist.

Kein Nichtjude wird je erfahren, weshalb die Führer der Sekte vor dreizehnhundert Jahren die Massenbekehrung eines zahlenmäßig starken heidnischen Volkes zum talmudischen Judentum duldeten. Führte hier der Zufall Regie, oder waren die Weisen von Zion fähig, alle Eventualitäten vorauszusehen? Wie dem auch sei: Nach der Zerstreuung der Sepharden und dem herben Rückschlag, den die zerstörerische Idee mit der Vertreibung der Juden aus Spanien hatte hinnehmen müssen, verfügten die Führer der Sekte nun über eine gewaltige Reservearmee und über das ideale Menschenmaterial zur Verwirklichung ihrer destruktiven Ziele.

Schon vor ihrem Übertritt zum Judentum lieferten die Chasaren ihren nördlichen Nachbarn, den Russen, einen Krieg bis aufs Messer. Schließlich zerstörten die Russen das Chasarenreich, begründeten eine russische Monarchie und nahmen das Christentum an.

Als die Chasaren zum Judentum übertraten, war die Erstellung des Talmud bereits abgeschlossen. Um das Jahr 1000 herum brach das Chasarische Königreich zusammen. Unter der Führung ihrer talmudistischen Regierung betrachteten die Chasaren die mittlerweile christianisierten Russen weiterhin als ihre Erzfeinde, wozu die antichristliche Stoßrichtung des Talmuds natürlich das ihre beitrug. In den folgenden Jahrhunderten wanderten sie in verschiedene Teile Russlands ab, insbesondere nach Kiew (die traditionelle „heilige Stadt“ des russischen Christentums) sowie andere ukrainische Städte, aber auch nach Polen und Litauen.

Obgleich in ihren Adern kein Tropfen judäischen Blutes rann, wurden die Chasaren unter ihren talmudistischen Herrschern zu einem typischen Staat im Staate. Die Gebiete, wo sie sich niederließen, wurden zu Zentren antirussischer Agitation, die schließlich zur „Weltrevolution“ ausufern sollte. Dort schmiedeten sie die Waffen, mit denen sie das Christentum und das Abendland zu zerstören gedachten.

Dieser wilde Volksstamm aus dem tiefsten Asien lebte so streng nach dem Talmud wie die Juden Babylons oder Córdobas. Jahrhundert um Jahrhundert befolgten sie das Gesetz, um einst in ein gelobtes Land „zurückkehren“ zu dürfen, das keiner ihrer Altvorderen je betreten hatte, und von dort aus über die Welt zu herrschen. Von jenen westlichen Politikern des 20. Jahrhunderts, die eifrig für das zionistische Projekt schwärmten, hat wohl kein einziger je etwas von den Chasaren gehört. Nur die Araber, für die es um Land und Leben ging, wussten Bescheid und versuchten 1947 vergeblich, den Vereinten Nationen über diesen Tatbestand die Augen zu öffnen.

Kehren wir ins 16. Jahrhundert zurück. Damals zerfiel das Judentum also in zwei Gruppen: Die über zahlreiche westliche Länder zerstreuten Sepharden und die in kompakten Siedlungsgebieten lebenden Ostjuden oder Aschkenasen. Zum damaligen Zeitpunkt wusste man noch nicht, ob es dem talmudistischen Zentrum gelingen würde, die Ostjuden zu einer ebenso mächtigen zerstörerischen Kraft zu machen, wie es die Westjuden früher gewesen waren, und ob es dazu in der Lage sein würde, die Kontrolle über die zerstreuten jüdischen Gemeinden, denen der Schock ihrer Vertreibung aus Spanien noch in den Knochen saß, aufrecht zu erhalten.

Letzteres glückte den Führern der Sekte nicht ganz. Abgesehen davon, dass die Sepharden zahlenmäßig schrumpften, lockerte sich auch der Zusammenhalt zwischen ihnen (dies ist zumindest die Ansicht der jüdischen Autoritäten). Ganz anders entwickelte sich jedoch die Lage im Osten. Zwar hörte das talmudistische Zentrum nach der Teilung Polens „zu existieren auf“ (Dr. Kastein), doch die zerstörerische Idee erschien in Europa in neuem Gewandte: Sie nannte sich fortan „Revolution“.

Die drei wichtigsten Revolutionen der letzten vierhundert Jahre waren die britische, die französische und die russische. Jede davon war zerstörerischer als die vorhergehende, jede davon war aufgrund gewisser Merkmale unschwer als Erbin der vorhergehenden zu erkennen, und diese Merkmale gingen auf das jüdische Gesetz zurück, wie es in der Thora und dem Talmud festgelegt ist. Laut diesem Gesetz ist die einzige legitime Regierung die Regierung Jahwes und die einzige legitime Nation das von Jahwe auserkorene Volk, während das Christentum nach dem Talmud die ärgste aller „heidnischen“ Religionen ist.

Anfangs richteten sich alle drei Revolutionen gegen „Könige und Priester“ als Symbolfiguren der Unterdrückung. Doch heute, wo die Macht der Könige und Priester der Vergangenheit angehört, die Revolution jedoch fest im Sattel sitzt, zeigt sich deutlich, dass dies nur hohle Schlagworte zur Täuschung der Massen waren. Die eigentliche Attacke galt der Nation (die der ermordete Monarch in allen drei Fällen symbolisierte) und der Religion (die Zerstörung von Kirchen war ebenfalls ein symbolischer Akt).

Der Hass auf Nation und Religion ließ klar erkennen, welche Kräfte hinter den drei Revolutionen standen: Die Thora und der Talmud sind die einzigen identifizierbaren Quellen dieser Ideologie. Sobald die talmudistische Regierung äußerlich von der Bildfläche verschwunden war, trat diese zerstörerische Weltanschauung ihren Siegeszug durch Westeuropa an.

Die drei Revolutionen verliefen ebenso nach dem Muster der im Alten Testament geschilderten historischen Episoden wie die Ereignisse der christlichen Ära bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien. Alle drei endeten mit einem jüdischen Triumph. Waren sie alle von den Talmudisten vorbereitet, angezettelt und gelenkt worden?

In diesem Punkt besteht ein zentralen Unterschied zwischen den ersten beiden und der dritten dieser Revolutionen.

Dass die Talmudisten bei der englischen und der französischen Revolution ihre Hand im Spiel gehabt haben, lässt sich nicht nachweisen; jedenfalls haben wir keine Beweise dafür entdeckt. Hingegen besteht kein Zweifel daran, dass die Ergebnisse dieser beiden Revolutionen für die Juden einen Sieg auf der ganzen Linie bedeuteten: Den zuvor zumindest formell aus England ausgewiesenen Juden wurde von Cromwell offiziell erlaubt, sich dort aufzuhalten; die französischen Juden erhielten nach dem Sieg der Revolution volle Bürgerrechte. Somit gingen die Juden aus beiden Revolutionen als Gewinner hervor, obwohl diese ursprünglich in keinerlei Zusammenhang mit jüdischen Anliegen standen und nicht auf das Wirken der Weisen von Zion zurückgingen.

Vollkommen anders verhält es sich mit der russischen Revolution. Diese mündete in den größten Triumph, den die Juden in ihrer gesamten Geschichte zu erringen vermochten; kein im Alten Testament geschilderter oder in den Annalen der christlichen Ära verzeichneter jüdischer Sieg reicht an diesen heran, und die Racheorgie, die sich an diesen Triumph anschloss, übertraf alles, was die Welt zuvor gesehen hatte. Diese Revolution war von talmudistisch geschulten Juden organisiert, gelenkt und kontrolliert worden. Es ist dies eine nachweisbare historische Tatsache, die sich nicht unter den Teppich kehren lässt, und zugleich das wichtigste Ereignis in der gesamten Geschichte Zions; sie wirft ein grelles Licht auf die Vergangenheit und liefert zugleich den Schlüssel zur Enträtselung der Zukunft.

In unserem Jahrhundert, in dem sich dieses Ereignis zutrug, erwarb der Ausdruck „Weltrevolution“ einen neuen Sinn, oder genauer gesagt, trat sein wahrer Sinn zutage: Zerstörung ohne Ende, bis das Gesetz erfüllt ist. Als das Wort „Revolution“ im Sprachgebrauch der abendländischen Völker aufkam, wies es einen viel engeren Sinn auf; man verstand darunter eine gewaltsame Erhebung, die sich an einem bestimmten Ort infolge spezifischer Umstände zu einem gewissen Zeitpunkt ereignete. Unerträgliche Unterdrückung provozierte eine gewalttätige Reaktion, so wie der Deckel eines Kessels weggeblasen wird, wenn der Dampf darin einen zu hohen Druck erzeugt. Dies war die volkstümliche Vorstellung von der „Revolution“, genährt durch die Führer der Sekte, die es besser wussten.

Die Russische Revolution ließ jedoch erkennen, dass die Revolution als permanenter Zustand geplant war: Ihre zerstörerischen Auswirkungen waren permanent, und sie wurde permanent organisiert, mit einem permanenten Hauptquartier und Personal und weltweiten Zielen. Somit lagen ihre Wurzeln nicht in irgendwelchen lokalen Missständen oder irgendeiner lokalen Unterdrückung. Sie stand für Zerstörung um ihrer selbst willen und war ein Werkzeug zur Beseitigung aller legitimen Regierungen, die durch andere Herrschaftsformen und andere Herrscher ersetzt werden sollten. Um wen konnte es sich bei diesen Herrschern aber handeln, wenn nicht um die Talmudisten selbst? Die Tatsache, dass die Russische Revolution weitgehend von talmudistischen Juden geplant und durchgeführt wurde, sowie die offensichtlich talmudistischen Ziele der „Weltrevolution“ sprechen eine deutliche Sprache.

Es liegt auf der Hand, dass das Endziel der Operation „Weltrevolution“ in der endgültigen Erfüllung des Gesetzes bestand, dem zufolge Jahwe seinem Volk verheißen hatte, es „über alle anderen Nationen der Erde“ zu erheben. Ohne dieses verborgene Motiv hätte sich keine der drei Revolutionen so entwickelt, wie es tatsächlich der Fall war. Sie repräsentierten verschiedene Etappen auf dem Weg zur Erfüllung des Gesetzes. Historische Figuren, die zu ihren Glanzzeiten gewaltige, souveräne Herrscher zu sein schienen wie König Kyros oder der legendenumwobene König Ashaverus, wirken nachträglich wie Marionetten in dem großen Drama der jüdischen Geschichte, die ihrem Finale furiose in Jerusalem entgegensteuert.

Ein scheinbar gewaltiger und souveräner Herrscher war auch Oliver Cromwell. Von ihm weiß der Durchschnittsengländer heute kaum mehr, als dass er einen König enthaupten und die Juden nach England „zurückkehren“ ließ. Erinnert man sich zusätzlich noch an das von ihm befohlene Massaker an Priestern im irischen Drogheda (ein Ereignis, das in der englischen Geschichte beispiellos dasteht), erkennt man in ihm mühelos eine typische Marionette, die lediglich geschaffen wurde, um das Gesetz seiner Erfüllung einen Schritt näherzubringen.

Cromwell gehörte zu den ersten einer ganzen Reihe sogenannter „alttestamentarischer Christen“. Dieser Ausdruck soll darüber hinwegtäuschen, dass diese Männer in Wahrheit antichristlich gesinnt waren; schließlich lehrt uns eine unanfechtbare Autorität, dass man nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen kann. Dass Cromwell das Weihnachtsfest verbot, Kirchen brandschatzen und Priester er morden ließ, und dass er manchen Juden für kurze Zeit sogar als der künftige Messias galt, rundet das Bild ab.

Während Cromwell an der Macht war, putschte Sabbatai Zevi die Leidenschaften der jüdischen Massen, die sehnsüchtig den Messias erwarteten, bis zum Siedepunkt hoch und erschütterte die Herrschaft der Talmudisten hierdurch bis in die Grundfesten. Die Furcht der Talmudisten vor Sabbatai Zevi mag der Grund und dafür gewesen sein, dass sie Cromwell zu seiner Vernichtung zu benutzen versuchten. Tatsache ist jedenfalls, dass jüdische Emissäre aus Amsterdam in dringender Mission nach England geschickt wurden, um in Erfahrung zu bringen, ob Cromwell jüdischer Abstammung sei. Hätte die Antwort auf diese Frage ja gelautet, so wäre Cromwell womöglich zum Messias ausgerufen worden, besaß er doch eine Qualifikation, die ihn für die Weisen von Zion äußerst anziehend machte: Seine Zerstörungswut. (Sollte je ein Messias ausgerufen werden, so steht der Welt womöglich eine Überraschung ins Haus: Als ich 1939 in Prag war, predigte dort ein Rabbiner, Hitler sei der jüdische Messias, und eine jüdische Bekannte wollte von mir besorgt wissen, was ich von dieser Theorie halte.)

Cromwells Stammbaum vermittelte keinerlei Hinweise darauf, dass er dem Hause Davids entstammte, sonst hätte er sich vermutlich bereit erklärt, die ihm zugedachte Rolle zu spielen. Seine Anhänger, feuerspeiende Fanatiker mit dem Schwert in der einen und der Bibel in der anderen Hand behaupteten, seine Bluttaten stellten Erfüllungen alter Prophezeiungen dar, und indem er den Juden die Rückkehr nach England erlaube, schaffe er die notwendigen Voraussetzungen für den Beginn des Millenniums. Sie regten sogar an, Cromwells Staatsrat solle nach dem Vorbild des alten Sanhedrin aus siebzig Mitgliedern bestehen! Cromwell selbst hielt zwar nicht viel von den Predigern des „Millennium“, doch als „Realpolitiker“ der in unserem Jahrhundert sattsam bekannten Sorte schwadronierte er mit Vorliebe von „religiöser Freiheit“ und der Erfüllung von Prophezeiungen, während seine Häscher Jagd auf Geistliche machten.

Cromwells wahres Ziel bestand darin, finanzielle Unterstützung seitens der reichen Amsterdamer Juden zu gewinnen. (Das Gebot des jüdischen Gesetzes, wonach die Juden allen Nationen leihen, jedoch von keiner borgen sollen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.) John Buchan schreibt in seinem 1934 erschienenen Buch John Cromwell , die Juden von Amsterdam hätten „ den spanischen, den portugiesischen und einen Großteil des levantinischen Handels“ kontrolliert und fährt fort: „Sie kontrollierten den Fluss der Goldbarren; sie halfen Cromwell regelmäßig, die finanziellen Schwierigkeiten seiner Regierung zu überwinden“. Der Amsterdamer Rabbiner Manasseh ben Israel (der das Kommen des Messias und die Rückkehr der Juden nach Palästina geweissagt hatte), begab sich nach London, und die Sache wurde unter Dach und Fach gebracht.

Manasseh ben Israels Petition an Cromwell gemahnt an den formell respektvollen, jedoch unterschwellig drohenden Ton, dessen sich in unserem Jahrhundert ein Dr. Chaim Weizmann bei seinen Verhandlungen mit britischen Premierministern und amerikanischen Präsidenten zu bedienen pflegte. Er ersuchte darum, den Juden die Wiederkehr nach England zu erlauben, spielte dunkel auf Jahwes Rache an jenen an, die es an der gebotenen Demut gegenüber seinem Volk fehlen ließen, und schwenkte nach der Peitsche das Zuckerbrot, indem er für eine kooperative Haltung reiche Belohnung verhieß. Das Bild erinnert lebhaft an einen New Yorker Zionisten, der einen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten belehrt, dass er nur dann auf die Stimmen der New Yorker zählen darf, wenn er sich verpflichtet, den zionistischen Staat in Krieg und Frieden mit Geld und Waffen zu unterstützen.

Was von Cromwell verlangt wurde, war in Wirklichkeit ein Akt der politischen Unterwerfung gegenüber dem jüdischen Gesetz und nicht die „Rückkehr“ der Juden: Diese hatten England nämlich überhaupt nie verlassen! Gewiss, sie waren offiziell des Landes verwiesen worden, doch war diese Verordnung toter Buchstabe geblieben, und nun forderten sie von Cromwell, ihnen formell das Bleiberecht einzuräumen. Der Widerstand der öffentlichen Meinung hinderte ihn daran, sich diesem Ansinnen zu beugen.

Nachdem Cromwells kurzes Interregnum zu Ende gegangen war, hatte die zerstörerische Bewegung nur wenig Boden gewonnen. England vermochte sich ohne sonderliche Mühe von den Schlägen zu erholen, welche die Revolution ihm versetzt hatte, und trat nur unwesentlich gerupft in die folgende Etappe seiner Geschichte ein. Die legitime Regierung wurde unverzüglich wiederhergestellt, und die Religion war durch den Angriff fremder Kräfte kaum mehr geschwächt worden als durch die zunehmende Indifferenz der englischen Bevölkerung, die sich ungefähr zu jener Zeit breitzumachen begann.

Nichtsdestoweniger war das neue Phänomen der „Revolution“ erstmals in Europa aufgetreten, und 150 nach ihrer Vertreibung aus Spanien waren die Juden jäh ins Rampenlicht gerückt.

Nach dem Ende der Cromwell-Ära wurde der neue König von den Juden so für ihre Zwecke eingespannt, als habe sich überhaupt nichts geändert. Die Juden ließen ihre finanzielle Unterstützung nun König Charles II. zukommen, der schon bald nach seiner Thronbesteigung den verlangten Unterwerfungsakt leistete und den Aufenthalt der Juden in England formell legalisierte. Dies brachte seiner Dynastie allerdings keinerlei Vorteile, denn die Amsterdamer Juden finanzierten den Feldzug Wilhelm von Oraniens gegen Charles‘ Bruder und Nachfolger James II., der seines Throns verlustig ging und nach Frankreich fliehen musste. Für die Dynastie der Stuarts bedeutete dies das Aus. Somit lautet die Antwort auf die Frage, wer siegreich aus dem Kräftemessen zwischen Cromwell und den Stuarts hervorgegangen sei: „Die Juden.“

Rund 150 Jahre später erhob die Revolution abermals ihr Haupt, diesmal in Frankreich. Auf den ersten Blick schien sich diese Revolution grundlegend von der englischen zu unterscheiden, doch war dem wirklich so? Genau wie zuvor in England und später in Russland attackierten die Revolutionäre in Frankreich Nation und Religion unter dem Vorwand des Kampfes gegen die „Tyrannei von Königen und Priestern“, um nach ihrer Machtübernahme eine weit brutalere Tyrannei zu errichten.

Als die Französische Revolution ausbrach, war die talmudistische Regierung nach der kurz zuvor erfolgten Teilung Polens „verschwunden“, um Dr. Kasteins Formulierung aufzugreifen. Dies änderte allerdings nichts daran, dass sie im Verborgenen weiter ihre Fäden spann; eine Organisation, die zweieinhalb Jahrtausende lang ununterbrochen existiert hat, verschwindet nicht so ohne weiteres. Doch hatte ihr Abtauchen in den Untergrund zur Folge, dass es für die Historiker fast unmöglich ist, zu ermitteln, ob sie an der Französischen Revolution mitbeteiligt war, und wenn ja, in welchem Ausmaß. Die 120 Jahre darauf ausgebrochene Russische Revolution war dann in zuvor undenkbarem Umfang von talmudistischen Juden kontrolliert; dies könnte einen Hinweis darauf liefern, dass letztere auch bei der Französischen Revolution eine größere Rolle gespielt haben, als sich anhand der bekannten Dokumente nachweisen lässt.

Wie dem auch sei: Die Französische Revolution wurde unter dem Banner der Menschenrechte (womit zweifellos die Rechte aller Menschen gemeint waren) vorbereitet, doch kaum war sie ausgebrochen, kam wundersamerweise sofort die jüdische Frage aufs Tapet. Bereits 1791 gewährten die Revolutionäre den französischen Juden volle Gleichberechtigung. Zum Vergleich: Eine der ersten Handlungen der bolschewistischen Revolutionsregierung bestand in der Verabschiedung eines Gesetzes gegen „Antisemitismus“.

Aus diesem Grund erweckt die Französische Revolution genau wie die Englische Revolution und viele andere gewalttätige Ereignisse der Geschichte den Eindruck, als hätten die Juden zu ihren hauptsächlichen Gewinnern gehört; zumindest legt die Art und Weise, wie die Historiker die Geschehnisse darstellen, diesen Schluss nahe. Vermutlich hatten die revolutionären Massen ganz andere Ziele vor Augen gehabt, genau wie später die Massen, die in zwei europäischen Kriegen kämpfen mussten.

Die Emanzipation der Juden war ein permanentes Ergebnis einer Revolution, die sonst recht wenig Dauerhaftes zu schaffen vermochte und Frankreich in einen Zustand geistiger Apathie versetzte, aus dem es sich nie wieder so richtig erholt hat. Die Geschichte Frankreichs nach der Revolution ist die eines langen Interregnums, in der es mit fast allen der Menschheit bekannten Regierungsformen experimentierte, ohne dadurch sein Glück und seine Stabilität zurückzugewinnen.

Vom Fall Babylons bis zur Französischen Revolution waren die Juden unter ihren Gastvölkern stets eine zerstörerische Kraft. Dies war in Anbetracht des Glaubens, dem sie anhingen und der zugleich ihr Alltagsleben regelte, völlig unvermeidlich. Unter dem jüdischen Gesetz konnten sie gar nicht anders handeln: Sie waren dazu verdammt, für immer Zerstörer zu sein. Die Geschichte der von der totalitären Sekte kontrollierten Juden wiederholte sich in Babylon, in Persien, in Ägypten, in Griechenland, in Rom und in Spanien und konnte angesichts des einzigartigen jüdischen Gesetzes gar nicht anders verlaufen.

Gewiss: Nicht alle Juden haben diese Geschichte geschrieben, und letztere ist nicht die Geschichte aller Juden. Wer diesen Hinweis unterließe, beginge denselben Fehler wie jemand, der „die Deutschen“ für den Nationalsozialismus oder „die Russen“ für den dem russischen Wesen grundsätzlich fremden Kommunismus verantwortlich machen würde.

Immer und immer wieder hat sich innerhalb des Judentums Widerstand gegen das Gesetz geregt. Etliche Beispiele hierfür haben wir in diesem Buch bereits angeführt. Jüdische Dissidenten haben sich erbitterter gegen die ihnen aufgezwungene Mission, Zerstörer zu sein, gewehrt als die Nichtjuden gegen die ihnen drohende Zerstörung. Diesen Vorbehalt gilt es stets im Auge zu behalten, wenn wir von „den Juden“ sprechen.

Wiederholen wir: In den drei Jahrhunderten nach der Vertreibung der Juden aus Spanien rückte die „Judenfrage“ bei zwei blutigen europäischen Revolutionen, die anfangs den Anschein erweckt hatten, als prallten dabei lediglich zwei verfeindete inländische Gruppen aufeinander, in den Brennpunkt der Geschehnisse. (Auf die absolut zentrale Rolle des Judentums bei der Russischen Revolution werden wir zum gegebenen Zeitpunkt zu sprechen kommen.)

Nachdem sich die Wogen der Französischen Revolution geglättet hatten, betrat ein Mann die Weltbühne, der einen ernsthaften Versuch zur Beilegung des Streits um Zion unternahm. Die Geschichte verzeichnet alle nur denkbaren Methoden zur Lösung dieses Problems, von Gewalt und Unterdrückung bis hin zu Beschwichtigung, Kompromiss und Kapitulation. All diese Versuche scheiterten, und das Problem bleibt bis zum heutigen Tage eine blutende Wunde der nichtjüdischen Welt (sowie der Juden selbst, die immer wieder unter dem Hass ihrer Umwelt zu leiden hatten).

Die Methode dieses Mannes war die einfachste, die man sich nur denken konnte. Gerade deshalb denken die treuen Anhänger Zions noch heute mit Beklemmung daran zurück: Diesem klugen Mann hätten sie sich um ein Haar nicht gewachsen gezeigt! Doch musste auch er scheitern, vermutlich weil diese Frage für Menschen unlösbar ist und nur Gott eine Lösung finden kann, wenn die Zeit dafür reif ist.

Dieser Mann war Napoleon. Mit seinem Versuch zur Lösung der jüdischen Frage wollen wir uns nun auseinandersetzen, ehe wir uns wieder der Entwicklung der Revolution zuwenden.

Kapitel 18 

Napoleon stellt die Gretchenfrage

Schon bald nach seiner Ernennung zum Kaiser von Frankreich (wenn nicht bereits zuvor) wurde sich Napoleon Bonaparte bewusst, dass eines der schwierigsten Probleme, denen er sich gegenübersah, nicht französischer, sondern fremder Natur war: Die „Judenfrage“. Viele Jahrhunderte lang hatte die abendländische Menschheit unter diesem Problem gelitten. Kaum hatte Napoleon den Papst für sich gewonnen und den Kaiserthron bestiegen, sah er sich jäh mit dieser heiklen Frage konfrontiert.

Wie es seiner Art entsprach, packte Napoleon den Stier bei den Hörnern und versuchte die Juden zu einer klaren Antwort auf die uralte Frage zu bewegen: Waren sie ehrlich bestrebt, Teil der Nation zu werden und sich an ihre Gesetze zu halten, oder befolgten sie insgeheim ein anderes Gesetz, welches ihnen gebot, die Völker, unter denen sie lebten, zu unterwerfen und letztlich zu vernichten?

Diese Gretchenfrage Napoleons an die Juden stellte seinen zweiten Versuch zur Lösung des jüdischen Problems dar. Da sein erster Versuch weitgehend unbekannt ist, lohnt es sich, darüber einige Worte zu verlieren.

Napoleon gehörte zu den ersten, die auf die Idee verfielen, Jerusalem für die Juden zu erobern und, um den heute modischen Ausdruck vorwegzunehmen, „die Prophezeiung zu erfüllen“. Hierdurch schuf er einen Präzedenzfall und wurde zum Vorläufer prominenter britischer und amerikanischer Führer unseres Jahrhunderts, die sich wohl mit Händen und Füssen dagegen verwahrt hätten, mit Napoleon verglichen zu werden: Lord Balfour, Lloyd George, Woodrow Wilson, Franklin D. Roosevelt, Harry Truman und Winston Churchill.

Napoleons Unterfangen war so kurzlebiger Natur, dass die Geschichte nur wenig darüber zu berichten weiß und seine Beweggründe fast völlig im Dunkeln bleiben. Da er zum damaligen Zeitpunkt noch nicht französisches Staatsoberhaupt, sondern erst Oberkommandierender der französischen Armee war, lässt sich nicht ausschließen, dass es ihm lediglich darum ging, sich die Unterstützung der im Nahen Osten lebenden Juden bei seinem dortigen Feldzug zu sichern. Falls er sich allerdings bereits als Ersten Konsul oder gar als Kaiser aller Franzosen sah, ist es sehr wohl denkbar, dass er (wie vor ihm Cromwell) auf die finanzielle Unterstützung der europäischen Juden bei der Verwirklichung seiner ehrgeizigen Pläne spekulierte.

Welche dieser beiden Hypothesen zutrifft, sei dahingestellt. Tatsache ist jedenfalls, dass der Korse der erste europäische Potentat war (als Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte verdient er diese Bezeichnung), der um die Gunst der jüdischen Führer buhlte, indem er ihnen Jerusalem versprach. Mit diesem Schritt stellte er sich de facto hinter die These, wonach die Juden eine separate Nation bilden, auch wenn er sich später in gegenteiligem Sinn äußerte.

Gesicherte historische Informationen über diese Episode sind spärlich und beruhen ausschließlich auf zwei Berichten, die 1799 im Pariser Moniteur erschienen. Damals führte Napoleon Krieg in Ägypten, mit dem Ziel, die Engländer aus dem Nahen Osten zu vertreiben.

Der erste der beiden Berichte war am 17. April 1799 in Istanbul verfasst worden und wurde am 22. Mai veröffentlicht. Darin hieß es: „Bonaparte hat eine Proklamation verabschiedet, in der er alle Juden Asiens und Afrika auffordert, sich um sein Banner zu scharen, um das alte Jerusalem wiederherzustellen. Er hat bereits eine große Anzahl von ihnen bewaffnet, und ihre Bataillone bedrohen Aleppo.“

Diese Sätze lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Napoleon wollte „die Prophezeiung erfüllen“, indem er die Juden nach Jerusalem „zurückkehren“ ließ.

Einige Wochen später berichtete der Moniteur: „Bonaparte hat Syrien nicht nur erobert, um Jerusalem den Juden zu geben: Er hat weitergehende Pläne.“

Möglicherweise hatte Napoleon erfahren, dass der erste Bericht in Frankreich sehr ungünstig aufgenommen worden war: Die Vorstellung, der Krieg gegen England könnte (ebenso wie zuvor die Revolution gegen „Könige und Priester“) letzten Endes nur Wasser auf jüdische Mühlen leiten, erregte Unmut und Besorgnis. Der Artikel mag den Engländern unter den Arabern mehr Sympathien eingebracht haben als Napoleon unter den Juden… Der Sturm im Wasserglas legte sich jedoch schon bald, denn Napoleon stieß nie nach Jerusalem vor. Zwei Tage vor der Veröffentlichung des ersten der beiden Moniteur -Artikel hatte er bereits den Rückzug nach Ägypten angetreten, nachdem ihm eine britische Flotte unter Sir William Smith bei Acre eine folgenschwere Niederlage beigebracht hatte.

Wäre es Napoleon tatsächlich geglückt, Jerusalem für die Juden zu erobern, so hätten die Weisen von Zion in seinem Stammbaum schon bald eifrig nach mosaischen Ahnen ausgespäht, so wie sie es früher bei Cromwell getan hatten. Bereits einige Tropfen jüdischen Blutes hätten vermutlich ausgereicht, um ihn zum Messias auszurufen…

1925 kommentierte ein Philip Guedalla Napoleons gescheiterten Jerusalem-Plan mit folgenden Worten: „Ein zorniger Mann glaubte, eine historische Chance verpasst zu haben. Doch eine geduldige Rasse wartete weiter, und ein Jahrhundert später, nachdem andere Eroberer dieselben staubigen Pfade betraten hatten, erwies es sich, dass wir unsere Chance nicht versäumt hatten.“ Der Hinweis bezog sich auf die britischen Truppen, die Jerusalem anno 1917 tatsächlich erobert und somit vollbracht hatten, was Napoleon verwehrt geblieben war. Als typischer Zionist betrachtete Guedalla die britischen Soldaten als bloße Werkzeuge bei der Verwirklichung jüdischer Ziele. Er tat diesen Ausspruch übrigens in Gegenwart des ehemaligen Premierministers Lloyd George, der Albions Heere 1917 auf die „staubigen Pfade“ des Nahen Ostens entsandt hatte und den die Juden seither huldvoll als „Werkzeug in den Händen des jüdischen Gottes“ (Dr. Kastein) priesen.

1804 wurde Napoleon zum Kaiser gekrönt. Bereits zwei Jahre später nahm die „jüdische Frage“ in seiner Agenda einen derart hohen Stellenwert ein, dass er einen zweiten Anlauf zu ihrer Lösung unternahm.

Wie so viele andere Potentaten vor und nach ihm verfolgte ihn diese Frage bei all seinen Feldzügen permanent. Nachdem sein Versuch, Jerusalem für die Juden zu erobern und diesen hierdurch offiziell eine nationale Heimstatt zu schenken, missglückt war, schlug er nun den umgekehrten Weg ein und verlangte von den Juden, sich klipp und klar zu entscheiden, ob sie eine separate Nation bilden oder Teil der französischen Nation sein wollten. Seine wohlwollende Einstellung gegenüber den Juden war vielen Franzosen sauer aufgestoßen, und er wurde mit Klagen und Eingaben überschüttet, die ihn um Schutz vor den Juden ersuchten. Um dieser Stimmung Rechnung zu tragen, bezeichnete er die Juden vor dem Staatsrat als „Heuschrecken und Raupen“, die Frankreich „auffräßen“, und sprach von ihnen als von einer „Nation in der Nation“ (eine Einschätzung, der selbst orthodoxe Juden damals heftig widersprachen).

Der Staatsrat war seinerseits gespalten und konnte sich nicht zu einer klaren Stellungnahme durchringen, so dass Napoleon 112 führende jüdische Persönlichkeiten aus Frankreich, Deutschland und Italien nach Paris beorderte und ihnen eine Liste mit Fragen vorlegte.

Die Welt, in die sich der französische Kaiser hierdurch vorwagte, ist für den Nichtjuden fremd und unverständlich, doch zwei Zitate bringen zumindest ein wenig Licht ins Dunkel:

„Da sich die Juden als das auserwählte, zur Erlösung bestimmte Volk betrachteten, war ihr Weltbild judäozentrisch, und die Juden konnten alles, was geschah, nur von ihrem eigenen Standpunkt aus betrachten; sie standen stets im Mittelpunkt.“ (Dr. Kastein).

„Der Jude konstruierte eine ganze Geschichte der Welt, bei der er der Mittelpunkt war, von diesem Augenblick an, d. h. vom Augenblick an, wo Jahwe den Bund mit Abraham schließt, stellt die Geschichte Israels die Geschichte der Welt, ja die Geschichte des ganzen Kosmos dar und ist das einzige, worum sich der Schöpfer der Welt kümmert. Es ist, als ob die Kreise immer enger würden und schließlich nur noch der Mittelpunkt übrig bliebe: Das Ego.“ (Houston Stewart Chamberlain.)

Das erste Zitat stammt von einem zionistischen Juden, das zweite von einem Mann, den dieser zionistische Jude als „Antisemiten“ schmähen würde; wie der Leser erkennt, sind sich die beiden über die Essenz des jüdischen Glaubens jedoch völlig einig! Wer sich ernsthaft mit dieser Frage befasst, wird sich bald gewahr, dass es hier keinerlei Meinungsunterschiede zwischen talmudistisch geschulten jüdischen Gelehrten und angeblich „in Vorurteilen befangenen“ Kritikern des Judentums gibt. Die jüdischen Extremisten stoßen sich lediglich daran, dass Leute, die „außerhalb des Gesetzes“ stehen, sich überhaupt die Freiheit herausnehmen, Kritik an ihnen zu üben.

Napoleons Gretchenfrage an die Juden zeigt, dass er die Natur des Judentums und den spannungsgeladenen Charakter der Beziehungen zwischen Nichtjuden und Juden ausgezeichnet begriffen hatte; hierdurch unterschied er sich wohltuend von den britischen und amerikanischen Politikern des 20. Jahrhunderts, die sich dem Zionismus mit Haut und Haaren verschrieben haben. Napoleon wusste, dass die Welt laut dem jüdischen Gesetz an einem genau bekannten Datum einzig und allein um der Juden willen erschaffen worden war, und dass alles, was sich auf ihr zutrug (einschließlich seiner eigenen ruhmvollen Laufbahn) lediglich dazu diente, den Juden ihrem Triumph näher zu bringen. Somit verstand er einen Sachverhalt, den Dr. Kastein später unter Bezugnahme auf den Perserkönig Kyros und seine Eroberung Babylons im Jahre 538 v. Chr. wie folgt formuliert sollte:

„Wenn der größte König jenes Zeitalters ein Werkzeug in den Händen des jüdischen Gottes war, so bedeutete dies, dass dieser Gott nicht nur über das Schicksal eines Volkes, sondern über das Schicksal aller Völker und nicht nur über das Geschick einer Nation, sondern über das Geschick aller Nationen der Welt bestimmte.“

Napoleon hatte versucht, sich selbst zum „Werkzeug in den Händen des jüdischen Gottes“ zu machen, doch hatten ihm die Briten bei Acre einen Strich durch die Rechnung gemacht und ihm die Eroberung Jerusalems verwehrt. Mittlerweile war er aber Kaiser von Frankreich und gab sich nicht mehr mit der Rolle eines „Werkzeugs“ zufrieden. Er wollte die Juden zwingen, klar kundzutun, wem ihre Loyalität galt, und stellte ihnen listig formulierte Fragen, die sie unmöglich beantworten konnten, ohne entweder die Grundidee ihres Glaubens zu verraten oder aber der Doppelzüngigkeit geziehen zu werden. Dr. Kastein geißelt diese Fragen als „infam“, doch zollt er hiermit lediglich der jüdischen Einstellung Tribut, der zufolge Außenstehende grundsätzlich kein Recht haben, Juden irgendwelche kritischen Fragen zu stellen.

An anderer Stelle verleiht Dr. Kastein seiner Bewunderung für Napoleon unfreiwillig Ausdruck, indem er diesem zubilligt, „die Essenz des Problems korrekt begriffen“ zu haben. Es ist dies die höchste Anerkennung, die Dr. Kastein einem nichtjüdischen Herrscher in seinem Buch je zollt.

Wenn irgendein Sterblicher darauf hoffen durfte, eine Lösung des „jüdischen Problems“ zu finden, dann am ehesten Napoleon. Seine Fragen trafen nämlich den Kern der Sache und ließen einem wahrheitsliebenden Menschen, der sie beantworten musste, nur die Wahl zwischen einem Treuebekenntnis und dem Geständnis, ein illoyaler Bürger seines Staates zu sein.

Die (von den jüdischen Gemeinden ausgewählten) Delegierten, die der Vorladung Folge leisteten und sich nach Paris begaben, steckten in einer Zwickmühle. Einerseits waren sie ausnahmslos in einem uralten Glauben erzogen worden, dem zufolge sich ihr Volk für immer von allen anderen Nationen „absondern“ musste, da es von Gott dazu auserkoren war, letztere „in den Staub zu werfen und zu vernichten“, um schließlich in ein gelobtes Land „zurückkehren“ zu dürfen. Andererseits gehörte gerade ihr Volk zu jenen, die von der Revolution und ihren Emanzipationsbestrebungen am meisten profitiert hatten, und der berühmteste General dieser Revolution, der nun von ihnen einen Offenbarungseid forderte, hatte einige Jahre zuvor versucht, „das alte Jerusalem wiederherzustellen“. Und jetzt wollte dieser Mann von ihnen wissen, ob sie Teil der von ihm regierten Nation seien oder nicht!

Napoleons Fragen waren wie Pfeile, welche die von Thora und Talmud errichtete Trennmauer zwischen den Juden und dem Rest der Menschheit zu durchbohren drohten. Die wichtigsten dieser Fragen lauteten wie folgt:

•  Erlaubte das jüdische Gesetz Mischehen?

•  Galten die Franzosen den Juden als Fremde oder als Brüder?

•  Betrachteten die Juden Frankreich als ihr Heimatland, dessen Gesetze für sie verbindlich waren?

•  Machte das jüdische Gesetz einen Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Schuldnern?

Alle diese Fragen betrafen die von den Leviten erlassenen diskriminierenden religiösen und rassischen Gesetze, welche die moralischen Gebote de facto aufgehoben hatten.

Napoleon stellte den jüdischen Vertretern diese Fragen, auf welche die Welt seit Jahrhunderten vergeblich eine Antwort erwartete, formell und unter größtmöglicher Publizität. Nun, wo die Augen der gesamten französischen Nation auf sie gerichtet waren, standen die jüdischen Führer vor einer für sie fatalen Alternative: Entweder sie sagten sich ehrlich von dem Rassengesetz los, oder sie erklärten es zum Schein für überholt und praktizierten es heimlich weiter. Der Talmud erlaubte ihnen diesen Ausweg.

Dr. Kastein schreibt: „Die jüdischen Gelehrten, denen es oblag, die gegen die Juden erhobenen Vorwürfe zu entkräften, befanden sich in einer außerordentlich schwierigen Position, denn für sie war alles, was im Talmud stand, heilig, selbst dessen Legenden und Anekdoten.“ In anderen Worten, sie mussten notgedrungen zur Täuschung greifen, denn ungeachtet der von Dr. Kastein gewählten Formulierung verlangte man von ihnen keineswegs, „Vorwürfe zu entkräften“, sondern lediglich, bestimmte Fragen zu beantworten.

Die jüdischen Abgeordneten bekundeten einmütig, so etwas wie eine jüdische Nation gebe es nicht mehr; die Juden wünschten keinesfalls in geschlossenen, selbstverwalteten Gemeinschaften zu leben; sie seien in jeder Hinsicht Franzosen und sonst gar nichts.

Bezüglich der Mischehen drückten sie sich um eine klare Antwort und hielten lediglich fest, solche seien nach dem Zivilrecht zulässig.

Selbst Dr. Kastein sieht sich genötigt, Napoleons folgenden Schritt als „Geniestreich“ zu bezeichnen. Er lieferte den historischen Beweis für folgende Tatsache: Wenn man die Vertreter des Judentums zwingt, öffentlich gewisse für ihre Gastvölker lebenswichtige Fragen zu beantworten, lügen sie entweder, oder sie legen in guten Treuen Versprechungen ab, die sie dann nicht halten können. Die Ereignisse der folgenden Jahrzehnte belegen nämlich, dass die wahren Machthaber innerhalb des Judentums niemals auf ihren Anspruch verzichtet haben, eine separate Nation zu vertreten. Somit errang Napoleon ungeachtet seiner späteren Niederlagen auf dem Schlachtfeld einen historischen Sieg, von dessen Früchten wir bis heute zehren.

Der französische Kaiser war darauf bedacht, von den jüdischen Führern möglichst klare Antworten zu erhalten, die auch in Zukunft für alle Juden der Welt verbindlich sein und feste Richtlinien für ihr Handeln aufstellen sollten. Zu diesem Zweck ordnete er die Einberufung des Großen Sanhedrin an.

Aus allen Teilen Europas begaben sich die Angehörigen des Sanhedrin (in Übereinstimmung mit der Tradition waren es ihrer 71, darunter 46 Rabbiner und 25 Laien) nach Paris, wo sie sich im Februar 1807 mit großem Pomp versammelten. Obgleich der Sanhedrin als solcher schon seit Jahrhunderten nicht mehr getagt hatte, war das talmudistische Zentrum in Polen erst vor kurzem in den Untergrund abgetaucht, so dass die Vorstellung einer offiziellen jüdischen Regierung noch höchst lebendig und realistisch war.

Die Konzessionen des Sanhedrin waren noch spektakulärer als die der zuvor einberufenen jüdischen Würdenträger. Er begann seine Erklärung mit einem Dank an die christlichen Kirchen für den Schutz, den diese den Juden in der Vergangenheit gewährt hatten; es lohnt sich, dieses Eingeständnis mit der gängigen zionistischen Geschichtsversion zu vergleichen, laut der die Juden unentwegt von den Christen verfolgt worden sind. Des Weiteren anerkannte der Sanhedrin das Verschwinden der jüdischen Nation als historische Tatsache. Hiermit beseitigte er das zentrale Dilemma, welches sich dadurch ergeben hatte, dass das bisher für die Juden gültige Gesetz keine Unterscheidung zwischen religiösem und zivilem Recht erlaubte. Da die „Nation“ angeblich nicht länger existierte, konnte man geltend machen, die talmudischen Gesetze, welche das Alltagsleben regelten, seien nicht länger gültig, doch die Thora als Religionsgesetz sei unantastbar. Der Sanhedrin griff prompt zu dieser Ausflucht und fügte hinzu, wenn die religiösen Gesetze im Widerspruch zu den Gesetzen eines Staates stünden, in dem Juden lebten, so hätten letztere Vorrang. Fortan werde Israel nur noch als Religion existieren und keinerlei nationalen Ansprüche mehr erheben.

Es war dies ein einzigartiger Triumph Napoleons (wer weiß, inwiefern er zu seinem Untergang beigetragen hat?). Die Juden wurden zumindest offiziell vom Talmud befreit, und der von den Leviten zweieinhalbtausend Jahre zuvor versperrte Weg zu ihrer Wiedereingliederung in die nichtjüdische Gesellschaft und ihrer Aufnahme in die Menschheit war wieder frei. Der Geist der Diskriminierung und des Hasses schien gebannt.

Die Erklärungen des Sanhedrin bildeten die Rechtfertigung für die in den folgenden Jahren überall in Westeuropa energisch erhobene Forderung nach vollen bürgerlichen Rechten.

Alle jüdischen Strömungen und Gruppierungen des Westens stellten sich aufs nachdrücklichste hinter diese Forderung.

Von nun an verwahrte sich auch das orthodoxe Judentum entrüstet gegen die Unterstellung, die Juden bildeten einen Staat im Staat. Noch weiter ging das Reformjudentum, das, so Rabbiner Moses P. Jacobson, „sämtliche Gebete abschaffte, die auch nur den Verdacht aufkommen ließen, die Juden hofften noch auf eine nationale jüdische Wiedergeburt oder strebten eine solche an“.

Somit gingen die Gegner der Judenemanzipation im Britischen Parlament ihres schlagkräftigsten Arguments verlustig. Bisher hatten sie behaupten dürfen, die Juden erwarteten „einen großen Erlöser, ihre Rückkehr nach Palästina, den Wiederaufbau ihres Tempels und die Wiedergeburt ihrer alten Religion“ und würden England deshalb „stets nur als Stätte des Exils und nicht als ihr Land betrachten“ (so Bernard J. Brown). Diese Warnungen waren voll und ganz berechtigt, verhallten jedoch ungehört. Nach kaum neunzig Jahren wurden die Erklärungen des von Napoleon einberufenen Sanhedrin faktisch widerrufen, so dass sich Bernard J. Brown zu folgendem Eingeständnis genötigt sah:

„Obwohl die Juden in fast jedem Land die dauerhafte Anerkennung ihrer Gleichberechtigung erkämpft haben, ist der jüdische Nationalismus mittlerweile zur Philosophie Israels geworden. Wir Juden dürfen uns nicht wundern, wenn man uns vorwirft, wir hätten die Gleichheit vor dem Gesetz unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erfochten, wir seien immer noch eine Nation in der Nation, und die uns zugestandenen Rechte sollten uns wieder aberkannt werden.“

Napoleon hat der Nachwelt unfreiwillig einen Dienst erwiesen, indem er den Beweis dafür lieferte, dass die von ihm erzwungenen Zusicherungen wertlos waren. In den restlichen neun Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts hämmerten die talmudistischen Herrscher der Juden ihrem Fußvolk gebührend ein, dass es für sie nur ein einziges Gesetz gab und dass dieses für sie die Richtschnur ihres Denkens und Handelns zu sein hatte. Unterstützung erhielten die Talmudisten dabei von nichtjüdischen Politikern, die ihnen Handlangerdienste leisteten wie einst der Perserkönig Artaxerxes dem Judenführer Nehemiah.

Hatten die von Napoleon einberufenen jüdischen Repräsentanten, und nach ihnen die Mitglieder des Sanhedrin, ihre Erklärungen in guten Treuen abgegeben, oder hatten sie bewusst gelogen? Die Antwort lautet vermutlich: Teils, teils. Schließlich hat es innerhalb des Judentums schon immer zwei grundverschiedene Hauptströmungen gegeben.

Ohne Zweifel waren sich die jüdischen Vertreter bewusst, dass ihre Antworten die Emanzipation der Juden auch in anderen Staaten entscheidend fördern würden. Andererseits gab es unter ihnen sicherlich solche, die aus voller Überzeugung für eine Aufnahme der Juden in die Menschheit eintraten; wie bereits erwähnt war der Impuls, die Stammesgrenzen zu durchbrechen, im Judentum schon immer lebendig, auch wenn er von der herrschenden Sekte regelmäßig unterdrückt wurde. Unter diesen Umständen darf man davon ausgehen, dass manche Delegierten es mit ihrer Erklärung ehrlich meinten, während andere von Anfang an mit gezinkten Karten spielten.

Der von Napoleon einberufene Sanhedrin wies einen grundsätzlichen Schwachpunkt auf. Er repräsentierte einzig und allein die Juden Westeuropas, die mehrheitlich sephardischer Abstammung waren und ihre Vormachtstellung innerhalb des Judentums in zunehmendem Masse einbüßten. Das talmudistische Zentrum befand sich in Russland oder dem damals russisch beherrschten Teil Polens, wo die überwiegende Mehrheit der Juden, die Aschkenasen oder Ostjuden, lebten. Falls sich Napoleon dieser Tatsache überhaupt bewusst war, scheint er ihr keine sonderliche Bedeutung beigemessen zu haben. Die östlichen Talmudisten waren im Sanhedrin nicht vertreten, und die von letzterem erteilten Antworten galten ihnen als blanke Häresie. Schließlich waren sie die Gralshüter der von Leviten und Pharisäern geschaffenen Tradition!

Mit der Einberufung des Sanhedrin in Paris fand die dritte, talmudische Phase der Geschichte Zions ihren Abschluss. Begonnen hatte sie im Jahre 70 n. Chr., als die Talmudisten nach dem Fall Jerusalems in die Fußstapfen der Pharisäer traten. Nach siebzehn Jahrhundert machte es vordergründig den Eindruck, die Fragen, welche den Gastvölkern der Juden keine Ruhe gelassen hatten, seien endgültig beantwortet.

Die Juden schienen bereit, Bestandteil der Menschheit zu werden und dem Rat ihres französischen Glaubensgenossen Isaac Berr zu folgen, der ihnen empfohlen hatte, „sich in allen nicht unmittelbar mit unserem geistigen Gesetz verknüpften Fragen von Engstirnigkeit, Gruppendenken und Isolationismus zu befreien“. In weltlichen Dingen, meinte Berr, müssten die Juden „unter allen Umständen einfach als Individuen, als Franzosen auftreten“ und sich „von Patriotismus und der Sorge um das Wohl der Völker leiten lassen“. Für den Talmud, den „Zaun um das Gesetz“, hätte dies das Aus bedeutet.

Doch all dies erwies sich als Illusion. Der heutige, nichtjüdische Forscher kann sich des Eindrucks nicht erwehren, damals sei eine einmalige Chance vertan worden während der strenggläubige Jude die Dinge natürlich grundlegend anders sieht: Für ihn konnte eine tödliche Gefahr, das Aufgehen der Juden in der Menschheit, im letzten Augenblick mit knapper Not verhütet werden.

Somit begann die vierte Epoche in der Geschichte Zions, die kurze Periode der Emanzipation im 19. Jahrhundert. Während dieser Zeit schickten sich die Talmudisten im Osten an, all das zunichte zu machen, was der Sanhedrin verkündet hatte, und die dank der Emanzipation erworbenen Rechte nicht etwa zur Gleichstellung der Juden mit den anderen Menschen, sondern ganz im Gegenteil zu deren erneuter Absonderung und Ausgrenzung zu benutzen und lauter denn je zuvor nach einer „nationalen Heimstatt“ für das jüdische Volk zu schreien. Die Juden sollten nicht bloß wieder eine Nation innerhalb der anderen Nationen werden, sondern eine Nation, die sich über alle anderen Nationen erhob.

Die Bemühungen der Talmudisten waren von Erfolg gekrönt und zeitigten Ergebnisse, deren Zeugen wir in der gegenwärtigen Periode sind. Es ist dies die fünfte Periode der Geschichte Zions, die Periode des Zionismus. Die Geschichte seiner Erfolge ist untrennbar mit jener der Revolution verbunden, der wir uns nun wieder zuwenden wollen.

Kapitel 19 

Die Weltrevolution

Um der chronologischen Reihenfolge Rechnung zu tragen, haben wir den Verlauf der Dinge bis zur Einberufung des Sanhedrin durch Napoleon geschildert. Auf die Frage des Kaisers aller Franzosen, ob sich die Juden Frankreichs als französische Bürger oder als Angehörige einer fremden Nation empfänden, antwortete der Sanhedrin, die Juden seien französische Staatsbürger mosaischen Glaubens. Diese offizielle Absage an die Idee einer separaten jüdischen Nation schloss die dritte, talmudistische Epoche in der Geschichte Zions ab und eröffnete die vierte Periode, jene der Assimilation, die rund neunzig Jahre später mit dem Bekenntnis zum jüdischen Nationalismus in seiner extremsten Form enden sollte.

Bevor wir uns der vierten Phase zuwenden, müssen wir bei unserer Darstellung der Geschehnisse um zwei Jahrzehnte zurückgehen, in jene Jahre, als der Auftakt zur Weltrevolution erfolgte; dabei müssen wir zu ermitteln versuchen, ob die Juden bei dieser eine Rolle gespielt haben, und wenn ja, welche.

Das 19. Jahrhundert sah die Geburt zweier Bewegungen, die ein konvergierendes Ziel verfolgten und bis zum Jahrhundertende eine geradezu überwältigende Schlagkraft entwickelten. Die erste dieser beiden Bewegungen, der Zionismus, zielte darauf ab, eine über unzählige Länder zerstreute Nation auf einem Territorium zusammenzuführen, das ihr vom jüdischen Gott versprochen worden war. Die zweite Bewegung, der Kommunismus, hatte die Zerstörung der Nationen als solche auf seine Fahnen geschrieben.

Somit erweckt es auf den ersten Blick den Anschein, als seien diese beiden Bewegungen einander diametral entgegengesetzt gewesen, denn schließlich erhob die erste den Nationalismus zu ihrer Religion, während ihm die zweite den Krieg bis aufs Messer erklärt hatte. Doch war dieser Antagonismus nur scheinbarer Art: in Tat und Wahrheit agitierten die beiden Bewegungen parallel; weit davon entfernt, miteinander zu kollidieren, verfolgten sie ein und dasselbe Ziel. Derselbe Gott, der eine bestimmte Nation in einem bestimmten Land versammeln wollte, hatte dieser nämlich versprochen, sie über alle anderen Völker zu erheben, ja diese Völker zu vernichten. Somit bestand die Aufgabe der Weltrevolution, die auf die Zerstörung der Nationalstaaten hinarbeitete, darin, die Voraussetzungen für die Verwirklichung des zionistischen Projekts zu schaffen; sie war also, ob bewusst oder unbewusst, nichts weiter als das Werkzeug Jahwes.

In Anbetracht dieser Ausgangslage gilt es in Erfahrung zu bringen, ob eine Beziehung zwischen den geistigen Vätern der Weltrevolution und jenen des Zionismus bestand. Gab es keine solche Beziehung, so war es reiner Zufall, dass die beiden Bewegungen ein und dasselbe Ziel anpeilten. In diesem Fall hat das Schicksal dem Abendland ganz einfach einen bösen Streich gespielt. Lässt sich hingegen eine Beziehung nachweisen, so vermitteln die Geschehnisse der letzten 170 Jahre eine Vorahnung kommender Dinge.

Diese 170 Jahre waren vermutlich die am wenigsten ruhmvollen in der Geschichte der Christenheit. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte das Abendland auf eine stolze Bilanz zurückblicken. Nie zuvor hatte der Mensch sowohl in seiner eigenen Entwicklung als auch in seinem Verhalten gegenüber seinem Mitmenschen einen dermaßen hohen Stand erreicht wie damals. Selbst die Kriegführung war gewissen zivilisatorischen Normen unterworfen worden, und alles schien darauf hinzudeuten, dass sich diese Höherentwicklung auch in Zukunft fortsetzen würde. Heute, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, ist jedoch vieles von dem Erreichten wieder verloren gegangen; ein großer Teil des Abendlandes seufzt unter der asiatischen Barbarei; die Frage, ob der restliche Teil mitsamt seinem Glauben überleben kann, hängt im Raum und wird vermutlich erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts beantwortet sein.

Die Periode, während der die christliche Welt diesen fürchterlichen Rückschlag erlebte, sah einen ungeahnten Aufstieg des jüdischen Einflusses auf die Geschicke der abendländischen Menschheit: das Judentum errang eine Machtfülle, der sich kein europäischer Potentat oder Papst je hatte rühmen können, und seine Ideologie wurde stärker als jede andere Doktrin oder Religion zuvor. Zwei Zitate mögen die Ausbreitung dieser Macht, die sich wie eine düstere Gewitterwolke vom Osten her über den europäischen Kontinent schob, veranschaulichen. 1791 schrieb der große deutsche Historiker Johann Gottfried von Herder:

„Die roheren Nationen Europas sind willige Sklaven des jüdischen Wuchers… Das jüdische Volk ist ein asiatisches Volk und bleibt es auch in Europa; es ist in unserem Weltteil ein Fremdkörper, gebunden durch ein altes Gesetz, das es in fernen Gefilden erhalten hat und dessen es sich seinem eigenen Eingeständnis zufolge nicht entledigen kann… Es ist unlöslich an ein altes Gesetz gekettet, das sämtlichen anderen Völkern feindlich gesinnt ist.“ (Rückübersetzung aus dem Englischen.)

Ein Zeitungsleser des Jahres 1807, der eben erfahren hatte, dass der Sanhedrin der Idee von einer getrennten jüdischen Nation eine Absage erteilte, hätte Herder wohl als „engstirnigen Fanatiker“ oder „Antisemiten“ etikettiert, doch die Geschehnisse der folgenden Jahrzehnte haben bewiesen, dass der deutsche Denker die reine Wahrheit, und nichts als die Wahrheit, gesprochen hatte. Ein Jahrhundert später, im Jahre 1899, erinnerte ein anderer großer Denker, Houston Stewart Chamberlain, mahnend an Herders Worte und zog eine Bilanz der seitherigen Entwicklung:

„Ein großer Wandel hat sich vollzogen: Die Juden spielen in Europa und überall, wohin sich europäischer Einfluss erstreckt, eine andere Rolle als noch vor hundert Jahren; wie Viktor Hohe sagte, leben wir heute in einem jüdischen Zeitalter. Über die frühere Geschichte der Juden mögen wir denken, was wir wollen, doch ihre heutige Geschichte nimmt in unserer eigenen einen so breiten Raum ein, dass wir uns unmöglich weigern können, sie zur Kenntnis zu nehmen… Das ‚fremde Element‘, von dem Herder sprach, wird immer bedeutsamer… Der direkte Einfluss des Judentums auf das 19. Jahrhundert erscheint zum ersten Mal als neuer Einfluss in der Geschichte der Kultur; er wird somit zu einer der brennenden Fragen unseres Lebens… Herder sagte, die roheren Nationen Europas seien willige Sklaven des jüdischen Wuchers. Heute könnte Herder dasselbe bezüglich des allergrößten Teils unserer zivilisierten Welt sagen… Unsere Regierungen, unser Recht, unsere Wissenschaft, unser Handel, unsere Literatur, unsere Kunst, fast alle Bereiche unseres Lebens sind mehr oder weniger willige Sklaven der Juden geworden und tragen die Sklavenfesseln wenn nicht an beiden, so doch wenigstens an einem Fuß…Der direkte Einfluss des Judentums auf das 19. Jahrhundert wird somit zu einer der brennendsten Tagesfragen. Wir müssen uns hier mit einem Problem auseinandersetzen, das nicht bloß die Gegenwart, sondern auch die Zukunft der Welt betrifft… Sollte der jüdische Einfluss in Europa im intellektuellen und kulturellen Bereich die Oberhand gewinnen, so hätten wir ein weiteres Beispiel einer negativen, zerstörerischen Kraft vor uns.“

Diese Worte vermitteln Aufschluss über die Entwicklung in den hundert Jahren, die Herder von Chamberlain trennten. Die letzten drei Sätze sind eine brillante Prognose, denn Chamberlain hatte die Beweise für die Richtigkeit seiner Ausführungen noch nicht gesehen; diese Beweise hat erst unser Jahrhundert erbracht.

Im Oktober 1917, als der Kommunismus (der große Zerstörer der Nationen) und der Zionismus (der Nationalismus eines auf Weltherrschaft erpichten Volkes) gleichzeitig triumphierten, erwies es sich, wie perfekt die beiden Bewegungen ihre Aktivitäten synchronisiert hatten.

In den sechzig Jahren, die seit Chamberlains Warnung verflossen sind, hat der von ihm und zuvor von Herder geschilderte Prozess ungemein an Dynamik gewonnen. Das Problem betrifft längst nicht mehr nur „die Zukunft der Welt“, wie Chamberlain schrieb, sondern ist zu einem Alltagsproblem geworden, das uns auf Schritt und Tritt begleitet. Es hat das Antlitz der Welt verändert und das Schicksal der Menschheit aufs nachhaltigste beeinflusst. Im Laufe dieser sechs Jahrzehnte sind unsere Regierenden in der Tat „willige Sklaven“ der herrschenden jüdischen Sekte geworden, und zwar in solchem Umfang, dass sie keine wirkliche Macht mehr innehaben, sondern nur noch Steigbügelhalter und Laufburschen einer neuen, internationalen Herrscherklasse sind.

Dieser traurige Zustand findet seine Erklärung darin, dass das Abendland zwischen Hammer und Amboss geraten ist, zwischen die antinationale Weltrevolution des Kommunismus und die neue, nationenbildende Ideologie des Zionismus. Der Kommunismus wirkte von unten, indem er die Massen aufwiegelte, der Zionismus von oben, indem er die Regierenden korrumpierte. Stehen hinter beiden Bewegungen ein und dieselben Kräfte? In den folgenden Kapiteln des vorliegenden Buchs wird versucht, eine erschöpfende Antwort auf diese Frage zu erteilen.

Es lässt sich unschwer nachweisen, dass jede Phase dieser für das Abendland so verheerenden siebzehn Jahrzehnte das alte jüdische Gesetz seiner Erfüllung um einen Schritt näher gebracht hat. Dies ist bereits ein so starkes Indiz für einen gemeinsamen Ursprung von Kommunismus und Zionismus, dass man es unmöglich unter den Teppich kehren kann, es sei denn, es ließe sich hieb- und stichfest widerlegen. Den „unaufgeklärten“ christlichen Massen mag der historische Prozess, den die Französische Revolution von 1789 einläutete, als bloßes Gedröhne erscheinen, doch der mit den Tatsachen vertraute Forscher erkennt dahinter die Handschrift der Weisen, die einst das Gesetz festlegten, sowie der Propheten Judas.

Das 19. Jahrhundert war eine Epoche der Verschwörung, deren Ergebnisse heute, im 20. Jahrhundert, auf der Hand liegen. Diese Verschwörung erzeugte den Kommunismus und den Zionismus, zwei Ideologien, die das Abendland in die Zange nahmen. Welches waren ihre Ursprünge? Warum keimten sie im Dunkeln, ehe sie im 19. Jahrhundert gemeinsam an die Oberfläche durchbrachen? Hatten sie eine gemeinsame Wurzel? Um diese Fragen zu beantworten, gilt es die Wurzeln jeder der beiden Bewegungen getrennt zu untersuchen; erst dann wird man zu einem sicheren Urteil darüber gelangen können, ob sie sich unter der Oberfläche vereinen. In diesem Kapitel sowie dem nächsten gehen wir der Frage nach der Wurzel der Idee von der Weltrevolution nach.

Die Französische Revolution war kein auf Frankreich beschränktes Phänomen, sondern Ausdrucksform der Weltrevolution. Hieran war vom Moment ihres Ausbruchs an kein Zweifel mehr statthaft. Frühere Revolutionen mochte sich in der Tat dadurch erklären lassen, dass sich das von arroganten Aristokraten unterdrückte Volk spontan gegen seine Peiniger erhob, doch ein sorgfältiges Studium der Hintergründe der Französischen Revolution schließt eine solche Deutung aus. Diese Revolution war das Ergebnis eines Plans sowie der Wühlarbeit einer geheimen Organisation; sowohl der Plan als auch das subversive Wirken seiner Vollstrecker waren bereits bekannt, bevor der Aufstand aufflammte. In anderen Worten, die Ursache der Geschehnisse lag mitnichten in irgendwelchen Missständen der französischen Gesellschaft begründet. Der Plan, auf dem sie beruhten, war derselbe, der heute dem Kommunismus zugrunde liegt, und der Kommunismus (also die permanente Weltrevolution) ist das geistige Kind der Organisation, die den Plan begründete.

Die Französische Revolution von 1789 liefert den Schlüssel zur Enträtselung des Geheimnisses. Sie war das Zwischenglied zwischen der Englischen Revolution von 1640 und der Russischen Revolution von 1917 und lässt erkennen, dass wir es mit einem geplanten, kontinuierlichen Prozess zu tun haben, der, nachdem diese drei Phasen nun abgeschlossen sind, mit Sicherheit in nicht allzu ferner Zukunft, vermutlich noch in diesem Jahrhundert, seine Apotheose erleben wird. Diese wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in einem Versuch bestehen, die Weltrevolution durch die Einsetzung einer Weltregierung unter der Kontrolle jener Organisation, die den revolutionären Prozess von Beginn an gelenkt hat, zu krönen und zu vollenden. Eine solche Entwicklung käme der Machtergreifung einer neuen Herrscherklasse und der totalen Entrechtung der Nationen gleich.

Dieses Bild, das sich im Verlauf von drei Jahrhunderten nach und nach herauskristallisiert hat, weist heutzutage scharf umrissene historische Konturen auf. Jede der drei großen Revolutionen lässt sich im Lichte der folgenden betrachten:

(1) Die Englische Revolution erschien den Zeitgenossen als Angelegenheit, welche ausschließlich die britischen Inseln betraf, als spontane Rebellion, die sich gegen die Ansprüche eines bestimmten Königshauses, des Hauses Stuart, sowie gegen eine bestimmte, verächtlich „Papistentum“ genannte Religion richtete. Niemand wäre damals auf den Gedanken verfallen, sie als Ausgangspunkt einer weltweiten Bewegung aufzufassen, deren Ziel die Abschaffung aller Religionen und jeder Form legitimer Herrschaft war. Die herrschende jüdische Sekte unterstützte den revolutionären Diktator (Oliver Cromwell) finanziell; mittels dieser bewährten Methode wurden die Judenführer zu den hauptsächlichen Sponsoren der Revolution. Dass sie bei deren Anzettelung die Hand im Spiel gehabt hätten, lässt sich freilich nicht nachweisen, ebenso wenig wie sich nachweisen lässt, dass diese Revolution langfristig geplant war.

(2) Die Natur und der Verlauf der Französischen Revolution erlaubt es dem Historiker jedoch, die Englische Revolution in neuem Lichte zu betrachten. Dass der Aufstand von 1789 keinesfalls eine rein französische, einzig und allein durch die in Frankreich herrschenden Bedingungen ausgelöste Episode war, begriffen einsichtige Beobachter von Anfang an. Ihr lag im Gegenteil ein Plan für eine Weltrevolution zugrunde, der bereits einige Jahre zuvor aufgedeckt und publik gemacht worden war. Aus diesem Grunde lassen sich die charakteristischsten Episoden dieser Revolution, der Königsmord sowie die blutige Verfolgung der christlichen Religion, ganz unmöglich als spontane, von aufgeputschten Hitzköpfen begangene Racheakte deuten; sie waren wohlkalkulierte, symbolische Akte, die auf die Existenz eines langfristigen Plans und eines klaren Ziels hindeuteten: Der Zerstörung jeglicher Form von Religion und legitimer Herrschaft überall auf der Welt. Diese Erkenntnis legt logischerweise die Vermutung nahe, dass auch die Englische Revolution von derselben geheimen Organisation vorbereitet und durchgeführt worden sein könnte, die auf die Vernichtung aller Nationalstaaten hinarbeitete.

Genau wie bei der Englischen Revolution gehörte das Judentum auch bei der Französischen zu den Hauptgewinnern. Den Juden wurden volle Bürgerrechte gewährt, mit dem Ergebnis, dass sie die neu gewonnenen Freiheiten in den anschließenden Jahrzehnten als Deckmantel für konspirative Tätigkeit nutzten. Anhand der vorhandenen Dokumente lässt sich jedoch nicht nachweisen, dass Juden an der Planung und Durchführung der Französischen Revolution maßgeblich beteiligt gewesen wären.

Rekapitulieren wir: Im Gegensatz zur Englischen Revolution war die Französische nachweislich das Ergebnis einer lange zuvor eingefädelten Verschwörung. Von diesem Augenblick an war die Natur des Plans für jedermann erkennbar, doch sofern es gelang, die Drahtzieher zu entlarven, erschienen diese als lose Ansammlung von Individuen, die nichts gemein hatten außer der Lust des Brandstifters am Zerstören. Was die Revolutionäre im Schilde führten, lag mittlerweile auf der Hand, doch wer sie waren, blieb immer noch ein Geheimnis. Eine anerkannte Autorität auf diesem Gebiet, Lord Acton, hat es prägnant formuliert:

„Das Fürchterliche an der Revolution ist nicht der Tumult, sondern der Plan. Durch Feuer und Rauch hindurch erkennen wir den Beweis für eine wohldurchdachte Organisation. Die Drahtzieher bleiben sorgfältig verborgen und maskiert, doch an ihrer Existenz kann von Anfang an kein Zweifel bestehen.“

Somit war hinter der Französischen Revolution ein Plan zu erkennen, und dieser Plan verfolgte weltweite Ziele. Was zur Zeit der Englischen Revolution noch als spontaner Aufstand erschien, wies nun plötzlich alle Merkmale eines langfristig durchdachten Projekts auf, und die Verschwörung war offenkundig dermaßen mächtig und dermaßen langfristig eingefädelt, dass man sich des Verdachts nicht erwehren konnte, bereits die erste, die Englische Revolution sei ihr Werk gewesen. Doch auch bei der zweiten, der Französischen Revolution blieben die wahren Drahtzieher im Dunkeln, so dass sich das Geheimnis lediglich zur Hälfte entschlüsseln ließ. (Lord Acton starb 1902, so dass es ihm nicht mehr beschieden war, die dritte Revolution zu erleben.)

(3) Die dritte Revolution gab ihrerseits Anstoß zu allerlei Theorien über den Charakter ihrer beiden Vorgängerinnen. Ihre Visitenkarten, der Mord an der Zarenfamilie und die grauenhafte Verfolgung des christlichen Glaubens, ließen von Anfang an mit aller Deutlichkeit erkennen, dass sie die nächste Etappe jenes weltweiten Zerstörungsplans darstellte, dessen Existenz die Französische Revolution unmissverständlich bewiesen hatte. Was eben noch ein eifersüchtig gehütetes Geheimnis gewesen war, nämlich der permanente Charakter der Weltrevolution, wurde ab 1917 offen und ungeniert proklamiert, und die einst streng geheime Verschwörung wurde zu einer weltweit agierenden politischen Partei, die ihre Befehle aus dem zentralen Hauptquartier in Moskau erhielt. Doch die Drahtzieher, die, um Lord Acton zu zitieren, zuvor „sorgfältig verborgen und maskiert“ gewesen waren, streiften ihre Masken nun jäh ab und traten ins Rampenlicht. Fast alle Führer der Russischen Revolution waren Ostjuden. Die bedeutungsschweren, symbolischen Bluttaten, mit denen sich diese Revolution gleich zu Beginn befleckt hatte, die Abschlachtung der Zarenfamilie und die Massenmorde an Priestern, waren ebenfalls das Werk von Juden. Allerdings wurde in der Sowjetunion alsbald ein Gesetz erlassen, das jede Erörterung der jüdischen Rolle bei der Oktoberrevolution, oder der „Judenfrage“ allgemein, unter Strafe stellte.

Somit lieferten die Ereignisse eine Antwort auf kapitale Fragen; was 1789 noch ein Geheimnis gewesen war, trat 1917 für jeden Einsichtigen klar zutage. Für den heutigen Historiker ist das Studium der Französische Revolution von unschätzbarem Wert, liefert sie doch den Beweis für die Existenz eines Plans zur Weltrevolution sowie einer Organisation, welche dieses zerstörerische Ziel auf ihre Fahnen geschrieben hat. Ihr Vorhandensein machte das 19. Jahrhundert zu einem Jahrhundert der großen Verschwörung. Wie ein Gefangener nachts angstvoll den dumpfen Geräuschen lauscht, die seinen Kerker erfüllen, empfanden Menschen und Nationen im 19. Jahrhundert dumpfe Furcht vor einem unbekannten Bösen. Dies war das Gefühl, das die Verschwörung auf ihre Umwelt hinterließ. Seit der Französischen Revolution wussten die Menschen instinktiv, dass in ihrer Mitte Verschwörer wirkten. Wir, die wir die Ergebnisse der Verschwörung am eigenen Leibe erfahren haben, können immerhin erkennen, womit wir es zu tun haben, immer vorausgesetzt, wir wollen es erkennen. Der Teufel hat seinen Pferdefuß längst gezeigt.

Vielleicht bestand der größte Schaden, den Napoleon angerichtet hat, darin, dass er die Gedanken der Menschen mit seinen Feldzügen und spektakulären Eroberungen von der unvergleichlich größeren Gefahr ablenkte, die sich damals zusammenbraute: Die Weltrevolution und ihre Drahtzieher. Ohne den Wirbel, den Napoleon auf der weltpolitischen Bühne entfachte, hätte die Menschheit der Verschwörung vielleicht mehr Beachtung geschenkt, denn für deren Existenz gab es nun eindeutige Beweise.


 

Kapitel 20

Der Plan

Nachdem die bayerische Regierung im Jahre 1786 die Dokumente der von Adam Weishaupt geleiteten Geheimgesellschaft der „Illuminaten“ beschlagnahmt und sie im Jahr darauf veröffentlicht hatte, lag ein hieb- und stichfester Beweis für die Existenz einer Verschwörung vor. Die Dokumente enthüllten nämlich den Plan für eine Weltrevolution sowie das Vorhandensein einer mächtigen Organisation, deren Angehörige teilweise gesellschaftliche Spitzenpositionen einnahmen. Fortan war kein Zweifel mehr daran statthaft, dass es in allen Ländern und Gesellschaftsklassen Männer gab, die sich zusammengetan hatten, um alle legalen Regierungen zu stürzen und alle Religionen zu vernichten. Als die Beweise für die Existenz dieser Verschwörerorganisation ans Licht gekommen waren, tauchte sie sofort wieder in den Untergrund ab, überlebte jedoch und arbeitete weiterhin zielstrebig auf die Verwirklichung ihres Plans hin; 1917 ließ sie dann die Maske fallen und trat mit einem Paukenschlag ins Rampenlicht. In Gestalt der internationalen kommunistischen Bewegung verfolgt sie ihre anno 1786 durch den Coup der bayerischen Regierung bloßgestellten Ziele seither ohne jede Tarnung weiter, wobei sie sich jener Methoden bedient, die in den beschlagnahmten Dokumenten dargelegt worden waren.

Die Veröffentlichung der Weishaupt-Dokumente wurde durch einen Zufall ermöglicht, der nicht minder bizarr war als die Sicherstellung der Whittaker-Chamber-Papiere im Jahre 19482. Es handelte sich lediglich um einen kleinen Teil der dokumentarischen Belege für die Realität der Verschwörung; der Hauptteil war vor 1786 vernichtet worden, nachdem das eine oder andere über das Treiben und die Pläne der Illuminaten durchgesickert war – teils durch die Prahlereien einiger Angehöriger des Ordens, teils durch die Enthüllungen von Mitgliedern, die sich (wie Chambers 160 Jahre später) von der Organisation, der sie angehörten, abgestoßen fühlten, nachdem sie ihre wahre Natur durchschaut hatten. Beispielsweise wurde die Herzogswitwe Maria Anna von Bayern 1783 von ehemaligen Illuminaten darüber unterrichtet, dass der Orden jede Religion als „Unsinn“ betrachtete (Lenins „Opium für das Volk“), Patriotismus für „kindisch“ hielt, die Ansicht vertrat, der Mensch solle sich bei der Gestaltung seines Lebens von der Leidenschaft und nicht von der Vernunft lenken lassen, es für statthaft erachtete, seine Feinde zu vergiften etc. Als Ergebnis dieser und anderer ihm zugegangener Informationen erließ der Herzog von Bayern 1785 ein Edikt gegen die Illuminaten; diese wurde als Zweig der Freimaurerei bezeichnet, und es wurde Regierungsbeamten, Angehörigen des Heeres, Professoren, Lehrern und Studenten verboten, dem Orden beizutreten. Die Gründung von Geheimgesellschaften (d.h. von nicht ordnungsgemäß registrierten Vereinigungen) wurde ganz allgemein untersagt.

Das Verbot (das selbstverständlich nicht durchgesetzt werden konnte, weil sich Geheimgesellschaften per definitionem nicht per Dekret auflösen lassen) war für die Verschwörer ein Warnschuss vor den Bug. Laut zwei Historikern der Illuminatenbewegung, C. F. Forester und Leopold Engel, wurde „eine erhebliche Anzahl der wertvollsten Papiere des Ordens entweder sorgfältig verborgen oder verbrannt“, so dass „nur wenige Dokumente überlebt haben, denn die meisten waren zerstört worden, und Beziehungen zu Außenstehenden waren zwecks Vermeidung von Verdacht abgebrochen worden“. In anderen Worten: Der Orden tauchte ab. Unter diesen Umständen können die 1786 vorgefundenen Dokumente lediglich die Spitze des Eisbergs gewesen sein. Forestier schreibt, 1784 (dem letzten Jahr, in dem die Illuminaten ihre Macht nicht nur nicht vertuschten, sondern regelrecht damit protzten) habe sich der Orden von seinem bayrischen Stützpunkt aus „über ganz Mitteleuropa vom Rhein bis zur Weichsel und von den Alpen bis zur Ostsee“ erstreckt; zu seinen Mitgliedern hätten „junge Menschen, welche die ihnen eingebläuten Prinzipien später in die Praxis umsetzten“, ebenso gehört wie „Beamte aller Art, die ihren Einfluss für die Ziele des Ordens geltend machten, Kleriker, die Gefallen daran fanden, ‚tolerant‘ zu sein, sowie Fürsten, auf deren Schutz der Orden zählen konnte und die er zu kontrollieren hoffte“. Dem Leser wird nicht entgangen sein, dass diese Schilderung wie ein Spiegelbild des Kommunismus in unseren Tagen anmutet, abgesehen vom Hinweis auf die „Prinzen“, deren Zahl seit 1784 empfindlich geschrumpft ist.

Obschon die vorgefundenen und veröffentlichten Papiere keinen Aufschluss über die zahlenmäßige Stärke und den Einfluss der Illuminaten vor allem in Frankreich, England und Amerika vermittelten, warfen sie ein grelles Licht auf die Natur der Gesellschaft und ihre zerstörerischen Ziele. 1785 war ein Abgesandter des Ordens während einer Reise nach Schlesien vom Blitz getroffen worden. Die bei ihm entdeckten Dokumente führten dazu, dass die Häuser zweier führender Illuminaten durchsucht wurden. Ein Briefwechsel zwischen „Spartakus“ (Adam Weishaupt) und den „Areopagiten“ (seinen engsten Vertrauensmännern) sowie andere Papiere enthüllten das ganze Ausmaß des Plans zur Weltrevolution, dessen Ergebnisse wir im 20. Jahrhundert unter dem Namen „Kommunismus“ so hautnah kennengelernt haben.

Niemand wird heute ernstlich behaupten wollen, dieser grandiose Zerstörungsplan sei dem Gehirn eines bayrischen Professors entsprungen. Sehr viel glaubhafter wirkt da Nesta Websters These, wonach Weishaupt und seine Verbündeten nichts anderes taten, als eine furchterregende Kraft, die seit Jahrhunderten geschlummert hatte, zu erwecken und auf die Welt loszulassen.

Als Weishaupt den Illuminatenorden am 1. Mai 1776 gründete, war er Dekan der juristischen Fakultät an der Universität von Ingolstadt (auch heute unterrichten Professoren, die insgeheim kommunistischem Gedankengut huldigen, oft an den juristischen Fakultäten). Er war von den Jesuiten erzogen worden, die er später hasste; von ihnen übernahm er, freilich unter umgekehrten ideologischen Vorzeichen, das Geheimnis der Organisation, die Methode, die (wie sich sein Gesinnungsgenosse Mirabeau ausdrückte) darin bestand, dass „Männer, welche über die Welt zerstreut waren, unter einem Oberhaupt auf ein und dasselbe Ziel hin arbeiteten“. Die Idee, Männer durch eine Verschwörung aneinanderzuketten und zur Erreichung eines Ziels zu benutzen, das sie nicht verstehen, findet sich in sämtlichen von der bayrischen Regierung sichergestellten Briefen und sonstigen Dokumenten der Illuminaten.

Diese Idee wird mit leidenschaftlichem Eifer präsentiert, und die vielen Wege zu ihrer Verwirklichung zeugen von höchstem Einfallsreichtum. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die Ersteller dieser Dokumente die gesammelten Erfahrungen der Verschwörer früherer Zeiten zunutze gemacht haben; bei ihrer Suche nach den Quellen dieser trüben und perversen Doktrin stieß Nesta Webster bereits in den ersten christlichen Jahrhunderten, ja noch früher, auf handfeste Belege. Hierzu ein Beispiel: Laut Sylvestre de Sacy trieb im 8. Jahrhundert innerhalb des Islam eine subversive Sekte ihr Unwesen, deren Strategie darin bestand, „überall und in allen Klassen der Gesellschaft“ Anhänger zu rekrutieren, mit dem Ziel, den überlieferten Glauben sowie die bestehende Regierung zu zerstören. Der Führer dieser „Ismailiten“, Abdullah Ibn Maymun, plante „eine riesige Geheimgesellschaft mit zahlreichen Stufen der Einweihung zu begründen; dieser sollten Freidenker, welche die Religion als Instrument zur Unterdrückung der Menschen betrachteten, ebenso angehören wie Eiferer aller Sekten“. Gemäß einem anderen Fachmann auf diesem Gebiet, Reinhart Dozy, erreichte Abdullah Ibn Maymun „mit diesen Mitteln das außergewöhnliche Ergebnis, dass eine große Zahl von Menschen verschiedener Glaubensrichtungen einträchtig auf ein Ziel hinarbeiteten, das nur wenigen von ihnen bekannt war“. Diese Schilderung lässt sich mühelos auf die Methoden und Erfolge Adam Weishaupts und des Kommunismus übertragen; in der Literatur der Kabbalisten, der Gnostiker und der Manichäer finden sich zahlreiche Parallelen.

Die Weishaupt-Dokumente sind unbestreitbar echt: Indem die bayerische Regierung es allen Interessenten freistellte, die Papiere in den Münchner Archiven zu besichtigen, durchkreuzte sie von vorneherein jeden Versuch, sie als Fälschungen abzutun.

Aus den Dokumenten gingen drei grundlegende Dinge hervor: Erstens die Ziele der Gesellschaft, zweitens die Methoden, nach denen der Orden organisiert war, und drittens die Mitgliederschaft, wenn auch nur in einem verhältnismäßig kleinen Gebiet (vor allem den süddeutschen Staaten). Im Folgenden werden wir auf alle drei Punkte eingehen.

Die Grundidee des Ordens ging aus dem Briefwechsel zwischen „Spartakus“ und seinen ebenfalls unter Pseudonymen agierenden Mitverschwörern mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit hervor und bestand in der Zerstörung sämtlicher bestehender Regierungen, Nationen und Religionen, um einer neuen herrschenden Klasse, jener der Illuminaten, den Weg zur Macht zu ebnen. Henri Martin resümiert die Ziele der Geheimgesellschaft wie folgt: „Abschaffung des Eigentums, der gesellschaftlichen Autorität und der Nationalität; Rückkehr des Menschengeschlechts zu jenem glücklichen Zustand, in dem sie eine einzige Familie ohne künstlich geschaffene Bedürfnisse und ohne unnütze Wissenschaften war. Jeder Vater wird Magistrat und Priester zugleich sein – Priester was für einer Religion, wissen wir nicht, denn obwohl sich Weishaupt oft auf den Gott der Natur berief, deutet vieles darauf hin, dass er keinen anderen Gott hatte als die Natur selbst.“

Dies wird von Weishaupt selbst bestätigt: „Fürsten und Nationen werden verschwinden… Die Vernunft wird die einzige Richtschnur des Menschen sein.“ In all seinen Schriften findet sich nicht die Spur eines Hinweises auf eine göttliche Macht außerhalb des Menschen.

Die Attacken gegen „Könige und Fürsten“ waren lediglich ein Tarnmäntelchen für den wirklichen Angriff, jenen auf jede Form der Nation (die seitherigen Entwicklungen haben drastisch gezeigt, dass die Kommunisten in unseren Tagen, wo Könige und Fürsten zur Mangelware geworden sind, proletarische Premierminister und Politiker genau so kaltblütig über die Klinge springen lassen wie gekrönte Häupter), und die Kritik an den „Priestern“ war nichts weiter als ein Rauchvorhang, hinter dem sich der Angriff auf jegliche Form von Religion verbarg. In beiden Fällen ging das wahre Ziel aus Weishaupts eigener Korrespondenz mit seinen Vertrauensmännern hervor, während die vorgetäuschten Ziele für Illuminaten minderen Ranges gedacht waren – oder für die Öffentlichkeit, falls diese Wind von den Ränken des Ordens bekam. Weishaupts bewundernswertes Geschick bei der Rekrutierung wichtiger Persönlichkeiten, die sich ihm anschlossen, um ihre „fortschrittliche“ oder „liberale“ Gesinnung unter Beweis zu stellen, wird durch die Zahl der Adeligen und Priester belegt, die auf den Mitgliederlisten seiner Organisation figurierten.

Das schlagendste Beispiel für seinen Erfolg und für die Mühelosigkeit, mit der er seine Methoden der konkreten Situation anpasste, war sein Umgang mit der Religion. Sein Angriff auf die Religion war in jenen Tagen ungleich waghalsiger und schockierender als in unseren; schließlich haben wir lange genug mit bekennenden Kommunisten zusammengelebt, um uns mit einer Denkweise vertraut zu machen, die zu Weishaupts Zeiten kaum fassbar schien, nämlich dass der Mensch, nachdem er den Weg zur Idee Gottes gefunden hat, wieder den umgekehrten Weg einschlagen soll!

Ursprünglich hatte Weishaupt mit dem Gedanken geliebäugelt, die Anbetung des Feuers zur Religion des Illuminatentums zu machen. Dies hätte ihm unter dem Klerus allerdings kaum Anhänger beschert, so dass er schon bald auf eine weit klügere Strategie verfiel, der Heerscharen von Priestern auf dem Leim krochen. Er behauptete nämlich, Jesus habe eine „geheime Lehre“ besessen, die zwar nie im Klartext offenbart worden sei, die man jedoch erschließen könne, wenn man in den Evangelien nur fleißig genug zwischen den Zeilen lese. Diese geheime Lehre solle die bestehende Religion ersetzen und an ihrer Stelle die Vernunft auf den Thron heben; wenn die Vernunft zur Religion der Menschheit geworden sei, ließen sich alle Probleme lösen. Die Idee, einer Geheimgesellschaft beizutreten, deren wahrer Begründer Jesus gewesen war, erwies sich für viele Angehörige des Klerus als unwiderstehlich: Bereitwillig durchschritten sie das Tor, das sich vor ihnen auftat. Für die damalige Zeit war dies fürwahr außergewöhnlich, während kommunistische Priester heutzutage fast schon eine Alltagserscheinung sind.

Die Illuminatenführer machten sich privat über ihre naiven Gefolgsleute lustig. So schrieb Weishaupts führender Mitarbeiter „Philo“ (hinter dem Pseudonym verbarg sich der hannoveranische Baron von Knigge): „Wir sagen dann, Jesus habe keine neue Religion einführen, sondern lediglich die Naturreligion und die Vernunft in ihren alten Rechten wiederherstellen wollen… Es gibt viele Stellen in der Bibel, auf die man sich hierbei stützen kann; deshalb hören sämtliche Streitereien zwischen den Sekten auf, wenn man in der Lehre Jesu einen vernünftigen Sinn finden kann, mag dieser nun zutreffen oder nicht. Weil die Leute sehen, dass wir die einzigen wirklichen und wahren Christen sind , können wir das eine oder andere Wort gegen die Priester und Fürsten fallen lassen, aber ich habe es so eingerichtet, dass wir nach vorhergehender Prüfung Päpste und Könige in diesen [für den Klerus und den Adel bestimmten] Grad aufnehmen können. In den höheren Mysterien müssen wir dann: a) Den frommen Betrug enthüllen, und b) Gestützt auf alle Schriften den Ursprung sämtlicher religiösen Lügen und den Zusammenhang zwischen ihnen offenbaren…“

„Spartacus“ war hochzufrieden: „Ihr könnt euch nicht vorstellen, welches Aufsehen unser Priestergrad auslöst. Das Wundervollste ist, dass große protestantische und reformierte Theologen, die dem Illuminatentum angehören, immer noch glauben, die von diesem gelehrte Religion atme den wahren und echten Geist des Christentums. Oh Mensch, was kann man dir nicht alles weismachen! Ich hätte nie geglaubt, dass ich der Begründer einer neuen Religion werden würde.“

Indem er Priester davon zu überzeugen vermochte, dass eine Unreligion der wahre Glaube und der Antichrist das wahre Christentum sei, brachte Weishaupt seinen Orden in Bayern einen großen Schritt vorwärts. Mit Genugtuung konstatierte er, dass alle den Illuminaten fern stehenden Professoren von der Universität Ingolstadt gefeuert worden waren, dass die Gesellschaft ihre klerikalen Angehörigen mit „handgreiflichen Vorteilen, Gemeinden, Positionen am Hof“ belohnt hatte, dass die Schulen der Kontrolle der Illuminaten unterstanden und dass sich das Seminar für junge Priester schon bald in den Händen des Ordens befinden würde, worauf es diesem möglich sein werde, „ganz Bayern mit passenden Priestern zu versorgen“.

Weishaupts Feindschaft gegen die Religion war das hervorstechendste Merkmal seiner Lehre. Seine Vorstellungen vom „Gott der Vernunft“ und dem „Gott der Natur“ erinnern auffallend an jene primitive Religion, die das Judentum für die Goyim vorsieht; da aus dem Illuminatentum der Kommunismus hervorging und die kommunistische Bewegung unter jüdische Kontrolle geriet, verdient diese Tatsache gebührende Beachtung. Laut dem jüdischen Religionsgesetz werden die Nichtjuden keinen Anteil an der kommenden Welt haben und besitzen keinen Anspruch auf irgendeine Religion außer derjenigen der Vernunft und der Natur, just jene Religion also, die Weishaupt predigte. Moses Mendelssohn3 äußerte sich laut seinen Memoiren wie folgt:

„Unsere Rabbiner lehren einmütig, dass die geschriebenen und mündlichen Gesetze, die gemeinsam unsere offenbarte Religion bilden, nur für unsere eigene Nation verbindlich sind . Moses überlieferte uns ein Gesetz, ja das Erbe der Gemeinschaft Jakobs. Wir glauben, dass alle anderen Nationen der Erde von Gott dazu angeleitet worden sind, der Naturreligion anzuhängen… Jene, die ihr Leben getreu den Vorschriften der Religion der Natur und der Vernunft gestalten, werden tugendhafte Menschen anderer Nationen genannt.“

Dieser Autorität zufolge hat Gott die Nichtjuden also aus seiner Gemeinschaft ausgeschlossen und ihnen befohlen, einzig und allein die Gebote der Religion der Vernunft und Natur zu befolgen. Dies entspricht haargenau dem, wozu Weishaupt seine Anhänger anhielt. Falls die talmudistischen Rabbiner keinen Anteil an der Begründung des Illuminatenordens hatten (und bisher hat kein Forscher beweisen können, dass dies der Fall gewesen wäre), tritt der Grund dafür, dass die Juden später eine führende Rolle beim Kommunismus gespielt haben, klar zutage.

Soviel zu den Zielen der Illuminaten; sie entsprachen vollumfänglich jenen des Kommunismus in unseren Tagen. Bezüglich der Methoden, mit denen diese Ziele erreicht werden sollten, lässt sich sagen, dass dabei alle Niederträchtigkeiten, deren der Mensch fähig ist, zum Zuge kamen. Unter den Dokumenten fanden sich zwei Pakete mit Papieren, welche die Öffentlichkeit damals besonders entsetzten. Sie enthielten Beweise dafür, dass der Orden das Recht beanspruchte, über Leben und Tod seiner Mitglieder zu entscheiden, ferner Lobpreisungen des Atheismus, die Schilderung einer Maschine zur automatischen Zerstörung von Geheimpapieren, Anleitungen für die Durchführung von Abtreibungen, die Fälschung von Siegeln, die Herstellung giftiger Parfüme und Geheimtinte und dergleichen mehr. Dies alles gemahnt an die Ausstattung eines kommunistischen Labors und mag heutzutage nicht mehr besonders aufregend wirken, doch 1787 erweckten diese Enthüllungen bei den Bewohnern des katholischen Bayern den Eindruck, sie hätten dem Teufel in den Rachen geblickt.

Unter anderem enthielten die Weishaupt-Dokumente ein Diagramm, das Aufschluss über die Art und Weise vermittelte, wie „Spartacus“ die Kontrolle über seine Organisation ausübte. Es erinnert an einen Kettenbrief oder eine Bienenwabe und ist mit dem legendären „Zellensystem“ kommunistischer Untergrundorganisationen identisch. Dieses System zeugt von höchster Intelligenz, aber auch von jahrhundertelanger Erfahrung, denn solche Methoden sind zwangsläufig die Frucht einer langen Versuchsperiode. Das Geheimnis besteht darin, dass jeder Schlag gegen eine solche Organisation bestenfalls lokale Erfolge zeitigen kann, welche die Struktur als Ganzes nicht ernsthaft zu erschüttern vermögen, da diese solche Niederlagen immer wieder ausbügeln kann. Wenn einige Verbindungen (oder Zellen) zerstört werden, können sie in absehbarer Zeit neu aufgebaut werden, und in der Zwischenzeit funktioniert die Organisation ohne nennenswerten Schaden weiter.

Im Zentrum des Netzes saß Weishaupt, und er hielt sämtliche Fäden in der Hand. „Man muss zeigen, wie leicht es für einen klugen Kopf wäre, Hunderte oder gar Tausende von Männern zu leiten“, schrieb er über das Diagramm und fügte unter diesem hinzu: „Unmittelbar unter mir stehen zwei Männer, die mir restlos ergeben sind; jeder von diesen beiden hat zwei weitere Männer unter sich, und so weiter. Auf diese einfache Weise kann ich tausend Männer in Bewegung setzen und zum Handeln veranlassen; auf diese Weise muss man Befehle erteilen und auf die Politik einwirken.“

Als die Dokumente der Illuminaten veröffentlicht wurden, erfuhren die meisten Mitglieder des Ordens, dass Weishaupt ihr Oberhaupt war; zuvor war dies lediglich seinen engsten Vertrauten bekannt gewesen. Die große Masse der Angehörigen hatte bloß gewusst, dass sie einem „geliebten Führer“ oder „großen Bruder“ unterstand, einem allweisen, aber strengen Wesen, das die Welt mit ihrer Hilfe neu gestalten würde. Somit hatte Weishaupt das „außergewöhnliche Ergebnis“ erreicht, das man Abdullah Ibn Maymun in der islamischen Welt zuschreibt: Unter seiner Leitung arbeitete eine „Vielzahl von Menschen verschiedener Glaubensrichtungen einträchtig auf ein Ziel hin, das nur wenige von ihnen kannten“.

Die Tatsache, dass jeder dieser Gimpel lediglich jene zwei anderen Gimpel kannte, mit denen er persönlich zusammenarbeitete, hätte nicht ausgereicht, um ein solches Resultat zu bewerkstelligen. Mit welchen Mitteln wurden die Illuminaten zusammengehalten? Die Antwort lautet, dass Weishaupt das Geheimnis entdeckte (oder ihm dieses von einer höheren Intelligenz offenbart wurde), das die Weltrevolution heute, im Zeitalter des Kommunismus, zusammenkittet und auf dem ihre Stärke beruht: Terror.

Alle Angehörigen des Ordens nahmen „erleuchtete“ Namen an, deren sie sich im Verkehr miteinander sowie in ihrer Korrespondenz bedienten. Diese Praxis der Decknamen ist noch heute üblich. Als die Kommunisten in Russland 1917 die Macht ergriffen, lernte die Welt ihre Führer unter Pseudonymen kennen, die bis zum heutigen Tage in den Geschichtsbüchern stehen. Die Enthüllungen über die kommunistische Untergrundtätigkeit in Amerika, Kanada, England und Australien von 1945 bis 1955 belegen, dass die Männer, die als kommunistische Agenten im Regierungsapparat dieser Staaten tätig waren, ebenfalls unter Decknamen gewirkt hatten, wie es seit Weishaupts Zeiten üblich war.

Weishaupts Orden war nach Graden oder Kreisen aufgebaut, wobei der äußere Kreis aus Neulingen oder Gimpeln minderen Ranges bestand. Die Aufnahme in einen höheren Grad ging Hand in Hand mit der Einweihung in weitere Einzelheiten des großen, geheimnisvollen Plans. Weishaupt rekrutierte mit Vorliebe junge Männer zwischen 15 und 30, da diese am leichtesten zu beeinflussen sind. (Diese Praxis wurde in unseren Tagen fortgesetzt: Alger Hiss, Harry Dexter White, Whittaker Chambers, Donald Maclean, Guy Burgess und viele andere gingen den Werbern an amerikanischen oder britischen Universitäten ins Netz.) Mit der Rekrutierung einer immer größeren Zahl von Mitgliedern sowie dem Auftauchen unvorhergesehener Schwierigkeiten kamen neue Grade hinzu. Wir haben bereits erwähnt, mit welchen Mitteln der Orden Geistliche köderte. Auch hier traten die Kommunisten in die Fußstapfen Weishaupts, indem sie ihren Anhängern einredeten, Jesus sei der erste Kommunist gewesen; sie taten also nichts anderes, als das Wort „Illuminat“ durch das Wort „Kommunist“ zu ersetzen. Man erkennt, dass die Methoden, mit denen der Orden seine Mitglieder anwarb, auf den individuellen Hintergrund der Opfer zugeschnitten waren.

Die jungen Männer, die man für die Verschwörung anwarb, wurden bei einer furchteinflößenden Zeremonie vereidigt, zu der auch die Nachäffung der christlichen Sakramente gehörte. Es wurde von ihnen verlangt, ein Dossier über ihre Eltern anzulegen, in dem ihre „vorherrschenden Leidenschaften“ aufgelistet waren, und sich gegenseitig auszuspionieren. Auch diese Praktiken werden im Kommunismus weitergeführt; eine mögliche Quelle ist hier das „mosaische Gesetz“, das seinen Anhängern befiehlt, der Häresie verdächtigte Verwandte zu denunzieren und die Wächter von anderen Wächtern überwachen zu lassen.

Ein junger Illuminat musste zwangsläufig den Eindruck erhalten, dass er nie wissen konnte, wieviele unbekannte Vorgesetzte jeden seiner Schritte mit Argusaugen beobachteten; schließlich kannte er nur seine unmittelbaren Vorgesetzten. Er wurde angewiesen, seine Umgebung auszuspionieren, und folgerte daraus, dass man auch ihn ausspionierte. Dies ist das Grundprinzip des Terrors; um diesen wirklich wirksam zu machen, reichen Mord, Folter und Kerker allein nicht aus. Es bedarf dazu der Einsicht, dass man niemandem trauen darf, nicht einmal seinem eigenen Sohn oder Vater oder Freund; erst dieses Bewusstsein erzeugt die erwünschte vollkommene Unterwerfung. Seit Weishaupts Zeiten hat dieser geheime Terror in den Ländern des Westens stets existiert. Wer ihn nie persönlich kennengelernt hat, kann sich ein Bild von seiner gegenwärtigen Schlagkraft machen, indem er liest, wie sich Whittaker Chambers vor der Rache seiner kommunistischen Herren verbarg, nachdem er sich dazu durchgerungen hatte, mit ihnen zu brechen.

Aus den Weishaupt-Papieren ging hervor, dass der Illuminatenorden zehn Jahre nach seiner Gründung mehrere tausend Mitglieder zählte, von denen ein erheblicher Teil wichtige gesellschaftliche Positionen einnahm und folglich in der Lage war, auf das Handeln von Herrschern und Regierungen einzuwirken – ganz abgesehen davon, dass er sogar gekrönte Häupter zu den Seinen zählte: Wie der Marquis de Luchet berichtete, schlossen sich rund dreißig regierende und nichtregierende Fürsten nichtsahnend einem Orden an, deren Führer die Vernichtung des Adels auf ihre Fahnen geschrieben hatten! Dazu gehörten die Herzoge von Braunschweig, Gotha und Sachsen-Weimar, die Fürsten von Hessen und Sachsen-Gotha sowie der Kurfürst von Mainz. Auch Fürst von Metternich, der berühmte Pädagoge Heinrich Pestalozzi, Botschafter, Politiker und Professoren waren Mitglieder des Illuminatenordens. Zu guter Letzt gehörte diesem ein Dichter an, welcher zwanzig Jahre später ein unvergängliches Meisterwerk über einen Mann verfassen sollte, der seine Seele dem Teufel verkauft. Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Faust in Wahrheit die Geschichte Goethes und seiner Beziehung zu den Illuminaten ist. Auf dasselbe Grundthema stoßen wir in Whittaker Chambers‘ Buch Witness sowie anderen Zeugnissen von Menschen, die sich in unseren Tagen vom Kommunismus losgesagt haben.

Diese Listen waren selbstverständlich keineswegs vollständig: Wie bereits erwähnt, hatte der Orden im Jahre 1786 nach der bei zwei der engsten Mitarbeiter Weishaupts durchgeführten Hausdurchsuchung eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Aus demselben Grund erfassten die Diagramme nur einen Teil des Gebiets, in dem die Illuminaten Fuß gefasst hatten. Wie aus Weishaupts eigenem Diagramm hervorging, war der Orden so aufgebaut, dass nie mehr als ein Segment davon geschädigt werden konnte, wenn das eine oder andere Mitglied den Behörden ins Netz ging. Unter diesen Umständen lässt sich nicht ausschließen, dass Weishaupt selbst lediglich ein regionaler Führer war und die Identität der eigentlichen Drahtzieher der weltrevolutionären Organisation niemals enthüllt worden ist.

Obschon die beschlagnahmten Dokumente keinerlei französische Namen oder sonstige Hinweise auf die Macht des Ordens in Frankreich enthielten, blies die drei Jahre später ausgebrochene Französische Revolution zum Sturmangriff auf jegliche Autorität und Religion, genau wie Weishaupt und seine Spießgesellen geplant hatten. Im Dienste der Weltrevolution stehende Autoren haben sich die Finger wundgeschrieben, um jeglichen Zusammenhang zwischen dem Illuminatentum und der Französischen Revolution in Abrede zu stellen, wobei sie sich des fadenscheinigen Arguments bedienten, die Geheimgesellschaft sei ja 1786 verboten worden und habe folglich keinen Einfluss auf eine Entwicklung ausüben können, die erst 1789 begann.

Tatsache ist, dass das Illuminatentum durch das Verbot genau so wenig ausgemerzt wurde, wie ein Verbot kommunistischer Bewegungen heute den Kommunismus ausmerzen könnte. Es unterliegt keinem Zweifel, dass Agenten des Ordens der Französischen Revolution jene Züge verliehen, die sie als Werk von Weltrevolutionären und nicht von mit den Verhältnissen in ihrer Heimat unzufriedenen Franzosen auswiesen. Während der Periode des Terrors wurden Taten begangen, die für den Durchschnittsmenschen früher undenkbar gewesen wären, in den Hirnen der Illuminaten jedoch längst Gestalt angenommen hatten. Wer, außer diesen, hätte beispielsweise auf die Idee verfallen können, die Gefäße, aus denen das Abendmahl gereicht wird, öffentlich von einem Esel durch die Straßen von Paris tragen zu lassen? Den Illuminaten war dergleichen bestens vertraut, gehörte die Verhöhnung der christlichen Sakramente doch zu ihren Einweihungsritualen. Wer, wenn nicht Weishaupt oder einer seiner Geistesverwandten, konnte auf den Gedanken gekommen sein, in der Kathedrale von Notre Dame eine Schauspielerin als „Göttin der Vernunft“ auftreten zu lassen?

„Um den Teufel heraufzubeschwören… muss man die Zeremonien der Religion, der man angehört, auf lästerliche Weise nachäffen und auf ihrem heiligsten Symbol herum trampeln“, schreibt A. E. Waite über die Formeln der schwarzen Magie. Schwarze Magie und Satanismus waren zwei Grundpfeiler der Ideologie des Illuminatenordens.

Weishaupt und seine Mitarbeiter (oder Vorgesetzten?) hatten zielstrebig darauf hingearbeitet, ihre Agenten in Frankreich in hohe Positionen einzuschleusen. Das 20. Jahrhundert hat gezeigt, welch schlagende Erfolge man mit dieser Methode erzielen kann: Dass die kommunistische Sowjetunion aus dem Zweiten Weltkrieg als eigentliche Siegerin hervorging, und dass seither kein Frieden, sondern allenfalls ein brüchiger Waffenstillstand herrscht, ist das Ergebnis der Wühlarbeit von Männern wie Alger Hiss und Harry Dexter White sowie der Komplizenschaft hochgestellter Persönlichkeiten, die ihre schützende Hand über die Maulwürfe hielten. Um sich gebührenden Einfluss auf die Entwicklung in Frankreich zu sichern, hatte Weishaupt den sichersten Weg gewählt: Er infiltrierte eine andere, ebenfalls sehr mächtige Geheimgesellschaft, die sich die in seinen Dokumenten dargelegten Methoden zu eigen machte. Bei dieser Geheimgesellschaft handelte es sich um den Freimaurerorden Grand Orient.

Der Plan, mittels Agenten, welche dem Illuminatenorden angehörten, die Kontrolle über die Freimaurerei zu gewinnen, wird in den Weishaupt-Papieren unumwunden dargelegt. Weishaupt schreibt nämlich: „Es ist mir gelungen, einen tiefen Einblick in die Geheimnisse der Freimaurer zu gewinnen; ich kenne ihr Ziel vollumfänglich und werde es in einem der höheren Grade [des Illuminatenordens] bekanntmachen, sobald die Zeit reif ist. “ Später wies er seine „Areopagiten“ an, sich Freimaurerlogen anzuschließen: „Dann werden wir unsere eigene Freimaurerloge haben… Wir werden diese als unsere Schule betrachten… Bei jeder Gelegenheit werden wir uns dahinter [d.h. hinter der Freimaurerei] tarnen.

Der Kniff, unter dem Tarnmantel einer anderen Organisation zu agitieren, ist bei den Kommunisten heute noch Gang und Gebe; für Weishaupt war er das alles beherrschende Prinzip: „Wenn das Ziel erreicht wird, spielt es keine Rolle, unter welchem Deckmantel es erreicht worden ist, und ein Deckmantel ist stets notwendig. In der Tarnung liegt nämlich ein großer Teil unserer Stärke. Aus diesem Grund müssen wir uns stets mit dem Namen einer anderen Organisation tarnen. Die bestehenden Freimaurerlogen sind vorderhand die beste Tarnkappe für unser hohes Ziel… Eine auf diese Weise getarnte Gesellschaft kann man nicht bekämpfen… Bei gerichtlichen Ermittlungen oder Verrat können die Führer nicht entdeckt werden… Wir werden durch eine undurchdringliche Finsternis vor Spionen und Emissären anderer Gesellschaften geschützt sein.“

Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass diese Schilderung sehr genau auf die heutzutage von den Kommunisten benutzten Taktiken passt; man könnte sie auf die heutige kommunistische Unterwanderung von Parteien, Vereinen und Gesellschaften anwenden, ohne ein einziges Wort zu ändern. Wie erfolgreich Weishaupts Strategie war, geht mit aller Klarheit aus den Worten des Herzogs von Braunschweig hervor, der zugleich Großmeister der deutschen Freimaurerei und Angehöriger des Illuminatenorden gewesen war. 1794, fünf Jahre nach dem Ausbruch der Französischen Revolution, ordnete er die Auflösung seines Freimaurerordens an und führte für diesen Schritt folgende Gründe ins Feld:

„Wir sehen unser Gebäude [die Freimaurerei] zerbröckeln und den Grund mit Ruinen bedecken; wir sehen eine Zerstörung, der unsere Hände nicht länger Einhalt zu gebieten vermögen… Eine große Sekte ist entstanden, die das Gute und das Glück des Menschen zu ihrer Losung erhoben hat, doch im Dunkel einer Verschwörung darauf hinwirkt, das Glück des Menschen zu ihrer eigenen Beute zu machen. Diese Sekte ist jedermann bekannt; ihre Brüder sind nicht weniger bekannt als ihr Name. Sie sind es, welche die Grundfesten des [freimaurerischen] Ordens bis zu ihrem völligen Einsturz untergraben haben; sie sind es, welche die ganze Menschheit schon seit mehreren Generationen vergiften und irreführen… Sie begannen, indem sie die Religion verleumdeten… Der von ihnen entworfene Plan zur Auflösung aller gesellschaftlichen Bande und zur Zerstörung jeglicher Ordnung wurde in all ihren Reden und Taten enthüllt… Sie warben Lehrlinge aller Ränge und Stellungen an; sie führten die scharfsinnigsten Männer hinters Licht, indem sie sie über ihre Absichten täuschten… Ihre Führer strebten nach nichts Geringerem als nach den Thronen der Erde, und die Herrschaft über die Nationen sollte ihren lichtscheuen Klubs anheimfallen. Dies ist es, was geschehen ist und auch weiterhin geschieht… Doch stellen wir fest, dass die Fürsten und das Volk nicht merken, wie und mit welchen Mitteln es geschieht. Deshalb sagen wir ihnen frank und frei: Der Missbrauch unseres Ordens… hat all jenen politischen und moralischen Probleme hervorgerufen, von denen die Welt heute voll ist. Ihr, die ihr eingeweiht wurdet, müsst heute gemeinsam mit uns eure Stimme erheben und Völker wie Fürsten darüber belehren, dass die Sektierer, die Abtrünnigen unseres Ordens, die alleinigen Urheber gegenwärtiger und künftiger Revolutionen sind… Um die Wurzeln des Missbrauchs und des Irrtums auszureißen, ist es jetzt an der Zeit, den ganzen Orden aufzulösen…“

Indem wir die Worte des Herzogs von Braunschweig wiedergaben, sind wir den Ereignissen um fünf Jahre vorausgeeilt, um zu zeigen, dass einer der führenden Freimaurer jener Zeit dem Illuminatenorden, dem er zeitweise angehört hatte, mit Schaudern den Rücken kehrte, nachdem er sich darüber klar geworden war, dass die Illuminaten hinter der Französischen Revolution sowie hinter allen künftigen Revolutionen steckten. Weishaupt hatte sein erklärtes Ziel, die Freimaurerei zu unterwandern und vor den Karren seines eigenen Ordens zu spannen, erfolgreich verwirklicht; dies konnte niemand besser bezeugen als der Großmeister der deutschen Freimaurerei selbst.

Infolge ihrer Unterwanderung durch die Illuminaten schlug die in Frankreich schon seit langem ungemein einflussreiche Freimaurerei einen immer radikaleren Kurs ein. Aus ihr gingen die Jakobinerklubs hervor, die – ebenfalls unter dem Einfluss der Illuminaten – zu den Regisseuren des Terrors wurden, durch den die Drahtzieher der Revolution ihr wahres Gesicht enthüllten. Wie die russischen Revolutionäre 130 Jahre später stellten auch die französischen unter Beweis, dass sie die Armen und Wehrlosen inbrünstiger hassten als die Reichen, denn unter den Bauern der Vendée forderte die Schreckensherrschaft einen noch furchtbareren Blutzoll als unter den angeblichen Unterdrückerschichten. Ebenso wenig machten die Revolutionäre ein Hehl aus ihrer Verachtung für alles Schöne, für Kirchen und Religion, für alles, was die menschliche Seele über das Niveau rein animalischer Bedürfnisse und Gelüste erhebt.

Adam Weishaupt selbst hatte sich anno 1777, ein Jahr nachdem er den Illuminatenorden gegründet hatte, in eine Münchner Freimaurerloge aufnehmen lassen. Graf Mirabeau, der später zu den Führern der französischen Revolution gehören sollte, wusste von Weishaupts Mitgliedschaft in der Loge sowie von den Gründen, die ihn zum Eintritt bewogen hatten: In seinen Memoiren findet sich ein auf das Jahr 1776 datiertes Papier, in dem er ein Programm entwarf, das mit demjenigen der Illuminaten identisch war; in seiner „Geschichte der preußischen Monarchie“ nennt er Weishaupt sowie die Illuminaten beim Namen und fügt hinzu:

„Die Loge Theodore de Bon Conseil in München, der etliche Männer mit Hirn und Herz angehörten, war der leeren Versprechungen der Freimaurerei und der Streitigkeiten innerhalb dieser überdrüssig geworden. Ihre Führer beschlossen, ihrem Zweig eine andere Geheimorganisation aufzupfropfen, dem sie den Namen ‚Orden der Illuminaten‘ gaben. Diesen formten sie nach dem Vorbild der Gesellschaft Jesu, während ihre Ansichten den Ihrigen [denen der Jesuiten] diametral entgegengesetzt waren.“

Diese Darstellung entspricht exakt den Zielen und Methoden, die Weishaupt in seiner eigenen Korrespondenz beschrieben hat. Damit dürfte der Beweis erbracht sein, dass der spätere Revolutionsführer Mirabeau bereits 1776 zu den Eingeweihten gehörte. Des Weiteren weisen Mirabeaus Ausführungen darauf hin, dass der Illuminatenorden mit dem ausdrücklichen Ziel gegründet wurde, die Kontrolle über die Freimaurerei zu gewinnen, um diese als Instrument zur Anzettelung und Durchführung von Revolutionen benutzen zu können. Ein starkes Indiz dafür, dass Mirabeau von Anfang an zu den Illuminaten gehörte, ist die Tatsache, dass er in seinen anno 1776 (also im Gründungsjahr des Ordens!) verfassten Memoiren unter dem Tarnnamen „Arcesilas“ figuriert; er dürfte also eines der Gründungsmitglieder und später einer der Führer der Geheimgesellschaft gewesen sein. Ein seriöser Forscher wird es sich nicht leisten können, Mirabeaus Rolle als Verbindungsglied zwischen den Illuminaten und der Französischen Revolution zu ignorieren.

Der Herausgeber der Memoiren, M. Barthou, hob hervor, dass der 1776 unter den Papieren Mirabeaus vorgefundene „Reformplan“ unverkennbare Ähnlichkeit „mit gewissen Teilen der später von der verfassungsgebenden Versammlung [dem revolutionären Parlament von 1789] bewerkstelligten Reformen“ aufwies. In anderen Worten: Die „Reformen“ der verfassungsgebenden Versammlung erinnerten fatal an Adam Weishaupts Plan aus dem Jahre 1776, als er und Mirabeau gemeinsam den Illuminatenorden aus der Taufe hoben und Pläne zur Unterwanderung der Freimaurerei schmiedeten.

Auch die weiteren Etappen der unter der Regie Weishaupts erfolgten Unterminierung der Freimaurerlogen sind dokumentiert. Beim freimaurerischen Generalkongress, der 1782 in Wilhelmsbad stattfand, warben die Illuminaten so viele Neumitglieder an, dass die zuvor mächtigste Gruppierung innerhalb der Freimaurerei, der „Orden der Strikten Observanz“, von der Bildfläche verschwand. Als es den Illuminaten gar noch gelang, die beiden wichtigsten Gestalten der deutschen Freimaurerei – Herzog Ferdinand von Braunschweig (der sich später entsetzt von ihnen abwandte) sowie Prinz Carl von Hessen – für sich zu gewinnen, waren sie endgültig zur führenden Kraft innerhalb des Maurertums geworden.

1785 beteiligten sich Emissäre des Illuminatenordens an einem anderen Kongress, der diesmal in Paris stattfand und bei dem die Planung der Revolution allem Anschein nach der Loge des Amis Réunis anvertraut wurde, die den Illuminaten als Deckmantel diente. Dass sich die Illuminaten schon bald darauf emsig bemühten, ihre Spuren zu verwischen, ging darauf zurück, dass der Orden in Bayern 1786 zu jäher Bekanntheit gelangte und im Jahr darauf verboten wurde. Dies hinderte ihn freilich nicht daran, 1787 auf Einladung des Geheimkomitees der Loge ein und dieselben Emissäre nach Paris zu entsenden.

Noch ehe die Revolution so richtig in Fahrt geriet, war die Tatsache, dass sie von den Illuminaten vorbereitet und durchgeführt worden war, ein offenes Geheimnis. Die Warnungen des Marquis de Luchet wirken nachträglich wie eine erstaunlich präzise Prophezeiung nicht nur der Entwicklung, welche die Französische Revolution einschlagen sollte, sondern auch der bis in unsere Tage anhaltenden weltrevolutionären Bestrebungen.

Bereits 1789 schrieb der Marquis:

„Wisset, dass eine Verschwörung zugunsten des Despotismus gegen die Freiheit, der Unfähigkeit gegen das Talent, des Lasters gegen die Tugend, der Unwissenheit gegen die Aufklärung existiert… Diese Gesellschaft strebt die Weltregierung an… Ihr Ziel ist die Herrschaft über die Welt… Kein solches Unheil hat die Welt je zuvor betroffen…“

De Luchet sah genau voraus, welch entwürdigende Rolle man dem Monarchen während der girondistischen Phase der Revolution zuweisen würde: „Wir sehen ihn dazu verurteilt, den Leidenschaften all jener zu dienen, die ihn umgeben…, entarteten Männern zur Macht zu verhelfen, sein Urteilsvermögen zu prostituieren, indem er Entscheidungen trifft, die seiner Urteilskraft Hohn sprechen“. Auch gab er sich keinen Illusionen über die verheerenden Folgen hin, welche die Revolution für Frankreich haben würde: „Wir behaupten nicht, das Land, in dem die Illuminaten herrschen, werde aufhören zu existieren, doch wird es ein solches Ausmaß an Erniedrigungen hinnehmen müssen, dass es in der Politik nichts mehr zählen und seine Bevölkerung abnehmen wird.“ Falls man seine Warnungen in den Wind schlage, fuhr de Luchet beschwörend fort, werde „eine Reihe von Katastrophen eintreten, deren Ende sich im Dunkel der Zeit verbirgt… Ein unterirdisches Feuer wird ewig schwelen und periodisch in gewaltsame und zerstörerische Explosionen münden“.

Treffender als der Marquis von Luchet hätte man die Entwicklungen der letzten 165 Jahre kaum schildern können! Er ahnte auch voraus, dass liberale und progressive „Schutzherren“ maßgeblich zu den künftigen „gewaltsamen und zerstörerischen Explosionen“ beitragen würden: „Es gibt zu viele Menschen, die daran interessiert sind, das System der Illuminaten zu unterstützen, zu viele hinters Licht geführte Herrscher, die sich für aufgeklärt halten und bereit sind, ihr Volk in den Abgrund zu stürzen.“ Ebenso sah er voraus, dass die Verschwörung ihre Stärke und Schlagkraft keineswegs einbüßen würde: „Die Hände des Ordens werden die Macht, die sie errungen haben, ebenso wenig aufgeben wie die ihnen zur Verfügung stehenden Schätze.“ De Luchet forderte die Freimaurerei auf, ihren Stall auszumisten, so lange noch Zeit dafür sei: „Wäre es nicht möglich, die Freimaurer selbst gegen die Illuminaten zu mobilisieren, indem man ihnen zeigt, dass, während sie selbst für die Aufrechterhaltung der Harmonie in der Gesellschaft wirken, jene anderen überall Zwietracht säen und die völlige Zerstörung ihres Ordens anstreben?“ 165 Jahre später beschworen Menschen in England und Amerika ihre eigenen Regierungen mit ganz ähnlichen Worten, den Augiasstall auszumisten und den Staatsapparat von jenen Illuminaten zu säubern, die heute unter dem Namen „Kommunisten“ agitieren. Doch auch diesen Mahnern leiht niemand sein Ohr.

Wie klar de Luchet die künftigen Entwicklungen voraussah, geht schon daraus hervor, dass er die zitierten Zeilen im Jahre 1789 schrieb, als die Französische Revolution noch gar keine eigentliche Revolution war; sie galt damals allgemein als sanfte, gesunde Reform, die dem Monarchen einen guten Teil seiner ehemaligen Macht belassen, offenkundige Missstände beheben und einem glücklichen, erneuerten Frankreich dauerhafte Gerechtigkeit und dauerhaften Frieden bescheren würde. Auch ein Jahr darauf, anno 1790, hing man noch überall solchen Vorstellungen an, doch jenseits des Ärmelkanals gab es einen Mann, der die wahre Natur der Revolution durchschaut hatte und „den Lauf der Dinge mit unheimlicher Klarsicht voraussagte“ (so sein Biograph John Morley, der mehr als ein Jahrhundert nach ihm lebte).

Edmund Burke, ein Ire, war einer der begnadetsten Redner, die das britische Unterhaus je gekannt hat. Die Zeit ist ein Prüfstein für die Qualität eines solchen Menschen, und je mehr Zeit seit der Französischen Revolution verstreicht, desto eindrücklicher klingen Burkes Angriffe auf sie. Wie im Fall des Marquis de Luchet liegt das Bemerkenswerte darin, dass Burke seine Attacken bereits im Jahre 1790 ritt, als die Namen Robespierre und Danton kaum jemandem ein Begriff waren, das Wort „Republik“ noch nicht gefallen war, der König scheinbar einer langjährigen Regierungszeit als konstitutioneller Monarch entgegensehen durfte und sich ganz Frankreich über die mit friedlichen Mitteln durchgesetzten gesellschaftlichen Verbesserungen freute. Inmitten dieses allgemeinen Jubels erhob sich die prophetische Stimme Burkes, der vor den kommenden Gräueln warnte.

„Es ist kein Wunder, dass, nachdem die Wolke geborsten und das Unheil hereingebrochen war, sich die Menschen Burke zuwandten, wie sie sich in alter Zeit Ahitopheth zugewandt hatten, dessen Rat so viel galt wie das Orakel Gottes“, schreibt Burkes Biograph Morley. Leider entspricht diese Darstellung nicht den Tatsachen, denn nachdem sich Burkes düstere Weissagungen bewahrheitet hatten, spendeten ihm viele nicht etwa Beifall, sondern griffen ihn heftig an – gerade weil er die Wahrheit gesagt hatte! Welche Macht die Verschwörung selbst zum damaligen Zeitpunkt über Öffentlichkeit und Presse ausübte, lässt sich am klarsten daraus ersehen, dass jene, die Burke zuvor gelobhudelt hatten, ihn nach dem Erscheinen seiner „Gedanken über die Revolution“ auf gehässige Weise attackierten. Die Illuminaten sowie die von ihnen kontrollierten „liberalen und fortschrittlichen“ Blätter hatten fest mit der Unterstützung Edmund Burkes gerechnet, weil er ein Jahrzehnt zuvor eine Lanze für die amerikanischen Kolonisten gebrochen hatte. Wie konnte er die eine Revolution unterstützen und die andere verurteilen? fragten sie erbost und fielen gemeinsam über Burke her – so wie die Einheitspresse in unseren Tagen über jeden herzieht, der öffentlich eine Untersuchung kommunistischer Umtriebe im Regierungsapparat fordert.

Hätte Burke einen „progressiven“ Kurs verfolgt und behauptet, die Französische Revolution sei gut für den „einfachen Mann“, so hätte man ihn auch weiterhin mit Schmeicheleien bedacht. Freilich wären seine Aussagen in diesem Fall nicht von bleibendem Wert gewesen, und kein Mensch würde seinen Namen heute noch kennen. Doch er wagte es, gegen den Strom zu schwimmen, und seine klarsichtigen Worte über die Französische Revolution sichern ihm dauerhaften Ruhm:

„Sie ist nicht mehr, jene Treue zum Prinzip, jene Keuschheit der Ehre, die einen Flecken wie eine Wunde empfand… Das Zeitalter der Ritterlichkeit ist nicht mehr. Jenes der Wortklauber, Ökonomen und Rechner ist angebrochen, und der Ruhm Europas ist für immer dahin.“

Falls auch diese Worte von prophetischer Hellsicht zeugten (sie wirken im Jahre 1955 noch wahrer als selbst im Jahre 1790), dann haben das Christentum und das Abendland in Edmund Burke einen wortgewaltigen und edlen Chronisten ihres Niedergangs gefunden. Er vermochte genau so klar zwischen verschiedenen „Revolutionen“ zu unterscheiden, wie er die Natur der Geschehnisse in Frankreich durchschaute. Er ließ sich nicht dadurch irreführen, dass einige Leute einen von Grundbesitzern angeführten Unabhängigkeitskrieg gegen eine Kolonialmacht zur „Revolution“ hochstilisierten. Als echter Freund der Freiheit unterstützte er die Forderung der amerikanischen Siedler, sich selbst regieren zu dürfen und Herr im eigenen Haus zu sein. Zwischen ihren Beweggründen und jenen der Dunkelmänner, die, wie Burke wusste, in Frankreich hinter den Kulissen die Fäden zogen, klaffte jedoch ein unüberwindbarer Abgrund. Deshalb zog er wortgewaltig gegen die Französische Revolution zu Felde und kümmerte sich so wenig um die Vorwürfe der „Liberalen“ und „Progressiven“, wie er sich zuvor um ihre Lobeshymnen geschert hatte (schließlich war er sich sehr wohl bewusst gewesen, dass ihr Lob nicht auf irgendwelche Sympathien mit Händlern in New England oder Plantagenbesitzern im Süden des nordamerikanischen Kontinents zurückging).

In Amerika gab man sich zum damaligen Zeitpunkt noch allerlei Illusionen über die Geschehnisse in Frankreich hin. Schuld daran war jene Begriffsverwirrung, die Burke durchschaut hatte; die amerikanische Bevölkerung glaubte eine Zeitlang, in Frankreich sei eine menschenfreundliche Revolution im Gang, die sich mit der „Amerikanischen Revolution“ vergleichen lasse. Während einer – allerdings nur kurzen – Periode herrschte in den USA eine Art „französisches Fieber“: Die Amerikaner trugen Kokarden und Freiheitsmützen und skandierten das Schlagwort „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Mit dem Beginn der Schreckensherrschaft zerstoben diese Illusionen jäh und wichen dem Abscheu und dem Entsetzen.

Die Jakobiner, die den Terror dirigierten, waren Illuminaten, wie sie im Buche standen, und benutzten nach dem Vorbild von „Spartacus“ Weishaupt Pseudonyme: Chaumette nannte sich „Anaxagoras“, Clootz (dem Vernehmen nach ein preußischer Baron) „Anarcharsis“, Danton „Horace“, Lacrois „Publicola“ und Ronsin „Scaevola“. Nachdem sie, um eine Parallele zur Russischen Revolution zu ziehen, die „Kerenski-Phase“ hinter sich gebracht hatten, führten sie den Plan der Illuminaten getreulich aus. Der Mord am König sowie die Schändung von Kirchen spiegelten die beiden grundlegenden Ziele des Ordens wider: Den Sturz aller bestehenden Regierungen und die Vernichtung sämtlicher Religionen. Trotz allem scheinen auch die Jakobiner lediglich Werkzeuge gewesen zu sein, denn ein zeitgenössischer Beobachter, Lombard de Langres, schrieb von einer „streng geheimen Konvention, die nach dem 31. Mai alles lenkte“; diese charakterisierte er als „ okkulte und furchtbare Macht, deren Sklavin die andere Konvention wurde und die sich aus den höchstrangigen Eingeweihten des Illuminatentums zusammensetzte. Diese Macht stand über Robespierre und den Regierungskomitees… Diese okkulte Macht war es, die sich der Schätze der Nation bemächtigte und sie an jene Brüder und Freunde verteilte, welche bei dem großen Werk mitgeholfen hatten.“

Dieses Bild hochrangig platzierter Männer, welche den Willen einer verborgenen, aber erkennbaren Sekte vollstrecken, verleiht der Revolution den Charakter eines dämonischen Puppenspiels, das vor dem Hintergrund lodernder Flammen und unter Schwefelgeruch über die Bühne geht. Was sich abspielte, war die Revolution, nicht die Französische Revolution. Mag der Charakter der Englischen Revolution auch strittig sein – seit 1789 gibt es nur noch eine, permanente Revolution. Was 1848, 1905 etc. geschah, waren nicht etwa Episoden oder spontane, voneinander unabhängige Explosionen des Volkszorns, sondern Ausbrüche eines „ewig schwelenden unterirdischen Feuers“, das de Luchet und Burke bereits erkannt hatten, ehe die erste große Eruption erfolgte. Die immense historische Bedeutung der Französischen Revolution liegt darin, dass bei ihr nachweislich Männer für ein Ziel mobilisiert wurden, das sie nicht verstanden. Dies verlieh und verleiht der Revolution ihr besonderes, satanisches Gepräge, ihren „Höllencode“, um es mit Lombard de Langres zu sagen.

Als die Revolution abflaute, meldeten sich in Frankreich, Großbritannien und Amerika drei Männer zu Wort, die drei Dinge klar erkannt hatten: Erstens, dass die Revolution nach dem Plan verlaufen war, der in den 1787 aufgefundenen Dokumenten des Illuminatenordens dargelegt worden war; zweitens, dass es dieser Geheimgesellschaft gelungen war, die Revolution anzuzetteln und zu lenken, wobei sie die Freimaurerei als Transmissionsriemen benutzte; drittens, dass der Geheimbund der Verschwörer, deren Ziel weiterhin die Weltrevolution war, überlebt hatte und sich anschickte, die nächsten „gewaltsamen und zerstörerischen Explosionen“ auszulösen, die de Luchet prophezeit hatte.

Diese drei Männer waren Abbé Barruel, französischer Jesuit und Augenzeuge der Revolution, Professor John Robison, ein schottischer Wissenschaftler, der über zwanzig Jahre lang als Generalsekretär der Royal Society von Edinburgh waltete, sowie Pfarrer Jedediah Morse, ein Geistlicher und Geograph aus New England. Die Bücher Abbé Barruels und John Robinsons sowie die gesammelten Predigten Jedediah Morses erschienen in den Jahren 1797/1798 und erlebten zahlreiche Auflagen; für jemanden, der sich ernsthaft mit den damaligen Geschehnissen auseinandersetzen will, sind sie schlicht und einfach unverzichtbar. Sie erregten damals großes Aufsehen; Sukkurs erhielten sie unter anderem von der von William Cobbett in Philadelphia herausgegebenen Porcupine Gazette. Vieles weist übrigens darauf hin, dass Cobbett von derselben okkulten Kraft ins Exil getrieben worden war, die sich nun anschickte, Barruel, Robison und Morse eine Lektion zu erteilen.

Abbé Barruels Verdikt über die Französische Revolution stimmte mit der früheren Prophezeiung de Luchets sowie der weit später vorgenommenen Analyse Lord Actons überein:

„Wir werden nachweisen, dass alles, bis hin zu den abscheulichsten während der Französischen Revolution verübten Taten, vorausgesehen und im Voraus geplant, abgesprochen und langfristig vorbereitet war; dass diese Taten das Ergebnis einer abgrundtiefen Verruchtheit waren, da sie von Männern vorbereitet und begangen wurden, die den Schlüssel dieser Komplotte und Verschwörungen allein in der Hand hielten, nachdem sie sich bei geheimen Treffen, wo diese Pläne ausgeheckt wurden, ein Stelldichein gegeben hatten… Obwohl es den Anschein machen mag, die Ereignisse der einzelnen Tage seien nicht im Voraus geplant worden, existierte nichtsdestoweniger eine geheime Triebkraft und ein geheimes Ziel, die Anstoß zu den einzelnen Geschehnissen gaben und jeden Umstand dem lang erstrebten Ziel Untertan machten… Das große Ziel der Revolution, ihre hervorstechenden Charakterzüge, ihre grässlichen Verbrechen sind und bleiben eine ununterbrochene Kette sorgfältig geplanter und vorsätzlicher Schurkereien.“

Die drei Männer gelangten zu ein und derselben Schlussfolgerung: „Eine antichristliche Verschwörung… nicht nur gegen Könige, sondern gegen jegliche Regierung, gegen jede zivilisierte Gesellschaft, ja sogar gegen jedwelche Form von Eigentum“ (Abbé Barruel). „ Es wurde eine Vereinigung gegründet, die das ausdrückliche Ziel verfolgt, alle etablierten Religionen auszurotten und alle bestehenden Regierungen Europas zu stürzen“ (Prof. Robison). „Das erklärte Ziel ist die Ausrottung und Abschaffung des Christentums sowie der Sturz aller zivilisierten Regierungen“ (Pfarrer Morse). Die drei Autoren waren sich darin einig, dass das, was sich zugetragen hatte, nicht nur eine durch die spezifischen Umstände in Frankreich ausgelöste Episode der französischen Geschichte war, sondern das Werk einer in allen Ländern tätigen Organisation mit einem langfristigen, weltweiten Plan. Sie stimmten darin überein, dass diese Organisation der Geheimorden der Illuminaten war, welcher die terroristische Phase der Revolution inspiriert und kontrolliert hatte, dass dieser überlebt und sowohl in England als auch in den USA feste Wurzeln geschlagen hatte. Zu diesem letzten Punkt gab Abbé Barruel besonders unmissverständliche Warnungen von sich.

Die Worte und Schriften dieser drei Autoren wurden von den führenden Politikern ihrer Zeit unterstützt. Die späteren Entwicklungen, insbesondere jene unseres Jahrhunderts, haben sie dermaßen frappant bestätigt, dass sie im Grunde lediglich von historischem Interesse sind, beweisen sie doch, dass es schon damals Menschen gab, welche die Weltrevolution zum Zeitpunkt ihres zweiten Erscheinens im Westen durchschaut hatten. Allerdings vermochten die Warnungen dieser drei Männer die Katastrophe, welche die Revolution später bewirkte, in keiner Weise zu verhindern; dies ist ein weiterer Grund dafür, dass ihr Fall besonderes Interesse verdient.

Was ihnen widerfuhr, belegt die Realität dessen, was sie zu beweisen versuchten, noch drastischer als ihre eigenen Worte: Die fortgesetzte Existenz und Macht einer Geheimgesellschaft, die in allen Ländern tätig war, um die von den drei Männern beschriebenen zerstörerischen Ziele zu erreichen. Barruel, Robison und Morse wurden mit wüsten Schmähungen überhäuft. Damals steckte die Presse noch in den Kinderschuhen; normalerweise gehörte eine Zeitung einer einzigen Person, die zugleich als ihr Herausgeber amtierte. Unter diesen Umständen muss es weit schwieriger gewesen sein als heute, die Kontrolle über eine größere Anzahl von Zeitungen zu erringen. Dass diese drei Männer von Moment an, wo sie geschrieben hatten, das Illuminatentum habe die Französische Revolution organisiert und bestehe auch weiterhin, unter Dauerbeschuss seitens der Presse gerieten, zeigt eindrücklich, dass der Illuminatenorden die amerikanische sowie die britische Presse bereits 1797 kontrollierte.

Es ist dies eines der überraschendsten Ergebnisse, zu denen ich bei meinen Recherchen für das vorliegende Buch gelangt bin. Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass die Presse einer Kontrolle unterliegt und dass ein Autor, der im Stile Edmund Burkes über die Weltrevolution schreibt, keine Zeile mehr in einer größeren Zeitung oder Zeitschrift veröffentlichen darf. Dieselbe Erfahrung hat auch Nesta Webster gemacht. Als sie sich zu Beginn der zwanziger Jahre erstmals mit der Revolution auseinandersetzte, warnte sie ein wohlbekannter Londoner Verleger: „Denken Sie daran: Wenn Sie eine antirevolutionäre Linie einschlagen, werden sie die ganze literarische Welt gegen sich haben.“ Ihren eigenen Ausführungen zufolge erschien ihr dies in höchstem Grade absonderlich, doch erfuhr sie schon bald, dass der Verleger recht gehabt hatte. Meine eigenen Erlebnisse weisen in dieselbe Richtung. Anfangs war ich der Auffassung, dieser Stand der Dinge habe sich erst in den letzten drei Jahrzehnten eingependelt, doch dann stieß ich auf die Fälle Barruel, Robinson und Morse und musste feststellen, dass 1798, als die Erinnerung an den Terror noch frisch war, in der Tat „die ganze literarische Welt“ über diese Männer hergefallen war. Einen schlagenderen Beweis dafür, dass zwischen dem Illuminatentum des Jahres 1789 und dem Kommunismus unserer Tage eine ununterbrochene Kontinuität besteht, kann man sich kaum wünschen: Ein und dieselbe Organisation verfolgt ein und dasselbe Ziel mit ein und denselben Methoden, ja sogar mit ein und denselben Worten.

Die Attacken gegen diese drei Männer, die „eine antirevolutionäre Linie einschlugen“, waren auch in anderer Hinsicht aufschlussreich. Kaum waren sie mit ihren Schriften ins Rampenlicht der Öffentlichkeit getreten, setzten in den Zeitungen die Angriffe gegen sie ein, wobei die Verfasser der betreffenden Artikel fast immer anonym blieben. Sie bedienten sich derselben Sprache, die heutzutage bei ähnlichen Verleumdungsfeldzügen Verwendung findet. Man warf den drei Männern vor, eine „Hexenjagd“ angezettelt zu haben, zieh sie der Bigotterie und der Panikmache, beschuldigte sie der Unterdrückung der „Meinungsfreiheit“ und der „akademischen Freiheit“, unterstellte ihnen eine verzerrte Darstellung „liberalen“ und „fortschrittlichen“ Gedankenguts etc. Mit der Zeit nahmen die Angriffe und Verunglimpfungen an Heftigkeit zu, und die Vorwürfe wurden immer bizarrer. Ich habe in diesen Artikeln mehrfach Formulierungen gefunden, die später, von 1947 bis 1949, bei der Hetzkampagne gegen das amerikanische Kabinettsmitglied James Forrestal benutzt worden sind. Man bezichtigte die drei Männer eines unsittlichen Lebenswandels und finanzieller Unregelmäßigkeiten und deutete schließlich nach altbewährtem Muster an, sie müssten wohl „verrückt“ sein. Auch heute wird oft nach diesem Schema vorgegangen: Auf dem Höhepunkt einer Kampagne gegen eine antirevolutionäre Persönlichkeit gilt der Vorwurf der Geistesgestörtheit offenbar als äußerst wirksame Waffe. Diese besonders niederträchtige Variante der Diffamierung mag ihre Wurzeln im Talmud haben, wo sie gegen Jesus angewendet wird. In ihrem Artikel zum Stichwort „Jesus“ erwähnt die Jewish Encyclopedia einen jüdischen Verfasser, der „sich der Auffassung anschließt, den Aussagen und dem Verhalten Jesu müssten abnorme mentale Prozesse zugrunde liegen“.

Kurz und gut: Die Urheber der Attacken gegen Barruel, Robison und Morse bedienten sich einer Handvoll politischer Schlagwörter, die noch heute Gang und Gebe sind und ohne jeden Zweifel aus der Küche der Revolution und ihrer Agenten stammen. Heutzutage wirkt dieses Vokabular so abgedroschen, dass man den Eindruck erhält, es sei den Eingeweihten von irgendeiner Zentrale eingepaukt worden. Der Verleumdungsfeldzug erwies sich als so erfolgreich, dass die Namen dieser drei Männer bei der breiten Masse ebenso in Vergessenheit gerieten wie derjenige Edmund Burkes. Nichtsdestoweniger empfand die Geheimsekte, welche die Wahrheit hasst wie der Teufel das Kreuz, auch weiterhin Furcht vor ihnen, so dass die Diffamierungskampagne auch nach ihrem Tode weiterging. Noch 1918 stellte die Columbia University in New York ein Stipendium für eine aufwendige Forschungsarbeit zur Verfügung, die nachweisen sollte, dass der Illuminatenorden mit seinem Verbot im Jahre 1786 tatsächlich erloschen war und somit keinerlei Einfluss auf die Französische Revolution ausgeübt haben konnte. In der betreffenden Publikation erschienen die alten, abgegriffenen Schlagworte wieder, als seien Barruel, Robison und Morse weiterhin quicklebendig und gäben sich immer noch hingebungsvoll der „Hexenjagd“ hin!

1918 war die Russische Revolution erst ein Jahr alt, und man hielt die Zeit für reif, ein weiteres Mal nachzuweisen, dass die Französische Revolution ein isoliertes Ereignis gewesen war und keine Wurzeln hinterlassen hatte, denen 1917 in Russland ein neues Gewächs hätte entspringen können. Sofern es den Herren Barruel, Robison und Morse vergönnt war, die Geschehnisse aus dem Jenseits zu verfolgen, werden sie zweifellos bemerkt haben, dass die Columbia University von New York ab 1918 für die Kommunisten ein erstklassiges Rekrutierungsfeld abgab. Zu den bedauernswerten jungen Männern, die den Fischern ins Netz gingen, gehörte Whittaker Chambers, der sich 1939 vom Kommunismus lossagte; hätte Präsident Franklin Roosevelt seinen Warnungen Gehör geschenkt, so hätten der Zweite Weltkrieg und der Rest des 20. Jahrhunderts vielleicht einen ganz anderen, besseren Verlauf genommen.

Die beiden ersten Präsidenten der Amerikanischen Republik gingen zwar nicht aktiv gegen die Geheimgesellschaft vor, empfanden aber lebhafte Sorge über ihre Wühlarbeit und wussten, dass Barruel, Robison und Morse die Wahrheit geschrieben hatten. Eine der letzten Handlungen George Washingtons bestand darin, Morse einen Brief zuzustellen, in dem er seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, seinem Werk möge „eine größere Verbreitung“ beschieden sein, enthalte es doch „wichtige Informationen, die außerhalb eines kleinen Kreises wenig bekannt sind, und eine allgemeine Verbreitung in der Öffentlichkeit wäre von Nutzen“. (Vermutlich hätte Washington Morse nicht nahegelegt, „in einen See zu springen“, wie es ein Emissär der Roosevelt-Regierung gegenüber Whittaker Chambers tat.) Kurz zuvor hatte Washington in einem anderen Brief festgehalten, er sei völlig überzeugt, dass sich „die Doktrin der Illuminaten und die Prinzipien des Jakobinertums“ auf die USA ausgedehnt hätten.

Daran konnte in der Tat kein Zweifel bestehen, denn bereits 1793 waren in den USA Geheimgesellschaften aufgetaucht, die sich zwar als „demokratische Klubs“ tarnten, über deren wahren Charakter die Einstellung des französischen Botschafters Genet jedoch beredten Aufschluss vermittelte: Dieser legte ihnen gegenüber offene Sympathie an den Tag, so wie sowjetische Botschafter in unsren Tagen kein Hehl aus ihren Sympathie für kommunistische Organisationen – oder Tarnorganisationen – zu machen pflegen. (Die Beziehungen zwischen den Sowjetbotschaften und den jeweiligen lokalen kommunistischen Parteien wurden 1945/1946 bei den Ermittlungen in Kanada und 1954/1955 bei denjenigen in Australien durch eine Flut von Dokumenten erhärtet.) 1794, als Washington noch Präsident war, hatte er diesen Gesellschaften vorgeworfen, einen Aufstand in Pennsylvania angezettelt zu haben, der als „Whiskey Rebellion“ in die Geschichte eingegangen ist. Washingtons genoss ein zu hohes Ansehen, als dass man ihn der „Hexenjagd“ hätte bezichtigen können, und die Klubs tauchten flugs in den Untergrund ab, doch von jenem Augenblick an wusste jeder, der es wissen wollte und der Gehirnwäsche durch die Presse widerstehen konnte, dass es auf amerikanischem Boden eine Organisation gab, die sich der Weltrevolution verschrieben hatte.

Aufgrund der Rolle, welche die von den Illuminaten unterwanderte Freimaurerloge Grand Orient bei der Französischen Revolution unleugbar gespielt hat, geriet auch die amerikanische Freimaurerei in Verdacht, aber eine offene Diskussion dieser Frage wurde dadurch verhindert, dass der große George Washington selbst Vorsitzender der Logenbruderschaft gewesen war. Dies haben die Verteidiger der Freimaurerei immer wieder hervorgehoben (wobei sie nach der Logik operierten: Wenn einer unschuldig ist, sind alle unschuldig), und als Washington 1799 zu Grabe getragen wurde, führte die Loge einen großen Trauerzug durch. Dass die Debatte anschließend abflaute, war dem Respekt vor dem verstorbenen Helden zuzuschreiben, denn die Frage an sich blieb weiterhin unbeantwortet. Immerhin gab es zumindest zwei prominente Freimaurer, Amos Stoddard und Pfarrer Seth Payson, die öffentlich erklärten, der Illuminatenorden habe die Freimaurerei unterwandert und treibe unter neuem Namen weiter sein Unwesen. Washingtons Nachfolger als Präsident, John Adams, hatte schon 1798 unmissverständlich vor der Freimaurerei gewarnt:

„Die Gesellschaft der Maurer hat eine Wissenschaft des Regierens oder eine Kunst der Beherrschung der Gesellschaft entwickelt, die für sie eigentümlich und allen anderen Gesetzgebern und Philosophen der Welt unbekannt ist. Ich meine damit nicht nur die Fähigkeit, einander durch Zeichen oder Gebärden zu erkennen, deren Sinn kein anderer Mensch erraten kann, sondern die wundersame Macht, alle Männer, und vermutlich auch alle Frauen, zur dauerhaften Wahrung eines Geheimnisses zu befähigen, ja zu zwingen. Wenn diese Kunst angewendet werden kann, um die allgemein gültigen Maximen der Gesellschaft außer Kraft zu setzen, eine Politik des Ungehorsams gegenüber der Regierung zu betreiben und das Geheimnis auch weiterhin zu wahren, liegt es auf der Hand, dass eine solche Wissenschaft und solche Gesellschaften für all jene üblen Zwecke missbraucht werden können, die man ihnen unterstellt hat…“

Nach diesen deutlichen Worten hätte wahrscheinlich nichts außer dem Tod Washingtons, der im folgenden Jahr eintrat, die Forderung der Öffentlichkeit nach einer gründlichen Untersuchung verstummen lassen können; wie so oft in solchen Situationen profitierten die Gegner einer solchen Ermittlung von einem an und für sich irrelevanten Ereignis, das die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ablenkte. Nichtsdestoweniger schwelte das Misstrauen gegenüber der Freimaurerei in der Bevölkerung weiter und führte 1827 zur Gründung einer antifreimaurerischen Partei, die zwei Jahre darauf bei ihrer Versammlung in Massachusetts 1829 erklärte, „es gebe Beweise für eine enge Verbindung zwischen den höheren Graden der Freimaurerei und dem französischen Illuminatentum.“ Dies war freilich fast schon eine Art Schwanengesang der Freimaurergegner, denn bei ihrer nächsten Versammlung, die 1830 in Vermont stattfind, zog die Partei eine ernüchternde Bilanz: „Die Forderung nach einer Ermittlung… wurde bald auf unerklärliche Weise abgewürgt; die Presse verhielt sich so still wie ein Wächter, dem man den Hals zuschnürt, und die Masse des Volkes wird in Unwissenheit darüber gehalten, dass wegen der Freimaurerfrage je Alarm geläutet worden ist.“

In anderen Worten, der Ruf nach einer Untersuchung war, genau wie in der Gegenwart, unterdrückt worden, indem man den Warnern „eine Hexenjägermentalität“ und dergleichen mehr unterstellte. Seit jenen Tagen ist es dem amerikanischen Volk niemals gelungen, seine Regierung zu einer umfangreichen Ermittlung zu bewegen; die geheime Infiltrierung des Regierungsapparates nahm ihren Fortgang, mit Resultaten, welche durch die 1948 und danach erfolgten Enthüllungen nur unvollkommen bekannt geworden sind. Ganz ähnlich ist die Lage in England.

Wie wir gesehen haben, meldeten sich in den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts in Amerika Stimmen zu Wort, die vor der Freimaurerei warnten. Die Antifreimaurerpartei löste sich allerdings bereits 1840 auf. Kehren wir nun in die Jahre unmittelbar nach der Französischen Revolution zurück und wenden wir uns wieder der Frage zu, welche Auswirkungen diese für den Gang der Weltgeschichte nach sich gezogen hat.

Die Worte und Schriften Präsident Adams‘ belegen, dass er über die Existenz einer weltweiten und andauernden Verschwörung gegen alle bestehenden Regierungen und Religionen vollumfänglich Bescheid wusste. Allerdings beging er den (damals verzeihlichen) Fehler, zu glauben, diesen Bestrebungen liege ein rein französischer Plan zugrunde, so wie viele Menschen heute (unverzeihlicherweise) vom „russischen“ Kommunismus sprechen, obwohl am internationalen Charakter der Revolution längst kein Zweifel mehr statthaft ist.

Durch den Erlass eines Anti-Meuterei-Gesetzes im Jahre 1798 versuchte Präsident Adams die Zukunft der amerikanischen Republik zu sichern, aber die seitherigen Entwicklungen haben gezeigt, dass Gesetze gegen Geheimgesellschaften und Verschwörungen (die an und für sich völlig berechtigt sind, weil sie die Illegalität derartiger Unternehmungen klarstellen) ein untaugliches Mittel zu ihrer Eindämmung darstellen, zumal die Geheimorganisation auf jahrhundertelange Erfahrung bei der Umgehung solcher Gesetze zurückblicken kann. Die einzige wirksame Waffe gegen geheime Verschwörungen ist eine Ermittlung, der sich die öffentliche Entlarvung der Dunkelmänner sowie Maßnahmen zur Behebung des angerichteten Schadens anschließen. Solche Schritte sind aber noch nie konsequent erfolgt.

Kein anderer amerikanischer Politiker hat die Gefahr für die Zukunft seines Landes so klar erkannt wie Alexander Hamilton, ein Vertrauter Washingtons. In seinem Nachlass fand sich ein undatiertes, vermutlich aus dem Zeitraum von 1797 bis 1800 stammendes Schriftstück folgenden Inhalts:

„Die gegenwärtige Ära gehört zu den außergewöhnlichsten der Menschheitsgeschichte. Seit geraumer Zeit gewinnen allmählich Ansichten an Boden, welche die Grundlagen der Religion, der Moral und der Gesellschaft gefährden. Zuerst erfolgte ein Angriff auf die christliche Offenbarung, für die eine Naturreligion als Ersatz feilgeboten wurde… Die Existenz einer Gottheit selbst wurde in Frage gestellt und in einigen Fällen bestritten. Die Pflicht zur Frömmigkeit wurde der Lächerlichkeit preisgegeben; es wurde behauptet, der Mensch sei sterblich, und all seine Hoffnungen beschränkten sich auf die kurze Spanne seines irdischen Lebens. Vom Tod hieß es, er sei ein ewiger Schlaf; das Dogma der Unsterblichkeit wurde als Betrug dargestellt, der dazu diene, die Lebenden um der Toten willen zu quälen… Zwischen den Aposteln und Jüngern der Gottlosigkeit und jener der Anarchie wurde ein Bündnis geschmiedet. Religion und Regierung wurden beide als überflüssig gebrandmarkt… Zu welchen praktischen Ergebnissen dieses verderbliche System führt, hat sich in Frankreich erwiesen. Es hat als Werkzeug zur Unterwanderung all seiner alten weltlichen und religiösen Institutionen mitsamt aller Kontrollmechanismen, welche die Härte der Autorität milderten, gedient; es hat eine Reihe furchtbarer Revolutionen ausgelöst, die Eigentum verwüstet, Kunstwerke vernichtet, Städte zerstört, Provinzen verheert, Regionen entvölkert, den Boden des Landes mit Blut gerötet und zu Verbrechen, Armut und Verworfenheit geführt hat… Dieses entsetzliche System schien eine Zeitlang eine Bedrohung der zivilisierten Gesellschaft darzustellen und die Gefahr eines allgemeinen Chaos unter der Menschheit heraufzubeschwören. Und obwohl die fürchterlichen Übel, die seine ersten und einzigen Früchte waren, seinen Fortschritt gehemmt haben, ist zu befürchten, dass sich das Gift schon zu weit verbreitet hat und schon zu tief eingedrungen ist, als das man es jetzt noch unschädlich machen könnte. Seine Aktivitäten [die Aktivitäten dieses Systems] sind eingestellt worden, aber seine Anhänger existieren weiter und bereiten neue Anschläge vor, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Es besteht triftiger Grund zur Sorge, dass die Menschheit noch nicht am Ende des Unheils angelangt ist, welches es [dieses System] erzeugen soll, und dass dieses noch eine lange Reihe von Erschütterungen, Revolutionen, Schlächtereien, Verwüstungen und Elend auslösen wird. Die Symptome der nur zu offensichtlichen Präsenz dieses Systems in den Vereinigten Staaten sind erschreckend sichtbar. Unter seinem Einfluss wurden Versuche unternommen, unser Land in der frühen Phase des Krieges zu einer Allianz mit Frankreich zu verleiten und unsere Regierung dazu zu verführen, seine verabscheuenswerten Grundsätze und Ansichten mit dem Blut und den Schätzen unserer Bürger zu verteidigen und zu fördern. Unter seinem Einfluss wurde jede erfolgreiche Revolution gebilligt oder entschuldigt; alle dabei verübten Gräuel wurden gerechtfertigt oder verharmlost; selbst die übelsten Exzesse, die den lautstark verkündeten Prinzipien der Revolution ins Gesicht schlugen, wurden beschönigt, und die von ihr [der Revolution] verabschiedete despotische Verfassung wurde uns listig als Modell angepriesen, das unserer Nachahmung durchaus nicht unwürdig sei. Mit dem Fortschritt dieses Systems haben sich Unfrömmigkeit und Untreue sprunghaft vermehrt. Man sieht ungeheure Verbrechen, wie wir sie zuvor nicht gekannt haben…“

Wir, die wir in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts leben, sind mit den Ergebnissen der Entwicklung, die Hamilton prophezeite, dermaßen vertraut, dass wir uns kaum vorstellen können, welcher Weitsicht es im letzten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts bedurfte, um all dies vorauszusehen! Kaum jemand hat die Ereignisse unseres Jahrhunderts so klar vorausgeahnt wie de Luchet, der schon vor dem Beginn des Terrors in Frankreich von einer „Reihe von Katastrophen, deren Ende sich im Dunkel der Zeit verliert“ und von „einem unterirdischen Feuer“ schrieb, das ewig schwele und „periodisch in gewaltsamen und verheerenden Explosionen“ ausbreche, und Hamilton („Die Anhänger existieren weiter und bereiteten neue Anschläge vor, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt… Eine lange Reihe von Erschütterungen, Revolutionen, Schlächtereien, Verwüstungen und Elend“) .

Das praktische Ergebnis dieser hellsichtigen Mahnungen war freilich gleich Null, denn niemand zog daraus die sich aufdrängenden Konsequenzen. So wurde all das, was de Luchet, Burke, Hamilton, Barruel, Robison und Morse vorausgeahnt hatten, bittere Wirklichkeit. Wie ein Schlafwandler trat der Westen auf alle Minen, die für ihn ausgelegt waren. Die antirevolutionären Propheten wurden niedergeschrien; die revolutionären Tribunen und Schriftsteller übernahmen die Führung der Debatte und ernteten dafür stürmischen Beifall.

Die Napoleonischen Kriege trugen dazu bei, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der Verschwörung und der hinter dieser stehenden Organisation abzulenken. Zehn Jahre nach der Französischen Revolution gerieten die Dokumente der Illuminaten bereits in Vergessenheit und die breite Masse der Bevölkerung wähnte, der Orden sei tatsächlich tot, oder er habe bei der Revolution keine Rolle gespielt; viele interessierten sich schon gar nicht mehr für diese Frage. Zwanzig Jahre nach der Französischen Revolution schmiedeten die Illuminaten ihre Ränke so eifrig wie stets zuvor. Der einzige Unterschied zu früher bestand darin, dass es der Gefolgschaft der Sekte in England und Amerika dank ihrem Einfluss auf die Presse geglückt war, die Öffentlichkeit einzuschläfern und die Warner zu verleumden.

In jüngerer Vergangenheit haben die Forschungen Nesta Websters unser Wissen über den Illuminatenorden erheblich bereichert, ist es ihr doch gelungen, die Dossiers der Polizei Napoleons aufzustöbern, deren Inhalt Historikern und anderen Interessenten jetzt zugänglich ist. Sie zeigen, dass die Illuminaten zwei Jahrzehnte nach dem Ausbruch der Revolution und kurz vor Napoleons Sturz quicklebendig waren und ihre Ziele unbeirrt weiter verfolgten.

François Charles de Berckheim, ein Freimaurer, war während des Napoleonischen Kaiserreichs Sonderkommissar der Polizei in Mainz. 1810 hielt er in einem Bericht fest, dass die Illuminaten in ganz Europa über Eingeweihte verfügten und emsig darauf hinarbeiteten, ihre Prinzipien in die Freimaurerlogen einzubringen: „ Das Illuminatentum entwickelt sich zur großen und furchterregenden Macht… Könige und Völker werden darunter viel zu leiden haben, falls Weitsicht und Vorsicht seinen furchtbaren Mechanismus nicht zu brechen vermögen.“ Ein zweiter, aus dem Jahre 1814 stammender Bericht bestätigt das, was Barruel, Robison und Morse zwischen 1797 und 1799 über den Fortbestand der Geheimgesellschaft geschrieben hatten, voll und ganz:

„Die älteste und gefährlichste Vereinigung ist diejenige, die allgemein unter der Bezeichnung ‚Illuminaten‘ bekannt ist und deren Grundlagen auf die Mitte des vergangenen Jahrhunderts zurückgehen… Die Doktrin des Illuminatentums strebt die Abschaffung jeder Art von Monarchie an; unbegrenzte Freiheit, absolute Nivellierung ist das fundamentale Dogma der Sekte; die Bande zu zerstören, die den Herrscher eines Staates mit seinen Bürgern verketten, ist das Ziel all ihrer Bemühungen.“

Zwanzig Jahre nachdem der Herzog von Braunschweig der Freimaurerei öffentlich abgeschworen hatte, rief Berckheim in Erinnerung, dass es „unter den hauptsächlichen Führern… eine Anzahl von Männern gibt, die sich durch ihr Vermögen, ihre Geburt und die ihnen anvertrauten Würden auszeichnen“. Seiner Ansicht nach waren einige davon „keine Betrogenen, die demagogischen Träumen anhängen“ , sondern hofften „in den von ihnen angeheizten Emotionen des Volkes das Mittel zur Machtergreifung zu finden, oder zumindest ihren Reichtum und Ruhm zu mehren, doch die große Mehrzahl der Anhänger glaubt mit religiöser Inbrunst daran…“

Diese Worte, die an die fünfundzwanzig Jahre zuvor gemachten Äußerungen de Luchets gemahnen, tönen heute bekannt oder sollten zumindest bekannt tönen, denn in unserer Generation haben wir abermals erlebt, dass die Machtgier wohlhabende oder berühmte Menschen dazu verleitet hat, sich mit Bewegungen einzulassen, die ihrem Reichtum und Ruhm scheinbar feindlich gesinnt waren, weil sie hoffen, mit Hilfe dieser Bewegungen noch reicher oder noch berühmter zu werden.

Im folgenden liefert Berckheim eine Schilderung der Organisation sowie der Methoden der Illuminaten, die dem Bild entspricht, welches sich aus Weishaupts Korrespondenz aus dem Jahre 1786 ergibt; auch hier liegen die Parallelen zur Strategie des Kommunismus in unserem Jahrhundert auf der Hand. Im folgenden Abschnitt werden Charaktere geschildert, die so wirken, als entstammten sie dem 20. Jahrhundert, obwohl der Text anno 1813 entstand:

„Da die hauptsächliche Kraft der Illuminaten in der Macht der Ansichten liegt, strebten sie von Beginn an danach, unter jenen Menschen Anhänger zu gewinnen, die durch ihren Beruf einen direkten Einfluss auf das Denken ausüben, wie beispielsweise Literaten, Gelehrte und vor allem Professoren. Letztere propagieren die Prinzipien der Sekte von ihren Lehrstühlen aus, erstere in ihren Schriften, indem sie das Gift, das sie verbreiten, auf tausenderlei Art tarnen… Vor allem an den Universitäten hat das Illuminatentum stets zahlreiche Anhänger gefunden und wird sie auch künftig finden. Jene Professoren, die der Vereinigung angehören, erforschen von Anfang an den Charakter ihrer Schüler. Wenn ein Student durch einen scharfen Verstand oder eine glühende Phantasie besticht, nehmen ihn die Sektierer gleich unter ihre Fittiche; sie flüstern ihm die Worte Despotismus, Tyrannei, Volksrechte etc. ins Ohr. Bevor er mit diesen Worten eine klare Vorstellung verbindet, wird durch für ihn ausgewählte Lektüre und geschickt arrangierte Gespräche dafür gesorgt, dass sich die ihm eingepflanzte Mikrobe in seinem jungen Hirn entwickelt, während er älter wird. Schon bald gärt seine Phantasie… Wenn er schließlich vollkommen umgarnt ist, wenn die Gesellschaft ihn jahrelang geprüft hat und sicher sein kann, dass er das Geheimnis unverbrüchlich wahren und sich ihr voll und ganz hingeben wird, offenbart man ihm, dass Millionen von Menschen in allen Staaten Europas seine Gefühle und Hoffnungen teilen, dass ein geheimes Band alle zerstreuten Mitglieder dieser riesigen Familie fest aneinanderkettet und dass die von ihm so dringend ersehnten Reformen früher oder später zustande kommen müssen. Diese Propaganda wird durch die bestehenden Studentenverbindungen erleichtert, die sich zum Studium der Literatur, zum Fechten, Spielen oder auch zu bloßen Ausschweifungen treffen. Die Illuminaten schleichen sich in all diese Zirkel ein und verwandeln sie in Zentren zur Propagierung ihrer Prinzipien. Auf diese Weise hat die Vereinigung von ihren Anfängen bis hin zur Gegenwart stete Fortschritte erzielt; indem das Illuminatentum die Angehörigen der höchsten Klassen von Kindheit an mit den Keimen des Gifts infiziert, den Studenten Ideen einflößt, die der Ordnung, unter der sie leben müssen, diametral entgegengesetzt sind, und die Bande zerstört, die sie an Fürsten ketten, hat es die größte Zahl von Jüngern rekrutiert.“

So überlebte das Illuminatentum und blühte in der Dunkelheit, nachdem seine „Jünger“ in den Zeitungsredaktionen sowie auf den Lehrstühlen der Universitäten die öffentlichen Rufe nach seiner Ausmerzung zum Schweigen gebracht hatten. Die Entwicklung dauerte seither rund fünf Generationen an, und in jeder Generation gingen der Sekte eine erhebliche Anzahl gesellschaftlich hochrangiger Personen sowie ein gewisser Teil der jungen Universitätsstudenten ins Netz. Die einzige Gegenmaßnahme, die den Ränkeschmieden Einhalt geboten und den ahnungslosen jungen Opfern die Augen geöffnet hätte, wäre eine umfassende Aufklärung der Öffentlichkeit über die Weltrevolution und ihre Methoden gewesen, doch in keiner einzigen Generation ist ein solcher Schritt je erfolgt, so dass es der Sekte gelang, sich zu behaupten und ihre Macht noch zu vergrößern. Dass sich die Regierungen von Generation zu Generation weigern, die notwendigen Ermittlungen durchzuführen und die Sekte bloßzustellen, hat nur eine einzige mögliche Erklärung: Wie in den Tagen Weishaupts hocken die Jünger des Illuminatenordens auch heute in den Regierungen selbst. Hieb- und stichfeste Beweise hierfür haben die Ereignisse unseres Jahrhunderts erbracht.

Was geschah mit Weishaupt selbst, nachdem er entlarvt und sein Orden geächtet worden war? 1808 erkundigte er sich nach einem Detail des freimaurerischen Rituals. Ein prominentes Mitglied der Loge Grand Orient, Marquis de Chefdebien, erfuhr davon und schrieb anschließend an einen Freund, aus dem Illuminatentum seien jene Männer hervorgegangen, welche „Aufstände, Verwüstung und Mord“ heraufbeschworen hätten. Als Weishaupt 1830 das Zeitliche segnete, war sein Orden vermutlich mächtiger denn je zuvor, stand jedoch kurz vor einem Namenswechsel, denn schon in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts nannte sich diese Organisation, die ihre Ziele unverändert verfolgte, „kommunistisch“. Auf den Kommunismus werden wir in späteren Kapiteln zu sprechen kommen.

Dies ist die Geschichte von Adam Weishaupt, jenem Mann, dessen Name für immer mit der Weltrevolution als permanenter Idee und permanentem Ziel verbunden sein wird; diese Idee und dieses Ziel wurden von einer seither kontinuierlich existierenden Organisation von Verschwörern verfochten, die in allen Ländern wirken und die Unterdrückung und Ungerechtigkeit keineswegs abschaffen, sondern in noch schlimmerer Form verewigen wollen.

Wer immer seine Förderer waren und was auch immer die Quellen gewesen sein mögen, aus denen er seine profunde Kenntnis der menschlichen Schwäche schöpfte, Tatsache ist, dass Adam Weishaupt „die Fäden sämtlicher Verschwörungen in seinen Händen vereinte und zu einem gigantischen Plan zur Zerstörung Frankreichs und der Welt zusammenwob“ (Nesta Webster). In seiner Armee waren Männer aller Klassen und der unterschiedlichsten Überzeugungen durch Bande der Infamie aneinandergekettet, die anscheinend nicht minder stark als jene der Treue und der Ehre waren. Nesta Webster schreibt:

„Weishaupts bewundernswertes System dicht abgeschotteter Zellen verhinderte, dass seine Gefolgsleute sich der großen zwischen ihnen bestehenden Unterschiede gewahr wurden, und sie marschierten alle bewusst oder unbewusst auf ein und dasselbe Ziel zu.“

Hatte es früher zahlreiche Gruppierungen gegeben, die mit den bestehenden Verhältnissen unzufrieden waren und sie zu ändern gedachten, so schweißte Weishaupt sie alle zu einer einzigen Oppositionsbewegung zusammen. Mit ihm und dem Illuminatentum wurden, um wiederum Nesta Webster zu zitieren, „verschwommene subversive Theorien zu einer aktiven Revolution“; es wurde ein Generalstab gebildet, die kommenden Schlachten wurden geplant, die Ziele wurden schärfer umrissen. Heute, fast zweihundert Jahre später, liegen die Folgen all dessen klar zutage: Entweder wird die zerstörerische Weltrevolution über das Christentum und das Abendland triumphieren und beides vernichten, oder sie wird selbst vernichtend geschlagen. Es gibt keinen dritten Weg, keinen Mittelweg und keinen anderen möglichen Ausgang des Konflikts, von dem die Welt erstmals im Jahre 1786 erfuhr. Dies haben führende Staatsmänner und Denker sowie die Anhänger der Sekte selbst von Beginn an klar erkannt. 1875 fasste Monseigneur Dillon die unabänderlichen Fakten kurz und bündig zusammen:

„Hätte Weishaupt nicht gelebt, so hätte die Freimaurerei nach der Reaktion, die auf die Französische Revolution folgte, womöglich aufgehört, eine Macht zu sein. Er verlieh ihr eine Form und einen Charakter, die sie dazu befähigte, diese Reaktion zu überleben, ihr bis zum heutigen Tag immer neue Energie verlieh und dazu führen wird, dass sie immer größere Fortschritte erzielt, bis ihr Endkampf gegen das Christentum darüber entscheiden wird, ob Christus oder Satan letzten Endes über die Welt regieren wird.“

Das vorliegende Buch ist eine Studie der heutzutage wichtigsten weltpolitischen Frage, der „Judenfrage“, doch in diesem bisher längsten Kapitel war bislang nicht von dieser Frage, oder überhaupt von den Juden, die Rede. Dafür gibt es einen triftigen Grund. Fünfzig Jahre nach der Französischen Revolution unterstand die Weltrevolution jüdischer Führung, doch dass die Juden bei der Weltrevolution in ihrer französischen Phase die Hand im Spiel gehabt hätten, lässt sich nicht nachweisen. Unter diesen Umständen ist es sehr wohl möglich, dass die Weltrevolution anfangs kein jüdisches Unterfangen war und erst später unter jüdische Kontrolle geriet. Definitive Schlussfolgerungen lassen sich nicht ziehen, denn die Verwischung von Spuren ist das oberste Prinzip revolutionärer Taktik.

Allem Anschein nach spielten die Juden bei der ursprünglichen Verschwörung, jener Weishaupts und der Illuminaten, keine oder allenfalls eine geringfügige Rolle; bei der Französischen Revolution war ihr Anteil unter den Revolutionsführern nicht höher als ihr Anteil unter der Bevölkerung insgesamt. Bezüglich des ersten Punktes schreibt die namhafteste Autorität auf diesem Gebiet, Nesta Webster, Juden seien „nur in seltenen Fällen“ in den Orden aufgenommen worden. Leopold Engel, eine mysteriöse Figur, die den Orden 1880 reorganisierte, geht noch weiter und behauptet, die Rekrutierung von Juden sei ausdrücklich verboten gewesen. Andererseits stellte sich Mirabeau, ein namhafter Illuminat und Revolutionär, hinter jüdische Forderungen und Anliegen, so dass ein allfälliges Verbot der Anwerbung von Juden eine jener Tarnmaßnahmen gewesen sein könnte, auf die Weishaupt so großen Wert legte.

Die führenden Fachleute sind sich darüber einig, dass die Illuminaten die Anstifter der Revolution und in allen Ländern vertreten waren. Chevalier de Malet hielt fest: „Die Urheber der Revolution sind nicht mehr Franzosen, als dass sie Deutsche, Italiener, Engländer etc. sind. Sie bilden eine besondere Nation, die im Dunkel geboren wurde und aufwuchs, inmitten aller zivilisierten Nationen, die sie unterwerfen und beherrschen wollen.“ Dasselbe Bild ergibt sich heute auch aus der Erforschung der Französischen Revolution; es unterscheidet sich radikal von dem der Russischen Revolution von 1917, auf die diese Worte in keiner Hinsicht zuträfen.

Bei der Französischen Revolution selbst (im Gegensatz zu der ihr vorausgehenden Verschwörung) ist die Rolle der Juden recht klar; Sie bestand darin, „die Unordnung zu begünstigen“, wie es im Koran heißt, doch unternahmen sie keinen Versuch, die Kontrolle über die Revolution an sich zu reißen. Den damaligen Dokumenten lässt sich oft nicht entnehmen, ob eine Person jüdischer Abstammung war, weil die betreffenden Autoren dies nicht erwähnten. Außerdem richtete sich die Revolution in ihrer Französischen Phase zumindest dem Anschein nach gegen alle Religionen und Nationen (in der russischen Phase war dies nicht mehr der Fall). Deshalb gehörten dem Pöbel, der, während in den Kirchen von Paris Feste zu Ehren der „Vernunft“ gefeiert wurden, der revolutionären Versammlung Kreuze und Kelche brachte, auch Juden an, die aus den Synagogen Schmuckstücke geraubt hatten und der Profanierung preisgaben. Im „Tempel der Freiheit“ bewies ein „in den Vorurteilen der jüdischen Religion erzogener Bürger“ namens Alexandre Lambert, dass „alle Arten von Religion Betrügereien sind, die den Menschen gleichermaßen erniedrigen“. Dabei verlieh Lambert seinem Protest gegen die Knechtschaft des Talmuds beredten Ausdruck:

„Bürger! Die Unehrlichkeit, der die jüdische Nation angeklagt ist, kommt nicht von ihr selbst, sondern von ihren Priestern. Ihre Religion erlaubt ihnen nicht, von Glaubensgenossen mehr als fünf Prozent Zins zu nehmen, befiehlt ihnen aber, von Katholiken soviel wie möglich zu nehmen; in unseren Morgengebeten ist es sogar Brauch, um Gottes Hilfe bei der Ausplünderung eines Christen zu bitten. Dies ist aber noch nicht alles, Bürger, der Höhepunkt der Niederträchtigkeit ist folgendes: Wenn bei einem Handel zwischen Juden ein Fehler unterläuft, muss er gutgemacht werden, aber wenn ein Christ statt 100 Louis 25 zu viel zahlt, ist man nicht verpflichtet, sie ihm zurückzugeben. Welch eine Infamie! Welch eine Ruchlosigkeit! Und woher kommt das alles, wenn nicht von den Rabbinern? Wer hat zu unserer Ächtung [der Ächtung der Revolutionäre] aufgerufen? Unsere Priester! Ach Bürger, mehr als irgendeinem anderen Ding auf der Welt müssen wir einer Religion abschwören, die uns lästige und knechtische Praktiken aufzwingt und es uns unmöglich macht, gute Bürger zu sein.“4

Es gibt zwar Autoren, denen zufolge die Juden sich nicht nur an der Revolution beteiligten, sondern für deren schlimmste Gräuel verantwortlich waren, doch dies ist bloße Prahlerei, die von jüdischer und nicht von nichtjüdischer Seite stammt. Zu diesen Autoren gehörte beispielsweise ein Léon Kahn, der hundert Jahre nach den Geschehnissen behauptete, von ihm namentlich genannte Juden seien für die Angriffe auf den König und die Religion verantwortlich gewesen. Diese Art von Geschichtsfälschung, die sich in der jüdischen Literatur nicht selten findet, verfolgt den Zweck, nachzuweisen, dass solche Dinge einzig und allein durch die Hand Jahwes, also durch die Juden, geschehen können. Offenbar war Kahn unfähig, die Französische Revolution anders darzustellen als in Bildern, die der Geschichte von Daniel und Belsazar entlehnt waren. Hätte sich nicht die Russische Revolution ereignet, so würde es sich nicht lohnen, Herrn Kahn auch nur zu erwähnen; auch in diesem Fall verleitet unser heutiges Wissen uns dazu, Behauptungen wie die seinen für bare Münze zu nehmen.

Als die Französische Revolution abgeklungen war, machte es den Anschein, die jüdischen Führer hätten im Interesse ihrer Gemeinde das Beste aus der Situation gemacht, was selbstverständlich ihr gutes Recht war. Im Lichte der späteren Ereignisse lässt sich freilich sagen, dass jene Juden, die von den Ereignissen profitierten, die Ostjuden waren und dass diese nichtsemitischen Konvertiten zum Judentum die Entwicklung zum ersten konzertierten Sturmangriff auf das Abendland nutzten.

Die meisten französischen Juden waren Sepharden, also Nachkömmlinge der spanischen und portugiesischen Juden, die zumindest teilweise von den Hebräern Palästinas abstammten. Sofern diese Juden noch unter rechtlichen Diskriminierungen zu leiden hatten, wurden letztere im Jahre 1790 durch ein Dekret beseitigt, das alle Juden zu französischen Bürgern machte.

Allerdings gab es damals im Elsass bereits eine Gemeinde, die aus Aschkenasen bestand. Diese Ostjuden waren äußerst unbeliebt; der Vorschlag, ihnen das französische Bürgerrecht zu verleihen, führte in der Generalversammlung zu stürmischen Debatten und löste unter den elsässischen Bauern einen regelrechten Aufruhr aus. Bei diesem Anlass erschollen wiederum Warnungen, wie sie in Europa bereits in früheren Jahrhunderten erklungen waren. Abbé Mauret mahnte die Abgeordneten:

„Die Juden haben sich siebzehn Jahrhunderte lang nicht mit anderen Nationen vermischt… Man darf sie nicht verfolgen; sie müssen als Individuen geschützt werden, nicht aber als Franzosen, denn sie können keine Bürger sein… Was immer ihr tut, sie werden stets Fremdlinge unter uns bleiben.“

Der Bischof von Nancy stieß ins gleiche Horn: „Man muss ihnen Schutz, Sicherheit und Freiheit zuteil werden lassen, doch sollten wir einem Stamm Zutritt zu unserer Familie gewähren, der ihr fremd ist, dessen Augen unaufhörlich auf ein seinen Angehörigen gemeinsames Land gerichtet sind, der davon träumt, das Land zu verlassen, in dem er ansässig ist? Die Interessen der Juden selbst machen diesen Protest erforderlich.“

Selbst die Sepharden schlossen sich diesem Protest an: „Wir machen kein Hehl aus unserer Überzeugung, dass unser Status in Frankreich heute keinen Anlass zur Diskussion gäbe, hätten gewisse Forderungen der Juden Elsass-Lothringens und der drei Bischofstümer nicht eine Verwirrung erzeugt, die anscheinend auch auf uns abfärbt… Den Zeitungen nach zu urteilen, scheinen diese Forderungen recht ungewöhnlich zu sein, weil diese Juden in Frankreich einen Sonderstatus verlangen, nur für sie gültige Gesetze haben wollen und eine Klasse von Bürgern zu bilden gedenken, die von allen anderen getrennt lebt.“

Zu diesem jüdischen Protest hatte es schon in früheren Jahrhunderten Parallelen gegeben, die von den nichtjüdischen Herrschern allerdings regelmäßig ignoriert wurden. Auch diesmal war ihm ebenso wenig Erfolg beschieden wie dreißig Jahre früher dem Widerstand der Pariser Händler gegen ein Dekret, das Juden den Eintritt in ihre Verbände erlaubte:

„Der französische Händler treibt seinen Handel allein; jedes Handelsunternehmen ist gewissermaßen isoliert, während die Juden Bestandteile des Quecksilbers sind und letzten Endes immer einen festen Block bilden.“

Ungeachtet aller Opposition erhielten auch die elsässischen Juden 1791 die französische Staatsbürgerschaft. Als Napoleon die Macht ergriff, hatte das jüdische Problem bereits gewaltige Ausmaße angenommen, und da es ihm nicht gelang, es zu lösen, wurde es schon bald zu einem Problem für die Welt.

Von diesem Zeitpunkt an tat die führende Sekte innerhalb des Judentums alles in ihrer Macht stehende, um den Einfluss der ursprünglichen, sephardischen Juden zu verringern und jenen der in geschlossenen Siedlungsgebieten im Osten lebenden Aschkenasen zu mehren. Die Aschkenasen migrierten alsbald in immer größeren Scharen nach Mittel- und Westeuropa (und später nach Amerika), schwangen sich zu Führern der Weltrevolution auf und bliesen überall zum Sturm auf die bestehenden Regierungen, die Religion und die Nation.

Diese Entwicklung kam nach der ersten Phase der Weltrevolution, der Französischen Revolution, in Gang und erinnerte an das Eindrücken einer Tür oder den Bruch eines Deichs. Bisher hatte man allenfalls behaupten können, die Juden hätten zur Revolution einen Beitrag geleistet, der ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprach, und von ihr etwas mehr profitiert als andere. Doch nun wandelte sich das Bild jäh; von jetzt an waren die Juden nicht bloße Teilnehmer am revolutionären Prozess, sondern dessen Führer.

In den fünf Jahrzehnten, die auf die Enthüllung eines weltrevolutionären Plans und die bald danach ausgebrochene Französische Revolution folgten, verliefen die Geschichte des Judentums und jene der Weltrevolution nicht länger getrennt, sondern flossen zusammen. Die weiterhin existierende Verschwörung und die Juden (genauer gesagt, die führende Sekte innerhalb des Judentums) wurden buchstäblich miteinander identisch; niemand konnte fortan guten Gewissens behaupten, sie hätten nichts miteinander zu tun. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich die Weltrevolution unter jüdischer Führung.

Dies wurde von einem Mann bezeugt, an dessen Sachkenntnis kein Zweifel statthaft war und dessen Warnungen sich im Folgenden ebenso bewahrheiten sollten wie die der früheren Mahner de Luchet, Hamilton und Burke. Dieser Mann war kein Geringerer als Benjamin Disraeli, Premierminister von Großbritannien.

2. Whittaker Chambers, ein leicht beeinflussbarer, charakterlich labiler junger Amerikaner wurde 1925 an der Universität von Columbia, New York, von den Kommunisten angeworben. Im Folgenden war er als Agent und Kurier tätig, der unter einem Pseudonym arbeitete und seinen kommunistischen Vorgesetzten gestohlene Dokumente zuspielte. 1938 wurde er seiner Tätigkeit sowie der kommunistischen Partei überdrüssig. Schockiert über die Allianz zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten versuchte er 1939, Präsident Roosevelt über die Infiltration des Regierungsapparates durch kommunistische Agenten sowie die fortgesetzte Spionage aufzuklären, wurde jedoch rüde abgewiesen: Ein Emissär des Präsidenten riet ihm, „in den See zu springen“. Vorsichtigerweise hatte er sein Beweismaterial (Hunderte von Photographien offizieller Geheimdokumente) in einem ausrangierten Fahrstuhlschacht verborgen. Bis 1948 blieb es still um ihn, doch dann wurde sein Name im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens genannt, das durch die Enthüllungen eines anderen ehemaligen kommunistischen Agenten ausgelöst worden war, und er wurde in den Zeugenstand gerufen. Unmittelbar danach reichte ein hoher Regierungsbeamter namens Alger Hiss Strafanzeige gegen Whittaker Chambers ein, weil ihn dieser bezichtigt hatte, streng geheime Papiere gestohlen und über ihn, Chambers, an die Kommunisten weitergeleitet zu haben. Um sich verteidigen zu können, bat Chambers einen Verwandten in New York, nachzuforschen, ob sich die von ihm verborgenen Papiere immer noch in dem Fahrstuhlschacht befanden. Dies war in der Tat der Fall, und als Chambers das staubbedeckte Paket nach zehn Jahren öffnete, wurde er sich der immensen Brisanz seines Inhalts erst so richtig bewusst.. Er versteckte das Paket zunächst in einem hohlen Kürbis auf seiner Farm, legte es aber bei dem Prozess, den Hiss wegen übler Nachrede gegen ihn angestrengt hatte, als Beweismaterial vor. Dies führte dazu, dass Hiss wegen Spionage verurteilt wurde und die kommunistische Unterwanderung der amerikanischen Regierung zumindest teilweise ans Licht kam; sie hatte solche Ausmaße angenommen, dass der Schluss nahe liegt, die Politik der Vereinigten Staaten sei während des ganzen Zweiten Weltkriegs großenteils von den Führern der Weltrevolution in Moskau beeinflusst worden.

3. Moses Mendelssohn vor fast zweihundert Jahren gemachte Ausführungen geben die jüdische Einstellung gegenüber den „minderen Arten ohne Gesetz“ (Kipling) korrekt wieder. In unseren Tagen (anno 1955) entstand in Israel ein Plan, die minderen Arten nominell der jüdischen Gemeinschaft anzugliedern, sie de facto aber auch weiterhin zu diskriminieren und auszugrenzen. Wie sich der Leser erinnert wird, waren Konvertiten zum Judentum in der vorchristlichen Periode willkommen, doch nach Beginn der christlichen Ära wurde die jüdische Haltung gegenüber Konversionen zusehends feindlicher, und diese Feindseligkeit nahm schließlich geradezu rabiate Züge an (abgesehen von der Massenbekehrung der mongolischen Chasaren, von denen die heutigen Aschkenazen abstammen) Laut dem Talmud sind Proselyten „für Israel so schädlich wie die Krätze“.

1955 meinte ein in Deutschland geborener, jedoch in den USA lebender junger Reform-Rabbiner namens Jakob Petuchowski, für die Juden sei nun die Zeit gekommen, unter den Nichtjuden zu missionieren, wobei sich diese Missionsarbeit an den von Moses Mendelssohn aufgestellten Prinzipien orientieren müsse. Dabei fand Petuchowski eine Lösung für ein Problem, das Mendelssohn unüberwindbar erschienen war („Gemäß den Grundsätzen meiner Religion darf ich nicht versuchen, jemanden, der von Geburt nicht unserer Gemeinschaft angehört, zu bekehren… Die jüdische Religion ist absolut dagegen [d.h. gegen Konversionen].)“ Petuchowski schlug vor, die Missionstätigkeit solle auf einer Grundlage erfolgen, die den Nichtjuden gegenüber den Juden einen Status einräumen sollte, der recht genau demjenigen der amerikanischen Negersklaven gegenüber den weißen Herren der Plantagen entsprach. Von den Konvertiten sollte lediglich verlangt (oder besser gewagt, ihnen sollte lediglich erlaubt) werden, den „sieben noachidischen Gesetzen“ zu gehorchen; vermutlich enthält dieser Ausdruck eine Anspielung auf das neunte Kapitel der Genesis. Die Befolgung der vielen hundert Gesetze, die Gott den Juden laut dem Mosaischen Gesetz auferlegt hat, sollte den Nichtjuden nicht abverlangt werden. Auf diese Weise sollte das Judentum den „minderen Arten“ anscheinend jene „Religion der Natur und Vernunft“ schenken, die ihnen schon Adam Weishaupt und Moses Mendelssohn empfohlen hatten. Wenn sie sich dann „Juden“ nennen, tun sie es einfach den schwarzen Plantagensklaven gleich, welche die Familiennamen ihrer Besitzer zu übernehmen pflegten.

Diesem raffinierten Vorschlag mochte vielleicht die Überlegung zugrunde liegen, dass die jüdische Macht mittlerweile weltweit dermaßen groß ist, dass sie eine Klärung des Status der „minderen Arten“ erforderlich macht, wenn das Gesetz wortwörtlich befolgt werden soll. Petuchowskis eigene Formulierung lautete wie folgt: „Religiöse Juden glauben, dass die Pläne für Gottes Königreich auf Erden bereits angelaufen sind… Jene Nichtjuden, welche diese Rettung in weiterem Sinne anstreben, sollten deshalb mit dem vertraut gemacht werden, was das Judentum zu bieten hat, und sollten aufgefordert werden, ihr Geschick mit demjenigen Israels zu verketten.“ Was das Judentum „zu bieten hat“, ist die „Religion der Natur und Vernunft“.

4. Der Satz „Und woher kommt das alles, wenn nicht von den Rabbinern?“ bietet uns die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass das Judentum zum Zeitpunkt, wo Alexandre Lambert diese Worte sprach, eben erst in seine rabbinische Periode eingetreten war. Bis zur Teilung Polens im Jahre 1772 hatte es stets ein sichtbares Zentrum oder eine führende Autorität für das gesamte Judentum gegeben. Anfangs war dies das levitische Priestertum in Jerusalem und Babylon. Während der Römerzeit bildete die vorherrschende Partei, die der Pharisäer, in der Praxis die Regierung. Nach dem Fall Jerusalems und der Zerstreuung der Juden entstand eine „mobile Regierung“, die ihren Sitz der Reihe nach in Palästina, Babylonien, Spanien und Polen hatte. 1772 tauchte diese Regierung in den Untergrund ab, und es begann die rabbinische Periode, während deren jede jüdische Gemeinde ihrem eigenen Rabbiner unterstand. Unter letzteren gab es natürlich Männer, die sich in Bezug auf Orthodoxie und Charakter stark unterschieden und alle Schattierungen von der extremsten bis zur gemäßigtsten verkörperten, doch in unserem Jahrhundert hat sich gezeigt, dass die meisten von ihnen wie schon in den früheren Perioden der jüdischen Geschichte das jüdische Gesetz, welches vom nichtjüdischen Standpunkt aus Extremismus in seiner reinsten Form darstellt, wortwörtlich befolgen.

Kapitel 21

Die Warnungen Disraelis

Benjamin Disraeli, der spätere Lord Beaconsfield, hat die Christenheit wiederholt vor der Weltrevolution gewarnt. Wie de Luchet, Hamilton und Burke fünfzig Jahre zuvor erkannte er hinter dieser einen „Plan“, im Gegensatz zu Lord Acton, der ein halbes Jahrhundert später lediglich von anonymen „Managern“ sprach. Disraeli identifizierte die Organisatoren dieses Plans ohne Umschweife als Juden. Die seitherige Entwicklung hat die Richtigkeit seiner Warnungen bestätigt: Was auch immer ihre Ursprünge gewesen sein mögen, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich die Weltrevolution unter jüdischer Führung. Dieser Zustand hielt zumindest bis zu den zwanziger Jahren unseres eigenen Jahrhunderts an, meiner persönlichen Überzeugung zufolge sogar bis zum heutigen Tage.

Warum die talmudistische Sekte die Kontrolle über die von Weishaupt begründete revolutionäre Organisation übernahm, lässt sich unter den gegenwärtigen Bedingungen ebenso wenig beantworten wie die Frage, ob sie möglicherweise von Anfang an hinter dem ganzen Unternehmen stand. Das Ziel der jüdischen Weltherrschaft war viele Jahrhunderte lang durch den Talmud, und erst recht durch die Kabbala5, propagiert worden. Wenn die Versklavung der „Heiden“ und ihre Unterwerfung unter die „heilige Nation“ zustande kommen soll, kann dies einzig und allein über eine destruktive Organisation wie die von Weishaupt gegründete Sekte erfolgen. Dass Weishaupt seinen Illuminatenorden ausgerechnet zu dem Zeitpunkt schuf, wo sich das jüdische „Zentrum“ in Polen unsichtbar machte, nachdem es mehr als zwei Jahrtausende lang ohne jeden Unterbruch sichtbar existiert hatte, könnte mehr als bloßer Zufall sein. Denkbar ist freilich auch, dass die herrschende Sekte zur Verwirklichung der talmudischen Prophezeiungen eine von Nichtjuden zu ganz anderen Zwecken gegründete zerstörerische Organisation unterwanderte und unter ihre Kontrolle brachte.

Die beiden eindringlichsten Warnungen Disraelis erfolgten vor und nach der revolutionären Welle, die 1848 über große Teile Europas schwappte. Diese revolutionären Bestrebungen stützten sich auf die ein halbes Jahrhundert zuvor in Frankreich gesammelten Erfahrungen und stellten die zweite jener „Eruptionen“ oder „periodischen Explosionen“ der Weltrevolution dar, von denen Luchet und Hamilton gesprochen hatten. Sie scheiterten jedoch überall, wahrscheinlich weil die Erinnerung an die Französische Revolution noch frisch genug war, um Regierungen und Völker zu entschlossenen Abwehrmaßnahmen zu veranlassen. Das Abebben der revolutionären Welle verleitete Disraeli zu keinerlei Illusionen. Bereits vor ihrem Einsetzen hatte er sie vorausgesagt, was bedeutet, dass er sich über die fortgesetzte Existenz der Verschwörung im Klaren war und wusste, dass diese auch in Zukunft gewaltsame Erschütterungen provozieren würde.

Disraeli schrieb Romane, die sich weit größeren Erfolgs erfreuten als die seiner späteren Imitatoren, des texanischen Obersten House sowie des jungen Winston Churchill. In diesen Romanen schlüpft er als Erzähler jeweils in die Rolle eines distanzierten, allwissenden, leicht ironisierenden Chronisten der Irrungen und Wirrungen des Menschengeschlechts. In Coningsby ist dieser Erzähler Sidonia, ein spanischer Moslem jüdischer Herkunft. Als hochkarätiger Financier ist Sidonia die graue Eminenz hinter den Mächtigen, welche die Ereignisse leidenschaftslos manipuliert.

Dabei kommt ihm seine „absolute Freiheit von Vorurteilen“ zugute, die einen „Menschen ohne Vaterland“ auszeichnet.

In dem im Jahre 1846 erschienenen Roman Coningsby sagt Sidonia: „Die mächtige Revolution, die gegenwärtig in Deutschland vorbereitet wird… und von der man in England so wenig weiß, entwickelt sich voll und ganz unter der Führung der Juden.“

1852, vier Jahre nach den Wirren auf dem europäischen Kontinent, griff Disraeli diesen Gedanken in einer Ansprache vor dem Unterhaus wieder auf: „Der Einfluss der Juden lässt sich im letzten Ausbruch des destruktiven Prinzips in Europa verfolgen. Es findet ein Aufstand gegen Tradition und Aristokratie, gegen Religion und Eigentum statt… Die natürliche Gleichheit der Menschen und die Abschaffung des Eigentums werden von jenen Geheimgesellschaften propagiert, welche provisorische Regierungen bilden, und Männer der jüdischen Rasse finden sich an der Spitze jeder von ihnen.“ Genau dies war sieben Jahrzehnte nach dem europäischen Revolutionsjahr anno 1917 in Russland der Fall.

Disraeli fügte hinzu: „Die geschicktesten Manipulatoren des Eigentums verbünden sich mit Kommunisten; das von allen anderen abgesonderte auserwählte Volk geht Hand in Hand mit dem ganzen Abschaum und den niedrigen Kasten Europas.“ Diesem Handeln lag laut Disraeli der Wunsch nach der Zerstörung des Christentums zugrunde.

Wer ein Buch wie das vorliegende schreibt, muss ungeheuer viel recherchieren und dazu viel Kraft aufwenden. Dass der Verfasser im Verlauf seiner Recherchen Bekanntschaft mit Disraeli schloss, entschädigte ihn für gar manche Mühen. Bei seiner Reise durch die Jahrhunderte hat der Leser neben vielen falschen Propheten auch einige wahre kennengelernt, doch wird er keinen zweiten vom Kaliber Benjamin Disraelis antreffen, dessen Befreiung von der Knechtschaft des Talmud ihm seine „absolute Freiheit von Vorurteilen“ bescherte. Disraeli stand in der Tradition jener israelitischen Propheten, die Juda angeprangert hatten. Er empfand zwar Stolz auf seine jüdische Abstammung, aber seine Abkehr vom jüdischen Glauben befähigte ihn, England inbrünstiger zu lieben als gar mancher waschechte Angelsachse. Seine ironischen Kommentare zu Politik und Gesellschaft wirken heute, wo sich die Politiker vor der Wahrheit fürchten wie der Leibhaftige vor dem Weihwasser, geradezu herzerfrischend.

Die Welt, schrieb Disraeli, werde „von ganz anderen Personen regiert, als sich jemand, der nicht hinter den Kulissen steht, vorstellen kann“. Damit bekundete er in aller Öffentlichkeit, dass in der Politik eine unsichtbare Hand das Zepter schwingt. Jeder gutinformierte Beobachter weiß, dass dies in der Tat der Fall ist, aber heutzutage würde ein amerikanischer Präsident oder britischer Premierminister eine solche Aussage unweigerlich als „Hexenjagd“ brandmarken. „Ich glaube, kein Irrtum ist so verbreitet wie der, Revolutionen seien die Folge wirtschaftlicher Krisen“ , sagt Sidonia. Also sprach Disraeli. In unserem Jahrhundert haben ein Lloyd George und ein Woodrow Wilson, ein Franklin Roosevelt und ein Harry Truman behauptet, die Revolutionen in Frankreich, Russland und anderswo seien spontane Aufstände der ergrimmten Volksmassen gegen die „Tyrannei“ gewesen.

Disraeli war nicht bloß ein „getaufter Jude“, sondern ein praktizierender Christ. Er hätte es nicht zugelassen, dass sein Name, oder der seines Landes, durch ein alttestamentarisches Rachetribunal wie dem von Nürnberg besudelt wurde, denn nach der indischen Meuterei von 1857, als ganz England nach Rache schrie, sagte er:

„Ich erkläre in aller Bescheidenheit, aber ohne jedes Zaudern, dass ich die Erklärungen jener hochgestellten Persönlichkeiten missbillige, die meinen, England solle seine hohen Ansprüche unter dem Banner der ‚Rache‘ und nicht unter dem der ‚Gerechtigkeit‘ verwirklichen… Ich verwahre mich dagegen, auf Gräueltaten mit Gräueltaten zu antworten. Ich habe in letzter Zeit Dinge gehört und gelesen, die bei mir beinahe den Verdacht aufkommen lassen, die religiösen Ansichten der Menschen Englands hätten sich jäh gewandelt, und statt sich vor den Namen Jesu zu verneigen, schickten sie sich an, den Mollochkult wiederzubeleben. Ich kann nicht glauben, dass es unsere Pflicht ist, einem solchen Geist zu huldigen.“

Disraeli, der seine Worte sorgfältig zu wählen pflegte, wusste, dass das Wort „Mollochkult“ jedermann, ob Jude oder Nichtjude, ein Begriff war. Der Streit zwischen dem alten Israel und dem Juda der Leviten war um dieser falschen Gottheit und ihrer Forderungen willen entbrannt; um dieser Frage willen hatte sich Israel von Juda abgewandt. Dies war die Wurzel des Streits um Zion, der vor fast dreitausend Jahren seinen Anfang nahm. Ihm lagen zwei der wichtigsten Stellen des Alten Testaments zugrunde, jene bei Jeremia, der geltend machte, Gott habe den Kindern Israel niemals geboten, ihre Söhne und Töchter dem Moloch zu opfern, und jene bei Hesekiel, wo Jahwe einräumt, Israel Dinge befohlen zu haben, die „nicht gut“ seien, darunter das Opfer der Erstgeborenen. War Gott ein Gott der Liebe und der Gnade oder ein Gott des Hasses und der Rache, der seinen Anhängern Menschenopfer abverlangte? Dies war von Anfang an die Wurzel des Streits um Zion, und sie ist es bis zum heutigen Tag. Hätte Disraeli hundert Jahre später gelebt, so hätte dieser Spross des Judentums der Christenheit den Schandfleck der talmudistischen Rachejustiz von Nürnberg erspart.

Ebenso wenig kann man sich vorstellen, dass Disraeli das Gewicht seiner Person, seines Amtes und seines Landes in die Waagschale geworfen hätte, um die Weltrevolution zu fördern und zu verbreiten. Während die Führer Großbritanniens und Amerikas in den beiden Weltkriegen genau dies taten, warnte Disraeli sein Land während seiner ganzen politischen Karriere unermüdlich vor der zerstörerischen Verschwörung, die seine Nachfolger dann begünstigen sollten.

1955 erklärte ein Lord Samuel, der ursprünglich einfach Herbert Samuel geheißen hatte, auf dem Höhepunkt der Macht der englischen Liberalen jedoch in den Adelsstand erhoben worden war, stolz, er sei der erste Jude gewesen, der einen Posten im britischen Kabinett bekleidet habe. Dies war vermutlich ein gezielter Seitenhieb gegen Disraeli, der ja zum anglikanischen Christentum konvertiert war. Allerdings sähe die Welt heute, im 20. Jahrhundert, besser aus, wenn es mehr Disraelis gegeben hätte. Was aus der Distanz eines Jahrhunderts an Disraeli so außergewöhnlich wirkt, sind seine absolute Wahrheitsliebe, die Genauigkeit seiner Voraussagen, sein sicherer Instinkt, seine umfassenden Kenntnisse, seine zwar leidenschaftslose, aber deshalb nicht minder tiefe Liebe zu England sowie schließlich seine christliche Nächstenliebe. In Sachfragen hatte er stets recht, in moralischen Fragen stand er stets auf der Seite der Engel. Den „Liberalen“ begegnete er mit Verachtung, die er in markanten Formulierungen auszudrücken verstand („Kindermord wird in England in ebenso großem Ausmaß und ebenso legal praktiziert wie an den Ufern des Ganges, ein Umstand, auf den die Gesellschaft für die Verbreitung des Evangeliums noch nicht aufmerksam geworden ist“ ). Wir persönlich sind der Ansicht, dass sich Disraeli in einem Punkt geirrt hat; er meinte nämlich, die Lehren Jesu seien die Krönung und nicht die Verwerfung der jüdischen Religion. Mir scheint das Gegenteil zuzutreffen, nämlich dass der Judaismus jene Häresie war (der „Mollochkult“, wie sich Disraeli ausdrückte), die zu ändern Jesus Christus gekommen war.

Als Engländer, der von sephardischen Juden abstammte, war Disraeli zwangsläufig vom Einfluss dieser beiden Nationen geprägt; ansonsten hätte er nie und nimmer „absolute Freiheit von Vorurteilen“ erringen können. Sein Vater, Isaac Disraeli, hatte geschrieben: „Eine Religion, die keine Toleranz kennt, kann man nicht ohne Gefahr für die eigene Sicherheit tolerieren, wenn sie eine Chance besitzt, politische Macht zu erringen.“ Laut der Encyclopaedia Britannica war der Grund für Isaacs Abkehr von der Synagoge, dass das talmudistische Judentum mit seinen starren Gesetzen „die Juden von der großen Familie der Menschheit absondert“. Der Biograph seines Sohnes, Hesketh Pearson, berichtet, die jüdischen Führer hätten Isaac Disraeli zu einer Buße von vierzig Pfund verurteilt, nachdem er seine Wahl zum Vorsteher der Gemeinschaft mit der Begründung abgelehnt habe, er könne sich nicht an den öffentlichen Gottesdiensten beteiligen, weil diese in ihrer gegenwärtigen Form religiöse Gefühle nicht förderten, sondern behinderten. Hätte Isaac in einer talmudistischen Gemeinde in Russland oder Polen gelebt, so wäre er nicht mit einer Busse davongekommen; er hätte die Führer der Gemeinschaft nicht so kühn herausfordern können, ohne der Ächtung anheimzufallen oder gar umgebracht zu werden.

Somit waren sowohl der Vater als auch der Sohn (welcher der anglikanischen Kirche mit zwölf Jahren beitrat) durch das damals noch freie Klima Englands geprägt. Als Premierminister sorgte Benjamin Disraeli für die Beseitigung der letzten Diskriminierungen, unter denen die britischen Juden noch zu leiden hatten, was ihn freilich nicht daran hinderte, öffentlich zu erklären, die Juden seien im Begriff, die Kontrolle über die Weltrevolution zu übernehmen (wozu sie nur dank ihrer Emanzipation imstande waren!). Einem Menschen, der „absolut frei von Vorurteilen war“, galten sowohl der Kampf für die Emanzipation der Juden als auch der offenherzige Hinweis auf die schwerwiegenden Folgen eben dieser Emanzipation gleichermaßen als Pflicht. Dies entbehrt nicht der Ironie, weil gerade die Gegner der Judenemanzipation immer wieder vor einem solchen Schritt gewarnt hatten.

Bevor wir das Thema Disraeli abschließen können, müssen wir uns dem Verlauf der Weltrevolution während jener Epoche zuwenden. Als Adam Weishaupt, der Begründer des Illuminatenordens, anno 1830 starb, war Benjamin Disraeli sechsundzwanzig Jahre alt. In den nächsten fünf Jahrzehnten tobte ein erbitterter Untergrundkrieg um die Nachfolge Weishaupts, aus dem das Judentum, oder genauer gesagt sein östlicher Zweig, als Sieger hervorging. Von nun an kontrollierten die Ostjuden, die von talmudistischen Rabbinern geleiteten Chasaren, die Weltrevolution.

Dieses Ergebnis stand keineswegs von Anfang an fest, denn am Kampf um Weishaupts Erbe beteiligten sich die unterschiedlichsten Figuren, und etliche davon waren Nichtjuden. Zu Beginn existierte noch keine einheitliche revolutionäre Organisation; es gab lediglich miteinander rivalisierende revolutionäre Geheimgesellschaften in verschiedenen Ländern. Die wichtigste davon, deren Ursprung sich am eindeutigsten auf Weishaupt zurückführen ließ, war die Alta Vendita in Italien. Aus Dokumenten, die in den Besitz des Vatikan gelangt und von diesem veröffentlicht worden waren, war ersichtlich, dass diese Gruppierung sich eng an die Ziele des Illuminatenordens anlehnte und sich derselben Methoden bediente. Hierauf hat Nesta Webster, die sich auf das Werk Crétineau Jolys stützte, mit gebührendem Nachdruck hingewiesen.

In Frankreich benutzten die Verschwörer auch weiterhin die Freimaurerei als Transmissionsriemen, während Weishaupts Gefolgsleute in Deutschland den sogenannten „Tugendbund“ leiteten.

Mehrere Männer arbeiteten zielstrebig darauf hin, diese scheinbar unterschiedlichen nationalen Bewegungen zu vereinen und sich als Nachfolger Weishaupts an ihre Spitze zu stellen. Darunter waren der Franzose Louis Blanc (der Leser tut gut daran, sich diesen Namen zu merken, denn eine kurze Zeit lang machte es den Anschein, als würde dieser Mann die Rolle spielen, die später Lenin zufiel), der Russe Michael Bakunin und der deutsche Jude Karl Marx.

Da Louis Blanc schon bald von der Bühne abtrat, fand der Entscheidungskampf zwischen Bakunin und Marx statt. Zwischen diesen beiden Männern klaffte ein himmelweiter Unterschied. Bakunin, der Begründer des Anarchismus, war laut dem französischen revolutionären Sozialisten Benoît Malot ein Jünger Weishaupts. Er repräsentierte jenen frühen Schlag idealistischer Aufrührer, die glaubten, in der Revolution ein Werkzeug zur Zerstörung der Tyrannei gefunden zu haben. Bakunin erkannte die Gefahr, dass ein auf den Trümmern des Privateigentums gegründeter Staat die despotischen Eigenschaften des Privatkapitalisten womöglich ins Uferlose steigern würde, und sann daher über Möglichkeiten nach, den Gemeinbesitz von Grund und Kapital mit der größtmöglichen Verringerung der Staatsmacht und letzten Endes mit dem Absterben des Staates an sich zu vereinbaren. Somit unterschied er sich grundlegend von Marx, der zwar ebenfalls den Gemeinbesitz von Grund und Kapital befürwortete, jedoch an die Stelle vieler kleiner Tyrannen eine einzige Supertyrannei setzen wollte.

Die treibende Kraft, die Bakunins ganzem Werk ihre Prägung verlieh, war sein Abscheu vor der Despotie, während Marx die herrschende Klasse ausschalten wollte, um sie durch eine Gewaltherrschaft zu ersetzen, wie sie die Welt noch nie gesehen hatte. Somit unterschieden sich die Ziele dieser beiden Männer wie Tag und Nacht. Dies wirft eine Frage auf, die sich niemals beantworten lassen wird: Wie hätte sich die Weltgeschichte entwickelt, wenn die Führung der Weltrevolution dem Anarchismus eines Bakunin zugefallen wäre und nicht dem Kommunismus eines Karl Marx? Schließlich bekämpfte der Anarchismus jede Form von Zwangsregime, ja den Staat an sich, während der Kommunismus die Apotheose der Staatsmacht darstellte.

An Bakunin wirkt alles echt: Sein Kampf, seine Leiden, sein Tod. An Marx wirkt alles falsch: Seine dreißigjährigen Studien im Lesesaal des British Museum, sein bequemes Leben als von Friedrich Engels ausgehaltener Schmarotzer, seine Zweckheirat mit einer „von“, sein pompöses Begräbnis mit pathetischen Reden an seinem Grabe. All dies war typisch für einen Kleinbürger, der wild gegen die Bourgeoisie gewettert hatte. Der größte Schwindel war sein Kommunistisches Manifest, das eine Krankheit diagnostizierte („Das Proletariat hat keinen Besitz“) und als Heilmittel den Selbstmord verschrieb („Die Theorie der Kommunisten lässt sich in einem einzigen Satz zusammenfassen: Abschaffung des Privateigentums“).

Für das Proletariat war dies ein überdeutlicher Hinweis darauf, dass es vom Kommunismus nichts anderes zu gewinnen hatte als Sklavenketten und dass die revolutionären Ausbrüche, die sich nach der im Januar 1848 erfolgten Veröffentlichung des Manifestes in zahlreichen europäischen Staaten ereigneten, ganz unmöglich das Werk der unterdrückten Massen gewesen sein können. Schon wenige Wochen nach dem Erscheinen des Kommunistischen Manifests kam es in ganz Deutschland, in Österreich, Ungarn, Italien, Frankreich und Dänemark zu Revolten. Dies bewies, dass die „Geheimgesellschaften“ dieser Länder den Schulterschluss bereits vollzogen hatten und dass es irgendjemandem gelungen war, die Aufstände zu koordinieren und zu synchronisieren. Die in vielen Ländern zugleich ausgebrochenen Unruhen waren der erste handfeste Beweis für die Existenz einer Weltrevolution.

Man darf getrost davon ausgehen, dass nur eine damals bereits existierende Organisation über jenes internationales Netzwerk verfügen konnte, welches für die Koordination der Revolten unabdingbar war, und bei dieser Organisation konnte es sich einzig und allein um das talmudistische Rabbinertum in Osteuropa handeln. Theoretisch hätte man die riesige Organisation der Katholischen Kirche zu einem solchen Zweck missbrauchen können, doch die Kirche sah in der Revolution ihre Todfeindin und ließ sich unter keinen Umständen vor den Karren der Revolutionäre spannen; in diesem Punkt ist kein Zweifel möglich. Was Disraeli zwei Jahre zuvor gewusst und geschrieben hatte, wurde über Nacht Wirklichkeit: „Die mächtige Revolution, die gegenwärtig in Deutschland vorbereitet wird, entwickelt sich voll und ganz unter der Führung der Juden.“ Karl Marx und sein Kommunistisches Manifest waren die Vorhut eines epochemachenden geschichtlichen Ereignisses: Der Übernahme der Weltrevolution durch das talmudistische Judentum.

Von jenen drei Männern, die sich damals die Rolle eines Revolutionsführers streitig machen, schied einer, Louis Blanc, schon bald aus. Blanc war Mitglied der 1848 im Anschluss an die Revolte in Paris gegründeten provisorischen Regierung und besaß hiermit zumindest theoretisch die Möglichkeit, seine Theorien in die Praxis umzusetzen. Individualismus und Wettbewerb waren für ihn Krebsgeschwüre am Volkskörper; wie Marx schwebte auch ihm die Errichtung eines totalitären Superstaates vor (allerdings in der Form eines „Wohlfahrtsstaates“, wie ihn die britischen Sozialisten ein Jahrhundert später propagierten). Er warb nachdrücklich für ein „Recht auf Arbeit“ (im Russland des 20. Jahrhunderts versteht man darunter das Recht des Staates, seine Untertanen zur Zwangsarbeit abzukommandieren). Während seiner kurzen Amtszeit bemühte er sich, den „Lebensunterhalt der Arbeiter durch Arbeit“ zu garantieren, und wurde dazu ermächtigt, eine Versammlung von Arbeitervertretern einzuberufen, um einen Plan für „Vollbeschäftigung“ zu entwerfen. Diese Organisation war ein Vorläufer der sowjetischen Räte und ist der Hauptgrund dafür, dass man den Namen Louis Blanc heute noch kennt. Nach der Niederschlagung der Revolte floh Blanc nach England; erst dreiundzwanzig Jahre später kehrte er wieder nach Frankreich zurück, spielte fortan jedoch keine bedeutende Rolle mehr.

Somit verblieben nur noch Marx und Bakunin im Rennen. Karl Marx ließ sich in England nieder, als ihm nach den Geschehnissen von 1848 der Boden in Preußen und Frankreich zu heiß unter den Füssen geworden war, und blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1883 dort. Im Gegensatz zu Marx war Bakunin ein Barrikadenstürmer im wortwörtlichen Sinne. Er entstammte der russischen Aristokratie und diente als Offizier in der zaristischen Armee, die er nach der Unterdrückung des polnischen Aufstands von 1830 jedoch verließ. Der Terror im geknechteten Polen flößte diesem jungen russischen Offizier einen grenzenlosen Abscheu vor der Despotie ein, der künftig zum Leitmotiv seines Lebens werden sollte. Nachdem er sich vor 1848 einmal mit Marx getroffen hatte, schilderte er den Unterschied zwischen letzterem und ihm selbst wie folgt: „Marx nannte mich einen sentimentalen Idealisten, und er hatte recht; ich nannte ihn einen eitlen, hinterlistigen und gerissenen Menschen, und ich hatte ebenfalls recht.“

1848 nahm Bakunin in Paris an den Kämpfen teil, und im Mai 1849 gehörte er der provisorischen revolutionären Regierung in Sachsen an, wobei er die Verteidigung Dresdens leitete. Nach dem Sieg der preußischen Truppen versuchte er zu flüchten, geriet aber (gemeinsam mit Richard Wagner) in Gefangenschaft. Er wurde von der sächsischen Regierung zum Tode verurteilt, jedoch begnadigt und nach Österreich überstellt, wo sich dasselbe wiederholte. Anschließend an seine zweite Begnadigung wurde Bakunin ein volles Jahr lang an eine Wand gekettet, ehe man ihn an die russische Regierung auslieferte. Nach sechsjähriger Haft, während der er durch den Skorbut viele seiner Zähne verloren hatte und frühzeitig gealtert war, wurde er in die „relative Freiheit“ Sibiriens entlassen, d.h. verbannt. 1861 gelang ihm nach insgesamt zwölf Jahren Freiheitsentzug die Flucht; über Japan schlug er sich nach Amerika und von dort aus nach England durch. Sein hartes Schicksal hatte ihn nicht zu brechen vermocht: Er agitierte sogleich wieder für die anarchistische Revolution und begründete in der Schweiz seine eigene Internationale (die Alliance Internationale Sociale Démocratique).

Ungefähr zur gleichen Zeit rief Karl Marx in London die International Working Men’s Association ins Leben. Im Verlauf der folgenden Jahre tobte ein erbitterter Kampf zwischen Bakunin und Marx um die Seele der Revolution. Während Bakunin gesamthaft zwölf Jahre in sächsischen, österreichischen und russischen Verließen und anschließend in der Verbannung zubrachte, hatte Marx von London aus seinen Griff um die internationale revolutionäre Organisation gefestigt, wobei ihm zugute kam, dass er wie einst Napoleon in mehreren Ländern über Stellvertreter in Gestalt von Schwiegersöhnen verfügte. Doch genoss Bakunin weiterhin hohes Ansehen, und nach seiner Rückkehr nach England gelang es Marx, der den Generalrat der revolutionären Organisation kontrollierte, lediglich durch eine Reihe von Tricks, seinem Rivalen die Führerschaft über die internationale Bewegung zu verwehren. 1872 berief der Generalrat in Den Haag einen Kongress der Internationalen ein, an dem Bakunin und seine Freunde aufgrund eines von der niederländischen Regierung gegen sie verhängten Einreiseverbots nicht teilnehmen konnten. Bei diesem Kongress wurden gegen Bakunin Vorwürfe von der Art laut, wie sie sechzig Jahre später gegen Kommunistenführer erhoben wurden, die bei Stalin in Ungnade gefallen waren. Der Rat, in dem mehrere von Marx persönlich ausgewählte Männer saßen, stimmte für den Ausschluss Bakunins aus der Internationalen.

Der gesundheitlich schwer angeschlagene Bakunin starb 1876 in Bern; dem Vernehmen nach setzte er seinem Leben durch die Verweigerung von Nahrungsaufnahme selbst ein Ende. Falls je Hoffnung bestanden hatte, dass es der Weltrevolution gelingen würde, die Tyrannei zu stürzen und die Menschen zu befreien, so starb sie mit Bakunin. Nach seinem Tod festigte sich der jüdische Würgegriff um die revolutionäre Organisation, von dem schon Disraeli gesprochen hatte; ihr Ziel war die Versklavung der Menschen und die Errichtung einer unzerstörbaren Tyrannei. Bakunins Leitmotiv war der gewaltsame Kampf gegen die Unterdrückung gewesen, und der schlimmste Unterdrücker von allen war in seinen Augen der Staat, zu dem er sich wie folgt äußerte: „Der Staat ist nicht die Gesellschaft, sondern lediglich eine historische Form davon, die ebenso brutal wie abstrakt ist. Historisch gesehen entstand er in allen Ländern durch eine Verbindung von Gewalt, Raub, Plünderung, in einem Wort, durch Krieg und Eroberung… Er war von Beginn an, und ist es heute noch, eine Absegnung brutaler Gewalt und triumphierender Ungleichheit. Der Staat ist Autorität; er ist Gewalt; er ist Protzerei mit der Gewalt und Verliebtheit in sie.“

Einen solchen Staat wollte Karl Marx mittels seiner internationalen revolutionären Bewegung begründen, und es sollte ein Weltstaat sein. Als die Rivalität zwischen Marx und Bakunin 1869 ihren Höhepunkt erreichte, tat letzterer dasselbe, was Disraeli schon 1846 und 1852 getan hatte: Er identifizierte die Führer der Weltrevolution als Juden. Hierin sah er den Grund dessen, was er als Pervertierung der revolutionären Idee betrachtete. Seine 1869 geschriebene Polémique contre les Juifs richtete sich in erster Linie gegen die Juden in der Internationalen. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass der vom marxistischen Generalrat verhängte Ausschluss Bakunins aus der Internationalen die unmittelbare Folge dieser Schrift war.

Als Disraeli 1881 starb, waren seit seiner ersten Warnung vor den „Geheimgesellschaften“ 35 Jahre vergangen und auf die erste Warnung waren zahlreiche weitere gefolgt; hier zwei Beispiele:

„Weder das Parlament noch die Bevölkerung, weder die natürliche Entwicklung noch der Gang der Dinge waren dafür verantwortlich, dass Louis Philippe vom Thron gestoßen wurde… Der Thron wurde durch die Geheimgesellschaften überrumpelt, die stets auf der Lauer lagen, um Europa zu verheeren… Wenn sie gemeinsam mit einer großen Volksbewegung agieren, sind sie möglicherweise fähig, die Gesellschaft zu zerstören.“ (1852)

„In Italien gibt es eine Macht, die wir in diesem Haus [dem Unterhaus] selten erwähnen. Ich meine die Geheimgesellschaften. Es ist sinnlos, dies zu leugnen, denn es lässt sich unmöglich verbergen, dass ein großer Teil Europas von einem Netzwerk dieser geheimen Gesellschaften bedeckt ist, genau wie die Oberfläche der Erde jetzt von Eisenbahnlinien bedeckt wird… Sie wollen keine konstitutionelle Regierung; sie wollen keine Verbesserung der Institutionen… sie wollen den Besitz von Grund und Boden ändern, die gegenwärtigen Eigentümer des Bodens vertreiben und den kirchlichen Einrichtungen ein Ende bereiten…“ (1856)

Disraeli erkannte die betrügerische Natur des Liberalismus klar und durchschaute als erster den Schwindel, der sich hinter dieser Bezeichnung verbarg „Die guten Menschen dieses Landes, die so bedacht auf die Mehrung ihres Besitzes und so religiös sind, halten die Manöver jener Männer, die gegen das Eigentum und gegen Christus kämpfen, für einen Fortschritt der liberalen Sache und spenden ihnen Beifall.“

Stünde es in der Macht des Menschen, Katastrophen durch wohlfundierte Warnungen abzuwenden, so hätten die wiederholten Warnrufe dieser einzigartigen Autorität Millionen von Menschen die furchtbaren Leiden erspart, welche die Revolution im 20. Jahrhundert über sie brachte. Dass man Disraelis Warnungen in den Wind schlug, bewies ein weiteres Mal, was sich bereits in allen vorangehenden Jahrhunderten gezeigt hatte, nämlich dass kein auch noch so weiser Ratschlag die Menschen von einem gefahrvollen Unternehmen abzubringen oder sie aus ihrer verhängnisvollen Passivität wachzurütteln vermag. Nur die Erfahrung kann sie zum Handeln bewegen, und an Erfahrungen sind sie im 20. Jahrhundert wahrhaftig reich geworden.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Disraeli ein einsamer Mahner in der Wüste. Da er ein zu hohes Ansehen genoss, als dass man ihn als „Hexenjäger“ hätte etikettieren können, kommentierte man seine Aussagen mit ironischer Herablassung. Laut Hesketh Pearson „dachte man allgemein, er leide an fixen Ideen bezüglich der Geheimgesellschaften, deren Existenz freilich nicht bestritten wurde; doch heute können wir in ihnen die Saat einer Bewegung erkennen, die, nachdem sich ihre endgültige Ideologie herauskristallisiert hatte, in den Kommunismus mündete und als dieser weiterschwelte.“ Diese 1951 geschriebenen Zeilen treffen den Nagel auf den Kopf und entsprechen dem Urteil, das Disraelis Zeitgenosse Benoît Malet gefällt hatte: „Der Kommunismus war die Frucht der Wühlarbeit der Geheimgesellschaften im 19. Jahrhundert.“

Noch vor Disraelis Tod war das, was er zu verhüten versucht hatte, Wirklichkeit geworden: Die „Geheimgesellschaften“ waren zu einer weltrevolutionären Bewegung unter jüdischer Kontrolle zusammengeschweißt worden, die sich anschickte, die Grundfesten des 20. Jahrhunderts zu verminen. Disraelis Charakterisierung dieser Bewegung hätte treffender nicht sein können: Er bezeichnete sie als „Netzwerk“, welches Europa so bedecke, wie die Erdoberfläche gegenwärtig von Eisenbahnlinien bedeckt werde. Wohlinformierte Persönlichkeiten sprachen fortan immer häufiger von einem „Netzwerk“ oder einer „verborgenen Hand“, welche hinter den Kulissen die Fäden ziehe. In den Jahren vor 1848 hatte der ehemalige Rabbiner Drach, der wie Disraeli begriff, was sich da zusammenbraute, den Talmud als Quelle dieser destruktiven Bestrebungen geortet. Ein jüdischer Autor namens Morel schilderte die Verfolgungen, unter denen Drach nach seinen Enthüllungen zu leiden hatte, und fügte hinzu: „Was vermögen die weisesten Maßnahmen der Behörden aller Länder gegen die riesige, permanente Verschwörung eines Volkes, das sich, einem ebenso gewaltigen wie starken Netzwerk gleich, über den ganzen Globus erstreckt und immer dann seine Macht offenbart, wenn etwas geschieht, was die Israeliten tangiert.“

Lassen wir die Chronologie der Ereignisse nochmals Revue passieren. 1772 wurde Polen geteilt, worauf das zuvor zweieinhalb Jahrtausende sichtbar existierende Zentrum der jüdischen Regierung „verschwand“ (Dr. Kastein) oder, wie die russische Regierung glaubte, in den Untergrund abtauchte. 1776 hob Adam Weishaupt seinen Illuminatenorden aus der Taufe. 1846 schrieb Disraeli, die Revolution befinde sich ganz und gar unter jüdischer Führung. 1869 wurde Bakunin aus der Internationalen ausgeschlossen, und diese unterstand fortan Karl Marx und seinen Anhängern. 1917 riss ein fast durchwegs aus Juden stehendes bolschewistisches Regime in Russland die Macht an sich.

Zu diesen Ergebnissen hatte die Abschaffung der Diskriminierungen, unter denen die Juden früher zu leiden hatten, sowie einige wenige Jahrzehnte jüdischer Emanzipation also geführt. Disraeli hatte alles vorausgeahnt. Dass sämtliche zuvor für die Juden gültigen Beschränkungen entfielen, führte nicht etwa dazu, dass diese in ihren Gastvölkern aufgingen, sondern schenkte der „furchterregendsten aller Sekten“ (Bakunin) die Freiheit, eben diese Gastvölker durch die Revolution ins Elend zu stürzen. Die Antworten, die der Sanhedrin zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Napoleons Fragen erteilt hatte, entpuppten sich fünf Jahrzehnte darauf als leere Worthülsen. Die Juden gingen nicht in der Menschheit auf und befolgten die Sitten und Gebräuche der Länder, in denen sie lebten, keinesfalls; im Gegenteil: Ihre Identifizierung mit der Weltrevolution sonderte sie noch stärker von ihrer Umgebung ab, als dies je zuvor der Fall gewesen war. Das Jahrhundert der Emanzipation erwies sich schon lange vor seinem Ende als Schwindel.

Dr. Kastein weist darauf hin, dass der Begriff „Antisemitismus“ im 19. Jahrhundert erfunden wurde. Nun, wo man unmöglich länger von einer „Verfolgung“ der Juden sprechen konnte, bedurfte es eines neuen Ausdrucks, um die Nichtjuden einzuschüchtern und die Juden zu erschrecken, wobei der zweite Zweck noch wichtiger war als der erste. Dies war die Geburtsstunde des „Antisemitismus“. „Abrakadabra“ hätte es genau so getan, denn das Wort „Antisemitismus“ ist eine offenkundige Absurdität. Schließlich sind die Juden in ihrer großen Mehrheit nachweislich keine Semiten, und ihr Gesetz befiehlt ihnen die Vernichtung oder doch zumindest die Vertreibung der wirklichen Semiten (der arabischen Bevölkerung Palästinas). Heutzutage läuft man Gefahr, als „Antisemit“ attackiert zu werden, wenn man Sympathie für diese Semiten äußert, die 1948 von den zionistischen Eindringlingen ihrer Heimat beraubt und großenteils aus ihr verjagt worden sind.

Vermutlich entsprang die Erfindung des Wortes „Antisemitismus“ dem Bestreben, Wörter wie „Juden“ „Judentum“ oder „judenfeindlich“ aus der öffentlichen Diskussion zu verbannen und die Massen durch die Verwendung eines obskuren Ausdrucks einzuschüchtern. Was die herrschende Sekte unter „Antisemitismus“ verstand, war eine Verbindung von Majestätsbeleidigung (ein Anschlag auf die Würde der Herrschenden) und Ketzerei (eine Versündigung gegen die edelste aller Religionen). Heute, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, sind breite Schichten der Bevölkerung diesem Schwindel auf den Leim gegangen; jene, die in früheren Zeiten respektvoll die Mütze abgenommen hätten, wenn der Gerichtsvollzieher auftauchte, oder sich bekreuzigt hätten, wenn sie ein Priester ansah, verstummen heute ehrerbietig, wenn das Wort „Jude“ fällt, und bemühen sich, einen respektvollen Gesichtsausdruck zur Schau zu tragen.*

Kehren wir noch kurz zu Disraeli zurück. Da dieser seiner Abstammung nach selbst Jude war, hielt er es offenbar nicht für nötig, noch lange zu betonen, dass viele Juden die von ihm geschilderte „mächtige Revolution“ und das von ihm gebrandmarkte „destruktive Prinzip“ ebenso entschieden ablehnten wie er selbst. Dies war damals eine Selbstverständlichkeit, und Disraeli brauchte sich nicht gegen Propagandisten von der Sorte jener zu verteidigen, die ihn heute beschuldigen würden, alle Juden in einen Topf zu werfen, weil er gesagt hatte, die Revolution entwickle sich „unter der Führung der Juden“ und nicht „unter der Führung von Juden“.

Während der Französischen Revolution warnten die seit langer Zeit in Frankreich ansässigen Sepharden vor den ostjüdischen Neuankömmlingen, die im Elsass für Unruhe sorgten. Auch im Folgenden empfanden die sephardischen Juden Westeuropas größtes Unbehagen über den Sturmwind aus dem Osten. Die Emanzipation hatte die Bande unter ihnen gelockert; sie liefen Gefahr, alles zu verlieren, was sie errungen hatten, wenn das destruktive Prinzip, dessen Träger die talmudistischern Ashkenasen des Ostens waren, über den Westen obsiegte.

Es ist durchaus möglich, dass sich Disraelis Warnungen in gleichem oder noch höherem Masse an den damals noch dominierenden sephardischen Teil des Judentums wie an die Nichtjuden richteten. Tatsache ist jedenfalls, dass die Sepharden seine Mahnungen bereitwilliger zur Kenntnis nahmen als die nichtjüdischen Massen, in deren Mitte sie lebten. Ihre Strafe bestand in der Exkommunizierung. Innerhalb von hundert Jahren wurden die Sepharden innerhalb des Judentums zu einer kleinen Minderheit, und es erging ihnen nur wenig besser als den längst „verschwundenen“ zehn Stämmen Israels. Diese Merkwürdigkeit sucht in der Geschichte der Statistik Ihresgleichen.

5. Laut der Jewish Encyclopedia entwickelte sich aus der Kabbala – der im Gegensatz zur Thora nicht schriftlich fixierten, sondern nur mündlich weitergegebenen jüdischen Tradition – ab dem 13. Jahrhundert eine umfassende Literatur, die parallel zum Talmud existierte und diesem widersprach. Nesta Webster verweist allerdings auf eine andere Passage aus der Jewish Encyclopedia , in der es heißt, die Kabbala stehe nicht wirklich im Widerspruch zum Talmud.

* Anmerkung des Übersetzers: Dieses Kapitel enthält einen Abschnitt über den französisch-jüdischen Schriftsteller Bernard Lazare, den ich weglasse, da Reed Lazares Aussagen zum Judentum falsch interpretiert. Lazare gehörte zu den schärfsten Kritikern des jüdischen Auserwähltheitsanspruchs und hielt eindeutig fest, dass der sogenannte „Antisemitismus“ lediglich eine Reaktion auf das jüdische Verhalten darstellt.

Kapitel 22

Die Manager

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts herum wurde es immer klarer, dass die Weltrevolution unter der Führung von Juden stand, und zwar von Ostjuden oder Aschkenasen. Die westjüdischen Sepharden lehnten die Revolution größtenteils ab, denn diese richtete sich ebenso gegen sie wie gegen die Christenheit; schließlich hatte die Emanzipation dazu geführt, dass sich die Westjuden Europas zunehmend assimilierten und sich aus dem Würgegriff ihrer Führer befreiten. Für letztere war das Aufgehen der Juden in der Menschheit gleichbedeutend mit dem Verlust ihrer eigenen Machtbasis. Vom Standpunkt des talmudistischen Judentums aus war Segregation folglich unabdingbar und Assimilation tödlich. Deshalb spielten die Führer der Sekte die Trumpfkarte des Ostjudentums aus, und dieses trat zum Zeitpunkt, wo der Auftakt zur Weltrevolution erfolgte, als eigenständige Gruppierung in die Geschichte ein. Zuvor hatte man im Westen lediglich „Juden“ gekannt, worunter man die Sepharden verstand.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts, meint Dr. Kastein, sei es möglich geworden, „von West- und Ostjuden zu reden.“ In Wirklichkeit existierten diese beiden Zweige des Judentums damals bereits ein rundes Jahrtausend nebeneinander; Dr. Kasteins Formulierung bedeutet also, dass die Ostjuden zu jener Zeit als separate Bevölkerungsgruppe in Erscheinung traten und von ihren rabbinischen Führern gegen die emanzipierten sephardischen Juden des Westens und den Westen in seiner Gesamtheit mobilisiert wurden.

Bis dahin hatten die Sepharden nur verschwommene Vorstellungen mit diesen Ostjuden verbunden, und dem christlichen Abendland waren sie gänzlich unbekannt gewesen. Ihr fester Zusammenhalt sowie die Energie, die sich durch die jahrhundertelange absolute Herrschaft der Rabbiner in den Ghettos in ihnen angestaut hatte, machten sie zum Zeitpunkt ihres Eintritts in die abendländische Geschichte zur dynamischsten unter jenen Kräften, welche die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts prägten. Sie waren das ideale Menschenmaterial für die Aufgabe, zu der sie gebraucht wurden. Rassisch gesehen entstammten sie einem barbarischen asiatischen Volksstamm, und die totalitäre talmudistische Diktatur, unter der sie erzogen worden waren, lief jeder anderen Form der orientalischen Despotie mühelos den Rang ab.

Auf dem großen strategischen Schachbrett des 19. Jahrhunderts war den Ostjuden eine doppelte Rolle zugedacht; sie wurden geschickt zur Erreichung von Zielen eingesetzt, die einander scheinbar dermaßen entgegengesetzt waren, dass jeder rationale Beobachter ihre gleichzeitige Verwirklichung für unmöglich erklärt hätte, ehe der Verlauf der Dinge das Gegenteil bewies. In Russland wurden sie als Manövriermasse zur Bekämpfung der Emanzipation benutzt (hätten die emanzipierten Juden Westeuropas gesehen, dass sich die Ostjuden ebenfalls assimilierten, wäre jeder Versuch, diesen Prozess rückgängig zu machen, von vorne herein zum Scheitern verurteilt gewesen). Gegenüber der Außenwelt wurden sie als Opfer einer grausamen „antisemitischen“ Verfolgung dargestellt, obwohl sie sich selbst mit Händen und Füssen gegen Emanzipation wehrten, die man im Westen für sie einforderte.

In Anbetracht der Kontrolle der modernen Medien durch Experten auf dem Gebiet der Massenpropaganda und Massensuggestion ist es durchaus möglich, der Bevölkerung ein völlig falsches Bild der Geschehnisse in anderen Ländern vorzugaukeln und sie dermaßen aufzuhetzen, dass sie den Krieg will. Im Verlauf des letzten Jahrhunderts begannen die Politiker des Westens die Verfolgung der Juden in Russland anzuprangern, während die russischen Juden unter der Führung der Rabbiner nichts unterließen, um die Emanzipation zu hintertreiben.

Um allfällige Zweifel des Lesers an dem hier skizzierten Bild zu zerstreuen, möchte ich darauf hinweisen, dass die historische Richtigkeit dieser Ausführungen von jüdischen Autoritäten bestätigt wird. So schreibt Dr. Kastein: „Die große Mehrheit der Juden leistete erbitterten passiven Widerstand gegen alle Versuche zur Verbesserung ihres Loses.“ Allerdings war dieser Widerstand keinesfalls nur „passiv“, sondern nahm bisweilen mörderische Formen an.

Dr. Chaim Weizmann ist vermutlich der beste Kenner dieser Epoche, so dass wir sein 1949 erschienenes Buch Trial and Error im Folgenden häufig als Quelle zitieren werden.

Die ghettoisierten Aschkenasen (sowohl die in den kommunistischen als auch die in den zionistischen Organisationen tätigen) wurden dazu angehalten, die Emanzipation mit allen erdenklichen Mitteln, zu denen notfalls auch der Mord gehörte, zu sabotieren, während man in Westeuropa unaufhörlich über ihre Verfolgung zeterte, einerseits zur Einschüchterung und Warnung der Westjuden, andererseits um das christliche Abendland zur Unterstützung der „Verfolgten“ zu ermuntern.

Die nichtjüdischen Politiker des Westens präsentierten ihren Völkern diese Fiktion als lautere Wahrheit. Es war ihnen nämlich nicht entgangen, dass in allen Ländern mächtige Juden dazu imstande waren, Parteien, die ein offenes Ohr für jüdische Anliegen hatten, mit Geld, einer positiven Berichterstattung in der Presse und Stimmen zu unterstützen; als Gegenleistung verlangten sie, dass diese Parteien ihre Stimme für die „verfolgten“ Juden in Russland und für deren „Rückkehr“ nach Palästina erhoben. Dies bedeutete in der Praxis, dass Politiker, die um die Gunst der einflussreichen Juden buhlten, die nationalen Interessen ihres eigenen Landes zwei Dingen unterordnen mussten, die für alle Nationalstaaten zerstörerisch waren: Der Revolution sowie den Bestrebungen, ein Territorium für die „Auserwählten“ zu ergattern. „ Die Demokratie degradiert Staatsmänner zu Politikern“, hatte Disraeli 1870 in Lothar treffend geschrieben.

Mit denselben Mitteln begann man der breiten Öffentlichkeit einen Mythos einzutrichtern, der ungeachtet seiner offenkundigen Absurdität anscheinend unzerstörbar geworden ist: Den Mythos von der unaufhörlichen Verfolgung der Juden und einer dem abendländischen Menschen innewohnende Krankheit namens „Antisemitismus“. Als es gefährlich war, zu glauben, die Welt sei rund, stimmten die Massen der Auffassung zu, dass sie flach sei; ganz ähnlich verhält es sich seit dem 19. Jahrhundert mit der talmudistisch-jüdischen Propaganda. Die Ergebnisse dieser Gehirnwäsche bekommen wir heute zu spüren.

Die Westjuden waren gegenüber diesen beiden Strömungen aus dem Osten weniger empfänglich als die westlichen Politiker. Diese ursprünglichen Juden, in denen die sephardischen Traditionen noch lebendig waren und in deren Adern immerhin noch semitisches Blut floss, integrierten sich immer stärker oder vollzogen zumindest eine Annäherung an ihre nichtjüdische Umwelt, die zu einem steten Abbau der Spannungen führte. Der wachsende Druck aus Russland erfüllte sie mit instinktiver Furcht; sie erinnerten sich an das traurige Ende der glücklichen Jahrhunderte in Spanien und empfanden düstere Vorahnungen über die möglichen Konsequenzen der neuen Entwicklung. Ich erinnere mich aus meiner eigenen Zeit in Europa an das Misstrauen und die Furcht, welche die Westjuden den Ostjuden entgegenbrachten; diese verkörperten für sie das Gespenst einer erzwungenen Rückkehr zu den Ghettos und der absoluten Herrschaft der Rabbiner. Die deutschen Juden begegneten den „Ostjuden“ mit Abneigung, während die Ostjuden, die nach dem Ersten Weltkrieg aus Russland und Polen nach Deutschland abgewandert waren, verächtlich die Nase über „diese Berliner“ (deutschen Juden) rümpften.

Von seinen Festungen im Osten aus benutzte das rabbinische Direktorat diese judaisierten Tataren aus Russland als Rammbock gegen die emanzipierten Juden des Westens und gegen den Westen selbst. Die Geheimnistuerei, mit der das Judentum all seine Aktivitäten umgibt, hat eine genaue Zählung der Juden seit jeher verunmöglicht. Das Fehlen glaubwürdiger Statistiken über die jüdische Bevölkerung erlaubte es der herrschenden Sekte vor einem Jahrhundert, eine erstaunliche biologische Operation in die Wege zu leiten, die heutzutage beinahe abgeschlossen ist: Sie machte fast alle Juden zu Aschkenasen!

Am Ende des 18. Jahrhunderts waren die einzigen Juden, die man im Westen kannte, die Sepharden, die sich auf eine klar umrissene Tradition beriefen. Ihre Geschichte führte von Spanien zurück nach Afrika und verlor sich in der Legende von ihrer Herkunft aus dem Lande Kanaan. Doch im Jahre 1954 sind diese sephardischen Juden von den Führern für zumindest in Europa fast ausgestorben erklärt worden! Damals fand in New York die zweite sephardische Weltkonferenz statt, bei der behauptet wurde, die jüdische Weltbevölkerung belaufe sich auf 11.763.883 Personen, von denen jedoch nur 1.744.883 (oder ca. 15%) Sepharden seien. Lediglich 52.000 dieser Sepharden lebten laut diesem Bericht in der gesamten westlichen Hemisphäre einschließlich Europas.

Für diese wundersame Entwicklung konnten unter keinen Umständen die Geburts- und Sterberaten verantwortlich sein. Ganz offensichtlich wurden die Sepharden wie vor fast dreitausend Jahren die Stämme Israels einfach für verschwunden erklärt, weil sie aufgehört hatten zu glauben, dass das Schicksal ihnen eine andere Rolle zugewiesen hatte als ihren Nachbarn. Zu den Erben Judas wurden die Aschkenasen ernannt, die weiterhin der Überzeugung anhingen, ihre Existenz unterscheide sich grundlegend von der ihrer Umwelt, und das Gebot laute nicht Assimilation, sondern Abgrenzung. Somit sind heute fast alle Juden zu Aschkenasen erklärt worden! Zum zweiten Mal in der jüdischen Geschichte hatten die Weisen von Zion einen großen Teil der Juden mit einem Federstrich aus ihrer Gemeinschaft getilgt. Die Sepharden sind aus demselben Grund exkommuniziert worden wie weiland die zehn Stämme Israels, existieren aber selbstverständlich weiter, teils in ihre Umwelt integriert, teils der ursprünglichen jüdischen Religion immer noch treu ergeben und daher von ihrem Mitmenschen abgesondert.

Dass die Ostjuden um die Mitte des 19. Jahrhunderts herum als Führer der Weltrevolution in Erscheinung traten, konnte unmöglich auf bloßen Zufall oder irgendwelche individuellen Neigungen zurückzuführen sein; dafür wurden sie viel zu despotisch regiert. Die Herrschaft der Rabbiner im Osten war annähernd absolut, und die ghettoisierten Gemeinden gehorchten den Geboten ihrer Führer in allen Lebenslagen, da sie diese als von Gott eingesetzte Gesetzgeber und Richter anerkannten. In den dreißiger Jahren habe ich in Polen und Ruthenien viele solche ostjüdischen Gemeinden gesehen; sie igelten sich in einem Ausmaß von ihrer Umwelt ab, von der sich ein Mensch aus dem Westen keine Vorstellung machen konnte, ehe er sich mit eigenen Augen davon überzeugt hatte.

Ein massenhafter Übertritt dieser Ostjuden ins revolutionäre Lager (oder jedes beliebige andere Lager) konnte nicht ohne den Segen der Rabbiner erfolgen, denn für Unbotmäßigkeit wurden in diesen Hochburgen des Talmudismus die grässlichsten Strafen verhängt. (In einem früheren Kapitel habe ich eine jüdische Autorität zitiert, der zufolge die Rabbiner bisweilen zur Lynchjustiz ermunterten, wenn die örtlichen Gegebenheiten ihnen die Verhängung der von ihrem Gesetz vorgeschriebenen Todesstrafe verunmöglichten.)6

Unter diesen Umständen wird man davon ausgehen müssen, dass der massenhafte Übertritt der Juden ins revolutionäre Lager auf einen bewussten Entscheid der jüdischen Regierung zurückging, die nach der Ausweisung der Juden aus Spanien nach Polen übergesiedelt und nach der Teilung dieses Landes im Jahre 1772 in den Untergrund abgetaucht war. Vor diesem historischen Hintergrund tritt das dreifache Ziel des großen Plans klar zutage, und die seitherige Entwicklung hat es bestätigt:

– Erstens konnte die Emanzipation der Westjuden, die früher oder später in ihre völlige Assimilation münden musste, durch die Revolution gestoppt und die Vorherrschaft der führenden Sekte innerhalb des Judentums behauptet werden.

– Zweitens konnte mittels der Revolution Rache für die Vertreibung aus Spanien geübt werden, wenn nicht ganz allgemein Rache für die Existenz des Christentums: Schließlich stellt dieses für das Judentum eine immerwährende Provokation dar, auf die der Talmud die Antwort ist.

– Drittens sollte die Revolution die Voraussetzungen für die Erfüllung des Gesetzes schaffen, das die Vernichtung der Heiden und den Triumph des auserwählten Volkes vorsah – oder vielmehr den Triumph der Sekte, die diesen verführerischen Ausdruck benutzte.

Somit wurde ein ehrgeiziges Ziel, das um 500 v. Chr. in einem von primitiven Stämmen bewohnten Gebiet des Nahen Ostens gewisse Chancen auf Verwirklichung besitzen mochte, zur größenwahnsinnigen Agenda in unserer globalen Ära, in der unverhohlen versucht wird, der ganzen Welt das alte Gesetz eines kleinen Stammes aufzunötigen. Als Nichtjude erliegt man nur allzu leicht der Versuchung, dieses Gesetz dem der Thora, d. h. des Alten Testaments, gleichzustellen doch dies wäre ein Irrtum. Das Alte Testament enthält einen achtungsgebietenden Kodex moralischer Gesetze; es hält die Menschen zu guter Nachbarschaft an und spricht von einem „Gebetshaus aller Völker“. Gewiss, dieses Gesetz wurde von Juda verworfen, und in die Thora wurden allerlei Stellen eingeschoben, die es aufhoben, doch immerhin enthält es sowohl Gebote, die zur Rechtschaffenheit mahnen, als auch deren Gegenteil; somit besteht das Alte Testament im Grunde genommen aus zwei Büchern, und jedermann kann selbst wählen, welches für ihn Gottes Wort ist. Genau dies haben die Christen auch getan; sie übernahmen jene Teile der Thora, die für alle Menschen gültig sind, und ignorierten die von den Leviten vorgenommenen Einschübe, welche die moralischen Gebote in ihr Gegenteil verkehren.

In schroffem Gegensatz hierzu leitet sich das jüdische Gesetz, auf das sich die Führer des Ostjudentums stützten, als sie ihre Herde in das revolutionäre Lager trieben, vom Talmud ab, jenem Buch also, von dem Rodkinson gesagt hat, der moderne Jude sei sein Produkt. Der Talmud verkündet keine erhabenen sittlichen Gebote, die für alle Menschen verbindlich sind, sondern entkleidet das Gesetz Mose sämtlicher für die gesamte Menschheit gültigen Bestandteile; er ist somit ein Buch und nicht zwei. Er stellt eine kompromisslose Kampfansage an das Christentum dar; wie der zum Christentum übergetretene ehemalige Rabbiner Drach festhielt, haben „ Konzepte wie Gerechtigkeit, Gleichheit oder Nächstenliebe gegenüber dem Christen nicht nur keine Gültigkeit, sondern stellen ein recht eigentliches Verbrechen dar. Der Talmud verbietet es ausdrücklich, einen Nichtjuden vor dem Tod zu retten… ihm verlorenes Gut zurückzuerstatten, mit ihm Mitleid zu haben etc.“ Dies war das Gesetz, dem die Aschkenasen in ihren Ghettos unterstanden. Unter der straffen Führung der Rabbiner wurden die Aschkenasen zu Ingenieuren der Weltrevolution; laut offiziellen jüdischen Angaben stellen sie heute 85% der jüdischen Weltbevölkerung und sind weitgehend mit „den Juden“ identisch.

Somit schulte eine furchterregende geheime Sekte in Russland, von der die Außenwelt nur wenig wusste, eine kompakte Menschenmasse für den Ansturm auf das christliche Abendland. Im 19. Jahrhundert begann sich die angestaute Kraft dieser Masse zu entladen. Während der nächsten hundertfünfzig Jahre, also bis zur Gegenwart, arbeitete die revolutionäre Kraft mit zunehmendem Erfolg darauf hin, den Westen von innen auszuhöhlen; dabei folgte sie unbeirrbar dem Plan, der erstmals in den Weishaupt-Dokumenten dargelegt worden war, und an ihrer Spitze standen unweigerlich „Männer jüdischer Rasse“. Die Ergebnisse dieser Wühlarbeit liegen auf der Hand: Europa, einst eine Landmasse, die aus wohlhabenden, energischen Nationen bestand, ist heute zur Heimstatt verschreckter Menschen geworden, die versuchen, dem neuen dunklen Zeitalter zu entrinnen und sich wieder zum Lichte vorzukämpfen. Allerdings reichen die Auswirkungen der Revolution weit über Europa hinaus. Das von Disraeli angeprangerte „destruktive Prinzip“ pocht heute in aller Welt gebieterisch an die Tür. Vielleicht muss ein weiteres Jahrhundert vergehen, ehe die von der Leine gelassene zerstörerische Kraft ihre Dynamik verliert und die Aschkenasen wie vor ihnen die Sepharden die Anziehungskraft der Menschheit als unwiderstehlich empfinden; tritt diese Entwicklung ein, ist der Traum der Kabbalisten von der Weltherrschaft endgültig ausgeträumt.

Laut dem Gesetz ist die Zerstörung, welche die Revolution angerichtet hat, kein Zweck an sich, sondern lediglich ein Mittel zum Zweck. Die Vernichtung der nichtjüdischen Nationalstaaten ist nämlich die unabdingbare Voraussetzung für die Errichtung eines triumphierenden Nationalstaates, jenes des auserwählten Volkes im Gelobten Land. Dies ist der Grund dafür, dass in der Mitte des letzten Jahrhunderts im von den talmudistischen Führern kontrollierten Osten, wo die Weltrevolution geboren und erstarkt war, eine zweite revolutionäre Bewegung aus der Taufe gehoben wurde. Bei dieser handelte es sich um den Zionismus, dessen Aufgabe darin bestand, die „Rückkehr“ der Juden nach Palästina sowie die Gründung eines jüdischen Nationalstaats auf palästinensischem Boden zu organisieren. Dieses Ziel ist mittlerweile erreicht: Die „Rückkehr“ hat stattgefunden, und parallel dazu wurden die nichtjüdischen Nationalstaaten teils vernichtet, teils zumindest geschwächt. Die Macht der Sekte hat die Regierungen dieser Staaten korrumpiert, während die Revolution ihre Grundlagen unterminierte.

Dr. Kastein, der behauptet, die jüdische Regierung (das „Zentrum“, das auf eine mehr als zweitausendjährige ununterbrochene Existenz zurückblicken konnte) habe nach der Teilung Polens „zu existieren aufgehört“, räumt nichtsdestoweniger ein, dass ein Jahrhundert darauf eine „jüdische Internationale“ existierte. Im Klartext heißt dies offensichtlich, dass an die Stelle einer jüdischen Herrschaft über Juden eine jüdische Herrschaft über nichtjüdische Regierungen getreten war, und so verhielt es sich in der Tat.

Disraeli hatte von einem „Netzwerk“ revolutionärer Organisationen gesprochen, welche die Erde wie ein System von Eisenbahnschienen bedecke; besser ließe sich der klug ausgetüftelte zerstörerische Mechanismus kaum beschreiben. Um das zweite, noch größere Ziel zu erreichen, bedurfte es freilich noch eines anderen Netzwerks, das die Spitzen der Regierungen umspannte. Obwohl Disraeli das Wort „Netzwerk“ in diesem Zusammenhang nicht benutzte, spielte er darauf an, als er sagte: „Die Welt wird von ganz anderen Personen regiert, als sich jene, die nicht hinter den Kulissen stehen, träumen lassen.“ Gemeint war vermutlich die von Dr. Kastein erwähnte „jüdische Internationale“, eine Liga, an deren Spitze mächtige und reiche Männer standen und die zunächst Könige und Prinzen und dann Präsidenten und Politiker wie Marionetten an ihren Fäden tanzen ließ.

Diese beiden Maschinerien funktionierten in perfekter Synchronisierung und spielten sich gegenseitig die Bälle zu. Bei ihrem Umgang mit der Masse mussten die nichtjüdischen Herrscher angesichts der permanenten Drohung der Revolution einen immer größeren Teil ihrer Macht abgeben, bis sie schließlich stürzten; bei ihrem Umgang mit anderen Ländern sowie in den Kriegen gegen diese wurden sie durch die Macht der Börse gezwungen, den Plan zur symbolischen „Rückkehr“ der Juden zu unterstützen. Nichtjuden fragen sich oft, welches Interesse reiche Männer eigentlich daran haben mögen, Revolutionen zu fördern. Diese Frage hat bereits Disraeli gestellt und gleich selbst beantwortet: Sie wollen das Christentum zerstören. Disraeli wusste, wovon er sprach; für Nichtjuden ist seine Antwort vielleicht leichter verständlich, wenn man ihnen klarmacht, dass sie sich dem talmudistischen Gesetz unterwerfen müssen, welches die Zerstörung der „heidnischen“ Nationalstaaten als Voraussetzung für die triumphierende „Rückkehr“ der Juden in das ihnen verheißene Land vorsieht.

Somit bildet die Geschichte von der Geburt des Zionismus in den russischen Ghettos sowie des raffinierten Zusammenspiels zweier Kräfte, von denen die eine die Herrscher des Westens umgarnte und die andere die Grundfesten der Nationalstaaten untergrub, das nächste Kapitel des Streits um Zion.

6. Noch heute gilt in den jüdischen Gemeinden Amerikas, Englands und anderer westlicher Länder das jüdische Gesetz. 1955 wurde ein jüdischer Händler in Leeds von seinen Stammesbrüdern verdächtigt, einen Teil von 223 alten britischen Panzern, mit deren Verscherbelung er beauftragt war, nach Ägypten verkauft zu haben. Seine Verkäufe an andere Länder gaben zu keinen Klagen Anlass, und nach britischem Gesetz war er befugt, die Panzer an jedes beliebige Land zu verkaufen. Die ihm vorgeworfene Lieferung an Ägypten kam vor ein jüdisches Gericht, dessen Vorsitzender gegenüber der britischen Presse erklärte, wenn der Angeklagte freigesprochen werde, so werde die jüdische Gemeinde das Verdikt anstandslos akzeptieren; stelle sich jedoch heraus, dass er schuldig sei, so verfüge die Gemeinde über angemessene Mittel, um gegen einen Verächter des Gesetzes vorzugehen. Der Ausdruck „Verächter des Gesetzes“ bezog sich auf das rabbinische jüdische Gesetz; somit liefen die Erklärungen des Richters darauf hinaus, dass der Mann im Falle eines Verstoßes gegen dieses bestraft werde, ohne Rücksicht auf seine Schuld oder Unschuld nach dem Gesetz des Landes, dessen Bürger er war.

Dieser Fall ist von allerhöchster außen- und verteidigungspolitischer Brisanz. Weder die Außenpolitik noch die Verteidigungspolitik können in den Dienst der nationalen Interessen gestellt werden, wenn ein bestimmtes Segment der Bevölkerung die Regierungspolitik hintertreiben kann, indem es darüber bestimmt, an welche Länder Waffen geliefert werden dürfen, und „Verächter des Gesetzes“ bestraft. Außergewöhnlich an diesem Fall war freilich nur, dass er überhaupt an die Öffentlichkeit gelangte. Soweit ich es beurteilen kann, erregte er die Gemüter der Öffentlichkeit nicht sonderlich, und wenn er sie doch erregte, durften die Zeitungen nichts darüber berichten. Es war dies ein schlagendes Beispiel dafür, dass jede öffentliche Diskussion über gewisse von den Führern des Judentums unternommene Aktionen sowie jegliche Kritik an letzteren im Jahre 1955 im Westen tabu sind.

Kapitel 23

Der „Prophet“

Das 19. Jahrhundert war Zeuge einer Entwicklung, welche die Erklärungen des Sanhedrin gegenüber Napoleon zum toten Buchstaben werden ließ und unerbittlich auf eine erneute Absonderung der Juden von ihrer Umwelt und die Errichtung eines theokratischen Staates inmitten anderer Staaten zusteuerte – eine Gefahr, von der Tiberius bereits zur Zeit Christi gewarnt hatte. Der Kampf verlief nicht so sehr zwischen „den Juden“ und „den Nichtjuden“; wie in jener fernen Vergangenheit, als es Esra und Nehemiah dank den Soldaten des Perserkönigs gelungen war, den Judäern das „neue Gesetz“ aufzuzwingen, war es weit mehr ein Kampf zwischen manchen Juden und manchen Nichtjuden auf der einen und den übrigen Juden sowie den übrigen Nichtjuden auf der anderen Seite. Dieses scheinbare Rätsel findet seine Lösung darin, dass sich die Herrscher der Nichtjuden wie schon so oft in der Vergangenheit mit der herrschenden Sekte innerhalb des Judentums gegen die jüdischen Massen, aber auch gegen ihre eigenen Völker verbündet hatten, die unter der zerstörerischen Tätigkeit der Sekte zu leiden hatten. Dieses Paradoxon wiederholte sich im 19. Jahrhundert und setzte sich bis in unsere krisengeschüttelte Gegenwart fort, in der alle Nationen aufs Schwerste von dieser Entwicklung betroffen sind.

Genau wie die überwältigende Mehrheit der nichtjüdischen Menschheit wurden auch die emanzipierten Juden des Westens von westlichen Politikern verraten, die sich als eine Art Schweizergarde in den Dienst des Zionismus stellten. Deshalb müssen wir uns nun den „Liberalen“ des 19. Jahrhunderts zuwenden, die dem Zionismus ihre Unterstützung angedeihen ließen und es ihm dadurch ermöglichten, verhängnisvollen Einfluss auf die nationale Politik der Staaten zu gewinnen.

Um sich ein Bild davon machen zu können, welchen Menschenschlag diese „Liberalen“ verkörpern, fängt man am zweckmäßigsten bei ihrem Stammvater an. Der „Prophet“ – denn diese Bezeichnung, die Amos einst erbost von sich gewiesen hatte, beanspruchte er für sich – war Henry Wentworth Monk, ein Mann, den heute nur noch die wenigsten kennen. Er war der Prototyp der amerikanischen Präsidenten und britischen Premierminister des 20. Jahrhunderts und das Urbild eines modernen westlichen Politikers.

Um erschöpfend zu erklären, wie ein solcher Mann überhaupt hochkommen konnte, müsste man sich die hauptsächlichen Ideologien und Impulse des 19. Jahrhunderts vergegenwärtigen. Dieses ist uns noch so nahe, dass man zumindest den Versuch wagen kann. Eine Auswirkung der Emanzipation bestand darin, dass sich jeder Wirrkopf für den Bannerträger einer erhabenen Sache hielt. Die Fortschritte der Druckkunst ermöglichten es auch dem hintersten Schaumschläger, seine fragwürdigen Gedanken zu verbreiten. Die immer schnelleren Transportmittel, mit denen selbst die abgelegensten Gebiete zu erreichen waren, befähigten diese Demagogen dazu, fern von ihrer Heimat nach Anliegen zu suchen, für die es sich ihrer Ansicht nach zu kämpfen lohnte. Unter diesen Umständen konnte sich Verantwortungslosigkeit als christliche Nächstenliebe tarnen, wenn sie den Menschen Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal äthiopischer Waisenkinder vorwarf, und wer konnte die Tatsachen überprüfen? Charles Dickens hat diesen Menschentyp in der Gestalt von Stiggins geschildert, der eine Gesellschaft zur Ausstattung von Negerkindern mit Taschentüchern gründete; Disraeli wies darauf hin, dass das grenzenlose Elend der Bergwerkarbeiter in Nordengland „der Aufmerksamkeit der Gesellschaft zur Abschaffung der Negersklaverei offenbar entgangen ist“ .

Die neue Methode, sich werbewirksam ins Rampenlicht zu setzen, war so unwiderstehlich, dass die Kritik eines Dickens oder eines Disraeli jene Schwärmer, die sich durch das verführerische Wort „liberal“ magisch angezogen fühlten, nicht abzuschrecken vermochte. Wie ein Lauffeuer breitete sich unter den Liberalen der Drang nach allerlei Reformen aus; die „Menschenrechte“ mussten durchgesetzt werden, und Missstände, die man im eigenen Land eben abgeschafft hatte, ließen sich unter fernen Völkern mühelos auffinden (je ferner sie waren, desto eifriger warb man für die Abschaffung der Missstände unter ihnen).

Für die Selbstgerechten, die für die anderen nur das Allerbeste wollten, ohne sich darum zu kümmern, welchen Schaden sie mit ihren unbedachten Aktivitäten anrichteten, war ein goldenes Zeitalter angebrochen. Diese Gutmenschen beeinflussten das Denken einer Generation, schufen zugleich aber auch eine regelrechte Industrie, weil ihre Tätigkeit ihnen nicht bloß Berühmtheit, sondern auch handgreifliche materielle Vorteile einbrachte. Im Namen der Freiheit spendeten solche Menschen in unseren Tagen der erneuten Versklavung halb Europas nicht nur Beifall, sondern trugen sogar aktiv dazu bei.

In dieser Zeit (genauer im Jahre 1827) wurde Henry Wentworth Monk geboren. Er erblickte das Licht der Welt auf einem Bauernhof am Ottawa River in Kanada weitab von den Zentren der Zivilisation. Im Alter von sieben Jahren wurde er seiner Familie entrissen und nach England gebracht, wo er die Bluecoat School in London besuchte, eine der strengsten Schulen des Landes, in der vor allem ein alleinstehendes Kind nichts zu lachen hatte. Die Knaben trugen die in den Tagen des Schulgründers (Edward VI.) übliche Kleidung: Einen langen blauen Mangel, eine Priesterkrawatte, gelbe Strümpfe und Schnallenschuhe. Sie lebten wie eine abgesonderte Sekte, wurden karg ernährt, bekamen regelmäßig die Rute zu spüren und mussten die Heilige Schrift fleißig studieren.

Der junge Monk besaß viele emotionale Bedürfnisse, die nach Befriedigung schrien, und sein kindliches Gemüt fand ein ihm angemessenes Betätigungsfeld im Alten Testament, mit dem er sich so intensiv beschäftigte und das er im Licht der modernen Entwicklungen deutete. Mit „schnellen Tieren“, schloss er, hatte Jesaja Eisenbahnen gemeint, und mit „schnellen Boten“ Dampfschiffe. Schon im Kindesalter war er überzeugt, die „Prophezeiungen“ entschlüsseln und Gottes Gedanken zeitgenössisch deuten zu können. Er schlug die Warnungen der israelitischen Propheten und des Neuen Testamentes vor dieser Versuchung in den Wind, und was er „herausfand“, war lediglich die Lehre der levitischen Priesterschaft, wonach die Heiden eines Tages der Vernichtung anheimfallen werden und dem auserwählten Volk im gelobten Land ein Königreich zuteil wird, das über die Welt herrscht.

Die Vorstellung, dass die Zeit reif für die Verwirklichung des göttlichen Plans sei, griff damals auch unter hochgestellten und einflussreichen Persönlichkeiten um sich. Als Monk elf Jahre alt war, regte ein Lord Shaftesbury an, die Großmächte sollten Palästina dem türkischen Sultan abkaufen und den Juden „zurückgeben“. Mit Lord Palmerston besaß England damals allerdings einen Staatsmann, der für derartige Pläne nicht zu gewinnen war, so dass vorerst nichts Konkretes geschah. Doch der junge Monk hatte Feuer gefangen; somit war ein Prophet geboren, der die restlichen sechzig Jahre seines Lebens voll und ganz in den Dienst dieser Idee stellen sollte.

Im Alter von vierzehn Jahren erhielt er einen Sonderurlaub, um einer Predigt des „ersten englischen Bischofs in Jerusalem“ beiwohnen zu können (der Mann hieß Solomon Alexander). Mit leuchtenden Augen kehrte der Knabe in seine Schule zurück; von nun an gab es für ihn kein anderes Ziel mehr, als Palästina für ein ihm gänzlich unbekanntes Volk zu gewinnen, ohne Rücksicht auf die Menschen, die bereits dort lebten. Seine Fixierung auf dieses Ziel hinderte ihn daran, auf dem Bauernhof seines Vaters in Kanada zu bleiben, auf den er zeitweilig zurückgekehrt war, und vereitelte auch seine geplante Weihe zum Geistlichen. Immer und immer wieder vertiefte er sich in das Alte Testament; dieses galt ihm als Code, den er entziffern konnte. Somit verfiel er dem klassischen Irrtum jener, die sich zwar als Christen bezeichnen, ihre Aufmerksamkeit jedoch ausschließlich dem Alten Testament zuwenden und das Neue vergessen. Indem sie von dem Postulat ausgehen, dass die alttestamentarischen Prophezeiungen wortwörtlich in Erfüllung gehen müssen, akzeptieren sie das jüdische Gesetz de facto als politischen Vertrag, der Gott keinerlei Freiheit mehr lässt, es sei denn bezüglich des Zeitpunkts, zu dem er seine Verheißungen wahrmacht. Konsequent durchgedacht, führt dieser Gedankengang zur Verneinung des Christentums und alles Göttlichen, und es kann leicht passieren, dass jemand, der so denkt, sich selbst für Gott hält. Diesem fatalen Irrtum sind alle führenden Politiker des Westens in unserem Jahrhundert aufgesessen, und Monk war ihr Prototyp.

Selbst im abgelegenen Kanada stieß er auf andere Propheten. Zu diesen gehörte ein amerikanischer Jude namens Major Modechai Noah, der auf einer Insel im Niagarafluss eine „Fluchtburg“ für die Juden errichten wollte, ehe sie ins gelobte Land „zurückkehrten“; vor wem amerikanische Juden vor ihrer Auswanderung nach Palästina wohl flüchten mussten, wusste nur er allein. Ein Warder Cresson, erster amerikanischer Konsul in Jerusalem, erwärmte sich dermaßen für die „Heimkehr“ der Juden, dass er zum jüdischen Glauben übertrat und ein Buch mit dem Titel Jerusalem, The Centre and Joy of the Whole World (Jerusalem, das Zentrum und die Freude der ganzen Welt) schrieb. Nach seiner Rückkehr nach Amerika ließ er sich von seiner nichtjüdischen Frau scheiden, nahm den Namen Michael Boas Israel an, trat abermals die Fahrt nach Palästina an und ehelichte dort eine jüdische Maid, mit der er sich nur per Handzeichen verständigen konnte.

Diese Vorbilder beflügelten Monks Eifer noch. Er beschloss, nach alttestamentarischer Tradition sein Haar nicht mehr zu schneiden und keinerlei Schmuck mehr zu tragen, bis Zion „wiederhergestellt“ war. Da er mit ungemein üppigem Haarwuchs gesegnet war, sah er schon bald wie ein struppiger Waldmensch aus. Er verkaufte seinen bescheidenen Besitz, und da er fortan nie mehr einer bezahlten Arbeit nachging, war er bis zum Ende seiner Tage auf Sponsoren angewiesen. Mit sechsundzwanzig Jahren trat er die Reise nach Jerusalem an, das er nach großen Strapazen erreichte, doch da er einen schäbigen und ungepflegten Eindruck hinterließ, fand er mit seiner Botschaft dort herzlich wenig Gehör.

Nur einer schicksalhaften Begegnung war es zu verdanken, dass Monk zu diesem Zeitpunkt nicht in der Versenkung verschwand. In unserem Jahrhundert der Weltkriege und Langstreckenraketen neigen wir dazu, das neunzehnte Jahrhundert als verhältnismäßig stabile und friedliche Zeit zu betrachten, in der keine Weltuntergangsstimmung herrschte, doch wer sich näher mit seiner Geschichte, und insbesondere dem Streit um Zion, befasst, entdeckt zu seiner Verwunderung, wieviele gebildete Männer permanent in Furcht und Schrecken lebten, da sie der Ansicht waren, sie könnten der Vernichtung nur entrinnen, wenn ein gewisser Teil der Weltbevölkerung auf arabisches Territorium umgesiedelt werde. So kreuzte sich der Pfad unseres Propheten mit dem eines anderen Mannes, der denselben bizarren Vorstellungen anhing.

In Jerusalem tauchte ein junger englischer Mann namens Holman Hunt auf. Auch er war bereit, alles für eine „Sache“ zu geben; wie so viele junge Künstler fühlte er sich den Kunstakademien verkannt, was ihn in einen permanent gereizten Zustand versetzte. Hunt war gesundheitlich angeschlagen und befürchtete, früh sterben zu müssen (er wurde dann dreiundachtzig). Er hatte soeben ein Bild mit dem Titel Das Licht der Welt vollendet, auf dem Jesus mit der Laterne in der Hand vor dem Tor des Sünders zu sehen war, als er auf den bärtigen Monk aufmerksam wurde. Nachdem ihm der Prophet seine Idee dargelegt hatte, der Menschheit (einschließlich der Akademiker) ihre baldige Vernichtung in Aussicht zu stellen, wenn sie nicht tat, was ihr die Propheten geboten hatten, war er sofort Feuer und Flamme.

So schmiedete dieses Tandem, der Prophet und der Künstler, einen Plan, um die gleichgültige Welt wachzurütteln. Monk erklärte dem Maler, der „Sündenbock“ sei das Symbol für die Verfolgung der Juden durch die Menschheit, worauf sie sich darauf einigten, dass Hunt ein Bild des „Sündenbocks“ malen und Monk gleichzeitig ein Buch schreiben sollte, in dem er darlegte, dass es an der Zeit war, den Verfolgten ihre alte Heimat zurückzugeben und so dafür zu sorgen, dass die Prophezeiung in Erfüllung ging.

Die Wahrheit sah freilich ein wenig anders aus. Der „Sündenbock“ war nämlich nichts anderes als eine listige Erfindung der Leviten, die den Priester dazu ermächtigte, die Gemeinde von ihren Sünden zu befreien, indem er zwei Zicklein nahm, von denen er das eine schlachtete und das andere in die Wildnis trieb, damit es durch seine Leiden alle Verstöße und Sünden der Juden auf sich nahm und sie dadurch entsühnte. Der Prophet und der Künstler verkehrten dieses Symbol in sein Gegenteil: Aus dem Sündenbock für die Verstöße der Juden gegen das Gesetz wurde ein Symbol für die Juden selbst, und aus den Peinigern des Sündenbocks wurden die Goyim, welche die Juden unterdrückten!

Holman Hunt machte sich mit Feuereifer an die Arbeit, die für ihn ein echtes Vergnügen war, denn erstens konnte er nun durch die Schaffung eines tiefsinnigen Gemäldes die Akademie, die sein Genie verkannt hatte, widerlegen, und zweitens diente er damit einer „Sache“. Sein Bild würde aussagekräftiger sein als alle Worte, und bald würde ihm Monks Buch folgen, die Interpretation des von ihm dargestellten Symbols. Wenn die Welt erst den „Sündenbock“ zu Gesicht bekam, würde Monk endlich Gehör finden; die Menschen würden ihre Sünde erkennen und Buße tun.

Die Beduinen sahen Hunt, wie er, in arabische Kleidung gehüllt, Pinsel und Gewehr in der Hand, eine weiße Ziege zum Toten Meer trieb. Dort malte er ein ausgezeichnetes Bild eine Ziege (genauer gesagt, von zwei Ziegen, denn die erste starb und musste ersetzt werden). Zur Steigerung des Effekts schuf Hunt eine Hintergrundkulisse in Gestalt eines Kamelskeletts, das er aus Sodom herbeischaffen ließ, und eines Ziegenschädels. Das Gemälde stellte das Leiden des Tieres eindrücklich dar und erweckte den Eindruck, dass die Leviten nicht nur furchtbar grausam, sondern auch Betrüger gewesen waren, denn nur solche konnten dem Volk weismachen, durch die Qualen einer Ziege würden sie von ihren Sünden gereinigt. Hunt nahm sein Kunstwerk nach England mit und gelobte gemeinsam mit Monk, für „den Wiederaufbau des Tempels, die Abschaffung des Krieges zwischen den Menschen und das Kommen des Königreichs Gottes auf Erden“ zu wirken. Vermutlich hat kein anderer Maler mit der Schaffung eines Gemäldes je so ehrgeizige Ziele verfolgt…

Inzwischen hatte Monk sein Buch Simple Interpretation of the Revelation (Einfache Deutung der Offenbarung) fertig geschrieben, und das gemeinsame Unterfangen war abgeschlossen; nun war es an der Welt, darauf zu reagieren. In seinem Buch (dem später noch weitere folgten) unternahm Monk den Versuch, levitische Politik und christliche Lehre miteinander zu versöhnen. Der Ausgangspunkt seiner Argumentation war historisch durchaus einleuchtend: Er wies zu Recht darauf hin, dass die zehn Stämme nicht einfach ausgestorben, sondern in der Menschheit aufgegangen waren. Aus dieser Tatsache entwickelte er nun seine Interpretation, der zufolge die „wahren Israeliten“ (Juden und Christen) nach Palästina auswandern und dort einen Musterstaat gründen sollten; in diesem Punkt wich er also klar vom orthodoxen Zionismus ab. Wenn dies erfolgt sei, argumentierte er demagogisch, werde es keinen Krieg mehr geben. Als nächstes legte er seine eigentliche Kernidee dar (woher er sie bloß hatte?): Jerusalem sollte zum Sitz einer Weltregierung werden. Diese Forderung nahm einen zentralen Gedanken des Zionismus vorweg.

Dass Monk sein Buch überhaupt publizieren konnte, verdankte er einem Mann, den er durch Hunt kennengelernt hatte, dem berühmten Kunstkritiker John Ruskin, der den Verleger Constable dazu überredete, das Opus zu drucken. Genau wie Hunts Gemälde blieb dieses freilich völlig unbeachtet, doch Ruskin griff dem Propheten finanziell unter die Arme und bewahrte ihn somit davor, in Vergessenheit zu geraten.

Auch Ruskin hatte schon früh unter Zwangsvorstellungen gelitten und war mit sich und der Welt unzufrieden. Wie Wilkie Collins, ein an und für sich solider Schriftsteller, der sich nicht damit zufrieden gab, gute Romane zu schreiben, sondern vergeblich versuchte, Dickens nachzueifern und moralische Empörung zu erwecken, hielt sich auch Ruskin nicht an die alte Volksweisheit „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, sondern war allzeit bereit, alles, was nach einer moralischen Sache aussah, ungeprüft zu fördern. Wie Monk hatte er sich in seiner Kindheit intensiv mit dem Alten Testament beschäftigen müssen (dafür sorgte seine puritanische Mutter, die jeden seiner Schritte lenkte), und er verliebte sich mehrmals in junge Frauen, die seine Gefühle nicht erwiderten und ihn dies auf bisweilen demütigende Weise spüren ließen. Deshalb suchte er stets nach einem Ventil für die Emotionen, die sich in ihm angestaut hatten. Er fürchtete sich vor dem Leben und der Zukunft: die unablässigen Warnungen der Propheten vor dem Zorn Gottes, der sich eines Tages über die Menschheit entladen werde, verstärkten seine Angstzustände noch und bewogen ihn dazu, die Faust in der Tasche zu ballen. Er fand eine große Zuhörerschaft und verfiel demselben antichristlichen Irrtum wie Monk und Holman; Wie sein Biograph Hesketh Pearson in seinem 1952 erschienenen Buch The Man Whistler schreibt, „erlag er der allen falschen Propheten eigenen Wahnvorstellung, sein Wort sei Gottes Wort“, und seine Urteilskraft ließ zusehends nach. Ruskin war es, der dem Propheten Monk die Möglichkeit verlieh, weiter durch die Welt zu ziehen und seine Botschaft zu verkünden.

Nach dem Fiasko mit Monks Buch unternahm Hunt einen neuen Anlauf. Er begann an einem Gemälde zu arbeiten, auf dem Jesus zu sehen war, wie er in der Synagoge die Prophezeiungen über den Messias vorlas und verkündete, der Messias sei er selbst. Um keine Zweifel an der Aussage des Bildes aufkommen zu lassen, benutzte er Monk als Modell für seine Jesusgestalt; die entrüstete Ablehnung Jesu durch die Schriftgelehrten symbolisierte die Verwerfung des Propheten durch die Welt. Eine experimentelle Vorstufe des Bildes befindet sich in der National Gallery in Ottawa; auf ihr ist Monk zu erkennen, wie er in der einen Hand eine Bibel hält (diese ist offen und zeigt das Buch der Offenbarung) und in der anderen eine Ausgabe der Londoner Times . (Als ich auf dieses Kunstwerk stieß, arbeitete ich in Montreal, wo ich mich wie ein Mönch eingeschlossen hatte; die Schwierigkeit und die überwältigende Bedeutung der Aufgabe, der ich mich verschrieben hatte, lasteten zentnerschwer auf mir, doch als ich dieses Bild entdeckte, vernahmen meine Nachbarn zu ihrem Erstaunen, dass in der üblicherweise mäuschenstillen Kammer, in der ein ehemaliger Times -Korrespondent über seinen Wälzern hockte, ein homerisches Gelächter erscholl.)

Nun zeigte der alte Adam sein vertrautes Gesicht: Nachdem es Hunt gelungen war, ein Bild mit dem Titel The Finding of Christ in the Temple für 5.500 Pfund zu verkaufen, schmolzen seine Ressentiments gegen das Leben und die Kunstakademien jäh dahin. Er wurde von Gesellschaftslöwen wie Val Prinsep und Tennyson eingeladen und konnte den struppigen Propheten Monk unmöglich in diese erlauchten Gemächer mitnehmen. Ruskin litt wieder einmal an Liebeskummer und wurde von nagenden Zweifeln befallen. Dennoch nahmen diese beiden sesshaft gewordenen Männer die Warnungen des Propheten, der ihnen mit Vernichtung drohte, wenn sie nicht schleunigst die Übersiedlung der Juden nach Palästina bewerkstelligten, weiterhin sehr ernst. Bis zum Überdruss wiederholte Monk, „der Tag“ stehe kurz bevor; er untermauerte diese Behauptung jeweils mit dem Hinweis auf irgendeine kriegerische Auseinandersetzung in Afrika, in Kleinasien, auf dem Balkan oder in Europa, die angeblich das Ende der Welt ankündigte, und an kriegerischen Konflikten kleineren Umfangs herrschte nie Mangel. Schließlich heckten Hunt und Ruskin einen Plan aus, der dazu angetan war, ihre Ängste zu lindern, ihr Gewissen zu beruhigen und den Propheten zum Schweigen zu bringen: Sie forderten ihn auf, nach Jerusalem zurückzukehren und wie einst Sabbatai Zvi das unmittelbar bevorstehende Tausendjährige Reich zu verkünden.

Der Prophet saß bereits auf gepackten Koffern, als der nächste Krieg ausbrach – zu Monks Verstörung allerdings nicht an einem jener Orte, wo er laut seiner Entzifferung der alttestamentarischen Prophezeiungen eigentlich hätte ausbrechen müssen, um das Ende der Tage einzuläuten, sondern in Amerika, jenem Erdteil also, aus dem seinen Interpretationen zufolge die Rettung kommen sollte!

Nachdem er wieder einmal über die Bücher gegangen war, erklärte Monk, er habe den Fehler in seinen Deutungen entdeckt: Der amerikanische Bürgerkrieg sei in der Tat das Ereignis, welches das Ende der Tage ankündige. Nun war es wirklich an der Zeit, in Sachen Palästina aktiv zu werden, und zwar sofort! John Ruskin versicherte ihn der nötigen Unterstützung: Wenn Monk wirklich ein Prophet sei, solle er sich vor seiner Umsiedlung nach Jerusalem schleunigst nach Amerika begeben und den Himmel um ein Zeichen bitten, das den Krieg beenden werde. Er, Ruskin, sei bereit, die Reise zu finanzieren. So zog der Prophet aus, um dem amerikanischen Bürgerkrieg ein Ende zu bereiten.

Gemäß damaliger Tradition musste jeder Bürger Gelegenheit haben, einem republikanischen Präsidenten persönlich ein Anliegen zu unterbreiten, so dass Abraham Lincoln drei Tage pro Woche von Audienzen in Anspruch genommen wurde. Eines schönen Tages machte ihm der Prophet seine Aufwartung; ihm folgte ein Schwarm von Leuten, die den Präsidenten um Hilfe bitten, ihm irgendwelche Petitionen unterbreiten oder ihn einfach einmal persönlich zu Gesicht bekommen wollten.

Die Gestalt, die Lincoln wie durch ein dichtes Gestrüpp hindurch anstarrte, erweckte seine Neugier; er erkundigte sich, wer dieser Besucher denn sei, und erfuhr, dass es sich um einen Kanadier handelte, der gekommen war, um den Krieg zu beenden. Auf die Frage des Präsidenten, mit welchen Mitteln dies denn zu erreichen sei, regte der Prophet an, der Süden solle seine Sklaven gegen Entschädigung freilassen und der Norden als Gegenleistung in die Sezession des Südens einwilligen. Dieser Vorschlag „schien den Präsidenten zu amüsieren“ (Monk). „ Betrachtet ihr Kanadier meine Erklärung über die Emanzipation der Neger nicht als großen Schritt in Richtung auf den sozialen und moralischen Fortschritt der Welt?“ wollte Lincoln wissen.

Monk erwiderte, dies sei nicht genug. „Warum soll auf die Emanzipation des Negers eigentlich nicht ein noch viel wichtigerer Schritt folgen: Die Emanzipation des Juden?“ fragte er. Da der Jude in Amerika längst emanzipiert war, reagierte Lincoln mit ungläubiger Verwunderung: „Der Jude? Warum der Jude? Ist der etwa nicht schon frei?“

„Gewiss, Herr Präsident, der amerikanische Jude ist frei und der britische desgleichen, nicht aber der europäische“, erwiderte Monk. „Wir in Amerika leben so fern vom Rest der Welt, dass wir blind gegenüber dem sind, was in Russland und Preußen und der Türkei vor sich geht. Es kann keinen dauerhaften Frieden auf Erden geben, ehe die zivilisierten Nationen, hoffentlich unter der Führung Großbritanniens und Amerikas, Sühne für das leisten, was sie den Juden in zweitausend Jahren der Verfolgung angetan haben, indem sie ihnen ihre nationale Heimstatt in Palästina wiedergeben und Jerusalem zur Hauptstadt eines wiedervereinigten Christentums machen.“

Bezeichnenderweise war Monk wie fast alle „Liberalen“, die so argumentierten, nie in seinem Leben in Russland oder Preußen gewesen, und von der Türkei kannte er nur deren palästinensische Provinz. In Russland sträubte sich das talmudistische Rabbinat mit Händen und Füssen gegen die Emanzipation; zwei Jahre vor Monks Treffen mit Lincoln war Zar Alexander II. ermordet worden, nachdem er die Verabschiedung einer Verfassung angekündigt hatte, welche die Gründung eines Parlaments vorsah. In Preußen waren die Juden bereits emanzipiert und wurden deshalb von den russischen Juden angegriffen; in der Türkei wurden alle unterworfenen Völkerschaften gleichermaßen und unparteiisch unterdrückt, und die türkischen Juden lebten größtenteils bereits in Palästina, so dass keinerlei Notwendigkeit vorlag, sie dorthin zu verfrachten.

In Lincolns Tagen war die Vorstellung, Kriege dürften nur noch darum ausgefochten werden, um die Gründung eines Judenstaates in Palästina zu ermöglichen, noch neu (heute ist sie de facto längst akzeptiert, wie die beiden Weltkriege gezeigt haben), und der Präsident reagierte abermals mit Verwunderung.

In Amerika tobte damals einer der grausamsten Kriege, welche die abendländische Welt je gesehen hatte. Als phantasiebegabter Mann, der wusste, wie man ungebetene Gäste mit einem Minimum an Grobheit loswird, verabschiedete Lincoln den Propheten mit einem gutmütigen Scherz: „Der Arzt, der meine Füße behandelt, ist Jude“, sagte er, „und er hat mir so oft wieder auf die Beine geholfen, dass ich durchaus gewillt bin, seinen Glaubensgenossen Beine zu machen, damit sie nach Palästina auswandern können.“ Er rief Monk in Erinnerung, dass in Amerika ein blutiger Krieg wütete, und bat ihn, dessen Ende abzuwarten; „dann dürfen wir wieder Visionen haben und Träume träumen“. (Ob Lincoln diese Formulierung wohl zufällig gewählt hat? Er war bibelfest genug, um zu wissen, welches Schicksal das Alte Testament „falschen Propheten und Träumern von Träumen“ weissagt.)

Monk kehrte nach London zurück, und Ruskin zahlte ihm die Reisekosten nach Palästina, wo er allerdings gleich nach seiner Ankunft als lästiger Ausländer wieder abgeschoben wurde. Man schrieb mittlerweile das Jahr 1864. Da Monk keinen roten Heller besaß, verdingte er sich als Seemann auf einem Frachter, der nach Boston fahren sollte, jedoch kurz vor dem Erreichen seines Bestimmungsortes kenterte, so dass der Prophet das letzte Stück Atlantik schwimmend hinter sich bringen musste. Er wurde blutend und halbnackt an Land gespült; ein Bauer, der ihn im Halbdunkel zu Gesicht bekam, hielt ihn für einen Bären und brannte ihm gleich eine Kugel auf den Pelz. Die Aufregungen waren für den Propheten zu viel: Er verlor sein Gedächtnis und begann irre zu reden. In diesem Zustand wurde er nach Großbritannien zurückgeschafft. Nach einigen Jahren erholte er sich wieder, und alsbald übermannten ihn die alten Wahnvorstellungen. Der von ihm so hartnäckig prophezeite „letzte Tag“ war immer noch nicht eingetroffen; der Planet Erde zog nach wie vor seine althergebrachte Bahn. Ein weiteres Mal ging Monk über die Bücher und entdeckte, dass er sich geirrt hatte, als er die Vereinigung von Juden und Christen sowie die Errichtung eines Weltstaates mit Jerusalem als Hauptstadt forderte. Er begriff nun endlich, was Gott den Propheten zufolge tun musste: Er musste zuerst dafür sorgen, dass die Juden die Herrschaft über Palästina errangen, und dann eine weltweite Organisation gründen, welche die Macht besaß, alle Völker zur Befolgung ihres Gesetzes zu zwingen.

Nach jahrzehntelangen Irrungen und Wirrungen war Monk also mehr oder weniger zufällig über den politischen Plan zur Weltherrschaft gestolpert, der bereits im Alten Testament dargelegt wird, glaubte jedoch weiterhin, den Willen Gottes zu deuten. Nichts weist darauf hin, dass er je in Berührung mit den Eingeweihten und Illuminaten des Großen Plans gekommen wäre. Das einzige jüdische Geld, das er nachweislich erhalten hat, war eine milde Gabe in Höhe von fünf Pfund „für den Fall, dass Sie persönlich knapp dran sind“. Er verkehrte stets im Dunstkreis nichtjüdischer „Liberaler“, die sich von seinen Weissagungen beeindruckt zeigten, und lebte auf deren Kosten.

Im Ottawa-Tal, wohin er sich zurückgezogen hatte, schenkte ihm niemand irgendwelche Beachtung, doch im Jahre 1870 erhielt seine Hoffnung, dass der Tag des Gerichts nahe war, durch einen gewaltigen Waldbrand, den er als Zeichen des Himmel deutete, neuen Auftrieb. Zwei Jahre darauf gelang es ihm irgendwie, nach London zurückzukehren und wieder zu Hunt und Ruskin zu stoßen, die ihn für tot gehalten hatten. Ruskin machte damals gerade einer Dame namens Rose La Touche den Hof, so dass er kein Ohr für die Warnungen des Propheten hatte und diesem schrieb: „Ich anerkenne, dass vieles von dem, was du sagst, wundervoll ist, kann aber einfach nicht glauben, dass du so viel von Gott verstehst, wenn du so wenig vom Menschen verstehst… Mir kommt es so vor, als seist du verrückt, denn ich sollte wissen, dass ich womöglich selbst verrückt bin“ (diese letzten Worte waren unglücklicherweise prophetischer Natur).

Solche Mahnungen waren für den Propheten nichts Neues. Seine Verwandten und Freunde hatten ihn geradezu angefleht, einen Blick auf die Zustände in seiner Heimat zu werfen, wenn er die Menschheit wirklich verbessern wolle: Das Los des kanadischen Indianers, aber auch des weißen Kanadiers, war der Verbesserung dringend bedürftig. Einem Mann, der im Besitz des Schlüssels zum Verständnis der göttlichen Weissagungen war, galten dergleichen Anregungen jedoch als pure Gotteslästerung. Monk verfasste mehrere Schriften, in denen er für die Gründung eines Fonds warb, der die Rückkehr der Juden nach Palästina finanzieren sollte. Hierbei stützte er sich auf eine Idee Ruskins, der damit freilich die Entwicklung seines eigenen Landes im Auge gehabt hatte: Die Reichen sollten ein Zehntel ihres Einkommens abgeben, um die wilden Gegenden Englands urbar zu machen. Monk wollte den Zehnten hingegen für eine bessere Sache aufwenden: Die „Rückkehr“!

Damals (im Jahre 1875) wurde Ruskin wieder einmal von heftigen Depressionen gequält, denn erstens war Rose La Touche gestorben, und zweitens zeichnete sich am Horizont ein neuer Krieg ab, diesmal zwischen Großbritannien und Russland. Ganz offensichtlich hatte der Prophet recht gehabt: Der Tag des Gerichts war in der Tat nicht mehr fern! Ruskin unterzeichnete Monks Manifest und zahlte ein Zehntel seines Vermögens in den vom Propheten gegründeten Fonds ein; Palästina sollte dem Sultan abgekauft werden, während die wilden Gebiete Englands auch weiterhin ihrer Urbarmachung harrten. Wenn diese erste Etappe abgeschlossen war, sollte ein Kongress aller Nationen eine Weltföderation mit Jerusalem als Hauptstadt ausrufen.

Somit hatte der Prophet wieder festen Boden unter den Füssen. Unterstützung erhielt er auch von Laurence Oliphant, einem Salonlöwen der Viktorianischen Epoche, den er in Amerika zufällig kennengelernt hatte. Oliphant war ein Mensch ganz anderen Schlages, ein kühner, zynischer und waghalsiger Abenteurer. Die Idee, Palästina zu kaufen, sagte ihm durchaus zu, doch gab er sich keinen Illusionen hin. In einem Brief an Monk hielt er fest: „Jede beliebige Geldsumme kann dafür aufgebracht werden, da die Menschen glauben, hiermit der Erfüllung einer Prophezeiung Vorschub zu leisten und das Weltenende näher zu bringen. Ich weiß nicht, warum sie letzteres so dringend herbeisehnen, doch erleichtert es die kommerziellen Spekulationen.“ Wie wir bald sehen werden, machte Oliphant kein Hehl aus seiner Verachtung für die Botschaft des Propheten.7

1880 war Hunt, dessen Gesundheit immer mehr nachließ, so verstört über kleine kriegerische Episoden in Ägypten und Südafrika, dass er den Weltuntergang für unmittelbar bevorstehend hielt und gemeinsam mit Monk ein Manifest veröffentlichte, das die Pläne unseres Jahrhunderts für eine zionistisch kontrollierte Weltregierung vorwegnahm. Es trug den Titel Die Abschaffung des internationalen Krieges und rief alle Menschen guten Willens dazu auf, ein Zehntel ihres Einkommens für die Verwirklichung des „Königreichs Gottes“ zu spenden, das die Form einer Weltregierung mit Sitz in Palästina aufweisen und den Namen Die Vereinten Nationen tragen sollte. Das Geld sollte an Herrn Monk gehen, damit er Palästina kaufen konnte.

Dies war jedoch bereits der Schwanengesang des Projekts. Ruskin, der sein Ende nahen fühlte, lehnte jede künftige Unterstützung des phantastischen Plans schroff ab. Auch Oliphant wandte sich von Monk ab, und die „Bank of Israel“ blieb ein Luftschloss. Butler wies dem Propheten die Tür. Selbst Holman Hunt drängte diesen schließlich, zu predigen, „dass es einen Gott im Himmel gibt, der jedermann auf Erden richten wird “, und nicht länger so zu tun, als sei er, Monk, mit dem Herrgott identisch. Ganz ähnlich äußerten sich die Juden: „ Das Land unserer Vorväter ist tot, und Palästina ist sein Grab… Jeder Versuch, aus dem heutigen, vielsprachigen Volk des Judentums eine Nation zu machen, wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt.“

Doch Monk war unverbesserlich. 1884 kehrte er zum letzten Mal nach Ottawa zurück und verbrachte seine letzten Jahre damit, die Mitglieder des kanadischen Unterhauses mit seinen Reden und Traktaten zu belästigen, wenn sie zwischen den Parlamentsessionen im Garten am Ottawa-Fluss saßen. Sie hörten ihm mit spöttischer Nachsicht zu. Sechzig Jahre später würden kanadische Minister in Ottawa und New York all das, was Monk gesagt hatte, zu unangreifbaren Prinzipien der großen Politik hochjubeln, und kein Abgeordneter würde es wagen, Einwände gegen diese Sicht der Dinge zu erheben.

Monks Leben war eine Kette von Fehlschlägen, die durch keinen wahren Glauben und durch keine echte Mission gemildert wurden. Wenn wir so ausführlich auf diesen Mann und sein Wirken eingegangen sind, dann um zu zeigen, wie verkehrt und töricht der Große Plan damals anmutete und wie schwer die Menschen irrten, die sich vor dem Hintergrund der Verhältnisse im 19. Jahrhundert für seine Verwirklichung einsetzten. Wie verhängnisvoll die Vorstellung von einer zionistisch gesteuerten despotischen Weltregierung ist, wird sofort klar, wenn man sie von derselben Perspektive aus betrachtet wie Monk und seine Mitstreiter. Das Ganze wirkt dann wie eine groteske Komödie, eine Farce, nicht so sehr, weil es mit einem Fehlschlag endete, sondern weil dieser Fehlschlag von Anfang an feststand. Die von Monk und Konsorten geschmiedeten Pläne besaßen nicht den Hauch einer Chance auf Erfolg, weil ihre Urheber sich offensichtlich keine Gedanken über die Folgen gemacht hatten, die sie nach sich ziehen mussten; hätten sie dies getan, so hätten sie sogleich begriffen, dass ihr Projekt nur mit einer Katastrophe enden konnte. Da zu jener Zeit Meinungsfreiheit herrschte und der Öffentlichkeit die Möglichkeit offenstand, sich objektiv zu informieren, wirkten diese Männer wie Narren und hinterließen in den Korridoren der Zeit nichts weiter als das gedämpfte Echo ihrer bizarren Tiraden.

Nichtsdestoweniger wurde das damals so ruhmlos gescheiterte wahnwitzige Projekt den Völkern in unserem Jahrhundert als ernsthaftes und dringliches Unterfangen präsentiert, das über den Bedürfnissen der Nationen stehe. Nicht genug damit: Es wurde für sakrosankt erklärt; jede freie Diskussion darüber wurde durch ein ungeschriebenes Gesetz, die sie für häretisch erklärte, bereits im Keim erstickt, und hinter dieser Palisade verklärten die Politiker des Westens den irren Plan des Propheten Henry Wentworth Monk zum unumstößlichen moralischen Prinzip. Wir wissen nicht, in welchem Sektor des Jenseits John Ruskin und Holman Hunt heute weilen, doch jedenfalls können diese beiden viktorianischen Freunde der Unterdrückten heute auf die Gräber der vielen Toten sowie die elenden Baracken blicken, in denen fast eine Million Flüchtlinge hausen, und sich somit die ersten Ergebnisse des großen Plans, für den sie sich so eifrig einsetzten, anschaulich vor Augen führen.

Hätte Monk in unserem Jahrhundert gelebt, so wäre er gewiss in eine hohe Stellung aufgerückt, denn die Unterstützung der Sache, der er sich mit Haut und Haar widmete, ist inzwischen zur unabdingbaren Voraussetzung für eine politische Karriere geworden. Was sein Leben verdarb, war seine maßlose Selbstüberschätzung, doch in seinem Todesjahr 1896 wurde die Fantasie, die das Leitmotiv seiner Existenz gewesen war, zu einer politischen und praktischen Realität, welche die Welt in Zukunft immer nachhaltiger prägen sollte. Während er zwischen Ottawa, Washington, London und Jerusalem hin- und herpendelte, arbeiteten ganz andere Männer in Russland zielstrebig auf die Schaffung einer wahrhaft schlagkräftigen zionistischen Bewegung hin. 1896 wurde diese auf die Menschheit losgelassen, und die Explosionen, die sie verursachte, wurden mit der Zeit immer lauter und zerstörerischer, bis hin in unsere Tage, wo sie selbst von den Journalisten häufig als Lunte an einem Pulverfass bezeichnet wird, dessen Detonation die Welt zum dritten Mal in unserem Jahrhundert in Brand setzen könnte.

7. Oliphant berührte hiermit einen interessanten Punkt. Eine Interpretation der zahlreichen alttestamentarischen Prophezeiungen besagt, dass das Ende der Welt nach der „Rückkehr“ der Juden nach Palästina erfolgen wird, so dass Leute, welche diese „Rückwanderung“ fördern, de facto den Augenblick bestimmen, zu dem Jahwe das Ende des Planeten einläutet. Nicht minder perplex als Oliphant war hierüber ein französischer Politiker bei der Pariser Friedenskonferenz von 1919, der Balfour fragte, warum er die „Rückkehr“ der Juden nach Palästina so eifrig unterstütze; wenn dieses Ereignis der Erfüllung einer Prophezeiung gleichkomme, gehe aus dieser auch hervor, dass das Ende der Welt nahe sei. „Genau dies macht das alles so interessant“, erwiderte Balfour lässig.

Kapitel 24

Die Geburt des Zionismus

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Kommunismus und Zionismus ihren Zangenangriff auf Europa einleiteten, bestand der Alte Kontinent aus starkem und selbstbewussten Staaten, die ohne weiteres in der Lage waren, Kriege und innere Wirren zu verkraften. Die revolutionären Erhebungen des Jahres 1848 waren ohne sonderlich großen Aufwand niedergeschlagen worden. Österreich-Ungarn und Frankreich erholten sich rasch von ihren 1866 bzw. 1871 erlittenen Niederlagen gegen Preußen: sie lebten Seite an Seite mit ihren Überwindern, wie es besiegte Staaten seit jeher getan hatten, ohne dass ihre innenpolitische Stabilität dadurch nennenswert gelitten hätte. Die Völker des Balkans, die das türkische Joch eines nach dem anderen abschüttelten, nutzten die neu gewonnene nationale Freiheit, um ihren Wohlstand zu mehren. An der Ostgrenze Europas führte das russische Riesenreich unter dem Banner des Christentums tiefgreifende Reformen durch, welche die Lage der verschiedenen Bevölkerungsgruppen grundlegend verbesserten und den Bürgern immer mehr Rechte bescherten.

Doch dieses idyllische Bild trog, denn die beiden Würmer saßen bereits im Apfel. Die achtzehn christlichen Jahrhunderte, die der Menschheit trotz vieler unleugbarer Rückschläge größeren Fortschritt gebracht hatten als jede andere Epoche zuvor, steuerten entweder auf ihr Ende oder auf ein Interregnum zu, von dem wir nicht wissen, wie lange es dauern wird.

Gläubige Christen sind allgemein der Ansicht, dass dieses dunkle Zeitalter irgendwann ein Ende nehmen und es auf Erden einst wieder helle werden wird, doch schon im 19. Jahrhundert gab es einen Mann, der die Entwicklungen des zwanzigsten voraussah und davon überzeugt war, dass die Menschheit nicht in eine zeitlich begrenzte finstere Periode eingetreten war, sondern auf ihr Ende zusteuerte. Dieser Mann war Henry Edward Manning, ein anglikanischer Geistlicher, der zum römisch-katholischen Christentum übertrat, zum Erzbischof von Westminster geweiht wurde und Papst geworden wäre, hätte er seine Wahl durch seine Mitkardinäle nicht abgelehnt.

Edmund Burke, John Adams und Alexander Hamilton hatten die weltumspannenden Ziele der Revolution erkannt und prophezeit, dass sie sich kontinuierlich ausbreiten werde. Ein halbes Jahrhundert später wiesen Disraeli, Bakunin und andere warnend darauf hin, dass die Führung der revolutionären Bewegung von Juden usurpiert worden war. Manning schloss sich diesen Warnungen an, sah jedoch auch den Aufstieg des Zionismus und seine künftige Rolle als zweite zerstörerische Kraft neben dem Kommunismus voraus.

Zur Revolution bemerkte er: „Die Geheimgesellschaften der Welt, deren Existenz die Menschen in ihrer maßlosen Selbstüberschätzung spöttisch leugnen, zwingen ihre Existenz und Realität jenen auf, die eben noch behaupteten, es gebe sie gar nicht.“ (1861) Manning rechnete mit einem durchschlagenden Erfolg von Weishaupts ursprünglichen Plan und war der Ansicht, die Zeit, in der er lebte, sei ein „Vorspiel der antichristlichen Periode, die in die völlige Entthronung des Christentums münden wird, und die Errichtung einer gottlosen Gesellschaft auf der Welt“. Heutzutage besitzt die antichristliche Revolution in halb Europa die zeitliche Macht; mit Ausnahme Großbritanniens haben alle großen und viele kleine Nationen Europas das Kreuz aus ihrem Wappen verbannt, und eine „Gesellschaft ohne Gott“ wurde zur potentiellen Weltregierung erhoben. Angesichts dieser Fakten führt kein Weg an der bedrückenden Erkenntnis vorbei, dass Mannings vor neunzig Jahren getätigte Prophezeiung zum großen Teil bereits in Erfüllung gegangen ist.

Was Manning weit über die anderen Seher erhob, war seine Erkenntnis der Rolle, die dem Zionismus bei dieser Entwicklung zugedacht war: „Jene, die den Glauben an die Inkarnation verloren haben, wie Humanisten, Rationalisten und Pantheisten, können nur allzu leicht einer politisch mächtigen Person auf den Leim gehen, welche den Juden ihr eigenes Land zurückgibt… und in der politischen Konstellation der Welt gibt es nichts, was eine solche Entwicklung verunmöglicht.“ Manning erwartete das Erscheinen des Antichristen in Gestalt eines Juden. „Es ist ein Gesetz der Heiligen Schrift, dass Personen, deren Kommen prophezeit wird, auch erscheinen“, kommentierte er jene Stelle aus dem zweiten Brief Paulus an die Thessalonicher, in der es heißt: „… Der Frevler wird auftreten in der Macht des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern, und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit…“ (Thessalonicher 2,2; 2,9-10).

Während Europa auf dem seit achtzehn Jahrhunderten bewährten Pfad in eine immer lichtere Zukunft zu schreiten schien, erschien in den talmudistisch geschulten Kreisen Russlands nach dem Kommunismus eine zweite Bewegung, die sich anheischig machte, diesem Prozess Einhalt zu gebieten – der Zionismus. Die Aufgabe des Kommunismus bestand darin, die Massen für sich zu gewinnen; er war jene „große Volksbewegung“, von der Disraeli geahnt hatte, dass sie den Geheimgesellschaften als Rammbock zur Zerstörung Europas dienen würde. Der Zionismus schlug die entgegengesetzte Strategie ein, indem er auf die Regierenden einwirkte und die Gesellschaft somit von oben her zersetzte. Keine der beiden Kräfte hätte ohne die Andere Erfolg haben können, denn Herrscher, die über uneingeschränkte Autorität verfügt hätten, hätten die Revolution so leicht unterdrücken können, wie dies 1848 der Fall gewesen war.

Der Zionismus war seinem Wesen nach die Antwort des talmudistischen Zentrums in Russland auf die Emanzipation der Juden im Westen; seine Mission bestand darin, die Juden vom Aufgehen in der Menschheit abzuhalten und ihre Sonderexistenz zu verewigen. Seit den Zeiten der babylonischen Gefangenschaft hatte die Sekte diese Karte niemals ausgespielt. Falls der gegenwärtig unternommene Versuch scheitert, ist kein zweiter möglich; dies war der Grund dafür gewesen, dass die Talmudisten diesen Trumpf erst ausspielten, als die Emanzipation sie in eine akute Notlage versetzte und sie Gefahr liefen, ihre Macht über die jüdischen Massen zu verlieren. In der Vergangenheit hatten sie jene, die verkündeten, der Tag der Verheißung sei da, stets als „falsche Propheten“ gegeißelt. Wäre es Sabbatai Zevi (oder Cromwell, oder Napoleon) gelungen, Palästina für die Juden zu gewinnen, so hätten sie ihn möglicherweise zum Messias ausgerufen, doch nun riefen sie sich selbst zum Messias aus – ein halsbrecherisches Unterfangen, das sich kaum je wiederholen lässt. Historisch gesehen steuern wir also aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Ende des zerstörerischen Plans zu, da dessen Erfüllung offensichtlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, doch die heutige Generation, und vermutlich noch einige kommende Generationen, werden allen Anzeichen nach einen hohen Preis dafür bezahlen müssen, dass man dem Versuch zu seiner Verwirklichung keinen Riegel vorgeschoben hat.

Kein anderes Werk vermittelt tiefere Einsichten über den gemeinsamen Ursprung und das gemeinsame Ziel von Kommunismus und Zionismus als Dr. Chaim Weizmanns Trial and Error. Weizmann stand bei der Geburt des Zionismus Pate, wurde zu seinem wandernden Botschafter, war vierzig Jahre lang ein gern gesehener Gast westlicher Könige, Präsidenten und Minister, wurde zum ersten Präsidenten des Zionistenstaates gewählt und erzählte die ganze Geschichte mit erstaunlicher Offenheit. Sein Buch enthüllt, wie die zionistische Bewegung, die später das Schicksal aller westlichen Völker entscheidend beeinflussen sollte, vor hundert Jahren in den abgelegenen talmudistischen Gemeinden des Ostens Gestalt annahm.

Um den Aufstieg der zwei sich gegenseitig ergänzenden zerstörerischen Bewegungen zu ermöglichen, musste die abendländische Menschheit einen hohen Preis an Blut und Gold entrichten. Millionen von Menschen arbeiteten zwischen den beiden Weltkriegen auf ihre Förderung hin. Wer in unserer Zeit das Licht der Welt erblickt, ist von Geburt an dazu verurteilt, unter den Stürmen zu leiden, die sie unweigerlich heraufbeschwören werden. Hiervon sind auch die Juden selbst nicht ausgenommen; schon in der Vergangenheit haben sie bei den von ihren Führern ausgelösten Katastrophen Verluste erlitten, die etwa ihrem Anteil an der Bevölkerung der betroffenen Staaten entsprachen. Dr. Weizmanns Darstellung vermittelt dem Wissbegierigen Aufschluss über den Beginn dieses Prozesses, dessen Ergebnisse wir in der Gegenwart tagtäglich verfolgen können.

Wie Dr. Weizmann darlegt, zerfielen die Juden in Russland in drei Gruppen. Die Angehörigen der ersten Gruppe wollten nichts weiter als Frieden mit ihrer Umwelt und strebten danach, loyale russische Bürger zu werden, so wie die Mehrheit der deutschen, französischen und anderen westlichen Juden damals bereits loyale Bürger ihrer jeweiligen Staaten waren. Dieser Gruppe, deren oberstes Ziel die Emanzipation war, gehörten vor allem jene Juden an, die sich dank ihrer Begabung und ihrem Fleiß, oder aus Abneigung gegenüber der talmudistischen Herrschaft, aus den Ghettos befreit hatten.

Dr. Weizmann tut diese Gruppe als verlorenes Häufchen von Renegaten ab. In der Tat wurden die Angehörigen dieser Gruppe von den Talmudisten exkommuniziert und sind letzteren zufolge mittlerweile von der Erdoberfläche verschwunden.

Die übrigen russischen Juden lebten unter der Herrschaft ihrer talmudistischen Führer in den Ghettos und zerfielen in zwei Parteien, wobei der Riss oft quer durch die jüdischen Familien verlief (ein anschauliches Beispiel hierfür liefert Dr. Weizmanns eigene Familie). Beide Parteien waren revolutionär und arbeiteten somit auf die Zerstörung Russlands hin. Meinungsunterschiede zwischen ihnen bestanden lediglich in Bezug auf den Zionismus. Die kommunistische Fraktion vertrat die Ansicht, die volle Emanzipation der Juden werde eintreten, wenn die Weltrevolution die Nationalstaaten überall abgeschafft haben werde. Die zionistische Fraktion hatte sich zwar ebenfalls der weltrevolutionären Agenda verschrieben, meinte jedoch, Voraussetzung für die Emanzipation sei die Gründung eines eigenen Staates für das jüdische Volk.

Vom Standpunkt der talmudistischen Orthodoxie aus war die zionistische Gruppierung unbedingt vorzuziehen; laut dem jüdischen Gesetz ist die Zerstörung der nichtjüdischen Umwelt nämlich nichts weiter als ein Mittel zur Errichtung der jüdischen Herrschaft, deren Zentrum sich in Jerusalem befinden muss. Der Streit zwischen Kommunisten und Zionisten war ungemein erbittert und spaltete unzählige Familien. Die Kommunisten betrachteten den Zionismus als Schwächung der Revolution, die den Anspruch erhob, über den Rassen und Religionen zu stehen; die Zionisten konterten, die Revolution müsse dem auserwählten Volk, für das Rasse und Religion ein und dasselbe waren, seine rechtmäßige Position verschaffen. Das jüdische Fußvolk nahm diesen Streit vermutlich bitter ernst, doch dabei täuschte es sich, denn keine der beiden Parteien hätte sich in den streng kontrollierten Ghettos gegen den Willen der Rabbiner entfalten können. Hätten diese entschieden, dass die Kommunisten gegen das Gesetz verstießen und die Zionisten es befolgten, so hätte es in den Ghettos keine Anhänger des Kommunismus, sondern ausschließlich solche des Zionismus gegeben.

Die herrschende Sekte, welche die Ereignisse im Gegensatz zu der von ihr kontrollierten jüdischen Masse nicht aus der Froschperspektive betrachtete, begriff natürlich, dass beide Parteien zur Verwirklichung des angepeilten Ziels schlicht unabdingbar waren. Den Grund hierfür hatte bereits Disraeli in seinem zuvor zitierten Ausspruch offengelegt. Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts ist die Geschichte der Revolution gleichbedeutend mit jener des Kommunismus und des Zionismus, die von ein und demselben Zentrum gesteuert werden und auf verschiedenen Wegen ein und dasselbe Ziel verfolgen.

Dr. Weizmann vermittelt lehrreiche Informationen über den Riss, der mitten durch die Angehörigen der – durchwegs der Revolution ergebenen – jüdischen Familien verlief, welche die raffinierte Strategie nicht durchschauten und felsenfest von der Unvereinbarkeit von Kommunismus und Zionismus überzeugt waren. Er zitiert seine Mutter, die zuversichtlich die Ansicht äußerte, wenn sich der kommunistische Weg zur Revolution als richtig erweise, werde sie glücklich in Russland leben, und wenn die Zionisten recht behielten, nicht minder glücklich in Palästina. Die Entwicklung gab ihr in doppelter Hinsicht recht: Sie verbrachte einige Jahre im bolschewisierten Moskau und wanderte dann ins zunehmend von den Zionisten kontrollierte Palästina aus, wo sie ihren Lebensabend verbrachte. Dies wurde dadurch möglich, dass die beiden insgeheim Seite an Seite flügge gewordenen Revolutionen in derselben Woche des Jahres 1917 triumphierten.

Die Kommunisten existierten in den Ghettos bereits als gut organisierte, wenn auch geheime Partei, als die Bewegung Chibath Zion (Liebe zu Zion) gegründet wurde, die ebenfalls geheime erste zionistische Organisation. Geburtsort der Bewegung war Pinsk, jene Stadt, wo Dr. Weizmann als Schüler dem zionistischen Flügel der antirussischen Verschwörung beitrat. Im Jahre 1881, als Weizmann sechs Jahre alt war, geschah etwas, was den Eckpfeiler der talmudistischen Propaganda im Ausland, die Legende von der „Verfolgung der Juden in Russland“, in seinen Grundfesten zu erschüttern drohte.

Zwanzig Jahre zuvor, anno 1861, hatte Zar Alexander II. dreiundzwanzig Millionen Leibeigenen die Freiheit gegeben. Von jenem Zeitpunkt an schien die Übernahme des westlichen Modells, das allen Nationalitäten und Glaubensbekenntnissen dieselben Rechte einräumte, auch in Russland mit seinen rund 160 Nationalitäten und seiner vier Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachenden jüdischen Minderheit eine reelle Möglichkeit. In den zwei Jahrzehnten nach der Aufhebung der Leibeigenschaft begannen die Juden unter der Führung der Talmudisten „bitteren passiven Widerstand gegen alle Versuche zur Verbesserung ihres Schicksals zu leisten“ (Dr. Kastein). Im März 1881 schickte sich Alexander II. an, sein Lebenswerk zu krönen, indem er die Verabschiedung einer parlamentarischen Verfassung ankündigte. Dr. Kasteins Kommentar hierzu spricht für sich selbst: „Es ist nicht überraschend, dass an der Verschwörung, die zur Ermordung Alexanders II. führte, auch Juden beteiligt waren.“

Der Zarenmord war der erste einer ganzen Reihe von Erfolgen der Revolutionäre bei der Vereitelung der Emanzipation. Sie stellte die idealen Voraussetzungen wieder her, die Moses Hess, einer der ersten zionistischen Propagandisten, im Jahr nach der Befreiung der Leibeigenen wie folgt charakterisiert hatte: „Wir Juden werden stets Fremde unter den Nationen bleiben; diese werden uns zwar aus humanitären Gefühlen und aus Gerechtigkeitssinn Rechte zuerkennen, doch werden sie uns niemals respektieren, solange wir unsere große Erinnerung auf den zweiten Rang verbannen und als unser erstes Prinzip das Motto Wo es mir gut geht, ist mein Vaterland akzeptieren.“

Während dieser Periode veröffentlichte Leo Pinsker, ein anderer Herold des Zionismus, sein Buch Selbstemanzipation . Der Titel war (für die Eingeweihten) eine Drohung, bedeutete er im Klartext doch: „Wir werden keine Emanzipation annehmen, die uns von anderen gewährt wird, sondern uns selbst emanzipieren und dem Wort ‚Emanzipation‘ unsere eigene Deutung verleihen.“

„Es besteht ein unerbittlicher und unvermeidlicher Konflikt zwischen den als Juden bekannten Menschen und den anderen Menschen“, hielt Pinsker fest und verhehlte nicht, auf welchem Wege die jüdische „Selbstemanzipation“ sowie die „Wiederherstellung der jüdischen Nation“ erkämpft werden sollten: Hierzu müsse „unwiderstehlicher Druck auf die internationale Politik der Gegenwart ausgeübt“ werden.

Diese im Jahre 1882 niedergeschriebenen Worte gehören zu den bedeutendsten der gesamten Geschichte und zeugen von einer wahrhaft außergewöhnlichen Weitsicht. Um ihre Tragweite zu ermessen, braucht man sich nur vorzustellen, irgendein im Exil lebender polnischer oder ukrainischer Patriot würde heutzutage „unwiderstehlichen Druck auf die internationale Politik“ propagieren! Der heute politische Emigrant ist ein Mensch ohne greifbare Hoffnung auf Erreichung seiner Ziele: er verkehrt in Cafés unter seinesgleichen und weiß sich vor Dankbarkeit kaum zu fassen, wenn der zweite Sekretär irgendeines Unterstaatssekretärs huldvoll geruht, ihn zu einer dreißigminütigen Unterredung zu empfangen. Als Pinsker die eben zitierten Worte niederschrieb, die man als Phantasien eines Spinners abtun würde, hätten die letzten sieben Jahrzehnte ihren prophetischen Charakter nicht bestätigt, war er ein obskurer jüdischer Emigrant in Berlin, den außerhalb der revolutionären Kreise kaum jemand kannte. Er wusste, wie der Zionismus triumphieren würde. Ganz offensichtlich verfügte die Verschwörung bereits zu einem Zeitpunkt, wo die Außenwelt noch nichts von ihrer Existenz ahnte, auch außerhalb Russlands über mächtige Unterstützer und Pinsker wusste, mit welchen Methoden die Welt auf den Kopf gestellt werden sollte.

Als Chaim Weizmann dem Knabenalter entwuchs und seine Rolle zu spielen begann, hatten die Verschwörer die Karten also bereits gemischt. Dass wir hier so häufig von einer „Verschwörung“ sprechen, ist keineswegs auf eine persönliche Marotte unsererseits zurückzuführen, denn Dr. Weizmann verwendet das Wort mehrfach selbst. Da er Russland verabscheute, emigrierte er nach Deutschland, ohne dass ihn jemand daran gehindert hätte, doch der Anblick emanzipierter Juden beelendete ihn so sehr, dass in ihm alsbald Sehnsucht nach den russischen Ghettos aufwallte und er in seinen Ferien regelmäßig dorthin zurückkehrte, ehe er im Westen weiter „an der Verschwörung arbeitete“, wie er selbst schreibt. An verschiedenen Universitäten des freien Westens führte er seinen Kampf für die „Entemanzipierung“ der europäischen Juden fort. Diese erkannten die Gefahr jedoch und begegneten den Ostjuden mit Furcht und Misstrauen.

Ein deutscher Jude namens Gabriel Rieser schleuderte den zionistischen Revolutionären aus Russland ins Gesicht: „Wir sind nicht hierher eingewandert, wir sind hier geboren, und weil wir hier geboren sind, streben wir nicht nach einer Heimstatt anderswo; wir sind entweder Deutsche oder heimatlos.“ Auch die Rabbiner des Reformjudentums ließen die Zionisten abblitzen: „Der Idee des Messias verdient in unseren Gebeten ein Ehrenrang, doch die Bitte um unsere Rückkehr in das Land unserer Väter und die Wiederherstellung eines jüdischen Staates darf darin keinen Platz haben.“

Diese Juden bemühten sich, zu halten, was der Sanhedrin Napoleon versprochen hatte. Sie hatten Frieden mit der Menschheit geschlossen, und es schien ausgeschlossen, dass es den Talmudisten gelingen würde, sie wie einst Nehemiah in eine neue Knechtschaft zu führen. Dr. Kastein registriert mit Entsetzen, dass am Ende des 19. Jahrhunderts jeder fünfte jüdische Mensch einen nichtjüdischen Partner heiratete; mit noch größerem Entsetzen vermeldet er, dass „an allen Fronten Juden gegen Juden standen; dies war eine Tragödie, die sich wiederholen wird, solange Juden gezwungen sind, ihre Pflichten als Bürger des Landes, wo sie leben, zu erfüllen“.

Die Schatten der neuen talmudistischen Gefangenschaft lagen schon weit bedrohlicher über den Juden des Westens, als sie ahnten. Die jahrzehntelange zähe Untergrundarbeit der Weisen in Russland trug ihre Früchte, und als das Ende des Jahrhunderts nahte, waren sie bereit, „unwiderstehlichen Druck auf die internationale Politik der Gegenwart auszuüben“. Spezialist Nummer eins auf diesem Gebiet war der wandernde „Premierminister“ des Zionismus, der junge Chaim Weizmann, der zum Zeitpunkt, wo sich Monks Leben seinem Ende näherte, von einer europäischen Stadt und Universität zur anderen pilgerte – von Darmstadt nach Berlin und später nach Genf – und überall Zeitbomben legte, die dann im 20. Jahrhundert explodieren sollten.

Um die Jahrhundertwende erfolgte eine jähe Beschleunigung dieses Prozesses; es wirkte, als ob eine in langwieriger Arbeit konstruierte Maschine endlich fertig erstellt war und auf Hochtouren zu laufen begann. Die Erschütterungen, die sie auslöste, waren überall im Judentum sogleich zu spüren, während die Nichtjuden, die auf solche Vibrationen weit weniger empfindlich zu reagieren pflegen, sie kaum zur Kenntnis nahmen. Im Sinn und Geiste des Moses Hess verkündete ein anderer zionistischer Hohepriester, der russische Jude Asher Ginsburg (Ahad Ha’am), die Juden bildeten nicht nur eine Nation, sondern bedürften auch eines Staates in Palästina. Doch war dies nur eine weitere Stimme aus dem fernen Russland, und die Schwäche der westlichen Juden bestand darin, dass sie die Macht der kompakten, gut organisierten Massen in den Ghettos des Osten verkannten oder zumindest ihr Übergreifen auf den Westen für unmöglich hielten.

Das Zeichen an der Wand erschien anno 1896, dem Todesjahr Monks, als Theodor Herzl seine Schrift Der Judenstaat veröffentlichte. Nun war die Katze aus dem Sack. Bemerkenswerterweise war Herzl kein Ostjude, sondern (zumindest dem Anschein nach) das Musterbeispiel eines emanzipierten Westjuden, was ihn freilich nicht daran hinderte, mit größter Entschiedenheit Partei für den Zionismus zu ergreifen. Ein ahnungsvoller Schauer durchfuhr das Judentum. Das Christentum, das allen Grund gehabt hätte, das Zeichen an der Wand zur Kenntnis zu nehmen, verschloss weiterhin die Augen und öffnete sie erst knapp sechs Jahrzehnte später.

Kapitel 25

Die Zionistische Weltorganisation

Wenn der reine Zufall immer wieder Männer vom Schlage eines Karl Marx und eines Theodor Herzl hervorbringt, und zwar in einer Zeit, wo ihre Theorien verheerende Folgen zeitigen können, die in keinem Verhältnis zur Bedeutung dieser Männer stehen, dann hat der Zufall der Verschwörung im 19. Jahrhundert kräftig unter die Arme gegriffen. Bedeutend wahrscheinlicher ist freilich, dass die Entwicklung von Hintergrundmächten gesteuert wurde, welche Marx und Herzl zu ihren Werkzeugen erkoren oder zumindest als solche benutzten. Bei Herzl stimmt die Kürze seiner Karriere besonders nachdenklich; er erschien und verschwand wie eine Sternschnuppe am Firmament. Die entwürdigende Art, auf die er abgehalftert wurde und sein jäher Hinschied im Alter von erst vierundvierzig Jahren deuten darauf hin, dass auch in seinem Fall das berühmte Motto galt: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.“

Wer Wien und die dort herrschende Atmosphäre in unserem Jahrhundert gekannt hat, kann Herzl und die Auswirkungen seines Schaffens verstehen. Eine im Niedergang begriffene Monarchie, ein morsch gewordener Adel, eine jüdische Klasse, die sich über Nacht zu einer furchterregend mächtigen politischen Kraft mauserte – all dies beeindruckte die jüdischen Massen ungemein. Was auf der Welt vor sich ging, erfuhren sie jetzt von Dr. Herzl und nicht wie früher aus der Neuen Freien Presse, und Dr. Herzl war es, der den Politikern Anweisungen erteilte. Wenn er in einem Café auftauchte, eilten dienstbeflissene Kellner herbei, um den Herrn Doktor zu bedienen, was seinem Selbstbewusstsein äußerst gut getan haben muss. Dass dieser von einem Tag auf den anderen berühmt gewordene Mann der Herold des Zionismus war, versetzte die Westjuden in ehrfürchtiges Staunen und bewog sie dazu, in sich zu gehen: Wenn Dr. Herzl gegenüber den Großmächten Forderungen erheben konnte, bedeutete dies womöglich, dass er im Recht war und der von Napoleon einberufene Sanhedrin unrecht gehabt hatte! Wurden die politischen Entscheide letzten Endes gar nicht auf dem Ballhausplatz, sondern in Dr. Herzls Büro gefällt?

Hätte ein russischer Jude ein Buch mit dem Titel Der Judenstaat geschrieben oder versucht, eine zionistische Weltorganisation aus der Taufe zu heben, so hätten die westlichen Juden dem keine große Bedeutung beigemessen. Schließlich fürchteten sie sich vor der Verschwörung aus dem Osten und ahnten wohl dumpf, welche Ziele diese verfolgte. Doch wenn Dr. Herzl, ein voll emanzipierter Jude aus der Donaumonarchie, die Ansicht vertrat, die Juden müssten sich wieder von ihrer Umwelt absondern, musste man das ja wirklich ernst nehmen!

Herzl behauptete, der Fall Dreyfus habe ihn von der Realität des „Antisemitismus“ überzeugt: „Der Dreyfus-Prozess hat mich zum Zionisten gemacht.“ Dies war freilich eine an den Haaren herbeigezogene Begründung, denn wenn der Dreyfus-Prozess etwas bewiesen hatte, dann die Realität der jüdischen Emanzipation und die Unparteilichkeit der Justiz. Nie zuvor war ein Mann von so vielen öffentlich verteidigt und so vollständig rehabilitiert worden. Heute besitzen die Bürger ganzer Nationen östlich von Berlin kein Recht auf faire Prozesse und dem Westen, der sie ihren Unterdrückern ausgeliefert hat, ist ihr Geschick herzlich gleichgültig; sie können ohne Anklage und ohne Prozess eingesperrt oder umgebracht werden. Hingegen wird der Dreyfus-Prozess, das Musterbeispiel eines rechtsstaatlichen Verfahrens, von der Propaganda im Westen bis zum heutigen Tage als klassisches Beispiel von Willkürjustiz dargestellt. Hätte das Schicksal des Zionismus vom Ausgang des Dreyfus-Prozesses abgehangen, so hätte er nach der Rehabilitierung des jüdischen Hauptmanns sogleich verschwinden müssen!

Dies alles hinderte Dr. Herzl nicht daran, „einen Teil des Erdballs“ zu verlangen, „der groß genug ist, um die rechtmäßigen Ansprüche einer Nation zu befriedigen“ . Allerdings forderte er kein spezifisches Territorium und sprach nicht von Palästina. Zum ersten Mal gab die Idee zur Gründung eines jüdischen Staates unter den Westjuden Anstoß zu lebhaften Diskussionen.8 Der Londoner Jewish Chronicle rühmte das Projekt als „einen der kühnsten Vorschläge, die je vorgelegt worden sind“. Durch diese positiven Reaktionen ermutigt, begab sich Herzl nach London, wo damals die mächtigsten Männer der Welt residierten, um für seinen Plan die Werbetrommel zu rühren. Nach mehreren erfolgreichen Unterredungen im Londoner East End beschloss er, einen jüdischen Kongress einzuberufen, der dem Projekt seine Unterstützung bekunden sollte.

Gesagt, getan. Im März 1897 erhielten jüdische Gemeinden „überall auf der Welt“ die Einladung, Delegierte zu einem „zionistischen Kongress“ zu entsenden, einer Art „Gegen-Sanhedrin“, der im August desselben Jahres in München stattfinden sollte. Die meisten Westjuden reagierten mit schroffer Ablehnung. Die deutschen Rabbiner und die Münchner Juden protestierten, so dass der Kongress ins schweizerische Basel verlegt wurde. Die amerikanischen Reformjuden hatten zwei Jahre zuvor erklärt, sie erwarteten „weder eine Rückkehr nach Palästina… noch die Wiederinkraftsetzung irgendeines jener Gesetze, welche den jüdischen Staat betreffen“. (Höchst aufschlussreich ist folgende Episode: Als der amerikanische Rabbiner Stephen Wise 1899, also zwei Jahre nach dem Basler Kongress, der Gesellschaft Jüdischer Publizisten Amerikas die Veröffentlichung eines Buchs über den Zionismus vorschlug, antwortete deren Sekretär: „ Die Gesellschaft kann das Risiko nicht eingehen, ein Buch über den Zionismus zu publizieren.“)

Von den 197 Delegierten, die sich zu Herzls Kongress einfanden, kamen die meisten aus Osteuropa. Diese Männer gründeten eine „Zionistische Weltorganisation“, welche die Juden zur Nation erklärte und für sie eine „öffentlich gesicherte, rechtlich garantierte“ Heimstatt forderte. „Der Judenstaat existiert“, proklamierte Herzl. Tatsache war und blieb jedoch, dass eine geringe Anzahl von Juden, die sich anmaßten, für das gesamte Judentum zu sprechen, in Basel einen Kongress durchgeführt hatten, mehr nicht.

Immerhin, das Projekt zur Gründung eines Judenstaates war zum internationalen Gesprächsthema geworden. De facto war der Basler Zionistenkongress ein Sanhedrin gewesen, der einberufen worden war, um die vom Sanhedrin des Jahres 1806 abgegebenen Versprechungen aufzuheben. Jener Sanhedrin hatte die Vorstellung, die Juden bildeten eine eigene Nation, ebenso verworfen wie den Anspruch auf die Errichtung eines jüdischen Staates, doch die Teilnehmer am Basler Kongress bekannten sich zum einen ebenso wie zum anderen. Fünfzig Jahre später schrieb Rabbiner Elmer Berger: „Der Keil des jüdischen Nationalismus wurde zwischen die Juden und den Rest der Menschheit getrieben. Es wurde die Idee des Ghettos verewigt, in dem die Juden der nicht emanzipierten Nationen auch weiterhin leben sollten, damit der Prozess der Emanzipation und Integration nicht auf sie übergriff.“

Der Sanhedrin von 1806 hatte eine grundlegende Schwäche aufgewiesen, der sich Napoleon wahrscheinlich nicht bewusst gewesen war: Er vertrat lediglich die Westjuden. Napoleon wird kaum geahnt haben, welche Macht die kompakten, von ihren talmudistischen Herrschern straff kontrollierten jüdischen Massen des Ostens verkörperten. Selbst Dr. Herzl, der es besser hätte wissen müssen, entdeckte erst beim Basler Kongress, bei dem er mit der geschlossenen Unterstützung aller Juden gerechnet hatte, wie mächtig das Ostjudentum war. „Vor unseren Augen erhob sich ein russisches Judentum, dessen Stärke wir nicht einmal geahnt hatten“ , berichtete er. „Siebzig unserer Delegierten kamen aus Russland, und es war uns allen klar, dass sie die Ansichten und Gefühle der fünf Millionen Juden jenes Landes verkörperten. Was für eine Demütigung für uns, die wir unsere Überlegenheit als selbstverständlich vorausgesetzt hatten!“

Dr. Herzl stand seinen Herren und der Verschwörung, die durch ihn Einzug in den Westen hielt, von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Er hatte der Emanzipation den Krieg erklärt und hierdurch wie viele seiner Nachfolger Kräfte freigesetzt, die er nicht einzuschätzen vermochte. Schon bald wurde er nicht mehr gebraucht; er war der Trompeter gewesen, dem die Aufgabe oblag, die Westjuden wachzurütteln, und nachdem er diese Aufgabe erfüllt hatte, übernahmen die wirklichen „Manager“ die Regie. Dr. Herzl hatte das Werkzeug geschmiedet, dessen sie sich bei ihrem Sturmangriff auf den Westen bedienen sollten. Dies hat Dr. Weizmann, der die Führung der zionistischen Bewegung schon bald übernahm, klar erkannt: „Dr. Herzls dauerhafter Beitrag zum Zionismus bestand darin, dass er für ihn eine einheitliche, zentrale parlamentarische Exekutive begründete… Zum ersten Mal in der Geschichte des jüdischen Exils hatte eine große Regierung offiziell mi den gewählten Vertretern des jüdischen Volkes verhandelt. Die Identität, die rechtliche Persönlichkeit des jüdischen Volkes war wiederhergestellt worden.“

Vermutlich lächelte Dr. Weizmann verschmitzt vor sich hin, als er die Wörter „parlamentarisch“ und „gewählt“ niederschrieb. Was zwischen diesen Wörtern steht, ist allerdings ungeheuer wichtig: Die Delegierten, die sich gegen den Willen der großen Mehrheit der Westjuden in Basel trafen, sowie die von ihnen verabschiedeten Erklärungen konnten nur zu einem gewichtigen politischen Faktor werden, wenn sie von einer Großmacht anerkannt wurden. Dies schien ein Ding der Unmöglichkeit, doch das Unmögliche wurde schon wenige Jahre später möglich, als die britische Regierung Dr. Herzl Uganda als jüdische Heimstatt anbot. Auf dieses Ereignis spielt Dr. Weizmann in dem zitierten Abschnitt an. Von jenem Augenblick an erkannten sämtliche westlichen Mächte die russischen Talmudisten als Repräsentanten aller Juden an, und die zionistische Bewegung schlug auch im Westen feste Wurzeln.

Somit endete das Jahrhundert der Emanzipation, das mit der hoffnungsvollen Erwartung begonnen hatte, die Juden würden endlich der Menschheit beitreten. Unmittelbar vor dem Basler Zionistenkongress schrieb Houston Stewart Chamberlain einige Sätze, deren bittere Realität sich alsbald bestätigte. Chamberlain zitierte zunächst einen Ausspruch, den Johann Gottfried Herder ein Jahrhundert zuvor getan hatte: „Die roheren Nationen Europas sind willige Sklaven des jüdischen Wuchers“, und fuhr dann fort: „Die Dinge haben sich grundlegend verändert… Heute könnte Herder dasselbe vom weitaus größten Teil unserer zivilisierten Welt sagen… Der direkte Einfluss des Judentums auf das 19. Jahrhunderte ist zu einem brennenden Tagesthema geworden. Wir haben es hier mit einer Frage zu tun, die nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft der Welt betrifft.“

Mit der Gründung der Zionistischen Weltorganisation, die von den großen westlichen Regierungen de facto als höhere Autorität anerkannt wurde, begann das „brennende Tagesthema“ den Gang der Ereignisse immer stärker zu prägen. Dass es in der Tat „die Zukunft der Welt betrifft“, kann man im Jahre 1956, wo wir das vorliegende Buch abschließen, klar und deutlich erkennen: Zu Beginn dieses Jahres stellten die Führer der beiden übrig gebliebenen westlichen Großmächte, Großbritanniens und der USA, mit schmerzlichem Erstaunen fest, dass der nächste Weltkrieg jederzeit dort ausbrechen kann, wo sie den „Judenstaat“ gegründet hatten, und entfachten hüben und drüben des Atlantiks hektische Aktivitäten, um diese Katastrophe irgendwie zu verhüten.

8. Unter den Nichtjuden machte sich damals kaum jemand über dieses Problem Gedanken. 1841 hatte ein Oberst Churchill, britischer Konsul in Smyrna, bei einer Konferenz zentraleuropäischer Staaten, die zur Klärung der Zukunft Syriens einberufen worden war, die Gründung eines Judenstaates in Palästinas angeregt, doch allem Anschein nach blieb dieser Vorschlag unbeachtet.

Kapitel 26

Die Häresie Dr. Herzls

In den sechs Jahren von 1897 bis 1903 war Dr. Theodor Herzl von der Neuen Freien Presse eine weltbekannte Persönlichkeit ganz neuer Art. Er hatte den Zionismus als organisierte politische Kraft geschaffen (was ihm sowie anderen, die in seine Fußstapfen traten, den Tod brachte) und ihn wie einen Knallfrosch auf der Bühne der westlichen Politik explodieren lassen. Nichtsdestoweniger war er eine schattenhafte Figur, ein Produkt der Wiener Cafés, wo man sich an Sacher Torte und Kaffee mit Schlagsahne gütlich tat. Herzl erweckte den Eindruck einer Person, die von einem gewieften Werbefachmann für die Zwecke seiner Firma benutzt und dann, wenn sie das Produkt erfolgreich lanciert hat, fallen gelassen wird. Er war nie der wirkliche Führer der zionistischen Bewegung und wurde sich dessen bei seinem ersten Kongress von 1897 jäh bewusst, „als sich vor unseren Augen ein russisches Judentum erhob, dessen Stärke wir nicht einmal geahnt hatten“. Sieben Jahre später führte ihn die volle Erkenntnis seiner Unfreiheit frühzeitig ins Grab.

Herzl schrieb einmal, er habe 1897 in Basel „den Judenstaat gegründet… Ich bläute den Menschen die Überzeugung ein, dass sie einen Staat brauchten, und vermittelte ihnen das Gefühl, sie seien die Nationalversammlung.“ Die nächsten sechs Jahre ließen erkennen, was Leon Pinsker 1882 gemeint hatte, als er schrieb, die Juden müssten „unwiderstehlichen Druck auf die internationale Politik der Gegenwart ausüben“.

Der Journalist und gebürtige Wiener Theodor Herzl trat einen Triumphzug durch die großen Hauptstädte an; er stand im glitzernden Rampenlicht, als schwinge er sich von Trapez zu Trapez, und war das Hätschelkind der Schickeria. Kaiser, Potentaten und Staatsmänner empfingen ihn als den Sprecher aller Juden; der Kontrast zwischen dem, was sie dachten und dem, was er wissen musste, ist eindrücklich, denn seine rechte Hand Max Nordau sagte nach seinem Tod: „Unser Volk hatte einen Herzl, aber Herzl hatte nie ein Volk.“ Das talmudistische Rabbinertum des Ostens, das diesen falschen Messias verachtete, schob einen Keil zwischen ihn und die jüdischen Massen.

Die Welt, in der sich Herzl bewegte, schien auf sicherer und stabiler Grundlage zu beruhen. Die Witwe in Windsor und der alte Herr in Schönbrunn wurden von ihren Völkern aufrichtig geliebt, während der junge Mann in Berlin älter und reifer wurde; der Zar war immer noch der Vater seines Volkes: das Recht eines jeden Menschen auf einen gerechten Prozess wurde immer mehr zur Selbstverständlichkeit; das Elend des Industrieproletariats wurde Schritt um Schritt gemildert. Doch überall wussten Herrscher und Politiker, dass das Damoklesschwert der Weltrevolution über ihnen hing und drohte, den Evolutionsprozess, dem mit Sicherheit Erfolg beschieden sein würde, wenn man ihn ungestört ablaufen ließ, abrupt zu beenden und zunichte zu machen. Via das von Disraeli erwähnte „Netzwerk von Geheimgesellschaften“ war aus Weishaupts Illuminatenorden nämlich die Kommunistische Partei geworden, die in jedem Land ihre Filiale hatte.

Herzl, der vorgab, für alle Juden zu sprechen, verstand es sehr geschickt, diese allgemeine Furcht für die Verwirklichung seines Ziels auszuschlachten. Er lockte mit dem Zuckerbrot und drohte mit der Peitsche: Wenn die Herrschenden sein Programm unterstützten, würde in ihren Ländern der innere Friede gewahrt bleiben; ansonsten würde die Revolution ausbrechen. Somit musste er selbstverständlich wissen, dass die revolutionäre Führung aus Juden bestand; er bestätigte also, was Disraeli und Bakunin Jahrzehnte zuvor gesagt hatten. Wie sehr er auf den Erfolg seiner Methode baute, lässt sich seinem berühmten Satz entnehmen: „Wenn wir sinken, werden wir zu einem revolutionären Proletariat; wenn wir aufsteigen, steigt auch die furchtbare Macht unserer Börse.“

Herzl erklärte gegenüber dem Großherzog von Baden, je mehr Unterstützung er seitens der Regierenden für seine territorialen Ambitionen erhalte, desto nachhaltiger werde er die revolutionäre Propaganda in Europa dämpfen. Anschließend empfing ihn der deutsche Kaiser hoch zu Ross und helmbewehrt vor den Toren Jerusalems und erklärte sich bereit, Herzls Vorschlag zur Schaffung einer von den Zionisten gepachteten und unter deutschem Schutz stehenden zionistischen Kolonie in Palästina an den türkischen Sultan weiterzuleiten. Als dieser Plan im Sande verlief, drohte Herzl auch dem Kaiser mit der Revolution: „Scheitert unser Projekt, dann werden Hunderttausende unserer Anhänger geschlossen zu den revolutionären Parteien überlaufen.“

Als nächstes erhielt Herzl eine Audienz beim russischen Zaren, dem gegenüber er sich ähnlich äußerte. Ungefähr zur gleichen Zeit fand der dritte Zionistische Weltkongress statt, bei dem eine Resolution verabschiedet wurde, wonach jeder Jude, der einer zionistischen Organisation beitrat, die Souveränität des immer noch nicht existierenden jüdischen Staates anerkannte. Rabbi Elmer Berger konstatiert betrübt, dass „die ghettoisierte, streng überwachte jüdische Existenz hierdurch wieder zur Realität wurde, und zwar in größerem Umfang als je zuvor“.

Zu guter Letzt wurde Herzl noch vom türkischen Sultan empfangen. Greifbare Ergebnisse hatten seine bisherigen Reisen und Audienzen nicht gezeitigt, doch alsbald folgte der größte Coup, denn nun verlagerte Herzl seine Aktivitäten nach England. Auch hier hatte er offenbar Zugang zu den erlauchtesten Kreisen, gelang es ihm doch, eine der schicksalhaftesten Operationen der Weltgeschichte einzufädeln. Britische Bürger, die damals noch in der Wiege lagen, sowie ihre Kinder und Enkel sollten die Folgen seiner Unterredungen ausbaden müssen, über die keinerlei Unterlagen vorliegen.

Was befähigte einen Dr. Herzl aus Wien dazu, sich bei den Regierenden aller europäischen Großmächte Gehör zu verschaffen, und wer sorgte dafür, dass sie seinen in gebieterischem und drohendem Ton vorgetragenen Forderungen ernst nahmen? Die „Pforten der Könige“ (so sein eigener Ausdruck) öffneten sich ihm schwerlich nur darum, weil er in Basel einen Kongress organisiert hatte, an dem 197 Männer teilnahmen und bei dem eine Resolution verabschiedet wurde. Andere, bedeutend mächtigere Persönlichkeiten müssen die notwendige Vorarbeit geleistet und sichergestellt haben, dass Pförtner, Wachposten, Sekretäre, Kammerdiener und alle anderen subalternen Figuren, denen die Aufgabe obliegt, ihre Herren und Meister vor ungebetenen Besuchern zu schützen, ehrerbietig zur Seite wichen, wenn Herr Dr. Herzl erschien.

Wir sind nun zur geheimnisvollsten, am schwersten zu beantwortenden Frage von allen vorgestoßen. Über den Ursprung der Weltrevolution, ihre Ziele, die Kaperung ihrer Führung durch Juden liegt eine Vielzahl von Dokumenten vor; an der Existenz des von Disraeli erwähnten weltumspannenden „Netzwerks von Geheimgesellschaften“ ist längst kein Zweifel mehr statthaft; wer hinter dem „revolutionären Proletariat“ steht, ist jedem Einsichtigen klar. Doch muss es noch ein zweites Netzwerk geben, das aus Personen der höchsten Gesellschaftskreise besteht und sich der „Macht der Börse“ bedient, um Herrscher und Politiker zu beeinflussen und hierdurch „unwiderstehlichen Druck auf die internationale Politik der Gegenwart auszuüben“. Dieses zweite Netzwerk von Menschen, die in aller Herren Länder auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, muss es Herzl ermöglicht haben, zu den höchsten Stellen vorgelassen zu werden und seine Forderungen unterbreiten zu können.

Alle sachkundigen Beobachter wissen um die Existenz einer solchen Organisation, die auf den höchsten Ebenen der internationalen Politik hinter den Kulissen wirkte. Die zionistischen Propagandisten behaupten, lediglich „hochgestellte jüdische Persönlichkeiten“, „jüdische Magnaten“ und „reiche Juden“ hätten gegen den Zionismus Stellung bezogen (diese Ausdrücke finden sich beispielsweise in Dr. Weizmanns Buch wiederholt), doch in Wahrheit verlief der Riss vertikal durch das Judentum: Sowohl unter den reichen als auch unter den armen Juden gab es Zionisten und Antizionisten. Die Mehrheit der westlichen Juden wollte damals nichts vom Zionismus wissen, aber unter der zionistischen Minderheit gab es sehr wohl hochgestellte und reiche Juden. Nur sie können es möglich gemacht haben, dass eine obskure Figur wie Dr. Herzl plötzlich an den Fürstenhöfen und in den Kabinettsräumen erschien und dort ein- und ausging, als gehöre er zu den von Geburt an Privilegierten. Seine Helfer arbeiteten ohne geringsten Zweifel eng mit der einzigen kompakten zionistischen Masse zusammen, die es damals im Judentum gab: den talmudistischen Gemeinden Russlands.

Dr. Kastein schreibt, die aus 197 Männern bestehende, beim Basler Zionistenkongress einberufene „Exekutive“ sei „die erste Verkörperung einer echten jüdischen Internationale“ gewesen. Anders gesagt, eine bereits existierende Organisation erhielt eine sichtbare Fassade. Eine „jüdische Internationale“ existierte schon lange, und sie war mächtig genug, um Könige, Fürsten und Minister zum Empfang Dr. Herzls zu veranlassen.

Von dem internationalen Netzwerk gleichgesinnter hochgestellter Persönlichkeiten, das in Herzls Tagen seine Fäden zog, kann sich der Forscher ein ungefähres Bild machen, wenn er eine Anzahl vielsagender Splitter und Fragmente zusammensetzt. Beispielsweise schreibt Weizmann, er habe im Gespräch mit Herzl einen der führenden Juden Englands, Sir Francis Montefiore, als „Narren“ betitelt, worauf Herzl geantwortet habe: „Er öffnet mir königliche Pforten.“ Herzls wichtigster Gönner war ein Baron de Hirsch, von dem Graf Carl Lonyay unter Berufung auf Dokumente in den Geheimarchiven des kaiserlichen Hofs in Wien berichtet, er habe dem österreichischen Kronprinzen Rudolf, der vor seinem Selbstmord in Meyerling eine Freundin finanziell versorgen wollte, die Summe von 100.000 Gulden zur Verfügung gestellt, „als Gegenleistung für eine freundliche Geste im Dezember, als er dem Bankier [de Hirsch] ein Treffen mit dem Prinzen von Wales [dem künftigen König Edward VII.] ermöglichte“.

Als Folge dieser Begegnung wurde Baron de Hirsch zum Vertrauensmann, Privatbankier und finanziellen Berater des künftigen britischen Königs. De Hirsch war der Schwager Bischoffsheims vom jüdischen Finanzhaus Bischoffsheim und Goldschmidt in London, dem auch ein steinreicher, in Deutschland geborener Jude namens Sir Ernest Cassel angehörte. In seiner biographischen Studie „Sir Ernest Cassel“ (in: Manifest Destiny. A Study of the Mountbatten Family, 1953) schreibt Brian Connell, Sir Ernest habe Baron de Hirschs Freundschaft mit dem Prinzen von Wales „geerbt“: „Während Hirsch lediglich ein Vertrauter gewesen war, wurde Cassell zum engsten persönlichen Freund Edwards VII.“ Cassell war übrigens der letzte Freund des Königs, der diesen lebendig sah; an seinem Todestag erhob sich dieser von seinem Krankenlager und kleidete sich an, um eine Verabredung mit Sir Ernest einhalten zu können.

Brian Connell schreibt: „Die kleine internationale Brüderschaft, zu deren führendem Mitglied er [Sir Ernest Cassell] vielleicht wurde, bestand durchwegs aus Männern mit ähnlichem Hintergrund wie er, mit denen er auf seinen umfangreichen Reisen Bekanntschaft geschlossen hatte. Zu ihnen gehörten Max Warburg, das Oberhaupt der großen Privatbank in Hamburg, Edouard Noetzlin, Ehrenpräsident der Banque de France et des Pays Bas in Paris, Franz Philippson in Brüssel, Wertheim und Gompertz in Amsterdam sowie vor allem Jacob Schiff von der Firma Kuhn, Loeb and Company in New York. Ihre Rasse und ihre Interessen verbanden diese Männer miteinander. Das zwischen ihnen geknüpfte Verbindungsnetz zitterte bei der leisesten Berührung. Sie unterhielten ein unglaublich fein gesponnenes Netzwerk, über das sie einander erstaunlich genaue Informationen über die wirtschaftlichen, politischen und finanziellen Entwicklungen auf höchster Ebene vermittelten. Sie konnten dem einen die Unterstützung entziehen, dem anderen zusätzliche finanzielle Hilfe gewähren, unermessliche Geldsummen blitzartig und unter höchster Geheimhaltung von einem Punkt ihres Finanzimperiums zum anderen verlagern und auf die politischen Entscheidungsprozesse in rund zwanzig Ländern einwirken.“

Niemand kann ernstlich in Abrede stellen, dass es sich bei diesen Männern, die „durch ihre Rasse und ihre Interessen verbunden waren“, „unermessliche Geldsummen von einem Punkt ihres Finanzimperiums zum anderen verlagern“ und „auf die politischen Entscheidungsprozesse in rund zwanzig Ländern einwirken“ konnten, um die von Dr. Kastein erwähnte „jüdische Internationale“ handelte, die über alle Landesgrenzen hinweg operierte, um Dr. Herzl zu unterstützen. Eine andere Erklärung dafür, dass die britische Regierung beschloss, diesem ein Territorium für die Gründung seines Judenstaates anzubieten, gibt es schlicht und einfach nicht. Mit einer solchen Macht im Rücken konnte Herzl es sich in der Tat leisten, Forderungen zu stellen und Drohungen auszustoßen. Die einflussreichen Männer, die das internationale Direktorat bildeten (dieses Wort ist durchaus nicht übertrieben!), mögen privat durchaus nicht an den Zionismus geglaubt und ihn vielleicht sogar abgelehnt haben, doch unserer Überzeugung nach waren nicht einmal sie mächtig genug, um gegen die von den jüdischen Weisen festgelegte Politik zu rebellieren oder ihr auch nur die Unterstützung zu versagen.

Während die Reisetätigkeit Dr. Herzls im Stillen ihre Früchte zu tragen begann, begab er sich erneut auf Wanderschaft. Er empfand kindlichen Stolz auf seine plötzliche Berühmtheit; die Eleganz der High Society, die Fräcke und die weißen Handschuhe, die Kronleuchter und die Empfänge – all dies sagte ihm ungemein zu. Die talmudistischen Weisen in Russland, die im Kaftan und mit Locken aufgewachsen waren und sich anschickten, ihn zu stürzen, verachteten ihn zwar, benutzten ihn jedoch als Galionsfigur des „emanzipierten westlichen Juden“.

1903 hatte Dr. Herzl eine Reihe wahrhaft erstaunlicher Erlebnisse, welche an die Sabbatai Zevis im Jahre 1666 gemahnten. Er trat eine Reise durch die jüdischen Städte Russlands an, wo ihm die unerleuchteten Massen zujubelten, als sei er der Messias persönlich. Bei diesem Anlass versuchte er die russische Regierung dazu zu bewegen, Druck auf den Sultan auszuüben, damit dieser in seinen Vorschlag für eine von den Zionisten gepachtete Kolonie in Palästina einwilligte. Auf den russischen Innenminister von Plehve hinterließ Herzl, der vorgab, für alle russischen Juden zu sprechen, einen gewissen Eindruck. Falls sich Herzl tatsächlich für das Sprachrohr der gesamten Judenheit hielt, so wurde er von diesem Irrtum alsbald kuriert. Er tat nämlich etwas, was entweder von wahrem Heldenmut oder aber von gänzlicher Unkenntnis der Lage zeugte (Männer wie er, die von anderen als Marionetten benutzt werden, sind sich dessen oft nicht bewusst). Um von Plehve gehörig unter Druck zu setzen, griff er wieder zu dem altbewährten Argument: Zionismus oder Revolution. Er ersuchte die russischen Juden, sich jeglicher revolutionärer Aktivitäten zu enthalten, und brachte bei seinen Verhandlungen mit den russischen Verantwortlichen das Thema der jüdischen Emanzipation zur Sprache!

Hierdurch unterzeichnete er sein politisches Todesurteil; in der Tat segnete er schon bald darauf das Zeitliche. Mit seinen Vorstößen hätte er nämlich verbotenes Terrain betreten. Für die talmudistischen Führer waren sie blanke Häresie. Sie hatten sich fieberhaft bemüht, die Emanzipation der Juden in Russland zu hintertreiben, weil sie darin eine tödliche Gefahr für ihre Macht über ihr Fußvolk erkannten. Wenn Herzl bei seinen Verhandlungen mit der jüdischen Regierung Erfolg beschieden war, würde sich das Verhältnis zwischen Russen und Juden entscheidend entspannen, und dies würde der propagandistischen Legende von der „Verfolgung der Juden in Russland“ den Garaus machen.

Als Herzl aus Russland zurückkehrte, um auf dem sechsten Kongress seiner Zionistischen Weltorganisation zu aufzutreten, trat ihm das Schicksal in Gestalt einer kompakten Masse russischer Juden entgegen, die ihn nicht bloß wie früher „demütigten“, sondern bedrohten. Angesichts dieser kritischen Lage glaubte er seinen Trumpf ausspielen zu müssen und tat dies auch: Als Ergebnis seiner Unterredungen in London und des von seinen Hintermännern auf die britische Regierung ausgeübten „unwiderstehlichen Drucks“ hatte letztere ihm, Dr. Herzl von der Wiener Neuen Freien Presse , ein Territorium in Afrika angeboten – Uganda!

Wenn die Annalen der Geschichte ein noch seltsameres Ereignis verzeichnen, so bin ich jedenfalls nicht darauf gestoßen. Die Trumpfkarte stach jedoch nicht. Wohl stimmten 295 Delegierte für die Annahme des Vorschlags, doch gab es immerhin 175 Gegenstimmen, was bewies, dass Dr. Herzl mitnichten für alle Juden sprach. Bei der großen Mehrheit der Neinsager handelte es sich um russische Juden. Mochte das einfache jüdische Fußvolk in Russland Herzl auch frenetisch zugejubelt haben, die 175 Emissäre des Rabbinats stellten sich gegen ihn, denn Uganda war gleichbedeutend mit dem Scheitern ihres Plans. Sie warfen sich auf den Fußboden, wie es fromme Juden seit jeher zu tun pflegen, um die Toten zu betrauern oder die Zerstörung des Tempels zu beklagen. Unter ihnen war eine Frau, die den weltberühmten Dr. Herzl als „Verräter“ schmähte und, nachdem er gegangen war, die hinter dem Rednerpult hängende Karte von Uganda von der Wand riss.

Falls seine Worten und Schriften seine aufrichtigen Überzeugungen widerspiegelten, begriff Dr. Herzl nie, weshalb die jüdischen Abgesandten aus Russland sich strikt weigerten, eine andere Heimstatt als Palästina überhaupt in Betracht zu ziehen. In diesem Fall war er freilich ausgesprochen naiv. Er hatte seine ganze Bewegung auf dem Argument aufgebaut, die „verfolgten Juden“ bedürften dringend einer Heimstatt, und mit den „verfolgten Juden“ konnte er nur die russischen meinen; die westlichen Juden waren schließlich voll emanzipiert. Wenn sein Argument zutraf, war jeder einigermaßen vernünftige Ort eine Lösung, und nun war es ihm gelungen, einen solchen zu finden. Zogen es gewisse russische Juden jedoch vor, in Russland zu bleiben, und war seinen Verhandlungen mit der russischen Regierung Erfolg beschieden, dann ging die Unterdrückung der Juden auch in Russland zu Ende!

Die talmudistischen Rabbiner sahen die Dinge allerdings in ganz anderem Licht. Auch sie hatten fleißig an der Legende von den „verfolgten Juden“ gestrickt, während sie sich gleichzeitig mit Zähnen und Klauen gegen die Emanzipation sträubten, doch taten sie dies um der Erfüllung des alten Gesetzes willen, das ihnen die Rückkehr nach Palästina gebot; hiervon hing die Erfüllung aller Verheißungen ab. Uganda hätte für das talmudistische Judentum den Todesstoß bedeutet.

Chaim Weizman hat Theodor Herzls endgültige Demütigung geschildert. Nach der Abstimmung suchte Herzl das Gespräch mi den russischen Juden, die ihm den Rücken zugekehrt und den Saal verlassen hatten. „Er trat ein und sah verstört und erschöpft aus. Ihm schlug Totenstille entgegen. Keiner erhob sich, um ihn zu begrüßen, keiner spendete ihm Beifall, als er seine Darlegungen abgeschlossen hatte… Es war wohl das erste Mal, dass Herzl bei einer zionistischen Versammlung so empfangen wurde – er, das Idol aller Zionisten!“

Es war auch gleich das letzte Mal. Noch ehe das Jahr zu Ende ging, schied Dr. Herzl im Alter von nur 44 Jahren vom Lichte. Über die Ursache seines Ablebens liegen keine schlüssigen Informationen vor; jüdische Verfasser äußern sich darüber in verklausulierten Formulierungen. Laut der Jewish Encyclopedia war sein frühzeitiger Hinschied die Folge dessen, was er hatte erdulden müssen: Standardwerke äußern sich in gleichem Sinn und machen dunkle, aber aufschlussreiche Andeutungen. In all den vorhergehenden Jahrhunderten hatten Juden, die von der herrschenden Sekte mit dem Bannfluch belegt worden waren, sehr oft plötzlich und unter ungeklärten Umständen das Zeitliche gesegnet. In dieser Frage stößt der Forscher an eine undurchdringliche Mauer.

Merkwürdigerweise erkannte Herzls engster Vertrauter und wortgewandtester Helfer Max Nordau (ein Pseudonym; sein wirklicher Familienname war Suedfeld) mit großer Klarheit, wie sich die Dinge entwickelt hatten und weiter entwickeln würden. Mit einer Hellsicht, die nicht hinter derjenigen Leon Pinskers zurückstand, schilderte er die Entwicklung, zu welcher der von Pinsker erwähnte „unwiderstehliche Druck“ führen würde. Bei demselben Kongress, bei dem Herzl so schwer gedemütigt wurde, gab Nordau folgende, sehr zutreffende Prognose ab:

„Die Worte, die ich jetzt zu Ihnen sagen werde, sind wie die Sprossen einer Leiter, die immer weiter nach oben führt: Herzl, der zionistische Kongress, das englische Uganda-Projekt, der künftige Weltkrieg, die Friedenskonferenz, auf der mit Hilfe Englands ein freies und jüdisches Palästina geschaffen werden wird.“ Also sprach Max Nordau im Jahre 1903. Allerdings unterließ selbst er es, die logische Schlussfolgerung aus seinen Ausführungen zu ziehen. Dies tat stattdessen ein anderer Delegierter, Dr. Nahum Sokoloff, der sagte: “Jerusalem wird eines Tages die Hauptstadt des Weltfriedens werden.“ Heute, im Jahre 1956, wo die westlichen Regierungen täglich fürchten, Jerusalem könnte tatsächlich vom zionistischen Staat annektiert werden, ist es klar, dass die Zionisten in der Tat das von Sokoloff ausgesprochene Ziel verfolgen, doch ob dieses dem Rest der Menschheit dann wirklich als „Hauptstadt des Weltfriedens“ vorkommen wird, bleibt abzuwarten.

Nach Herzls Tod leitete der spätere Führer des Zionistischen Weltkongresses Dr. Chaim Weizmann die Attacke auf den Uganda-Plan, und schon beim nächsten Kongress (es war der siebte) wurde die Zustimmung zu dieser Offerte rückgängig gemacht. Von diesem Augenblick an war der Zionismus das Werkzeug des talmudistischen Rabbinats im Osten.

Die Geschichte des Uganda-Plans und seiner verächtlichen Ablehnung zeigt, wie gleichgültig sich die herrschende Sekte gegenüber dem Wohlergehen und den Wünschen der jüdischen Massen verhielt, in deren Namen sie angeblich sprach. Anstatt „gleichgültig“ müsste man richtiger „feindselig“ sagen. Den Beweis dafür liefert die Art und Weise, wie die drei Hauptgruppen innerhalb des Judentums auf das Angebot reagierten: Die westlichen, die russischen und die bereits in Palästina ansässigen, die bei der ganzen hitzigen Debatte überhaupt nie der Erwähnung für würdig befunden worden waren.

Wie bereits mehrfach hervorgehoben, waren die westlichen Juden in ihrer übergroßen Mehrheit gegen den Zionismus, ob dieser die angestrebte jüdische Heimstatt nun in Uganda, in Palästina oder anderswo zu gründen gedachte; sie wollten dort bleiben, wo sie waren. Die russischen Juden wurden als Opfer von „Verfolgung“ dargestellt; wenn dies stimmte, mussten sie den Uganda-Plan logischerweise begrüßen. Der begeisterte Empfang, den sie Herzl bereiteten, spricht dafür, dass sie seinen Rat unter allen Umständen befolgt hätten, hätte das Rabbinat ihnen dies erlaubt.

Die bereits in Palästina lebenden Juden war Feuer und Flamme für Uganda; diesbezügliche Forschungen lassen keinen Zweifel daran zu. Aus diesem Grunde wurden sie von den judaisierten Chasaren Russlands, die unter dem Banner des Zionismus marschierten, als „Verräter“ verunglimpft. Anno 1945 hielt die Zionistische Weltorganisation fest:

„Es war entwürdigend und deprimierend, ansehen zu müssen, wie all diese Menschen, die… das jüdische Palästina jener Zeit als erste aufgebaut hatten, nun ihre eigene Vergangenheit verleugneten und sich von ihr lossagten… Die Leidenschaft für Uganda ging Hand in Hand mit einem tödlichen Hass auf Palästina… In den Gemeindezentren der ersten jüdischen Kolonien beschimpften junge Männer, die in den Schulen der Alliance Israélite erzogen worden waren, Palästina als ‚Land von Leichen und Gräbern‘, als Land der Malaria und der Augenkrankheiten, als Land, das seine Einwohner vernichte. In diesem Sinne äußerten sich durchaus nicht nur Vereinzelte. Ganz im Gegenteil, nur hier und da gab es ein paar Bewohner, die sich loyal verhielten… Ganz Palästina befand sich im Zustand der Gärung… Die gesamte Opposition gegen Uganda kam von außerhalb Palästinas. In Zion selbst waren alle gegen Zion.“

Was die Massen – ob jüdische oder nichtjüdische – wollten, war ab 1903 freilich nicht von Belang. Ob die Zionisten den Uganda-Plan annahmen oder ablehnten, war letzten Endes bedeutungslos: das Angebot war auf dem Tisch, und hierdurch hatte der Westen einen Weg eingeschlagen, der früher oder später in den Abgrund münden musste. Wie Dr. Weizmann schreibt, verpflichtete sich eine britische Regierung „durch diese Tat“ dazu, die russischen Talmudisten als Vertreter aller Juden anzuerkennen; durch diesen Schritt nahm sie auch die künftigen Generationen ihres Volkes in die Mangel, und ein Jahrzehnt später folgte eine entsprechende Verpflichtungserklärung seitens der Vereinigten Staaten, wo der Boden inzwischen gedüngt worden war.

Dieser im Jahre 1903 erfolgte Schritt der britischen Regierung war der Auslöser der Katastrophen, welche im 20. Jahrhundert über die Welt hereinbrachen. Die Geschichte Zions wurde fortan immer mehr identisch mit der Geschichte westlicher Politiker, die sich „unter unwiderstehlichem Druck“ vor den Karren der Sekte spannen ließen. Somit war 1903 das Jahr, in dem die Verschwörung triumphierte; für das Schicksal des Abendlandes war es ebenso verhängnisvoll wie die Jahre 1914 oder 1939, auf deren Verlauf es direkt eingewirkt hat.

Kapitel 27

Die „Protokolle“

Während der Zionismus im Verlauf des 19. Jahrhunderts in den östlichen Ghettos Gestalt annahm und sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die britische Regierung den Zionisten Uganda anbot, zu einer neuen Kraft auf der internationalen Bühne mauserte, bereitete die Weltrevolution in denselben talmudistisch beherrschten Zonen ihren dritten Ausbruch vor. Die beiden Bewegungen marschierten in strammem Gleichschritt voran; wie wir gesehen haben, benutzte der Zionismus die kommunistische Bedrohung als Erpressungsmittel, um die Regierenden Europas für seine außereuropäischen territorialen Ansprüche einzuspannen. Eine Zwillingsturbine hatte zu rotieren begonnen und erzeugte eine Kraft, die das neue Jahrhundert galvanisierte.

Laut Disraeli und Bakunin war die Weltrevolution um die Mitte des 19. Jahrhunderts herum unter jüdische Kontrolle geraten, und ihre Zielsetzungen hatten sich geändert. Bakunins Anhänger, die den Staat als solchen abschaffen wollten, weil sie ahnten, dass der revolutionäre Staat noch despotischer sein würde als jedes beliebige vorrevolutionäre Regime, wurden entmachtet und gerieten schon bald in Vergessenheit. Zur ideologischen Grundlage der Weltrevolution wurde das von Karl Marx geschaffene Kommunistische Manifest, dessen Zielsetzung die Errichtung eines auf Sklavenarbeit gründenden Superstaates und die „Konfiskation der menschlichen Freiheit“ (so de Tocqueville im Jahre 1848) war.

Dass die Führung der Weltrevolution in neue Hände übergegangen war und sich ihre Ziele entsprechend geändert hatten, bestimmte den Verlauf des 20. Jahrhunderts. Nicht geändert hatten sich allerdings die Methoden, mittels welcher die bestehende Ordnung zerstört werden sollte; sie entsprachen immer noch den von Weishaupt in seinen 1787 veröffentlichten Dokumenten empfohlenen. Viele Publikationen des 19. Jahrhunderts belegen, dass der ursprüngliche Plan der Illuminaten in Bezug auf die anzuwendenden Mittel für die Revolutionäre aller Lager noch generationenlang seine Gültigkeit behielt.

Diese Publikationen propagierten – oder entlarvten – den zerstörerischen Plan auf verschiedene Art und Weise, manchmal in allegorischer Form, doch stets so, dass Weishaupts Ideen erkennbar blieben. 1859 schrieb der katholische französische Autor Crétineau Joly ein Buch mit dem Titel L’église romaine en face de la révolution [Die römische Kirche angesichts der Revolution], in dem er die jüdische Führung der „Geheimgesellschaften“ attackierte und Dokumente des italienischen Geheimbundes „Alta Vendetta Romana“ zitierte, die ihm von Papst Gregor XVI. zur Verfügung gestellt worden waren; an ihrer Echtheit bestand kein Zweifel. An der Spitze dieser Geheimgesellschaft stand ein Illuminat reinsten Wassers, ein italienischer Prinz, der von Baron Knigge, einem der engsten Vertrauten Weishaupts, eingeweiht worden war. Dem äußeren Kreis der Eingeweihten, den leichtgläubigen Gimpeln, hatte man weisgemacht, das Ziel der Vereinigung sei erhaben und edel; es handle sich bei ihr um einen Orden, der eine reinere Moral, größere Frömmigkeit sowie die Unabhängigkeit und Einheit Italiens anstrebe. Je weiter ein Mitglied ins Innere der Gesellschaft vordrang, desto mehr erfuhr es über deren wirkliche Bestrebungen; es musste schwören, auf die Zerstörung jeder Form von Religion und legitimer Regierung hinzuwirken, und wurde dann in die Geheimnisse des Meuchelmordes, der Gifte und des Meineids eingeweiht, die Weishaupt weiland in seinen Dokumenten enthüllt hatte.

Unverkennbar illuministischen Charakter trug auch das Kommunistische Manifest des Karl Marx. 1862 gründete dieser seine Erste Internationale, während Bakunin seine Sozialdemokratische Allianz aus der Taufe hob; wie Nesta Webster anhand besonders aufschlussreicher Passagen nachgewiesen hat, war deren Programm unverwässertes Illuminatentum. Im selben Jahr erschien Maurice Jolys allegorisches Buch Gespräch zwischen Montesquieu und Macchiavelli in der Hölle, in dem dieser Napoleon III. angriff und ihm vorwarf, die Gesellschaft mit den von den Illuminaten propagierten Mitteln zu korrumpieren und zu zersetzen. 1868 schrieb der Deutsche Hermann Goedsche unter dem Pseudonym John Retcliffe einen Roman mit dem Titel Biarritz , in dem er vor der jüdischen Verschwörung warnte; in gleichem Sinne äußerte sich ein Jahr später der französische Katholik und Royalist Gougenot Des Mousseux in seinem Buch Le juf, le judaïsme et la judaïsation des peuples chrétiens [Der Jude, das Judentum und die Verjudung der christlichen Völker]. Ebenfalls anno 1869 publizierte Bakunin seine Polemik gegen die Juden.

In all diesen Werken tauchten die Grundideen, die Weishaupt in seinen Dokumenten offenbart hatte, in der einen oder anderen Form auf: Die Vernichtung aller Religionen, legitimen Regierungen und Nationen; die Errichtung eines despotischen Weltstaates, der die geknechteten Massen mit barbarischem Terror regierte. In einigen dieser Schriften wurde die jüdische Usurpierung der Weltrevolution gebrandmarkt.

Nach 1869 wurde es um dieses Thema für lange Zeit still, doch 1905 erschien aus der Feder des russischen Religionswissenschaftlers und wandernden Mönchs Sergej Nilus ein Buch mit dem Titel Das Große im Kleinen, dessen letztes Kapitel 1920 ins Englische übersetzt wurde; es trug den Titel „Die Protokolle der Weisen von Zion“ und löste im Westen eine stürmische Debatte aus. Angeblich handelt es sich bei diesem Text um die Protokolle eines geheimen Treffens jüdischer Führer, doch wurde hierfür nie ein Beweis erbracht. Insofern ist die Schrift wertlos. In jeder anderen Hinsicht ist sie hingegen von geradezu überwältigender Bedeutung, denn die späteren Ereignisse haben ohne jedes Wenn und Aber bewiesen, dass es sich um ein authentisches Dokument der Weltverschwörung handelt, von der man erstmals aus den Weishaupt-Papieren erfuhr. Wie bereits erwähnt, erschienen im 19. Jahrhundert noch viele andere Dokumente, die an Weishaupt anknüpften, doch keines kann sich auch nur im entferntesten mit den Protokollen messen. Alle anderen waren fragmentarischer Natur und ermöglichte dem Forscher lediglich als den einen oder anderen Einblick in die Verschwörung, während die Protokolle ein umfassendes Bild von dieser mitsamt ihren Beweggründen, Methoden und Zielen vermittelten. Abgesehen von der unbewiesenen Behauptung, sie stammten von jüdischen „Weisen“, enthalten sie zwar kaum etwas, was nicht schon vorher in dieser oder jener Form durchgesickert wäre, doch ihr Vorzug liegt darin, dass sie all diese Fragmente zu einem geschlossenen Mosaik zusammensetzen. Sie liefern eine realistische Schilderung dessen, was sich in den anschließenden fünfzig Jahren ereignet hat, sowie dessen, was in den kommenden fünf Jahrzehnten zweifellos folgen wird, sofern die von der Verschwörung entfesselte Kraft bis dann keine überlegende Gegenkraft auf den Plan gerufen hat.

Die Protokolle verraten ein ungeheures Maß an Kenntnissen (insbesondere der menschlichen Schwächen), denen zwangsläufig die gesammelten Beobachtungen und Erfahrungen ganzer Jahrhunderte, oder Zeitalter, zugrunde liegen müssen. Sie sind in herablassendem, hochmütigem Ton verfasst, als hätten ihre mit uralter Weisheit gesegneten Urheber vom Olymp auf die ungebildete Masse in der Tiefe hinabgeblickt („der Mob“, „alkoholisierte Tiere“, „Vieh“, „blutrünstige Tiere“), die vergeblich versucht, sich der „Zange“ zu entziehen, die sich um sie schließt. Die beiden Kneifer dieser Zange sind „die Macht des Goldes“ sowie die rohe Gewalt des Pöbels, der dazu aufgehetzt wird, seine einzigen Beschützer und damit auch sich selbst zu vernichten.

Die zerstörerische Idee wird hier im Gewande einer annähernd exakt wissenschaftlichen Theorie präsentiert, und zwar mit Gusto und Eleganz. Beim Studium der Protokolle kam mir ein Zitat von Disraeli in den Sinn, auf das ich in früherem Zusammenhang hingewiesen habe. Disraeli, der seine Worte mit Bedacht zu wählen pflegte, sprach nicht von einer „zerstörerischen Idee“, einem „zerstörerischen Plan“, oder einer „zerstörerischen Verschwörung“, sondern von einem „zerstörerischen Prinzip“. Schlägt man in verschiedenen Wörterbüchern nach, so wird der Begriff „Prinzip“ dort als „fundamentale Wahrheit“, „grundlegendes Gesetz“ oder „verbindliche Leitlinie“ definiert; all diese Definitionen treffen auf die Protokolle zu.

Bei deren Lektüre gewinnt man an vielen Stellen zunächst den Eindruck, als betrachteten sie jede Form der Zerstörung als Tugend und rechtfertigten folglich sämtliche explizit erwähnten destruktiven Methoden; dieser Logik nach wären Bestechung, Erpressung, Korruption, Subversion, Aufruhr, Aufwiegelung des Pöbels, Terror und Gewalt als Mittel zur Erreichung eines tugendhaften Ziels an sich tugendhaft. Eine genauere Analyse ergibt freilich, dass dem nicht so ist. Die Protokolle sind so aufgebaut, dass das Ziel – die Weltherrschaft – schon zu Beginn formuliert wird und erst anschließend die zweckmäßigsten Methoden zu ihrer Erringung erörtert werden. Dieses Ziel wurde bereits in den Weishaupt-Dokumenten enthüllt; alles deutet darauf hin, dass sowohl diese als auch die Protokolle auf eine sehr viel ältere Quelle zurückgehen, auch wenn es den Anschein macht, als habe Weishaupt bei der Entstehung der Protokolle Pate gestanden. Wie bereits hervorgehoben, soll auf die Erringung der Weltherrschaft die Vernichtung aller Religionen und Nationen sowie der Gründung eines auf gnadenlosem Terror beruhenden Superstaates folgen.

Nach der Veröffentlichung der Protokolle in englischer Sprache konzentrierten die aufgebrachten Juden ihre Angriffe auf deren schwächsten Punkt, nämlich die unbewiesene Behauptung, sie seien bei einem bestimmten Anlass von einer Gruppe jüdischer Führer verfasst worden. 1913 erschien übrigens eine ähnliche Publikation, die angeblich von den Jesuiten stammte und in der es um eine jesuitische Weltverschwörung ging; die Jesuiten konterten gelassen, es handle sich um eine Fälschung, und die Angelegenheit geriet schon bald in Vergessenheit. Die Reaktion des offiziellen Judentums in den zwanziger Jahren und darauf war völlig verschieden: Es bestritt nicht nur die Urheberschaft der Protokolle, sondern verwarf deren Inhalt in Bausch und Bogen und stellte nicht bloß die Existenz einer jüdischen Verschwörung, sondern jeder Verschwörung überhaupt in Abrede. Dies war eine offensichtliche Unwahrheit: schließlich hatte eine lange Reihe von Autoritäten, von Edmund Burke, George Washington und Alexander Hamilton bis hin zu Disraeli, Bakunin und vielen anderen die Realität einer Verschwörung anerkannt. Ein schlagender Beweis war zudem die drei Jahre vor der englischen Ausgabe der Protokolle ausgebrochene Revolution in Russland. Unter diesen Umständen hatten die allzu wütenden und lautstarken jüdischen Attacken lediglich den Effekt, den Argwohn der Öffentlichkeit noch zu verstärken.

Schon mehr als ein Jahrhundert früher hatten Robison, Barruel und Morse mit ihren Forderungen nach einer öffentlichen Untersuchung auf Granit gebissen. Keiner dieser drei Männer hatte behauptet, die Verschwörung sei jüdischen Ursprungs; sie hatten lediglich auf deren permanenten Charakter hingewiesen und hervorgehoben, dass die Französische Revolution nichts weiter als deren erster Ausbruch gewesen war. Im Fall der Protokolle wurden alle Forderungen nach einer sachlichen Untersuchung von jüdischer Seite abgeblockt; dass das Judentum ihre Echtheit so verbissen bestritt, war der überzeugendste Beweis dafür, dass sie in der Tat authentisch waren, ließ jedoch gleichzeitig erkennen, dass sich eine öffentliche Diskussion unerwünschter Tatsachen viel wirksamer unterdrücken ließ als 120 Jahre zuvor. Vermutlich war noch nie in der Geschichte so viel Geld und Energie zur Diskreditierung eines einzigen Dokuments aufgewendet worden.

Einer der beiden namhaftesten britischen Korrespondenten in Moskau, Victor Marsden von der Morning Post, hatte ein Exemplar des Buchs von Nilus nach England gebracht. (Auf den anderen dieser beiden Korrespondenten, dessen Geschichte ebenfalls von großer Wichtigkeit ist, werden wir in einem späteren Kapitel zu sprechen kommen.) Marsden war ein anerkannter Russland-Spezialist und stand noch ganz unter dem Eindruck des bolschewistischen Terrors. Letzten Endes gehörte auch er zu dessen Opfern, starb er doch schon bald nach dem Abschluss einer Arbeit, die er offenbar als seine Pflicht betrachtete – der Übersetzung der Protokolle, die er im British Museum vornahm.

Sofort nach ihrem Erscheinen schlug diese Schrift in aller Welt hohe Wellen. Die zwanziger und die frühen dreißiger Jahre waren die letzte Periode, in der man in der Öffentlichkeit sachlich über die jüdische Frage diskutieren konnte. Anfangs war die Debatte frei und lebhaft doch schon bald gelang es den daran interessierten Kreisen, selbst die leiseste Kritik an Juden als Majestätsbeleidigung darzustellen, und heute wagt es kaum jemand, die Protokolle auch nur zu erwähnen, es sei denn, um sie als „infame Fälschung“ zu geißeln. Dieser vorauseilende Gehorsam seitens der Nichtjuden gehört zu jenen Entwicklungen, die in den Protokollen selbst vorausgesagt werden.

Die erste Reaktion auf die Veröffentlichung der Schrift hatte freilich dem entsprochen, was zu erwarten gewesen war: Man sah in ihnen den handfesten Beweis für eine internationale Verschwörung gegen Religion, Nation, legitime Regierung und Privateigentum. Alle Kommentatoren waren sich darüber einig, dass keine Beweise für die den Protokollen zugeschriebene Herkunft vorlagen, eine öffentliche Untersuchung jedoch angesichts des schwerwiegenden Inhalts und der jüngsten geschichtlichen Ereignisse unabdingbar war. Nach einer Untersuchung hatten 120 Jahre zuvor in einem ähnlichen Zusammenhang bereits andere Männer gerufen, und wie schon damals wurde diese Forderungen auch jetzt gnadenlos unterdrückt; man gab sich also nicht mit bloßer Kritik an der Behauptung zufrieden, die Protokolle seien tatsächlich das Werk irgendwelcher „Weisen von Zion“.

In der Time vom 8. Mai 1920 erschien zu dieser Frage ein langer Artikel, in dem es unter anderem hieß: „Eine unparteiische Untersuchung dieser angeblichen Dokumente und ihrer Geschichte ist in höchstem Grade wünschenswert… Sollen wir die ganze Angelegenheit ungeprüft zu den Akten legen und keinerlei Ermittlungen zum Einfluss eines Buchs wie des vorliegenden durchführen?“ Die Morning Post, eine der ältesten und seriösesten britischen Zeitungen, veröffentlichte zu diesem Thema nicht weniger als dreiundzwanzig Beiträge und forderte ebenfalls eine Untersuchung. In gleichem Sinne äußerte sich auch Lord Sydenham, eine der angesehensten Figuren jener Zeit, in The Spectator vom 27. August 1921: „Der entscheidende Punkt ist natürlich die Quelle, von der Nilus die Protokolle erhalten hat. Die Russen, die Nilus und seine Schriften kannten, können nicht alle von den Bolschewiken liquidiert worden sein. Sein Buch… ist nicht [vollständig] übersetzt worden, obwohl es eine gewisse Vorstellung von diesem Mann vermitteln würde… Was ist der auffallendste Zug der Protokolle? Die Antwort lautet: Ungewöhnliche und erstaunlich breitgefächerte Kenntnisse . Die Lösung dieses ‚Rätsels‘, wenn es eines ist, kann nur dort gefunden werden, wo diese unheimlichen Kenntnisse, auf denen die vor unseren Augen wortwörtlich in Erfüllung gehenden Prophezeiungen beruhen, nachweislich vorhanden sind.“

In Amerika erklärte Henry Ford: „Die Protokolle schildern zutreffend, was bisher auf der Welt geschehen ist und weiterhin geschieht.“ In seiner Zeitung The Dearborn Independent ließ Ford eine Reihe von Artikeln zu diesem Thema publizieren, die später in einer Auflage von anderthalb Millionen als Sonderdruck verbreitet wurden.

Zwei Jahre nach dem Erscheinen des erwähnten Artikels in The Times wurde der Besitzer der Zeitung von einem ungenannten Arzt in einem fremden Land für verrückt erklärt (auf diese Episode gehen wir in einem späteren Kapitel ein) und seiner Position enthoben; die Zeitung veröffentlichte einen Artikel, in dem die Protokolle als auf dem Buch Maurice Jollys basierende Fälschung bezeichnet wurden. Der Besitzer der Morning Post wurde zur Zielscheibe einer pausenlosen Hetzkampagne, die ihn schließlich zum Verkauf des Blatts bewog; bald darauf stellte es sein Erscheinen ein. Henry Ford entschuldigte sich 1927 öffentlich bei einem bekannten amerikanischen Juden; als ich die Vereinigten Staaten später besuchte, erfuhr ich aus glaubwürdiger Quelle, dass er zu diesem Schritt durch die Drohungen von Autohändlern gezwungen worden war, von denen der Erfolg seines brandneuen Ford-Modells und damit das Schicksal seines Konzerns abhing.

Die Kampagne gegen die Protokolle hat seither niemals aufgehört. Im kommunistischen Russland wurden alle vorgefundenen Kopien vernichtet, und der Besitz des Buchs wurde unter dem Gesetz gegen „Antisemitismus“ zum Kapitalverbrechen erklärt. Fünfundzwanzig Jahre später, nach dem Zweiten Weltkrieg, zwangen die amerikanischen und britischen Besatzungsbehörden die Regierung des okkupierten Westdeutschlands, Gesetze gegen „Antisemitismus“ nach bolschewistischem Muster zu erlassen; 1955 wurde dort das Geschäft eines Typographen beschlagnahmt, der die Protokolle gedruckt hatte. In England wurde der Verkauf des Buchs schon bald nach seinem Erscheinen von den Behörden unter dem Druck bestimmter Kreise zeitweise unterbunden; die Heftigkeit der Attacken ließ auch in den folgenden Jahren nicht nach, so dass größere Verleger die Finger von dieser Schrift ließen und nur Kleinverlage den Mut aufbrachten, sie zu drucken. In der Schweiz versuchten jüdische Kreise in den dreißiger Jahren, die Protokolle gerichtlich als „Schundliteratur“ einstufen zu lassen; sie gewannen den Prozess zwar, zogen jedoch im Berufungsverfahren den Kürzeren.

Bereits anno 1905 schilderten die Protokolle eine Entwicklung, die in den zwanziger Jahren begann und bis in unsere Tage anhält: „Durch die Presse haben wir die Macht errungen, Einfluss auszuüben, während wir selbst im Schatten bleiben… Der hauptsächliche Faktor des Erfolges in der Politik ist, dass sie geheim betrieben werden muss; das Wort des Diplomaten darf seinen Taten nicht entsprechen… Wir müssen die Regierungen zwingen… Aktionen zu unternehmen, die mit unserem langfristigen Plan übereinstimmen…, der sich seiner angestrebten Erfüllung bereits nähert, und zwar durch das, was wir als öffentliche Meinung darstellen werden, während es in Wirklichkeit durch uns mittels der sogenannten ‚Großen Macht‘ insgeheim geschaffen wird, der Presse, die sich, von einigen kaum erwähnenswerten Ausnahmen abgesehen, bereits voll und ganz in unseren Händen befindet. Wir werden mit der Presse wie folgt umgehen: … Wir werden ihr straffe Zügel anlegen; dasselbe werden wir auch mit allen anderen Druckerzeugnissen tun, denn was für einen Sinn hätte es, die Angriffe in der Presse zu unterbinden, wenn wir auch weiterhin in Pamphleten und Büchern attackiert würden?…Niemand soll den Heiligenschein unserer unfehlbaren Regierung ungestraft antasten dürfen. Der Vorwand für das Verbot einer Publikation wird darin bestehen, dass sie die Öffentlichkeit ohne Anlass oder Rechtfertigung aufhetzt… Wir werden sicherlich über unsere Gegner triumphieren, da ihnen dank den erwähnten Methoden des Umgangs mit der Presse keinerlei Organe zur Verfügung stehen werden, in denen sie ihre Ansichten voll und umfassend darlegen können…“

Fassen wir das bisher zu den Protokollen Gesagte zusammen: Die Behauptung, dass sie von jüdischen Weisen stammen, lässt sich nicht belegen und ist deshalb zu verwerfen, was allerdings längst noch nicht heißt, dass es keine Beweise für die jüdische Führung der Weltrevolution gäbe. Die jüdischen Attacken auf die Protokolle wurden nicht damit motiviert, dass sie das Ansehen der Juden schädigen, sondern damit, dass sie „die Öffentlichkeit ohne Anlass oder Rechtfertigung aufhetzen“. Dass es sich bei den Protokollen um eine Fälschung handle, wurde mit dem fadenscheinigen Argument begründet, sie wiesen auffallende Ähnlichkeit mit mehreren früheren Publikationen auf und seien demnach ein „Plagiat“. Die Wahrheit lag natürlich auf der Hand: Sie waren eine von vielen Schriften, in denen die Methoden und Ziele der Verschwörung dargelegt wurden. Auf jeden Fall beweisen sie, dass die Organisation, über deren Existenz die Weishaupt-Dokumente erstmals Aufschluss vermittelten, auch 120 Jahre später noch existierte, sich weiterhin der von Weishaupt propagierten Methoden bediente und unbeirrt dieselben Ziele verfolgte. Zum Zeitpunkt, wo die Protokolle ins Englische übersetzt wurden, hatte die bolschewistische Revolution all dies endgültig erhärtet.

Meiner Ansicht nach sind die Protokolle für jeden, der das vorliegende Thema ernsthaft erforscht, die grundlegendste aller Quellen. Schon 1921 bekundete Lord Sydenham sein Erstaunen über die „unheimlichen Kenntnisse, auf denen die vor unseren Augen in Erfüllung gehenden Prophezeiungen beruhen“; um wie viel größer wäre sein Erstaunen heute, im Jahre 1956, wo ein noch weit größerer Teil dieser Prophezeiungen wortwörtlich in Erfüllung gegangen ist? Anhand dieses Buchs kann jedermann die Umwälzungen der letzten 150 Jahre verfolgen, jene der kommenden 50 Jahre vorausahnen und im Voraus abschätzen, wie stark die „Taten“ der von ihm gewählten Politiker von ihren „Worten“ abweichen werden.

In einem spezifischen Punkt kann ich Lord Sydenhams Urteil, wonach ein großer Teil der in den Protokollen geäußerten Prophezeiungen bereits in Erfüllung gegangen ist, anhand meiner persönlichen Erfahrungen bekräftigen. Bezüglich der Informationskontrolle liest man in den Protokollen: „Keine einzige Information wird die Öffentlichkeit ohne unsere Kontrolle erreichen. Bereits heute sind wir insofern schon so weit, als alle Nachrichten von einigen wenigen Agenturen empfangen werden, in deren Büros sie aus allen Teilen der Welt eingehen. Diese Agenturen werden dann ganz und gar uns gehören und werden nur das veröffentlichen, was wir ihnen diktieren.“ Diese Schilderung entspricht nicht dem anno 1905 oder zu Lord Sydenhams Zeiten herrschenden, wohl aber dem heutigen Zustand; als ich 1926 meine Karriere als Journalist begann, hatte diese Entwicklung bereits eingesetzt. Der Strom von „Nachrichten“, mit dem die Öffentlichkeit via die Zeitungen gefüttert wird, stammt von einem runden halben Dutzend Agenturen; wer diese paar Ventile kontrolliert, entscheidet darüber, welche Informationen die Öffentlichkeit erreichen und welche nicht. Der Leser dieser Zeilen kann selbst darüber urteilen, in welch filtrierter Form er Informationen erhält.

Hinsichtlich der – auf diesen kontrollierten Informationen beruhenden – Kommentare der Redaktionen lohnt es sich, einen Vergleich mit den sachlichen und kritischen Artikeln anzustellen, die vor einem runden Vierteljahrhundert in The Times, Morning Post, Spectator, Dearborn Independent und anderen Blättern erschienen; heute könnten dergleichen Beiträge nicht mehr veröffentlicht werden. Die Gängelung der Presse ist nach dem in den Protokollen geschilderten Rezept erfolgt; das Zeitalter, in das ich hineingeboren wurde, sowie meine reiche Erfahrung als Journalist haben es mir ermöglicht, diese Entwicklung vorauszuahnen.

Ein Vergleich zwischen den Protokollen und den Weishaupt-Papieren legt den Schluss nahe, dass beide einer gemeinsamen, viel älteren Quelle entstammen. Ganz unmöglich können sie die Schöpfung eines einzigen Menschen oder auch einer Gruppe von Menschen sein, die zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung gelebt haben, denn die „unheimliche Erfahrung“, die aus ihnen spricht, beruht offensichtlich auf dem gesammelten Erfahrungsschatz von Generationen. Insbesondere verraten sowohl die Weishaupt-Dokumente als auch die Protokolle eine tiefgründige Kenntnis der menschlichen Schwächen, die mit großer Präzision geschildert werden, und es wird genüsslich und ironisch beschrieben, welche Methoden zur Anwendung gelangen, um jede dieser Schwächen auszunutzen.

Das Werkzeug zur Zerstörung der christlichen Nationalstaaten mitsamt ihrer Religion ist der „Mob“. Dieser Begriff wird immer wieder mit schneidender Verachtung als Bezeichnung für die Massen verwendet, die man öffentlich schmeichelt, indem man sie „das Volk“ nennt. „Menschen mit schlechten Instinkten sind zahlreicher als solche mit guten, weshalb man bei ihrer Lenkung die besten Ergebnisse mit Gewalt und Einschüchterung erzielt… Die Macht eines Mobs ist blinde, sinnlose und unvernünftige Gewalt, die stets von Einflüsterungen von irgendwelcher Seite abhängt.“ Aus diesem Argument ergibt sich die Schlussfolgerung, dass „absoluter Despotismus“ notwendig ist, um über den „Mob“ zu regieren, bei dem es sich um einen „Wilden“ handelt, und dass „unser Staat den Terror anwenden wird, der gewöhnlich blinde Unterwerfung erzeugt“. Bekanntlich werden diese Rezepte heute im kommunistischen Russland wortwörtlich angewendet.

Auf „absolutem Despotismus“ beruhen soll auch der internationale Superstaat, der das Endziel der geplanten Entwicklung darstellt. Bis es soweit ist, dienen despotische regionale Marionettenregime als unerlässliches Instrument zur Zerstörung der Staaten und zur Brechung der Widerstandkraft der Völker: „Selbst vom letzten der diktatorischen Premierminister der Gegenwart lassen sich die Völker geduldig Ungerechtigkeiten gefallen, für die sie zwanzig Könige geköpft hätten. Was ist die Erklärung?… Sie liegt darin, dass diese Diktatoren den Völkern durch ihre Agenten einreden, mittels dieser Ungerechtigkeiten schädigten sie die Staaten mit dem edelsten aller Ziele – um das Wohlergehen der Völker, die internationale Brüderschaft zwischen ihnen, ihre Solidarität und Gleichberechtigung zu gewährleisten. Natürlich sagen sie den Völkern nicht, dass diese Vereinigung einzig und allein unter unserer souveränen Herrschaft erfolgen darf.“

Diese Passage ist von besonderem Interesse. Im Jahre 1905 hätten die Menschen mit dem Ausdruck „diktatorische Premierminister“ nichts anfangen können, denn damals glaubten die Völker des Westens, ihre gewählten Vertreter verträten ihre Interessen und seien auf ihre Zustimmung angewiesen. Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg stellte sich freilich heraus, was damit gemeint war, denn damals schwangen sich amerikanische Präsidenten und britische Premierminister in der Tat zu „Diktatoren“ auf und rissen im Namen des „Wohlergehens der Völker“, der „internationalen Brüderschaft“ und der „Gleichberechtigung“ exzessive Machtbefugnisse an sich. In beiden Weltkriegen erklärten diese „diktatorischen Premierminister“ ihren Völkern tatsächlich, diese Schritte verfolgten das Ziel, die Welt zu vereinen, drückten sich aber geflissentlich um die Frage herum, unter was für einer Regierung dies geschehen solle. Da bereits ein so großer Teil der in den Protokollen gemachten Voraussagen in Erfüllung gegangen ist, wäre es äußerst töricht, die Prophezeiung, wonach die Weltregierung mit „Gewalt und Einschüchterung“ regieren werde, auf die leichte Schulter zu nehmen.

Ein besonderes Merkmal der beiden großen Kriege des 20. Jahrhunderts besteht darin, dass sie den scheinbar siegreichen Völkern Enttäuschung über Enttäuschung bescherten. Auch folgende, im Jahre 1905 (oder früher) gemachten Aussagen scheinen auf „unheimlichen Kenntnissen“ zu beruhen: „Seither [seit der Französischen Revolution] führen wir die Völker von einer Enttäuschung zur anderen… Hierdurch befinden sich alle Staaten in einer Zwangslage; sie rufen zur Ruhe auf, sie sind bereit, alles für den Frieden zu opfern, doch wir werden ihnen keinen Frieden gewähren, bis sie unsere internationale Superregierung offen und unterwürfig anerkennen.“ Diese 1905 oder früher niedergeschriebenen Worte schildern den Verlauf des 20. Jahrhunderts recht treffend.

Aufschlussreich ist auch folgende Passage aus den Protokollen: „Es ist für unsere Zwecke unerlässlich, dass Kriege, soweit dies möglich ist, nicht zu territorialen Gewinnen führen.“ Dies war in der Tat der zentrale, scheinbar zutiefst moralische Slogan, dessen sich die politischen Führer Amerikas und Großbritanniens in beiden Weltkriegen bedienten; der Unterschied zwischen den Worten und den Taten dieser Staatsmänner trat hier mit seltener Klarheit zutage.

Das hauptsächliche Ergebnis des Ersten Weltkriegs bestand darin, den revolutionären Zionismus und den revolutionären Kommunismus zu neuen Kräften auf der internationalen Bühne zu machen, ersteren mit dem Versprechen auf eine jüdische Heimstatt und letzteren mit der Schaffung einer kommunistischen Hochburg. Das hauptsächliche Resultat des Zweiten Weltkriegs sah so aus, dass einzig und allein der Zionismus und der Kommunismus „territoriale Gewinne“ erzielten: Der Zionismus bekam den versprochenen Judenstaat, der Kommunismus halb Europa. Die „tödliche Präzision“ (Lord Sydenham) der in den Protokollen getätigten Weissagungen hat sich in diesem Fall besonders anschaulich bewahrheitet; ein betrügerischer Satz aus den Protokollen wurde in den Jahren 1914 bis 1918 sowie 1939 bis 1945 zur Standardphrase amerikanischer Präsidenten und britischer Premierminister.

Der Grund dafür, dass die Urheber der Protokolle diesem Slogan bei der Betörung der Völker so große Bedeutung beimaßen, wird ebenfalls erklärt. Wenn den in einen Krieg verstrickten Nationen „territoriale Gewinne“ verweigert werden, ist der einzige Sieger „unsere internationale Agentur… Unsere internationalen Rechte werden dann unsere nationalen Rechte auslöschen… und wir werden die Nationen genau so regieren, wie das Gesetzbuch der Staaten die Beziehungen der Bürger untereinander regelt.“

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, braucht es gefügige Politiker; von ihnen heißt es in den Protokollen:

„Die Regierenden, die wir unter strenger Berücksichtigung ihrer Fähigkeit zu servilem Gehorsam aus der Öffentlichkeit wählen werden, werden keine in der Kunst des Regierens geschulten Personen sein und deshalb leicht zu Bauern in unserem Spiel werden; sie werden sich ganz in der Hand gebildeter und genialer Männer befinden, die ihre Berater sein werden, Spezialisten, die von früher Kindheit an darin geschult worden sind, die Angelegenheiten der ganzen Welt zu regeln.“

Der Leser mag selbst darüber urteilen, ob diese Schilderung auf gewisse „Regierende“ des Westens in den letzten fünf Jahrzehnten zutrifft. Der Prüfstein ist ihre Einstellung zum Zionismus, der Weltrevolution und der Weltregierung; in späteren Kapiteln werden wir näher auf diese drei Aspekte eingehen. Noch schlagender trifft die Prophezeiung jedoch auf die „Berater“ der „Regierenden“ zu. Auch in dieser Frage beeindrucken die „unheimlichen Kenntnisse“ der Verfasser der Protokolle, denn vor einem halben Jahrhundert war die Figur des nicht gewählten, jedoch ungemein einflussreichen „Beraters“ noch unbekannt. Gewiss, eine Handvoll Eingeweihte vom Schlage Disraelis wussten, dass „die Welt von ganz anderen Menschen regiert wird, als sich jene, die nicht hinter die Kulissen blicken, vorstellen“, doch für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung wäre der eben zitierte Abschnitt unbegreiflich gewesen.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde der nicht gewählte, aber ungeheuer mächtige „Berater“ jedoch zur bekannten öffentlichen Figur. Er trat (im Zusammenhang mit der Verabschiedung von „Notstandsgesetzen“) offen in Erscheinung und wurde von den Massen ohne Murren akzeptiert; die Verachtung der Protokolle für den „Mob“ mag sich mit der Gefügigkeit erklären lassen, mit der sich dieser der Macht dieser Männer unterwarf, die kaum ein Hehl daraus machten, dass sie im Land das Sagen hatten. In den USA nisteten sich beispielsweise „Berater zu jüdischen Fragen“ im Weißen Haus, aber auch in den Hauptquartieren der amerikanischen Besatzungsarmeen im Ausland ein. Ein Finanzier (der öffentlich für „drastische Maßnahmen bei der „Regelung der Weltgeschäfte“ warb), diente so vielen Präsidenten als Berater, dass ihn die Presse zur „Grauen Eminenz“ ernannte und ihm britische Premierminister, welche die Vereinigten Staaten besuchten, regelmäßig ihre Aufwartung machten, als sei er der Regierungschef.

Die Protokolle sagten die Herrschaft dieser „Berater“ voraus, als noch kaum jemand begriff, was unter solchen zu verstehen war und die wenigsten ihren Aufstieg in die höchsten Sphären der Macht vorausahnten.

An mehreren Stellen wird in den Protokollen hervorgehoben, dass das erste Ziel in der Vernichtung der herrschenden Klasse (der „Aristokratie“, wie es 1905 noch hieß) sowie die Zerstörung des Privateigentums mittels Aufstachelung des unvernünftigen, viehischen „Mobs“ bestand. Auch die „tödliche Sicherheit“ folgender Voraussagen wurde durch die spätere Entwicklung bestätigt:

„In der Politik müssen wir es verstehen, uns ohne Zaudern des Eigentums anderer zu bemächtigten, wenn wir uns dadurch Unterwerfung und Souveränität sichern… Die Worte ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘ haben dank unseren uns blind ergebenen Agenten ganze Legionen in unser Lager getrieben, die unsere Banner mit Begeisterung trugen. Und die ganze Zeit über waren diese Worte Holzwürmer, die sich in den Wohlstand der Menschen bohrten, dem Frieden, der Ruhe und der Solidarität überall ein Ende bereiteten und sämtliche Grundlagen der Staaten zerstörten…Dies verhalf uns zu unserem größten Triumph und verlieh uns unter anderem die Möglichkeit, die Trumpfkarte in die Hand zu bekommen: die Zerstörung der Privilegien, oder in anderen Worten die Existenz der Aristokratie selbst…, jener Klasse also, welche die einzige Verteidigung der Völker und Länder gegen uns war. Auf den Ruinen der natürlichen und geburtsmäßigen Aristokratie… haben wir die Aristokratie unserer gebildeten Klasse errichtet, an deren Spitze die Aristokratie des Geldes stehen wird. Als Qualifikation dieser Aristokratie haben wir Wohlstand, der von uns abhängt, und Kenntnis festgelegt… Diese Möglichkeit, die Vertreter des Volkes zu ersetzen, hat uns dieses auf Gnade und Ungnade ausgeliefert, und uns de facto die Macht verliehen, sie zu ernennen… Wir erscheinen als angebliche Retter des Arbeiters vor der Unterdrückung auf der Bühne, wenn wir ihm vorschlagen, sich den Reihen unserer kämpfenden Kräfte anzuschließen: Sozialisten, Anarchisten, Kommunisten… Durch Not, sowie den Neid und Hass, den sie erzeugt, werden wir die Massen lenken, und durch ihre Hände werden wir all jene hinwegfegen, die uns im Wege stehen… Das Volk, das allem Gedruckten blind glaubt, hegt… blinden Hass gegen alle Zustände, die es für besser als seine eigenen hält, denn es hat keine Ahnung von der Bedeutung von Klasse und Zuständen…. Diese Massen werden begeistert das Blut jener vergießen, die sie in ihrer dumpfen Ignoranz von der Wiege an beneidet haben und deren Besitz sie dann werden plündern können. ‚Unseren‘ Besitz werden sie nicht anrühren, weil wir den Augenblick des Angriffs kennen und Maßnahmen treffen werden, um unser Eigentum zu schützen…

Das Wort ‚Freiheit‘ verleitet die menschlichen Gemeinschaften dazu, gegen jede Art von Macht und Autorität, selbst gegen Gott und die Naturgesetze zu kämpfen. Aus diesem Grund werden wir, wenn wir in unser Königtum einziehen, dieses Wort aus dem Lexikon des Lebens tilgen müssen, da es ein Prinzip roher Gewalt verkörpert, welche die Massen in blutrünstige Tiere verwandelt… Aber selbst die Freiheit kann harmlos sein und ihren Platz in der Staatswirtschaft haben, ohne das Wohlergehen der Völker zu schädigen, wenn sie auf den Grundlagen des Glaubens an Gott beruht… Dies ist der Grund dafür, dass es für uns unabdingbar ist, jeden Glauben zu untergraben, das Prinzip der Gottheit und des Geistes aus dem Denken der Massen zu verbannen und an seine Stelle arithmetische Berechnungen und materielle Bedürfnisse zu setzen…

Wir haben die persönlichen und nationalen Gegensätze zwischen den Völkern verschärft und religiösen sowie rassischen Hass im Verlauf der vergangenen zwanzig Jahrhunderte so geschürt, dass er riesige Ausmaße annahm. Dies ist der Grund dafür, dass es keinen einzigen Staat gibt, der irgendwelche Unterstützung erhielte, wenn er gegen uns zu den Waffen griffe, denn jeder von ihnen muss sich vergegenwärtigen, dass jegliches Bündnis gegen uns für ihn selbst nachteilig wäre. Wir sind zu stark, an unserer Macht führt kein Weg vorbei. Die Nationen können nicht einmal ein unbedeutendes privates Abkommen schließen, ohne dass wir dabei heimlich die Hand im Spiel haben… Um die öffentliche Meinung in unsere Hand zu bekommen, müssen wir sie in einen Zustand der Verstörung versetzen, indem wir von allen Seiten so lange alle erdenklichen widersprüchlichen Meinungen äußern lassen, dass die Völker in diesem Labyrinth den Kopf verlieren und einsehen, dass man am besten daran tut, in politischen Fragen keine Meinung zu haben, die dem Volk nicht erklärt wird, weil sie nur von dem verstanden werden, der die Öffentlichkeit lenkt. Dies ist das erste Geheimnis. Das zweite Geheimnis, das für den Erfolg unserer Regierung vonnöten ist, besteht in folgendem: Es gilt nationale Schwächen, Gewohnheiten, Leidenschaften … dermaßen zu mehren, dass niemand mehr begreifen wird, wo er in dem dadurch heraufbeschworenen Chaos steht, so dass die Menschen einander dann nicht mehr verstehen werden… Mit all diesen Mitteln werden wir die Völker so zermürben, dass sie gezwungen sein werden, uns internationale Macht einer Art anzubieten, die uns durch ihren Besitz dazu befähigen wird, ohne jede Gewalt allmählich sämtliche Kräfte der Staaten der Welt zu absorbieren und eine Superregierung zu bilden. An Stelle der heutigen Herrscher werden wir ein Marionettenregime einsetzen, das Superregierung heißen wird. Seine Hände werden wie Kneifzangen überall hinreichen, und seine Organisationen werden dermaßen kolossale Ausmaße aufweisen, dass sie zwangsläufig sämtliche Nationen der Welt in ihrem Würgegriff halten werden.“

Dass die Protokolle den gemeinsamen Ursprung von Zionismus und Kommunismus enthüllen, lässt sich durch die eindeutigen Parallelen zwischen den beiden in ihnen dargelegten Hauptstrategien und den Strategien von Theodor Herzl bzw. Karl Marx aufzeigen.

In den Protokollen wird mehrmals hervorgehoben, dass die Aufhetzung des „Mobs“ gegen die herrschende Klasse das effizienteste Mittel zur Zerstörung von Staaten und Nationen sowie zur Erringung der Weltherrschaft darstellt. Wie wir im vorhergehenden Kapitel erläutert haben, benutzte Herzl eben diese Methode, um die europäischen Herrscher unter Druck zu setzen und somit für seine Forderungen empfänglich zu machen.

Auch die Strategie von Karl Marx findet in den Protokollen ihren Widerhall: „Die Aristokratie der Völker als politische Kraft ist tot… aber als Landbesitzer können sie [die Aristokraten] uns immer noch gefährlich sein, weil sie sich mit allem Lebensnotwendigen selbst versorgen können. Deshalb ist es für uns um jeden Preis erforderlich, sie ihres Bodens zu berauben… Zugleich müssen wir Handel und Industrie intensiv fördern… Wir arbeiten darauf hin, dass die Industrie sowohl die Arbeitskräfte als auch das Kapital vom Land abzieht und auf dem Wege der Spekulation alles Geld der Welt in unsere Hände transferiert…“

In seinem Kommunistischen Manifest äußerte sich Karl Marx in gleichem Sinne. Zwar erklärte er, das Wesen des Kommunismus lasse sich in einem einzigen Satz zusammenfassen – „Abschaffung des Privateigentums“ –, fügte jedoch gleich hinzu, dieses Prinzip beschränke sich auf die Konfiskation des Landes und deutete an, dass andere Formen des Privateigentums bewahrt werden sollten. (Als man den Marxismus später in die Praxis umsetzte, wurde freilich alles Privateigentum beschlagnahmt, doch geht es hier um die auffallenden Parallelen zwischen den Protokollen und der ursprünglichen Strategie von Karl Marx.)

Ein besonders interessanter Satz aus den allerspätestens im Jahre 1905 schriftlich fixierten Protokollen lautet wie folgt: „Wenn heute irgendwelche Staaten gegen uns protestieren, dann geschieht dies nur pro forma, mit unserer Genehmigung und auf unseren Hinweis, denn ihr Antisemitismus ist für uns unerlässlich, um unsere geringeren Brüder unter Kontrolle halten können.“ Ein Kennzeichen unserer Ära besteht in der Art, wie der Vorwurf des „Antisemitismus“ gegen ein Land nach dem anderen erhoben wird, wobei das angeklagte Land automatisch zum Feind im nächsten Krieg wird. Der eben zitierte Satz aus den Protokollen müsste einen verständigen Menschen dazu veranlassen, den regelmäßigen Berichten über antisemitische Strömungen im kommunistischen Russland oder anderswo mit gehöriger Skepsis zu begegnen.

Besonders stark ist die Ähnlichkeit zwischen den Weishaupt-Dokumenten und den Protokollen in jenen Abschnitten, die sich mit der Unterwanderung der öffentlichen Ämter, Berufsstände und Parteien befassen. Hier ein Beispiel: „Von uns geht der allumfassende Terror aus. In unserem Dienste stehen Menschen aller Ansichten und Weltanschauungen – Leute, welche die Monarchie wiederherstellen wollen, Demagogen, Sozialisten, Kommunisten und utopische Träumer aller Art. Wir haben sie alle auf ihre Aufgabe vorbereitet; jeder davon trägt auf seine Weise dazu bei, die letzten Reste von Autorität zu zerstören und jede bestehende Form von Ordnung zu stürzen. Durch diese Taten leben die Staaten in beständiger Unruhe; sie rufen zur Ruhe auf, sie sind bereit, alles für den Frieden zu opfern, aber wir werden ihnen keinen Frieden gewähren, ehe sie unsere internationale Superregierung offen und unterwürfig anerkennen.“

Auch der Hinweis auf die Infiltrierung der Universitäten im Besonderen und des Erziehungswesens im Allgemeinen lässt sich direkt auf Weishaupt (oder auf eine frühere Quelle, von der sich Weishaupt inspirieren ließ) zurückführen: „Wir werden die Universitäten entmannen… Ihre Angestellten und Professoren werden durch ausführliche geheime Aktionsprogramme, von denen sie ungestraft nicht um ein Iota abweichen dürfen, auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Bei ihrer Ernennung wird man besonders umsichtig vorgehen, und sie werden so platziert sein, dass sie völlig von der Regierung abhängen.“ Diese geheime Unterwanderung der Universitäten (die, wie seine Dokumente beweisen, zu Weishaupts Zeiten in Deutschland von Erfolg gekrönt war) wurde auch in unserer Generation sehr effektiv betrieben. Die beiden britischen Regierungsbeamten, die 1956 nach ihrem Flug nach Moskau der internationalen Presse vorgeführt wurden und erklärten, sie seien an ihren Universitäten zu Kommunisten geworden, waren typische Produkte dieser Methode, die zu Beginn unseres Jahrhunderts in den Protokollen und 1787 von Weishaupt beschrieben worden ist.

In den Weishaupt-Papieren wird die Freimaurerei als beste „Tarnung“ für die Agenten der Verschwörung bezeichnet, während die Protokolle als „Tarnmantel“ den Liberalismus empfehlen: „Als wir das Gift des Liberalismus in den Staat einführten, erfuhr seine ganze politische Gestalt einen Wandel. Die Staaten wurden von einer tödlichen Krankheit befallen, einer Blutvergiftung. Ihnen bleibt nichts weiter übrig, als auf das Ende ihres Todeskampfs zu warten.“

Der mehrfach auftauchende Ausdruck „utopische Träumer“ ist auf die Liberalen gemünzt und dürfte ursprünglich auf das Alte Testament zurückgehen, wo von „Träumern von Träumen“ die Rede ist, die ebenso wie die „falschen Propheten“ dem Tode zu überantworten sind. Hieraus müsste ein aufmerksamer Forscher, der sich mit den Protokollen auseinandersetzt, auch dann auf das unvermeidliche Ende des Liberalismus schließen, wenn dies nicht ausdrücklich im Text stünde: „Wir werden den Liberalismus aus den wichtigen strategischen Posten unserer Regierung ausmerzen, von denen die Schulung von Untergebenen für unsere Staatsstruktur abhängt.“

Die Regime unseres Jahrhunderts, an deren Spitze ein „großer Bruder“ steht, werden in folgender Passage treffend geschildert: „Unsere Regierung wird dem Anschein nach die patriarchalische, väterliche Vormundschaft unseres Herrschers sein.“

Auch die republikanische Staatsform ist nichts weiter als eine „Tarnung“. Die Protokolle äußern sich besonders geringschätzig über die Republik, sehen sie in ihr (sowie im Liberalismus) doch die vom „Mob“ geschmiedete Waffe zur Selbstzerstörung des Staates: „Dann geschah es, dass die Ära der Republiken möglich wurde, und dann geschah es, dass wir den Herrscher durch die Karikatur eines Regierenden ersetzten, einen Präsidenten, den wir aus dem Mob ausgewählt hatten, aus der Mitte unserer Marionetten, unserer Sklaven. Dies war die Grundlage der Mine, die wir unter die Völker gelegt haben.“

Als nächstes schildern die ungenannten Verfasser die Lage, in der sich amerikanische Präsidenten in unserem Jahrhundert befinden. Die betreffende Passage beginnt mit dem Satz: „In naher Zukunft werden wir die Verantwortung der Präsidenten festlegen.“ Gleich anschließend wird klargestellt, dass hiermit deren persönliche Verantwortung gemeint ist und nicht jene Verantwortung, die durch konstitutionelle Kontrollen eingeschränkt wird; der Präsident soll zu einer Figur von der Art der bereits früher erwähnten „diktatorischen Premierminister“ werden, deren Funktion darin besteht, die Verfassungen, welche die Staaten schützen, zu zerstören und so deren „Vereinigung unter unserer souveränen Herrschaft“ vorzubereiten.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde der jeweilige amerikanische Präsident in diesem Sinne tatsächlich zum „diktatorischen Premierminister“: Er erklärte den ‚Ausnahmezustand“, mit der Begründung, zur Erringung des Sieges sei es unabdingbar, ihm ein großes Maß an Entscheidungsbefugnissen zu gewähren, die er nach dem Ende des „Ausnahmezustandes“ wieder an das „Volk“ abtreten werde. Leser, die bereits ein gewisses Alter erreicht haben, werden sich erinnern, dass dergleichen vor seiner Verwirklichung als unvorstellbar gegolten hätte, jedoch trotzdem fügsam hingenommen wurde. – Die Fortsetzung der Passage lautet wie folgt:

„Die Abgeordnetenkammer wird Präsidenten decken, schützen und wählen, aber wir werden sie des Rechts berauben, neue Gesetze zu erlassen oder bereits bestehende abzuändern, denn dieses Recht werden wir dem verantwortlichen Präsidenten zuerkennen, einer Marionette in unserer Hand… Unabhängig davon werden wir dem Präsidenten das Recht zur Ausrufung des Kriegszustandes gewähren. Dieses höchste Recht werden wir damit begründen, dass der Präsident als Oberbefehlshaber der gesamten Streitkräfte des Landes im Bedarfsfall über diese verfügen können muss… Man begreift leicht, dass der Schlüssel zum Schrein unter diesen Umständen in unseren Händen liegt und niemand mehr außer uns selbst die Kraft der Gesetzgebung lenken wird… Der Präsident wird den Sinn der bestehenden Gesetze, die eine verschiedene Interpretation zulassen, nach unseren Wünschen auslegen; des Weiteren wird er sie abschaffen, wenn wir ihm dies nachlegen; außerdem wird er das Recht besitzen, temporäre Gesetze und sogar Abweichungen vom verfassungsmäßigen Ablauf der Regierungsgeschäfte vorzuschlagen, und zwar unter dem Vorwand, das eine wie das andere sei für das Staatswohl erforderlich. Mit solchen Maßnahmen werden wir die Macht erlangen, nach und nach, Schritt um Schritt all das zu zerstören, was wir zu Beginn, wenn wir unsere Rechte zu beanspruchen beginnen, notgedrungen in die Verfassung der Staaten einbauen, um den unmerklichen Übergang zur Abschaffung jeglicher Art von Verfassung zu ermöglichen; dann ist die Zeit gekommen, jede Form von Regierung in unseren Despotismus zu verwandeln.“

Auch diese anno 1905 oder früher getätigte Prophezeiung war, um die Formulierung Lord Syderhams aufzugreifen, von „tödlicher Präzision“. In beiden Weltkriegen haben amerikanische Präsidenten so gehandelt, wie es hier beschrieben wird. Sie usurpierten das Recht, Kriege zu erklären und zu führen; auch nach dem Zweiten Weltkrieg hat ein US-Präsident dieses Recht zumindest in einem Fall (in Korea) für sich in Anspruch genommen, und jeder Versuch seitens des Kongresses oder außenstehender Kreise, dem Präsidenten diese Macht zu nehmen oder sie zumindest einzuschränken, wird mit giftigen Attacken quittiert.

In diesem Geist fahren die Protokolle fort. Den Völkern, die „von einer Enttäuschung zur anderen taumeln“, wird dabei „keine Atempause“ gewährt. Jedes Land, „das es wagt, sich uns zu widersetzen“, ist mit Krieg zu überziehen, und auf jedes oppositionelle Staatenbündnis ist mit dem „universalen Krieg“ zu antworten. Den Völkern wird keinerlei Opposition erlaubt sein (hier liegt der Schlüssel zu den wütenden Attacken auf die 1790, 1920 und heutzutage erhobenen Forderungen nach einer Untersuchung, die als „Hexenjagd“, „McCarthyismus“ etc. diffamiert wurden und werden). Im kommenden Superstaat werden die Menschen verpflichtet sein, dissidente Angehörige zu denunzieren (wie früher erwähnt, findet sich im Alten Testament auch hierzu eine Parallele). Die „völlige Zerstörung der christlichen Religion“ wird dann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Man wird die Völker mit trivialen Vergnügungen („Volkspalästen“) ablenken, um zu verhindern, dass sie aufsässig werden und unbequeme Fragen stellen. Zur Absicherung dieses gigantischen Volksbetrugs wird man die Geschichte umschreiben (auch dies ist im kommunistischen Russland bereits Wirklichkeit), denn: „Wir werden alle Geschehnisse früherer Jahrhunderte, die uns unerwünscht sind, aus der Erinnerung der Menschen tilgen und nur solche bestehen lassen, die alle Irrtümer der nationalen Regierungen veranschaulichen… Alle Räder der Maschinerie sämtlicher Staaten werden durch die Kraft des Motors bewegt werden, der in unserer Hand ist, und dieser Motor der Staatsmaschinerie ist das Gold.“

Das Endziel sieht wie folgt aus: „Wir müssen erreichen, dass es in allen Staaten der Welt außer uns selbst lediglich die Massen des Proletariats, ein paar unseren Interessen ergebene Millionäre, Polizisten und Soldaten gibt… Die Anerkennung unseres Despoten… wird kommen, wenn die durch die Unordnung und Inkompetenz ihrer Herrscher … völlig zermürbten Völker rufen werden: ‚Weg mit ihnen, gebt uns einen König über die ganze Erde, der uns einigen und die Ursachen der Zwistigkeiten – Grenzen, Nationalitäten, Religionen, Staatsschulden – beseitigen wird, der uns Frieden und Ruhe bescheren wird, die wir unter unseren Herrschern und Volksvertretern nicht finden können.“

In zwei oder drei der zitierten Abschnitte habe ich das Wort Goyim durch Volk oder Massen ersetzt, weil der Gebrauch dieses hebräischen Ausdrucks voraussetzt, dass die Protokolle tatsächlich von jüdischen Weisen verfasst wurden – eine Behauptung, die sich, wie bereits betont. nicht beweisen lässt – und ich verschiedene Fragen nicht miteinander vermengen will; wer Näheres über die Hintermänner der Verschwörung erfahren will, darf sich nicht mit solchen Behauptungen zufrieden geben. Die Autoren der Protokolle mögen Juden, Nichtjuden oder sogar Judengegner gewesen sein; letzten Endes ist diese Frage bedeutungslos. Zum Zeitpunkt seiner Drucklegung war das Werk gewissermaßen das Drehbuch eines noch ungespielten Dramas; heute läuft dieses schon seit fünfzig Jahren, und sein Titel lautet Das Zwanzigste Jahrhundert. Die in ihm auftretenden Charaktere huschen über die zeitgenössische Bühne; sie spielen die ihnen zugewiesenen Rollen, und die Handlung des Dramas läuft bisher streng nach dem Drehbuch ab.

Wie es ausgehen wird, ist freilich noch ungewiss; es kann plangemäß oder mit einem Fiasko enden. Wir haben es mit einem ungeheuer ehrgeizigen Plan zu tun, dem meiner Ansicht nach kein Erfolg beschieden sein kann. Doch existiert er seit wenigstens 180 Jahren, vermutlich sogar schon sehr viel länger, und die Protokolle stellen ein zusätzliches Glied in einer immer länger werdenden Kette von Beweisen dar. Die Verschwörung, deren Ziel die Errichtung der Weltherrschaft mittels eines universalen Sklavenstaates ist, existiert; sie heute unter Kontrolle zu bekommen oder ihre Verbreitung zu blockieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn die Dynamik, die sie gewonnen hat, bedingt, dass sie entweder ihr Ziel erreichen oder vollkommen zerschmettert werden muss. In beiden Fällen wird sie unermessliche Zerstörungen anrichten, unter denen die Menschen jener künftigen Epoche aufs Schwerste zu leiden haben werden.

Kapitel 28

Der fatale Irrtum des Arthur Balfour

Vorbemerkung des Übersetzers: Douglas Reed wirft in diesem Kapitel die Frage auf, was Arthur Balfour dazu bewogen haben mag, sich so eifrig für die zionistische Sache einzusetzen. Eine zumindest teilweise Antwort auf diese Frage lieferte die Jerusalem Post in ihrer Ausgabe vom 12. Januar 1999, in der sie darauf hinwies, dass die nach Balfour benannte Deklaration von 1917 in Wahrheit vom damaligen Unterstaatssekretär und späteren Indien-Minister Leo Amery formuliert worden ist. Amery war ein heimlicher Jude; seine Mutter war eine zum Protestantismus konvertierte ungarische Jüdin.

Im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts mehrten sich die Anzeichen des kommenden Sturms. 1903 hatte die britische Regierung den Zionisten Uganda offeriert, und Max Nordau hatte öffentlich einen „Weltkrieg“ prophezeit, in dessen Windschatten England Palästina dem Zionismus überantworten werde. 1905 kündigten die Protokolle die zerstörerische Orgie des Kommunismus an. Ein Jahr darauf, anno 1906, traf der britische Premierminister Arthur James Balfour Herrn Dr. Chaim Weizmann in einem Hotelzimmer und ließ sich von ihm dazu hinreißen, Palästina, das nicht ihm gehörte, „den Juden“ zu versprechen.

Zu diesem Zeitpunkt zeichneten sich die Konturen des künftigen Weltkriegs immer deutlicher ab. Mit seinem Versprechen trug Arthur Balfour maßgeblich dazu bei, die Weichen für den Verlauf des 20. Jahrhunderts zu stellen. Hätte ein anderer Mann seine Position bekleidet, so hätte er die bevorstehenden Katastrophen vielleicht verhütet; vielleicht hätte er gleich gehandelt wie Balfour, denn die Mechanismen zur Erzeugung von „unwiderstehlichem Druck auf die internationalen Angelegenheiten der Gegenwart“ (so Leon Pinsker im Jahre 1882) waren mittlerweile offenbar perfektioniert worden. Rabbi Elmer Berger meint, damals habe „jene Gruppe von Juden, die sich dem Zionismus verschrieben hatten… eine abenteuerliche Politik betrieben, die sie in viele Kanzleien und Parlamente führte, wobei sie die verschlungenen und tückischen Pfade der internationalen Politik in einem Teil der Welt erkundeten, wo politische Intrigen und geheime Abkommen Gang und Gebe waren. Die Juden begannen das Spiel der ‚praktischen Politik‘ zu spielen.“

Damals begann die Ära der manipulierbaren „Regierenden“ und fügsamen „diktatorischen Premierminister“, von denen jeder sein Scherflein zur Verwirklichung des großen Plans beitrug. Aus diesem Grund ist es ohne weiteres denkbar, dass irgendein anderer Politiker an Balfours Stelle ähnlich vorgegangen wäre wie dieser; dies ändert jedoch nichts daran, dass Balfours Name mit einer der kapitalsten Missetaten der Geschichte verbunden ist und bleibt.

Dass sich ein Mann seiner Herkunft, Ausbildung und Art so verhielt wie er, lässt sich nur sehr schwer erklären. Erforscht man seine Beweggründe, so findet man kein anderes Motiv als eine für „Liberale“ nicht ungewöhnliche Vernarrtheit in ein Unterfangen, das er keinesfalls so nüchtern und realistisch geprüft hatte, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Dass ihn eiskalte realpolitische Erwägungen (d. h. das Buhlen um zionistisches Geld oder zionistische Stimmen) zu seinem Tun bewogen, lässt sich praktisch ausschließen. Er und seine Kollegen gehörten den ältesten Familien Englands an, deren Angehörige generationenlang im öffentlichen Dienst gestanden hatten. Die staatsmännische Kunst lag ihnen im Blut; sie besaßen instinktives Verständnis für Regierungsgeschäfte und Außenpolitik, vertraten die erfolgreichste herrschende Klasse der geschriebenen Geschichte und waren durchwegs sehr wohlhabend.

Wie kam es da, dass ihr Instinkt, ihre Tradition und ihre Weisheit sie in dieser einen Frage urplötzlich im Stich ließen – und dies zu einem Zeitpunkt, wo die Konservative Partei in ihrer alten Form Großbritannien zum letzten Mal regierte und ihre Familien von ehrwürdigen Häusern in Piccadilly und Mayfair sowie von ihren Landgütern aus immer noch über das Geschick der Nation wachten? Waren sie mit der Drohung kirre gemacht worden, man werde den „Mob“ auf sie loslassen, wenn sie nicht taten, was von ihnen verlangt wurde? Sie begriffen, dass Geburt und Privilegien allein nicht mehr ausreichen würden, um ihnen auf Dauer Zugang zu den höchsten Ämtern zu garantieren. Die Welt war im vergangenen Jahrhundert anders geworden, und sie wussten, dass auch künftig einschneidende Veränderungen ins Haus standen.

Britischer Tradition getreu arbeiteten sie darauf hin, die Kontinuität der Entwicklung zu sichern, Gewalt zu vermeiden und Versöhnung anzustreben. Sie waren zu weise, um sich stur gegen den Wandel zu sperren; und versuchten ihn stattdessen zu lenken. Dies mag sie dazu verleitet haben, den Abgesandten des „Fortschritts“, die energisch an ihre Pforte pochten, allzu rasch die Hand zu schütteln, ohne sich zuvor vergewissert zu haben, mit wem sie es eigentlich zu tun hatten.

Arthur Balfour (1848-1930), ihr Führer, war ein großgewachsener, zurückhaltender Akademiker und Junggeselle, leidenschaftslos und pessimistisch; er wirkte kalt und unnahbar, doch seine engsten Bekannten hielten ihn für einen gutherzigen Menschen. Dass er sich als Mann mittleren Alters unversehens für den Zionismus erwärmte, hing vielleicht damit zusammen, dass er Hagestolz war. Als Jüngling hatte er es nicht gewagt, seine Angebetete um ihre Hand zu bitten, so dass sie sich schließlich mit einem anderen verlobte; nachdem ihr Auserwählter noch vor der Heirat gestorben war, schickte sich Balfour an, das früher Versäumte nachzuholen und sie in den Ehehafen zu führen, doch dann schied sie selbst jäh vom Lichte. Hierauf beschloss Balfour, ehelos zu bleiben.

Frauen mögen ja nicht besonders dazu berufen sein, einen distinguierten Junggesellen mit gebrochenem Herzen objektiv zu beurteilen, doch viele der über Balfour gefällten Urteile stammen von Damen, von denen ich zwei der schönsten jener Zeit zitieren möchte. Consuelo Vanderbilt, Amerikanerin und spätere Herzogin von Malborough, schrieb über ihn: „ Die von ihm geäußerten Meinungen und die Grundsätze, zu denen er sich bekannte, schienen das Produkt reiner Logik zu sein… Er war mit einem so umfassenden Verständnis gesegnet, wie ich es bei keinem anderen Menschen gefunden habe.“ Lady Cynthia Asquith meinte: „Was die Behauptung betrifft, er sei unfähig gewesen, moralische Empörung zu empfinden, kann ich nur sagen, dass ich ihn oft weiß vor Zorn gesehen habe; jede persönliche Ungerechtigkeit brachte ihn in Rage.“

Gemessen an Balfours Handlungen könnte der letzte Halbsatz falscher kaum sein, und Consuelo Vanderbilts Behauptung, seine Meinungen und Grundsätze seien „das Produkt reiner Logik“ gewesen, trifft zumindest auf seinen Einsatz für die zionistische Sache nicht zu, denn an diesem war überhaupt nichts Logisches. Die Verwirklichung des zionistischen Plans hat nämlich keiner der betroffenen Parteien irgendwelchen Segen gebracht, weder Balfours eigenem Land noch den alteingestammten Bewohnern Palästinas noch der großen Masse der Juden, die (zumindest meiner Meinung nach) nicht den geringsten Wunsch verspüren, nach Palästina auszuwandern. Dass „Ungerechtigkeit“ Balfour „in Rage brachte“ (Lady Asquith sprach allerdings einschränkend von „persönlicher Ungerechtigkeit“), ist nicht minder unglaubhaft, denn immerhin hatte die Begründung des zionistischen Staates zur Folge, dass Millionen unschuldiger Menschen in die arabische Wüste vertrieben wurden und dort gewissermaßen die Rolle des levitischen „Sündenbocks“ spielen müssen.

Arthur Balfour war als Nachfolger des „lieben Onkel Robert“ (d. h. Lord Cecil Salisbury) im Jahre 1902 zum Premierminister von Großbritannien gekürt worden. Ursprünglich wird er schwerlich mit dem Gedanken geliebäugelt haben, Uganda den Zionisten anzubieten, so dass diese Offerte das Ergebnis „unwiderstehlichen Drucks“ gewesen sein muss. Zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Umständen dieser ausgeübt wurde, wissen wir nicht; schließlich haben wir keine Möglichkeit zu erfahren, was im Labyrinth der Verschwörung vor sich ging. Jedenfalls war die Mine bereits gelegt, als Balfour Premierminister wurde, auch wenn er sich, anders als wir Heutigen, der Existenz dieser Mine vermutlich bis zum Ende seiner Tage nicht bewusst war.

Im Gegensatz zu Balfour wusste Herzl, dass der Zionismus pures Dynamit war9. Nachdem er sich bei drei Potentaten – dem Zaren, dem Kaiser und dem Sultan, die ihn zwar höflich empfingen, aber nicht auf seine Forderungen eingingen – eine Abfuhr geholt hatte, erklärte er: „England, das große England, das freie England, England, das die Meere beherrscht, wird unsere Ziele verstehen.“ (Man begreift unschwer, zu welchem Zweck England für Dr. Herzl groß und frei sowie zur Herrscherin über die Meere geworden war…) Dass Großbritannien den Zionisten Uganda statt Palästina anbot, bewies nach Ansicht des talmudistischen Rabbinats in Russland jedoch, dass es die zionistischen Ziele keinesfalls verinnerlicht hatte. So wurde Chaim Weizmann als Herzls Nachfolger aufgebaut und nach England geschickt. Von diesem Zeitpunkt an ist Weizmann unser wichtigster Zeuge, der uns zahlreiche Einblicke in die verborgenen Geschehnisse jener Epoche vermittelt.

Hätte ein junger Engländer versucht, sich Zutritt zu dem abgeschirmten und streng bewachten Privaträumen eines Kabinettsministers zu verschaffen, um ihm irgendeine bescheidene Petition zu überreichen, so wäre ihm dies allenfalls unter größten Schwierigkeiten gelungen, doch der jugendliche Dr. Weizmann aus Russland, der nichts Geringeres als Palästina wollte, wurde schnurstracks in das Büro des „für afrikanische Angelegenheiten verantwortlichen“ Lord Percy komplimentiert. Dieser entstammte ebenfalls einem altehrwürdigen Adelsgeschlecht, aus dem viele hohe Staatsbeamte hervorgegangen waren. Laut Dr. Weizmann „bekundete er bodenloses Erstaunen darüber, dass die Juden den Uganda-Plan auch nur in Erwägung gezogen hatten, den er einerseits als undurchführbar und andererseits als Verleugnung der jüdischen Religion betrachtete. Da er selbst tief religiös war, war er verstört darüber, dass Juden auch nur mit dem Gedanken spielen konnten, ein anderes Land als Palästina als Stätte ihrer nationalen Wiedergeburt ins Auge zu fassen, und er war sehr erfreut, von mir zu hören, dass so viele Juden das Uganda-Projekt so nachdrücklich abgelehnt hatten. ‚Wäre ich ein Jude, so würde ich keinen roten Heller für diesen Plan geben‘, fügte er hinzu.“

Wahrscheinlich hat Weizmann Lord Percy nicht darüber aufgeklärt, dass sich die Juden in Palästina einmütig nach Uganda sehnten. Wenn Weizmanns Darstellung stimmt, dürfte man Lord Percy nahegelegt haben, Dr. Herzl loszuwerden und dessen Nachfolger Unterstützung bei der Verwirklichung seiner Palästina-Pläne zuzusichern. Weizmann verließ London, um Herzls Abhalfterung vorzubereiten. Er ging nicht mit leeren Händen.

Möglicherweise haben britische Minister in den fünfzig Jahren, die seither verstrichen sind, gelernt, dass Schreibpapier mit dem Stempel einer staatlichen Behörde an einem Ort aufbewahrt werden soll, wo nur Befugte Zugriff darauf haben. Ehe Weizmann Lord Percys Büro verließ, nahm er ein paar Bögen Papier mit dem Stempel des britischen Außenministeriums an sich, schrieb darauf einen Bericht über seine Unterredung und schickte sie nach Russland (wo Papier mit dem Stempel der Regierung unter den Romanows ebenso wenig überall herumlag wie später unter den Kommunisten). Bei seinen Empfängern muss dieses hochoffiziell anmutende Dokument so ehrfürchtige Gefühle erweckt haben wie eine heilige Ikone bei russischen Bauern. Seine Aussage schien eindeutig: Die britische Regierung brauchte Herzl nicht mehr und war bereit, den russischen Zionisten Palästina zu überantworten. Lord Percy hatte Feuer an die Lunte gelegt.

Fortan folgten die Geschehnisse so unerbittlich aufeinander wie in einer griechischen Tragödie: Der Triumph der Zionisten in Russland über Theodor Herzl, Herzls Zusammenbruch und frühzeitiger Tod, die Ablehnung der Uganda-Offerte. Als nächstes siedelte Chaim Weizmann nach England über, „dem einzigen Land, von dem zu erwarten war, dass es für eine Bewegung wie die unsere echte Sympathie empfinden würde“ und wo er „ungehindert leben und arbeiten konnte, zumindest theoretisch“ (wenn es je eine handfeste Untertreibung gab, dann diese).

Als Wohnort wählte Chaim Weizmann Manchester. Er behauptete zwar, dies sei auf einen bloßen Zufall zurückzuführen gewesen, doch war dies bloße Augenwischerei: Arthur Balfours Wahlkreis befand sich ebenso in Manchester wie das zionistische Hauptquartier Englands; Außerdem war der konservative Spitzenpolitiker in Manchester Zionist. (Noch heute ist die Konservative Partei Großbritanniens stark zionistisch unterwandert.)

Das Drama nahm weiter seinen Lauf. Balfours Amtszeit als Premierminister endete für seine Partei mit einem Fiasko: Bei den Parlamentswahlen von 1906 verlor sie in Manchester acht von neun Sitzen. Balfour selbst bekleidete eine Zeitlang kein öffentliches Amt mehr, doch dafür rückte eine andere Persönlichkeit ins Rampenlicht. Zu den siegreichen liberalen Kandidaten gehörte ein junger, aufstrebender Politiker mit sicherem politischem Riecher; sein Name war Winston Churchill. Auch er kandidierte bei den Parlamentswahlen in Manchester und biederte sich beim dortigen zionistischen Hauptquartier an, zuerst mit Attacken auf die Ausländerpolitik der Balfour-Regierung, die der Einwanderung aus Staaten wie Russland enge Grenzen setzte, und dann durch seine Unterstützung des Zionismus. Wie Churchills Biograph R. C. Taylor in seinem 1952 erschienenen Buch Winston Churchill berichtet, „stellten sich die Juden von Manchester prompt geschlossen hinter ihn, als sei er eine Neuauflage von Moses; einer ihrer Führer meldete sich bei einer rein jüdischen Versammlung zu Wort und erklärte, jeder Jude, der gegen Churchill stimme, sei ein Verräter an der gemeinsamen Sache“. Nach seiner Wahl ins Parlament wurde Churchill Unterstaatssekretär für die Kolonien. Seine öffentliche Unterstützung der Zionisten war damals nicht mehr als eine – wenn auch bedeutsame – Episode; drei Jahrzehnte später, als Balfour bereits im Grabe lag, sollte sie ebenso fatale Konsequenzen haben wie Balfours Irrtum.

Auch privat empfand Balfour starke Sympathie für den Zionismus. Den erhaltenen Unterlagen nach zu schließen, hat er nie auch nur einen einzigen Gedanken an die alteingesessenen Bewohner Palästinas verschwendet, für deren Vertreibung aus ihrer Heimat er indirekt die Verantwortung trug. Eine Fügung des Schicksals wollte es, dass das umstrittenste Thema bei den Wahlen, die seinen Sturz als Premierminister herbeiführten, die angeblich grausame Behandlung einer bestimmten Menschengruppe in einem fernen Land war (hiermit wurden nach dem von Herzl und den Protokollen vorgegebenen Rezept die Leidenschaften des „Mob“ geschürt). Die Wähler wussten nichts vom Zionismus, und als sie später von ihm erfuhren, interessierten sie sich nicht für die durch ihn bedrohten Araber, weil keine „willfährige“ Presse sie über deren Los aufklärte, doch im Jahre 1906 erregte das Problem der „chinesischen Sklaverei“ die Gemüter aufs heftigste. Damals wurden chinesische Kulis für drei Jahre zur Arbeit in den südafrikanischen Goldbergwerken verpflichtet. Jene Chinesen, die einen Kontrakt erhielten, schätzten sich glücklich, doch für die Agitatoren in Manchester war das Ganze „Sklaverei“, und dass sie dieses Thema weidlich ausschlachteten, trug entscheidend zum Wahlsieg der Liberalen Partei bei. Nach ihrem Triumph vergaßen die Liberalen die „chinesische Sklaverei“ alsbald, und als sie die Konservativen als Regierungspartei ablösten, legten sie noch größere Begeisterung für den Zionismus an den Tag als diese.

Während sich die Agitatoren vor seinem Fenster über die „chinesische Sklaverei“ die Kehlen heiser schrien, bereiteten Arthur Balfour und sein Gast, der zionistische Emissär aus Russland, für die Araber Palästinas etwas noch Schlimmeres als Sklaverei vor. Schon vor dem Beginn der Unterredungen zog der Besucher Balfour restlos in seinen Bann; die Schilderung seiner Nichte und vieljährigen Vertrauten Mrs. Dugdale legt hiervon beredtes Zeugnis ab: „Seine Interesse an diesem Thema wurde… durch die Weigerung der zionistischen Juden verstärkt, die Uganda-Offerte zu akzeptieren…. Ihr Widerstand erweckte in ihm eine Neugier, die er einfach nicht befriedigen konnte… Er hatte den Vorsitzenden seiner Partei in Manchester gebeten, die Gründe für die zionistische Haltung in Erfahrung zu bringen….Balfours Interesse an den Juden und ihrer Geschichte… wurzelte im Privatunterricht seitens seiner Mutter, die den Schwerpunkt auf das Alte Testament gelegt hatte, und seiner schottischen Erziehung. Während er erwachsen wurde, besaßen seine intellektuelle Bewunderung und Sympathie für gewisse Aspekte der Juden in der modernen Welt für ihn einen ungeheuren Stellenwert. Ich erinnere mich, wie ich in meiner Kindheit von ihm die Vorstellung übernahm, die christliche Religion und Zivilisation verdanke dem Judentum enorm viel und habe ihm dies übel vergolten.“

So also dachte Arthur Balfour, als er Dr. Chaim Weizmann 1906 im dunklen und nebligen Manchester in einem Zimmer des alten Queen Hotel empfing. Gab er der Forderung, die ihm sein Gast vorlegte, statt, so bedeutete dies, dass die Türkei in dem von Max Nordau prophezeiten „künftigen Weltkrieg“ zu den Feinden Englands zählen würde, und wenn die Türkei zu den Verlierern gehörte, stand den Briten ein endloser Konflikt mit der arabischen Welt bevor.

Doch falls das, was seine Nichte über Balfour schreibt, den Tatsachen entspricht, bedeuteten die nationalen Interessen seines Landes, moralische Prinzipien und die hohe Kunst der Staatsführung ihm in diesem Augenblick nichts mehr.

Sein „verstärktes Interesse“ und seine „unbefriedigte Neugier“ ließen ihn nicht mehr los, und er benahm sich wie ein bis über die Ohren verliebtes junges Mädchen. Gewiss, er war nicht zum Premierminister gewählt worden, um darüber zu entscheiden, was die christliche Religion und Zivilisation dem Judentum verdankte oder, falls er der Ansicht war, die Christen stünden tatsächlich bei den Juden in der Schuld, zu beschließen, dass diese auf Kosten eines Dritten einem selbsternannten Schuldeneintreiber zu entrichten sei. Falls es tatsächlich handfeste Argumente für das Vorhandensein einer solchen Schuld gab und Großbritannien an dieser Anteil hatte, war es Balfours Pflicht, sein Land davon zu überzeugen. Stattdessen entschied er selbstherrlich, eine solche Schuld liege vor, und er sei dazu berufen, sie einem Besucher aus Russland auszuzahlen, obwohl die große Mehrheit der englischen Juden ihre Existenz bestritt. Man wird lange suchen müssen, um in der Geschichte auf eine bizarrere Episode zu stoßen.

Vierzig Jahre später erinnerte sich Chaim Weizmann, dass Balfour zur Zeit ihrer ersten Begegnung „nur ganz naive und rudimentäre Vorstellungen von der Bewegung“ besaß und nicht einmal Herzls Namen richtig auszusprechen vermochte; er nannte ihn „Dr. Herz“. Nichtsdestoweniger war er Feuer und Flamme für eine Sache, von der er so gut wie nichts verstand. Er erhob zwar formale Einwände, doch anscheinend nur um des Vergnügens willen, sie entkräftet zu sehen, so wie sich ein Mädchen zum Schein gegen die Verführungskünste eines Freiers sträubt, nach dessen Umarmung es sich heimlich sehnt. Weizmann berichtet, Balfour sei sehr beeindruckt gewesen, als er ihm folgendes Argument unterbreitet habe: „Mr. Balfour, nehmen wir einmal an, ich würde Ihnen statt London Paris anbieten, würden sie das Angebot annehmen?“ „Aber Dr. Weizmann, wir haben London doch“, erwiderte sein Gastgeber. „Und wir hatten Jerusalem, als London noch ein Sumpf war“, konterte Weizmann.

Für Balfour war dies eine hinreichende Begründung für die Umsiedlung der aschkenasischen Juden aus Russland nach Palästina. Da die einzigen Juden, in deren Namen er mit mehr oder weniger großem Recht sprechen konnte, die britischen, alles getan hatten, um ihn die Unterstützung des Zionismus auszureden, brachte er einen letzten schwachen Einwand vor: „Es ist wirklich merkwürdig, Dr. Weizmann, aber die Juden, die ich getroffen habe, sind ganz anders.“ „Dann haben Sie die falschen Juden getroffen, Mr. Balfour“, versetzte Weizmann gelassen.

Fortan stellte Balfour den Anspruch der Zionisten aus Russland, die richtigen Juden zu sein, nie mehr in Frage. „Diese Unterredung mit Weizmann belehrte mich darüber, dass die jüdische Form des Patriotismus einzigartig war. Weizmanns absolute Weigerung, sie [die Uganda-Offerte] auch nur in Erwägung zu ziehen, beeindruckte mich“, meinte er später. Mrs. Dugdale kommentiert diese Worte wie folgt: „Je mehr Balfour über den Zionismus nachdachte, desto mehr wuchsen sein Respekt vor ihm und sein Glaube an seine Bedeutung. Seine Überzeugungen waren bereits vor dem Sieg über die Türkei im Weltkrieg gereift und gestalteten die ganze Zukunft des Zionismus um.“ Sie gestalteten auch gleich die ganze Zukunft des Westens und zweier Generationen seiner Söhne um. Max Nordaus drei Jahre zuvor getätigte Prophezeiung eines „künftigen Weltkriegs“ kam ihrer Verwirklichung anno 1906 bei diesem Treffen in einem Hotel in Manchester einen entscheidenden Schritt näher.

Mit dem Herannahen des Krieges nahm die Zahl der führenden Persönlichkeiten, die sich dem Zionismus mit Haut und Haaren verschrieben, rapide zu. Diese Männer waren faktisch Verschwörer, denn in der Öffentlichkeit ließen sie nie auch nur ein Sterbenswörtchen über ihre Pläne bezüglich Palästinas verlauten. Keiner, der nicht dem inneren Kreis der Intrige angehörte, wusste, was diese Leute im Schilde führten und was schon bald vor dem Hintergrund eines mörderischen Völkerringens, als weder Parlament noch Bevölkerung die Handlungen der Politiker kontrollieren konnten, Wirklichkeit werden sollte. Die strenge Geheimhaltung, die den gesamten Prozess umgab, kennzeichnet diesen als Teil einer Verschwörung, die in Russland begonnen hatte und im Jahre 1917 ihre Früchte trug.

Die nächste Begegnung zwischen Weizmann und Balfour fand am 14. Dezember 1914 statt10, also wenige Monate nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die britische Armee in Frankreich hatte fürchterliche Verluste erlitten, und Frankreich selbst schien vor einer Katastrophe zu stehen; nur die Royal Navy schützte England vor dem Schlimmsten. Es standen noch fast vier Kriegsjahre bevor, die Großbritannien und Frankreich insgesamt rund drei Millionen Menschenleben kosten sollten, und die britische Jugend bereitete sich auf ihre Entsendung auf die Schlachtfelder vor. Die großen Ziele waren angeblich die Vernichtung der „preußischen Militarismus“, die Befreiung „kleiner Nationen“ sowie der Triumph von „Freiheit und Demokratie“.

Arthur Balfour sollte schon bald wieder eine Spitzenposition einnehmen: 1916 wurde er zum Außenminister ernannt. Bei seiner Unterredung mit Dr. Weizmanns schien er in Gedanken fernab von der großen Schlacht in Frankreich zu weilen. Er leitete das Gespräch wie folgt ein: „Ich dachte an unsere Diskussion [im Jahre 1906] und glaube, wenn die Kanonen verstummen, werden Sie Ihr Jerusalem vielleicht bekommen.“

Wer damals gelebt hat, dürfte sich an die damals herrschende Atmosphäre erinnern; führt er sich Balfours eben zitierte Worte zu Gemüte, begreift er, wie radikal dessen wahre Ziele von den öffentlich proklamierten abwichen. In der Gestalt Arthur Balfours kehrte Henry Wentworth Monk wieder, doch diesmal besaß er die Macht, das Geschick ganzer Nationen zu gestalten. Ganz offensichtlich hatte der „unwiderstehliche Druck“ hinter den Kulissen mit den Jahren gehörig zugenommen und 1914 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Auch das amerikanische Volk war damals längst im Netz der Intrigen gefangen, wenn auch ohne dies zu ahnen. Die Amerikaner fürchteten sich vor einer Verwicklung in fremde Händel; sie wollten sich aus dem Krieg heraushalten und besaßen einen Präsidenten, der ihnen eben dies versprochen hatte. Dabei war ihr Kriegseintritt längst beschlossene Sache, denn der „unwiderstehliche Druck“ wurde in Washington genau so zielstrebig ausgeübt wie in London.

9. Die Nachfolger der Zaren waren übrigens derselben Ansicht. Im Jahre 1903 schrieb Lenin: „Die zionistische Idee ist völlig falsch und ihrem Wesen nach reaktionär. Die Idee einer separaten jüdischen Nation ist wissenschaftlich vollkommen unhaltbar und in ihren politischen Auswirkungen reaktionär… Die jüdische Frage lautet: Assimilation oder Absonderung? Und die Vorstellung eines jüdischen Volkes ist augenscheinlich reaktionär.“ 1913 bekräftigte Stalin dieses Urteil; das jüdische Schicksal sei Assimilation (in einer kommunistischen Welt, meinte er natürlich).

10. Wie schwierig es ist, die Fakten in dieser Angelegenheit zu eruieren, geht beispielsweise daraus hervor, dass Weizmann laut Mrs. Dugdale gesagt haben soll: „Ich sah ihn [Balfour] erst 1916 wieder“, obwohl er sich anderswo anders äußerte und Mrs. Dugdale selbst festhielt: „Am 14. Dezember 1914 hatte Dr. Weizmann eine Verabredung mit Balfour.“ Diese implizite Erwähnung eines Treffens an diesem Datum wird allem Anschein nach durch Weizmanns eigene Aussage bestätigt, wonach er nach einer Unterredung mit Lloyd George am 3. Dezember 1914 „sofort Lloyd Georges Anregung aufgriff, Herrn Balfour zu treffen.“

Kapitel 29

Der Ehrgeiz des Oberst House

Während Arthur Balfour und die verschworene Gemeinschaft, mit der er zwecks Verwirklichung seiner geheimen Pläne zusammenarbeitete, nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in England immer mehr an Einfluss gewannen, machte in den Vereinigten Staaten von Amerika eine ähnliche Gruppe von Männern mobil. Die von ihnen geschaffene politische Maschinerie triumphierte Jahrzehnte später, als in Palästina unter der Ägide Präsident Trumans tatsächlich ein zionistischer Staat gegründet wurde, auf der ganzen Linie.

Um 1900 herum hingen die Bürger der USA immer noch ihrem „amerikanischen Traum“ an, und die Vermeidung jeglicher Verstrickung in fremde Konflikte war ein zentraler Bestandteil davon. Allerdings war Amerika mit seinem Angriff auf die Spanier in Kuba bereits von der Doktrin der Nichteinmischung abgerückt; die mysteriösen Hintergründe jenes kurzen Krieges beschäftigen die Forscher weiterhin. Die amerikanische Öffentlichkeit wurde damals durch die bewährten Techniken der Propaganda in einen wilden Kriegsrausch versetzt, indem man ihr weismachte, das US-Schiff Maine sei im Hafen von Havanna durch eine spanische Mine versenkt worden. Als das Wrack viele Jahre später geborgen wurde, stellte sich heraus, dass das Schiff infolge einer inneren Explosion gesunken war, doch zu diesem Zeitpunkt hatte der „Mob“ sein Interesse an dieser Angelegenheit längst verloren.

Die Folge des spanisch-amerikanischen Krieges war, dass sich die USA auch weiterhin immer wieder in fremde Händel einmischten. Dies verlieh der Frage, wer in Washington regierte, erhöhte Wichtigkeit: schließlich entschied die amerikanische Regierung darüber, welche fremden Konflikte ihr Land etwas angingen und welche nicht. Um diese Frage schlüssig zu beantworten, muss man in der Geschichte noch weiter zurückgehen, nämlich in die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865). Ohne dass sich die kämpfenden Parteien (die Nordstaaten und die Südstaaten) dessen bewusst waren, beeinflusste der Ausgang jenes Krieges erstens die künftige ethnische Zusammensetzung der amerikanischen Bevölkerung und zweitens den Charakter der amerikanischen Regierung in entscheidendem Maße.

Vor dem Bürgerkrieg bestand die Bevölkerung der Vereinigten Staaten größtenteils aus Menschen irischer, schottischer, englischer, deutscher und skandinavischer Herkunft; aus diesem Gemisch nordeuropäischer Völkerschaften entstand ein neuer, unverwechselbarer Menschentyp, der „Amerikaner“. Als direkte Folge des Bürgerkrieges wurden die Schleusen für Einwanderer aus verschiedenen anderen Teilen der Welt immer weiter geöffnet, und die USA erwarben Millionen neuer Bürger aus Ost- und Südeuropa, darunter eine große Anzahl von Juden aus den talmudistisch beherrschten Gebieten Russlands sowie dem zu Russland gehörenden Teil Polens. In ihrer alten Heimat hatte das Rabbinat der Assimilation dieser Juden einen Riegel vorgeschoben, und daran änderte sich auch auf amerikanischem Boden kaum etwas. Unter diesen Umständen stellte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Frage, welche Rolle die jüdischen Führer in der amerikanischen Politik im Allgemeinen und der amerikanischen Außenpolitik im Besonderen spielen würden. Die spätere Entwicklung hat den Beweis dafür erbracht, dass die östliche Verschwörung in ihren beiden Formen, der kommunistischen und der zionistischen, die Vereinigten Staaten mit der jüdischen Masseneinwanderung erreichte. Um 1900 herum begannen die Juden hinter den Kulissen immer größere politische Macht an sich zu reißen, was das Schicksal der Nation in den kommenden fünf Jahrzehnten in steigendem Maß bestimmte.

Der Mann, der dieser Entwicklung Tür und Tor öffnete, hieß Edward Mandell House (obwohl er nie bei den Streitkräften gedient hatte, nannte man ihn meist „Oberst House“). In seinen Adern floss vorwiegend holländisches und englisches Blut; er stammte aus dem Süden des Landes und wuchs während der spannungsgeladenen „Periode des Wiederaufbaus“, die auf den Bürgerkrieg folgte, in Texas auf.

Edward House war eine markante Persönlichkeit. Wie andere Kenner den Geschmack einer seltenen Brandysorte genießen, genoss er es, insgeheim durch Strohmänner Macht auszuüben, und vertraute dies seinem Tagebuch offen an. Charles Seymour, der 1926 die Private Papers of Colonel House („Privaten Unterlagen von Oberst House“) herausgab, berichtet, der Oberst habe das Rampenlicht der Öffentlichkeit gescheut, und zwar „ aufgrund seines sardonischen Humors; der durch die Vorstellung angestachelt wurde, dass er, der er weder sonderlich reich war noch ein öffentliches Amt bekleidete, unsichtbar und ohne dass es jemand ahnte, allein durch die Macht seiner Persönlichkeit und seines scharfen Verstandes, den Lauf der Geschichte in eine neue Bahn lenkte“. Nur wenige Männer haben je so viel Macht ausgeübt, ohne sich vor irgendjemandem verantworten zu müssen. „Für jemanden, der keinerlei Verantwortung trägt, ist es sehr leicht, bei einer Zigarre und einem Glas Wein darüber nachzudenken, was man am besten tun soll“, konstatierte House selbst.

Seymours Formulierung, wonach House „den Lauf der Geschichte in eine neue Bahn lenkte “, ist zutreffend: House trug entscheidend dazu bei, die amerikanische Außenpolitik vor den Karren des Zionismus, der Weltrevolution und der Bestrebungen zur Schaffung einer Weltregierung zu spannen. Dass er hinter den Kulissen enorme Macht ausübte, lässt sich ohne weiteres nachweisen; nicht so leicht beantworten lässt sich hingegen die Frage, welche Motive ihn dazu bewogen, in diesem Sinne zu wirken, denn was er in seinem Tagebuch und seinem Roman Philip Dru, Administrator hierzu schreibt, ist dermaßen wirr und widersprüchlich, dass man sich daraus kaum einen Reim machen kann.

Seine ungeheuer umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen (die „Privaten Unterlagen“) vermitteln genauen Aufschluss darüber, wie House vorging, liefern aber keinen Hinweis darauf, was er letzten Endes wollte, oder ob er überhaupt wusste, was er wollte. Sein Roman strotzt vor primitiver Demagogie und enthält kaum einen ausgereiften Gedanken. Schon der großsprecherische Text auf dem Umschlag spricht Bände: „Dieses Buch ist den vielen Unglücklichen gewidmet, die zeit ihres Lebens nie eine Chance hatten, weil der Aufbau der Gesellschaft weltweit von Anfang an falsch angepackt wurde.“ Offenbar hielt Herr House, der sich selbst als religiösen Menschen betrachtete, nicht allzu viel von den schöpferischen Fähigkeiten dessen, der Himmel und Erde schuf…

Sucht man nach dem Ursprung der politischen Ideen des Oberst House (die anfangs identisch mit dem Kommunismus waren, später jedoch moderater wurden), so muss man sich mit dem einen oder anderen aufschlussreichen Indiz zufriedengeben. Sein Herausgeber hat in seinen frühen Schriften eine Notiz aufgestöbert, „die an Louis Blanc und die Revolutionäre von 1848 gemahnt“. Wie dem Leser noch erinnerlich sein dürfte, war Louis Blanc ein französischer Revolutionär, von dem es 1848 für kurze Zeit so aussah, als werde er dieselbe Rolle spielen wie später Lenin; er berief einen Kongress der Arbeiterräte ein, die den Sowjets von 1917 als Vorbild dienten.

Bei einem Texaner des späten 19. Jahrhunderts muten dergleichen Vorstellungen ebenso absonderlich an wie buddhistisches Gedankengut bei einem Eskimo. Tatsache ist jedoch, dass Edward House schon in seiner Jugend solchen Ideen anhing; offenbar hatte sie ihm jemand eingeimpft. Sein mittlerer Name, Mandell, war laut seinem Biographen Arthur D. Howden „der eines jüdischen Händlers in Houston, der zu den engsten Freunden seines Vaters gehörte; dass Vater House seinem Sohn einen jüdischen Namen gab, bezeugt seine positive Einstellung gegenüber dieser Rasse.“ In Edward Houses Roman entsagt der Held allem Luxus und bezieht ein einfaches Zimmer in der East Side von New York. Sein Zimmergefährte ist ein polnischer Jude, der nach antijüdischen Ausschreitungen in Warschau nach Amerika ausgewandert ist; den Anstoß zu den Unruhen gab die Ermordung des Sohns eines hohen Regierungsbeamten „durch einen jungen Juden, der auf unerträgliche Weise schikaniert wurde“. Houses späterer Schwager und Berater war der Jude Dr. Sidney Mezes, Mitbegründer der Leage to Enforce Peace (Liga zur Erzwingung des Friedens), einer der ersten Organisationen, die sich in unserem Jahrhundert die Schaffung einer Weltregierung zum Ziel setzten.

Dies ist so gut wie alles, was sich über die geistige Atmosphäre in Erfahrung bringen lässt, die das Denken des jungen Edward House prägte. In einer der aufschlussreichsten Passagen seiner Aufzeichnungen kommentiert dieser die Art und Weise, wie man Ideen an andere Menschen weitergibt, und bezeugt ungewollt, dass selbst er, der sich für allmächtig hielt, seine Ideen letzten Endes von anderen übernommen hatte: „Wie alle anderen Menschen, die ich zu beeinflussen versuchte, wollte ich auch den Präsidenten davon überzeugen, dass die Ideen, die ich ihm einflüsterte, seine eigenen waren… Um der Wahrheit die Ehre zu geben; Die meisten dieser Ideen stammten nicht von mir… Nichts auf der Welt ist schwieriger, als eine Idee bis zu ihrer Quelle hin zu verfolgen… Oft scheint es uns, eine Idee sei uns selbst gekommen, während wir sie in Wirklichkeit unbewusst von jemand anderem übernommen haben.“

Im Alter von achtzehn Jahren begann sich Edward House für Politik zu interessieren. Damals (man schrieb das Jahr 1876) waren in den USA Präsidentschaftswahlen, und er wurde sich gewahr, dass „zwei oder drei Männer im Senat, zwei oder drei im Repräsentantenhaus und der Präsident selbst die Regierungsgeschäfte führen. Die anderen waren bloße Galionsfiguren… Darum hatte ich nicht den Ehrgeiz, ein öffentliches Amt zu bekleiden oder als Redner aufzutreten.“ In seinem 1912 erschienenen Roman legt er einem Politiker fast dieselben Worte in den Mund: „In Washington… bemerkte ich, dass die Regierung von einigen wenigen Männern geleitet wurde; Außerhalb dieses kleinen Kreises gab es niemanden von sonderlicher Bedeutung. Es war mein Ehrgeiz gewesen, wenn möglich in diesen Kreis einzudringen, doch nun ging mein Ehrgeiz so weit, nicht nur Teil davon, sondern ER SELBST zu sein… Der Präsident ersuchte mich, die Führung seines Wahlkampfs zu übernehmen… Er wurde mit überwältigender Mehrheit nominiert und wiedergewählt… und jetzt war ich in der Tat Mitglied des magischen Kreises, und mein Wunsch, keine Rivalen mehr zu haben, war seiner Erfüllung greifbar nahe gerückt… Ich wand ein fast unsichtbares Garn um das Volk, das es festhielt…“

Solche Ziele vor Augen, begann Edward House in Texas seine politische Karriere; „Ich fing nicht unten, sondern oben an… Es ist meine Gewohnheit, nominell jemand anders an die Spitze zu setzen, so dass ich die wirkliche Arbeit verrichten konnte, ohne durch die Forderungen gestört zu werden, die man an einen Chef richtet… Bei den Wahlkämpfen waren jedem der von mir gesteuerten Führer die Aufmerksamkeit und der Beifall sowohl der Presse als auch des Volkes sicher…Schon nach wenigen Monaten sprach in der Öffentlichkeit niemand mehr von ihnen… und wenn der nächste Wahlkampf kam, akzeptierten Presse und Volk die neue Galionsfigur mit größter Bereitwilligkeit.“

Edward House verdiente sich in Texas seine Sporen, ungefähr so, wie sich ein aufstrebender Schauspieler in der Provinz seine ersten Lorbeeren verdient. Als Parteiorganisator war er dermaßen erfolgreich, dass er um die Jahrhundertwende der wirkliche Herrscher des Staates war und Tag für Tag im Büro seines (von ihm ernannten und längst vergessenen) Gouverneurs im Capitol von Texas saß, wo er die Senatoren und Kongressabgeordneten des Staates auswählte und die Gesuche der zahlreichen Beamten bearbeitete, die einen Gouverneur gewöhnlich umlagern. Nach erfolgreicher Ablegung seiner Gesellenprüfung in der Provinz machte er sich an, die Hauptstadt zu erobern. 1900 war er „der Position, die ich in Texas innehatte, überdrüssig geworden und bereit, in der nationalen Politik mitzuwirken“. Nach weiteren Vorbereitungen begann er 1910, als der Erste Weltkrieg näher rückte, „nach einem geeigneten Vertreter der Demokratischen Partei für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat zu suchen“.

Somit war der mittlerweile 50 Jahre alte House ein Präsidentenmacher. Ehe ich seine Privaten Unterlagen las, war ich von den „unheimlichen Kenntnissen“ des namhaften amerikanischen Zionisten und Rabbiners Stephen Wise mächtig beeindruckt. 1910 hatte Wise bei einer Rede in New Jersey gesagt: „Am Dienstag wird Woodrow Wilson seine Amtszeit als Gouverneur beenden; im November 1912 wird er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden, und ihm wird eine zweite Amtszeit beschieden sein.“ Diese Weitsicht stand nicht hinter derjenigen der Protokolle, eines Leon Pinsker und eines Max Nordau zurück, aber bei meinen Nachforschungen stieß ich auf die Tatsache, dass Rabbiner Wise seine Informationen von Oberst House erhalten hatte!

Offenbar war Woodrow Wilson von der Gruppe von Eingeweihten, die sich damals zusammentaten, mit Argusaugen überwacht worden, denn bis zu jenem Zeitpunkt hatten weder Oberst House noch Rabbiner Wise ihn je getroffen! Doch wie Arthur Howden in seinem 1940 erschienenen Buch Mr. House of Texas berichtet, kam House zur Überzeugung, „er habe seinen Mann gefunden, obwohl er ihm nie begegnet war“: ‚Ich gelangte zum Schluss, dass Woodrow Wilson… diesem Amt als einziger in jeder Hinsicht gewachsen war’“. Nach welchen Kriterien House darüber entschied, ob jemand einem Amt gewachsen war, enthüllte er im folgenden Absatz: „Das Schwierige daran, einen Präsidentschaftskandidaten zu finden, ist, dass der für das Amt geeignetste Mann nicht nominiert werden kann, und wenn er nominiert werden könnte, würde er nicht gewählt. Das Volk wählt selten den besten Anwärter auf diesen Posten; deshalb gilt es für den besten Mann zu arbeiten, der eine Chance besitzt, nominiert und gewählt zu werden, und unter den gegenwärtigen Umständen scheint Wilson dieser Mann zu sein.“ (Ergänzt wird diese Schilderung durch eine Passage in Houses Roman über die Methoden, die von einer mächtigen Gruppe angewendet werden, um „ihre Kreatur“ auf den Präsidentensessel zu hieven.)

Unter den Männern, die Woodrow Wilson heimlich zum Präsidenten erkoren hatten, spielte Rabbiner Stephen Wise, der wie Herzl und Nordau in Ungarn geboren war und bei dem die Fäden der zionistischen und der revolutionären Bewegung zusammenliefen, eine Schlüsselrolle. Er war der führende zionistische Organisator in Amerika und als solcher in seinem Land eine Ausnahmeerscheinung, denn die Mehrheit der amerikanischen Juden lehnte den Zionismus zu jener Zeit noch ab und misstraute den Ostjuden. Laut Wises eigenen Worten war der Zionismus in den Vereinigten Staaten auf die jüdischen Einwanderer aus Russland beschränkt, die ihn aus den talmudistischen Ghettos mitgebracht hatten; die meisten US-Juden stammten damals aus Deutschland und wollten nichts vom Zionismus wissen. Zwischen 1900 und 1910 wanderten rund eine Million Juden aus Russland ein und bildeten unter der Kontrolle ihrer zionistischen Führer schon bald einen zunehmend wichtigen Wählerblock. Hier ist das Bindeglied zwischen Oberst Haus (auf dessen zentrale Wahlstrategie wir bald zu sprechen kommen) und Rabbiner Wise zu suchen. Wise, der damals vor allem als feuriger Redner, oder besser gesagt Agitator, bei Arbeitskonflikten in Erscheinung trat, war noch keine repräsentative Figur des amerikanischen Judentums; nichtsdestoweniger war er (wie Weizmann in England) der Mann, dem die politisch Mächtigen heimlich Audienzen gewährten und ihr Ohr liehen.

Wie schlagkräftig diese geheime Gruppe war, lässt sich schon daraus ersehen, dass im Jahre 1910, als Oberst House privat entschied, der nächste Präsident solle Woodrow Wilson heißen, Wise in aller Öffentlichkeit dasselbe verkündete und Wilson gleich zwei Amtsperioden prophezeite. Für den Rabbiner kam dies einem politischen Kurswechsel gleich, denn bisher hatte er stets die Republikanische Partei unterstützt, doch nachdem Oberst House insgeheim für Wilson optiert hatte, ging Wise zu den Demokraten über. Somit flossen die wirren „revolutionären“ Gedanken des Oberst House und die kristallklaren zionistischen Ideen Wises auf der Stufe zum Weißen Haus zusammen. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten klappte wie am Schnürchen. Nach Wilsons Wahl zum Präsidenten berichtete Wise: „Wir erhielten von Oberst House, einem engen Freund des Präsidenten, warme und herzliche Unterstützung…House setzte sich nicht nur mit Feuereifer für unsere Sache ein, sondern diente auch als Verbindungsglied zwischen der Wilson-Regierung und der zionistischen Bewegung.“ Hier zeigt sich, wie präzis die hinter den Kulissen wirkenden Strippenzieher in England und Amerika ihre Aktivitäten synchronisierten.

Das Geheimnis der Kontrolle, die House über die Demokratische Partei ausübte, lag in der Strategie, die er ausgeheckt hatte, um Wahlen zu gewinnen. Die Demokratische Partei befand sich seit bald einem halben Jahrhundert ununterbrochen in der Opposition, doch der Oberst hatte eine Methode ausgetüftelt, die ihr den Sieg mit annähernd mathematischer Gewissheit garantierte. Dass sie die Präsidentschaftswahlen von 1912 und 1916 gewann, war ebenso der konsequenten Umsetzung dieses Plans zu verdanken wie ihre fünf aufeinanderfolgenden Siege in den Jahren 1932, 1936, 1940, 1944 und 1948 (die ersten vier Male unter Roosevelt, das fünfte Mal unter Truman). Mit seiner genialen Wahlstrategie, die man mit Fug und Recht als „House-Strategie“ bezeichnen könnte, hat der Oberst die Entwicklung in Amerika dauerhaft beeinflusst. Seine politischen Iden waren nie klar formuliert und änderten sich häufig, doch schmiedete er ein unerhört wirksames Instrument zur Verwirklichung der politischen Ideen anderer.

Die Essenz seiner Strategie bestand darin, die „im Ausland Geborenen“, d. h. die Immigranten, durch Appelle an ihre rassischen Instinkte und ihre Emotionen für die Demokratische Partei zu gewinnen. Der Plan war bis in alle Einzelheiten durchdacht und das Erzeugnis eines hochkarätigen Strategen, der einen untrüglichen Riecher für das Politische hatte.

Das Einzigartige und Phantastische an diesem Plan bestand darin, dass House ihn anno 1912, als Wilson hinter den Kulissen zum künftigen Präsidenten erkoren wurde, anonym publizierte. In jenem ereignisreichen Jahr brachte der Oberst innerhalb von dreißig Tagen einen Roman mit dem Titel Philip Dru: Administrator zu Papier (die Wahl des ungewöhnlichen Wortes „Administrator“ – „Verwalter“ – für einen Regierenden erinnert an jene Passage in den Protokollen, wo von „den Verwaltern, die wir wählen werden“, die Rede ist). Das beängstigend realistische Kapitel „The Making of a President“ („Wie ein Präsident gemacht wird“) lässt diesen ansonsten kaum lesbaren Roman als historisches Dokument von erstrangiger Bedeutung erscheinen.

In diesem Kapitel seines Buchs (das House auf Drängen seines unermüdlichen Mentors Dr. Sidney Mezes veröffentlichte) geht es um einen amerikanischen Senator namens Selwyn, der sich anschickt, „die absolute Herrschaft über die Nation auszuüben, doch ohne als lenkende Kraft in Erscheinung zu treten“. Hinter dem Namen Selwyn verbirgt sich House selbst; offenbar konnte er der Versuchung nicht widerstehen, dem Leser einen Hinweis auf seine Identität zu vermitteln, denn „Selwyn“ lädt den Mann, den er zum Marionettenpräsidenten auserkoren hat, ein, „in meinen Gemächern im Mandell House zu Abend zu essen“.

Zuvor hat Selwyn gemeinsam mit einem John Thor, „dem Hohepriester der Finanzen“, einen „verruchten Plan“ geschmiedet, mittels dessen „eine weitverzweigte, kompakte Organisation“ durch „arglistige Täuschung über ihre Ansichten und Absichten“ versucht, „ihre Kreatur zum Präsidenten wählen zu lassen“. Die Finanzierung dieser geheimen Liga bereitete keine Probleme: „Thors Einfluss auf die Händlerwelt Amerikas war absolut… Thor und Selwyn wählten die tausend [Millionäre], die jeweils zehntausend Dollar geben sollten… Thor hatte die Aufgabe, jedem von ihnen weiszumachen, zur Regelung einer Angelegenheit, die für das Wohl der Geschäftswelt von Bedeutung sei, würden 20.000 Dollar benötigt; er, Thor, sei bereit, die Hälfte dieser Summe beizusteuern, und er erwarte von seinem Gesprächspartner einen Beitrag in derselben Höhe… Es gab nur wenige Geschäftsleute, die sich nicht glücklich schätzten, von Thor nach New York eingeladen und von ihm aufgefordert zu werden, gemeinsam mit ihm zur Bewahrung des Wohlstandes beizutragen.“ Das Geld dieses großen „Korruptionsfonds“ wurde von Thor bei verschiedenen Banken hinterlegt und von dort aus auf die Privatbank von Selwyns Schwiegersohn transferiert, „mit dem Ergebnis, dass die Öffentlichkeit keine Chance hatte, irgendetwas über diesen Fonds oder die Art, wie er verwendet wurde, zu erfahren.“

Nachdem Selwyn die erforderliche Summe zusammengebracht hat, wählt er seine „Kreatur“, einen Mann namens Rockland (lies: Woodrow Wilson). Er lädt ihn zum Abendessen ins „Mandell House“ ein und macht ihm klar, dass seine Verantwortung als Präsident „vielschichtiger“ Art sein wird: „Ein Präsident hat zwar das verfassungsmäßige Recht, allein zu handeln, besitzt aber kein moralisches Recht, gegen die Grundsätze und Traditionen seiner Partei oder den Rat der Parteiführer zu handeln, denn das Land akzeptiert den Kandidaten, die Partei und die Parteiberater in ihrer Gesamtheit und nicht separat“. (Die Ähnlichkeit zwischen dieser Passage und den in den Protokollen auftauchenden Anspielungen auf „die Verantwortung der Präsidenten“ und die letztendliche Autorität ihrer „Berater“ ist nicht zu übersehen.) Rockland akzeptiert diese Bedingungen fügsam. Nach der Wahl „versuchte er, berauscht von der Macht und den Schmeicheleien der Speichellecker, ein- oder zweimal aus der Reihe zu tanzen und in wichtigen Fragen auf eigene Faust zu handeln, ohne Selwyn zuvor um Rat gefragt zu haben. Doch nachdem er von Selwyns Zeitungen heftig attackiert worden war… unternahm er keine weiteren Versuche mehr, eine unabhängige Politik zu betreiben. Er spürte, dass er hilflos in der Hand jenes starken Mannes zappelte, und so war es auch.” Es lohnt sich, diese Passage aus Oberst Houses 1912 (vor Wilsons Amtsantritt) veröffentlichtem Roman mit einer Stelle aus seinen Privaten Unterlagen aus dem Jahre 1926 zu vergleichen, in denen er seine Beziehungen zum Kandidaten während der Wahlkampagne schildert. Darin heißt es, House habe die Reden des Präsidentschaftskandidaten überarbeitet und ihn angewiesen, keinen anderen Rat als den seinigen zu beherzigen, worauf Wilson Indiskretionen eingeräumt und sich verpflichtet habe, “künftig nicht mehr unabhängig zu handeln“. Im Roman beschreibt Thor, wie sich Rockland bemüht, das auf ihm lastende Joch abzuschütteln: “Als er berichtete, wie Rockland versucht hatte, sich zu befreien, und wie er ihn, der nach seiner Niederlage immer noch seine Wunden leckte, in den Zwinger zurückgeführt hatte, lachten sie genüsslich.” Das betreffende Kapitel heißt übrigens “Die jubelnden Verschwörer”.

In einem anderen Kapitel schildert House, mit welchen Mitteln die Wahl der “Kreatur” bewerkstelligt wird.

Der von ihm beschriebene Plan erhöht die Führung eines Wahlkampfes fast schon in den Rang einer exakten Wissenschaft; nach diesen Grundsätzen laufen Wahlen in den USA bis zum heutigen Tag ab. House ging von der Kalkulation aus, dass rund 80% der Wähler ihre Stimme unter allen Umständen dem Kandidaten der von ihnen bevorzugten Partei geben, wobei ungefähr je die Hälfte dieser Stimmen auf die Demokraten und die Republikaner entfällt. Daraus folgt, dass alle verfügbare Energie und alle vorhandenen Ressourcen auf die “schwankenden zwanzig Prozent” konzentriert werden müssen. Anschließend werden diese zwanzig Prozent einer detaillierten Analyse unterzogen, bis sich ein kleiner Kern herauskristallisiert hat, der mit größter Konsequenz zu umwerben ist. Jede Verschwendung von Aufwand und Geld wird vermieden, und sämtliche Mittel werden darauf verwandt, jene kleine Gruppe von Wählern zu gewinnen, welche das Wahlergebnis entscheidend beeinflussen können. Dieser Plan hat so viel dazu beigetragen, den Lauf der Dinge in Amerika und der Welt „in die gewünschten Bahnen zu lenken”, dass es sich lohnt, etwas ausführlicher auf ihn einzugehen.

Zu Beginn der Wahlkampagne hakt Selwyn alle Staaten ab, in denen eine der beiden Parteien von vorneherein als Siegerin feststeht. Dies erlaubt es ihm, seine ganze Aufmerksamkeit dem verbliebenen Rest von zwölf unsicheren Staaten zu widmen, von deren Entscheid der Ausgang der Wahl abhängt. Jeden dieser zwölf Staaten untergliedert er in Einheiten von jeweils 5000 Personen und weist jeder Einheit zwei Mann zu, von denen der erste an Ort und Stelle und der zweite im nationalen Hauptquartier agiert. Laut Selwyns Kalkül werden von den je 5000 Menschen 4000 unter allen Umständen für den Kandidaten ihrer bevorzugten Partei stimmen, was bedeutet, dass alle Bemühungen auf die restlichen 1000 zu konzentrieren sind. Der Mann an Ort wird damit beauftragt, alle verfügbaren Informationen über „ihre Rasse, ihre Religion, ihren Beruf und ihre früheren Parteipräferenzen” aufzutreiben und an seinen Kollegen im Hauptquartier weiterzuleiten, dem es nun obliegt, jeden der Umworbenen „mittels Literatur, Überzeugungskünsten oder vielleicht irgendwelchen subtileren Argumenten” persönlich anzusprechen. Aufgabe der beiden einer jeden Einheit zugewiesenen Agenten ist es, gemeinsam „eine Mehrheit der 1000 Stimmen für ihren Kandidaten zu gewinnen”.

Währenddessen versandten die Manager der gegnerischen Partei “Tonnen von gedrucktem Material an ihre Hauptquartiere in den einzelnen Staaten; von dort aus wurde es an die einzelnen Organisationen weitergeleitet, wo es in eine Ecke gestellt und an Besucher verteilt wurde, die danach verlangten. Selwyns Komitee verbrauchte nur ein Viertel so viel Druckmaterial, doch dieses ging gemeinsam mit einem herzlich formulierten Brief in einem verschlossenen Umschlag an Wähler ab, die noch unschlüssig waren, wem sie ihre Stimme geben sollten. Die Gegenseite schickte unter großen Unkosten Redner von einem Ende des Landes zum anderen… Selwyn entsandte Männer zu seinen Einheiten, um jeden der tausend schwankenden Wähler persönlich anzusprechen und zur Stimmabgabe für Rockland zu ermuntern.”

Mittels dieser ungemein raffinierten Strategie obsiegte Rockland in diesem Roman – so wie Wilson die Präsidentschaftswahl des Jahres 1912 gewann. Der konzentrierte Appell an die „eintausend unschlüssigen Wähler” in jeder Einheit schürte speziell die mit “Rasse, Religion und Beruf“ verbundenen Emotionen, und bei der Auswahl der Umworbenen wurde diesen Kriterien gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. “So gewann Selwyn, und Rockland wurde zum Eckstein des Triumphbogens, den zu errichten er sich anschickte.“

Der Rest des Romans ist größtenteils bedeutungslos, doch enthält er noch die eine oder andere aufschlussreiche Passage. Sein Untertitel lautet “A Story of Tomorrow, 1920-1935” (Eine Geschichte von morgen, 1920-1935). Der Held Philip Dru, ein junger Akademiker, steht unter dem Einfluss der Ideen von Karl Marx. Nachdem die Verschwörung Selwyns und Thors aufgedeckt worden ist, findet eine Protestkundgebung statt, bei der Dru durch Akklamation zum Führer einer Massenbewegung gewählt wird. Recht interessant sind auch die Umstände, unter denen die Verschwörung ans Licht kommt. Thor hat in seinem Zimmer ein Mikrofon verborgen (einen anno 1912 noch seltenen, heute aber fast schon unentbehrlichen Gegenstand), vergisst jedoch, es rechtzeitig abzuschalten, mit dem Ergebnis, dass seine „in frohlockendem Ton geführte” Unterredung mit Selwyn nach Rocklands Wahl von seinem Sekretär abgehört wird. Dieser spielt den Text der Presse zu, die ihn (unglaublicherweise!) prompt veröffentlicht. Nun bietet Dru eine Armee auf (die, offenbar durch das Wirken irgendwelcher magischen Kräfte, plötzlich über Gewehre und Artillerie verfügt), schlägt die Streitkräfte der Regierung in einer einzigen Schlacht wuchtig aufs Haupt, marschiert auf Washington und ruft sich selbst zum “Administrator der Republik” aus. Seine erste Maßnahme (wie wenig später die erste Maßnahme Wilsons) besteht darin, “eine abgestufte Einkommenssteuer für ausnahmslos alle” einzuführen (Karl Marx hatte eine “hohe progressive oder abgestufte Einkommenssteuer” gefordert, die Protokolle eine “progressive Vermögenssteuer”).

Als nächstes greift Dru Mexiko und die zentralamerikanischen Republiken an, besiegt auch sie in einer einzigen Schlacht und vereinigt sie anschließend unter der amerikanischen Flagge, die im folgenden Kapitel auch in Kanada sowie den britischen, französischen und sonstigen Besitztümern in Westindien zum “unbestrittenen Emblem der Autorität” wird. Offenbar hat House sowohl in Selwyn als auch in Philip Dru sein eigenes Porträt gezeichnet. Selwyn ist der unerhört effiziente Parteiorganisator und der Mann, der hinter den Kulissen das Zepter schwingt; Dru der konfuse “utopische Träumer“ (der Ausdruck ist den Protokollen entlehnt), der nicht so recht weiß, was er mit der Macht anfangen soll, nachdem er sie errungen hat. Unvermeidlicherweise wusste House seinerseits nicht so recht, was er mit zwei Charakteren anfangen sollte, bei denen es sich in Wahrheit um ein und denselben Mann handelte, so dass er sich gezwungen sah, sie miteinander zu verschmelzen, indem er den Schurken im Spiel, Selwyn, zum Vertrauten und Busenfreund Drus machte. Doch nun hatte er für Dru keine Verwendung mehr. Da er ihn nicht gut von den Bären auffressen lassen konnte, setzte er ihn zusammen mit einem liebeshungrigen Mädchen namens Gloria (das sich volle fünf Kapitel lang Drus unausgegorene Pläne zur Umgestaltung der Welt anhören muss) auf ein Schiff und ließ die beiden mit unbekanntem Ziel in See stechen. Die Erzählung endet mit den Worten: „Glückliche Gloria! Glücklicher Philip!… Wohin führte ihre Reise? Würden sie zurückkehren? Dies waren Fragen, die alle stellten, die jedoch niemand beantworten konnte.“

In Wirklichkeit wird kaum jemand diesen Roman zu Ende gelesen haben, und den wenigen, die sich dies antaten, wird es herzlich egal gewesen sein, wohin es Philip und Gloria verschlug – mit einer Ausnahme. Es gab auf der Welt einen einzigen Mann, für den diese Geschichte eine so furchtbare Bedeutung besessen haben muss wie sein Porträt für Oscar Wildes Romanhelden Dorian Grey. Dieser Mann war Woodrow Wilson. In dieser Hinsicht ist Philip Drew: Administrator ein einzigartiges Werk. Wer seinen tiefen Sinn erkannt hat, stellt sich zwangsläufig zwei Fragen: Hat Wilson den Roman gelesen? Was hat Oberst House (oder seinen Hintermann) dazu bewogen, ein so exaktes Porträt dessen zu zeichnen, was eben zu jener Zeit vor sich ging, als ihre “Kreatur” zum Kandidaten gekürt und tatsächlich gewählt wurde? In diesem Licht gesehen erscheint das Buch als bissige Satire, und der Leser wird sich bewusst, dass die Männer um Oberst House genau so boshaft gewesen sein müssen, wie sie in dem Kapitel “Die jubelnden Verschwörer” dargestellt werden.

Ist es möglich, dass Wilson dieses Buch nicht gelesen hat? Irgendjemand, ob Freund oder Feind, muss es ihm während der Wahlkampagne zugespielt haben. Der Historiker kommt nicht umhin, sich zu fragen, ob der jammervolle seelische und körperliche Zustand, dem er bald darauf anheimfiel, auf die Lektüre dieses Romans zurückzuführen war, mag er ihn nun sofort oder erst nach seiner Wahl zum Präsidenten gelesen haben. Auf die Gefahr hin, der Entwicklung vorzugreifen, wollen wir hierzu die Aussagen einiger seiner Zeitgenossen zitieren. Oberst House selbst schrieb von dem Mann, den er „gewählt” hatte („Der einzige, der diesem Amt voll und ganz gewachsen ist”): “Ich hatte damals [1914] und später noch mehrmals den Eindruck, der Präsident wolle sterben; jedenfalls ließen seine Haltung und sein Geisteszustand erkennen, dass er keinen Sinn mehr im Leben sah. “ Kurz nach Wilsons Amtsantritt schrieb der britische Botschafter Sir Horace Plunkett an House: „Ich stattete dem Präsidenten einen Besuch ab und war schockiert, ihn so abgekämpft zu sehen: die Veränderung seit dem letzten Januar ist furchtbar.“ 1919 später bemerkte Sir William Wiseman, ein Emissär der britischen Regierung, gegenüber House: “Ich war schockiert von seinem Aussehen… Sein Gesicht war abgehärmt und von grauer Farbe und zuckte oft, wenn er einen kläglichen Versuch unternahm, seine restlos zerrütteten Nerven unter Kontrolle zu bekommen.“11

Es gibt anscheinend keinen sicheren Weg, einen Menschen unglücklich zu machen, als ihm ein hohes Amt zuzuschanzen, in dem er nicht mehr als eine Marionette unsichtbarer Akteure ist. Hält man sich vor Augen, unter welchen Umständen Woodrow Wilson sein Amt als Präsident ausübte (und heute ist dies bis in die Einzelheiten bekannt), so begreift man leicht, warum er wie ein Gespenst aussah. Oberst House, Rabbiner Wise und die anderen Verschwörer, die ihn auf den Präsidentensessel hievten, werden ihn wohl angeschaut haben wie ein Insektensammler einen seltenen Schmetterling, den er auf einer Nadel aufgespießt hat. Falls es zutrifft, dass Wilson bereits mit zwanzig Jahren Präsident werden wollte, so deutete damals noch nichts darauf hin, dass dieser Wunschtraum in Erfüllung gehen sollte. “Wann haben Sie zum ersten Mal daran gedacht oder davon geträumt, Präsident zu werden?” fragte Wise Wilson einmal. Da der Rabbiner weit besser als der Präsident selbst wusste, unter welchen Umständen letzterer für sein Amt ausgewählt worden war, dürfte die Frage scherzhaft gemeint gewesen sein, und Wise war offenbar verblüfft, als Wilson antwortete: „Seit dem Abschluss meiner Ausbildung am Davidson College in South Carolina gab es keinen Zeitpunkt, zu dem ich nicht damit rechnete, Präsident zu werden.“ „Selbst als Sie Lehrer an einem College für Mädchen waren”? hakte Wise ironisch nach. „Es gab nie eine Zeit, zu der ich nicht erwartete, Präsident zu werden und mich darauf vorbereitete“, wiederholte Wilson.

Zwischen Wilsons geheimer “Wahl” durch Oberst House anno 1910 und seiner offiziellen Nominierung als Präsidentschaftskandidat zwei Jahre später wurde er darauf getrimmt, öffentlich für den Zionismus Partei zu ergreifen; damals wurde das amerikanische Volk so in das zionistische Projekt verstrickt wie das britische im Jahre 1903, als seine Regierung den Zionisten Uganda offerierte. Von seinen Hintermännern instruiert, hielt Wilson während des Wahlkampfes eine Rede zum Thema „Die Rechte der Juden“, in der er ausführte: „Ich bin nicht hier, um unsere Sympathie mit den jüdischen Mitbürgern zu bekunden, sondern um klarzustellen, dass wir uns mit ihnen identifizieren. Diese Sache ist nicht die ihre, sondern diejenige Amerikas.“

Mit diesen Worten hatte sich Wilson für den Fall seiner Wahl eindeutig auf einen bestimmten Außenpolitischen Kurs festgelegt. Es bestand nicht die geringste Notwendigkeit, „klarzustellen“, dass sich Amerikaner mit Amerikanern identifizierten, denn die amerikanischen Juden waren in jeder Hinsicht frei und gleichberechtigt; die Formulierung ergab nur dann einen Sinn, wenn sie sich weigerten, sich selbst mit Amerika zu identifizieren, und Wilsons Wortwahl unterstellte genau das. Er hielt unmissverständlich fest, dass die Juden eine eigene, separate Identität besaßen und dass die USA unter seiner Präsidentschaft ihre Absonderung unterstützen würden.

Für die Eingeweihten kamen Wilsons Worte einer Unterstützungsgarantie für die zionistische Sache gleich. Des Weiteren waren sie eine indirekte Anspielung auf Russland und eine Drohung diesem gegenüber, denn Wilson ließ durchblicken, dass er die Juden Russlands (die damals als einzige unter zionistischer Führung organisiert waren) als Vertreter aller Juden anerkannte. Hiermit spielte er in der amerikanischen Version des Dramas dieselbe Rolle wie Balfour in der englischen.

Zur damaligen Zeit war Russland die Zielscheibe der zionistischen Hetze. Rund drei Jahrzehnte waren seit dem Mord an Zar Alexander II. verstrichen, der durch seinen Versuch zur Einführung einer parlamentarischen Verfassung den Zorn der Revolutionäre erregt hatte. (Dr. Kastein meint, die jüdische Beteiligung an dem Mordkomplott sei „natürlich“ gewesen.) Sein Nachfolger Alexander III. sah sich gezwungen, einen großen Teil seiner Kräfte für die Bekämpfung der Revolutionäre einzusetzen. Während Wilsons Präsidentschaft setzte Zar Nikolaus II. den Versuch des Bauernbefreiers Alexander II. zur Befriedung und Einigung des Landes fort, indem er dem Volk immer größere Freiheiten gewährte, was bei den talmudistischen Zionisten ebenfalls auf erbitterten Widerstand stieß.

Ungefähr zur selben Zeit, als Wilson das Zarenreich indirekt wegen seiner „Intoleranz“ kritisierte, wurde in Russland ein Mordkomplott geschmiedet, um das Reformwerk Nikolaus‘ II. zu sabotieren. Während der Revolution von 1906 hatte dieser Russland per Dekret zur konstitutionellen Monarchie erklärt, und im Jahr darauf führte er das allgemeine Stimmrecht ein. Die Revolutionäre fürchteten solche Reformen mehr als alle Kosakenregimenter des Zaren und sorgten dafür, dass bei der ersten Tagung der Volksversammlung Tumulte ausbrachen, so dass sie aufgelöst werden musste. Nun wählte der Zar einen aufgeklärten Staatsmann, den Grafen Stolypin, zu seinem Premierminister. Per Dekret verabschiedete letzterer eine Landreform, der sich Neuwahlen anschlossen, mit dem Ergebnis, dass er in diesem zweiten Parlament mit stürmischem Applaus bedacht wurde und die Revolutionäre eine schwere Niederlage erlitten. Dass rund drei Millionen zuvor landlose Bauern durch Stolypins Reform zu Eigentümern von Grund und Boden geworden waren, trug entscheidend zu diesem Resultat bei.

Russlands Zukunft sah nun heller aus denn je zuvor. Stolypin galt als Nationalheld: er schrieb: „Unser Hauptziel ist es, die Landbevölkerung zu stärken. Die gesamte Kraft des Landes beruht auf dieser…Gebt dem Land zehn Jahre inneren Friedens, und ihr werdet Russland nicht wiedererkennen.“

Wäre Stolypins Wunsch in Erfüllung gegangen, und wären seinem Land zehn Friedensjahre beschieden gewesen, so hätte dies den Lauf der Geschichte in positivem Sinne verändert. Doch nun schlug die Verschwörung zu, und es fielen Schüsse, welche die Welt erschütterten. 1911 begab sich Graf Stolypin nach Kiew, um ein Denkmal für den Bauernbefreier Alexander II. zu enthüllen. Während einer Theatervorführung wurde er von einem jüdischen Revolutionär namens Bagroff erschossen. (Sechs Jahre später starb auch Stolypins Tochter durch Mörderhand: Als ein jüdischer Kommissar sie unter einer Gruppe von Flüchtlingen entdeckte, schoss er sie kurzerhand nieder.)

Die tödlichen Schüsse auf Graf Stolypin waren im September 1911 gefallen. Im Dezember desselben Jahres hielt Woodrow Wilson in Amerika seine bereits erwähnte Rede, in der er sich mit der jüdischen “Sache” identifizierte. Einen Monat zuvor, im November, war er Oberst House, der ihn im Vorjahr „gewählt” und bereits alle seine politischen Freunde und Gefolgsleute zugunsten Wilsons mobilisiert hatte, zum ersten Male begegnet. In einem Schreiben an seinen Schwager hielt House fest: “Nie zuvor habe ich sowohl den richtigen Mann als auch die passende Gelegenheit gefunden.”

Vor der Wahl erstellte House nach dem Muster seines Romanhelden Philip Du eine Liste von Kabinettsministern, wobei ihm ein gewisser Herr Bernard Baruch mit weisem Rat zur Seite stand. Dieser Baruch war womöglich die wichtigste Figur in der amerikanischen Politik der folgenden fünf Jahrzehnte: Er wurde als „Berater“ mehrerer Präsidenten bekannt; noch 1950 „beriet“ er Eisenhower und Churchill. 1912 kannte ihn die Öffentlichkeit erst als höchst erfolgreichen Financier. Sein Biograph berichtet, er habe Wilson eine Wahlkampfspende in Höhe von 50.000 Dollar zukommen lassen.

Während des Wahlkampfs bekam Wilson zu spüren, dass seine Unterstützer von ihm bestimmte Gegenleistungen erwarteten. Nachdem er sich einige Indiskretionen hatte zuschulden kommen lassen, musste er Oberst House versprechen, „künftig nicht mehr unabhängig zu handeln“ (Philip Dru ließ grüßen…). Gleich nach seiner Wahl empfing er Rabbiner Stephen Wise zu einer langen Unterredung, bei der die beiden Männer laut Wise „russische Angelegenheiten mit speziellem Hinweis auf die Behandlung der Juden“ erörterten. Gleichzeitig aß Oberst House mit einem Herrn Louis D. Brandeis zu Abend, einem prominenten Juristen jüdischer Abstammung. „Wir beide sind uns bezüglich der meisten Fragen, die jetzt auf der Tagesordnung stehen, einig“, hielt House fest.

Somit waren drei der vier engsten Berater Wilsons Juden. Alle drei haben zum einen oder anderen Zeitpunkt eine maßgebliche Rolle bei der Propagierung des Zionismus und seines Palästina-Projektes gespielt und hierdurch dazu beigetragen, dass sich die Juden wieder von ihrer Umwelt absonderten. Zusammen mit Wise war Brandeis damals der führende Zionist Amerikas, so dass es angebracht scheint, ein wenig bei seiner Person zu verweilen.

Brandeis stach durch sein Äußeres sowie durch seinen Intellekt hervor, doch wäre es ausgesprochen schwierig gewesen, zu definieren, was an ihm eigentlich „jüdisch“ war. Er praktizierte die mosaische Religion nicht, weder in ihrer orthodoxen noch in ihrer reformierten Version, und schrieb einmal: „Während des größten Teils meines Lebens hatte ich nur wenig Kontakt mit Juden und dem Judentum und ich schenkte ihren Problemen keine große Aufmerksamkeit.“ Seine Konversion war irrationaler, romantischer Art, ähnlich wie bei Balfour: Eines Tages im Jahre 1897 las er beim Frühstück einen Artikel über Theodor Herzls Rede am ersten Zionistenkongress und sagte zu seiner Frau: „Es gibt eine Sache, für die ich mein Leben hingeben würde.“

Somit wurde aus einem voll assimilierten amerikanischen Juden im Handumdrehen ein strammer Zionist. Mit dem Eifer, der den Konvertiten kennzeichnet, ritt er heftige Attacken gegen die „Assimilation“: „Die Assimilation lässt sich nicht verhüten, wenn im Vaterland kein Zentrum errichtet wird, von dem aus der jüdische Geist strahlen kann.“ Die russischen Zionisten trauten diesem Mann, der eben noch das Musterbeispiel eines Assimilierten gewesen war und nun gegen die Assimilierung vom Leder zog, freilich nicht über den Weg. Sie konnten sein ständiges Gerede vom „Amerikanismus“ nicht ausstehen. Wenn er beispielsweise sagte, seine Hinwendung zum Zionismus sei „über den Amerikanismus“ erfolgt, tönte dies in den Ohren der Talmudisten so, wie wenn jemand behauptet hätte, man könne „über den Russismus“ (den sie zu zerstören trachteten) zum Zionisten werden. In der Tat zeugte es von schreiender Unlogik, einerseits die strengste Form der Rassentrennung zu befürworten und andererseits das hohe Lied des Amerikanismus mit seiner Ideologie des Schmelztiegels zu singen, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Brandeis trotz seiner intellektuellen Brillanz das Wesen des Zionismus nie so richtig verstanden hat. Er wurde gewissermaßen zum Theodor Herzl Amerikas (so wie Rabbiner Wise in gewisser Hinsicht zum Chaim Weizmann Amerikas wurde), und als er die ihm zugedachte Rolle fertiggespielt hatte, wurde er rüde abserviert. Doch zum entscheidenden Zeitpunkt, im Jahre 1917, spielte er eine Schlüsselrolle.

Dies also war die Gruppe, die den Präsidenten der amerikanischen Republik in ihrem eisernen Griff hielt und ihn zwang, einen Kurs einzuschlagen, der das Land um einer ganz bestimmten Sache willen in den Ersten Weltkrieg führen sollte. Nach seiner Wahl kümmerte sich Oberst House um seine Korrespondenz, bestimmte darüber, wen er zu Audienzen empfing und wen nicht, wies seine Minister an, was sie zu sagen und worüber sie zu schweigen hatten etc. Er wollte Macht und errang sie auch, doch wozu er sie nutzen wollte, wurde niemals klar. Somit blieb sein Ehrgeiz ziellos, und im Nachhinein erinnert er an Savrola, einen Romanhelden Winston Churchills, von dem sein Erfinder sagte: „Ehrgeiz war seine treibende Kraft, und Savrola war unfähig, ihr zu widerstehen.“ Am Ende seines Lebens empfand der vereinsamte und vergessene Edward House heftige Abneigung gegen seine Romanfigur Philip Dru.

Doch von 1911 bis 1913 genoss er das Leben in vollen Zügen. Er liebte das Gefühl der Macht um seiner selbst willen und war dennoch zu liebenswürdig, um dem Rockland im Weißen Haus weh zu tun:

„Wie bei allen anderen Menschen, die ich zu beeinflussen suchte, versuchte ich auch beim Präsidenten regelmäßig das Gefühl zu erwecken, dass die Ideen, die er von mir hatte, seine eigenen waren. Es lag in der Natur der Dinge, dass ich über mehr Dinge mehr nachgedacht habe als der Präsident und die Gelegenheit besaß, sie ausführlicher zu erörtern als er. Doch niemand gesteht sich gerne ein, dass seine Schlussfolgerungen von anderen gesteuert werden. In dieser Hinsicht sind wir alle ein wenig eitel. Auf mich trifft dies zufälligerweise nicht zu. Mir ist es gleichgültig, wer Anerkennung für eine Idee erntet, die von mir stammt. Das Wichtigste ist, dieser Idee Akzeptanz zu verschaffen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Meist war die Idee ursprünglich nicht die meine…“ (zitiert nach Arthur Howden, Mr. House of Texas).

Somit hat irgendjemand Oberst House eingeredet, dass eine Gruppe von Menschen aus den talmudistischen Zonen Russlands Anspruch auf Palästina besaß, und House redete Woodrow Wilson seinerseits dasselbe ein. Die offenkundigen Folgen dieser Idee waren die Schaffung eines permanenten Krisenherdes im Nahen Osten sowie die abermalige Absonderung der Juden vom Rest der Menschheit. Unverzichtbare Bestandteile dieses Plans waren die Zerstörung Russlands und die Verbreitung der Weltrevolution.

Während jenes Zeitraums, genauer gesagt im Jahre 1913, trug sich ein Ereignis zu, das damals recht unwichtig anmutete, hier jedoch wegen seiner späteren weitreichenden Folgen erwähnt werden muss. Seit siebzig Jahren existierte in Amerika eine Organisation, die sich B’nai B’rith (hebräisch für „Söhne des Bundes“) nannte. Sie war 1843 als exklusiv jüdische Freimaurerloge aus der Taufe gehoben worden, die anfangs auf die Vereinigten Staaten beschränkt war, jedoch mit der Zeit Filialen in vielen Ländern gründete und heutzutage den Anspruch erhebt, die Juden der ganzen Welt zu vertreten, so dass sie ein Teil des von Dr. Kastein als „jüdische Internationale“ bezeichneten Netzwerks sein dürfte. 1913 wurde ein kleiner Ableger der B’nai B’rith geschaffen, der sich „Anti-Defamation-League“ nannte; er sollte nach und nach immer mächtiger und einflussreicher werden und sich schließlich zu einer Art Staat im Staate mit einer eigenen Geheimpolizei entwickeln. Von dieser Organisation wird im Folgenden noch öfters die Rede sein.

Mit der Wahl Woodrow Wilsons zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, hinter dem eine unsichtbare Gruppe von Strippenziehern stand, waren die Voraussetzungen für den künftigen Kriegseintritt des Landes geschaffen. Bei der Verwirklichung des großen internationalen Plans durch jenen Krieg kam den USA allerdings lediglich die Funktion einer Hilfskraft zu. In der ersten Phase sollte England die Hauptrolle spielen, und das alles überragende Ziel, die Gewinnung der Kontrolle über die britische Regierung, war zu Kriegsbeginn noch keineswegs verwirklicht.

Somit verlagert sich der Hauptschauplatz des Dramas wieder über den Atlantik nach England, wo Arthur Balfour seine Rückkehr auf die politische Bühne vorbereitete. Die führenden Persönlichkeiten des Landes waren damals keinesfalls bereit, sich vor den Karren der Verschwörer spannen zu lassen; ihr Ziel war es, den Krieg dort auszufechten und so rasch wie möglich zu gewinnen, wo er begonnen hatte, nämlich in Europa. Damit sich die Dinge so entwickelten, wie es Max Nordau 1903 prophezeit hatte, mussten diese Männer entweder zur Räson gebracht oder ausgeschaltet werden.

Von 1914 bis 1916 tobte hinter den Kulissen ein erbitterter Kampf, bei dem es darum ging, jene englischen Führer, denen es an Begeisterung für die zionistische Sache mangelte, von den Schalthebeln der Macht zu verdrängen und durch Kreaturen vom Schlage eines Woodrow Wilson zu ersetzen, die fügsam nach der Pfeife der Verschwörer tanzten.

11. Frappante Parallelen hierzu finden sich in zeitgenössischen Schilderungen Franklin D. Roosevelts, von dem House ebenfalls behauptete, er habe ihn als „Galionsfigur“ ausgewählt. In Roosevelt and Hopkins (1948) hält Robert E. Sherwood nachdrücklich fest, “das Gespenst Wilsons” habe Roosevelt ständig verfolgt. Als Roosevelt zwei Jahre Präsident war, schrieb sein Parteimanager James Farley: “Der Präsident sah schlecht aus… sein Gesicht war abgehärmt und seine Reaktion langsam.” 1943 bekannte Madame Chiang Kai-Shek, sie sei vom Anblick des Präsidenten “schockiert” gewesen. 1944 berichtete Merriman Smith: “Er wirkte älter, als ich ihn je gesehen hatte, und hielt eine inhaltslose Rede.“ John T. Flynn meinte, die Bilder des Präsidenten hätten die Nation “schockiert“. Nachdem Frances Perkins, eine Angehörige seines Kabinetts, 1945 sein Büro verlassen hatte, entfuhren ihr die Worte: “Ich kann es nicht ertragen, der Präsident sieht entsetzlich aus.“

Kapitel 30

Die entscheidende Schlacht

Der Krieg von 1914-1918 war der erste Konflikt, der nicht zwischen Armeen, sondern zwischen Nationen ausgefochten wurde. Die Kräfte, die ihn dirigierten, übten in den meisten europäischen sowie in etlichen außereuropäischen Staaten geradezu überwältigenden Einfluss aus. Dies war ein weltgeschichtlich neuartiges Phänomen; die Verschwörer, die hinter dem Kommunismus und dem Zionismus standen, hatten es freilich vorausgesehen. In den erstmals 1905 niedergeschriebenen Protokollen der Weisen von Zion hieß es, der Widerstand gegen die in dieser Schrift dargelegten Pläne werde durch einen „Weltkrieg“ gebrochen werden, und Max Nordau hatte anno 1903 festgehalten, die zionistischen Ambitionen in Palästina würden „durch den kommenden Weltkrieg“ verwirklicht.

Wenn diese Prophezeiungen in Erfüllung gehen und somit ein Beweis für das „unheimliche Wissen“ der Propheten erbracht werden sollte, musste die Verschwörung die Regierungen jener Staaten unter ihre Kontrolle bekommen, deren Mitwirkung zur Verwirklichung des Plans unabdingbar war; die Politik der betreffenden Länder, und somit auch ihre militärischen Operationen, mussten nicht den nationalen Zielen ihrer Völker, sondern den Zielen der Verschwörer untergeordnet werden. Der Präsident der Vereinigten Staaten war, wie wir im vorausgehenden Kapitel nachgewiesen haben, bereits seit 1912 eine Geisel seiner „geheimen Berater“, und was Oberst House in seinem unter einem Pseudonym erschienenen Roman sowie in seinen Privaten Dokumenten über ihn schreibt, passt haargenau auf folgende Passage aus den Protokollen: „Wir haben den Herrscher durch die Karikatur eines Präsidenten ersetzt, die wir aus dem Mob ausgewählt haben, aus den Reihen unserer Marionetten, unserer Sklaven.“

In den frühen Phasen der Verwirklichung des „großen Plans“ wurde Präsident Woodrow Wilson allerdings kein besonderes Engagement abverlangt; seine Stunde schlug erst später. Anfangs bestand die Hauptaufgabe der Verschwörer darin, die Kontrolle über die britische Regierung zu gewinnen. Der Kampf um die Verwirklichung dieses Ziels dauerte zwei Jahre und endete mit dem Sieg der Ränkeschmiede, von deren Aktivitäten die Öffentlichkeit nicht das Geringste ahnte. Dieses in den Labyrinthen der internationalen Politik ausgetragene Scharmützel war insofern die entscheidende Schlacht des Ersten Weltkriegs, als es die weitreichendsten und dauerhaftesten Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts hatte; sein Ausgang dominierte den Gang der Geschehnisse in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs und erscheint heute, im Jahre 1956, als wahrscheinlichste Ursache eines allfälligen dritten Weltkriegs. Keine der zahllosen Schlachten und Gefechte des Ersten Weltkriegs hat den Verlauf der Geschichte so maßgeblich beeinflusst wie die Verschwörung, die den Intriganten anno 1916 die Kontrolle über die britische Regierung bescherte.

Von all dem hatten die betrogenen Massen keine Ahnung. Während des ganzen Krieges wähnten die Briten, ihr einziger Feind sei ein kriegslüsterner teutonischer Potentat, und die Amerikaner gaben sich der Illusion hin, verantwortlich für das Blutvergießen sei die unverbesserliche Streitsucht der europäischen Völker.

Während US-Präsident Wilson schon vor Kriegsbeginn wenig mehr als ein Hampelmann seiner „Berater“ war, traf dies auf die britische Regierung des Jahres 1914 keineswegs zu. In den politischen und militärischen Schlüsselpositionen saßen Männer, die sich bei ihren Entscheidungen ausschließlich von der Frage leiten ließen, ob diese den Interessen Englands dienten und es dem Sieg näherbrachten. Auf die Wünsche der Zionisten nahmen diese Männer keinerlei Rücksicht. Die Geschichte der ersten beiden Kriegsjahre ist nicht zuletzt die Geschichte von Kämpfen, die sich hinter den Kulissen abspielten und bei denen es darum ging, die den Zionisten missliebigen Politiker von der Macht zu verdrängen und durch Strohmänner zu ersetzen.

Wenn man von Balfours schicksalhaftem Schritt im Jahre 1903 absieht, war die Verschwörung vor 1914 erst bis in die Vorhallen der Macht vorgedrungen. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ließ sich eine wachsende Zahl von Spitzenpolitikern vor den Karren der Zionisten spannen. Heutzutage steht jedem die Möglichkeit offen, sich darüber zu informieren, von was für „praktischen Erwägungen“ (Beifall oder Ablehnung seitens der Öffentlichkeit, Wählerstimmen, finanzielle Unterstützung, Aussicht auf Ämter und Würden) sich Politiker leiten lassen, weil es zu dieser Frage zahlreiche fundierte Publikationen gibt. Zum damaligen Zeitpunkt musste ein Politiker in England außergewöhnlich scharfsinnig oder weitsichtig sein, um zu erkennen, dass die Zionisten darüber entschieden, wer in der Politik Karriere machte und wer nicht.

Die Engländer pflegten ihre Handlungen stets mit hehren moralischen Prinzipien zu begründen und glaubten womöglich selbst daran, dass sie sich von solchen leiten ließen; dies veranlasste Macauly zu seiner bissigen Bemerkung: „Wir kennen kein lächerlicheres Schauspiel als dasjenige, das die britische Öffentlichkeit in einem ihrer periodischen Anfälle von Moral darbietet.“ Möglicherweise war ein Teil jener Männer, die sich von den Ränkeschmieden umgarnen ließen, ehrlich davon überzeugt, sich für eine gerechte Sache einzusetzen. Nach welchem Mechanismus diese Selbsttäuschung verlief, zeigt das von mir entdeckte Zitat eines britischen Politikers, aus dem klar hervorgeht, dass sich eine Gruppe hochgestellter Persönlichkeiten „in einem periodischen Anfall von Moral“ (um Macauly zu paraphrasieren) dem Zionismus verschrieben hatte.

Der betreffende Politiker hieß Oliver Locker-Lampson und saß zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Abgeordneter der Konservativen Partei im Unterhaus. Er war ein politisches Leichtgewicht und fiel innerhalb und außerhalb des Parlaments allenfalls durch seine fanatische Unterstützung für den Zionismus auf; nichtsdestoweniger war er ein persönlicher Freund sämtlicher Spitzenpolitiker, die das Schicksal des britischen Volkes mit demjenigen des Zionismus verketteten. 1952 schrieb Locker-Lampson in einer Londoner Wochenzeitschrift: „Winston, Lloyd George, Balfour und ich wurden als engagierte Protestanten erzogen, die glaubten, es werde ein neuer Heiland kommen, sobald Palästina den Juden zurückerstattet werde.“ Es ist dies die Vorstellung vom „tausendjährigen Reich“, die bereits unter Cromwells Anhängern grassierte. Lloyd George und Balfour weilen nicht mehr unter den Lebenden und können Locker-Lampsons Behauptung weder bestätigen noch dementieren. Dies könnte nur Winston Churchill.

Ob Protestanten, seien sie nun „engagiert“ oder nicht, tatsächlich glauben, die Gründung eines jüdischen Staatswesens in Palästina werde der Welt einen neuen Heiland bescheren, sei dahingestellt, doch niemand wird ernsthaft behaupten, dieser Glaube bilde eine solide Grundlage für die Politik oder die militärischen Operationen eines kriegführenden Staates. Solchen Gedanken liegt dieselbe blasphemische Zwangsvorstellung zugrunde, an der schon der „Prophet“ Monk und andere Gestalten seines Schlages litten – die Vorstellung, Gott habe seine Pflicht vergessen, so dass Menschen diese an seiner Statt erfüllen müssten. Tatsache ist und bleibt freilich, dass es eine Gruppe von Personen gab, die sich diesem vermessenen Ziel verschrieben hatten. In Anlehnung an Locker-Lampson nennen wir sie künftig „engagierte Protestanten“.

Vom Tag des Kriegsausbruchs an arbeiteten diese „engagierten Protestanten“ zielstrebig auf die Machtergreifung hin, damit sie Truppen aus Europa abziehen und in den Nahen Osten entsenden konnten, um Palästina für die Zionisten zu erobern. Dr. Weizmann, der seit seinem Treffen mit Balfour in Manchester im Jahre 1906 keinesfalls die Hände in den Schoss gelegt hatte, begriff sofort, dass die veränderten Umstände ihm neue Chancen boten. „Nun ist die Zeit gekommen… die politischen Erwägungen werden für uns vorteilhaft sein“, schrieb er im Oktober 1914. Weizmann setzte sich mit C. P. Scott in Verbindung, dem Herausgeber des Manchester Guardian, der bereits damals durch seinen unermüdlichen Einsatz für fremde Anliegen hervorstach. Scott wusste sich vor Begeisterung kaum zu fassen, als er erfuhr, dass sein Besucher ein Jude war, „der Russland hasst“ (als Verbündeter Großbritanniens bewahrte Russland die britischen und französischen Armeen damals vor dem Schlimmsten, indem es Deutschland von Osten her angriff), und nahm Weizmann sogleich zu einem Frühstück mit, an dem auch der damalige Schatzmeister Lloyd George teilnahm. Lloyd George (der sich Weizmann zufolge „außergewöhnlich salopp“ über den Krieg in Europa äußerte) fand „warme und ermutigende“ Worte für den Zionismus und schlug ein gemeinsames Treffen mit Balfour vor.

Die Begegnung fand am 14. Dezember 1914 statt. Balfour, der sich sehr genau an seine Unterredung mit Weizmann im Jahre 1906 erinnerte, fragte diesen „recht nonchalant“, ob er ihm konkret helfen könne, und erhielt folgende Antwort: „Nicht, solange die Kanonen donnern: wenn die militärische Lage klarer wird, werde ich wiederkehren“ (zitiert nach Blanche Dugdales 1948 erschienenem Buch Life of A. J. Balfour ; Frau Dugdales Darstellung wird im Kern von Weizmann selbst bestätigt, der schreibt: „Ich setzte die Diskussion nicht fort; die Zeit und der Ort waren hierfür nicht günstig.“ Bei dieser Begegnung tat Balfour den bereits früher zitierten Ausspruch: „Wenn die Kanonen verstummen, könnt ihr euer Jerusalem bekommen.“)

Dass Weizmann Balfours „nonchalantes“ Angebot nicht begierig annahm, hatte einen guten Grund. Das zionistische Hauptquartier befand sich damals nämlich in Berlin (!), und Weizmanns Kollegen waren überzeugt, dass Deutschland den Krieg gewinnen würde. Bevor sie irgendwelche Karten ausspielen konnten, wollten sie abwarten, ob sich diese Überzeugung bewahrheitete. Als sie sich später dafür entschieden, die Pferde zu wechseln, donnerten die Kanonen freilich immer noch; das Gemetzel in Europa hinderte Dr. Weizmann also keineswegs daran, „die Diskussion fortzusetzen“.

Bezeichnenderweise deutet manches darauf hin, dass einige Teilnehmer an diesen der Öffentlichkeit unbekannten Gesprächen ihre Spuren verwischt haben, denn zum damaligen Zeitpunkt hätte das Schicksal Großbritanniens ihre einzige Sorge sein müssen. Ich habe bereits früher darauf hingewiesen, dass das Datum von Balfours zweitem Treffen mit Weizmann umstritten ist. Ähnlich verhält es sich mit Lloyd George: Dieser behauptete zwar, er sei Weizmann erstmals 1917 (als er Premierminister war) „rein zufällig“ begegnet, doch Weizmann selbst berichtigte diesen „Irrtum“: „Lloyd George hatte sich schon lange vor seiner Ernennung zum Premierminister für eine jüdische Heimstatt eingesetzt, und in den dazwischenliegenden Jahren haben wir uns mehrmals getroffen.“

Der zweiten Begegnung zwischen Balfour und Weizmann schloss sich eine dritte an, „ein ungeheuer wichtiges Gespräch, das mehrere Stunden dauerte“ und „außerordentlich erfolgreich“ verlief. Weizmann machte auch diesmal kein Hehl aus seinen Hass auf Englands arg bedrängten Bündnispartner Russland. Balfour bekundete mildes Erstaunen darüber, dass „ein Freund Englands so antirussisch sein konnte, obgleich Russland so viel tat, um England beim Sieg in diesem Krieg zu helfen“, aber wie schon bei der ersten Unterredung in Manchester, als er auf die antizionistische Stimmung unter den britischen Juden hingewiesen hatte, scheint er auch diesmal keine ernsthaften Einwände erhoben zu haben, sondern fand im Gegenteil anerkennende Worte für die Bestrebungen seines Gastes: „Sie wirken für eine große Sache; Sie müssen immer und immer wiederkommen.“

Wie Balfour wies auch Lloyd George den Zionistenführer warnend darauf hin, dass „gewisse jüdische Kreise“ zweifellos starken Widerstand gegen das Palästina-Projekt erheben würden, worauf Weizmann abermals erwiderte, die „reichen und mächtigen Juden“ seien in der Tat mehrheitlich Antizionisten. Merkwürdigerweise scheinen die „engagierten Protestanten“ (bei denen es sich größtenteils um „reiche und mächtige Männer“ handelte) diesem Argument auf den Leim gegangen zu sein, legten sie gegenüber ihren Landsleuten, den britischen Juden, doch schon bald nicht minder große Feindseligkeit an den Tag als ihr Besucher, Herr Dr. Weizmann aus Russland.

In Wirklichkeit kam die Opposition gegen den Zionismus von ganz anderer Seite. Die höchsten Positionen des Landes wurden nach wie vor von Männern bekleidet, die sich ihrer nationalen Pflicht bewusst waren und denen es einzig und allein darum ging, den Krieg zu gewinnen. Von ihnen war nicht zu erwarten, dass sie sich jemandem, der Englands militärischen Verbündeten Russland hasste, anbiedern oder dass sie auf den europäischen Schlachtfeldern dringend benötigte Truppen ohne militärische Notwendigkeit nach Palästina verlegen würden. Zu diesen Männern zählten Premierminister Herbert Asquith, Kriegsminister Lord Kitchener, ferner der Oberkommandant der britischen Streitkräfte in Frankreich, Sir Douglas Haig, sowie der damalige Stabschef der britischen Truppen in Frankreich und spätere Chef des imperialen Generalstabs Sir William Robertson.

Herbert Asquith war der letzte liberale Führer Englands, der ernsthaft bestrebt war, den Liberalismus mit den nationalen Interessen des Landes sowie der christlichen Religion zu verbinden; hierdurch unterschied er sich von den „liberalen“ Politikern der letzten vier Jahrzehnte, unter denen dieser Begriff zusehends die ihm in den Protokollen der Weisen von Zion zugeschriebene Bedeutung erhielt: „Als wir das Gift des Liberalismus in den Organismus des Staates einführten, erfuhr dessen ganzer politischer Zustand eine Veränderung; die Staaten wurden von einer tödlichen Krankheit befallen, einer Blutvergiftung…“ Mit Asquiths Sturz starb auch der englische Liberalismus, so wie er ihn verstanden hatte, und die Liberale Partei selbst fiel der Bedeutungslosigkeit anheim. Seither wird der Begriff „Liberalismus“ zusehends von Kommunisten und Heerscharen utopischer Träumer als Tarnmäntelchen benutzt.

Von dem, was sich hinter seinem Rücken zusammenbraute, erfuhr Asquith von einem jüdischen Minister namens Herbert Samuel, der im Dezember 1914 bei den Gesprächen zwischen Weizmann und Lloyd George zugegen gewesen war und den Premierminister für den Plan zur Gründung eines Judenstaates zu gewinnen versuchte. Asquith zeigte ihm jedoch die kalte Schulter: „Samuel schlägt vor, Großbritannien solle Palästina annektieren, ein Land von der Größe von Wales, das Großenteils aus unfruchtbaren Bergen besteht und über weite Strecken wasserlos ist. Er glaubt, wir könnten auf diesem nicht besonders attraktiven Territorium ungefähr drei bis vier Millionen europäische Juden ansiedeln… Ich halte nichts von der Idee, unserem Land noch diese zusätzliche Verpflichtung aufzubürden… Der einzige andere Befürworter dieses Projekts ist Lloyd George, und ich brauche kaum zu betonen, dass ihm die Juden oder ihr Anteil an der Zukunft herzlich egal sind…“

Diese Einschätzung von Lloyd Georges Ansichten entsprach durchaus den Tatsachen. Asquith selbst blieb stets ein Gegner der zionistischen Idee. Zehn Jahre später, als er längst kein öffentliches Amt mehr bekleidete, stattete er Palästina einen Besuch ab und schrieb anschließend: „Dieses Gerede davon, dass man aus Palästina eine jüdische Heimstatt machen soll, scheint mir immer noch so phantastisch wie je zuvor.“ Mit seiner negativen Reaktion auf die zionistischen Pläne hatte er 1915 dafür gesorgt, dass sich die Intriganten gegen ihn stellten und seine Entmachtung auf ihrer Agenda fortan ganz oben stand. Solange Asquith imstande war, Großbritannien von irgendwelchen Abenteuern in Palästina abzuhalten, machte er sich den Standpunkt der militärischen Führer zu eigen, dass der Krieg, wenn überhaupt, einzig und allein auf dem Hauptschlachtfeld, also in Europa, zu gewinnen war.

Lord Kitchener, der sich dezidiert auf diesen Standpunkt stellte, war ein hochangesehener Offizier und bei der Öffentlichkeit ungeheuer populär. Seiner Meinung nach bestand das oberste militärische Ziel zu jenem Zeitpunkt darin, ein Ausscheren Russlands aus dem Krieg zu verhüten (die Zionisten strebten Russlands Zerstörung an und machten gegenüber den „engagierten Protestanten“ hieraus kein Hehl). Im Juni 1916 entsandte Asquith Lord Kitchener nach Russland. Doch der Kreuzer Hampshire, auf dem der Kriegsminister seine Reise antrat, wurde versenkt. Kompetente Historiker verfechten die Auffassung, Kitchener sei der einzige Mann gewesen, der einen Kriegstaustritt Russlands hätte vermeiden können. Mit seinem Tod verschwand das Hindernis Nummer eins für die geplante bolschewistische Revolution im Zarenreich und für den internationalen Zionismus. Wäre es ihm vergönnt gewesen, länger zu leben und zu wirken, so wäre dem Zionismus im Westen wohl kein Erfolg beschieden gewesen. Ich erinnere mich, dass die Soldaten an der Westfront auf die Nachricht von seinem Ableben so bestürzt reagierten wie auf die Niederlage in einer großen Schlacht. Sie ahnten nicht, wie recht sie damit hatten.

Nach Kitcheners Tod standen nur noch Asquith, Robertson, Haig sowie die britischen Juden zwischen den Zionisten und ihrem Ziel. Der Kreis der Intrige erweiterte sich nun zusehends. Die Times und die Sunday Times engagierten sich mittlerweile so eifrig für den Zionismus wie der Manchester Guardian; innerhalb und außerhalb des Kabinetts gewannen Balfour und Lloyd George immer neue Anhänger. Lord Milner, der sich anschickte, ins prozionistische Lager überzugehen, erklärte: „Wenn die Araber glauben, Palästina werde ein arabisches Land, sind sie gründlich auf dem Holzweg.“ (Zur selben Zeit stachelte Oberst Lawrence die Araber zum Aufstand gegen einen Feind der Alliierten, die Türkei, an.) Philipp Kerr (der spätere Lord Lothian und damalige Sekretär von Lloyd George) meinte, die Züchtigung des „tollwütigen Hundes in Berlin“ (gemeint war Wilhelm II.) müsse „ein jüdisches Palästina“ zur Folge haben. Sir Mark Sykes, Generalsekretär des Kriegskabinetts und „einer unserer Großen Förderer (Dr. Weizmann), strebte ein noch ehrgeizigeres Ziel an: Die „Befreiung der Juden, Araber und Armenier“.

Mit Hilfe solch trügerischer Vorspiegelungen war es seit jeher ein Leichtes, die Massen zu „überzeugen“. Die Araber und Armenier verspürten kein Bedürfnis, in ein anderes Land umgesiedelt zu werden; die Juden Europas und Amerikas waren so frei oder unfrei wie ihre nichtjüdischen Mitbürger und wollten dort bleiben, wo sie waren; die Juden Palästinas hatten den Wunsch bekundet, nach Uganda auszuwandern; lediglich die judaisierten Chasaren Russlands und ihre talmudistischen Herrscher machten Ansprüche auf Palästina geltend. Mark Sykes Formel von der „Befreiung der Juden, Araber und Armenier“ hat viel Unheil angerichtet, erweckte sie doch den Eindruck, das geplante palästinensische Abenteuer sei nur eines von mehreren, gleichartigen gewesen. Im Gegensatz zu den anderen „engagierten Protestanten“ war Sykes ein Nahostexperte und hätte es eigentlich besser wissen müssen.

Eine andere hochkarätige Persönlichkeit, die sich von den Zionisten rekrutieren ließ, Lord Robert Cecil, äußerte sich ganz ähnlich: „Arabien für die Araber, Judäa für die Juden, Armenien für die Armenier.“ Von den Armeniern war allerdings schon bald nicht mehr die Rede… Lord Roberts Position mutet äußerst merkwürdig an, denn staatsmännisches Geschick ist der Sippe der Cecils angeboren. Offenbar vermochte der Zionismus zu bewirken, dass ansonsten klarsichtige Männern den Kopf verloren. Balfour (ein halber Cecil) legte in anderen Fragen die seinem Stamm eigene staatsmännische Abgeklärtheit an den Tag: nur bezüglich des Zionismus ließ ihn sein sonst messerscharfer Verstand gänzlich im Stich.

Der Fall Lord Robert Cecils ist ebenso unerklärlich. Ich erinnere mich an einen Vortrag, den er in den dreißiger Jahren in Berlin über den Völkerbund hielt. Cecil, ein großgewachsener, hagerer Mann mit Adlergesicht, dem das Verständnis für politische Fragen im Blute lag, sprach von der Zukunft, als sehe er diese von einem Berggipfel aus, und berief sich dabei ausdrücklich auf die „hebräischen Propheten“. Als junger Mann war ich von seinen Worten mächtig beeindruckt, obwohl ich nicht verstand, worauf er hinauswollte. Zwar habe ich seither einiges dazugelernt, aber dieser Ausspruch ist mir immer noch ein Rätsel: Wenn beispielsweise der Prophet Jeremia irgendeinem politischen Lager zuzuordnen ist, dann ganz ohne Frage dem der Antizionisten.

Nichtsdestoweniger schrieb Chaim Weizmann über Lord Robert: „Für ihn waren die Wiederherstellung einer jüdischen Heimstatt in Palästina und die Organisation der Welt in einer großen Föderation einander ergänzende Bestandteile des nächsten Schrittes bei der Regelung der menschlichen Angelegenheiten… Als Mitbegründer des Völkerbundes hielt er die jüdische Heimstatt für nicht minder wichtig als den Völkerbund selbst.“

Mit diesen Worten ließ Weizmann die Katze aus dem Sack – doch war sich Lord Robert der Tragweite seiner Auffassungen überhaupt bewusst? Ihm zufolge war die Eroberung Palästinas durch Zionisten aus Russland also lediglich „der nächste Schritt“ bei der Gestaltung der Zukunft des Menschengeschlechts (hier erinnert man sich an die Formulierung Lord Actons, der von einem „Plan“ und von „Managern“ gesprochen hatte). Die „große Föderation“ stellt er als ergänzenden Bestandteil desselben Plans dar. Bei allen Varianten einer solchen Föderation läuft das grundlegende Prinzip darauf hinaus, dass die Nationen, die ihr beitreten, sich ihrer Souveränität begeben müssen, was auf das Verschwinden souveräner Nationen überhaupt hinausläuft (genau dies ist natürlich die Grundidee der Protokolle ). Doch wenn die Nationen verschwinden sollen, ist nicht einzusehen, weshalb dieser Prozess mit der Schaffung einer neuen Nation beginnen soll – es sei denn, dieser ist bei der „Regelung der menschlichen Angelegenheiten“ die Rolle der obersten Autorität zugedacht (das Konzept einer souveränen Nation zieht sich wie ein roter Faden durch das Alte Testament, den Talmud, die Protokolle und den orthodoxen Zionismus).

Unter diesen Umständen mutet Lord Robert Cecils leidenschaftliches Engagement für den Zionismus geradezu unbegreiflich an, denn die seinem Geschlecht eigene Weisheit hätte ihn vor den Gefahren einer weltumspannenden Despotie warnen müssen. Es entbehrt nicht der Ironie, dass er zur selben Zeit an Oberst House in Amerika schrieb:

„Daran, dass wir nach dem Abschluss dieses Krieges eine wirkliche Anstrengung zur Schaffung einer Friedensmaschinerie unternehmen sollten, zweifle ich nicht… Eine Gefahr scheint mir darin zu bestehen, dass man zu hoch hinaus will… Nichts hat der Sache des Friedens größeren Schaden zugefügt als die diesbezüglichen Bemühungen nach Waterloo. Heute ist allgemein in Vergessenheit geraten, dass die Heilige Allianz ursprünglich als Liga zur Erzwingung des Friedens gegründet wurde. Leider ließ sie zu, dass ihre Bestrebungen in die falsche Richtung gelenkt wurden, so dass sie de facto zu einer Liga zur Aufrechterhaltung der Tyrannei wurde, mit der Konsequenz, dass sie allgemein in Misskredit geriet, ganz zu schweigen davon, dass sie auch in anderer Hinsicht unermesslichen Schaden angerichtet hat… Dieses Beispiel zeigt, wie leicht an und für sich gutgemeinte Pläne Schiffbruch erleiden.“

Wer so argumentierte, hätte sich der Gefahr, dass „an und für sich gutgemeinte Pläne“ auch diesmal „in die falsche Richtung gelenkt“ wurden, eigentlich bewusst sein müssen. Falls Weizmann die Absichten Lord Cecils richtig wiedergibt, heißt dies, dass letzterer die wahre Natur des Zionismus nicht zu durchschauen vermochte. Während er die eben zitierten Zeilen schrieb, war Houses Schwager Dr. Mezes in den USA nämlich emsig damit beschäftigt, eine „Liga zur Erzwingung des Friedens“ auf die Beine zu stellen; diese Organisation war die Vorläuferin der diversen Projekte zur Errichtung einer Weltregierung, hinter denen mächtige Gruppen stehen und deren wahres Ziel die Errichtung einer „Liga zur Aufrechterhaltung der Tyrannei“ ist.

Als das zweite Kriegsjahr zu Ende ging, hatten sich die „engagierten Protestanten“, die nicht auf Europa, sondern auf Palästina blickten, bereits zur mitgliederstarken Brüderschaft entwickelt, die einen schützende Ring um den aus russischen Zionisten bestehenden Kern bildete. Zu ihren frischgebackenen Mitgliedern zählten unter anderem die Herren Leopold Amery, Ormsby-Gore und Ronald Graham. Prozionistische Aktivisten hockten in sämtlichen Ministerien außer dem Kriegsministerium. Was auch immer der ursprüngliche Grund für die Einstellung dieser Männer gewesen sein mag – zu diesem Zeitpunkt lockten ihnen zweifellos handfeste materielle Vergünstigungen.

Das Ziel der Verschwörer bestand darin, sämtliche Spitzenpolitiker, die ihnen ein Dorn im Auge waren, aus ihren Stellungen zu entfernen und durch ihre eigenen Leute zu ersetzen. Ende 1916 musste der widerspenstige Premierminister Asquith seinen Hut nehmen. Mit welchen Mitteln man dies erreichte, lässt sich anhand zeitgenössischer Dokumente rekonstruieren. Der Öffentlichkeit wurde eingeredet, Asquith sei unfähig, den Krieg effizient zu führen. Wie haltlos dieser Vorwurf war, kann man im Licht der folgenden Geschehnisse jedoch unschwer beurteilen: Der erste wichtige Entscheid seines Nachfolgers bestand nämlich darin, Truppen von der europäischen Front nach Palästina zu verlegen, mit dem Ergebnis, dass England den Krieg um ein Haar verloren hätte.

Am 25. November 1916 regte Lloyd George an, Asquith solle als Vorsitzender des Kriegsrats zurücktreten und seinen Posten ihm selbst, Lloyd George, räumen. Unter normalen Umständen wäre ein solcher Vorschlag selbstmörderisch gewesen, aber damals herrschte in England eine Koalitionsregierung, und da sich die beiden konservative Spitzenpolitiker Bonar Law und Sir Edward Carson hinter den Liberalen Lloyd George stellten, kam dessen „Anregung“ praktisch einem Ultimatum gleich. (Vermutlich waren Law und Carson ehrlich der Überzeugung, Lloyd George sei ein fähigerer Führer als Asquith, denn sie konnten unmöglich voraussehen, dass er seine Liberale Partei durch seine Politik letztlich zerstören würde; ihrem Entscheid können also keine Parteiinteressen zugrunde gelegen haben.)

Des Weiteren forderte Lloyd George, den inkompetenten konservativen Flottenminister Balfour in die Wüste zu schicken. Am 4. Dezember weigerte sich Asquith empört, sein Amt zur Verfügung zu stellen oder Balfour zu entlassen. Nachdem er einen Brief von Balfour erhalten hatte, in dem dieser seinen Rücktritt bekanntgab, stellte er ihm eine Kopie seines eigenen Schreibens zu, in dem er seine Entlassung abgelehnt hatte. Obwohl Balfour durch eine schwere Erkältung ans Bett gefesselt war, fand er die Kraft, einen neuen Brief zu schreiben, in dem er auf seinem Rücktritt beharrte, genau wie Lloyd George es gewünscht hatte. Lloyd George selbst legte sein Amt ebenfalls nieder.

Asquith war nun völlig isoliert. Am 6. Dezember fühlte sich Balfour stark genug, um Lloyd George zu empfangen. Am Nachmittag desselben Tages trafen sich die Parteiführer und gaben bekannt, dass sie bereit seien, einer von Balfour geleiteten Regierung anzugehören. Balfour wies dieses Angebot zurück, erklärte aber seinerseits seine Bereitschaft zur Mitarbeit in einer Regierung unter Lloyd George. Als frischgebackener Premierminister ernannte Lloyd George den inkompetenten Balfour flugs zum Außenminister. Mittels dieses Manövers wurden zwei Männer, die sich dem Zionismus mit Haut und Haaren verschrieben hatten, in die beiden höchsten politischen Ämter des Landes katapultiert, und von diesem Augenblick an war die Eroberung Palästinas für die Zionisten oberstes Ziel der britischen Regierung. (1952 veröffentlichte die in New York erscheinende jüdische Zeitung Commentary einen Brief, in dem es hieß, die Juden von North Wales hätten bei der Wahl von Lloyd George zum Premierminister das Zünglein an der Waage gewesen. Aus glaubwürdigen Quellen habe ich erfahren, dass er bei seiner beruflichen Tätigkeit als Rechtsanwalt zahlreiche jüdische Klienten vertrat; für die Richtigkeit dieser Angabe kann ich freilich nicht bürgen. Sofern sie zutrifft, lässt sich durchaus nicht ausschließen, dass seinem Engagement für den Zionismus rein materielle Interessen zugrunde lagen; für diese Hypothese spricht unter anderem, dass er über seine Beziehungen zu den Zionisten bewusst falsche Angaben gemacht hat, die Chaim Weizmann später berichtigte.)

Somit hatten sich die Hauptakteure auf der Szene neu gruppiert. Da war zunächst einmal Lloyd George, ein kleinwüchsiger, blitzgescheiter Anwalt, der in seinem tadellos geschneiderten Anzug wie aus dem Ei gepellt wirkte und sich von seinen großenteils noch in ihre altmodischen Fräcke gehüllten Kollegen abhob wie ein Fasan in einem Krähenschwarm. Neben ihm stand Balfour – von großem Wuchs, leicht hinkend; auf ehrliche Fragen erteilte er meist eine gewundene, zynische Antwort. Noch heute sehe ich ihn vor meinem geistigen Auge, wie er träumerisch durch den Saint James-Park zum Unterhaus schlendert. Um Lloyd George und Balfour scharte sich eine Riege von Kabinettsministern, stellvertretenden Ministern und hohen Beamten, die erst vor kurzem zu den „engagierten Protestanten“ gestoßen waren. Von diesen Wasserträgern des Zionismus mögen manche tatsächlich naive Gimpel gewesen sein, die keine Ahnung hatten, für wessen Ziele sie sich einspannen ließen. Lloyd George war der erste in einer langen Reihe von Spitzenpolitikern, die ihr Mäntelchen stets nach dem Wind zu hängen pflegten; dank ihnen hat der Ausdruck „Politiker des 20. Jahrhunderts“ einen ominösen Beigeschmack gewonnen, und sie tragen ein gerütteltes Maß an Mitschuld daran, dass unser Jahrhundert bisher so katastrophal verlaufen ist.

Nach dem Tod Lord Kitcheners und dem Rücktritt Herbert Asquiths gab es nur noch einen Mann, der sich dagegen sträubte, britische Truppen als Kanonenfutter für fremde Interessen zu verheizen. Wäre der stämmige Sir William Robertson zu der Clique um Lloyd George übergegangen, so hätten ihm Ehrentitel, Empfänge, Orden und vergoldete Schatullen gewinkt; er wäre mit Bändern behängt worden; man hätte ihm für alles, was er (oder ein von ihm angeheuerter Ghostwriter) schrieb, fürstliche Honorare bezahlt; man hätte Boulevards nach ihm benannt; er hätte einen Triumphzug durch europäische und amerikanische Städte angetreten und wäre von den Massen bejubelt worden; die Abgeordneten des britischen Unterhauses und des amerikanischen Kongresses hätten sich zu seinen Ehren erhoben, und er wäre auf dem Rücken eines Schimmels in Jerusalem eingezogen. Doch nichts von alle dem war ihm beschieden: Er wurde nicht einmal in den Adelsstand erhoben, was für einen Feldmarschall recht ungewöhnlich war.

Robertson war der erste Brite, dem der Aufstieg vom einfachen Soldaten zum Feldmarschall gelang. In England mit seiner kleinen Berufsarmee war dies keine geringe Leistung. Er war ein einfacher, aufrichtiger, leicht übergewichtiger Mann mit rauen Gesichtszügen, ein Sohn des Volkes, der aussah wie ein stattlicher Oberfeldwebel. Sein einziger Verbündeter war der Oberkommandierende der britischen Truppen in Frankreich, Sir Douglas Haig, welcher der Kaste der Kavallerieoffiziere angehörte. Gutaussehend und von tadellosem soldatischem Verhalten, entsprach er dem Idealbild des gewöhnlichen Soldaten von einem Offizier.

Der raue alte Krieger Robertson hatte widerwillig an einigen Anlässen teilgenommen, bei denen Damen aus der High Society Geld für die Armee sammelten. Bei einer solchen Veranstaltung begegnete er Lady Constance Stewart Richardson, die sich veranlasst sah, sich als Isadora Duncan zu verkleiden und in deren Stil zu tanzen. Ein General, der bemerkte, wie sehr dieses Schauspiel Robertson auf den Geist ging, bemerkte zu diesem: „Sie müssen zugeben, dass sie sehr hübsche Beine hat.“ „Sie sind nicht hübscher als irgendwelche anderen Beine“, knurrte Robertson.

Robertson war der einzige, der die Verlegung britischer Streitkräfte nach Palästina möglicherweise hätte verhindern können. Er pflegte sämtliche Projekte einzig und allein danach zu beurteilen, welche Auswirkungen sie auf den Kriegsverlauf hatten und ob sie die Chancen auf den Sieg der britischen Waffen erhöhten. Wenn dies seiner Ansicht nach der Fall war, unterstütze er sie, unabhängig davon, aus welcher Ecke sie kamen; ansonsten lehnte er sie rundweg ab. Im vorliegenden Fall gelangte er zur Überzeugung, dass der zionistische Plan eine gefährliche „Ablenkung“ war, die den Sieg unweigerlich verzögern, ja sogar gefährden würde. Über die politischen Absichten, welche diesem Plan zugrunde lagen, verlor er nie ein Wort, und es ist durchaus denkbar, dass sie ihm gar nicht bekannt waren. Er war Soldat, nicht Politiker.

1915 hatte sich Robertson gegenüber Asquith wie folgt geäußert: „Es liegt auf der Hand, dass die effizienteste Methode [um den Krieg gegen die Zentralmächte zu gewinnen] darin besteht, die großen deutschen Armeen zu besiegen, die sich immer noch an der Westfront befinden.“ Deshalb warnte er eindringlich vor „zusätzlichen Feldzügen auf Nebenkriegsschauplätzen und dem Abbau der Truppen in Frankreich… Der einzige Prüfstein, an dem sich sämtliche Pläne und Vorschläge messen lassen müssen, ist ihre Auswirkung auf den Kriegsverlauf.“

Kriegsführende Völker können sich glücklich schätzen, wenn ihre Führer so denken, doch wehe einem Volk, dessen ihre Führer sich von anderen Beweggründen leiten lassen! Vom militärischen Standpunkt aus gesehen hätte das Palästina-Projekt, dem ausschließlich politische Motive zugrunde lagen, von Anfang an keine Chance haben dürfen. Doch nachdem Lloyd George zum Premierminister gewählt worden war, arbeitete er von Anfang an zielstrebig darauf hin, Truppen aus Frankreich abzuziehen und einen großen Feldzug in Palästina vorzubereiten. Hiervon zeugen seine eigenen Worte: „Als ich meine Regierung bildete, brachte ich gegenüber dem Kriegskabinett sofort die Frage eines zusätzlichen Feldzugs in Palästina zur Sprache. Sir William Robertson, der am eindringlichsten von der Gefahr warnte, die damit verbunden war, Truppen von Frankreich nach Palästina zu verlegen…, wandte sich entschieden gegen diesen Plan und setzte sich mit seiner Ansicht zunächst durch.“

Diese Darstellung wird von William Robertson selbst in seinem 1926 erschienenen Buch Soldiers and Statesmen, 1914-1916 bestätigt: „Bis Dezember 1916 [als Lloyd George Premierminister wurde] trugen die Operationen östlich des Suezkanals ihrem Wesen nach defensiven Charakter; sowohl die Regierung als auch der Generalstab… anerkannten, dass dem Kampf in Europa absolute Priorität zukam und die dortigen Armeen größtmöglicher Unterstützung bedurften. Diese Übereinstimmung zwischen Ministern und Soldaten dauerte nach der Ernennung eines neuen Premierministers nicht an… Insbesondere in der Palästinafrage traten fundamentale Meinungsunterschiede zutage… Schon wenige Tage nach der Bildung eines neuen Kriegskabinetts wies dieses den Generalstab an, die Möglichkeit einer Ausweitung der Operationen in Palästina zu prüfen… Der Generalstab erwiderte, dieses Projekt werde viel Verlegenheit hervorrufen und unsere Siegeschancen in Frankreich schmälern… Diese Antwort enttäuschte die Minister, die auf eine sofortige Besetzung Palästinas pochten, ließ sich jedoch nicht widerlegen… Im Februar wandte sich das Kriegskabinett erneut an den Chef des Generalstabs und erkundigte sich, welche Fortschritte bei der Vorbereitung eines Herbstfeldzugs in Palästina erzielt worden seien.“

Diese Passagen liefern ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Politik eines Staates sowie der Verlauf seiner militärischen Operationen durch politischen Druck hinter den Kulissen in eine neue Richtung gelenkt werden können. Ein solches Tauziehen zwischen Politikern und Soldaten spielt sich auch heute, in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, ab und beeinflusst das Schicksal ganzer Nationen.

Auf den Widerstand der militärischen Führung gegen seine Pläne reagierte Lloyd George mit einem Schachzug, der beweist, wie lange und gründlich die Vorbereitung des Palästina-Feldzugs geplant worden waren und mit welcher Umsicht man die „Verwalter“, ohne deren Mithilfe sich das Projekt nicht verwirklichen ließ, ausgewählt hatte. Er regte an, das Kriegskabinett solle „dem Standpunkt der Dominions [Kanada, Südafrika, Australien, Neuseeland] hinsichtlich der Kriegsführung künftig in weit größerem Umfang Rechnung tragen als bisher“. Zum damaligen Zeitpunkt fochten Soldaten aus diesen vier Ländern Schulter an Schulter mit ihren britischen Waffenbrüdern. Dass die ehemaligen Kolonien dem Mutterland in seiner schweren Stunde unverzüglich zur Hilfe geeilt waren, hatte die Bevölkerung Großbritanniens zutiefst bewegt, so dass sie gerne bereit war, den Führern dieser Staaten ein erhebliches Mitspracherecht bei der Gestaltung der Kriegsführung einzuräumen.

Die diplomatischen Worte des Premierministers verfolgten allerdings lediglich den Zweck, über seine wahren Absichten hinwegzutäuschen; seine Anregung war nämlich nichts weiter als ein Vorwand, um den südafrikanischen General Smuts, den die Zionisten als ihren wertvollsten „Freund“ außerhalb Europas und Amerikas betrachteten, zum Zünglein an der Waage zu machen, damit sich der Plan zur Eroberung Palästinas verwirklichen ließ.

Die wahlberechtigte Bevölkerung Südafrikas zerfiel damals in zwei beinahe gleich große Gruppen, die Buren und die britischstämmigen Südafrikaner. Unter diesen Umständen war es dort womöglich noch wichtiger als in Amerika, die „schwankenden 20%“ ins eigene Lager zu ziehen. Die Zionisten fühlten sich stark genug, um Wahlen zugunsten von General Smuts zu entscheiden, und er selbst traute ihnen dies offenbar ebenfalls zu. Einer seiner Kollegen, der frühere Times-Journalist B. K. Long, der als Abgeordneter der Smuts-Partei im südafrikanischen Parlament saß, meinte, die „zahlenmäßig starke jüdische Wählergruppe, die geschlossen hinter Smuts und seiner Partei stand“, habe in erheblichem Masse zu deren Wahlsiegen beigetragen. In einer Biographie des Generals liest man, ein „reicher und mächtiger Juden“ habe ihm mit einer Großzügigen Spende unter die Arme gegriffen (ein Beweis unter vielen dafür, dass Weizmanns Behauptung, die reichen und mächtigen Juden seien gegen den Zionismus gewesen, nicht den Tatsachen entsprach). Bei dem betreffenden jüdischen Gönner handelte es sich übrigens um Sir Henry Strakosch, den späteren Goldesel Winston Churchills. Von anderer, ungenannter Seite erhielt Smuts ein Haus und ein Auto. Man geht also schwerlich fehl in der Annahme, dass materielle Faktoren bei seiner Stellungnahme für den Zionismus stark ins Gewicht fielen.

In seinen diversen Biographien wird freilich immer wieder auf die religiösen (oder pseudoreligiösen) Motive hingewiesen, die seinem Engagement für die zionistische Sache zugrunde lagen (Ähnliches wird bisweilen auch von Lloyd George behauptet). Es heißt, Smuts habe das Alte Testament dem Neuen vorgezogen und einmal folgenden Ausspruch getan: „Je älter ich werde, desto größere Sympathie empfinde ich für die Hebräer.“

Ich persönlich bin General Smuts erst sehr viel später begegnet, zu einem Zeitpunkt, wo ich bereits Bescheid über die wichtige Rolle wusste, die er bei der Förderung des Zionismus gespielt hatte. Man schrieb das Jahr 1948; die bedrohliche Verschärfung der internationalen Lage im Allgemeinen sowie der palästinensische Krisenherd im Besonderen bereiteten ihm schwere Sorgen. Smuts war eine stattliche Erscheinung; trotz seines vorgerückten Alters von fast achtzig Jahren war er gesund und von kerzengerader Haltung; seine Augen funkelten so wachsam wie je zuvor, und er trug einen Bart. Bei der Wahl seiner Mittel war er nie zimperlich gewesen und wäre die Presse gegen ihn gewesen, so hätte sie ihn als grausamen Finsterling darstellen können. In Bezug auf politischen Instinkt konnte er sich ohne weiteres mit Lloyd George messen. Die Propaganda verklärte ihn als großen Architekten der Versöhnung zwischen englischsprechenden Südafrikanern und Buren; als er im Jahre 1950 auf seiner einsamen Farm in Transvaal starb, waren die Beziehungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen allerdings gespannter denn je zuvor, so dass eine wahre Versöhnung weiter auf sich warten lässt. In Südafrika trat Smuts als Spalter in Erscheinung und jedermann wusste, dass die wirkliche Macht, die hinter seiner Partei stand, nicht England war, sondern eine Gruppe von Gold- und Diamantenmagnaten; seine Machtbasis befand sich in Johannesburg. Als er 1948 in der Palästina-Frage Farbe bekennen musste, stellte er sich ohne Wenn und Aber auf die Seiten der Zionisten, was einer Desavouierung der unschlüssigen britischen Regierung gleichkam.

Kehren wir nach diesem Exkurs ins Jahre 1917 zurück. Am 17. März traf General Smuts in London ein, wo man ihn wie einen Helden empfing. Damit rückte der Sturz Sir William Robertsons in greifbare Nähe. Der triumphale Empfang, den man dem Südafrikaner bereitete, war ein frühes Beispiel für die Art und Weise, wie von den Hintergrundmächten als Erfüllungsgehilfen auserkorene Politiker von einer willfährigen Presse „aufgebaut“ werden.

Lloyd George stellte Smuts dem Kriegskabinett als „einen der brillantesten Generäle des Krieges“ vor. In Wirklichkeit hatte Smuts lediglich einen kleinen Kolonialfeldzug in Südwestafrika geleitet, und zum Zeitpunkt seines Englandbesuchs kämpften seine Truppen in Ostafrika ohne sonderlichen Erfolg gegen „eine kleine, aber schlagkräftige und im Buschkrieg erfahrene Armee, die aus 2.000 deutschen Offizieren und 20.000 eingeborenen Askaris bestand“ (so Jan Smuts‘ gleichnamiger Sohn in seiner 1952 erschienenen Biographie seines Vaters). Somit waren Lloyd Georges Worte nichts als hohle Lobhudelei. Im Übrigen hielt der neue britische Premier nicht allzu viel von Berufssoldaten („Es gibt keinen Beruf, wo Erfahrung und Ausbildung im Vergleich zu Urteilsvermögen und angeborenem Instinkt weniger zählen“).

Um sich wirksamer von „den Generälen“ (außer Smuts natürlich) abzuschirmen, hielten Lloyd George und seine engsten Vertrauten ihre Beratungen in einem Privathaus ab, „wo sie zweimal pro Tag zusammensitzen und sich die ganze Zeit über mit militärischen Fragen befassen, die in meinem Kompetenzbereich fallen; eine kleine Schar von Politikern, die herzlich wenig vom Krieg und den zu seiner Führung nötigen Dingen verstehen, versucht die militärischen Entscheidungen selbst zu treffen“ (William Robertson). Vor dieser geschlossenen Gesellschaft schilderte General Smuts im April 1917 sein Rezept für den Sieg: „Der Palästinafeldzug eröffnet sehr interessante militärische und sogar politische Möglichkeiten… Die weitaus wichtigere und kompliziertere Frage der Westfront verdient auch weiterhin größte Aufmerksamkeit. Ich habe es stets für ein Unglück gehalten, dass die britischen Streitkräfte durch diese Front so vollständig in Anspruch genommen wurden.“ (Als Smuts diese Weisheiten zum besten gab, stand Russland kurz vor dem Zusammenbruch; jedermann war klar darüber, dass die Deutschen in Kürze Truppen von der Ostfront abziehen und an die Westfront werfen würden, was für die französischen und britischen Streitkräfte tödliche Gefahren heraufbeschwören musste.)

Smuts Empfehlung erwies sich als ausschlaggebend dafür, dass das Kriegskabinett den Oberbefehlshaber der britischen Armee in Ägypten, General Murray, unverzüglich anwies, das in türkischem Besitz befindliche Jerusalem zu erobern. Als Murray Bedenken äußerte und einwandte, seine Truppen seien für diese Aufgabe zahlenmäßig zu schwach, wurde er seiner Funktion enthoben; als sein Nachfolger wurde kein anderer als General Smuts vorgeschlagen, von dem Lloyd George hoffte, er werde „einen Feldzug in jenem Weltteil mit großer Entschlossenheit führen“.

Nun errang Sir William Robertson einen Sieg auf der ganzen Linie. Er lud General Smuts zu einer Unterredung ein. Die Frage nach den wirklichen militärischen Fähigkeiten des Südafrikaners wird für immer unbeantwortet bleiben, weil sie nie ernsthaft auf die Probe gestellt wurden; die von ihm geleiteten, verhältnismäßig kleinen Operationen lassen keinen Rückschluss auf seine Begabung als Feldherr zu. Keinem Zweifel unterliegt hingegen, dass er ein mit allen Wassern gewaschener Politiker war; seine Vorsicht war sprichwörtlich, und er war in keiner Hinsicht gewillt, sich nach seinem triumphalem Empfang in London auf ein Unterfangen einzulassen, das nur allzu leicht mit einem Fiasko enden und seine politische Zukunft in Südafrika ruinieren konnte. Aus diesem Grund entschied er sich nach seinem Gespräch mit William Robertson dafür, Lloyd Georges Angebot abzulehnen. (Die spätere Entwicklung hat gezeigt, dass ihm das befürchtete Fiasko vermutlich erspart geblieben wäre, doch zum damaligen Zeitpunkt konnte man dies nicht wissen; wie viele andere Feldherren vor ihm verpasste er somit die Chance, auf einem edlen Hengste in Jerusalem einzuziehen. Da Politiker solche werbewirksamen Auftritte trotz der ihnen oft innewohnenden Komik über alles lieben, begreift man, dass er später bitter bereute, diese Gelegenheit versäumt zu haben: „Man stelle sich vor, ich hätte in Jerusalem Einzug gehalten! Was für Erinnerungen ich dann hätte!“) Doch damals wollte er dieses Risiko nicht eingehen und erteilte Lloyd George deshalb eine Absage: „Es ist meine feste Überzeugung, dass unsere gegenwärtige militärische Situation eine Offensive zur Einnahme Jerusalems und zur Besetzung Palästinas nicht wirklich rechtfertigt.“

Durch diese Kehrtwendung ließ sich Lloyd George jedoch ebenso wenig beirren wie durch den Zusammenbruch Russlands und die neuen Gefahren im Westen. Im September 1917 fällte er folgenden Entscheid: „Die für einen großen Feldzug in Palästina erforderlichen Truppen könnten im Winter 1917/1918 von der Westfront abgezogen werden und ihre Aufgabe in Palästina rechtzeitig lösen, so dass sie im Frühling bereits wieder in Frankreich wären und sich dort an der Entfesselung einer Offensive beteiligen könnten.“

Dass Lloyd Georges Landsleute für diesen Beschluss ihres Premierministers nicht den vollen Preis entrichten mussten, haben sie nur Gott allein zu verdanken. Der Palästinafeldzug hätte ohne weiteres mit einem Desaster enden und der Krieg in Frankreich hätte verloren gehen können; in beiden Fällen war die Gefahr sehr real. Doch nachdem selbst General Smuts Lloyd George im Stich gelassen hatte, fand dieser doch noch einen Feldherrn, der sich dafür aussprach, während der „schlammigen Wintermonate“ Truppen aus Frankreich abzuziehen und nach Palästina zu entsenden.

Der Mann, der nun jäh ins Rampenlicht trat, hieß Sir Henry Wilson; er hat der Nachwelt ein anschauliches Porträt seiner Person geliefert. Im Januar 1917 war er im Rahmen einer militärischen Mission nach Russland entsandt worden; anschließend schrieb er: „Galadinner im Außenministerium… Ich trug die Offiziersuniform der Ehrenlegion […], ferner russische Achselklappen und eine graue Astrachan-Mütze, und alles in allem bot ich den Anblick eines stattlichen Mannsbildes. Beim Abendessen im Außenministerium sowie beim anschließenden Empfang erregte ich mächtiges Aufsehen. Ich war viel größer als Großherzog Sergej und, wie man mir sagte, ein ‚hohes Tier‘. Wunderbar!“

Diesem Mann, dem es in Russland ungeachtet der dort herrschenden tragischen Lage so ungemein gut gefiel und der England um ein Haar in eine Katastrophe geführt hätte, hatten es Lloyd George und die Zionisten zu verdanken, dass ihnen endlich die langersehnte Chance winkte. Sir Henry Wilson war ein Mann von außergewöhnlich hohem Wuchs, schlank, aalglatt und mit einem ewigen Lächeln auf den Lippen, einer jener gutaussehenden, mit Bändern und klirrenden Orden behangenen Stutzer vom Generalstab, die bei den Frontsoldaten in ihren schlammigen Schützengräben nur Misstrauen erweckten. Da er einst ein französisches Kindermädchen gehabt hatte, sprach er akzentfreies Französisch, so dass ihm die Herzen der französischen Generäle im Nu zuflogen. Sie fanden es erfrischend, dass ihm die typische Steifheit des Engländers abging. (In der Tat war er ein Ire, der in Bezug auf die Irlandfrage allerdings anders dachte als viele seiner Landsleute und deshalb 1922 in London vor der Tür seines Hauses von zwei irischen Terroristen erschossen wurde. Die Attentäter wurden gefasst und gehängt.)

Sir Henry Wilson hatte sich ursprünglich auf denselben Standpunkt gestellt wie alle anderen militärischen Führer: Es gelte sich voll und ganz auf die Hauptfront zu konzentrieren; jede Verzettelung der Streitkräfte auf Nebenkriegsschauplätzen sei schierer Wahnsinn. Noch anno 1915 vertrat er dieses Prinzip nachdrücklicher als alle anderen: „Das Mittel zur Beendigung des Krieges besteht darin, Deutsche zu töten und nicht Türken… Der Ort, wo wir die größte Zahl von Deutschen töten können, ist hier [Frankreich], und deshalb sollte jedes Pfund Munition, über das wir irgendwo in der Welt verfügen, hierher geschickt werden. Die ganze Geschichte lehrt, dass Operationen auf zweitrangigen und nebensächlichen Kriegsschauplätzen nichts anderes bewirken, als die an den hauptsächlichen Operationen beteiligten Streitkräfte zu schwächen.“

Kein subalterner Offizier und kein kämpfender Soldat hätte diesen Worten widersprochen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, dass Wilson im Jahre 1917 irgendeinen militärischen Grund entdeckt hat, der ein Abrücken von diesem Standpunkt gerechtfertigt hätte. Somit bleibt für die von ihm vollzogene Kehrtwendung nur eine einzige, offensichtliche Erklärung: Er hatte den Aufstieg Zions beobachtet und den Streit zwischen Lloyd George und seinem eigenen Vorgesetzten, Sir William Robert, mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Er erkannte, dass sich ihm eine reale Chance bot, in Robertsons Fußstapfen zu treten. Dies dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass Chaim Weizmann bei seiner Aufzählung der „Freunde“, welche die Zionisten damals fanden, auch General Wilson erwähnte, einen „großen Freund von Lloyd George“, welcher der zionistischen Sache „Sympathie“ entgegengebracht habe. Am 23. August 1917 schrieb Wilson in einem Bericht an Lloyd George, wenn es den Briten gelinge, einen wirklich guten Plan zu entwerfen und mit der gebotenen Gründlichkeit vorzubereiten, könnten sie „die Türken aus Palästina vertreiben und mit großer Wahrscheinlichkeit während der schlammigen Monate völlig außer Gefecht setzen, ohne die Operationen, die Haig im Winter und im kommenden Frühling [in Frankreich] durchführen wird, in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen“.

Dieser Bericht gab Lloyd George die langersehnte Rückendeckung für seinen bereits erwähnten Befehl vom September 1917. Er packte die Chance, die ihm Wilsons Hinweis auf die „schlammigen Monate“ bot, beim Schopf, lieferte sie ihm doch ein militärisches Argument. Wilson hatte geltend gemacht, während der „schlammigen Monate“, die beide Seiten in ihrer Bewegungsfreiheit hemmten, sei nicht mit einer größeren deutschen Offensive zu rechnen. Seiner Ansicht nach würde die „Schlammperiode“ volle fünf Monate dauern, nämlich von Mitte November bis Mitte April (!).

Mit diesem Memorandum begründete Lloyd George seinen Entscheid, die „für einen großen Feldzug in Palästina benötigten Truppen“ aus Frankreich abzuziehen; da sie ohnehin rechtzeitig zurückkehren würden, sei nicht mit dem Heranreifen einer kritischen Situation zu rechnen. In seiner Antwort behauptete Wilson, vermutlich würden die Deutschen überhaupt keine Große Offensive mehr entfachen. Mit dieser Prognose stand er unter den militärischen Führern völlig isoliert da. In der Tat kam die große deutsche Offensive sehr wohl und zwar bereits Mitte März 1918!

Vergeblich wies Sir William Robertson darauf hin, dass der ins Auge gefasste Zeitplan vollkommen weltfremd war. Große Truppenverschiebungen, argumentierte er, seien stets mit enormen Transportproblemen verbunden, und zum Zeitpunkt der Landung der letzten Divisionen in Palästina würden die ersten bereits wieder abziehen. Im Oktober warnte er, aus Frankreich abgezogene Truppenverbände könnten unmöglich bis zum Sommer zurückkehren, um sich wieder am Kampf zu beteiligen. „Das korrekte militärische Vorgehen besteht darin, in Palästina weiterhin in der Defensive zu bleiben… und im Westen die Entscheidung zu suchen… Sämtliche Reserven sollten an die Westfront entsandt werden.“

In jener schicksalhaften Stunde erreichte der Erzverschwörer, der Finsterling Nummer eins in dieser Geschichte, dass das Pendel zugunsten der Zionisten ausschlug. In London baten diverse Kabinettsminister, welche die Westfront anscheinend fast schon vergessen hatten, Sir William Robertson inständig, „uns Jerusalem als Weihnachtsgeschenk zu überreichen“ (diese Formulierung zeugte von jener „außergewöhnlichen Saloppheit“, die Lloyd George laut Chaim Weizmann schon früher an den Tag gelegt hatte). In Palästina unternahm General Allenby, der sich ebenfalls massiven Pressionen ausgesetzt war, versuchsweise einen Vorstoß, entdeckte zu seiner Überraschung, dass die Türken nicht ernsthaft kämpften, und marschierte in Jerusalem ein, ohne auf größeren Widerstand zu stoßen.

Militärisch gesehen war die Einnahme Jerusalems völlig bedeutungslos, doch nun gab es für Lloyd George kein Halten mehr: Ohne jede Rücksicht auf die Lage in Frankreich ließ er immer mehr Truppen von dort abziehen. Am 6. Januar 1918 beklagte sich Sir Douglas Haig bitter über die Schwächung seiner Armeen in Frankreich am Vorabend der Großen Offensive: Sie hatten „114.000 Infanteristen eingebüßt“. Am 10. Januar sah sich das Kriegsministerium genötigt, eine Verringerung sämtlicher Divisionen von zwölf auf neun Infanteriebataillone anzuordnen.

Eine freie Presse hätte die Öffentlichkeit auf diese Entwicklung aufmerksam machen und William Robertson somit die erforderliche Rückendeckung verleihen können, um das Steuer herumzuwerfen. Doch diese Chance blieb ihm verwehrt, denn damals waren die Dinge bereits in einer Richtung entwickelt, welche die Verfasser der Protokolle der Weisen von Zion vorausgesehen hatten: „Wir müssen die Regierungen zwingen… im Sinne unseres umfassend konzipierten Plans zu handeln…, und zwar mit Hilfe dessen, was wir als öffentliche Meinung darstellen werden; letztere wird von uns mittels der sogenannten ‚großen Macht‘ insgeheim gesteuert, der Presse, die sich, von einigen kaum erwähnenswerten Ausnahmen abgesehen, schon ganz in unseren Händen befindet.“ Hochangesehene Experten waren bereit, die Öffentlichkeit auf die unmittelbar drohende Gefahr hinzuweisen, aber man stopfte ihnen den Mund.

Der bekannteste und weltweit angesehenste Militärschriftsteller seiner Zeit, Oberst Repington, vertraute seinem Tagebuch folgendes an: „Das ist schrecklich; es bedeutet die Verringerung unserer Infanterie um ein Viertel sowie Verwirrung bei unserer ganzen Infanterie, und dies zu einer Zeit, wo eine Krise naht. Seit Kriegsbeginn habe ich mich nie so elend gefühlt… Ich kann sehr wenig sagen, weil der Herausgeber der Times meine Kritik oft manipuliert oder überhaupt nicht abdruckt… Wenn die Times nicht zu ihrer unabhängigen Linie zurückfinden und als Wachhund der Öffentlichkeit wirken, will ich nichts mehr mit diesem Blatt zu tun haben.“

Als sich seine düstere Prophezeiung bewahrheitete, wurde Sir William Robertson seiner Funktion enthoben. Lloyd George, der darauf erpicht war, sein Palästina-Abenteuer von einer hohen Instanz absegnen zu lassen, legte seinen Plan dem Obersten Kriegsrat der Alliierten in Versailles vor, deren technische Berater ihm im Januar 1918 grünes Licht erteilten, „unter der Bedingung, dass die Westfront gesichert wird“. Auf Clemenceaus Ersuchen wiederholte Robertson seine Warnung, dass das Unterfangen die Westfront tödlich gefährden werde. Nach Abschluss der Sitzung fiel Lloyd George wütend über Robertson her und gab ihm den Laufpass; zu seinem Nachfolger wurde Sir Henry Wilson ernannt.

Robertson nutzte die letzten Tage vor seinem Rücktritt zu einem abermaligen Versuch, das bevorstehende Desaster abzuwenden. Er begab sich (immer noch im Januar) nach Paris und ersuchte den amerikanischen Oberbefehlshaber General Pershing, die abgezogenen britischen Truppen durch amerikanische zu ersetzen. Zum damaligen Zeitpunkt standen erst viereinhalb US-Divisionen auf französischem Boden. Als pflichtbewusster Soldat gab ihm Pershing die Antwort, die Robertson von ihm erwartete und die er an seiner Statt selbst erteilt hätte:

„Er wies verschmitzt darauf hin, dass sich meine Bitte um Hilfe an der Westfront nur schwer mit Lloyd Georges Wunsch vereinbaren ließ, in Palästina in die Offensive zu gehen. Auf dieses Argument gab es leider keine andere Antwort als die, wenn es von mir abhinge, würde kein einziger Mann und kein einziges Geschütz nach Palästina oder sonst irgendwohin geschickt.“

Doch Robertsons Rat war nicht länger gefragt. Seine Darstellung der Geschehnisse unterscheidet sich insofern von den Memoiren Lloyd Georges und anderer Politiker, als sie frei von Groll ist; Robertsons einziges Thema ist die Pflicht. Hinsichtlich der Behandlung, die ihm widerfuhr, bemerkt er lediglich: „Im Verlauf des Jahres 1917 war es oft meine unangenehme Pflicht, mich militärischen Unterfangen zu widersetzen, die der Premierminister von der Armee verlangte, und dieser Widerstand hat ihn zweifellos dazu veranlasst, einen anderen Chef des Generalstabs auszuprobieren… Bezüglich meiner Nachfolge gab es deshalb nichts zu sagen und ich sagte auch nichts.“ Somit verschwand ein bewundernswerter Mann aus dem Rampenlicht, in dem sich Gestalten minderen Ranges weiterhin sonnten, doch zuvor hatte er seinem Land einen unschätzbaren Dienst erwiesen, denn bis zum Zeitpunkt seiner Entlassung hatte er vermutlich genug Männer und Kanonen von der Verlegung nach Palästina bewahrt, um die bröckelnde Front im März vor dem völligen Zusammenbruch zu bewahren – so wie ein zerrissenes Tau bisweilen an einem dünnen Faden hängt.

Nach Robertsons Rücktritt führten zwei Männer, die weder der Regierung noch der kämpfenden Truppe angehörten, seinen Kampf weiter. Ihre Bemühungen verdienen es, hier gewürdigt zu werden, weil sie zu den letzten gehörten, die sich bemühten, dem Grundsatz der freien, unabhängigen und wachsamen Berichterstattung treu zu bleiben. Oberst Repington war ein ehemaliger Kavallerieoffizier, ein Bewunderer hübscher Frauen, ein Liebhaber geistvoller Unterhaltungen und ein Haudegen von echtem Schrot und Korn. Seine Tagebücher vermitteln ein lebendiges Bild des überschwänglichen Lebens in den Salons, das munter seinen Fortgang nahm, während die Armeen in Frankreich kämpften und eine Verschwörergruppe in den Korridoren der Macht ihre Intrigen schmiedete. Repington genoss dieses Leben trotz des düsteren Hintergrunds, vor dem es sich abspielte, da er begriff, dass Trübsal kein Heilmittel ist. Er war genau so ehrlich und patriotisch wie Robertson, durch und durch integer und ließ sich auch durch noch so verlockende finanzielle Angebote nicht zum Schweigen bringen.

Hier einer seiner Tagebucheinträge: „Wir schicken mehr als eine Million Mann auf Nebenkriegsschauplätze und verringern unsere Streitkräfte in Frankreich zu einer Zeit, wo sämtliche deutschen Truppen aus Russland gegen uns ins Feld geführt werden können… Der Herausgeber der Times verweigert mir die Unterstützung, die ich benötige, um das Land wachzurütteln, und ich glaube nicht, dass ich in der Lage sein werde, noch lange mit ihm zusammenzuarbeiten.“ (Ich bin während meiner Arbeit am vorliegenden Buch auf Oberst Repingtons Tagebücher gestoßen und mir bei ihrer Lektüre bewusst geworden, dass seine Erfahrung genau derjenigen entsprach, die ich zwanzig Jahre später mit ein und demselben Herausgeber machen musste.) Einen Monat später schrieb er: „Bei einer stürmischen Unterredung sagte ich Geoffrey Dawson, die Unterwürfigkeit gegenüber dem Kriegskabinett, die er all diese Jahre hindurch an den Tag gelegt habe, sei der Hauptgrund für die gefährliche Situation unserer Armee… Ich wolle nichts mehr mit der Times zu tun haben.“

Unter diesen Umständen gab es in England nur noch einen einzigen Mann, der sowohl gewillt als auch in der Lage war, der Wahrheit eine Gasse zu bahnen. H. A. Gwynne von der Morning Post druckte Repingtons Artikel, in dem er die Schwächung der französischen Front am Vorabend der deutschen Offensive anprangerte, unzensiert ab, worauf gegen ihn und Oberst Repington Strafanzeige erhoben wurde. Beide Männer kamen vor Gericht und wurden zu einer Buße verurteilt (offenbar hatten sie die öffentliche Meinung auf ihrer Seite, so dass die Justiz vor einer härteren Bestrafung zurückschreckte).

In einem Brief an Repington hielt Sir William Robertson fest: „Genau wie Sie habe auch ich getan, was im allgemeinen Interesse des Landes das beste war, und das Ergebnis entsprach genau dem, was ich erwartet hatte… Es ist ungemein wichtig, am richtigen Kurs festzuhalten; dann kann man sicher sein, dass aus dem, was gegenwärtig noch schlecht zu sein scheint, schließlich Gutes kommen wird.“12

Somit hatten die beiden Jahre, während der Lloyd George das Amt des Premierministers bekleidete, entscheidende Auswirkungen auf die Gegenwart; mit welchen Ränken er zur Macht gelangte und welches Hauptziel er bei deren Ausübung verfolgte, habe ich in diesem Kapitel dargelegt. Nach achtzehn Monaten hatte er jeglichen Widerstand ausgeschaltet, eine große Anzahl von Soldaten von Frankreich nach Palästina verlegt und bereitete seinen letzten großen Handstreich vor.

Am 7. März 1918 befahl er, einen „entscheidenden Feldzug“ zur Eroberung ganz Palästinas zu starten und schickte General Smuts dorthin, um General Allenby entsprechende Instruktionen zu erteilen.

Am 21. März begann der seit langem erwartete deutsche Angriff in Frankreich, bei dem sämtliche an der russischen Front entbehrlich gewordenen Soldaten, Kanonen und Flugzeuge eingesetzt wurden.

Der „entscheidende Feldzug in Palästina“ wurde sofort abgeblasen, und alle dort nicht unbedingt benötigten Soldaten wurden Hals über Kopf nach Frankreich überstellt. Nichtsdestoweniger standen laut den Angaben General Robertsons im Oktober 1918 immer noch 1.192.511 britische Soldaten auf palästinensischem Boden.

Am 27. März 1918 schrieb Oberst Repington: „Dies ist die schlimmste Niederlage in der Geschichte der [britischen] Armee.“ Bis zum 6. Juni machten die Deutschen 175.000 Gefangene und erbeuteten über 2000 Geschütze.

Diese Entwicklung bewies drastisch, wie recht Robertson gehabt hatte, als er in seinem Brief an Repington festhielt, ein unbeirrtes Festhalten am richtigen Kurs werde früher oder später Früchte tragen; für Menschen guten Willens haben seine Worte noch heute unverändert Gültigkeit. Durch seine unbeirrte Haltung als Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Frankreich hatte er die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die wankende Front durchhielt, bis eine genügend große Zahl amerikanischer Soldaten auf den Schlachtfeldern eingetroffen war. Von da an konnte über den Kriegsausgang kein Zweifel mehr bestehen. Gewiss, wäre Russland nicht ausgeschert und hätten sich die Briten auf die französische Front konzentriert, statt sich auf ein Abenteuer im Nahen Osten einzulassen, so wäre der Krieg in Frankreich wahrscheinlich auch ohne den massiven Einsatz amerikanischer Truppen früher zu Ende gegangen. Doch ein solcher Verlauf hätte den großen Plan „zur Lenkung des Geschicks der Menschheit“ in keiner Weise gefördert.

Meine eigenen Erfahrungen als Frontsoldat in Frankreich hat sich zweifellos auch auf die früheren Kapitel dieses Buchs abgefärbt, denn als Vertreter der Kriegsgeneration habe ich das unheilvolle Wirken der „Weisen von Zion“ hautnah miterlebt. Ich entsinne mich des großen deutschen Angriffs vom 21. März 1918, den ich aus der Luft und zu Land verfolgen konnte; einen Monat lang habe ich mich an den Kämpfen beteiligt, ehe man mich auf einer Bahre vom Schlachtfeld trug. Ich erinnere mich an den Befehl von Sir Douglas Haig, der damals an den Wänden der Kantine meines Geschwaders prangte: Jedermann müsse dort kämpfen und sterben, wo er sich befinde. Ich klage nicht über meine damaligen Erfahrungen und möchte sie nicht missen. Doch heute, wo ich mir Rechenschaft darüber ablege, mit welchen Mitteln und aus welchen Gründen die damalige Entwicklung herbeigeführt worden ist, bin ich überzeugt, dass es künftigen Generationen leichter fallen wird, Sir William Robertsons Weisheit zu beherzigen und unbeirrt „den rechten Kurs“ zu verfolgen, damit sich scheinbar Schlechtes ein weiteres Mal zum Guten wandle, wenn sie einen Einblick in die damaligen sowie die späteren Geschehnisse erhalten. Dies ist der Grund dafür, dass ich das vorliegende Buch schreibe.

Dank dem Sieg in Europa geriet das begehrte Territorium in Palästina tatsächlich unter britische Herrschaft. Doch ein Land erwerben und dort etwas aufbauen sind zweierlei Dinge. Zunächst hieß es, auf palästinensischem Boden solle lediglich eine zionistische „Heimstatt“ entstehen, doch aus dieser „Heimstatt“ wurde schließlich ein Staat. England allein hätte dies nicht zustande gebracht. Dafür, dass ein europäischer Eroberer arabisches Territorium einem asiatischen Stamm schenkte, gab es in der Geschichte keinen Präzedenzfall. Deshalb musste noch eine erhebliche Anzahl anderer Nationen für dieses Projekt gewonnen werden, und es bedurfte einer Organisation zur Absegnung des „Transfers“, damit dieser den Anschein einer legalen Operation erweckte. Anders gesagt, es war eine „Liga der Nationen“ vonnöten, in der die Vereinigten Staaten von Amerika die erste Geige spielen würden. Auch der zweiten Teils des Plans wurde zielstrebig verwirklicht: Während britische Truppen das heißbegehrte Territorium besetzten, waren kluge Juristen eifrig damit beschäftigt, seine künftigen Besitzer mit den erforderlichen Rechtstiteln auszustatten und das Unternehmen auch sonst in jeder Hinsicht zu fördern.

Lloyd George hatte sein Scherflein zur Verwirklichung des Plans beigetragen, und sein Erdendasein neigte sich seinem Ende zu. Wir bitten unsere Leser nun, einen Blick über den Atlantik zu werfen und zu beobachten, was Oberst House, Richter Brandeis und Rabbiner Stephen Wise jenseits des großen Teiches trieben. Eine wichtige Rolle in diesem Spiel kam auch der schattenhaften Gestalt eines gewissen Woodrow Wilson zu.

12. Eine Folge dieser Geschehnisse war, dass Sir Edward Care, der Lloyd Georges unfreiwillig geholfen hatte, Premierminister zu werden, aus der Regierung austrat und dem Herausgeber der Times vorhielt, seine Zeitung sei nichts weiter als das Sprachrohr Lloyd Georges, während es sich bei der Morning Post um ein wahrhaftig unabhängiges Blatt handle. Gwynne ließ Repington wissen, die Regierung wolle die Morning Post aus dem Verkehr ziehen, da sie „eine der wenigen noch übrig gebliebenen unabhängigen Zeitungen ist“. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, war das Blatt in der Tat bereits „aus dem Verkehr gezogen“ worden. Nach dem Verschwinden der Morning Post gab es in Großbritannien nur noch eine einzige Wochenzeitschrift, die sich meiner Ansicht nach noch viele Jahre lang bemühte, das Prinzip der unparteiischen und unabhängigen Berichterstattung aufrechtzuerhalten, doch anno 1953 wechselte Truth den Besitzer und schwenkte auf den gewünschten Kurs ein.

Kapitel 31

Ein Netz von Intrigen

Dass ich in diesem Buch immer wieder von einer “Verschwörung” und einer “Intrige” spreche, ist keinesfalls eine persönliche Marotte; namhafte Experten verwenden diese Ausdrücke regelmäßig. Der Titel des vorliegenden Kapitels stammt beispielsweise von Arthur D. Howden, der sich bei der Niederschrift seiner Biographie von Oberst House (Mr. House of Texas, 1940) auf Informationen stützte, die er von seinem Helden selbst erhalten hatte. Howden bezeichnet die Vorgänge, die sich von 1914 bis 1918 in Amerika abspielten und in deren Mittelpunkt House stand, als „Netz von Intrigen, das sich quer über den Atlantik spannte“.

Die Kreise um Lloyd George in Großbritannien und der amerikanische Präsident Wilson waren zwar separat umgarnt worden, doch zwischen 1914 und 1917 wurden die Fäden in London und Washington zu jenem transatlantischen Netz verflochten, von dem Howden spricht. Von nun an waren beide Regierungen, die britische und die amerikanische, in dieses Netz verstrickt, aus dem sie sich nie mehr zu befreien vermochten.

Präsident Woodrow Wilson war wenig mehr als eine Marionette des eigentlichen Machthabers Oberst House, den Rabbiner Wise als „Verbindungsoffizier zwischen der Wilson-Regierung und der zionistischen Bewegung“ bezeichnet hat. Richter Brandeis, der beschlossen hatte, sein Leben dem Zionismus zu weihen, war Wilsons „Berater für die jüdische Frage“ (Chaim Weizmann); dieses Amt hatte zuvor nie existiert, wurde nun jedoch zur Dauerinstitution. Der oberste zionistische Organisator war Rabbiner Wise, der in ständigem Kontakt mit Wilson und House stand.

Wilsons Minister wurden von House und Bernard Baruch ausgewählt, so dass sich einer von ihnen dem Präsidenten wie folgt vorstellte: „Herr Präsident, mein Name ist Lane, ich glaube, ich bin der Innenminister.“ Wilsons Wohnsitz war natürlich das Weiße Haus in Washington, doch sah man ihn häufig eine kleine Wohnung an der East 35th Street in New York aufsuchen, wo House lebte. Dies gab natürlich Anlass zu allerlei Fragen. Als sich ein Spitzenfunktionär von Wilsons Partei nach der Art seiner Beziehungen zum Oberst erkundigte, erhielt er folgende Antwort: „Mr. House ist meine zweite Persönlichkeit, mein unabhängiges Ich. Seine Gedanken und die meinen sind ein und dieselben.“ House hielt sich oft in Washington auf, wo er die Interviews und die Korrespondenz des Präsidenten überwachte und Wilsons Minister in den Korridoren instruierte, was sie im Kabinett zu sagen hatten. Selbst wenn er sich in New York befand, dirigierte er die Politik Amerikas über private Telefonleitungen, die ihn mit dem Weißen Haus verbanden. „Ich brauche nur den Hörer abzunehmen, um direkt mit dem Büro des Außenministers verbunden zu werden“, prahlte er.

Um Entscheidungen von staatspolitischer Bedeutung zu fällen, brauchte House Präsident Wilson nicht um seine Zustimmung zu ersuchen. Wie er selbst festhielt, war er „nicht auf Anweisungen [seitens des Präsidenten] angewiesen; wenn der Präsident keine Einwände erhob, wusste ich, dass ich den eingeschlagenen Kurs ohne weiteres fortsetzen konnte“. Dies bedeutet im Klartext, dass Wilson ausdrücklichen Widerspruch einlegen musste, um irgendwelche von House eingeleiteten Schritte zu verzögern oder zu modifizieren. (Schließlich hatte er sofort nach seiner Wahl versprechen müssen, „künftig nicht unabhängig zu handeln“).

Anno 1914 bereitete sich House, der sich vierzehn Jahre früher vorgenommen hatte, seine bisher auf Texas begrenzte Macht auf ganz Amerika auszudehnen, darauf vor, die Kontrolle über die auswärtigen Angelegenheiten der Vereinigten Staaten zu übernehmen. Howden schreibt: „Er wollte seine Energie auf einem breiteren Feld entfalten… Ab Anfang 1914 machte er sich zunehmend Gedanken über das, was er als höchste Stufe der Politik ansah und wofür er besondere Begabung besaß: Die Außenpolitik.“

Sein texanischer Hintergrund qualifizierte ihn freilich durchaus nicht für diese Aufgabe. In Texas tönte der Ausdruck „auswärtige Angelegenheiten“ nämlich so anrüchig wie das Wort „Stinktier“. Mehr als in jedem anderen amerikanischen Bundesstaat war dort im Volksbewusstsein die Tradition des 19. Jahrhunderts lebendig geblieben, der zufolge der vollständige Verzicht auf jegliche Einmischung in die politischen Angelegenheiten Europas als ehernes Prinzip der amerikanischen Politik zu gelten hatte. House, der irgendwo in Texas „die Ideen der Revolutionäre von 1848“ in sich aufgesogen hatte, brach mit dieser Tradition, doch dies machte ihn noch lange nicht zum Fachmann für auswärtige Angelegenheiten.

Oberst House gehörte einem ganz anderen Menschenschlag an als der träumerische Balfour, der inmitten der nebligen Hügel Schottlands aufgewachsen war, oder der gerissene Lloyd George, der sich stets bemühte, seine Aktivitäten zu vertuschen; nichtsdestoweniger hinterließ sein ganzes Handeln den Eindruck, als seien er, Balfour und Lloyd George Absolventen ein und derselben geheimen Akademie für politische Intrigen. 1914 begann er (laut seinen eigenen Aussagen) amerikanische Botschafter zu ernennen und erwies erstmals europäischen Regierungen in seiner Eigenschaft als „persönlicher Freund des Präsidenten“ seine Aufwartung.

Sein Herausgeber Seymour meinte: „In der ganzen Geschichte findet sich kaum ein anderes Beispiel einer dermaßen unkonventionellen und effizienten Diplomatie. Oberst House, ein Privatmann, legt sämtliche Karten auf den Tisch und entscheidet gemeinsam mit dem Botschafter einer fremden Macht über den Inhalt der Depeschen, die dem Außenminister dieser Macht sowie ihrem Botschafter in den USA zugestellt werden sollen.“ Houses Vertrauensmann Howden schrieb: „Die Initiative lag bei House… Dem Außenministerium kam nur noch die Aufgabe zu, seine Ideen zu vermitteln und als Ablage für offizielle Dokumente zu dienen. Ein erheblicher Teil der vertraulichen diplomatischen Korrespondenz ging direkt durch die kleine Wohnung an der East 35th Street. Die Botschafter der kriegführenden Mächte suchten ihn auf, wenn sie die Regierung beeinflussen wollten oder in dem Netz von Intrigen, das sich quer über den Atlantik spann, Unterstützung suchten.“

„Das Leben, das ich führe, ist interessanter und aufregender als jede Romanze“ , brüstete sich House. „Aus allen Ecken und Enden der Welt strömen Informationen in dieses kleine, unauffällige Arbeitszimmer.“ Seymour ergänzt: „Kabinettminister, die nach Helfern Ausschau hielten und Anwärter auf derartige Posten machten sein Büro zu einer Art Stellenbörse. Verleger und Journalisten waren erpicht darauf, seine Meinung zu erfahren, und die der ausländischen Presse zugestellten Depeschen wurden größtenteils von ihm diktiert. Beamte des Finanzministeriums, britische Diplomaten… und Finanzlöwen aus den Metropolen der Welt gaben sich in seinem Büro ein Stelldichein, um ihre Pläne mit ihm zu erörtern.“

Jenseits des Atlantiks gab es einen aufstrebenden Politiker, der sich ebenfalls lebhaft für die Tätigkeit der „Finanzlöwen“ interessierte. Wie Beatrice Webb berichtet, hatte ihr Winston Churchill bereits einige Zeit zuvor bei einem Abendessen anvertraut, er baue darauf, dass die „Hochfinanz“ den Frieden bewahren könne, und sei deshalb „gegen ein autarkes [britisches] Empire“, da er befürchte, dieses werde den kosmopolitischen Kapitalismus zerstören; der kosmopolitische Financier sei jedoch der professionelle Friedensstifter der modernen Welt und seiner Ansicht nach die Apotheose der Zivilisation. Die späteren Entwicklungen haben Churchills These, wonach die führenden „kosmopolitischen“ oder „in den Metropolen der Welt“ beheimateten Financiers „professionelle Friedensstifter“ seien, freilich in keiner Weise bestätigt.

So also sah es in den Jahren 1915 und 1916 in Amerika hinter den Kulissen aus. Die folgenden Ereignisse zeigten klar, welche Ziele die herrschende Clique, deren Netz sich mittlerweile quer über den Atlantik spannte, insgeheim verfolgte. Der britische Premierminister Asquith wurde unter dem Vorwand, seine Inkompetenz gefährde die Aussichten auf den Sieg, seines Amtes enthoben; Lloyd George brachte sein Land an den Rand einer totalen Niederlage, indem er einen erheblichen Teil der britischen Truppen von Frankreich nach Palästina verlegte. Woodrow Wilson wurde wiedergewählt, weil man dem amerikanischen Volk weisgemacht hatte, er werde der alten Tradition treu bleiben und sein Land aus dem Krieg heraushalten, doch schon bald nach seiner Wiederwahl ging er auf Kriegskurs.

Welcher Abgrund zwischen den Worten und den Taten jener Männer klaffte, die den Kurs der amerikanischen Außenpolitik bestimmten, geht aus folgenden Fakten hervor: Oberst House war bereits am 30. Mai 1915 privat zum Schluss gelangt, ein Krieg mit Deutschland sei „unvermeidlich“, was ihn allerdings nicht daran hinderte, im Juni 1916 den Slogan zu prägen, der Wilson die Wiederwahl bescheren sollte: „Er hat uns aus dem Krieg herausgehalten.“ Rabbiner Stephen Wise stellte sich vor den Wahlen entschieden hinter House: In mehreren Briefen an den Präsidenten beklagte er dessen Unterstützung für „ein Programm der [militärischen] Bereitschaft“, und in seinen öffentlichen Ansprachen wandte er sich gegen jegliche Versuche, Amerika in den Krieg zu verstricken. Alles verlief wie geplant; wie Howden festhält, funktionierte „die von House verfolgte Politik perfekt“ und Wilson wurde mit überzeugender Mehrheit wiedergewählt.

Allem Anschein nach glaubte Wilson damals tatsächlich noch an das, was er öffentlich sagte. Nach seinem Wahltriumph versuchte er sich als Friedensstifter und entwarf eine Note an die kriegführenden Mächte, in er es hieß: „Die Ursachen und Ziele des Krieges liegen im Dunkeln.“ Mit diesem Akt selbständigen Handelns hatte sich der Präsident der Unbotmäßigkeit schuldig gemacht, was House lebhaft verärgerte. Unter Druck gesetzt, änderte Wilson den strittigen Satz wie folgt ab: „Die Ziele, welche die Staatsmänner und die Kriegführenden auf beiden Seiten in diesem Krieg verfolgen, sind buchstäblich dieselben.“ Doch auch diese Version fand bei House keine Gnade, sondern versetzte ihn nur noch mehr in Rage. Von nun an unternahm Wilson keinerlei Versuch mehr, auf eigene Faust zu handeln. Für kurze Zeit wusste er nicht, was man demnächst von ihm verlangen würde; am 4. Januar 1917 schrieb er an House: „Es wird keinen Krieg geben. Unser Land will sich nicht in den Krieg verwickeln lassen… Es wäre ein Verbrechen gegen die Zivilisation, wenn wir uns auf einen solchen Schritt einließen.“

Doch die Strippenzieher, an deren Fäden der Präsident wie eine Marionette tanzte, sorgten dafür, dass dergleichen Illusionen nach Wilsons zweitem Amtsantritt (am 20. Januar 1917) sogleich zerstoben. Rabbiner Wise teilte Wilson mit, er habe inzwischen umgedacht; seiner Überzeugung nach sei „für das amerikanische Volk die Zeit gekommen, zu verstehen, dass es möglicherweise unser Los ist, an diesem Kampf teilzunehmen“. Oberst House, der bereits während des Wahlkampfs in einer Notiz festgehalten hatte, Amerika befinde sich auf der Schwelle zum Krieg, vertraute seinem Tagebuch am 12. Februar 1912 folgendes an: „Wir treiben so schnell auf den Krieg zu, wie ich erwartet habe.“

Am 27. März 1917 erkundigte sich Wilson bei House, ob er den Kongress um eine Kriegserklärung ersuchen oder festhalten solle, das Land sei bereits in Kriegszustand. House „empfahl ihm Letzteres“ und am 2. April erfuhr das amerikanische Volk, dass es sich im Krieg befand13. Somit hatte das Netz der Intrige, das sich quer über den Atlantischen Ozean spannte, sein entscheidendes Ziel im Zeitraum zwischen November 1916 und April 1917 erreicht: Lloyd George hatte Asquith als Premierminister abgelöst; die Verlegung britischer Truppen nach Palästina war bereits angelaufen; Präsident Wilson, auf dessen Unterstützung bei der Verwirklichung des zionistischen Plans man sich verlassen konnte, war wiedergewählt worden, und die USA waren in den Krieg eingetreten.

In seiner Botschaft an den Kongress, in der er festhielt, die Vereinigten Staaten befänden sich de facto im Kriegszustand, sagte Wilson, das Ziel des Krieges (von dem er wenige Wochen zuvor behauptet hatte, es liege im Dunkeln) bestehe in der Schaffung einer „neuen internationalen Ordnung“. Somit wurde ausdrücklich ein neues Ziel formuliert, auch wenn die Formulierung selbst sehr verschwommen war; schließlich wusste niemand so recht, was man sich unter dieser „neuen internationalen Ordnung“ vorzustellen hatte. Nur die Eingeweihten begriffen, dass darunter ein Plan zur Schaffung einer „Weltföderation“ zu verstehen war, der notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden sollte und das Verschwinden sämtlicher alten Nationen sowie die Gründung einer neuen vorsah; sowohl der Zionismus als auch der Kommunismus waren Werkzeuge bei der Verwirklichung dieses Plans.

Von diesem Moment an marschierten die heimlichen politischen Machthaber in Amerika und England in strammem Gleichschritt, so dass zwei ursprünglich getrennte Geschichten zur Geschichte eines einzigen „Netzes“ verschmelzen. Jene Männer, die in Washington und London offiziell das Sagen hatten, koordinierten ihre Aktionen unter der Regie der Zionisten, die hüben und drüben des großen Teichs die Fäden zogen. Bereits im März 1915 hatte Chaim Weizmann in London unter Beweis gestellt, dass er wusste, wie sich die Dinge entwickeln würden: Er schrieb an seinen Verbündeten Scott, den Herausgeber des Manchester Guardian , „seines Wissens“ sei die britische Regierung bereit, den zionistischen Interessen bei der kommenden Friedenskonferenz gebührend Rechnung zu tragen (schon 1903 hatte sich Max Nordau in ähnlichem Sinne geäußert). Da Herbert Asquith hierzu jedoch in keiner Weise gewillt war, kann Weizmanns Aussage nur eines bedeuten: Er wusste bereits im März 1915, dass Asquiths Tage als Premierminister gezählt waren; in der Tat musste er im Dezember desselben Jahres seinen Hut nehmen, und die neue britische Regierung schwenkte schon bald auf den von Weizmann gewünschten Kurs ein.

Die britische Regierung, meinte Weizmann weiter, werde „die Organisation des jüdischen Commonwealth in Palästina voll und ganz den Juden überlassen“. Doch selbst wenn man den Zionisten Palästina auf dem Silbertablett serviert hätte, wären sie nicht in der Lage gewesen, dort gegen den Willen der arabischen Bevölkerungsmehrheit ein „Commonwealth“ zu errichten. Dies konnten sie einzig und allein unter dem Schutz einer Großmacht und ihrer Heere tun. Deshalb vertrat Weizmann die Ansicht, zum Schutz der zionistischen Siedler solle in Palästina ein britisches Protektorat errichtet werden (was dann im Jahre 1919 tatsächlich geschah). Ein solcher Schritt, argumentierte er, würde bedeuten, dass „die Juden das Land übernehmen und die ganze Last der Organisation ihnen zufällt, sie die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre jedoch einem temporären britischen Protektorat unterstehen werden“.

Dr. Weizmanns Kommentar, dies sei eine „Vorwegnahme des Mandatsystems“ gewesen, vermittelt dem Historiker Aufschluss über die Entstehung des Begriffs „Mandat“. Die Strategie, eroberte Territorien einem „Mandat“ zu unterstellen, das von einem selbsternannten „Völkerbund“ proklamiert worden war, wurde einzig und allein im Hinblick auf Palästina entworfen. (Dies hat die geschichtliche Entwicklung bestätigt: Sämtliche anderen nach dem Ersten Weltkrieg geschaffenen „Mandate“, die offenbar nur den Eindruck erwecken sollten, dieses Vorgehen sei allgemein anwendbar, sind inzwischen verschwunden; entweder erhielten sie die Unabhängigkeit, oder sie wurden zum Besitz des Eroberers erklärt. In anderen Worten: Der Begriff „Mandat“ wurde nur so lange aufrechterhalten, bis die Zionisten genug Waffen angehäuft hatten, um Palästina selbst in Besitz zu nehmen.)

Dies alles spricht dafür, dass Dr. Weizmann, der rührige Strippenzieher im Zentrum des Netzes, nach der Ernennung Lloyd Georges zum britischen Premierminister sowie der Wiederwahl Wilsons zum US-Präsidenten sehr genau Bescheid darüber wusste, was für die Zukunft geplant war. Weizmann ließ keine Zeit verstreichen: In einem Memorandum an die britische Regierung forderte er, die königliche Regierung solle „die jüdische Bevölkerung in Palästina“ offiziell als „jüdische Nation anerkennen. Darauf versammelte sich ein aus neun zionistischen Führern sowie einem Vertreter der britischen Regierung (Sir Mark Sykes, der allerdings bloß als „Privatmann“ zugegen war) bestehendes Komitee in einem jüdischen Privathaus, um ein britisches Regierungsdokument zu entwerfen. Dies war die Geburtsstunde der Balfour-Deklaration. Unmittelbar anschließend beschloss Balfour, sich zur Erörterung dieser Frage nach Amerika zu begeben.

Weizmann und seine Mitstreiter mussten damals ungemein vorsichtig vorgehen und behutsam lavieren, um zwei Hindernisse zu umgehen; der Plan hätte sehr wohl fehlschlagen können, wenn das „Netz“ es ihnen nicht ermöglicht hätte, darüber zu bestimmen, welche Antwort Balfour von seinen amerikanischen Gesprächspartnern erhielt. Trotz ihrer ausgeprägt prozionistischen Haltung war der britischen Regierung nicht geheuer bei dem Gedanken, dass England allein als Schutzmacht der Zionisten auftreten würde; deshalb versuchte sie die Amerikaner zu einer Teilnahme an der militärischen Besetzung Palästinas zu bewegen. Die Zionisten wussten, dass dies bei der amerikanischen Öffentlichkeit Empörung auslösen würde, und wandten sich deswegen gegen eine Teilnahme der Vereinigten Staaten an dem Feldzug. Dass Balfour vor seiner Abreise in einem „langen Gespräch“ mit Weizmann eifrig für ein „anglo-amerikanisches Protektorat“ warb, verstärkte dessen Befürchtungen noch.

Am 8. April 1917 ersuchte er Richter Brandeis brieflich, sich dergleichen Plänen zu widersetzen, Balfour jedoch zugleich der amerikanischen Unterstützung für ein rein britisches Mandat zu versichern. Weizmann zufolge muss dieser Brief Brandeis „ungefähr zur Zeit von Balfours Ankunft“ erreicht haben. Brandeis war zum damaligen Zeitpunkt bereits Mitglied des obersten Gerichtshofs der USA und gehörte der zionistischen Führungsriege in Amerika offiziell nicht mehr an. Sein Amt hätte ihn eigentlich dazu verpflichten müssen, sich von allen politischen Machenschaften fernzuhalten, doch in seiner Eigenschaft als Wilsons „Berater für die jüdische Frage“ teilte er dem Präsidenten mit, er sei „für ein britisches Protektorat, aber voll und ganz gegen ein Kondominium“ (d. h. eine gemeinsame britisch-amerikanische Kontrolle über Palästina).

Nach seiner Ankunft in Amerika (das sich damals erst seit achtzehn Tagen offiziell im Krieg befand) scheint er die Palästina-Frage in seinen Unterredungen mit Wilson überhaupt nicht aufs Tapet gebracht zu haben. Letzterer beschränkte sich vorderhand auf eine devote Ergebenheitserklärung gegenüber Rabbiner Wise: „Sobald … Sie sowie Richter Brandeis der Ansicht sind, für mich sei die Zeit reif, zu reden und zu handeln, werde ich bereit sein.“ Zum damaligen Zeitpunkt war Oberst House von Wise bereits gebührend instruiert worden: „Er steht im Dienst unserer Sache. Hieran besteht überhaupt kein Zweifel. Ich glaube, in Washington wird alles reibungslos durchgehen.“ Dies erklärte Wise am 8. April 1917, genau sechs Tage nach dem amerikanischen Kriegseintritt.

Die Begegnung zwischen Balfour und Brandeis fand selbstverständlich statt, doch hätte der britische Außenminister im Grunde genommen getrost bei Dr. Weizmann in England bleiben können, denn Brandeis wiederholte lediglich, was Weizmann in seinem Brief dargelegt hatte. Balfour hatte also nichts anderes getan, als von einem Ende des „Netzes der Intrige“ zum anderen zu rücken. Wie Blanche Dugdale berichtet, betonte Brandeis bei dem Gespräch immer nachdrücklicher, dass die Zionisten in Palästina „eine britische Verwaltung“ wünschten. Laut seiner Biographin „versicherte er die Zionisten seiner persönlichen Unterstützung; dies hatte er bereits gegenüber Dr. Weizmann getan, aber jetzt war er britischer Außenminister“.

In seinem 1951 erschienenen Buch The Iron Curtain over America [Der eiserne Vorhang über Amerika] kommentierte John O. Beaty, Professor an der amerikanischen Southern Methodist University, die Rolle, die Brandeis bei dieser Angelegenheit gespielt hat. Seine Ernennung zum Mitglied des obersten Gerichtshofs, meint er, sei „einer der wichtigsten Tage in der amerikanischen Geschichte“ gewesen, „denn zum ersten Mal seit dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gab es bei uns einen Beamten höchsten Ranges, dessen Herzensanliegen eine außeramerikanische Frage war“.

Brandeis hatte weit mehr getan als „die Idee eines jüdischen Palästina unter britischem Protektorat zu propagieren“ (Weizmann). Gemeinsam mit Oberst House hatte er die anschließend von Wilson unterzeichnete berühmte Erklärung gegen Geheimverträge entworfen. Diese Erklärung war bei den Massen sehr populär; sie glaubten darin die Stimme der schönen neuen Welt zu hören, die mit den Unsitten der hässlichen alten Welt gebrochen hatte. Schließlich rief allein schon das Wort „Geheimabkommen“ Bilder von vermummten Diplomaten wach, die auf Hintertreppen in geheime Kanzleien huschten; nun, wo sich Amerika im Krieg befand, würden diese unerfreulichen Relikte des Feudalismus endgültig über Bord geworfen werden, und in der Diplomatie würde fortan mit offenen Karten gespielt werden.

Dies war natürlich eine fromme Illusion; die Absage an Geheimverträge war nichts weiter als ein Taschenspielertrick, der einzig und allein zionistischen Interessen diente. Die Türkei war immer noch unbesiegt, so dass die französische und die britische Regierung, deren Soldaten den Türken auf dem Schlachtfeld gegenüberstanden, versucht hatten, die Gunst der Araber zu gewinnen, indem sie mit diesen insgeheim das sogenannte „Sykes-Picot-Abkommen“ unterzeichneten, das die Schaffung einer unabhängigen Konföderation arabischer Staaten sowie eine internationale Verwaltung für Palästina vorsah. Dr. Weizmann bekam von diesem Abkommen Wind. Für ihn konnte es in Palästina keinen zionistischen Staat geben, wenn Palästina internationaler Kontrolle unterstand; nur ein britisches Protektorat gewährleistete die Verwirklichung des zionistischen Plans. Dementsprechend wurde Druck auf die englische Regierung ausgeübt, und Wilsons lautstarke Anprangerung der „Geheimabkommen“ richtete sich in Wirklichkeit ausschließlich gegen die palästinensischen Araber und deren Hoffnung auf eine freie Zukunft. Amerika beharrte darauf, dass England, und nur England, bei der Geburt einer zionistischen Heimstatt Pate stehen müsse.

Balfours Biographin Blanche Dugdale vermerkt mit Genugtuung, die Aktivitäten ihres Helden hätten gezeigt, dass nun „eine nationale jüdische Diplomatie im Entstehen begriffen war“. Das britische Außenministerium, meint Frau Dugdale, habe „leicht verstört erkannt, dass sich die britische Regierung praktisch festgelegt hatte“. Die USA befanden sich zwar mit den Mittelmächten, nicht aber mit der Türkei im Kriegszustand; nichtsdestoweniger hatten sie sich (durch Richter Brandeis) insgeheim verpflichtet, die Abtretung türkischen Territoriums an eine Drittmacht zu unterstützen. Aus diesem Grund durfte die Öffentlichkeit zumindest vorderhand nichts von der amerikanischen Beteiligung an der Intrige erfahren, obwohl seine amerikanischen Gesprächspartner dem britischen Außenminister gebieterisch klargemacht hatten, was von ihm erwartet wurde.

Während an der Balfour-Deklaration gefeilt wurde, verstrich der Sommer 1917. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren mittlerweile tief in das zionistische Abenteuer verstrickt. Abgesehen von den Generälen und einigen wenigen hochrangigen Beamten des britischen sowie des amerikanischen Außenministeriums waren die englischen und amerikanischen Juden die einzigen, die sich dem Zionismus entgegenstellten. (Dass Nichtjuden, wenn auch nur als Marionetten, eine dermaßen maßgebliche Rolle bei der Verwirklichung der zionistischen Pläne gespielt haben, ist einer von mehreren Gründen dafür, der Behauptung, wonach die „Protokolle der Weisen von Zion“ rein jüdischen Ursprungs seien, mit einer gehörigen Portion Skepsis zu begegnen.)

In Großbritannien hatte die Anglo-Jewish Association im Jahre 1915 durch ihr Vereintes Komitee folgende Erklärung abgegeben: „Die Zionisten halten bürgerliche und politische Emanzipation nicht für ausreichend, um den Sieg über die Verfolgung und Unterdrückung von Juden zu gewährleisten; sie meinen, ein solcher Sieg könne lediglich durch die Gründung einer rechtlich abgesicherten Heimstatt für das jüdische Volk errungen werden. Das Vereinte Komitee hält die ‚nationale‘ Forderung der Zionisten sowie besondere Privilegien für Juden in Palästina für gefährlich und geeignet, Antisemitismus zu provozieren. Das Komitee konnte die Frage eines britischen Protektorats nicht mit einer internationalen Organisation erörtern, der verschiedene Elemente, darunter auch solche aus dem Feindeslager, angehören.“

Unter normalen Umständen hätten sich auch die britische sowie die amerikanische Regierung in diesem Sinne geäußert, und sie wären von den jüdischen Bürgern ihrer Staaten unterstützt worden. Doch Dr. Weizmann hatte anno 1914 geschrieben, man müsse solchen Juden klarmachen, dass „wir und nicht sie die Herren der Situation sind“. Das Vereinte Komitee vertrat die alteingesessenen Juden Englands, aber die britische Regierung akzeptierte die Behauptung der russisch-jüdischen Revolutionäre, sie seien die „Herren“ des Judentums.

1917, als der Moment der unwiderruflichen Entscheidung näher rückte, erklärte das vereinigte Komitee abermals, die Juden seien eine religiöse Gemeinschaft und nicht mehr; sie besäßen keinen Anspruch auf eine „nationale Heimstatt“ und die Juden Palästinas brauchten nicht mehr als „die Sicherstellung ihrer religiösen und bürgerlichen Freiheit, vernünftige Möglichkeiten für Einwanderung und desgleichen“.

Solche Erklärungen gingen den bedrängten Goyim, die sich um Chaim Weizmann geschart hatten, inzwischen gründlich gegen den Strich. In The Times bekundete Wickham Steed seine „tiefe Verärgerung“, nachdem er „eine gute Stunde lang“ mit Dr. Weizmann diskutiert hatte, der „ein großartiges Plädoyer für die zionistische Sache“ gehalten habe.

In den USA beobachteten Brandeis und Wise das Verhalten der dortigen Juden mit nicht minder großem Argwohn. Der (aus Ungarn stammende) Rabbiner Wise fragte Präsident Wilson: „Was werden Sie tun, wenn ihre Proteste Sie erreichen?“ Einen Augenblick lang herrschte Stille. Dann wies der Präsident auf einen großen Papierkorb hinter seinem Schreibtisch und fragte: „Ist dieser Korb denn nicht groß genug für all ihre Proteste?“

In England war Weizmann wütend über die „ausschließlich von jüdischer Seite kommende Einmischung von außen“. Inzwischen kam er sich bereits so vor wie ein Mitglied der Regierung, vielleicht das wichtigste von allen, und angesichts der Macht, die er ausübte, lag er mit diesem Gefühl gar nicht so schief. Er begnügte sich nicht damit, die Einwände britischer Juden als „Einmischung von außen“ vom Tisch zu wischen, sondern diktierte dem Kabinett, welche Fragen es zu erörtern hatte, und verlangte sogar, an Kabinettssitzungen teilnehmen zu dürfen, um einem jüdischen Minister die Leviten lesen zu können! Er forderte von Lloyd George, die Frage „für den 4. Oktober auf die Agenda des Kriegsministeriums zu setzen“ und verwahrte sich am 3. Oktober in einem Brief an das britische Außenministerium gegen die Einwände, die „ein prominenter Engländer jüdischen Glaubens“ bei der auf den folgenden Tag anberaumten Sitzung vermutlich vorbringen werde.

Dieser „prominente Engländer jüdischen Glaubens“ war der Minister Edwin Montagu. Weizmanns verlangte also implizit, Montagus Kabinettskollegen sollten diesem kein Gehör schenken; wenn sie ihm aber doch Gehör schenken sollten, müsse er, Dr. Weizmann, zur Teilnahme an der Sitzung eingeladen werden, um Montagu zu antworten! Tatsächlich erschien Weizmann am Tag der Sitzung im Büro des Sekretärs des Premierministers, Philip Kerr (auch er ein „Freund“ der zionistischen Sache), und ersuchte darum, dort bleiben zu dürfen – für den Fall, dass das Kabinett beschließe, „mir einige Fragen zu stellen, ehe es über die Angelegenheit entscheidet“. Dieses Ansinnen ging Kerr jedoch zu weit, und er belehrte seinen Gast: „Seitdem die britische Regierung eine Regierung ist, hat sie nie eine Privatperson zu einer ihrer Sitzungen zugelassen.“ Somit blieb Weizmann nichts anderes übrig, als das Büro zu verlassen.

Doch nun schaltete sich Lloyd George ein. Nachdem Edwin Montagu seine Argumente dargelegt hatte, ließen Lloyd George und Balfour den Zionistenführer, der eben erst gegangen war, zurückrufen und baten ihn ins Kabinett. Gegen den zähen Widerstand der Goyim, die geschlossen gegen ihn Front machten, gelang es Montagu, einige geringfügige Veränderungen des Entwurfs zu erreichen. Erbost über die Abstriche, die er hatte machen müssen, rügte Weizmann den Kabinettssekretär Kerr später: „Das Kabinett und sogar Sie selbst messen der Ansicht des sogenannten‚ britischen Judentums viel zu große Bedeutung bei.“

Zwei Tage später, am 9. Oktober, teilte Weizmann Richter Brandeis in einem triumphierend formulierten Telegramm mit, die britische Regierung habe sich formell verpflichtet, „eine nationale Heimstatt für die jüdische Rasse“ in Palästina zu schaffen.

Zwischen dem 9. Oktober und dem 2. November, dem Tag ihrer Veröffentlichung, widerfuhren der Resolution allerlei aufschlussreiche Abenteuer. Sie wurde nach Amerika gesandt, wo Brandeis, Jacob de Haas und Rabbiner Wise sie nochmals überarbeiteten, ehe sie Präsident Wilson „zur endgültigen Billigung“ vorgelegt wurde. Wilson schickte das Dokument einfach an Brandeis zurück; dieser überreichte es Wise, der es „an Oberst House weitergab, mit dem Auftrag, es dem britischen Kabinett zuzustellen“.

So wurde eine der verhängnisvollsten Entscheidungen vorbereitet, die je eine britische Regierung getroffen hat. Der von Wilson formell abgesegnete Text, den Balfour in einem Brief an Lord Rotschild wiedergab, wurde zur „Balfour-Deklaration“. Wie viele andere führende jüdische Familien war auch die Sippe der Rothschilds in der Frage des Zionismus gespalten. Dass Balfour dem Text der nach ihm benannten Erklärung einem prozionistischen Angehörigen dieser Familie zustellte, verfolgte natürlich den Zweck, das westliche Judentum zu beeindrucken und die Aufmerksamkeit von der ostjüdischen Herkunft des Zionismus abzulenken. Der eigentliche Adressat war Weizmann, der inzwischen im Vorzimmer des Kriegskabinetts ein- und ausging. „Dr. Weizmann, es ist ein Junge“, sagte Sir Mark Symes zu dem Zionistenführer, als er ihm das Dokument überreichte.

Niemand hat je den Versuch unternommen, eine rationale Erklärung für dieses Verhalten führender westlicher Politiker zu liefern, die sich für eine fremde Sache einspannen ließen. Da die ganze Aktion bis zu diesem Zeitpunkt streng geheim verlief, gibt es hierzu keine Dokumente, die eine solche Erklärung ermöglichen würden. Für eine gute Sache braucht es keine Verschwörung, und dass das Unternehmen unter strengster Geheimhaltung ablief, ist allein schon ein Hinweis darauf, dass ihm unlautere Motive zugrunde lagen. Wenn sich einer der daran beteiligten Männer je öffentlich zu seinen Beweggründen äußerte, dann gewöhnlich in Form einer vagen Beschwörung des Alten Testaments. Dies wirkte reichlich scheinheilig und verfolgte wohl nur das Ziel, Gegner einzuschüchtern. Wie Rabbiner Wise ironisch vermerkte, versprach Lloyd George zionistischen Besuchern mit Vorliebe: „Ihr sollt Palästina von Dan bis Beersheba haben.“ Hierdurch spielte sich der Premierminister als Werkzeug des göttlichen Willens auf. Einmal bat er Sir Charles und Lady Henry, besorgte jüdische Parlamentsabgeordnete zu einem Frühstück einzuladen, „damit ich sie von der Richtigkeit meiner zionistischen Position überzeugen kann“. Gesagt, getan: Im Frühstücksraum des britischen Premierministers wurde ein minyan (jüdische Bezeichnung für ein aus zehn Personen bestehendes religiöses Forum) einberufen, worauf Lloyd George seinen Gästen eine Reihe von Stellen aus der Bibel vorlas, die seiner Interpretation nach die Ansiedlung von Juden in Palästina im Jahre 1917 geboten. „Meine Herren, jetzt wissen Sie, was Ihre Bibel sagt, und damit ist die Sache erledigt“, schloss er seine Ausführungen.

Bei anderen Anlässen lieferte Lloyd George abweichende und einander widersprechende Erklärungen für sein Tun. Gegenüber der königlichen Palästina-Kommission ließ er 1937 verlautbaren, er habe sich vom Wunsch leiten lassen, „die Unterstützung des amerikanischen Judentums zu gewinnen“ und die zionistischen Führer hätten ihm fest versprochen, wenn die Alliierten sich verpflichteten, die Schaffung einer nationalen Heimstatt für die Juden in Palästina zu unterstützen, würden sie „ihr Bestes tun, um alle Juden der Welt zur Unterstützung der alliierten Sache zu bewegen“.

Dies war eine unverfrorene Geschichtsklitterung.

Als sich Balfour nach Amerika begab, um gemeinsam mit seinen dortigen Gesprächspartnern über den endgültigen Wortlaut der nach ihm benannten Erklärung zu entscheiden, waren die USA bereits in den Krieg eingetreten. Balfours Biographin Blanche Dugdale bestreitet ausdrücklich, dass ein solcher Kuhhandel damals stattgefunden hat. Rabbiner Elmer Berger schreibt, die angeblichen Versprechungen der zionistischen Führer, die britischen und amerikanischen Juden würden als Gegenleistung für die Gründung eines zionistischen Staates die Kriegsanstrengungen ihrer Länder unterstützen, hätten in ihm „unbezähmbare Empörung“ wachgerufen: „Für mich, meine Familie, meine jüdischen Freunde, die durchwegs ganz gewöhnliche Juden sind… stellte diese Behauptung eine der obszönsten Verleumdungen der ganzen Geschichte dar. Nur ein gefühlloser und zynischer Mensch konnte unterstellen, dass die Juden in den alliierten Nationen damals nicht bereits ihr Bestes taten, um die Kriegsanstrengungen ihrer Länder zu unterstützen.“

Lloyd Georges dritte Erklärung seines Handelns – „Das Azeton hat mich zum Zionismus bekehrt“ – ist die bekannteste. Laut dieser Version erkundigte sich Lloyd George bei Weizmann, welche Belohnung dieser für eine während des Krieges von ihm gemachte nützliche chemische Entdeckung verlange (damals arbeitete Weizmann als Chemiker für die britische Regierung und konnte sich nur in seinen Mußestunden der Sache des Zionismus widmen). „Ich will nichts für mich selbst, aber alles für mein Volk“, soll Weizmann geantwortet haben, worauf Lloyd George dem Vernehmen nach beschloss, ihm Palästina zu geben. Freilich hat Weizmann diese Version selbst bespöttelt: „Die Geschichte handelt nicht mit Aladinschen Wunderlampen. Lloyd George hatte sich schon lange vor seiner Ernennung zum Premierminister für eine jüdische Heimstatt eingesetzt.“ Übrigens entspricht es britischer Praxis, Erfinder für wertvolle Dienste mit materiellen Zuwendungen zu belohnen, und Dr. Weizmann, der angeblich „nichts für sich selbst“ wollte, bekam für seine Erfindung eine Prämie in Höhe von 10.000 Pfund.

In Anbetracht dieser nackten Fakten drängt sich folgender Schluss auf: Hätte Lloyd George eine ehrliche Erklärung für sein Vorgehen liefern können, so hätte er dies sicherlich getan. Seit den Jahren 1916 und 1917 lässt sich sowohl in England als auch in den USA ein Niedergang des parlamentarisch-demokratischen Systems beobachten. Wenn eine Handvoll Männer hinter den Kulissen über wichtige Entscheidungen der amerikanischen Politik sowie über große Operationen der britischen Heere entscheiden konnten, waren Ausdrücke wie „Wahlen“ und „Verantwortung der Politiker gegenüber ihren Wählern“ offensichtlich zu leeren Worthülsen geworden. Nachdem die führenden amerikanischen und britischen Politiker die verborgene, mächtige Autorität der Zionisten anerkannt hatten, begannen die Unterschiede zwischen den Parteien in beiden Ländern zu verschwimmen, und das amerikanische sowie das britische Volk hatten keine echte Wahl mehr. Heutzutage ist dieser Zustand allgemein verbreitet und jedem Einsichtigen bekannt. Die Führer aller Parteien verpflichten sich vor Wahlen zu immerwährendem Gehorsam gegenüber dem Zionismus; wen das Volk zum Präsidenten oder zum Premierminister kürt, oder welcher Partei es den Vorzug gibt, macht keinen wirklichen Unterschied mehr.

Somit geriet die amerikanische Republik im November 1917 wie vor ihr Großbritannien unter die Kontrolle des Zionismus, der sich im Folgenden als zerstörerische Kraft erwies. Allerdings darf man nicht übersehen, dass der Zionismus seinerseits lediglich eine Erscheinungsform des „zerstörerischen Prinzips“ an sich ist. Wie sich der Leser erinnern wird, war die Masse der russischen Juden zu Dr. Weizmanns Jugendzeit unter der Regie ihrer talmudistischen Führer durchwegs revolutionär gesinnt und lediglich in revolutionäre Zionisten und revolutionäre Kommunisten gespalten.

In derselben Woche, in der die Balfour-Deklaration verabschiedet wurde, erreichte die zweite jüdische Gruppierung in Russland, die kommunistische, ihr Ziel – die Zerstörung des russischen Nationalstaats – ebenfalls. Die westlichen Politiker hatten also ein Ungeheuer mit zwei Köpfen hochgepäppelt. Der eine Kopf war die Macht des Zionismus in den Hauptstädten des Westens, die andere die Macht des Kommunismus, der vom geknechteten Russland aus seine Fangarme ausstreckte. Seine Unterwürfigkeit gegenüber dem Zionismus schwächte die Fähigkeit des Westens, sich gegen die Weltrevolution zu wehren, denn der Zionismus arbeitete darauf hin, die westlichen Regierungen in seinem Würgegriff gefangen zu halten und zu verhindern, dass sie eine Politik im Interesse ihrer eigenen Nationen betrieben: Wer gegen die Weltrevolution Stellung bezog, wurde regelmäßig als „Antisemit“ beschimpft.

Regierungen, die insgeheim in einem Punkt kapituliert haben, können in anderen Punkten nicht entschlossen auftreten, und der Mangel an Entschlusskraft, den London und Washington in den vier folgenden Jahrzehnten bei der Auseinandersetzung mit der Weltrevolution an den Tag legten, war eine offensichtliche Folge des Sündenfalls, den sie zwischen 1914 und 1917 begangen hatten, als sie sich in das transatlantische „Netz der Intrigen“ einspannen ließen.

Seit 1917 lautet die Frage, auf welche die restlichen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts eine Antwort erteilten müssen, ob der Westen noch die Kraft aufbringen wird, seine Ketten zu sprengen oder seine Politiker aus der zweifachen Knechtschaft zu befreien, in der sie sich befinden. Bei der Lektüre der folgenden Kapitel tut der Leser gut daran, in Erinnerung zu behalten, wozu sich britische und amerikanische Politiker während des Ersten Weltkriegs verleiten ließen.

13. Als Lord Sydenham von der „tödlichen Präzision“ der in den Protokollen der Weisen von Zion gemachten Voraussagen schrieb, mag er insbesondere an folgende Passage gedacht haben: „Wir werden dem Präsidenten das Recht verleihen, den Kriegszustand auszurufen. Dieses Recht werden wir damit begründen, dass der Präsident als Chef der gesamten Armee des Landes im Bedarfsfall über sie verfügen können muss.“ Dies wurde in unserem Jahrhundert zur gängigen Praxis. 1950 schickte Präsident Truman amerikanische Truppen nach Korea, um „der kommunistischen Aggression entgegenzutreten“, ohne den Kongress zuvor um seine Einwilligung zu ersuchen. Später wurde der Konflikt dann zum Krieg der „Vereinten Nationen“ erklärt, und siebzehn weitere Staaten entsandten Truppen nach Korea, wo sie unter dem Oberbefehl des amerikanischen Generals MacArthur kämpften. Es war dies das erste Experiment mit einem Krieg unter der Regie einer „Weltregierung“, was Senator Taft 1952 zu folgender Frage bewog: „Wie ernst ist es uns mit unserer antikommunistischen Politik?“ Mac Arthur wurde seines Amtes enthoben, nachdem er gegen einen Befehl protestiert hatte, der es amerikanischen Piloten untersagte, chinesische Flugzeuge auf chinesisches Territorium zu verfolgen. 1953 wurde der Krieg auf Präsident Eisenhowers Geheiß abgebrochen, und halb Korea blieb in der Hand des „Aggressors“. MacArthur und andere hohe US-Offiziere behaupteten später, der erwähnte Befehl sei dem Feind von einem „Spionagering“ zugespielt worden, der MacArthurs Geheimberichte nach Washington „entwendet“ habe (Life , 7. Februar 1956). Dieser Sachverhalt wurde von dem chinesischen Oberbefehlshaber bestätigt (New York Daily News, 13. Februar 1956). Im Juni 1951 waren zwei Funktionäre des britischen Außenministeriums, Burgess und MacLean, verschwunden; nachdem das Außenministerium vier Jahre lang jegliche Stellungnahme verweigert hatte, gab es im September 1955 zu, dass sich die beiden – wie allgemein vermutet – in Moskau befanden und „während eines langen Zeitraums für die Sowjetunion spioniert hatten“, was MacArthur Anlass zur Behauptung bot, Burgess und MacLean seien es gewesen, die den kommunistischen „Aggressor“ über das Verbot informiert hätten, chinesische Flugzeuge über die Grenzen Chinas hinaus zu verfolgen (Life, siehe oben). Am 4. April 1956 wurde Eisenhower anlässlich einer seiner regelmäßig durchgeführten Pressekonferenzen von einem Reporter gefragt, ob er ein kurz zuvor in den Mittelmeerraum entsandtes Marinebataillon zur Eröffnung kriegerischer Handlungen ermächtigen werde, ohne den Kongress vorher um seine Zustimmung zu bitten (damals schien ein Krieg im Nahen Osten durchaus möglich). Eisenhower entgegnete verärgert: „Ich habe immer wieder betont, dass ich keinerlei Aktion unternehmen werde, die als Krieg interpretiert werden kann, ohne dass der Kongress, dem dieses Recht laut unserer Verfassung zusteht, ein solches Vorgehen billigt.“ Doch am 3. Januar, kurz nach seiner Wiederwahl, stellte er dem Kongress den Entwurf einer Resolution zu, die ihm das uneingeschränkte Recht verlieh, „zwecks Abschreckung einer kommunistischen Aggression“ im Nahen Osten militärische Schritte zu ergreifen.

Kapitel 32

Abermals die Weltrevolution

Die gleichzeitigen Triumphe des Bolschewismus in Moskau und der Zionismus in London in ein und derselben Woche des Jahres 1917 waren nur äußerlich gesehen zwei voneinander unabhängige Ereignisse. Wie wir in früheren Kapiteln zur Genüge nachgewiesen haben, gingen diese beiden Ideologien auf eine gemeinsame Quelle zurück, und die hinter den Kulissen agierenden Männer, die den Zionismus über ihre Marionetten in den westlichen Regierungen förderten, unterstützten auch die Weltrevolution. Jede der beiden Strömungen erfüllte eine Hälfte des alten Gesetzes „Reiße nieder und zerstöre… herrsche über alle Nationen“: Die eine riss nieder und zerstörte, und die andere trat still und leise ihre Herrschaft über die Länder des Westens an.

Die Geschehnisse des Jahres 1917 erbrachten den Beweis dafür, dass Disraelis Ausspruch über die Revolution von 1848 weiterhin unverändert Gültigkeit besaß: Die Juden standen an der Spitze „jeder einzelnen“ Geheimgesellschaft und arbeiteten auf die Vernichtung des Christentums hin. Die bolschewistische Bewegung, die sich 1917 in Russland an die Macht putschte, war in so hohem Maß von Juden kontrolliert, dass man sie mit gutem Gewissen als „jüdisch“ bezeichnen kann. Somit beantwortete die Geschichte selbst die Frage nach dem Charakter der treibenden Kraft hinter der Revolution so eindeutig, dass sich jede weitere Debatte darüber erübrigte. Auch die Taten der siegreichen Revolutionäre sprachen für sich: Die Art der ersten von ihnen verabschiedeten Dekrete, ihre symbolische Verhöhnung des Christentums, die Umstände, unter denen der Zar ermordet wurde – all dies trug den unverkennbaren Stempel talmudistischer Rache.

In den vier Jahrzehnten, die seither vergangen sind, wurden enorme Anstrengungen unternommen, um diese unumstößliche Tatsache unter den Teppich zu kehren, ohne dass man ernsthaft auf die Argumente seriöser Forscher eingegangen wäre. Beispielsweise vermochte der begabte (und mit Recht respektierte) jüdisch-amerikanische Schriftsteller George Sokolsky den nackten Fakten, die Prof. John Beaty in seinem 1951 erschienenem Buch The Iron Curtain over America dargelegt hatte, nichts weiter entgegenzusetzen als den Satz: „Es ist unmöglich, dieses Buch zu lesen, ohne zum Schluss zu gelangen, dass Prof. Beaty zu beweisen versucht, dass der Kommunismus eine jüdische Bewegung ist.“ Was die Führung der kommunistischen Bewegung betraf, so war diese schon lange vor 1917 in der Tat jüdisch dominiert (wie sich die Situation später entwickelte, und wie sie sich heute darbietet, werden wir in späteren Kapiteln untersuchen). Gewiss, der Kommunismus war keine Verschwörung aller Juden, genau so wenig wie die französische Revolution, der Faschismus und der Nationalsozialismus eine Verschwörung aller Franzosen, Italiener und Deutschen gewesen wären. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Organisatoren und Führer der kommunistischen Bewegung aus den talmudistisch kontrollieren Zonen Russlands stammten. Insofern war der Kommunismus also nachweislich eine jüdische, oder genauer gesagt eine ostjüdische Bewegung.

Die von der bolschewistischen Revolution verfolgten Ziele traten schon unmittelbar nach ihrem Ausbruch mit aller Klarheit hervor und bewiesen, dass diese Revolution mitnichten eine spontane Erhebung war, sondern dass die von Weishaupt erwähnte Geheimorganisation eben zum dritten Male zugeschlagen hatte. Wie schon ihre Vorgängerinnen wies auch diese Revolution zwei zentrale Charakterzüge auf: Sie richtete sich gegen jede Form legitimer Regierung und gegen die Religion. Seit 1917 kann sich die Weltrevolution nicht mehr hinter der Behauptung verschanzen, sie sei nur gegen die „Könige“ oder gegen die politische Macht des Klerus gerichtet.

Schon bald nach der Oktoberrevolution meldete sich eine prominente Persönlichkeit zu Wort, die all dies wusste und sich nicht scheute, es öffentlich zu sagen. In der Tradition eines Edmund Burke, eines John Robison, eines George Washington, eines Alexander Hamilton und eines Benjamin Disraeli schrieb Winston Churchill im Illustrated Sunday Herald vom 8. Februar 1920:

„Es macht fast den Anschein, als habe die Vorsehung gewollt, dass das Evangelium Christi und das Evangelium des Antichristen aus der Mitte ein und desselben Volkes hervorgehen sollten, und als sei diese mystische und geheimnisvolle Rasse dazu auserkoren, sowohl das Göttliche als auch das Teuflische in seiner reinsten Form zu verkörpern… Von den Tagen des ‚Spartacus‘ Weishaupt bis hin zu Trotzki (Russland), Bela Kun (Ungarn), Rosa Luxemburg (Deutschland) und Emma Goldman (USA) gewinnt diese weltweite Bewegung zum Sturz der Zivilisation und zum Aufbau einer auf Rückständigkeit, Neid, Bosheit und einer unmöglichen Gleichheit fußenden Gesellschaft beständig an Boden. Wie eine zeitgenössische Autorin, Nesta Webster, sehr überzeugend nachwies, hat diese Verschwörung bei der Tragödie der Französischen Revolution eine klar erkennbare Rolle gespielt. Sie war der Quell jeder subversiven Bewegung des 19. Jahrhunderts, und nun hat diese Schar von außergewöhnlichen Gestalten aus der Unterwelt der Großstädte Europas und Amerikas das russische Volk beim Schopf gepackt und sich praktisch zu unumschränkten Herrschern des Riesenreichs emporgeschwungen. Die Rolle, welche diese internationalen und größtenteils atheistischen Juden bei der russischen Revolution gespielt haben, lässt sich kaum überschätzen. Sie ist jedenfalls sehr groß und stellt vermutlich diejenige aller anderen beteiligten Gruppierungen in den Schatten.“

Soweit ich weiß, war dies die letzte freimütige Stellungnahme eines führenden Politikers der westlichen Demokratien zu dieser Frage. Bald darauf wurde jede öffentliche Diskussion darüber in Acht und Bann getan, und es setzte ein lähmendes Schweigen ein, das bis zum heutigen Tage andauert. 1953 verweigerte Churchill seine (laut britischem Gesetz erforderliche) Zustimmung zu einer fotografischen Reproduktion dieses Artikels, ohne irgendwelche Gründe hierfür zu nennen.

Das Wissen um die jüdische Führungsrolle bei der bolschewistischen Revolution war von ungeheurer Bedeutung; dass es später unterdrückt wurde, erstickte jede heilsame öffentliche Debatte im Keim und trug entscheidend zur Schwächung des Westens bei. Wenn dermaßen elementare Fakten totgeschwiegen und der öffentlichen Diskussion entzogen werden, wird jede rationale Politik unmöglich: das Treiben der Politiker gleicht dann einem Billardspiel mit verbogenen Schlägern und elliptischen Kugeln. Mehr als jeder andere Faktor weist diese unerbittliche und sehr erfolgreiche Zensur – von der weiland bereits die Herren Robison, Barruel und Morse ein Lied singen konnten – auf die ungeheure Stärke der Verschwörung hin.

In den unmittelbar auf die Oktoberrevolution folgenden Jahren funktionierte diese Zensur freilich noch nicht so reibungslos wie später. Im Weißbuch der britischen Regierung („Russland“, Nr. 1, eine Sammlung von Berichten über den Bolschewismus) wurde ein Bericht des niederländischen Botschafters in St. Petersburg Oudendyke an Außenminister Balfour in London zitiert, in dem es hieß: „Der Bolschewismus wird von Juden organisiert und geleitet, die keine Nationalität haben und deren einziges Ziel darin besteht, die bestehende Ordnung zur Förderung ihrer eigenen Anliegen zu zerstören.“ Der amerikanische Botschafter David R. Francis äußerte sich in ähnlichem Sinne: „Die hiesigen Bolschewikenführer, von denen die meisten Juden und 90% aus dem Exil zurückgekehrt sind, empfinden wenig Liebe zu Russland oder irgend einem anderen Land, sondern sind Internationalisten und versuchen eine weltweite soziale Revolution in Gang zu bringen.“ In späteren Auflagen der offiziellen britischen Dokumentensammlung zur Oktoberrevolution war Oudendykes Bericht nicht mehr enthalten, und die authentischen zeitgenössischen Dokumente, in denen diese Frage angeschnitten wurde, sind heute nur sehr schwer aufzutreiben.

Glücklicherweise gab es aber einen Zeugen, der die offiziellen britischen Unterlagen aus der Zeit unmittelbar nach der bolschewistischen Revolution aufbewahrt hat.

Dieser Zeuge war Robert Wilton, Korrespondent der Londoner Times und Augenzeuge der Geschehnisse. In der französischen Ausgabe seines 1920 erschienenen Buchs The Last Days of the Romanoffs wurden die (in der englischen Originalausgabe getilgten!) offiziellen bolschewistischen Listen, die Auskunft über die Zusammensetzung der revolutionären Führungsorganisationen vermittelten, vollumfänglich abgedruckt. Aus diesen Unterlagen geht folgendes hervor:

– Im Zentralkomitee der bolschewistischen Partei, also der höchsten Führungsinstanz des Landes, saßen drei Russen (darunter Lenin) und neun Juden;

– Das zweitwichtigste Führungsgremium, das Zentralkomitee der Exekutivkommission, bestand aus 42 Juden sowie 19 Angehörigen anderer Nationalitäten (Russen, Letten, Georgier etc.):

– Der Rat der Volkskommissare umfasste 17 Juden und 5 Angehörige anderer Nationalitäten:

– Der Moskauer Tscheka (Geheimpolizei) gehörten 23 Juden und 13 Nichtjuden an:

– Von 556 hochrangigen Funktionären der bolschewistischen Regierung waren 448 Juden und die restlichen Angehörige anderer Völkerschaften;

– Die Zentralkomitees der kleinen, nominell „sozialistischen“ oder sonstwie nichtkommunistischen Parteien, die damals noch erlaubt waren, um die aus der Zarenzeit an die Existenz von Oppositionsparteien gewöhnten Massen zu täuschen, bestanden aus insgesamt 55 Juden und 6 Nichtjuden.

In den von Wilton abgedruckten Originaldokumenten figurierten sämtliche Namen. Ganz nebenbei sei darauf hingewiesen, dass die ethnische Zusammensetzung der kurzlebigen kommunistischen Regime, die 1918/1919 in Ungarn und Bayern die Macht ausübten, ein ganz ähnliches Bild bot.

Wilton bemühte sich nach Kräften, den Lesern der westlichen Zeitungen die Augen darüber zu öffnen, was in Russland vor sich ging. Dass ihm dies kaum gelang, brach ihm das Herz und er starb Anfang 1923 im Alter von nur 57Jahren. Er hatte die Aufgabe, über die folgenschwersten Geschehnisse, die sich je vor den Augen eines Journalisten abspielten, zu berichten, nicht selbst gewählt, sondern war von den Umständen dazu gezwungen worden. Da er seit seiner Jugendzeit in Russland gelebt hatte und dort zur Schule gegangen war, kannte er dieses Land sowie seine Sprache perfekt; sowohl die Russen als auch die Angehörigen der britischen Botschaft begegneten ihm mit größter Hochachtung. Er beobachtete die Unruhen vom Fenster des Times -Büros aus; dieses grenzte unmittelbar an die Präfektur, in die sich die Mitglieder der zusammenbrechenden Regimerung geflüchtet hatten. Zwischen dem Amtsantritt der Kerensky-Regierung im Frühling 1917 und der bolschewistischen Machtergreifung im November desselben Jahres bestand seine Aufgabe darin, über ein weltpolitisch vollkommen neues Phänomen zu berichten: Den Aufstieg eines despotischen jüdischen Regimes, das in Russland die ganze Macht an sich riss und die Weltrevolution unverhüllt steuerte. Wilton begriff schon bald, dass man ihm nicht erlauben würde, wahrheitsgetreu über diese Fakten zu berichten.

In der Anno 1952 erschienenen Offiziellen Geschichte seiner Zeitung, der Times, wird dies überraschend offen eingeräumt. Dies liefert einen unverkennbaren Hinweis auf den verborgenen Mechanismus der Zensur, die bereits 1917 existierte und die Völker des Westens daran hinderte, den wahren Charakter der „Russischen“ Revolution zu durchschauen. Die Offizielle Geschichte stellt Robert Wiltons Berichterstattung aus Russland vor 1917 sehr positiv dar, doch dann ändert sich der Tonfall abrupt. Die 1917 von Wilton geäußerten Warnungen, heißt es, hätten „die Politik der Zeitung nicht unmittelbar beeinflusst, teilweise weil der Verfasser kein volles Vertrauen genoss“.

Warum kam es, dass Wilton „kein volles Vertrauen genoss“, wenn er zuvor doch so hervorragende Arbeit als Korrespondent geleistet hatte? Der Grund liegt auf der Hand:

Nachdem Wilton seinen Unmut darüber bekundet hatte, dass die von ihm gelieferten Nachrichten in entstellter Form oder gar nicht veröffentlicht wurden, begann die Times Artikel von Autoren zu drucken, die in keiner Hinsicht qualifiziert waren, sich zum Thema Russland zu äußern. Nach und nach nahmen die einschlägigen Leitartikel einen Tenor an, der Wilton zutiefst empörte: “Jene, die an die Zukunft Russlands als einer freien und effizienten Demokratie glauben, werden mit geduldiger Zuversicht und ernster Sympathie verfolgen, wie das neue Regime die Hoffnungen, die man in es setzt, erfüllt.” Damit war der Tonfall für die künftige Berichterstattung über Russland vorgegeben; jahrzehntelang wurde die Öffentlichkeit in diesem Stil “informiert”. (Ich selbst sowie andere Korrespondenten, die zwischen 1933 und 1938 in Berlin stationiert waren, mussten dort dieselbe Erfahrung machen wie Wilton in Russland und der in einem früheren Kapitel erwähnte Obert Repington in London.)

Robert Wilton fiel bei den Herausgebern der Times während des fünfmonatigen Zeitraums in Ungnade, als Kerenski von den jüdischen Revolutionären Schritt für Schritt entmachtet wurde. Warum? Die Offizielle Geschichte der Times beantwortet diese Frage mit dankenswerter Offenheit: “Es war für Wilton sehr nachteilig, dass eine seiner Botschaften… in zionistischen Kreisen, ja selbst im Außenministerium, den Eindruck erweckte, er sei Antisemit.”

Diese Worte muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: “Zionistische Kreise”, nicht “kommunistische”! Einen klareren Beweis für die Kumpanei zwischen Zionisten und Kommunisten kann man sich kaum wünschen. Warum hätten die Zionisten, die von der britischen Regierung eine “Heimstatt” in Palästina wollten, sonst Anstoß an den Meldungen eines britischen Moskau-Korrespondenten nehmen sollen, der darüber berichtete, dass in Russland ein jüdisches Regime nach der Macht griff? Immerhin war Wilton lediglich seiner Pflicht nachgekommen, die Leser wahrheitsgemäß über die Entwicklung in Russland zu informieren. Doch für die Zionisten war er ein “Antisemit”, und dies reichte bereits aus, um ihn bei der Redaktion der Times in Misskredit zu bringen. Um seinen guten Ruf in den Augen der Herausgeber zu wahren und seine Artikel weiterhin unzensiert veröffentlichen zu können, hätte er die Lage in Russland bewusst verzerrt darstellen müssen. Ganz offensichtlich erwartete man von ihm, eine absolut essentielle Tatsache tunlichst unter den Teppich zu kehren.

Als ich diesen aufschlussreichen Bericht las, fragte ich mich, wer den “zionistischen Kreisen”, dem Außenministerium und der Times-Redaktion wohl eingeredet haben mochte, Wilton sei ein “Antisemit”. Dem Hist